Georg Hess über „Don Pasquale“

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Temporeiche Opera buffa

Diesmal erwartet mich in der Düsseldorfer Oper „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti, eine Opera buffa (komische Oper) aus dem Jahre 1843 in der Inszenierung des Startenors Rolando Villazón.
Hauptdarsteller sind eine junge, attraktive Frau (Elena Sancho Pereg als Norina) die einen älterlichen, reichen Geizhalz (Lucio Gallo als Don Pasquale) an der Nase herumführt und schließlich mit ihrem eigentlichen Liebhaber (Ioan Hoteas als Ernesto) zusammenfindet aufgrund der Ränkespiele des Leibarztes (Mario Cassi als Doktor Malatesta).
Die einfache Handlung ist mit reichlich alberner Komik und zahlreichen klamaukigen Gags versehen, wobei die aktuelle Inzenierung versucht, sich mit den unterschiedlichen Geschmäckern zwischen alter und neuer Kunst und Moral auseinanderzusetzen. Das Stück hat viel Tempo und wirkt zumeist frisch, manchmal sogar überdreht und nur selten altbacken.
Alle vier Sänger (und auch die durch Nicholas Carter geführten Düsseldorfer Symphoniker) imponieren mit erstklassigen Leistungen. Besonders hat mir die Szene im dritten Akt gefallen, als sich die umwerfende Norina und Ernesto im Laternenschein vor einer Margritte-Kulisse ihre Liebe versichern.

Das Publikum ist schließlich begeistert.

Wen eine heitere Opera buffa anspricht, für den ist der Besuch sicherlich zu empfehlen.

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Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Khatuna Ehlen über „Don Pasquale“

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Bunte Mischung

Meine Erwartungen an das Stück waren ambivalent: das Thema ewiger Jugend und das Begehren des Alters, es noch einmal mit der Jugend aufnehmen zu wollen, im Mittelpunkt ein alter Mann und seine junge Frau, versprach nicht gerade eine abendfühlende Vorstellung…
Doch es kam anders: spätestens mit dem Bühnenbild, inspiriert durch Edward Hoppers Nachtschwärmer (Nighthawks, 1942) war ich für das Stück gewonnen und so trat der (eher simple) Inhalte des Stücks in den Hintergrund.
Eine bunte Mischung humoriger, teils frech inszenierter Szenen prägt, neben der Stimmgewaltigkeit der einzelnen Akteure, das gesamte Stück. Das Versprechen der Oper, alle Sinne anzusprechen wurde vollends eingelöst, kurzum: ein gelungener, kurzweiliger, bunter Abend – für ungeübte Opernbesucher zweifelsfrei zu empfehlen.

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Khatuna Ehlen
Sozialarbeiterin
Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Nach ihrer ersten Spielzeit als Opernscout ist sie glücklich, weiter als Scout aktiv sein zu dürfen. Bisher sind die Aufführungen des Balletts am Rhein ihr klarer Favorit im Spielplan, so dass sie sich auch in der neuen Spielzeit auf mitreißende Choreographien freut.

Susanne Freyling-Hein über b.31

Facettenreich

b.31 war ein fantastischer Ballettabend – der Ohrwurm aus SH-BOOM verfolgt mich immer noch.
Das erste Stück „Obelisco“ ist in 7 Abschnitte mit 7 unterschiedlichen Musikstücken gegliedert, somit entsteht für den Zuschauer eine klare Struktur.
Zu jedem Musikstück verändert sich der Tanz, dabei werden unglaublich viele Facetten gezeigt- von Plateau-Schuhen, über einen endlos-Spitzentanz bis zu einem pas des deux in Highheels – unisex.
Das zweite Stück „Adagio Hammerklavier“ ist ein klassisches Ballett, aber überhaupt nicht angestaubt und kitschig, sondern frisch und leicht mit einem bemerkenswert schlichten, dennoch wirkendem Bühnenbild.
Das dritte Stück „SH-BOOM“ wirkt am stärksten nach – auf den ersten Blick eine fast übertrieben gut gelaunte Tanz-Revue mit wirklich witzigen Szenen. Auf den zweiten Blick stellt sich die Frage, was sich hinter der überschäumenden Fassade verbirgt – somit erhält das Stück Tiefe und Spannung.
b.31 ist für mich das bisher stärkste und facettenreichste Ballett, was ich in Düsseldorf gesehen habe, daher kann ich einen Besuch nur weiterempfehlen!

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Susanne Freyling-Hein
Senior Retail Development Manager bei L’oréal
Obwohl Susanne Freyling-Hein seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, waren Oper und Ballett bis zu Beginn der letzten Spielzeit Neuland für sie. Begeistert hat sie vor allem Martin Schläpfers Ballett am Rhein. Sie schätzt den gemeinsamen Austausch, weil er den eigenen Eindrücken andere Sichtweisen gegenüber stellt. Und wenn Freunde oder Kollegen ihren Empfehlungen folgen, macht sie das durchaus ein bisschen stolz.

