Jessica Gerhold über „Ariadne auf Naxos“

Eine tolle gesangliche und spielerische Leistung

Ariadne_auf_Naxos_04_FOTO_FlorianMerdesDie Premiere von „Ariadne auf Naxos“ machte auf mich einen unglaublich tiefen Eindruck, da ich das Gefühl hatte: Hier trauen sich die Inszenierenden mal etwas! Dies gelang wohl besonders durch den offenen Beginn des Stückes: Schon vor Aufführungsbeginn gab es Lautsprecherdurchsagen im Foyer die zur Probe riefen, die Saaltüren blieben offen, das Licht im Publikumsraum an und der Haushofmeister drängelte sich immer wieder durch das sitzende Publikum! Mutig! Sich so viel Nähe zum Publikum in einem Opernhaus zu trauen!

Überhaupt kommt das gesamte Stück sehr aktuell und modern daher. Endlich mal ein Stück, das von der Inszenierung einer Oper an sich erzählt – mit all den Ängsten und Hoffnungen, die alle beteiligten Künstler dabei empfinden.

Beeindruckt hat mich die tolle gesangliche und spielerische Leistung. Man verfolgte jede Rolle gebannt, besonders hervorzuheben sind hier aber die Ariadne, die Zerbinetta und der Harlekin, aber auch der Haushofmeister, der Musiklehrer und er Komponist dürfen nicht unerwähnt bleiben! Ein einziger Wehmutstropfen bleibt jedoch, trotz des Musikquartetts hat das Stück im zweiten Drittel eine Länge, die sich nicht erklären lässt, denn auch hier werden fehlerfreie Koloraturen vorgetragen.

Trotzdem, diese Oper sollte man auf keinen Fall verpassen!

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Jessica Gerhold-1Jessica Gerhold
Gymnasiallehrerin

Jessica Gerhold ist gebürtige Duisburgerin und arbeitet als Gymnasiallehrerin. Von jeher hat sie sich für das Theater interessiert.  Bei ihrer Berufung zum Opernscout war sie eher skeptisch, ob sich ihre bisher eher distanzierte Haltung zu Oper und Ballett verändern würde. Nach ihrer ersten Spielzeit sind die Zweifel verflogen. Sie ist stolz auf das, was in ihrer Heimatstadt geleistet wird und hofft, dass sich zukünftig viel mehr Menschen von der Leistung der Künstler live faszinieren lassen.

 

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Kathrin Pilger über „Ariadne auf Naxos“

Empfehlenswert, auch für Opernskeptiker

Ariadne_auf_Naxos_10_FOTO_FlorianMerdesDas Premierenstück am vergangenen Donnerstag im Theater Duisburg verlangte dem Besucher viel Aufmerksamkeit ab: Schon beim Betreten des Zuschauerraums war klar: hier ist nichts wie sonst! Die Szenerie bot sich als unübersichtlich und wenig vorbereitet dar. Unterschiedlich kostümierte Personen betraten und verließen geschäftig die bis in den Zuschauerraum hinein verlängerte Bühne, die zur einen Hälfte das Interieur des Theater Duisburgs und zur anderen das des Düsseldorfer Opernhauses widerspiegelte.

Requisiten wurden hektisch hin- und hergetragen, die Musiker der Duisburger Philharmoniker, nicht wie üblich unsichtbar im Orchestergraben, sondern deutlich im hinteren Teil der Bühne platziert (und später nur durch einen transparenten, bedruckten Vorhang scheinbar abgetrennt), spielten sich in aller Ruhe vor den Augen und Ohren des Publikums ein. Genauso improvisiert wie der Vorlauf wirkte das Stück, das ungewohnt bei voll ausgeleuchtetem Zuschauerraum startete.

Was dann kam, war allerdings großartig: in einem einzigen Aufzug nebst dem „Vorspiel“ zog diese intelligente Inszenierung der 1912 erstmals aufgeführten Oper von Richard Strauss (mit Hugo von Hofmannsthal als Verfasser des Libretto) das Duisburger Publikum in den Bann.
In einem „Theater auf dem Theater“ wird der mythologische Stoff der auf der Insel Naxos verlassenen, tieftraurigen und auf den Todesboten wartenden Ariadne mit Aspekten der komischen Oper verbunden; im Haus eines Neureichen sollen nach Wunsch des Geldgebers eine ernste und eine komische Oper gleichzeitig aufgeführt werden. Das führt zu zahlreichen Verwicklungen zwischen dem Komponisten und den Darstellerinnen des ernsten „Ariadne“-Stückes und der munteren, an die Tradition der Commedia dell`arte angelehnten Schauspieltruppe, die für das lustige Stück engagiert worden ist.

