Isabell Boyer über „Arabella“

Isabell Boyer über “Arabella”

ARABELLA_11_FOTO_Hans Joerg MichelDer Vorhang schließt sich, das Publikum schweigt und wartet auf das Antlitz jener, die Hofmannsthals und Strauss’ Meisterwerk in unsere Leben bringen. Wer hier pompöse, dekadente Bühnenbilder erwartet, staunt zuerst: Es zeigen sich kahle Räume, von weißen Wänden geziert, die sich immer wieder neu arrangieren lassen. In dieser ‘Arabella’ geht es nicht um offensichtliche Dekadenz, sondern um die, die man im Herzen trägt. Somit erzeugt nicht der Hintergrund den optischen Rahmen der Begebenheiten, sondern die farbenfrohen Kleider, die sich je nach Anlass wandeln, sowie das hinreißende Licht, das die kalten, weißen Wände in Schattenspiel und Atmosphäre taucht.
Darin, begleitet vom Licht wie von schweigenden Auren, singen Arabella und Zdenka mit eindrucksvollen Stimmen von ihren Sorgen, die eine von ihrem Wunsch, den Richtigen zu finden, die andere davon, einerseits ihre Familie scheitern zu sehen, die von Spielsucht und Oberflächlichkeit zerfressen ist, andererseits sich selbst zu verlieren in der Lüge, die sie aufrechterhalten muss. Zdenka ist in ihren Gefilden nämlich nicht als Mädchen bekannt, sondern als Junge. Ihre Eltern gingen davon aus, nur ein Mädchen standesgemäß aufziehen zu können und entschlossen somit, dass ihre jüngere Tochter als Zdenko bekannt werden sollte – mit kurzem dunklem Haar, Brille und unscheinbarer Kostümierung.
Es ist beeindruckend, wie aufopferungsvoll die junge Frau sich gibt, obwohl ihre Liebe lange nicht erwidert und ihre Hoffnungen nicht selten innerhalb des Stücks zerstört werden. Hierbei beeindruckt mich besonders die Darstellung ihrer Person von Anja-Nina Bahrmann, die sowohl die humoristischen, als auch die tragischen und romantischen Seiten ihrer Rolle exzellent zu verkörpern wusste.
Doch ist sie nicht die einzige junge Frau, deren Leben auf den Kopf gestellt wird. Arabella, das Hauptaugenmerk unseres Stücks, stellt einen Kontrast zu ihrer Schwester da, der nur spielerisch aufgehoben wird, wenn die beiden Frauen direkt aufeinander treffen. Sie ist überheblich, selbstbewusst, trägt auffällige, bunte Kleidung, liebt es, zu kokettieren, zu spielen, Männer um den Finger zu wickeln. Zu Anfang stellte sich die Frage, wo genau Sympathien anzulegen sind. Mit wem fühlt man mehr mit? Mit der Frau, die sich verstecken muss und leugnen muss, einen Mann zu lieben, der sich stets in ihrer Nähe befindet? Oder mit derjenigen, die alles hat, aber merkt, dass es nie der Richtige war, der sie umwarb, bis er eines Tages auf der Bildfläche erscheint?
Ein Foto, das schließlich zur Brautwerbung an einen ehemaligen Freund des Vaters verschickt wird, bringt die Geschichte ins Rollen. Nicht mehr als ein Abbild, ein Zeichen der Schönheit Arabellas, bewegt Mandryka, den Mann, den Arabella sich erträumte, dazu, um ihre Hand anzuhalten. Den geldgierigen Eltern kommt dies nur recht. Kurz darauf beginnt das Chaos. Als Arabella ihre letzte Nacht als Mädchen feiern will und recht früh wieder gehen möchte, um sich auf ihr neues Leben vorzubereiten, führt ein schreckliches Missverständnis zu Fehlern, die es kaum zu begleichen gilt. Es ist schockierend, zu sehen, wie ein lustig anmutendes Fest zur Orgie gewandelt wird, angetrieben und ermöglicht von dem Mann, der vor Eifersucht blind geworden ist.
Nur Zdenka, die das Schicksal herausforderte, da sie Matteo, den Mann, den sie liebte, täuschte, kann am Ende alles wieder ins Gute umkehren. Nicht nur sie hat nun die Möglichkeit, zu lieben, nein, auch Arabella erhält eine neue Chance, sich zu beweisen und zeigt Mandryka sowohl Hoffnung, als auch Grenzen auf. Am Ende ist es nicht der überschwängliche Kitsch, der das Paar zusammenbringt, sondern ein Brauch, den sie in erstaunlich erwachsener, schlichter Haltung für Mandryka übernommen hat: Sie reicht ihm als Zeichen dafür, dass sie selbst ihn und keinen anderen erwählt hat, ein Glas Wasser über die Schwelle. Es wird klar, dass sie zwei Dinge erreicht hat, die für sie von größter Wichtigkeit sind: Selbstbestimmung in einer Welt, wo Frauen dies selten inne haben und Liebe, ehrlich und aufrichtig, erwachsen und wahrhaftig.
Das Ensemble, ebenso wie das Orchester, Regie und Technik, haben mit Arabella ein Monument geschaffen, einzigartig als Abbild der Gesellschaft. Es bleibt jedem selbst überlassen, mit wem er sich in diesem Stück identifiziert. Doch eines bleibt wohl festzuhalten: Wir müssen lernen, zu wissen, wer wir sind, warum wir sind, wie wir sind und was wahre Liebe, Vertrauen und Verständnis füreinander wirklich bedeuten.