Gisela Miller-Kipp über b.31

„Life could be a dream“ – mit diesem Ballett allemal

b.31 ist für mich eine der gelungensten, weil auch ausgewogensten Ballettvorstellungen der Deutschen Oper am Rhein – alle drei Stücke sind grundverschieden, aber einander ebenbürtig an tänzerischem Können, choreographischer Raffinesse und Musikalität. Die Musik wird durchgängig eingespielt, dabei schwankte und schepperte der Ton gelegentlich, die Soli aber klangen brillant. – Das erste Stück: „Obelisco“, von Martin Schläpfer 2007 für das ballettmainz geschrieben, ist hier neu einstudiert. Es präsentiert Bewegungsstudien in sieben musikalisch grundverschieden markierten Nummern. Zwei davon faszinierten mich besonders: eine Vorführung in Zeitlupe auf „il tempo con l’obelisco“ von Salvatore Sciarrino, die einen (zu)sehen lässt, wie Bewegung aus der Körpermitte heraus entsteht, grandios getanzt, allen voran von Marlúcia do Amaral. Absolut „spitzenmäßig“ tanzt sie auch in einem weiteren Stück, einem Solo, das Gangarten vorführt, dabei sieben Minuten ohne abzusetzen in Linien auf der Spitze – nicht zu fassen! –, ein Bravourakt, der symbolisch mit abgeknickten Füßen endet. Noch ein weiteres Solo beeindruckte mich sehr: eine Choreographie von Schuberts wehmütiger Sopranarie „Du bist die Ruh‘“, mit vollendeter Körperbeherrschung kongenial getanzt (Marcus Pei) und dazu wunderbar gesungen (von wem?). – Zur meisterlichen Vorführung tragen auch Bühne und Kostüme bei (Thomas Ziegler). Die Bühne ist ein Halbdunkel mit lang herabhängenden schlanken Stäben, die matt glänzen und gelegentlich blitzend funkeln wie der durchsichtig-dunkle Bühnenhintergrund, passend dazu dunkelfarbig glitzernde Trikots und Kleidchen; sehr schön. – Ach ja, was ich noch bemerkenswert fand: die Plateaustiefel in schwarzem Lack, auf denen im ersten Stück, und die überaus hohen High-Heels ebenfalls in schwarzem Lack, auf denen von Tänzerin und Tänzer (Yuko Kato, Friedrich Pohl) im letzten Stück getanzt wurde, dort langsam und kontrolliert-elegant auf „Komm mit mir ins Chambre separée“. Das hatte großen Charme, und im Übrigen waren große Könner auf der Bühne – keine Standunsicherheit nirgends.
Das zweite Stück, „Adagio Hammerklavier“, choreographiert von Hans van Manen, ist ein elegisch-schön getanzter und wunderbar innig-verhalten gespielter Beethoven – Christoph Eschenbach, wie ich später erfuhr –, Musik und Tanz harmonieren also aufs Beste, ein klassischer van Manen eben; und wiederum tragen Bühne und Kostüme (Jean-Paul Vroo) das Ihrige dazu bei. Im Bühnenhintergrund bauscht und wellt sich unendlich fließend ein riesiges Tuch, ein optisches Faszinosum für sich, dazu die Damen in weißem Voile, die Herren in weißen Leggings – freilich gemahnte mich deren gerippte Machart etwas unpassend an lange Unterhosen. – Gegen den überbordenden Einfallsreichtum von „Obelisco“ fand ich das „Adagio“ zuerst wenig spannend, was sich aber zusehends ins Gegenteil wandelte.
Das dritte Stück, „SH-BOOM“ von Sol León und Paul Lightfoot, ist getanztes Vaudeville-Cabaret der 1920iger Jahre, Slapsticks inklusive – temporeich im schnellen Wechsel der Bewegungsmuster und Musikstücke, komisch und derb, amüsant und schräg, ironisch und leicht bitter, dahinter also durchaus auch ein wenig Ernst – insgesamt ein großer Spaß. Der fängt schon vor dem Vorhang an mit einem mechanischen Grinsemann in Endlosschleife (Rubén Cabaleiro Campo) und setzt sich gleich auf der Bühne fort, als Boris Randzio sich im schwarz-weißen Wandelanzug herumspreizt, während er in allen Stimmungslagen von zärtlich-süß bis verächtlich-hasserfüllt sich steigernd zwei Personen beim Namen ruft – „Marscha“ und „George“ – himmlisch. Auch die Kostüme sind eine Nummer für sich: Sie huldigen dem Schwarz-Weiß-Kontrast so, dass die Damen in fließenden schwarzen Kleidern, die Herren hingegen in weißer Unterwäsche Marke Schießer-Feinripp nebst weißen Kniestrümpfen tanzen, nachdem ihnen Anzug und Hemd verloren gingen, ja einmal tanzt einer ganz nackig herum, aber so geschickt und auch so dezent beleuchtet, dass nichts Geschamiges zu sehen ist, bis er sich zuletzt in seitlicher Pose einmal kurz am Zippedäus zipfelt – fand ich zum Schmunzeln. – Getanzt wird energisch-flott und überaus präzis. Dabei sah ich einige überraschende – mir neue – Figuren aus der Akrobatik. Am Ganzen hatte ich meine helle Freude und zum Schluss regnete es gar Glückszettelchen ins Publikum: „life could be a dream“ stand darauf. Wohl wahr, wenn Aufführungen wie diese es verschönern.