Allen voran die unkonventionelle Zerbinetta, herausragend interpretiert von Heidi Elisabeth Meier, aber auch ihre humorvollen Begleiter sorgen für kurzweilige, slapstickartige  Momente in dem Stück.  Am Ende wird übrigens alles gut! Ariadne, die ihren berühmten, dieses Mal an einem dicken Wollknäuel hängenden Faden zur Orientierung stets hinter sich herzieht, gewinnt durch die Liebe zu Bacchus  ihre Lebensfreude zurück. Und es stellt sich heraus, dass Menschen und Kunst sich doch den Erfordernissen anpassen können.

Das Stück ist absolut empfehlenswert, auch für Opernskeptiker!

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Kathrin Pilger-2Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg

Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

Ralf Kreiten über „Ariadne auf Naxos“

Das Stück braucht kein Mensch….

Ariadne_auf_Naxos_08_FOTO_FlorianMerdes…könnte man meinen, wenn man sich im Vorfeld mit dem Libretto von „Ariadne auf Naxos“ beschäftigt hatte; und genau dies Statement fiel auch in der kurzen Nachbetrachtung der Opernscouts im Rahmen der Premiere zu dieser Strauss-Oper.

Aber die Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf, die ich am vergangenen Donnerstag als Theater auf dem Theater erleben durfte, hat mich und das gesamte Premierenpublikum vom genauen Gegenteil überzeugt. Lang anhaltender Applaus für eine großartige Gesamtleistung.

Im Vorspiel leiden der Komponist und der Tanzmeister unter der Willkür ihres Mäzens, weil aus der ursprünglichen Reihenfolge der für den Abend geplanten Aufführungen (erst die dramatische Oper „Ariadne“, dann ein lustiges Nachspiel) eine gleichzeitige Aufführung beider Stücke beauftragt wird. Das der Haushofmeister, der die Vorgaben des Mäzens wenig wertschätzend an die beiden weitergibt, mehrfach zwischen den Zuschauern im Parkett seinen Platz sucht, hat mir gut gefallen. Im zweiten Teil, der eigentlichen Oper, vermischt sich die Tragödie mit der Komödie, geraten die ausgebildeten Opernsänger fast in einen Wettstreit mit den Improvisation gewöhnten Komödianten.

Das Ganze wird begleitet durch die ansprechende und gefällige Musik Richard Strauss‘, die von den Duisburger Philharmonikern, unter der Leitung von Wen-Pin Chien, aus meiner Sicht auch diesmal wieder sehr schön dargeboten wurde. Dabei saßen die Musiker mal auf der Bühne, eine Idee, die mich als Zuschauer auch sehr angesprochen hat.

Gewiss, das dramatische Gerippe ist dünn, aber durch die Idee, Theater auf dem Theater zu spielen und den Zuschauer in die Theaterarbeit mit einzubeziehen, verliert das Stück den Pathos, der den mythologischen Figuren anhaftet, und gewinnt dadurch. Verstärkt wird dies durch die Einlagen der Komödianten, bei denen die Ariadne „hinter der Bühne“ auch schon mal aus der Rolle fällt.

Bei den Künstlern hat mich die Gesamtleistung überzeugt. Insbesondere berührt hat mich Heidi Elisabeth Meier als Zerbinetta, die selbst bei den höchsten Tönen der vielen Koloraturen so wohltuend klingt. Aber auch Bogdan Baciu als Harlekin, Corby Welch als Bacchus und auch Karine Babajanyan als Ariadne haben mir diesmal, neben den übrigen Sängerinnen und Sängern, außerordentlich gut gefallen.

Bei so einer Inszenierung ist es gut, dass es das Stück gibt.

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Ralf Kreiten-1Ralf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld

Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

Birgit Idelberger über „Ariadne auf Naxos“

Ein besonderes Erlebnis

Ariadne_auf_Naxos_03_FOTO_FlorianMerdesOper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel von Hugo von Hofmannsthal.