Weitere Informationen zu “Arabella
“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsIsabell Boyer
Studentin

Auf unseren jüngsten Opernscout sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Als Opernscout berufen worden zu sein ist eine Ehre für sie. Sie ist sehr froh, dabei zu sein und hofft auf eine schöne Zeit.

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Christina Irrgang über „Arabella“

ARABELLA_04_FOTO_Hans Joerg MichelMit der Inszenierung von Tatjana Gürbaca an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf ist Richard Strauss‘ „Arabella“ in ein neues Kleid gestiegen: in eines der Emanzipation.
Die Szenerie um Arabella, deren gebotene Heirat als einziger familiär-wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ausweg aus der verarmten Wiener Adelsfamilie erscheint, könnte nicht klischeereicher beginnen: Der Vater wirbt mit ihr anhand einer Fotografie, woraufhin sich der Fremde Mandryka sogleich in Arabellas Abbild verliebt. Das Portrait der jungen Frau vereinnahmt seine Sinne, veranlasst ihn zu einer Reise aus den heimischen Wäldern Slawoniens nach Wien, zur Brautwerbung und zur direkten Antragstellung. Die bildhafte Erscheinung von Arabella ist Mandrykas Fundament für dessen Liebe – eine sehr instabile, wie sich im Verlauf der Oper erweisen wird.
Das Stück spielt im Jahr 1860. Es ist eine Zeit, in der die gesellschaftsfähige Entwicklung der Fotografie gerade erst begonnen hat, doch ist es auch eine Zeit, in der Visitenkartenportraits durchaus geläufig waren. Es ist anzunehmen, dass der Dichter Hugo von Hofmannsthal auf diese Mode verwies, als er 1927 mit Richard Strauss in Brief-Korrespondenz stand, um die Handlung der „Arabella“ zu verfassen. Viel mehr noch aber ist der Glaube an die durch die Fotografie vermittelte Authentizität ein Aspekt seiner Zeit, wurde das fotografische Bild zu Hofmannsthals Zeit geradezu massentauglich und politisch wirksam.
So, wie Arabellas Antlitz auf dem Abbild des Fotos den Mandryka blendet, wird ihr Charakter auch im 1. Aufzug und 2. Aufzug dargestellt. So durchläuft Arabella in Gürbacas Regie, in Anne do Pacos Dramaturgie und in Silke Willretts Kostümen die Rollen des KÖ-Girlies mit silbernem Rock und den passenden Schuhen, hin zu einer Prinzessin in pinkfarbenem Tüll. Arabella wird zum Sinnbild der Oberflächlichkeit, die sich in ihrem Charakter auf Selbstverliebtheit und Koketterie stützt, und in ihrem taumelden Liebeswahn zu Mandryka als dessen Untertanin seinen Schatten – in diesem Fall sein halbfestes Abbild – küsst. Den Umbruch von Anschein zu Tatsächlichkeit bringt ein Missverständnis – doch die vermeintliche Tragödie des Stückes kehrt in ihrer Intensität und Vehemenz nur die Stärke der Protagonistin hervor. Denn erst Arabellas Erkennen des „Einbildens“ und Verblendetseins verhilft ihr zu einer autonomen Persönlichkeit, und erst ihre Geste des Verzeihens und des sinnbildlichen „Wasser Reichens“ verhilft ihr und Mandryka als Paar zu wahrer Größe. So erscheint die Schlussszene, in der Arabella als ernste, erwachsene Figur ein schwarzes Kleid trägt, auch nur scheinbar von Trauer gefärbt. Die minimal gestaltete Bühne mit weißen Drehtüren von Henrik Ahr öffnet sich in den rohen schwarzen Bühnenhintergrund, die Inszenierung mündet in den Realraum, die Protagonisten wenden sich vom Publikum und vom Schauspiel ab. Stärke und Mut, Charakterentwicklung und Absage an Tam-Tam: Bravo für diese Arabella, die außerdem fantastisch musikalisch dargeboten ist.