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Gisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik
„Die sinnliche Erfahrung von Oper und Ballett öffnet einen immer wieder neu“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Was sie sieht, vergleicht sie mit ihren persönlichen Kulturerlebnissen aus vielen Jahrzehnten und ist beglückt darüber, dass sich dabei immer wieder neue Sichtweisen erschließen. Sie engagiert sich in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und wird im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast auf ihre Erlebnisse als Opern- und Ballettscout angesprochen.

Khatuna Ehlen über b.31

Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburgb.31 Sh-Boom  ch.: Lightfoot/Leon

Ein inspirierender Abend

Alle drei Stücke waren hinreißend bis zum letzten Takt, der letzten Schrittfolge.
Überraschend war der Start – es ging unmittelbar los mit sieben unterschiedlichen, sich abwechselnden Musikstücken, schillernden Kostümen und einer belebenden frischen und auch poetischen Inszenierung.
Das zweite Stück glänzte in seinem Detail: drei Tanzpaare zu Beethovens Adagio Hammerklavier“ schwebten auf der Bühne in eher klassischem Stil – schwingend weißem Kleid die Tänzerinnen, die Tänzer mit stolzer nackter Brust. Die Details der Bewegung standen hier im Mittelpunkt des Tanzes.
Das dritte Stück begann mit einer witzigen Einlage, die an Slapstick erinnerte und setzte sich dann humorig und frech fort – ein Tanzgenuss der sofort den gesamten Opernraum einnahm zu großartige Rhythmen vergangener 1920 – 1940 Jahre – dem man sich nicht entziehen konnte.
Ein rund herum hervorragend inspirierender und nachhallender Abend.

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Khatuna Ehlen
Sozialarbeiterin
Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Nach ihrer ersten Spielzeit als Opernscout ist sie glücklich, weiter als Scout aktiv sein zu dürfen. Bisher sind die Aufführungen des Balletts am Rhein ihr klarer Favorit im Spielplan, so dass sie sich auch in der neuen Spielzeit auf mitreißende Choreographien freut.

Georg Hess über „Turandot“

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Hoffnung – Blut – Turandot = Kalaf

Am Samstagabend stand Puccini’s Oper „Turandot“ in einer Inszenierung von Huan-Hsiung Li auf dem Spielplan der Deutschen Oper am Rhein.
Die hartherzige Prinzessin Turandot, eine Märchengestalt aus 1001 Tag, einer persischen Märchensammlung aus dem 17. Jahrhundert, gibt den Bewerbern um ihre Hand drei Rätsel auf und lässt diese töten, falls sie die richtigen Antworten nicht kennen. Schließlich verliebt sich Turandot aber doch noch in einen der Verehrer, den Prinzen Kalaf, der auch alle Rätsel zu lösen weiß und ihr schließlich ebenfalls eine Prüfung aufgibt.
Begeistert bin ich vom Bühnenbild, welches aus einer Silhouette (ähnlich einem Scherenschnitt) einer im alten asiatischen Stil errichteten Stadt mit vordergründiger Stadtmauer mit mittigem Tor besteht, vor der sich wiederum ein breiter geschwungener Mittelgang befindet. Prima wie es gelungen ist, auf der begrenzten Fläche Tiefe und Weite darzustellen. Die intensiv farbigen, aber nie bunten Ausleuchtungen geben den Szenen zudem die erforderliche Atmosphäre. Eine Augenweide sind die prächtigen, historischen Kostüme und Masken der zahlreichen Darsteller.
Der das Volk darstellende Opernchor ist häufig auf der Bühne vertreten und verleiht den Szenen nicht nur musikalisch sondern auch durch sein optisches Volumen Intensität.
Die Düsseldorfer Symphoniker, unter der Leitung von Wen-Pin Chien, schaffen den wohltuenden Balanceakt, nie mit ihrer Musik die Spielhandlung oder die Sänger in den Hintergrund zu verdrängen, aber dennoch stets präsent zu sein.
Spielerisch und musikalisch liegen die Hauptrollen bei der Prinzessin Turandot (Linda Watson), dem Prinzen Kalaf (Yonghoon Lee) und der in Kalaf verliebten Sklavin Liù (Anke Krabbe). Das Spiel des smarten jungen Prinzen und auch der hübschen Sklavin, welche für Kalaf den Tod wählt statt ihn zu verraten, ist sehr überzeugend. Überwältigend und für mich der den gesamten Abend überstrahlende Höhepunkt ist die gesangliche Darbietung des koreanischen Tenors Yonghoon Lee – besonders brilliant ist seine Wiedergabe der berühmten Arie „Nessun dorma“.
Zu Beginn der jeweiligen Akte versucht der Regisseur durch Filmeinspielungen aktuelle politische Bezüge zu setzen. Diese Verknüpfung hat mich nicht überzeugen können. Die Phantasie um zwischen der jahrhundertealten Märchenhandlung und den „Regenschirm-Protesten“ von 2014 in Hongkong einen Bogen zu schlagen, findet sich bei mir nicht. Auch die verschiedenen schmalen Projektionsflächen, die sich während des Stücks immer wieder vom Schürboden auf die Bühne herabsenken, auf denen dann fließende Tintebilder ohne erkennbaren Handlungsbezug dargestellt werden, wirken auf mich eher überflüssig und störend.
Dennoch – dieser Opernabend hat mich sehr gut unterhalten und meinen kulturellen Horizont ein gutes Stück erweitert. Der Stärke und der Dauer des Beifalls nach zu urteilen, war es auch nach Ansicht des übrigen Publikums ein gelungener Premierenabend.

Weitere Informationen zu „Turandot“

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Maren Jackwerth über b.30

Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg b.30 Wounded Angel ch.: Natalia Horecna

Anspruchsvolle Choreographien

Ein beeindruckender Abend, auch wenn ich mich nicht immer angesprochen gefühlt habe.
Das erste Stück von dreien, „Concerto Grosso Nr. 1“, zeigt unter der Choreographie von Remus Şucheană und der nicht allen bekannten Musik von Alfred Schnittke drei Frauen, die unterschiedlich auf Ausgrenzung reagieren und sich tänzerisch einbringen. Sie nähern sich den tanzenden Gruppen an, werden teilweise integriert, um schlussendlich doch ausgegrenzt zu bleiben. Die Choreographie ist durchaus anspruchsvoll. Der Hintergrund dieses Stücks war das für mich als Zuschauer am besten nachzuvollziehen.
„Lonesome George“ von Marco Goecke handelt von einer Riesenschildkröte George, die 2012 auf den Galapagos-Inseln im hohen Alter von rund 100 Jahren verstorben ist. Der Tanz ausgerichtet an auch etwas weniger bekannter Musik von Dmitri Schostakowitsch und Rudolf Barschai hatte allerdings nichts gemein mit den langsamen Bewegungen einer Schildkröte. Vielmehr griffen gefühlt mehrere Choreographien der Körper und der Beine und Arme und einer eigenen für die Hände ineinander und wirkten eher wild, gar ekstatisch. Es fiel mir schwer, daraus die Einsamkeit von Kreaturen, deren Überlebenskampf zu erkennen. Von der perfekten Darstellung der tänzerischen Leistung aber war ich hier begeistert, ich wusste nicht, dass man die Hände eines Tänzers abgekoppelt vom Rest des Körpers derart eigenständig agieren lassen kann.
Das letzte Stück heißt „Wounded Angel“ von Natalia Horecna, wo ein Mann mit seinen inneren Werten, Ansichten und seinem gefallenen Engel in sich kämpft. Das Ego und das Herz werden hierbei von Tänzern dargestellt, die wiederum Unterfiguren zu sich zählen, bei dem Ego u.a. „jealousy“ und „fear“. Bei der Herzdame zudem „self-love“, „wealth“ und „success“. Es blieb dabei frei zu interpretieren, warum der gefallene Engel schlussendlich nicht zum Leben erweckt werden konnte.

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Maren Jackwerth
Anwältin
Die in Düsseldorf ansässige Rechtsanwältin, Mediatorin und Stiftungsmanagerin betreibt eine Kanzlei an der Königsallee und entwickelt Kommunikationslösungen im Bereich Corporate Social Responsibility und Kunst. Um das soziale Engagement von Unternehmen mit dem der gemeinnützigen Organisationen zu verbinden, hat Maren Jackwerth das Rheinische Stifterforum gegründet. Bildungsförderung auch im kulturellen Bereich ist ein Schwerpunkt des Netzwerks.