Isabell Boyer über „Young Moves“

YoungMoves_EdgeOfReason_03_FOTO_GertWeigelt

Meisterwerke

Die sechs Uraufführungen in „Young Moves“ sind in ihrer Einzigartigkeit und ihrem Ideenreichtum kaum in wenige Worte zu fassen. Ich war höchst beeindruckt von jedem der sechs Stücke. Meine beiden Favoriten, was Choreographie und Spannung betrifft, sind „Edge of Reason“ von Chidozie Nzerem und „No Destination“ von Wun Sze Chan. Die eingängige, an die Jagd erinnernde, Musik in „Edge of Reason“ gepaart mit den Tänzern, die in ihrer Gemeinschaft Jagd und Paarung, Gemeinschaftsgefühl und Machtverhältnisse vertanzten, blieben mir lange im Gedächtnis. „No Destination“ erzielte eine surreale, futuristische Wirkung. Der faszinierende Einsatz von Kulisse und Geräuschen waren unwahrscheinlich intensiv, ebenso wie der gezielte Einsatz von Stops in den Bewegungen und der Konkurrenz eines organischen (Gruppen-)Körpers mit dem Individuum. Beide Stück bewegten etwas in mir und hinterließen einen starken Bewegungsdrang.
„Fourmis“ und „Andante Sostenuto“ waren beide ruhiger, aber dafür umso schöner. Man wollte sich nicht aus ihren Fängen lösen, so sehr hüllten sie einen in ihre Atmosphäre ein und ließen mich wünschen, noch etwas länger in ihrer behütenden Wirkung verweilen zu können.
„49“ und „East Coasting“ waren die beiden Stücke, die mich am meisten erschütterten. „49“, das von Tod, Leben und Trauerbewältigung erzählt, traf mich genau ins Herz, berührte mich sehr tief. Die Bilder, die die Tänzer dort erzeugten, wühlten Erinnerungen auf, die mich so schnell nicht mehr losließen. Definitiv ein intensives Stück, aber auch eines, das man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. „East Coasting“ wirkte für mich wie ein Kontrast in sich. Wer hier die fröhliche Darstellung der 50er Jahre in New York erwartet, irrt sich. Hier geht es um weitaus ernsteres. Allerdings war die Darstellung für mich an manchen Stellen konfus. So saß ich am Ende der Vorstellung mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn da und versuchte, alles in Einklang miteinander zu bringen. Vielleicht sollte das gar nicht möglich sein. Vielleicht ging es um genau diese Verwirrung, um genau diesen Verlust der Orientierung, bis man hilflos in seine Komfortzone zurückkehrt…
Alles in allem war es ein genialer, sehr vielseitiger Ballettabend. Ich bin beeindruckt von der Leistung der Choreographen und hoffe, bald Neues von ihnen zu sehen. Ich verabschiede mich also mit einem großen Lob an diese Meisterwerke und empfehle von ganzem Herzen, die verbliebenen Vorstellungen zu besuchen – es lohnt sich.

Weitere Informationen zu „Young Moves“

Isabell Boyer
Studentin
Auf Isabell Boyer sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Die Opern- und Ballett-Erlebnisse in ihrer ersten Spielzeit als Opernscout inspirierten sie dazu, freier zu denken und ihren Horizont zu erweitern.

Khatuna Ehlen über „Young Moves“

 

 

 

 

 

 

 

Klingende Bilder

Der Ballettabend inspirierte in seiner Vielfalt körperlichen Ausdrucks und Themen sowie seinem wunderbar musikalischem breiten Spektrum von Klassik über Jazz bis hin moderner Musik.
Jedes Stück ein kleines Meisterwerk!
Mein Favorit war die Choreografie von Chidozie Nzerem „Edge of Reason“. Die Übereinstimmung von Tanz und der gewählten Percussion-Musik überzeugte vollends!
Es war ein an nachhaltiger Ballettabend, dessen einzelne Bilder nachklingen.

Weitere Informationen zu „Young Moves“

Khatuna Ehlen
Sozialarbeiterin
Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Nach ihrer ersten Spielzeit als Opernscout ist sie glücklich, weiter als Scout aktiv sein zu dürfen. Bisher sind die Aufführungen des Balletts am Rhein ihr klarer Favorit im Spielplan, so dass sie sich auch in der neuen Spielzeit auf mitreißende Choreographien freut.

Maren Jackwerth über b.32

Nichts hinzuzufügen

„Petite Messe solennelle“ wird von Gioacchino Rossini 1864 als Auftragsarbeit uraufgeführt und erstmalig mit dieser Uraufführung als Ballett mit dem gesamten Ensemble, immerhin 45 Tänzern gezeigt.
Rossini schreibt dazu in einer ironischen Widmung an den „lieben Gott“: „hier ist sie, die arme kleine Messe. Ist es wirklich heilige Musik (musique sacrée) oder doch vermaledeite Musik (sacrée musique)? Ich bin für die Opera buffa geboren. Du weißt es wohl! Ein bisschen Können, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.“
Es ist göttliche Musik, aber nicht ganz die traditionelle Messe: „Kyrie eleison“, dann folgt „Gloria in excelsis Deo“ über das göttliche „Sanctus“ hin zu „Agnus Die“. Wundervoll, die Musik, der Chor bezaubernd, sie nimmt förmlich Besitz von einem, die stimmen tragen durch den ganzen Raum, einmal meine ich die Sängerin steht auf einem der Ränge und nicht im Orchstergraben.
Dazu der Tanz auf einem italienischen Dorfplatz, all der Glaubensbrüder, einer mehr, der andere weniger. Zerrissene, irre, gebeutelte Männer und Frauen, daneben Liebende und das Leben bejahende. Ich meine die Vielschicht der Menschheit zu entdecken. Dann ein Priester, der auch Schmeicheleien eines Mannes wahrnimmt, gar entgegennimmt.
Was ist Glaube? Wie stellt sich Rossini dieser Frage? Und wie wird Glaube gelebt?
So sagt Schläpfer treffend über das Stück: „Mich interessiert das poröse Gestein zwischen Leben und Gelebtem, Geistigem und Göttlichem, Niedrigem und Hohem, Tanz, Theater, Poesie und Commedia dell’arte.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Weitere Informationen zu b.32

Maren Jackwerth
Anwältin
Die in Düsseldorf ansässige Rechtsanwältin, Mediatorin und Stiftungsmanagerin betreibt eine Kanzlei an der Königsallee und entwickelt Kommunikationslösungen im Bereich Corporate Social Responsibility und Kunst. Um das soziale Engagement von Unternehmen mit dem der gemeinnützigen Organisationen zu verbinden, hat Maren Jackwerth das Rheinische Stifterforum gegründet. Bildungsförderung auch im kulturellen Bereich ist ein Schwerpunkt des Netzwerks.

Maren Jackwerth über b.31

Einem Märchen entrückt

Trilogie: Martin Schläpfers „Obelisco“, dann „Adadgio Hammerklavier“ von Hans van Manen und zuletzt erlebten wir auf der Bühne von den Choreographen Sol Leon und Paul Lightfoot „Sh-Boom“.
Wieder einmal zeigt Schläpfer zur Musik von Marla Glenn, Mozart und Schubert, was seine Tanzgruppe leisten kann, einmal tanzt Marlúcia do Amaral sieben Minuten auf Spitze, federleicht und doch schmerzerfüllt?
Es gibt Soli, so von Marcus Pei, der feingliedrig seine Bewegungen einsetzt, im Paartanz offenbaren Yuko Kato und Friedrich Pohl ihr Können, indem sie auf extrahohen Absätzen sich leichtfüßig zu „Chambre separée“ aus dem Opernball von Richard Heuberger bewegen.
Van Manen lässt zu Beethovens B-Dur Sonate Nr. 29 tanzen: perfekt abgestimmte Choreographie spiegeln eine Leichtigkeit wider bis ins Unendliche. In weiße, wehende, glitzernde Kleidchen erscheinen die Damen und ein männlicher Tänzer ist der Prinz. Ein Ballett einem Märchen entrückt.
Und „Sh-Boom“ wiederum zeigt Tänzer bei schwungvoller Musik der 20er Jahre, wie am Broadway. Ein Konfettiregen kommt urplötzlich und reißt die Zuschauer mit. Und dennoch ist irgendetwas uneins, die Tänzer versuchen oberflächlich bei der Sache zu bleiben, obwohl die Musik mitunter stoppt. Ein Spiegelbild der Gesellschaft, wo nur oberflächlich alles glänzt und schimmert?

Weitere Infos zu b.31

Maren Jackwerth
Anwältin
Die in Düsseldorf ansässige Rechtsanwältin, Mediatorin und Stiftungsmanagerin betreibt eine Kanzlei an der Königsallee und entwickelt Kommunikationslösungen im Bereich Corporate Social Responsibility und Kunst. Um das soziale Engagement von Unternehmen mit dem der gemeinnützigen Organisationen zu verbinden, hat Maren Jackwerth das Rheinische Stifterforum gegründet. Bildungsförderung auch im kulturellen Bereich ist ein Schwerpunkt des Netzwerks.

Uwe Schwäch über b.32

Getanzte Gefühle in einer sakralen Musikwelt

Im neuesten Ballett von Martin Schläpfer erleben wir die Zusammenführung einer katholischen heiligen Liturgie mit Zügen einer erzählten und dennoch abstrakten Handlung. Musikalisch wird der Zuschauer in das Jahr 1863 entführt, in dem Rossini die Messe „Petite Messe solennelle“ komponiert hat. Der musikalische Kontrast zu der modernen, filigranen und technisch ästhetischen Tanzsprache von Schläpfer bildet eine Herausforderung und bisweilen entsteht eine Bild-Musik-Schere, die den Zugang zu diesem Ballett erschwert.

Dabei gestaltet sich das Setting auf der Bühne sehr ansprechend: Sakrale Säulen unterstreichen den religiösen Charakter und vermitteln gleichzeitig die Atmosphäre eines Marktplatzes in Südeuropa. Buntes Treiben erzeugt Vielfalt und Abwechslung, wenngleich nicht alle Szenen in ihrer Bedeutung überzeugen. Die vom Schicksal geprägten und dennoch zeitlich eleganten Kostüme ergänzen das Bild und hinterlassen einen insgesamt starken visuellen Eindruck. Die somit erzeugte Schlichtheit lässt Raum für den Tanz. Schläpfer inszeniert Menschen mit echten Gefühlen und unterschiedlichen Charakteren. Ob alleine, zu zweit oder in unterschiedlichen Gruppierungen, dem Zuschauer werden sehenswerte tänzerische Umsetzungen zeitgenössischer Ballettkunst mit technischen Finessen geboten. Den Tänzerinnen und Tänzern gelingt es, ein Spektrum sozialer Konstruktionen und Emotionen aufzubauen. Wir nehmen Teil an Zuneigung, Spiel, Spaß und Geselligkeit, erleben aber auch psychologische Konflikte wie Eifersucht und Isolation. Trotz der Brüche zwischen Tanz und Musik addiert diese eine besondere, über den sakralen Moment hinausgehende Stimmung. Die vier Stimmen Sopran, Alt, Tenor und Bass singen gemeinsam mit dem Chor feierlich und durchdringen das Opernhaus (trotz der Tatsache, dass Sie im Orchestergraben sind). Die Instrumentierung ist ausgesucht und authentisch: Die zwei aus der Kompositionszeit stammenden Klaviere sowie ein Harmonium schaffen einen authentischen, kontemplativen und gedämpft stimmungsvollen Musikrahmen, der zwar nicht an den bekannten Rossini erinnert, aber dennoch ein musikalischer Ohrenschmaus ist. Beide Herzstücke dieses Ballettabends – Tanz und Musik – sind sehen- und hörenswert. Leider treffen sie sich nicht immer in der gewünschten harmonischen Verbindung.

Weitere Informationen zu b.32

Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

Gisela Miller-Kipp über b.32

Eine Messe zum Niederknien, ein grandioses Hochamt für Ballett

Zunächst einmal war die „kleine feierliche Messe“ („petite messe solennelle“) von Giacomo Rossini für mich allein seligmachend: 16 liturgische Gesänge, einer melodiöser als der andere – innig und fröhlich, zart und (auf)brausend, nirgends wuchtig, dennoch getragen-fromm – dies in allen vier Stimmen (Morenike Fayadomi, Katarzyna Kuncio, Corby Welch, Günes Gürle) betörend gesungen und vom kleinen Chor der Deutschen Oper am Rhein überaus präzis begleitet (Dirigat: Axel Kober) – zum Niederknien. Dazu nun zelebrierte Martin Schläpfer mit seinem Ballett ein eigenes Hochamt: 16 existentielle Szenen, ungemein assoziationsreich: Glaube, Liebe, Hoffnung, Tod und Trauer, Verzweiflung, Raserei, Hingabe und Demut, die Leichtigkeit des Seins, Unanständigkeit und heiliger Ernst … . Dem offenen Deutungshorizont der Choreographie diente die Bühne (Florian Etti) kongenial: sie war eine Offerte an die Raumphantasie, konnte Kirche sein und Kreuzgang oder Arkaden, Kaschemme, Piazza und offenes Feld – ein hoher geometrischer Raum, elegant geteilt durch Rundbogen, Ellipse und Parabel, alles in Grautönen unterschiedlich hell, gelegentlich blau (Glaubensfarbe) ausgeleuchtet – auch sehr schön. Als einzige stehende Requisite eine Reihe von Stühlen – zum Sitzen, Stehen, Liegen, werden auch herumgeschoben, ziemlich funktionslos, wie mir schien, es sei denn, um Geräusch zu erzeugen. – In diesem Raum also und mit diesen Stühlen tanzt nun ersichtlich „einfaches“ Volk“: Arbeiter, Bauern, Handwerker, Haus- und Marktfreuen in typischer Standeskleidung (1940er/56er Jahre, gedeckte Farben) – Menschen wie Du und ich? – Sie tanzten sich die Seele aus dem Leib, ob Solo, ob in Paarungen, ob als Ensemble – leidenschaftlich und hingebungsvoll und sehr fesselnd. Immer noch trage ich Eindrücke, Bilder mit mir herum, so die der zwei „running figures“: der Pfarrer, der frömmelnd durch alle Szenen agiert und sich derb auch einmal selbst versucht, und die hadernde Frau, die zum „Crucifixus“ auf die Bühne kommt, die Arme schwer und flügelähnlich mit Rosenkränzen behangen; sie tanzt einen Glaubenskampf (Camille Andriot), ein Stuhl dient ihr als Beichtstuhl, und auf dem bleibt sie zuletzt sitzen, auf der Vorderbühne, und hadert dort mit ihren Rosenkränzen bis zum 11 Gesang („et vitam venturi saeculi“); dann ist sowieso Pause – schade. Ich fand die Pause abrupt und hätte sie gut missen können.

Aber vielleicht braucht man auch Entspannung – den ganzen Sprachreichtum der tanzenden Körper, die Fülle des szenischen Ausdrucks dieses Balletts kann man, konnte wenigstens ich nicht an diesem einen Abend (er)fassen; ich werde deshalb gewiss noch einmal hineingehen – auch für die Szenen, die mich besonders beeindruckten oder beschäftigten, nämlich, zu den oben beschriebenen, besonders noch: der rasante Gottesdienst-Stomp im „Gloria“ (zweiter Gesang) oder Revolutionsballett und Geißelung im Agnus Dei (dritter und vierter Gesang: „gratias agimus tibi“, „domine deus“) – beide Szenen haben Hintersinn: Zunächst stürmt ein Trupp im Stile des kommunistischen Propagandaballetts auf die Bühne, trägt Gewehre mit aufgepflanztem Bajonett und schwenkt rote Fahnen. Auf denen sind aber nicht Hammer und Sichel zu sehen, nein, vielmehr das runde Gesicht von Papst Johannes Paul II.! Als die kämpfenden Revoluzzer endlich am Boden liegen, strömt Landvolk herein mit Brot und Wein und ganzen Schinken, die ländliche Idylle wird aber alsbald zur Prügelei – mit Brot und Schinken! –, dann geißelt man sich mit den Schinken – jetzt denke ich: es sind vielleicht Lammschlegel? –, zuletzt werden die Schinken oder Lammschlegel obszön zwischen die Beine gesteckt – nun ja; Blasphemie gehört auch zum religiösen Leben. – Stark auch der letzte Gesang („agnus dei“) mit einem bezwingenden Solo von Marlúcia do Amaral: beginnt mit einem ekstatischen Veitstanz, endet entrückt und innig flehend mit „dona nobis pacem“, „Herr, gib uns Frieden“. – Die tiefe Sehnsucht danach kann diese Messe entfachen.

Weitere Informationen zu b.32

Gisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik
„Die sinnliche Erfahrung von Oper und Ballett öffnet einen immer wieder neu“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Was sie sieht, vergleicht sie mit ihren persönlichen Kulturerlebnissen aus vielen Jahrzehnten und ist beglückt darüber, dass sich dabei immer wieder neue Sichtweisen erschließen. Sie engagiert sich in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und wird im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast auf ihre Erlebnisse als Opern- und Ballettscout angesprochen.

Niko Budden über b.32

Getanzte Zwischenmenschlichkeit

„Nach einer halben Stunde ist wirklich Schluss“, habe ich beim letzten Mal gesagt, länger könne ich mich nicht konzentrieren. Glücklicherweise gab es da drei voneinander unabhängige Stücke, mit Pausen getrennt. Ganz üblich für die Ballettabende an der Düsseldorfer Oper, sagte man mir. Ganz anders die jetzige Premiere, an diesem Abend gab es ein langes, durchgängiges Stück.

Und lassen Sie mich offen sagen: Ich habe es geschafft. Zugegebenermaßen habe ich auch zwischendurch geträumt – schieben wir es auf den chorischen Gesang und meinem Hang zur Müdigkeit – doch bin ich  immer wieder zurückgekehrt. Es wurde nicht langweilig.

Das Schläpfer-Stück besteht aus ganz vielen unglaublich geladenen Momenten. Ein Grund, warum ich „Petite Messe solennelle“ auch ein zweites Mal besuchen möchte: Es gibt so vieles zu entdecken, das mir beim ersten Mal noch gar nicht aufgefallen ist. Nun gut, vieles von dem, was ich sehe, ist meist auch gar nicht da: Tänzer husten und rücken auf Stühlen umher, ganz klar! Ein Wartezimmer voller Kassenpatienten. Nein halt, religiöse Musik und tanzende Menschen? Das ist doch ein verrückt werdender Kult in einem Bunker! – Theaterguckgewohnheiten. Ich kann es einfach nicht lassen. In der Zeitung wird es als das gotteslästerliche Leben einfacher Leute beschrieben, was wohl am besten zu allem passt, zum Meeting am Mittag, zur Schlange im Supermarkt und zu dem, was auf der Bühne passierte, allemal.

Einfach gesagt: Der wirklich gewaltige „kleine Chor“ der Oper, vier Solisten, zwei Klaviere und atemberaubend getanzte zwischenmenschliche Momente begeistern.

Weitere Informationen zu b.32

Niko Budden
Student
Für Theaterliebhaber Niko Budden bedeuten Ballett und Oper neue Seh- und Hörgewohnheiten, auf die der Student der Geschichte und Germanistik sich sehr gerne einlässt. Sein Engagement im Projekt  „Musiktheater im Labor“ der Jungen Oper bedeutete für ihn dabei den Einstieg in die Welt des Musiktheaters. Besonders auf die Ballettvorführungen ist Niko Budden gespannt, da er den Einstieg in die performative Kunst bisher immer über das Wort fand.