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsChristina Irrgang
Freie Autorin

Christina Irrgang lebt und arbeitet als freie Autorin in Düsseldorf. Sie studierte Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, an der sie aktuell über den Fotografen Heinrich Hoffmann im Kontext politischer Bildstrategien promoviert. Parallel zum Schreiben verfolgt sie im künstlerischen Bereich ihr Musik-Projekt BAR, das sie 2013 mit Lucas Croon gegründet hat. In der Spielzeit 2015/16 ist sie zum zweiten Mal begeisterter Opern-und Ballett-Scout!

Susanne Freyling über „Arabella“

ARABELLA_12_FOTO_Hans Joerg MichelBei der Premiere von Arabella von Richard Strauss durften wir einen emotionalen Abend erleben, der das Publikum fühl- und hörbar teilte. Für mich war die moderne Inszenierung der tragisch-komischen Familiengeschichte sehr gelungen, unterhaltend und kurzweilig und ist damit eine klare Empfehlung.
Wohltuend modern war der Eindruck des sich mit einem Schlag öffnenden Bühnenbildes, das mit seinen überwiegend weißen Wänden den Schauspielern und Ihren gut ausgewählten Kostümen viel Freiraum lies und zudem interessante Schattenwürfe erzeugte.
Das Bild der Drehtüren und der entstehenden Parallelräume erzeugte ein Gefühl der gezwungenen Öffentlichkeit auch in intimsten Situationen und der Verflechtung der Akteure untereinander.
Die sehr lebhafte Inszenierung steigerte sich stark vom ersten auf den zweiten Akt, der den dramaturgischen Höhepunkt in Form einer Orgie darstellte. Dieses Bild wurde sehr stark ausgereizt und ging bis knapp an die Geschmacksgrenze. Die Musik trat durch die intensiven Bilder auf der Bühne beinahe in den Hintergrund.
Die Hauptpersonen wurden durch die Schauspieler sehr gut verkörpert, teilweise fast schon überzeichnet. Hier fielen mir insbesondere die materiell getriebene Mutter, der glücklose und traurige Matteo und die drei abgewiesenen jugendlichen Freier mit ihren imaginären Pferden auf.
Die beiden Schwestern und Ihre enge Beziehung berührten, die schöne Arabella zeigte zunehmend Größe und Reife bis zum Schlussbild im schwarzen Kleid.
Dieses, zusammen mit dem sich in letzter Minute verändernden Bühnenbild, zeigte wie vermeintlich es ein Happy End ist und ließ einigen Spielraum für Interpretation offen.

Weitere Informationen zu „Arabella“:
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OpernscoutsSusanne Freyling
Senior Category Manager bei L’Oréal

Obwohl Susanne Freyling seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, ist die Oper eher „Neuland“ für sie. „Ein sehr bereicherndes!“, sagt die bei L‘Oréal arbeitende Diplom-Betriebswirtin. Am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ begeistert sie der Austausch mit den anderen Scouts und die Möglichkeit, ihre Eindrücke an Freunde, Kollegen und eine breitere Öffentlichkeit weiterzugeben.

