Christina Irrgang über „Die Zirkuspinzessin“

DieZirkusprinzessin_08_FOTO_HansJoergMichelWie können Worte gefunden werden für den Operetten-Abend der „Zirkusprinzessin“ am 13. November 2015, wo sich zeitgleich die terroristischen Anschläge in Paris – darunter im Bataclan, abgeleitet von Jaques Offenbachs Operette „Ba-ta-clan“ – ereigneten? Die Erschütterung über den willkürlich scheinenden, doch zielgerichteten Angriff auf Menschen, die – ebenso wie wir – an diesem Abend Unterhaltung suchten, hallt nach: als Geste gegen eine kulturelle Überzeugung, die auch wir mit dem Besuch der Oper vertreten. Unweigerlich schneiden die Ereignisse jenes Abends ineinander. Die Realität der Gegenwart kann deshalb nicht getrennt von der privaten Zerstreuung gesehen werden. Wir sind Zeugen aus der Ferne, und aus diesem Grund sind diese Worte und Überlegungen den Opfern der Attentate in Paris gewidmet.

Bereits während der „Zirkusprinzessin“ kreisten meine Gedanken um die Frage: Welche Bedeutung hat Zirkus heute? Diese Überlegung wird intensiviert vor dem Hintergrund der vorangestellten Worte mit der Behauptung: Der Zirkus als Ort der Artistik, der Maskerade, der Zerstreuung ist anachronistisch. Der Zirkus hat für den Menschen im Jahr 2015 keine Bedeutung mehr, die ihm zu der Zeit von 1925-1926, da Emmerich Kálmán mit dem Librettisten-Duo Julius Brammer und Alfred Grünwald die „Zirkusprinzessin“ komponierte, noch zugeschrieben wurde. Die Zeit der Szenerie hatte Kálmán auf das Jahr 1912 verlegt, unter Rückgriff auf den Untergang der Österreichisch-Ungarischen-Monarchie und des zaristischen Russlands, mit ironischer Betrachtung des russisch-französischen Adels und des Wiener Bürger- und Kleinbürgertums. Er bettete den politischen Wechsel in einen Parcours aus zwischenmenschlichen Beziehungen und Verwechslungssituationen ein. Doch den Zirkus als Forum und als Sinnbild des „Zirkels des Lebens“, der mit dem Rollenspiel des Mister X bei Kálmán Gestalt und Ausdruck findet, gibt es so nicht mehr.

Wiederholung und Wiederkehr der Persönlichkeitsschau und -show findet heute an anderer Stelle und vor allem in mediatisierter Form statt. Facebook ist nur ein Kanal, der neben Instagram, Twitter oder Tinder die Möglichkeit eines solchen Rollenspiels ermöglicht. Es sind auch diese Kanäle, die frequentiert werden, in denen Zerstreuung, Sensation und Schaulust kreisen. Bilder, Illusionen und Annahmen zirkeln und zirkulieren hier. Also eine neue Form des Zirkus? Immerhin wird auch bei Kálmán der Zirkus für Fedora Palinska und Mister X, für Liesel und Toni, sowie für den Zirkusdirektor Stanislawsky und dessen Gattin Wanda zur Paarbörse bzw. Ort der Partnervermittlung und des Austragens des Partnerschaftlichen. Letztlich gleicht auch das Hotel von Carla Schlumberger und ihrem Oberkellner und ehemaligen Geliebten Pelikan der Heterotopie des Zirkus.

Und doch: Die Story und die Lyrik der Gesänge der Kálmánschen Operette sind zumeist platt, die innere Linie der Geschichte – trotz aller Querverbindungen der Protagonisten – ist verworren und generell fehlt es der „Zirkusprinzessin“ an Vehemenz. Sie ist weder kurzweilig in der Unterhaltung, noch intellektuell bereichernd oder gekonnt parodierend. Zwischen den Szenen schimmern Idealismus und Tugend wie ein Alibi durch. Worum ging und geht es wirklich? Die Bedeutung dieser Operette insgesamt ist mir zu dünn, trotz einer intensiven Inszenierung durch Josef E. Köpplinger (Staatstheater am Gärtnerplatz, München). Glamour scheint im Vordergrund zu stehen – der hier mit allen Mitteln sinnlich durch ein märchenhaftes Bühnenbild und farbenreicher Kostümierung umgesetzt ist. Aber muss die barocke Geste noch eine Regel der Operette sein? Wäre es nicht an der Zeit, sich einem Diktum der leeren Opulenz zu entheben? Die „Zirkusprinzessin“ scheint wie eine Farce ohne Façon.

