Operette oder Revue?

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Myriam Kasten über Johann Strauss‘ „Fledermaus“

Glanzvoll, fröhlich, pompös, farbenfroh und überspitzt. So kommt die Fledermaus inszeniert von Axel Köhler daher. Für mich mehr eine Kabarett-Revue als eine Operette. Es wird gefeiert, der Champagner fließt in Strömen. An manchen Stellen ein bisschen viel Bling-Bling und die Anspielungen auf die Stadt Duisburg zerstören ein wenig das Gesamtkonzept. Die Szene mit Frosch zu Beginn des 3. Aktes erinnert stark an „Dinner for one“ und ist ebenso klamaukig. Ich frage mich, was Johann Strauß zu dieser Inszenierung gesagt hätte. Hinzu kommt die Dauer. Stellenweise war es sehr kurzweilig doch dann dachte ich, wie lange der Abend sich wohl noch zieht.

Die Stimmen von allen Darstellern waren phantastisch und die Duisburger Philharmoniker haben ebenso phantastisch gespielt.  Alles in allem ein fröhlicher Abend mit lustigen Momenten und sehr schönen Kostümen. Die Raketenfrauen haben mir am besten gefallen. Ob ich es nochmal anschauen würde?  Wahrscheinlich nicht. Ob ich es empfehlen kann? Als Einstig in die Oper schon, denn es ist sehr amüsante leichte Kost.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Myriam Kasten
Projektmanagerin Tourismus bei Duisburg Kontor GmbH

Die gelernte Fotografin hat die Liebe zu ihrer Heimatstadt zum Beruf gemacht: Als Projektmanagerin im Bereich Tourismus gibt sie ihre eigene Begeisterung für die Stadt an Besuchergruppen weiter. Für sie ist das Theater Duisburg einer der großen Anziehungspunkte der Stadt. Hier hat sie schon als Kind viel Zeit verbracht – häufig nahmen sie die Eltern ins Theater mit. Ballettunterricht und das eigene Tanzen verstärkten die  Begeisterung für Musik und Tanz, besonders für die Choreographien von Youri Vàmos.

 

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Champagnergelüste und die Leichtigkeit des Seins

DieFledermaus_04_FOTO_HansJoergMichelAnnette Hausmann über die Premiere von Johann Strauss‘ „Die Fledermaus“

Im Mittelpunkt, der am Theater Duisburg aufgeführten Operetten-Premiere „Die Fledermaus“ von Johann Strauss (Sohn) steht die „bunte, lokale Welt“ Duisburgs mit seinen finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in der sich alles um eine Gesellschaft voller Unterschiede, Ideen, Bestrebungen, aber auch Gelüsten und Intrigen dreht. Mit seiner etwas eigenwilligen und überspitzten, jedoch nicht ganz ernstzunehmenden Inszenierung gelingt Axel Köhler eine Zeitreise, die mit dem Börsencrash und den einhergehenden Problemen 1873 in Wien beginnt und mit der Übertragung auf die heutige Zeit der wirtschaftlichen Nöte Duisburgs endet.