Claudia Graw über „Arabella“

ARABELLA_06_FOTO_Hans Joerg MichelArabella, die Titelfigur in der gleichnamigen Oper von Richard Strauss, und ihre Familie stehen wegen der Verschwendungssucht der Mutter und der Spielsucht des Vaters vor dem finanziellen Ruin. Sie erlebt die zunächst unerfüllte Liebe ihrer Schwester Zdenka, die ihr Leben in Jungenkleidung-aus eben diesen finanziellen Gründen- verbringen muss. Und sie selbst soll nun einen Mann finden, der die materiellen Möglichkeiten hat, die Familie vor dem endgültigen Absturz zu retten.
Das Leben in einer Welt von mehr Schein als Sein wird in dieser Inszenierung für mich großartig dargestellt und durchleuchtet. Wo ich vielleicht -wegen des Namens Strauss-eine operettenhafte Szenerie erwartet hätte, sehe ich ein schlichtes und fast karges Bühnenbild, das seine Akteure sehr geschickt in Szene setzt. Die Kostüme heben sich vor dem weißen Hintergrund besonders ab und ich verstehe sie als zeitlos, denn der Themenkomplex um Eltern, die ihren Kindern kaum Vorbild sind sondern sogar eher peinlich und um Menschen auf der Suche nach Identität und Liebe passt in jeden zeitlichen Rahmen.
Die Oper ist als „lyrische Komödie“ untertitelt und so nimmt die Handlung bis zum
Schluss die typischen Irrungen und Wirrungen. Ob es dann aber wirklich ein glückliches oder doch ungewisses Ende für Arabella und Mandryka gibt, lässt Regisseurin Tatjana Gürbaca durch die ungewöhnliche „Verpackung“ ihrer Aufführung wohl eher offen.
Eine sehr gelungene Inszenierung und eine hinreißende Jacquelyn Wagner als Arabella.

Weitere Informationen zu „Arabella“:
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OpernscoutsClaudia Graw
Buchhalterin bei Electronic Partner

Für die berufstätige Mutter von zwei Kindern ist der Opern- und Ballettbesuch eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Die besondere Atmosphäre im Opernhaus, wenn sich der Saal verdunkelt und im Orchestergraben konzentrierte Stille auf das Stimmen der Instrumente folgt, kann sie voller Spannung und Freude genießen. „Grandiose Abende“ hat sie mit dem Ballett am Rhein erlebt. Auch wenn sich ihr nicht jeder Ballettabend unmittelbar erschlossen hat, öffnete ihr der Austausch mit den Scouts und die eigene Reflexion im Text die Tür zu einem nachhaltig faszinierenden Erlebnis.

