Max Ohagen zu b.25

Forsythe_workwithinwork_04_FOTO_Gert WeigeltDREIKLANG – modern, klassisch, zeitlos.
Mit einem kurzweiligen Ballettabend und einer sensationellen Leistung des Ensembles wurden wir am Mittwoch, 14. Oktober beschenkt. William Forsythe, Frederick Ashton und Hans van Manen schickten uns im Zeitraffer, in Auflösung und in Zeitlupe durch das Universum der darstellenden Kunst. Wen-Pin Chien schenkte uns mit seinem Orchester neue Sphärenklänge für die Ohren und das Auge konnte sich nicht sattsehen an den reduzierten Bühnenbildern und den entzückenden Kostümen.

WORKWITHINWORK, SYMPHONIC VARIATIONS  und TWO GOLD VARIATIONS haben uns in diesem Dreiklang so fasziniert, dass wir danach nicht aufhören wollten darüber zu sprechen. Während der Aufführungen kam uns der Wunsch in die tanzenden Körper zu schlüpfen und unmittelbar Teil dieser Energie zu werden. Einfach toll….

Weitere Informationen zu b.25:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-25.1047795

OpernscoutsMax Ohagen
 Inhaber Manufattura

Während die Kunden seiner „Manufattura“ „Keramik selbst bemalen“, erzählt Max Ohagen ihnen von seinen aktuellen Opern- und Balletterlebnissen – jedenfalls dann, wenn er seinen Laden früh genug verlassen konnte, um pünktlich im Opernhaus zu sein. Offen und neugierig auf das Zusammenspiel von Musik, darstellender und visueller Kunst gibt er gern seine Eindrücke und Empfehlungen weiter.

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Isabell Boyer über b.25

Ashton_Symphonic Variations_02_FOTO_Gert WeigeltAm Samstag eröffnete sich für die Zuschauer der Ballettpremiere von b.25 ein Abend der Extraklasse. Drei Werke, in ihrer tänzerischen und musikalischen Darbietung vollkommen unterschiedlich, doch jedes von ihnen facettenreich und einzigartig. Mit workwithinwork von William Forsythe, Symphonic Variations von Frederick Ashton und Two Gold Variations von Hans van Manen startet das Ballett am Rhein in Düsseldorf mit Bravur, Eleganz, Sinnlichkeit und Vielschichtigkeit in die neue Saison.

Beginnend mit William Forsythes Werk  tauchen wir ein in eine Welt der Präzision, der Körperbeherrschung und des Kontrasts zwischen hart und weich, schnell und langsam. Begleitet und geformt von den Streicherduetten im Hintergrund rahmen die Tänzer Situationen, Momentaufnahmen von Auseinandersetzungen, Vereinigungen, Trennungen. Man glaubt Paare zu erkennen, im Streit, in der Liebe, dann bricht es wieder auf, die Tänzer agieren als eine Einheit oder als wilde Gruppe von Individuen, die nur durch ihre Hingabe zur Bewegung verbunden sind. Schon jetzt sieht man die hervorragenden Fähigkeiten der Kompanie, die sich im Laufe des Abends noch weiter präzisieren werden.

Frederick Ashton entführt uns im Anschluss in eine Welt des Balletts, wie ein Frischling wie ich sie sich vorstellt: rein, vollkommen, perfekt ausgetanzt und elegant, klassisch und unterstrichen von einem Lächeln auf den Lippen der Agierenden, das den Frühling vermitteln soll, der hier zum Ausdruck gebracht wird. Es geht hier nicht um das Erzählen von Geschichten (selbst, wenn es ein wenig an Märchen oder mythologische Anwandlungen erinnert), sondern um die Perfektion des Tanzes, der in seiner Natur Eleganz und Grazie verkörpert. Die Paare, die hier ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen, meistern dies mit einer Leichtigkeit, die sich sofort auf den Zuschauer überträgt. Es bildet einen wundervollen, zudem musikalisch sehr schön umgesetzten, Gegensatz zum vorherigen Stück, wunderschön anzusehen und zu genießen.