Was heißt das schon wieder? Ein bisschen Vorstudium hilft da! Oder man lässt es sein, denn das Stück bringt die Erklärung leicht verständlich.

Man betritt den Zuschauerraum und meint eine Sekunde lang, dass die Vorbereitungen auf der Bühne noch nicht fertiggestellt sind.
Es gibt keinen Orchestergraben, die Bühne und somit die ganze Handlung nähert sich dem Publikum. Nach den ersten Sequenzen wird das gespielte Publikum in der ersten Reihe wie selbstverständlich Platz nehmen, der gespielte Intendant wird mehrfach „echtes“ Publikum zum Aufstehen bitten, um zu einem Mikrofon in der Mitte des Parketts zu gelangen und seine Künstler instruieren. Die Grenzen verschwinden äußerst wirksam und amüsant zwischen Publikum und Künstler sowie zwischen gestern und heute. Das Thema: ein Komponist muss auf Wunsch des Geldgebers seine Oper mit Einlagen einer Commedia dell‘ Arte Truppe aufführen. Kunst und Geld.

Ein ganz großes Lob geht an diesem Abend aber an die Sänger, insbesondere an die Sopranistinnen. Karine Babajanyan als Ariadne und Heidi Elisabeth Meier als Zerbinetta sind herausragend. Aber auch alle anderen Solorollen sind hervorragend besetzt.

So wird ein Opernabend am Ende eines langen Arbeitstages zu einem besonderen Erlebnis.

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Birgit Idelberger-1Birgit Idelberger
Frauenärztin

Birgit Idelberger ist in Duisburg aufgewachsen und seit 10 Jahren als Frauenärztin in Duisburg-Walsum niedergelassen. Sie geht gern ins Kino und besucht Kunstausstellungen, doch Bezug zum Theater hatte sie kaum – zur Oper schon gar nicht. Das ist jetzt anders: Offen und neugierig ließ sie sich auf ihre erste Saison als Opernscout ein. Auch ohne Theatererfahrung empfindet sie die Opern- und Ballettabende als persönliche Bereicherung und positive Erfahrung. Sie hofft, dass viele Menschen durch die Kommentare der Scouts neugierig werden und den Weg ins Theater finden.

Martin Breil über „Ariadne auf Naxos“

Phantasie und Wirklichkeit liegen nicht weit auseinander

Ariadne_auf_Naxos_13_FOTO_FlorianMerdes„Gibt es kein Hinüber? Sind wir schon da?“ wird sich Ariadne am Ende des Abends fragen und das gleiche Gefühl habe ich, als ich den Saal der Oper Duisburg betrete.

Ein unfertiges Bühnenbild, das Orchester auf der Bühne probiert vor sich hin und Wen-Pin Chien, der Dirigent, ist noch nicht einmal umgezogen.
Auf der Bühne erkenne ich links die Verlängerung der Saalvertäfelung aus Duisburg und rechts die des Opernhauses Düsseldorf. Merkwürdig, denn die Oper spielt im Haus eines reichen Mannes, da stimmt wohl nur die rechte Bühnenhälfte.

Und ehe ich mich versehe, beginnen auf der Bühne die letzten Vorbereitungen zur Aufführung einer Oper und ich merke, wie sich die Rollenverteilung verschiebt. Einerseits bin ich Gast der DOR, aber gleichzeitig Gast im Haus eines reichen Herrn, der die Musik bestellt hat.
Was folgt ist ein schier endloser Reigen von Leidenschaft und Emotion, sowie großer Missverständnisse, nach zu lesen in der Rheinischen Post vom 27.02.2016.

Großartig sind die Sängerinnen und Sänger der DOR, die ihre anspruchsvollen Partien souverän meistern. Die Duisburger Philharmoniker unterstützen sie dabei hervorragend.

Trotz aller Irrungen und Wirrungen kann ich dem roten Faden, den Ariadne den ganzen Abend spinnt, gut folgen. Allein die Dauer des Stückes (2 ¼ Std. ohne Pause) und der permanent hohe musikalische Anspruch an den Zuhörer sind eine wahre Herausforderung.

Am Ende verlasse ich den Saal mit der Erkenntnis, dass Phantasie und Wirklichkeit gar nicht so weit auseinander liegen. Es gibt kein Hinüber, wir sind schon da!

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“ :
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Martin Breil-1Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau

Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

Christoph Grätz über „Ariadne auf Naxos“

Frech-frivole Gauklertruppe trifft auf tränenreiches Selbstmitleid

Ariadne_auf_Naxos_07_FOTO_FlorianMerdesWer die Musik bestellt und bezahlt bestimmt wo es lang geht. Eigentlich so, wie im richtigen Leben ist das auch bei der „Ariadne auf Naxos“. Der steinreiche Gönner bestimmt, die schmerzensreiche Ariadne-Oper zeitgleich mit der Komödie „Die ungetreue Zerbinetta und ihre vier Liebhaber“ seinen Gästen auf einer Bühne zu präsentieren. Was für die der Lust zugewandte, verfressene und frivole Gauklertruppe um Zerbinetta weniger das Problem ist, als für die Vertreter des ernsten Faches um den jungen Komponisten der tiefschürfenden Oper „Ariadne auf Naxos“.

Der Zuschauer ist bei dieser Inszenierung erstmals etwas irritiert, hat er doch den Eindruck in die Probenphase einer noch nicht ganz vollendeten Inszenierung hereinzugeraten. Das Licht bleibt an, während das Orchester noch probt, die Gauklertruppe eintrifft, der Haushofmeister (übrigens großartig gespielt von Peter Nikolaus Kante) mürrisch die Hiobsbotschaft der Doppelaufführung und obendrein das Feuerwerk ankündigt, das für alle Gäste pünktlich um 21.35 Uhr beginnen soll. Die unverhohlene Aufforderung: „Ja dann sehen Sie mal zu, wie Sie damit klarkommen“. Basta und keine Diskussion.

Das Setting ist vielversprechend. Die Distanz zum Publikum praktisch aufgehoben, weil das Orchester hinter einem Gazevorhang spielend auf die Bühne verlegt ist. Der Orchestergraben ist überbrückt und so entsteht genau die Nähe zum echten (und gespielten Publikum), die diese Aufführung braucht. Das Bühnenbild bleibt während der gesamten Aufführung statisch und hält den improvisierten Charakter mit Probenpodesten und verschiebbaren Kulissen bei. Die Inszenierung strotzt nur so von Regieeinfällen, Anspielungen und Reminiszenzen, von denen mir mit Sicherheit einige entgangen sind.

Schön dargestellt, bei voller Saalbeleuchtung, ist die Annäherung der beiden scheinbar unvereinbaren Gegensätze, Tragödie und Komödie. Das dies schließlich doch gelingt ist der listigen, Ariadne umgarnenden, Zerbinetta und dem einsichtigen, weil der Gage bedürftigen, jungen ungestümen Komponisten zu verdanken. Lust, List und Mammon treffen hier aufeinander. Eine im echten Leben manchmal unheilige Allianz, hier geradezu das Salz in der Suppe.

Besonders gut hat mir die Komödiantentruppe um Zerbinetta gefallen. Diese, dargestellt von Heidi Elisabeth Meier, hat die extrem anstrengende Partie stimmlich hervorragend gemeistert. Spielerisch hat sie die Rolle so frivol gestaltet, dass der Kontrast zu der im Selbstmitleid vergehenden Ariadne, die ihrem Tod- und damit Erlösung bringenden Retter entgegenfiebert, überdeutlich wurde. Auch die Partien des „ernsten Faches“ waren treffend vorgetragen und glaubwürdig dargestellt durch Karine Babajanyan und ihren Erlöser Bacchus, gespielt und gesungen von Corby Welch.

Die Überraschung des Abends war für mich die Inszenierung; das Konzept ist aufgegangen. Die Idee, auch ein Publikum spielen zu lassen und so einmal mehr das Spiel im Spiel zu verdeutlichen, war ein listiger kleiner Trick der Regie. Insgesamt muss ich aber sagen, hat mich diese Oper zwischenzeitlich doch nicht so emotional gepackt, wie andere Aufführungen. Eine Pause hätte dem Abend gut getan, gerade bei einer Aufführung in der Woche. Diese Inszenierung ist empfehlens- und sehenswert.