Stefanie Wallace über „Arabella“

ARABELLA_13_FOTO_Hans Joerg MichelDie lyrische Komödie Arabella, modern inszeniert von Tatjana Gürbaca löst ein Feuerwerk an Gefühlen aus, die über den Abend hinaus ragen.
Die Geschichte so alt und doch so aktuell – handelt von der großen Liebe, Emotionen, Intrigen und Familien Konstrukten, die einem vielleicht vertraut vorkommen.
Im 1. Aufzug findet die Musik einen angemessenen Raum und Klang. Sie unterstreicht das emotionale Chaos, in dem sich Arabella befindet, ohne zu dominieren. Durch Wiederholungen der immer wiederkehrenden Avancen von Arabellas Verehren entsteht ein Gefühl von Länge die sich als eine angenehme Langsamkeit entpuppt. Langsamkeit wie wir sie heute nur noch selten in unserem Alltag erleben. Doch wenn es um die Wahl des „richtigen“ Mannes geht, braucht „Frau“ eben Zeit, denn es soll sich ja alles stimmig anfühlen und vor allem von Herzen kommen. So wägt Arabella ab und lässt sich von ihrer Familien nicht in die Wahl ihres Zukünftigen reinreden– eine emanzipierte Frau – so scheint es und doch ist sie geblendet von Sehnsucht und romantischen Gefühlen.
Durch das Bühnenbild ist ein schneller Wandel von Räumen entstanden, die allerdings nur eine scheinbare Privatsphäre signalisieren. Übertragen auf die heutige Zeit, finde ich das Bühnenbild, mit dem Gedanken, dass es schwierig ist sich zurück zu ziehen – „mobiles Zeitalter“ – sehr treffend! Die klaren Formen und schlichte Gestaltung des Bühnenbildes bieten einen idealen Hintergrund für die Farbe und Form der Kostüme. Die Kleidung mit ihrer intensiven Couleurs besticht und unterstreicht die Persönlichkeiten der einzelnen Charaktere.
Im 2. Aufzug kommt es zu dem ersehnten Moment, in dem Arabelle in Mandryka nun den „richtigen“ Mann für ihr Leben sieht. Die glitzernde Bühne und die bezaubernden Metaphern wie „(…)„alles hell und offen wie ein lichter Fluss auf dem das Licht blitzt“ sind rührig und Arabella schwelgt in ihrem Glück. Der Ball ist in vollem Gange und es wird bunt und turbulent – unerwarteter Weise am Ende ohne Arabella.
Die Musik tritt in den Hintergrund und verliert sich etwas im Getümmel des wilden Treibens auf der Bühne. Es wird sehr ausladend, provokant und alles gerät außer Kontrolle. Spätestens jetzt ist jeder Zuschauer wieder inmitten des Geschehens.
Durch Missverständnisse eskaliert die Situation und so scheint es, dass sich nun alles an Glückseligkeiten und Liebenseiden in Luft auflöst – kommt es im 3. Aufzug nochmal zu einer Wende, die Ruhe und Klarheit bringt. Willkommen in der Realität. Arabella hat begriffen, dass das Leben sehr facettenreich ist und sich entschieden ihrem Herzen zu folgen und versöhnt sich mit Mandryka  mit einer sehr schönen schlichten Geste und bietet ihrem Zukünftigen ein Glas Wasser zur Versöhnung an. Ihr schwarzes Kleid lässt Raum für persönliche Interpretationen.

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsStefanie Wallace
Yogalehrerin

Die studierte Modedesignerin arbeitete im Design und Einkauf, bevor sie ihre Leidenschaft für Yoga zum Hauptberuf machte. Ihren Unterricht besuchen Tänzerinnen und Tänzer des Balletts am Rhein; deren Ausstrahlung und Körperlichkeit animierten sie zu einem ersten Ballettbesuch, dem viele weitere folgten: „Was ich beim Ballett am Rhein in den letzten zwei Jahren erleben durfte, hat mich extrem beeindruckt.“ Als Opernscout freut sie sich jetzt auch auf neue Erfahrungen und Inspirationen im Bereich der Oper.

Max Ohagen über „Arabella“

ARABELLA_08_FOTO_Hans Joerg MichelArabellas Lovestory spielt sich in einem weißen Karton ab, aus dem es kein Entrinnen gibt. Allen Beteiligten bleibt nur ein enger Bewegungsspielraum und nur das sich ändernde Licht bringt Abwechslung in die Szenerie. Ein grandios reduziertes Bühnenbild, welches der Phantasie keine Grenzen setzt. Farbe ins Leben dieser Wiener Gesellschaft bringen die phantastischen Kostüme von Silke Willrett. Und die verrücktesten Figuren, die von der Statisterie und dem Chor herrlich dargestellt wurden.
Arabella bleibt nichts anderes übrig, außer sich virtuos und herzrührend aus dieser Verwirrung der Gefühle zu singen, was ihr sowas von gelingt, das kein Auge im Publikum trocken bleibt. Die hochemotionale Musik von Richard Strauss mit ihrer ganz eigenen unverwechselbaren Art und Weise wurde voller Leidenschaft vom musikalischen Leiter Lukas Beikircher geführt und mit ganzem Herzblut von den Düsseldorfer Symphonikern zu einem unvergesslichen Hörerlebnis.

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsMax Ohagen
Inhaber Manufattura

Während die Kunden seiner „Manufattura“ „Keramik selbst bemalen“, erzählt Max Ohagen ihnen von seinen aktuellen Opern- und Balletterlebnissen – jedenfalls dann, wenn er seinen Laden früh genug verlassen konnte, um pünktlich im Opernhaus zu sein. Offen und neugierig auf das Zusammenspiel von Musik, darstellender und visueller Kunst gibt er gern seine Eindrücke und Empfehlungen weiter.