Das letzte Stück lässt sich als krönendes Feuerwerk des Abends bezeichnen. Es ist elegant und dynamisch, ausdrucksstark und sinnlich, temperamentvoll und unvergleichlich fesselnd. In „Two Gold Variations“ sind Liebe, Lust und Zusammenspiel die wichtigsten Elemente. Wie ein Refrain zieht sich ein bestimmtes Element durch das Werk, ein Paar, dass sich herausfordert, umschlingt, dann wieder freilässt und wieder einfängt. Es ist ein Spiel mit den Assoziationen, in Einheit mit einer packenden Vertonung, in der Percussion-Instrumente eine tragende Rolle spielen. Nicht grundlos waren sich hier alle Zuschauer einig: Hans van Manen hat zusammen mit seinen Tänzern ein Meisterwerk geschaffen, das seinesgleichen sucht.

Weitere Informationen zu b.25:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-25.1047795

OpernscoutsIsabell Boyer
Studentin

Auf unseren jüngsten Opernscout sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Als Opernscout berufen worden zu sein ist eine Ehre für sie. Sie ist sehr froh, dabei zu sein und hofft auf eine schöne Zeit.

Jan van de Weyer über b.25

Forsythe_workwithinwork_02_FOTO_Gert WeigeltZu Beginn der Ballettpremiere von b.25 taucht das Ballett am Rhein bei einer intimen Lichtstimmung in den Bewegungskosmos von William Forsythe.
Das Werk „workwithinwork“ wird begleitet von der experimentellen und ausdrucksstarken Avantgarde Musik von Luciano Berio. Wie ein Chirurg seziert Forsythe die Bewegungen im Raum, so das die Körpersprache zunächst sehr technisch, analytisch und zeitweise dekonstruktiv wirkt. Doch dann eröffnet sich dem Zuschauer ein sehr organisches und lebendiges Feld der Kommunikation. Durch Ihren Bewegungsreichtum und Spontanität schaffen die Tänzer immer wieder neue eindrucksvolle Schauplätze. Es entstehen Impulse, die sich wellenartig auf der Bühne ausbreiten, weiterentwickeln und fortgetragen werden. Das Werk bricht mit der traditionellen Dynamik eines Theaters, indem es die Frontalität auflöst, um dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben seinen eigenen Fokus zu bestimmen.

Im Kontrast dazu bietet Fredrick Ashton mit den „Symphonic Variations“ von 1946 einen Ausflug in die Tanzgeschichte. Von der Zusammenstellung traditionell und puristisch (die Männer springen und die Frauen werden getragen) bleibt die Bewegungssprache formal, klar und linear. Beeindruckend bei diesem Stück die technische Präzision und körperliche Ausdauer der drei Tänzerpaare, sowie Cécile Tallec am Klavier.

Abgerundet wird der Ballettabend mit „Two Gold Variations“ von Hans van Manen, der wieder ein feinsinniges und musikalisches Stück geschaffen hat. Die Vielfalt und der Reichtum der Musik unterstreicht die konfrontativen und energetisch aufgeladenen Schritte sowie Armbewegungen der Gruppe. Der Zuschauer wird gefangen von einem Duell der Männer untereinander, sowie dem Wettstreit zwischen den Geschlechtern. Dieser Überfluss an Energie mündet in einem sinnlich erotischen pas de deux, indem die Intensität eine ganz andere Form annimmt. Anstelle der lauten Bewegung tritt ein subtiler Kampf zwischen Mann und Frau, indem die Frau scheinbar die Oberhand behält.

Insgesamt ein grandioser Abend – mutig und einzigartig zusammengestellt.

Weitere Informationen zu b.25:
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OpernscoutsJan van de Weyer
Bildhauer

„Was Martin Schläpfer hier bewirkt, ist ein Traum“, sagt Jan van de Weyer, der als kleiner Junge selbst Ballett getanzt hat und heute mit einer Tänzerin der Compagnie liiert ist. Er studierte Philosophie und Kunstgeschichte, arbeitete viele Jahre als Physiotherapeut und ist heute als Bildhauer mit eigenem Atelier in Düsseldorf tätig. Nun freut er sich darauf, neben dem Ballett auch etwas tiefer in die Oper einzusteigen.

Christina Irrgang über b.25

Forsythe_workwithinwork_01_FOTO_Gert Weigelteinander berührende Intentionen, die sich wandelnde Formen überdauern

Workwithinwork ist wie ein impressionistisches Bild, wie ein Buch der Konkreten Poesie, wie ein Pop-Song, wie ein Essay-Film. Punktuell gesetzte Farben, Nachbilder in Schlieren, verzerrte und sich doch verdichtende Linien. Angedeutete Zusammenhänge, reduzierte Formulierung, doch klare Aussagen in einer scharf umrissenen Präzision des Moments. Liebe und Verrat, Laissez-faire und konkrete Anmache, Freiheit und Einsamkeit in einem Kosmos, der fließt und stillsteht. Momentaufnahmen, Episoden, aber eine Sammlung von Situationen, die in ihrer Zusammensetzung ein spezifisches Narrativ erkennen lassen. Work – within – work. William Forsythe arbeitet mit einer Grammatik, die auf die Ordnung des klassischen Balletts verweist. So sein Notationssystem für eine digitale Tanzbibliothek, die MOTION BANK, zur Erforschung zeitgenössischer choreografischer Praxis. Doch wenn er tanzen lässt, befreit jede Bewegung, jede Gestik des Körpers jedes analytische System. Denn seine Tänzer tanzen als Individuen, die Kompanie anti-hierarchisch gedacht. Und doch wird erst im Zusammenspiel deutlich, worum es geht: Beziehungen, Aktion und Reaktion, das Wieder-Aufgreifen des Gewesenen, weiter kommen, im Fluss sein und dabei die Luft anhalten dürfen – um weiter zu kommen. Zerrissen sein und nervös sein, umschwärmt und einsam – vergessen. Präsenz nehmen, verlieren, zurück erlangen. Und weiter kommen. Ja: Er ist mit seiner Haltung zum Tanz einer der besten, zeitgenössischen Choreografen. Sein Stück Workwithinwork wird zum Auftakt und Sinnbild des Abends b.25.

Dann: Frederick Ashtons Symphonic Variations. Die Choreografie aus dem Jahr 1946 kommt hier mit identischem Bühnenbild als abstrakte Notation, mit olympiahafter Kostümierung (die olympischen Sommerspiele waren gerade 1944 in London abgehalten worden) und präzis-pointiertem Bewegungsablauf zur Gestalt. Ein Aufatmen aus einer historischen Pose, Zurückkehren in einen Zustand des Friedens, Ausgreifen und Form geben mit hellenistischer Geste. Zwischen Spiel und Kondition, im Ring und Reigen des Rückbesinnens und Neuerfindens. Und die Zuschauer atmen ein Sentiment, das in aller Ordnung losgelöst davontreibt.

…hin zu Gold und Gold. Two Gold Variations von Hans van Manen mit Goldmine (1. Satz) und All this Gold this Mountain has (2. Satz) aus Goldrush Concerto von Jacob ter Veldhuis. Tanz und Musik bilden bei Hans van Manen eine Symbiose wie Tänzerin und Tänzer im Pas de deux. Das Marimbaphon sortiert die Schritte, Holz und Metall sind wie ein Echo auf die Härte und Weichheit der Bewegungen. Flirren, Gleiten, Fließen, Poltern, Hinabfallen, Kämpfen. Perkussion und Orchester, Mann und Frau, Verlangen und Finden. Und immer wieder ein schimmernder Glanz, der unverfroren aufscheint. Er, sie, ich: Man will ihn wieder und wieder sehen, hören. Das Ensemble des Ballett am Rhein tanzt emphatisch, jeder Moment wird getragen und voran gestoßen von den Klängen der Düsseldorfer Symphoniker und des Schlagzeugduos Rafael Sars und Kevin Anderwaldt. Hans van Manens Choreografien…sie sind und bleiben unglaublich.

Weitere Informationen zu b.25:
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OpernscoutsChristina Irrgang
Freie Autorin

Christina Irrgang lebt und arbeitet als freie Autorin in Düsseldorf. Sie studierte Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, an der sie aktuell über den Fotografen Heinrich Hoffmann im Kontext politischer Bildstrategien promoviert. Parallel zum Schreiben verfolgt sie im künstlerischen Bereich ihr Musik-Projekt BAR, das sie 2013 mit Lucas Croon gegründet hat. In der Spielzeit 2015/16 ist sie zum zweiten Mal begeisterter Opern-und Ballett-Scout!

