Modernes Tanztheater – Skurrile Performance – Klassische Spitzen

b.35. Ballett am Rhein Düsseldorf/DuisburgEnvironment ch.: Ben J. Riepe
b.35 Environment – Ben J. Riepe FOTO: Gert Weigelt

Georg Hess über die Ballettpremiere „b.35“

Ohad Naharins „Decadance“ ist eine energiegeladene Vorstellung, die viel mehr modernem Tanztheater als Ballett nahe kommt, aber dennoch ein starkes und ganz außergewöhnliches Erlebnis im Saal der Düsseldorfer Oper bietet. Zu klassischer bis moderner Musik zeigen die zahlreichen jungen und lässig gekleideten Tänzer und Tänzerinnen mal schnelle, mal langsame, mal sehr gegenläufige, mal enorm synchrone, aber stets gefühlvolle,  ästhetische und mitreißende Bewegungsabläufe.
Mit „Environment“ stellt Ben J. Riepe dann eine moderne und bizarre Performance mit ganz viel außergewöhnlicher, zumeist gesichtsverhüllender Haute Couture vor, in der kaum Tanz- und noch weniger Ballettelemente zu finden sind. Eine sehr skurrile und unerwartete Inszenierung im Opernhaus mit ganz vielen bunten Szenen und Bühnenveränderungen, die permanent von einem Darsteller in Frack und Zylinder begleitet wird.
Zuletzt dann die Premiere von Remus Şucheanăs Choreographie „Abendlied“. Hier findet der Ballettfan zu Musik von Schubert über vierzig Minuten hinweg seinen romantischen Frieden. Sehr klassisch mit viel Spitzentanz und musikalisch sehr schön bespielt von Alina Bercu (Klavier), Franziska Früh (Violine) und Nikolaus Trieb (Violoncello).
Drei sehr unterschiedliche Stücke – gerade deswegen (und gerade in der Oper) alle sehr sehenswert. Mein persönliches Highlight des Abends? Decadance!

Opernscouts 2017

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an die  Freunde, Kollegen, Klienten und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

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