Gisela Miller-Kipp über „Arabella“

ARABELLA_07_FOTO_Hans Joerg MichelDas war/ist „süffige“ Oper und gutes Schauspiel in einem – noch nie habe ich „Arabella“ so glänzend gesungen gehört und so überzeugend gespielt gesehen. Mit vielen kleinen originellen Gesten und Regieeinfällen werden Sänger und Situationen alltagsnah und persönlich trefflich in Szene gesetzt, wird „Arabella“ als im „Tiefgang“ tragische, nicht komische Heiratsmarktgeschichte aufgeführt. Geradezu eine schauspielerische Meisterleistung liefern Zdenka (Anja-Nina Bahrmann), Arabellas in die Rolle eines Bruders gezwungene Schwester, zwischen aufgesetzter Jungenhaftigkeit und unbeholfener Weiblichkeit, und der Vater, Graf Waldner (Thorsten Grümbel), grau und gedrückt von drohendem gesellschaftlichen Bankrott und häuslicher Misere, dann bangebüxig Hoffnung schöpfend angesichts der nahenden Rettung in Gestalt eines reichen Freiers für Arabella, des „slawonischen“ Großgrundbesitzers Mandryka. Ihm sucht er Arabella zu „verkaufen“, als Freiheitsstatue (!) tritt er hernach beim Faschingsball (2. Akt) auf. – Schon wegen des gewitzten, scharf gezeichneten Spiels hätte ich Lust, mir die Oper noch einmal anzusehen. Dazu überzeugte mich die spielerische und gesangliche Leistung aller Akteure.
Zum Sehvergnügen bei tragen die Kostüme – zeitlos pfiffig und farbig-schick – und, vor allem, das Bühnenbild: raumhohe weiße Drehwände, die schnelle elegante Szenenwechsel erlaubten, und auf denen die Lichtregie besondere Szenen in Schattenrissen spiegelt – eindrucksvoll!
Musiziert wurde aus dem Vollen. Anfangs übertönte das Orchester mit Verve die Stimmen, die angestrengt werden mussten, doch das balancierte sich später aus. Schön wurde in allen Hauptpartien gesungen, herausheben möchte ich Jacquelyn Wagner/Arabella und Simon Neal/Mandryka, die beide nicht nur fabelhaft singen, sondern auch eine Augenweide sind: sie blondmähnig-jugendschick, beim Ball im rosenbestickten (!) roten (!) Corsagekleid, er dagegen wenig salonfähig in düsterem (!) Loden, doch von überragender Statur.
Ein Missvergnügen hatte ich: Der Faschingsball, Arabellas Abschied von ihrer Mädchenzeit, darüber hinaus vielleicht Abgesang auf das k.u.k. Herrenreitertum – wenigstens traben die drei adeligen Verehrer Arabellas als Knallchargen in Jockeykostümen über die Bühne, einer von ihnen schnupft Kokain von der Sitzfläche eines Stuhls, haha –, diesem Faschingsball fehlt die Opulenz, er kumuliert in einer langen Kopulationsszene – diverse Stellungen in diversen Tempi –, die ich langweilig fand und eher degoutant; Faschingsturbulenz und bacchantische Dekadenz stell ich mir weniger lumpig vor.
Stark das letzte Bild: Arabella, jetzt züchtig im hochgeschlossenen Schwarzen (!) und mit zum Dutt gezähmtem (!) Haar, geht mit dem Mann, dem sie sich hingebungsvoll versprochen hat (Mandryka eben), in ihre Zukunft: Die weißen Wände öffnen sich total und geben den Bühnenhintergrund frei – der aber ist raumhoch schwarz vergittert! Die Musik hingegen schwelgt von Liebessehnsucht und –erfüllung. Darüber sinniere ich immer noch.
Zum Schluss: begeisterter Beifall, einige energische Buhs – wogegen? – und viele Vorhänge. Hingehen, anhören und ansehen!

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsGisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik

„Nichts nährt Seele, Sinne und Phantasie besser zum Ausgleich wissenschaftlicher Tätigkeit als die Oper!“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Ihre große Rezeptionserfahrung bringt sie nun in die Runde der Opernscouts ein. Seit ihrem Ruhestand ist sie besonders bürgerschaftlich engagiert, u.a. als Lese-Mentorin und in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit; kulturell  tummelt sie sich noch im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast.