Welt der Götter, Riesen, Dachen, Helden und heiligem Schwert

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Jenny Ritter über die Premiere von „Die Walküre“

Nun war es endlich soweit: Die von mir mit Spannung erwartete Premiere „Die Walküre“ war auf der Bühne. Meine etwas besorgten Gedanken an die zu erwartenden 5 Stunden waren schnell verflogen – der erste Akt war gleich so spannend, dass ich alles andere sofort vergaß. Es war sehr kurzweilig, die Musik ist einfach umwerfend! Ich habe mich bemüht, alle Vorurteile, Urteile, Wissen über die Person Wagner außer Acht zu lassen und mich einfach nur dem Stück hinzugeben. Das ist mir – und auch der Inszenierung – voll gelungen. Das Bühnenbild, Hundings Hütte, war stimmig und hatte durch den wärmenden Herd und der Vernebelung des Raumes die richtige Atmosphäre. Die Inszenierung war sehr stimmig, langsam, ruhig und getragen – man ließ sich viel Zeit, und kostete die Bewegung, die Musik einfach nur aus – zum Teil im Zeitlupentempo wie im Taiji. Die langen Mäntel, die Wehrmachtshosen und der Hubschrauber konnten schon andere Assoziationen aufkommen lassen – aber nur kurz. Der Autor und Tenor Christian Elsner erklärt seinen Kindern die ‚Walküre‘ ganz einfach, als eine Geschichte aus der Götterwelt mit Helden, Riesen, Drachen, magischem Schwert und Speer. Und so habe ich die Inszenierung auch gesehen und konnte mich ganz auf die Geschichte und die Musik einlassen – ein Genuss. Man kann ja von Göttern nicht verlangen, dass sie sich menschlich verhalten, also wird getötet, gewütet und verbannt – ohne Erbarmen – so der Mythos – doch es ist nie zu Ende, es geht immer weiter, neue Kinder/Helden wachsen heran und neue Hoffnung entsteht. Und die Musik tut genau das: Sie unterstützt die Wahrnehmung und die Hoffnung. Sie deckt alle Gefühle ab.
Ich glaube, ich werde noch ein richtiger Wagner-Fan. Die Musik ist soo schön. Es war ein schöner Abend. Ich kann diese Aufführung einfach nur empfehlen.

Opernscouts 2017

Jenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin
Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und ist gespannt, wie es weitergeht.

 

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Hellauf begeistert

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Hilli Hassemer über die Premiere von „Die Walküre“

Prall und kraftvoll hallen die Bilder in mir nach, aus dieser neuen Düsseldorfer Walküre, die Dietrich W. Hilsdorf in meinen Augen stimmig und eindrücklich in Szene gesetzt hat. Schon im ersten Akt lässt mich die Darstellung von Siegmund (später auch die Wotans), an die Malereien der gefallenen, verletzten Helden des Malers Georg Baselitz denken. In zerrissenem Soldatenmantel, wund vom Kriegen und Kämpfen sucht Siegmund Schutz in Hundings Hütte,  einem düsteren niedrigen Bunker,  von Grünspan und Schimmel überzogen. Von diesem Un-Ort aus nimmt die Geschichte ihren Lauf. Immer wieder versetzen mich einzelne Kunstgriffe der Regie und die Detailsinnigkeit der Inszenierung in helle Begeisterung. Da tauschen Sieglinde und Siegmund im Akt der geschwisterlichen /inzestuösen Verbindung ihre Gewänder. Was zunächst in eine peinliche Entblößung hinauszulaufen scheint, entpuppt sich als berührende Kleidungs-Rochade. Der wuchtige männliche Siegmund in den zarten Gewändern seiner Geliebten,- und umgekehrt. Die Verbundenheit der beiden so zu zeigen fand ich,- gerade in ihrer Uneitelkeit,- sehr mutig. Die Ausdehnung des Bühnenraums hat es mir angetan! Zunächst niedrig und drückend, hebt er sich unmerklich, weitet er sich im Laufe der Szenen immer mehr und die drückende Decke verschwindet gar ganz aus dem Sichtfeld. Selbst die Fenster strecken sich immer höher und heller. Sprosse um Sprosse. Aus Hundings Hütte wird und weitet sich: Walhalla. Dann, nur ein Detail, aber !stark! die Neonröhren, welche den Bühnenbogen säumen und die den alles überspannenden Grünspan-Schimmel noch grüner und bleicher wirken lassen: Sie führen ein flackerndes Eigenleben, doch zuweilen gehen sie mit den Orchesterklängen einher, wie eine Lichtorgel. Das war unheimlich und hatte freche Kraft. Ein subtiles, klug gelöstes Bühnenbild. Der Verweis auf den Antikriegsfilm „Apocalypse now“ liegt in der dritten Szene auf der Hand. Ich kann mich erinnern, dass die Soldaten in den Hubschraubern in dieser Filmszene, – beim Angriff auf Vietnam, –  Wagners Walkürenritt per Tonband einschalten, sozusagen als stimulierende Begleitmusik ihres fürchterlichen Zerstörungsaktes. Hier, in Walhall, liegt der kaputte Kadaver des Hubschraubers, umgeben von den gefallenen Helden und von den roten reitenden Walküren, sinnbildlich am Boden. Die Walküren entlocken uns vor diesem apokalyptischen Setting, zu Beginn des dritten Aktes, kollektiven Schauder. Jede einzelne Gesangsrolle empfand ich exzellent besetzt! Eine großartige gesangliche Kraft und Schönheit, wirklich aller Sängerinnen und Sänger, stark begleitet von dem verlässlich hervorragenden Orchester der Düsseldorfer Symphoniker. Der Applaus sprach Bände. Beseelt und schon äußerst gespannt auf die Fortsetzung des Ringes verlasse ich diese Oper. Sie verging wie im Fluge.