Stefanie Wallace über b.25

van Manen_Two Gold_Variations_02_FOTO_Gert WeigeltEin Abend voller Überraschungen. Drei Stücke fassettenreich, wie das Leben.

workwithinwork von William Forsythe ist gefüllt mit athletischem Tanz und sehr virtuoser Musik von Luciano Berio. Es entstehen immerzu neue Bilder die doch auf eine gewisse Weise ineinander verwoben sind. Starke Charaktere mit energischem und reinem Tanz werden durch die energievolle Musik unterstrichen. Die Streicher in dem Stück „Duetti per due Violini“ sind reiner Balsam für die Seele, doch mit der Zeit wird die Musik fordernd, vereinnahmend und löst in mir den Wunsch nach  Instrumentenvariation aus. Die Bewegungsimpulse von kraftvoll bis fließend weich – anmutiger und tänzerischer Avantgarde – halten die Aufmerksamkeit des Zuschauers in Bann. Die Kostüme sind rein und schlicht und verkörpern Moderne und Beweglichkeit, auch im übertragenen Sinne. Die Farbpallette ist sehr harmonisch und steht im Kontrast zum kühlen Schwarz des Bühnenbildes. Das harte Licht unterstreicht die kraftvollen Körper – ehrlich und pur. Ein dynamisches schnelles Stück, extrem reich und anspruchsvoll auf allen Ebenen!

Die Symphonic Variations von Ashton ist an dem Abend wohl platziert und bietet eine Insel der Ruhe. Die Musik ist angenehm und trägt einen durch das Stück, zum Zurücklehnen und Entspannen. Die behaglichen Töne des Bühnenbildes erinnern an einen sonnigen warmen Sommertag. Die Bewegungen sind weich und fließend und die Tänzer strahlen Leichtigkeit aus. Doch wirkt das Stück auch etwas surreal und leicht verstaubt. Offensichtlich war der künstlerischen Produktionsleitung wichtig, dass die Aufführung nicht zu weit weg vom Original, der Uraufführung von 1946, ist – ohne das Original zu kennen, nur mein Gefühl. Die Kostüme, die an römische Statuen erinnern, tragen ihren Teil dazu bei. Frische kommt durch kleine Nuancen zum Beispiel in der Bewegung und der subtilen Süße, die in der Luft liegt. Leichtigkeit und Heiterkeit breiten sich aus.

Zum Abschluss das krönende Highlight des Abends!
Two gold Variations von Hans van Manen reißt mich von der ersten Sekunde an mit. Fesselt mich, nimmt mir den Atem und begeistert bis zum letzten Moment! Die aufladende Energie des klaren, präzisen Klanges und der Rhythmus haben eine eigene Dynamik die sich schwer in Worte fassen lässt! Die geballte Kraft der sehr herausfordernden Musik ist hypnotisierend. Jeder einzelne Schritt absolut präzise und im Einklang mit der tonangebenden Musik. Klare feste Strukturen aus Musik und Tanz befruchten sich gegenseitig. Der Ton, der durch die Schläge des Xylofons entsteht ist kurz und perkussiv und gibt den Takt vor. Wie die wirbelartigen Schläge – voller Klangfarbe an afrikanische Tänze erinnern, so auch der Tanz mit flinken Drehungen, vielen Sprüngen und stampfenden Bewegungen. Die Kostüme sind wunderschön in Farbe und Form und eingebettet in die Bewegung sowie den Klang – es entsteht ein großes Ganzes. Kein geschriebenes Wort kann vermitteln was das Stück transportiert und auslöst – nur eigenes reines und wahres Erleben! Ein Stück was mir nachhaltig in Erinnerung bleiben wird!

Weitere Informationen zu b.25:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-25.1047795

OpernscoutsStefanie Wallace
Yogalehrerin

Die studierte Modedesignerin arbeitete im Design und Einkauf, bevor sie ihre Leidenschaft für Yoga zum Hauptberuf machte. Ihren Unterricht besuchen Tänzerinnen und Tänzer des Balletts am Rhein; deren Ausstrahlung und Körperlichkeit animierten sie zu einem ersten Ballettbesuch, dem viele weitere folgten: „Was ich beim Ballett am Rhein in den letzten zwei Jahren erleben durfte, hat mich extrem beeindruckt.“ Als Opernscout freut sie sich jetzt auch auf neue Erfahrungen und Inspirationen im Bereich der Oper.