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Christoph Grätz-1Christoph Grätz
Referent der Stabsstelle Kommunikation bei der Caritas

Wenn es sie nicht schon gäbe, bäte er Gott sie zu erfinden: die Musik. Als Sänger im philharmonischen Chor Duisburg, als ungeduldiger Akkordeonschüler und begeisterter Tangotänzer füllt Christoph Grätz seine Freizeit mit viel Musik (und umso weniger Sport). Bei der Arbeit als Öffentlichkeitsarbeiter für die Caritas darf er zwar auch kreativ werden, aber fast nie musikalisch. Oper und Ballett entdeckt er jetzt nach und nach als Opernscout. Wie schön, dass er etwas davon mitteilen kann.

Julia Kulig über „Ariadne auf Naxos“

Eine Oper mit Einblicken in die Hintergründe einer Kunsterschaffung

Ariadne_auf_Naxos_01_FOTO_FlorianMerdesDie von Richard Strauss komponierte Oper handelt von Liebeskummer, tiefer Trauer und einer Transzendierung dieser zu einem neuen Leben. Die Hauptfigur Ariadne verzehrt sich vor Liebeskummer, da ihr Geliebter Theseus sie verlassen hat. Als sie Bacchus begegnet, hält sie ihn für Hermes den Götterboten und hofft, dass sie durch ihn den Tod findet. Zum Ende hin löst sich Ariadnes Missverständnis auf und sie und Bacchus sind glücklich vereint.

Bevor dieser Handlungsstrang aufgeführt wird, erleben wir als Publikum im Vorspiel (komponiert von Hoffmannstal) die Situation vor der Aufführung: Die Schauspieler bereiten sich auf ihren Auftritt vor, das Orchester probt. Der Komponist erfährt, dass nach der Oper Ariadne ein weiteres, lustiges Stück aufgeführt werden soll. Dies versetzt ihn und seine Schauspieler in Verärgerung. Kurz vor Beginn wird die Vorgabe des Auftraggebers ein weiteres Mal verändert: Die Oper Ariadne soll gleichzeitig mit der Komödie dargestellt werden. Hiermit hadern nunmehr alle Akteure, wobei die Darsteller der Komödie sich deutlich schneller auf das Experiment einlassen, die Stücke zu vereinen.

Im eben beschrieben ersten Teil erhalten wir als Zuschauer Einblick in die – teils tragischen – Hintergründe einer Kunsterschaffung: Der Schaffende steht hier im Konflikt zwischen dem eigenen künstlerischen Anspruch und den Vorstellungen des Finanziers. Wie weit kann und soll auf Wünsche von außen eingegangen werden, ab wann ist es nur noch ‚Auftragsarbeit‘? Katarzyna Kuncio in der Rolle des Komponisten zeigt mit einer tollen Singstimme das Hin- und Hergerissen sein zwischen diesen beiden Polen. Im Hauptteil, der ohne Pause an das Vorspiel anschließt, erleben wir dann das aufgeführte Stück um Ariadne. Die Handlung schreitet voran, die Künstler der ernsten Oper wechseln sich in ihren Auftritten mit denen der Komödie ab. In einzelnen Phasen interagieren sie auch zusammen – dies waren für mich die lebendigsten Teile des Stückes.

Dass wir als Publikum neben den Akteuren des Stückes dank des Bühnenaufbaus auch das Orchester auf der Bühne hören und betrachten können, war für mich ein sehr gelungener Griff der Inszenierung. Auch wenn mir die Musik von Strauss und von von Hoffmannstal nicht so recht gefallen wollte, beeindruckten mich die Gesangsleistungen der Sängerinnen und Sänger und dem wunderbaren Zusammenspiel mit dem Orchester.

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Julia Kulig-2Julia Kulig
Musiktherapeutin

In ihrer Arbeit als Musiktherapeutin setzt sich Julia Kulig mit ihren Patienten therapeutisch und kreativ mit dem Medium Musik auseinander. Daher freut sie sich, seit der Spielzeit 2014/15 als Opernscout Ballett- und Opernstücke besuchen und den Blickwinkel in Richtung anderer musikalischer und tänzerischer Ausdrucksformen erweitern zu können. Sie schätzt den Austausch mit den anderen Scouts sehr und ist gespannt, was sie in der neuen Spielzeit erwartet.