Opernscouts 2017

Hilli Hassemer
Bildende Künstlerin
Die Malerin Hilli Hassemer lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Düsseldorf. Damals noch fremd in der Stadt und mit einem „Hardcorde-Wagnerfan“ befreundet, wurde die Oper unverhofft Dreh- und Angelpunkt ihres neuen Lebens. Jetzt will sie sich wieder intensiver mit Oper und Ballett befassen – genau hinschauen, zuhören, das Erlebte beschreiben. Sie sagt: „Es ist schön, wenn man sich selbst und seiner Meinung vertraut.“

Wirre wulstige Worte zu treibend tosenden Tönen …

DasRheingold_12_FOTO_HansJoergMichelHeike Stehr über die Premiere von „Das Rheingold“

Diese „Rheingold“ – Premiere der Deutschen Oper am Rhein im Theater Duisburg war mein erstes Experiment, mich Wagner operntechnisch zu nähern und ich gestehe es direkt: Er ist meine Sache nicht. Die Texte voller bombastischer Alliterationen und schwülstiger Worthülsen beleidigen mein lyrisches Empfinden geradezu: „Schwarzes schwieliges Schwefelgezwerg!“ Aua! Die pompöse Musik rauscht an mir vorbei und berührt mich kaum. Aber vielleicht ist es ja auch vielfach schwerer einen Wagner-Nicht-Liebhaber wie mich bei der Stange zu halten als einen Wagner-Freund mit einer Aufführung zu erfreuen. Und ersteres tat diese Premiere allemal. Was mich zunächst einfing, waren das Bühnenbild, die Videoprojektionen, die Kostüme und die manchmal beinahe statischen Bilder, die die Figurenkonstellationen auf der Bühne erzeugten. Das hat mein Auge erfreut. Die meiner Meinung nach beste und packendste Szene spielt im 3. Bild in Nibelheim, der Unterwelt. Das Reich der Nibelungen, wird als Bergwerksstollen lebendig und hier passiert – nach der Starre der Götterwelt – mal endlich was. Mime, der Bruder des Zwerges Alberich dargestellt von Florian Simson, ist mein Star des Abends, gesanglich und schauspielerisch. Auch die Idee, Wagner hier mit dem Lokalkolorit von Loren und Hauern in Szene zu setzen, gefällt mir gut und macht es lebendig. Dass die List, mit der Wotan und Loge den Zwerg fangen, der List des Gestiefelten Katers gleicht, durch die er den bösen Zauberer besiegt, finde ich lustig und folge mit einem Lächeln auf den Lippen dem Gemetzel des 4. Bildes. Die merkwürdige Vertrautheit zwischen Freia und Fasolt verwirrt mich und als sie dann „Hilfe! Hilfe!“ singt, bin ich mir nicht mehr sicher, was hier ernst ist und was Parodie. Zum Schluss gibt es ein Happy-End mit Wotan und Fricka auf dem Weg nach Walhalla und beglückte die Wagner-Fans. Ich bin auch zufrieden, denn ich habe mein Wagner-Experiment für heute mit der Erkenntnis beendet, dass die Droge Wagner-Musik bei mir zwar nicht funktioniert, ich mich aber auch von anderen Seiten einer Inszenierung gut unterhalten lassen kann.

Opernscouts

Heike Stehr
Erzieherin und Therapeutin
Kunst spielt in Heike Stehrs Leben eine große Rolle: Die ehemalige Erzieherin und jetzige Kunsttherapeutin betreibt den Blog http://kunstlebendig.blogspot.de. Sie ist schon zum zweiten Mal in Folge Opernscout in Duisburg und ist der Meinung, dass Opernbesuche ansteckend wirken sollten. Gerne erzählt sie ihrer Familie und ihren Freunden von ihren Erlebnissen und Überraschungen, die sie bei den Premieren erlebt hat.

Stabreim im Boudoir

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FOTO: Hans Jörg Michel

Astrid Klooth über die Premiere von „Das Rheingold“

Zweieinhalb Stunden Wagner ohne Pause – von früheren Inszenierungen wusste ich, dass aus dramaturgischen Gründen das „Rheingold“ ohne Pause gespielt wird; allerdings fiel es mir diesmal besonders schwer, mich über den gesamten Zeitraum zu konzentrieren. Dies mag der mangelnden Frischluftzufuhr im vollbesetzten  Parkett geschuldet gewesen sein, aber vor allem aufführungsspezifische Gründe gehaben haben: Auch wenn mir in der Einführung nahegebracht worden war, dass Wagner als Zeitgenosse der Revolution von 1848 in der Figur des Siegfried einen genuin deutschen Sozialrevolutionär erschaffen wollte, erschloss sich mir nicht, warum, in Anlehnung an den naturalistischen und gesellschaftskritischen französischen Schriftsteller Emile Zola, die Handlung, besonders im ersten Bild, in ein Boudoir-Bordell mit Pariser Flair eingebettet sein musste. So geriet, für meinen Geschmack, die ohnehin schon „Alberiche“ Handlung des ‚Rheingolds‘ zur komischen Groteske, von Loge als Conferencier – Entertainer moderiert. Wohlweislich war dem Werk dann auch das Heine Zitat „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten …“ (Achtung: Anspielung Loreley – Rheintöchter, für die Eingeweihten: Es-Dur Akkord) vorangestellt worden. Nichtsdestotrotz hat mich die Duisburger Aufführung überzeugt, und das lag vor allem an den vorzüglichen Sängern, allen voran James Rutherford (Wotan), Stefan Heidemann (Alberich), Ramona Zaharia (Erda) und den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Axel Kober.

Opernscouts

Astrid Klooth
Oberstudienrätin im Hochschuldienst
Langjähriges Mitglied im Philharmonischer Chor, Mitwirkende im Theaterring Duisburg und Abonnentin des Opernabos – Astrid Klooth ist dem Orchester und Theater seit vielen Jahren verbunden. Besonders wichtig bei der Rolle als Opernscout ist ihr der Meinungsaustausch mit den anderen Scouts über die Premieren. Die Uni-Dozentin hat fast täglich mit jungen Menschen zu tun und hofft, durch ihre Beiträge ihr Interesse am Musiktheater einer breiteren Schicht zugänglich machen zu können.

Überraschung für Wagner-Kenner

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FOTO: Hans Jörg Michel

Sabine Josten über die Premiere von „Das Rheingold“

Der Gesang und die Musik der Philharmoniker sind grandios. Hier kommen die Zuhörer voll auf ihre Kosten und werden nicht enttäuscht. Wagner-Kenner werden überrascht sein: Als Zuschauer erleben wir eine bunte und moderne Kulisse mit Szenen die aus einer anderen Zeit kommen und die Besucher so einen vollkommen anderen Weg in das Stück finden. Man ist überrascht von dem Burlesque und dem wilden Treiben zu Beginn des Stücks und erschrocken über die Brutalität zum Ende des Stücks, wenn die Hand von Alberich abgetrennt wird. In der Zwischenzeit erlebt man etwas Ruhrgebietsromantik wenn die Loren eingefahren kommen. Insofern offenbart sich immer etwas Überraschendes und man versucht die Zusammenhänge zu finden, was des Öfteren schwerfällt. Am Ende weiß man auch, was das Zitat ganz am Anfang mit Wagner und Rheingold zu tun hat. Dieses ist nämlich von Heine und lautet: „Ich weiß nicht was soll es bedeuten?“

OpernscoutsSabine Josten
Immobilienökonomin und Mediatorin
Als engagierte Bürgerin setzt sich Sabine Josten für die Zukunft Duisburgs ein. Unter anderem ist sie Mitglied der Zeitzeugenbörse Duisburg e.V. und verfasst ab und an einen Artikel für den „Lokalkompass“. Sie stand fünf Jahre lang als Statistin bei der Deutschen Oper am Rhein auf der Bühne und durfte zum Beispiel im Rheingold das Gold tragen. Nach wie vor ist sie begeistert vom Kulturgut Oper. Gerne möchte sie auch andere Menschen dafür begeistern.

 

 

Anja Spelsberg über die Premiere von „Wozzeck“

Wozzeck_18_FOTO_Karl_ForsterWer mit der Vorstellung, sich berieseln zu lassen und sanft durch den Opernabend getragen zu werden den Saal betritt, wird enttäuscht werden. Alban Bergs Wozzeck lässt den Opernbesucher nicht einfach konsumieren, er wird vielmehr eingefangen und mitgerissen, leidet mit dem Protagonisten und wird zeitweise mit ins Geschehen integriert. Wozzeck ist dramatisch, aufwühlend und nicht zuletzt auch in gewissem Maße anstrengend für den Besucher. In fast zwei Stunden Spielzeit ohne Unterbrechung – welche ich mir an manchen Stellen sehnlichst herbei gewünscht hätte – erlebt der Besucher die Hinrichtung Wozzecks hautnah mit, blickt in seine Abgründe und die seiner Widersacher und vielleicht auch manchmal in seine eigenen.
Besonders schwierig für mich war der Stilbruch zwischen dem grandiosen und modernen Bühnenbild und der atonalen Musik, gepaart mit den alten Texten der Stücke.
Wenn mich Wozzeck eines gelehrt hat, dann dass Oper zum Denken, zum Fühlen, zum Streiten anregt.

Opernscouts 2017

Anja Spelsberg
Sozialpädagogin
Anja Spelsberg ist Sozialpädagogin in der ambulanten Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf. Sie berät und unterstützt Eltern und hilft Familien im Zusammenleben, dabei ist sie besonders in Düsseldorfs sozialen Brennpunkten unterwegs. Das allererste Interesse an der Oper weckte ihre Großmutter mit gemeinsamen Opernbesuchen. Jetzt freut sie sich, ihre Begeisterung mit anderen Besuchern zu teilen und mit den Opernscouts über die Inszenierungen zu diskutieren.

Uwe Schwäch über „Otello“

Ein fesselndes Musikdrama

otello_12_foto_hansjoergmichelUnvermittelt – Verdi verzichtet bei dieser Oper auf eine Ouvertüre – eröffnet sich dem Zuschauer eine tiefschwarze Bühne, auf welcher der siegreiche Venezianer Otello nach Zypern zurückkehrt. Ohne den Einsatz von Requisiten beginnt ein dramaturgisch ausgereiftes Kammerspiel – Shakespeare lässt trefflich grüßen.
Auch die Musik weiß von Anfang an zu überzeugen. Der Chor mit „Flamme des Feuers“ nähert sich spannungs- und bewegungsreich dem Publikum und erzeugt einen ersten Gänsehauteffekt. Wenig später schwelgen wir in dem wunderbar vorgetragenen Liebesduett zwischen Otello und Desdemona – kraftvoll und zärtlich zugleich.
Vieles in dieser Inszenierung begeistert: Das einfallsreiche Spiel von Licht und Schatten, wie ein auf die Bühne Weiß projiziertes Kreuz als Symbol für den tief verankerten Glauben der Venezianer. Oder die Wandlung Otellos vom mächtigen Staats- und liebenden Ehemann zum rächenden Mörder, dessen Wahn im 4. Akt den Zuschauer durch ein bewegendes Schattenspiel ergreift.
Michael Thalheimer schafft eine psychologische Enge und Bedrängtheit, in der sich die Protogonisten in einer schwarzen, bösen Welt bewegen. Allen voran die Figur des Jago, der seinem Herrn intrigant zugewandt ist und das Böse beängstigend verkörpert. Boris Statsenko taucht so tief in diese Rolle ein, dass jede Arie, jeder Ton, jede Gestik und Mimik Angst und Erschütterung auslöst. Ebenso herausragend singt Jacquelyn Wagner die Rolle der Desdemona. Sie brilliert mit einem klaren und feinfühligen Sopran und ihre beiden Arien im 4. Akt kündigen voller Melancholie ihren nahenden Tod an. Die musikalische Dramatik der als Decrescendo verlaufenden Oper wird am deutlichsten in der Titelrolle erlebbar. Otello verfällt zunehmend seinem von Jago provozierten Wahn. Von ihm wie auch von den anderen Akteuren wird nicht nur eine gesangliche, sondern auch eine schauspielerische Höchstleistung abverlangt.
Höchstleistungen erbringen auch der Chor und das von Axel Kober geleitete Orchester. Der optisch herausragende Moment gelingt mit der Chorversammlung auf einer Treppe, die wie ein Bild meisterhaft in die schwarze Bühne integriert wird. Die Instrumentierung erfolgt pointiert von kraftvoll bis höchst einfühlsam. Wir hören und spüren diese Feinfühligkeit beispielsweise im letzten Akt, wenn Englischhorn und Bläser den strophischen Gesang der Desdemona begleiten und tiefe Kontrabässe im Anschluss ihr mörderisches Ende ankündigen.
Bei diesem Otello steht das Böse im Vordergrund. Was wir dabei sehen und hören ist gleichberechtigt. Ein fesselndes Musikdrama, das man so schnell nicht vergessen wird. Schon jetzt ein Highlight dieser noch jungen Opernsaison.

Weitere Informationen zu „Otello“

 Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.