Susanne Freyling über b.25

Ashton_Symphonic Variations_01_FOTO_Gert WeigeltWas für ein wunderbarer Abend mit drei so unterschiedlichen Stücken, und das alles ist Ballett.

Workwithinwork zeigt puristischen und geradezu technisch perfektionierten, puren Tanz. Nichts lenkt ab, die Bühne ist in Schwarz gehalten, die Kostüme stechen nicht hervor.
Das Licht inszeniert die ungewohnten, sich verrenkenden und expressiven Bewegungen in noch nicht gesehener Art und Weise: angespannte Muskeln und Sehnen treten hervor, die Gesichter sind zum Teil nicht zu erkennen.
Die Tänzer marschieren ausdruckslos auf die Bühne, bevor sie mit Ihrer athletischen Leistung beginnen, auch hier habe ich die pure Konzentration auf den Tanz empfunden.
Die dissonante Musik ist der Counterpart zum Tanz und schafft eine kühle und wenig einbeziehende Atmosphäre, mich hat das Stück trotzdem gefangen.

Symphonic Variations versöhnt nach dem im ersten Moment irritierenden ersten Stück mit einem Ballett, wie man es sich eigentlich vorstellt. Spitzentanz im weißen Kostüm, jede Tänzerin folgt Ihrem männlichen Gegenüber mit aufwärts gerichteten Bewegungen und strahlendem Gesicht passend auf die Pianotöne.
Auf den zweiten Blick irritieren die Kostüme, insbesondere die der Tänzer und das ziemlich modern wirkende Bühnenbild. Alles zusammen erzeugte für mich keine Einheit und lässt Fragen offen. Gerade jedoch diese Kontroverse macht das Stück interessant und sehr sehenswert.

Two Gold Variations ist der unumstrittene Höhepunkt des Abends. Wunderbare fließende und leidenschaftliche Bewegungen in schillernden Kostümen zu eingehender, teilweise fast schon schmissiger Musik. Ebenso wie im ersten Stück ist die Bühne schwarz, hier jedoch schwappen die Emotionen komplett auf das Publikum über, was in frenetischem und absolut verdienten Beifallssturm mündet.
Der Gesamteindruck des Stückes ist überwältigend und lässt in meiner Erinnerung wenig Platz für Details und Feinheiten. Ein Finale, das man sich auch ein zweites Mal anschauen kann!

Weitere Informationen zu b.25:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-25.1047795

OpernscoutsSusanne Freyling
Senior Category Manager bei L’Oréal

Obwohl Susanne Freyling seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, ist die Oper eher „Neuland“ für sie. „Ein sehr bereicherndes!“, sagt die bei L‘Oréal arbeitende Diplom-Betriebswirtin. Am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ begeistert sie der Austausch mit den anderen Scouts und die Möglichkeit, ihre Eindrücke an Freunde, Kollegen und eine breitere Öffentlichkeit weiterzugeben.

 

Gisela Miller-Kipp über b.25

van Manen_Two Gold_Variations_03_FOTO_Gert WeigeltDas war/ist ein spannender Ballettabend, heterogen zusammengesetzt aus drei Stücken der mittlerweile klassischen Moderne, die in der Körpersprache nicht unterschiedlicher sein könnten. Zusammen führen sie das heute den Tanzkompagnien zur Verfügung stehende Bewegungsvokabular vor. Das Ballett am Rhein beherrscht es bravourös, wie eben in b.25 zu besichtigen.

Das erste Stück – William Forsythe: „Workwithinwork“ – fand ich spröde in Musik (Luciano Berio: 34 Duette für Violine), Tanz und Choreographie. Die Violinen überspannten vielfach den Bogen, kaum ein meinen Ohren gewohnter Geigenton, nichts herkömmlich Melodisches. Dem entsprechend der Tanz: zerrissene, verdrehte, abgehakte, kurz gekoppelte Soli und Paarungen, kein Bewegungsfluss. Bisher habe ich auf einer Tanzbühne noch nicht gesehen, wie bizarr sich der menschliche Körper zu verrenken vermag. Man kann das bewundern. Bewundern kann man auch die Einstudierung. Sie war punktgenau zur Musik, und es wurde überaus akkurat getanzt. – Die Bühne verweigerte sich ebenfalls der Gefälligkeit: im unteren Drittel schwarz – aus diesem Schwarz kamen und in dieses Schwarz verschwanden die Tänzer nonchalant – in den oberen Zweidritteln grau. Das fand ich nicht cool, sondern trist, ein warmer Farbton hätte mich erfreut. Vielleicht sollte man sich also ganz auf den Tanz konzentrieren – überzeugt hat mich das nicht. Beim großen Applaus für die tänzerische Leistung war ich allerdings dabei.