Vor Beginn der eigentlichen „Fledermaus-Handlung“ wird der Zuhörer zunächst durch die wundervolle und von den Duisburger Philharmonikern meisterhaft gespielte Ouvertüre in die Zeit der eingängigen, beschwingten Strauss-Musik des 19. Jahrhunderts entführt. Noch in Gedanken versunken, hebt sich der Vorhang und den Zuschauer erwartet ein pompöses, schrill-buntes Bühnenbild mit Puffcharakter. Genial gemacht ist der dreidimensionale Bühneneffekt, der durch die hintereinander angeordneten, goldenen Barock-Bilderrahmen hervorgerufen wird. Einerseits wird dadurch der Bezug zum 19. Jahrhundert hergestellt, andererseits können verschiedene Handlungen auf unterschiedlichen Ebenen (gleichzeitig) stattfinden. Als Zuschauer bleibt man durch den überdimensionierten Bilderrahmen immer in der Rolle des Betrachters und kann aus dieser Distanz heraus leichter über die Eigenarten, vermeintlichen Fehler und Absurditäten der „feinen, aufstrebenden“ Gesellschaft lachen – ohne sich selbst dabei hinterfragen zu müssen.
Richtet man seinen Blick verstärkt auf den Protagonisten Herrn Dr. Falke (Kay Stiefermann), so wird schnell klar, dass man eigentlich ihm, der in seiner Rolle als vermeintlicher Freund von Gabriel von Eisenstein die „Fäden in der Hand“ hält, den Verlauf des Operettenabends zu verdanken hat. Mit Einfallsreichtum und Esprit lädt er aus allen gesellschaftlichen Schichten Duisburgs Gäste zur bevorstehenden Party des Prinzen Orlofskys ein – mit dem Anreiz, an diesem Abend eine gesellschaftlich höher angesehene (Traum-)Rolle einzunehmen.
So sehr die durch „Champagnergelüste“ ausartende Party an die „Leichtigkeit des Seins“ erinnert, so sehr wird deutlich, welch‘ schauspielerische Leistung und vor allem sängerische Höchstleistung die Fledermaus-Operette mit ihren feinsinnig-meisterhaften Kompositionen den Protagonisten abverlangt. Besonders hervorzuheben ist hier Rosalindes Arie „Klänge der Heimat“ (Anne Krabbe) und das „Uhren-Duett“ zusammen gesungen mit ihrem Gatten Gabriel von Eisenstein (Norbert Ernst) sowie Adeles Arie „Mein Herr Marquis“ (Maria Perlt).
Im dritten Akt wird die „Fledermaus“ durch die Rolle des „Frosches“ (Wolfgang Reinbacher) als Gefängniswärter um eine weitere, facettenreiche Nuance der Komik bereichert. Auf geniale Weise versteht es der Schauspieler mit der deutschen Sprache zu „spielen“ und durch seine Wortspielereien das Publikum in seinen Bann zu ziehen, um der Handlung des letzten Aktes nicht nur auf humorvolle Art, sondern auch noch aufmerksam folgen zu können.
Wer bereit ist, am Ende des Jahres nicht alles so ernst zu nehmen und sich auf einen unterhaltsamen Abend einzulassen, den erwartet ein gelungener „Fledermaus-Operetten-Abend“.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an GGS Hermann-Grothe-Straße in Duisburg-Bissingheim, einer Montessori-Grundschule, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Sie findet es spannend und freut sich darauf, sich als Scout für Oper und Ballett in dieser Saison wieder regelmäßig und intensiv mit Oper und Ballett auseinanderzusetzen.

Herrlich abgefahren!

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Jürgen Ingenhaag über die Premiere von Johann Strauss‘ „Fledermaus“

Die Operette aller Operetten, „Die Fledermaus“, ist in Duisburg zu erleben: Eine bunte Revue mit eingängigen Musiknummern, klasse Darstellern, viel Wortwitz und tollen Bühnenbildern. Messerscharf und spritzig kommt schon die Ouvertüre daher. Der Duisburger Jung und zukünftige Kieler GMD, Benjamin Reiners, dirigiert, und unsere Duisburger Philharmoniker spielen natürlich in der ersten Liga. Regisseur Axel Köhler hat den Staub aus dem Libretto der 1874 uraufgeführten Operette geklopft, ohne das Stück zu vergewaltigen. Zur Entstehungszeit von Johann Strauß´ Meisterwerk hatte der „Black Friday“ noch eine ernste existenzielle Bedeutung. Am Rande des Ruins wurde gefeiert und geprasst. Mehr Schein als Sein! Nur im Theater lässt sich solch einer Gesellschaft ein Spiegel vorhalten. Damals wie heute schön übertrieben – realistisch muss nichts sein!
So dürfen wir über den eitlen, selbstgefälligen Eisenstein (Norbert Ernst) lachen, der den Ruf seines Freundes Dr. Falke (Kay Stiefermann) ruiniert hat. Die Rache der Fledermaus ermöglicht „Prince“ Orlofsky (Kimberley Boettger-Soller). Orlofskys Millionen sind sein Unglück, und so will er Duisburg zum Weltraumbahnhof machen, und davon soll Eisenstein politisch profitieren. Herrlich abgefahren – die Rakete! Sowas muss gefeiert werden. Bei der Melodie von „Ha, welch ein Fest, welche Nacht voll Freud´…“ denke ich zwangsläufig an „Klimbim“. Schön anzusehende Revue-Girls tanzen und begleiten gestenreich das „Uhren-Duett“ oder die „Klänge der Heimat“ im zweiten Akt. Weit über 3000 Lichter fährt Volker Weinhart dafür auf. Für die Pause empfehle ich ein alkoholisches Getränk, denn dann geht es ab in die Justizvollzugsanstalt, und es ist „Schluss mit lustig“! Nicht mit Gefängniswärter Frosch alias Wolfgang Reinbacher, denn die „Motivationshilfe“ von Dr. Falke hat geholfen…
Seinse kein FROSCH, ich habe DIE FLEDERMAUS bereits BLIND empfohlen.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Jürgen Ingenhaag
Vorstand Musikalische Gesellschaft Rheinberg

Der Staatlich geprüfte Techniker für Druck und Medien organisiert im Vorstand der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge‘‘. Mit Rock- und Popmusik ist er aufgewachsen – sie hat ihn geprägt und trotzdem nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden; einer, der sogar die Bayreuther Festspiele besucht. Im Theater Duisburg freut er sich nach „Rheingold“ und „Walküre“ in dieser Spielzeit auf die Fortsetzung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.

Feuerwerk der Farben und Formen

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Isabel Fedrizzi über die Premiere von Johann Strauss‘ „Fledermaus“

Die Fledermaus – eine der wohl bekanntesten Operetten überhaupt – hat in Duisburg Premiere gefeiert: Ein rauschendes Fest der Farben, ein bunter Strauß berühmter Melodien, ein Feuerwerk an schrillen Ideen bei den Kostümen und den Requisiten, ein unfassbar aufwendiges und vielschichtiges Bühnenbild. Das Wichtigste – diese unsterbliche Musik von Johann Strauss – lag und liegt bei den Duisburger Philharmonikern unter dem Taktstock von Benjamin Reiners in allerbesten Händen. Das Orchester spielt mitreißend, hervorragend, schon nach der Ouvertüre hat man sich musikalisch eingelassen auf den Unfug, der da kommt und ist auf die Skurrilitäten des Genres eingestimmt…
Trotz des Salonhaften und aller „Gassenhauerqualität“ der Lieder, die viel Spielfreude verraten, klingen die Duisburger frisch und lustig, Ironie, Launenhaftigkeit oder Tänzerisches sind stets gut dosiert.

Stimmlich knüpft die Premierenbesetzung nahtlos an diese Qualität an – durchweg zur Rolle passende Stimmen mit viel Lust und Sauberkeit paaren sich mit starken schauspielerischen Leistungen aller Akteure und bereiten dem Zuschauer einen Augen- und Ohrenschmaus.

Das Bühnenbild provoziert im Moment des „Vorhang auf“ tatsächlich ein „Aaahhh“: ein in drei Ebenen hintereinander aufgeteilter „Lebensraum“ im Stadthaus des Ehepaars von Eisenstein, ausgestattet mit einer Mixtur aus Pomp und Perversitäten: Sofa und Tapeten im Zebralook, Tür und Wand in rosa Rosenoptik, rote Rautenwände mit Beleuchtung – eingefasst in dickste barocke Goldrahmen mit üppigen Ornamenten… Der Kaktus auf der Fensterbank und maigrüne Swinger am Tisch vollenden die schräge Absurdität des Raums. Aber mit Freitreppe, Loungemöbeln und Discokugeln an der Decke funktioniert die Bühne gleichermaßen als Ballsaal des Grafen Orlowski und mit Eisengittern als Gefängnis. Dorthinein schießt – für meinen Geschmack unnötig quer – der Duisburger Lokalbezug verquickt mit dem Grafen-Traum von der Raumfahrt, eine Rakete auf der Bühne, Duisburg als Bahnhofsstandort für den Weltraumtourismus… Bei allem Bizarren, das diese Operette sowieso schon bietet, ist das übers Ziel hinausgeschossen.
Tanzmusik, ein Ball beim Grafen: hier darf der Tanz nicht fehlen: eine Gruppe Tänzerinnen in Fernsehballet-Optik verleiht dem Souper des Orlofsky und dem Czardas-Vortrag Rosalindes den endgültig schräg-witzigen Kick.

Eingebunden in diese Skandalgeschichte der „feinen Gesellschaft“ sind weitere zahlreiche feine gelungene Details bei der Farbgebung, den Kostümen, Frisuren, Requisiten oder beim Wortwitz… Manches vielleicht einen Hauch zu dick aufgetragen, und in der Frequenz zu häufig, und doch bleibt am Ende ein Schmunzeln übrig und verlässt den Saal mit einem amüsierten Kopfschütteln.

Insgesamt eine gelungene Fledermaus: ein unterhaltsamer, beschwingter und lohnender Abend.

Fedrizzi_Isabel_FOTO_Tanja_BrillIsabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Als Scout für Oper und Ballett möchte sie ihre Zuschauererfahrungen erweitern und intensivieren.

Ein Glas Champagner Und: Genießen!

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Christiane Hain über die Premiere von Johann Strauss‘ „Fledermaus“

„Die Fledermaus“ von Johann Strauß (Sohn) eine der bekanntesten Wiener Operetten ist ein Jahr nach einem großen Börsenkrach von 1873 entstanden. Es ist ein Stück zwischen reiner Champagnerlaune der Neureichen und der Traurigkeit jener, die alles verloren haben.
Dr. Falke, die Fledermaus, denkt sich eine Intrige aus, um sich beim seinem Freund Gabriel von Eisenstein auf einem ausufernden Fest des Prinzen Orlofsky zu rächen. Indem er ihm die eigene, regelmäßig betrogene Gattin Rosalinde als vermeintliche Geliebte zuführt und ihn so der Lächerlichkeit preisgibt. Zeugin wird die ebenfalls eingeladene Adele, die als Putzfrau bei dem Paar arbeitet.

Inszeniert wird die Operette mit einer gewaltigen, sehr bunten und teilweise stark überzeichneten Bühnenbildern und Kostümen, die manchmal an einen schrillen Comic oder an Karneval erinnern. Man merkt den Einfluss der französischen Operette und es erinnert an Moulin Rouge und Jacques Offenbach. Das Fest wird zur Orgie und die Operette zur unterhaltsamen Komödie mit vielen Bezügen zu Duisburg und NRW. Dieser Lokalkolorit hat mir aber nicht so sehr gefallen haben, da ich es schwierig finde, mir Neureiche und verschwenderische Partys in einer Stadt wie Duisburg vorzustellen. In einer Stadt wie Düsseldorf, Berlin oder andere Metropolen in Europa mag das gelingen. Ich empfand es eher als befremdlich und nicht dem Stück dienlich. Vielleicht passt auch einfach der Wiener Walzer nicht ins Ruhrgebiet.

Über die Musik kann man nur sagen: Fantastisch. Man ist von Anfang gefangen und getragen vom Walzertakt des Johann Strauss und es waren viele im Publikum, die sich einfach im Walzertakt auf dem Sessel bewegten.
Eine wundervolle Besetzung ist Wolfgang Reinbacher als Frosch, der mit seiner Schauspielkunst begeistert, neue Akzente in das Stück bringt und mit seinem Humor mich sehr zum Lachen gebracht hat.
Stimmlich haben mich die Rosalinde und die Adele am meisten beeindruckt. Nach dem Abend weiß ich auch, dass der musikalische Anspruch an die Sänger der Operette in nichts einer Oper nachsteht. Erwähnenswert ist auch, dass bei allen Sängern  der Text der Lieder sehr gut zu verstehen war und dies bei einer noch anspruchsvollen schauspielerischen Leistung.

Meine Empfehlung für einen gelungenen Abend: Einfach vorher ein Glas Champagner trinken und den Farb- und Musikrausch genießen.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Christiane Hain
Application Managerin

Christiane Hain arbeitet im IT-Bereich einer Bank in Köln. Sie ist in der Neckarstraße Duisburg aufgewachsen – in Sichtweise des Theaters, das ein fester Bestandteil im Familienleben war: Die Großmutter, die Eltern, die Schwester und sie selbst – alle waren regelmäßige Theaterbesucher. Mit einigem Abstand nähert sich die Duisburgerin jetzt wieder der Oper und dem Ballett und freut sich auf ihre neue Aufgabe als Opernscout.