Aktuell, nur wenige Meter von der Düsseldorfer Oper entfernt, ist im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen ein kleines Bild des belgischen Malers Walter Swennen (*1946) zu sehen: Es zeigt einen Clown, oder besser, eine blaue Figur in Gestalt eines Clowns, dessen roter Schatten seine Auflösung als Phantom andeutet. Die Figur des Clowns ist nur noch als formlose Fläche vorhanden, die haltlos im Raum (auf dem blassen Grund der Leinwand) kippt. Mit sehr reduzierten Mitteln schafft Swennen es, in der Malerei „Clown bleu rouge“ (2007) die Tragik der Maskerade zu verbildlichen und auf eine neue Form, ja auf einen Szenenwechsel des Clownesken sowie eine Verschiebung dessen Ortes zu verweisen. Die Operette könnte in ihrer Kombination aus Sprache, Schauspiel und Gesang viel mehr, als mit ihrem eigenen Genre zu langweilen: Mit der „Zirkusprinzessin“ scheint sie in ausgetretenen Pfaden zu gehen und sich letztlich gar – tautologisch – im Kreis zu bewegen.

Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-zirkusprinzessin.1045078

OpernscoutsChristina Irrgang
Freie Autorin

Christina Irrgang lebt und arbeitet als freie Autorin in Düsseldorf. Sie studierte Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, an der sie aktuell über den Fotografen Heinrich Hoffmann im Kontext politischer Bildstrategien promoviert. Parallel zum Schreiben verfolgt sie im künstlerischen Bereich ihr Musik-Projekt BAR, das sie 2013 mit Lucas Croon gegründet hat. In der Spielzeit 2015/16 ist sie zum zweiten Mal begeisterter Opern-und Ballett-Scout!

 

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Gisela Miller-Kipp über „Die Zirkusprinzessin“

DieZirkusprinzessin_04_FOTO_HansJoergMichelDas ist ein tolles Stück – für mich bot diese „Zirkusprinzessin“ alles, was Operette ausmacht, ich habe mich köstlich amüsiert. – Die „Story“ ist so simpel wie klassisch: Zwei verlieben sich unsterblich ineinander, tragische Irrungen, abgefeimte Verwirrungen, märchenhaftes Happy-End, und das Ganze in gleichfalls klassischer Widerspiegelung der „hohen“ Ebene derer von Adel auf der „niederen“ Ebene derer vom Volk. Grund für Beinahe-Tragik sind im vorliegenden Falle Adelsdünkel und Standessunterschiede, sie plagen uns heute gerade nicht mehr. Mithin kommt für mich alles darauf an, wie diese „Story“ als Operette auf die Bühne gebracht wird. Von einer „kleinen Oper“ erwarte ich flotte Nummern, allerlei Umtriebe und, vor allem, „leichte“, meint eingängige und schmissige Musik. Mit all dem wird man nun aufs Schönste und fast überreich bedient, sintemal die Geschichte beim Zirkusvolk spielt – das Allotria fängt schon damit an, dass Clowns zur Begrüßung der Besucher im Foyer wie im Parkett herumtollen und mit Glitter um sich werfen.

Die Vorführung ist flott, die Musik, süffig gespielt, hat Ohrwürmer, sentimentale Liebesduette, Tanzrhythmen – Walzer natürlich und Marsch, was will man mehr? –, und Emmerich Kálmán macht manche musikalische Anleihe bei sich selbst. Gesprochen wird erfreulich deutlich, gesungen wird famos, hier und da klingt die Fürstin etwas schrill und Mister X presst (ich habe die zweite Aufführung besucht).

Zauberhaft ist die Bühne – in den ersten Bildern ein Zirkuszelt mit allem Bling-Bling und großer Leuchtschrift. Darin spielen die phantasievoll kostümierten Clowns fast durchgängig mit, ihre Clownerien kommentieren oder verdeutlichten das Bühnengeschehen, das ist höchst vergnüglich. Geboten werden auch noch Schlittenfahrten, wunderbares Schneegestöber, und im letzten Bild, ein Hotelfoyer in Wien, werden Wiens Prunkbauten, dabei das Riesenrad, als erleuchtete Miniaturen hereingeschoben – sehr hübsch. Dort kommt das Happy-End recht unvermutet, herbeigeführt vom altgedienten Oberkellner – Wolfgang Reinbacher gibt hier den seligen Hans Moser. Das ist so „schräg“ wie die Tische und Stühle im Bühnenraum!

Nach drei Stunden Aufführungen war es für mich dann aber auch genug, ich war gesättigt – beschwingter Heimweg.

Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-zirkusprinzessin.1045078

OpernscoutsGisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik

„Nichts nährt Seele, Sinne und Phantasie besser zum Ausgleich wissenschaftlicher Tätigkeit als die Oper!“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Ihre große Rezeptionserfahrung bringt sie nun in die Runde der Opernscouts ein. Seit ihrem Ruhestand ist sie besonders bürgerschaftlich engagiert, u.a. als Lese-Mentorin und in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit; kulturell  tummelt sie sich noch im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast.

Uwe Schwäch über „Die Zirkusprinzessin“

DieZirkusprinzessin_16_FOTO_HansJoergMichelOperetten sind speziell, denn sie bieten keinen musikalischen Durchlauf. Musik- und Gesangspausen enthalten gesprochene Dialoge, wodurch kurzweilig eine Theaterstimmung herrscht. So auch diese von Emmerich Kálmán komponierte Operette, in der es um Irrungen und Wirrungen der Liebe unter Beachtung gesellschaftlicher Konformität geht. Das Spiel mit falschen Identitäten ist so unterhaltsam wie ein Wiener Komödienstadel. Das Gefühlsleben der nach Liebe und Heirat suchenden ist offenkundig und enthält wenig Tiefgang.

Musikalisch ist die Operette von einem Leitmotiv mit hoher Wiedererkennung geprägt. Die harmonisch-komödiantische Melodie wiederholt sich in verschiedenen Liedern, die sich wie eine Nummerngeschichte aneinanderreihen. Besonders die sich findenden Paare Miss Mabel Gibson und Toni Schlumberger (Susanne Grosssteiner und Christoph Filler) sowie die Fürstin Palinska und Mister X (großartig Romana Noack und mit zunehmender stimmlicher Präsens Carsten Süss) haben in ihren Duetten geglänzt.

Das Bühnenbild einer bunt iluminierten Zirkusarena bietet von Anfang an viel für das Auge: Clowns klettern durch die Zuschauerreihen bevor der Vorhang aufgeht und auf der Bühne sorgen Sie in illustren Kostümen mit Tanz und Akrobatik für gute Unterhaltung. So lässt sich im weiteren Verlauf auch der Winterzauber einer Petersburger Schlittenfahrt passend zu unserer Jahreszeit gut erleben. Es ist durchgehend viel los und dem Zuschauer wird es nie langweilig. Zum Glück, denn die Handlung bietet wenig Anspruch und Bewegendes. Die gesamte Inszenierung ist allerdings so bunt, dass sie besser in die närrischen Tage des Düsseldorfer Karnevals gepasst hätte.

 Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-zirkusprinzessin.1045078

OpernscoutsUwe Schwäch
Agentur-Chef und Lehrbeauftrager

Der Gesellschafter der Markenagentur Brand Lounge und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Weil ihn nicht nur das Kunsterlebnis, sondern auch der gemeinsame Austausch darüber bereichert, freut er sich jetzt auf den Dialog mit den Opernscouts

Isabell Boyer über „Die Zirkusprinzessin“

DieZirkusprinzessin_14_FOTO_HansJoergMichelEin Wintermärchen

Gänsehaut. Das erste Gefühl, das mich überkommt, als das Orchester zu spielen beginnt. Schon zuvor vom Clownensemble im Publikum überrascht, während die Leute ihre Plätze einnehmen, trete ich voran in eine Welt des Zirkus, weit von unserer Welt entfernt, im Wechselspiel zwischen Russland und Österreich. Kálmáns „Zirkusprinzessin“ hat etwas Märchenhaftes an sich, spielt sowohl mit Klischees über Romantik und Kitsch, als auch mit Selbstbestimmung und der Bedeutung von Status in der Gesellschaft.

Diese Operette ist bunt und federleicht, mal schnell und heiter, dann wieder melancholisch und bitter, je nachdem, wie die Situation es hergibt.

Als bekennende Musical-Liebhaberin habe ich mich in diesem Stück sofort wiedergefunden. Die eingehenden, sich wiederholenden Melodien, die klaren Stimmen (die zu meiner Begeisterung eine Menge davon verstanden, sich perfekt zu artikulieren), die wundervolle Instrumentalisierung (das Orchester war hervorragend) und dazu ein wunderschön ausgearbeitetes Bühnenbild inklusive Leuchtreklame, verblüffend realistischem Schnee und wandelbaren Requisiten, die in den Szenenübergängen ganz elegant vom Tanzensemble, das nebenbei mit seiner Ausdrucksstärke glänzte, auf die Bühne gebracht wurden, machen dieses Stück aus. Hier zeigt sich, wer sich auch auf leichtere Unterhaltung einlassen kann.

Denn hier geht es nicht hauptsächlich um Wahnsinn, Trauer, Kummer oder Macht, wie es sonst in der Oper oft der Fall ist. Natürlich tauchen diese Elemente, zumindest teilweise, auch auf, doch liegt das Augenmerk eher auf einer Liebesgeschichte – oder mehreren, wie sich schon recht am Anfang herausstellt.

Mir gefiel das Konzept gut, da es sich, trotz der wahrlich romantisch bis kitschig ausgelegten Geschichte, immer ein wenig selbst reflektiert. Nicht umsonst sagt der mysteriöse Mister X in einer der Schlüsselszenen, dass seine Geschichte wie ein Drei-Groschen-Roman klingt, aber seine Absurdität verliert, je wahrer sie wird.

Es ist also die Aufgabe eines jeden Zuschauers, sich auf die Welt der Zirkusprinzessin einzulassen, ihr die Chance zu geben, sich von ihr entführen zu lassen; in die vorweihnachtliche Stimmung des Stücks, ihre Farbenpracht und nicht zuletzt ihren Zauber. Soviel kann ich versprechen: Es lohnt sich.

Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-zirkusprinzessin.1045078

OpernscoutsIsabell Boyer
Studentin

Auf unseren jüngsten Opernscout sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Als Opernscout berufen worden zu sein ist eine Ehre für sie. Sie ist sehr froh, dabei zu sein und hofft auf eine schöne Zeit.

Max Ohagen über „Die Zirkusprinzessin“

DieZirkusprinzessin_10_FOTO_HansJoergMichelWas für ein Zirkus!

Die Zirkusprinzessin: ein musikalisches Märchen mit traumhaftem Bühnenbild, tollen Kostümen, verstaubten Dialogen und Musiktexten aus einer Zeit, die sich keiner mehr herbeiwünscht. „La Cage aux Folles“ aus einem Potpourri von Zorro, Phantom der Oper, Weissem Rössel und Marika Röck – Operette halt. War irgendwie nichts für mich.

Verkürzt vielleicht auf die Länge eines Werbeclips hätte man sagen können: ganz drollig. Die drei Stunden hatten alle Symptome eines Langstreckenfluges: unruhiges Sitzen, keine Chance zum Aussteigen und den sehnsüchtigen Wunsch nach einer schnellen, reibungslosen Landung.

Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
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OpernscoutsMax Ohagen
Inhaber Manufattura

Während die Kunden seiner „Manufattura“ „Keramik selbst bemalen“, erzählt Max Ohagen ihnen von seinen aktuellen Opern- und Balletterlebnissen – jedenfalls dann, wenn er seinen Laden früh genug verlassen konnte, um pünktlich im Opernhaus zu sein. Offen und neugierig auf das Zusammenspiel von Musik, darstellender und visueller Kunst gibt er gern seine Eindrücke und Empfehlungen weiter.

Khatuna Ehlen über „Die Zirkusprinzessin“

DieZirkusprinzessin_01_FOTO_HansJoergMichelSelten habe ich so etwas Schönes gesehen!

Es ging schon mit dem Auftritt der Clowns im Empfangsbereich los: sie tobten und sprangen zwischen den Besuchern rum und verbreiteten eine spannende Stimmung und jede Menge gute Laune.

Diese Operette war ein Genuss in vollen Zügen. Ich war bezaubert von dem wunderschönen Bühnenbild mit all den schönen Dekorationen und den bunten Kostümen der Darsteller. Durch die Wiederholung mancher Lieder bekam ich einen Ohrwurm und konnte zum Ende hin fast selber mitsingen. Viel Liebe und Romantik, viel Bewegung, ein bisschen Akrobatik, hin und wieder witzige Sprüche, wunderbare Stimmen der Darsteller, traumhafte Klänge des Orchesters und kein bisschen Langeweile. Ich konnte tagelang von dem außergewöhnlich schönen Abend schwärmen. „Die Zirkusprinzessin“ hat alle von mir bisher besuchten Opern- und Ballettabende übertroffen.

Das Einzige was mich ein wenig gestört hat, war die Länge der Operette. Am Ende einer langen Arbeitswoche ist man doch ein bisschen zu erschöpft, um sich noch ca. 3 Stunden emotional und geistig auf etwas einzulassen, auch wenn „Die Zirkusprinzessin“ so großartig war.

Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-zirkusprinzessin.1045078

OpernscoutsKhatuna Ehlen
Sozialarbeiterin

Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Trotzdem ist Khatuna Ehlen gespannt und aufgeregt. Ein einziger Opernbesuch in ihrer Heimat Georgien liegt vor ihrem Start als Opernscout. „Ich weiß noch nicht, was mich erwartet und ob es mir gefällt, aber ich bin ganz offen, neugierig und froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe.“

 

Susanne Freyling über „Die Zirkusprinzessin“

DieZirkusprinzessin_18_FOTO_HansJoergMichelOperettenfans kommen in der Zirkusprinzessin von Kálmán voll auf Ihre Kosten.

Das Foyer des Opernhauses und die Zuschauerränge werden zur Bühne, indem sich eine bunte und wilde Horde Clowns unter das Publikum mischt und schwarz-weiße Zettel mit der Ankündigung des mysteriösen Mr. X in die Zuschauermenge flattern.

Schnell ist man dadurch in die magische und romantische Zirkuswelt eingetaucht und wird wie ein Zirkusbesucher von dem Direktoren-Ehepaar begrüßt.

Das aufwändige Bühnenbild ist wie die Kostüme liebevoll detailreich gestaltet und gleitet durch diese Qualität nicht in den Kitsch ab. Insbesondere im zweiten Akt entstehen wunderschöne Bilder durch den Schnee, der auf die Bühne rieselt. Die humorige Darbietung insbesondere der österreichischen Gastdarsteller ist unterhaltsam und gesanglich (zum großen Teil) auf einem hohem Niveau.

Die eher seichte Handlung rund um zwei durch Ihren gesellschaftlichen Stand zunächst verhinderte Paare entwickelt in Kálmáns Stück keinen großen Tiefgang und wenig erkennbare Tragik. Die Inszenierung ist hier folgsam und zeigt keine Brüche auf, die das Stück aktueller und interessanter machen würden.

Um einfach nur zu unterhalten, war mir das Stück zu wenig spannend und schlicht zu lang. Die durchgehend romantische und positive Tonalität, die die Melancholie des Sujets vermissen lassen, ließen bei mir den Spannungsbogen im Verlauf des Abends immer weiter sinken.

Das wahre Feuerwerk der Darbietung hat – am Applaus gemessen – einen Großteil des Publikums erreicht, mich leider nicht.

Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-zirkusprinzessin.1045078

OpernscoutsSusanne Freyling
Senior Category Manager bei L’Oréal

Obwohl Susanne Freyling seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, ist die Oper eher „Neuland“ für sie. „Ein sehr bereicherndes!“, sagt die bei L‘Oréal arbeitende Diplom-Betriebswirtin. Am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ begeistert sie der Austausch mit den anderen Scouts und die Möglichkeit, ihre Eindrücke an Freunde, Kollegen und eine breitere Öffentlichkeit weiterzugeben.