Das zweite Stück – Frederick Ashton: „Symphonic Variations“ – war der Kontrapunkt zum ersten. Zu neo-romantischer Musik (César Frank: symphonische Variationen M.46) wurde mit drei Paaren klassisch-schön getanzt, ballettsprachlich herbeizitiert wurden Schwanensee & Co. Das fand ich sehr hübsch und auch amüsant, ich habe es als ironische Vorführung (!) eben des klassischen Balletts verstanden, von dem Martin Schläpfer sich ja nun entschieden verabschiedet hat, dem aber in Düsseldorf der eine oder die andere noch nachweinen soll. – Gegeben wurde das Stück in Bühne (gelb getönter Prospekt mit großen eleganten Schnittlinien, stimmte fröhlich) und Kostüm originalgetreu. Was seinerzeit – Uraufführung 1946 – als Beschwörung von Frieden/Reinheit/Harmonie ernstlich funktioniert haben mag, wer weiß, funktioniert heute nicht mehr so, die Naivität ist perdu. Ich wenigstens musste schmunzeln, und das begann schon bei den Kostümen: Die Damen tanzten hohe Spitze – man sah die Schwänchen förmlich trippeln – in klassischem Weiß, mit streng genetztem Chignon (Schwanensee dito), allerdings gab es kein Tutu, sondern ein schlapp hängendes Jersey-Röckchen. Die Herren, auf dem Haupt genau so gedeckelt wie die Damen (!), tanzten ebenfalls in Weiß, trugen allerdings ein Halbhemd mit schwarzen Randstreifen, das mich an eine römische Kurztunika erinnerte, vielleicht auch deshalb, weil die Herren gelegentlich antik posierten, etwa im Modus „Fackelträger“, oder sonstwie statuarisch „heldenhaft“. Eine Geschichte wird dazu nicht erzählt, darin liegt die assoziative Offenheit des Stückes. Es verlässt sich auf das kollektive Gedächtnis, spielt mit der Balletterinnerung des Publikums. Wer keine hat, erfreut sich eben so oder nostalgisch am perfekt getanzten klassischen Ballett. Dafür gab es stürmischen Beifall.

Das dritte Stück – Hans van Manen: „Two Gold Variations“ – fand ich meisterlich. Eleganter kann man nicht tanzen, wie Paare sich umschlingen, umgurren, wie da stolziert, posiert, geflirtet, gelockt, gebunden und getrennt und zuletzt beherrscht wird. Getanzt wird das alles auf rhythmisch treibende, ja groovende Musik (Jacob ter Veldhuis) für zwei Schlagzeuge und kleines Orchester, dabei eine silberklare Marimba, und zwar in so stimmiger Choreographie, dass ich zu schreiben wage: Musik und Körperbewegung „verschmelzen“ förmlich miteinander. – Zur Eleganz des Eindruck tragen auch Bühne und Kostüme bei: die Bühne dunkel ausgeleuchtet, davor die Tänzer in schimmernder Schlangenhaut, die Tänzerinnen im farblich entsprechend abgestuften Neckholderkleidchen – einfach schön. – Getanzt wird hinreißend, musikalisch fließend bis in jede Muskelfaser, dies besonders im langsamen Pas de deux (Marlucia do Amaral, Alexandre Simões), aber auch im Ensemble. – Große Klasse, und für das Ganze: Ovationen!

Weitere Informationen zu b.25:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-25.1047795

OpernscoutsGisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik

„Nichts nährt Seele, Sinne und Phantasie besser zum Ausgleich wissenschaftlicher Tätigkeit als die Oper!“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Ihre große Rezeptionserfahrung bringt sie nun in die Runde der Opernscouts ein. Seit ihrem Ruhestand ist sie besonders bürgerschaftlich engagiert, u.a. als Lese-Mentorin und in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit; kulturell  tummelt sie sich noch im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast.