Statt zu essen – mal ein perfektes Ballett-Menu genießen

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Michael Langenberger über die Premiere von „b.40“

Wer ins Gourmet-Restaurant geht, weiß vorher, dass es da nicht um Burger- oder Pizza geht. Genauso wie jemand, der zum Ballett in die Düsseldorfer Oper geht, eben auch vorher weiß, dass ihm eine Auswahl erlesenster tänzerischer “Gourmet-Stücke” kredenzt werden. So auch jetzt wieder bei „b.40”.
Chefchoreograph Martin Schläper hält unter der großen Überschrift American Modern Dance ein fein abgestimmtes Ballett-Menu, äußerst unterschiedlicher, doch gerade dadurch sich ergänzender Inszenierungen für uns bereit. Für jeden Geschmack etwas; für den Ballett-Gourmet purer Genuss.

“Vorspeise” Pacific – Choreographie: Mark Morris
Moderne Klänge, die zwar harmonisch sind, jedoch nicht unbedingt musikalisch leicht ins Ohr gehen, bereiten Alina Bercu, Doo-Min Kim und Franziska Früh einen spritzigen Auftakt für ein farbenfrohen Auftritt von insgesamt 9 Tänzerinnen/Tänzern, der raumgreifend und abwechslungsreich Ohren und Augen Spass bereiten. Die Perfekte Grundlage für Lust auf mehr.
“1. Zwischengericht“ Locus Trio – Choreographie: Trisha Brown
Meine Sitznachbarn tuschelten “… das kann ich auch…”. Ich schätze mal, meine Sitznachbarn irren da gewaltig. Zwei Tänzerinnen und ein Tänzer, alle ganz in weiss gekleidet, liefern verschiedenste auf sich und das System organisierte Bewegungsmuster, innerhalb eines auf dem Tanzboden markierten Carrés, in bestem Modern-Dance-Verständnis ab. Obwohl ohne jegliche Musik, erleben wir Takt, Rhythmus und Dynamik. Konzentration auf Bewegung, den begrenzten Raum und Achtsamkeit auf die Mittänzer. Ein “Filetstück” Modern-Dance- Genusses (im Sinne von Modern Dance = Ballettqualität ohne gestellte Figuren und konzentriert auf optimale natürliche Körperbewegungsfähigkeit).
“2. Zwischengericht” Night Wandering – Choreographie: Merce Cunningham
Zu teilweise dissonanten Klängen mit einigen rhythmischen Brüchen, virtuos gespielt begleitet Alina Bercu am Klavier, Wun Sze Chan und Bruno Narnhammer bei ihrer Nachtwanderung in einem Modern-Dance Pas de deux. Das lange Fell-Kleid von Wun Sze Chan wirkt dabei auf mich gelegentlich sie in ihrer Bewegungsfähigkeit begrenzend. Doch hat die sich aus den Materialgründen ergebene Geradlinigkeit ihrer Bewegung auch ihren Reiz. Ich fand es eine extravagante Darbietung. Also noch ein „Filetstück“ zusammen mit der Musik dazu, den gesamten Rahmen von Modern-Dance Interpretation nutzend.
“Dessert” Offenbach Overtures – Choreographie: Paul Taylor
Spritzig, wuchtig, farbenfroh und musikalisch für die nicht so experimentierfreudigen Ballettbesucher, vollständig versöhnend, dann zu Abschluss szenisch getanzte Beobachtungen aus dem normalen Leben aus Offenbachs Zeit. Es geht um Liebe, sich necken, Duell und Versöhnung, Soldaten und elegante Damen, alle in knallroten Kostümen, besonders wirksam durch einen weißen Tanzboden in Szene gesetzt. Ein Augen- und Ohrenschmaus, so wie witziges Ballett, perfekt getanzt, gerne gesehen wird.

Ein vorzüglich zusammengestelltes Menu, mit feinsten Zutaten, großem Können aller “Köche” die dazu beigetragen haben; spitzig, anmutig, vielfältig. Sattgesehen und gehört, ohne erschlagen zu sein. Ein gelungener Abend.

Opernscouts 2018 / 2019

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt: Auf Standard und Latein folgten Salsa und Modern Contemporary Dance im tanzhaus nrw, wo er auch an öffentlichen Performances mit Profis und Laien mitwirkte. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze.

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Eine Erfrischung mit Tiefgang

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Markus Wendel über die Premiere von „b.40“

Mit der vorletzten Ballett-Kreation dieser Spielzeit wird uns ein ganz besonderer Abend versprochen, mit vier gänzlich unterschiedlichen Stücken in der großen Tradition des American Modern Dance. Die Stücke sind allesamt nicht neu, feiern aber in dieser Zusammenstellung eine interessante und einzigartige Premiere.

Den Auftakt macht mit PACIFIC ein locker-leicht getanztes Stück, mit unangestrengter Piano- und Streicher-Begleitung. Alle Tänzerinnen und Tänzer tragen Röcke, was vielleicht seltsam klingen mag, im Ergebnis aber einige wunderbar ästhetische Bilder liefert. Ein gelungener Auftakt.
Nach der ersten Pause erleben wir zwei anspruchsvolle und kurze Stücke. LOCUS TRIO ist eine Art vertanzte Yoga-Stunde, in klinisch reiner Erscheinung, ohne Musik, und mit Bewegungsabläufen, die mich an einen mathematisch-geometrischen Zufallsmodus erinnern.
NIGHT WANDERING finde ich in seiner musikalischen Untermalung durchaus anstrengend, überzeugt mich allerdings mit einigen wirklich interessanten Haltefiguren, und einem nachdenklichen, intimen Ende.
Auch zeitlich eine angenehme Punktlandung.
Nach der zweiten Pause wird es turbulent. OFFENBACH OVERTURES ist sehr lebendig, mit einer ordentlichen Portion Humor, verrückten Charakteren, und einer Vielzahl kleiner Geschichten. Für mich das Highlight des heutigen Abends, vor allem aufgrund der musikalischen Eingängigkeit, vielen bekannten Melodien, und einer wirklich einfallsreich-witzigen Choreographie. Großes Lob auch an die Beleuchter, die es geschafft haben, gänzlich ohne Kulissen einen atmosphärisch dichten Rahmen zu schaffen, was für alle Stücke des heutigen Abends gilt.

Zusammenfassend ein wirklich schöner Ballett-Abend, den ich gerade aufgrund der gebotenen Vielfalt in guter Erinnerung behalten werde. Vielen Dank, und gerne mehr davon!

Wendel_Markus_Foto_Andreas_EndermannMarkus Wendel
Feuerwehrmann in Düsseldorf

Als neuer Scout folgt Markus Wendel in der Spielzeit 2018/19 frühen Spuren seiner Opernbegeisterung: Seine erste Begegnung mit Richard Wagners „Götterdämmerung“ hatte er 2003/04 im Düsseldorfer Opernhaus, und schon damals begeisterte ihn Linda Watson als Brünnhilde. Als Feuerwehrmann der Landeshauptstadt Düsseldorf kümmert sich Markus Wendel um die strategische Planung und Einsatzorganisation. Ganz besonders schätzt er seine Dienste im Opernhaus: Als Brandsicherheitswache beobachtet er die Aufführung dann von der Seitenbühne aus. „Ich mag das Gewusel hinter den Kulissen“, sagt der 39-Jährige. Was ihn aus dieser Perspektive besonders anspricht, schaut er sich gern noch einmal mit Freunden oder der Familie aus dem Zuschauerraum an.

Ein vierblättriges Kleeblatt

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Jenny Ritter über die Premiere von „b.40“

Ein Abend: 4  Stücke! Ein Thema:  American  Modern  Dance

1.Stück PACIFIC – Mark Morris
Gleich zu Beginn: ein wunderschönes Bühnenbild, das eigentlich gar keins ist. Es besteht nur aus Farbe: schwarz mit blauem Hintergrund, die ersten Tänzer tragen lange weiße  Röcke mit blauem Muster, die Frauen lange weiße Kleider mit blauem Muster. Das ergibt beim Tanzen wunderschöne Figuren. Das gleiche wiederholt sich mit grün, dann rot, und dann mischen sich die Farben – alles ist wunderschön und  ästhetisch anzusehen. Die kleine musikalische Besetzung besteht aus einem Trio (Franziska Früh/Violine,  Duo-Min-Kim/Violoncello, Aline Bercu/Klavier)
2.Stück LOCUS TRIO – Trisha Brown
weiß gekleidete Tänzer, auf dem Boden sind Quadrate (die vom Parkett aus nicht ganz einsehbar sind) in denen die Tänzer uns „Yoga für Fortgeschrittene“ präsentieren – ganz ohne Musik.
3.Stück Night Wandering – Merce Cunningham
Hier sind nur zwei Tänzer: Ein Paar alles sehr reduziert auch die Musik, die Kostüme Fell und erdig – hat sich mir nicht erschlossen. Jedoch ausdrucksstark getanzt!
4.Stück Offenbach Overtures – Paul Taylor
gleich zu Beginn, der Vorhang geht auf: wow, ein Bild, das sich mir sofort einprägt. Alles ist in rot schwarz gehalten. Wunderschön dynamisch und ästhetisch anzusehen. Endlich  Musik, die belebt, die Freude macht, die einlädt zum Tanzen von Jacques Offenbach. Herrlich, ich bin berauscht vom Tempo, von der Schönheit des Tanzes und vom Witz. Wieder gibt es eine Szene, die nur von Männern getanzt wird, witzig und voller Harmonie. Das Stück endet mit dem ersten Bild, das eine wunderschöne Postkarte abgeben würde, die ganze Vorstellung findet nur in den  Farben: Rot und Schwarz statt. Das Ganze ist ein Fest der Sinne.

Wie immer ist zum Schluss festzustellen, dass die Zusammensetzung der einzelnen Stücke genau in der richtige Reihenfolge erfolgte. Es war ein wunderschöner Abend, mein Dank geht an die wunderbaren Tänzer und Musiker und die vielen Beteiligten, die zum Gelingen des Abends beigetragen haben.

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Jenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin

Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und freut sich diesen als Opernscout in Düsseldorf abschließen zu können.

 

Ein Höhepunkt: Night Wandering

b.40 „night wandering“ ch.: Merce Cunningham

Hubert Kolb über die Premiere von „b.40“

Der Ballettabend b.40 umfasste sehr unterschiedliche vier Stücke, 7 bis ca.25 min lang. Höhepunkt für mich war das dritte Stück, Night Wandering von Merce Cunningham, mit der Musik von Bo Nilsson (Klavier solo, modern unharmonisch, aber dynamisch). Zwei animalische Menschen mit Fellkostümen von Robert Rauschenberg (!) gehen langsam auf die Bühne und beherrschen den Raum mit einem Tanz der Annäherungen und Scheinfluchten, eine Art Balztanz, der dann in einer Vereinigung endet. Alle Bewegungen sind ungewöhnlich, originell, stimmig, und weit weg vom klassischen Ballett. Ich war fasziniert.
Begonnen hatte der Abend mit einem ästhetisch schönen, geometrisch ausgerichteten Tanzstück, Männer und Frauen in Röcken (Pacific von Mark Morris). Da passten Kostüme, Bewegungen, Farbe und Licht. Und dennoch berührte mich das Stück nicht, alle Tänzer tanzten für sich, es ergab sich keine Beziehung zwischen den einzelnen Personen auf der Bühne.
Dann folgte ein kurzes Stück (Locus Trio von Trisha Brown) ohne Musik (!), bei dem drei Tanzende gemäß einem geometrischen Muster auf dem Boden Bewegungen durchführten, die mich immer wieder an Gymnastik erinnerten – wieder keine Beziehung zwischen den drei Personen erkennbar. Nach 7 min war Ende, ohne, dass dies für mich ein logischer Schlusspunkt war.
Nach der emotional berührenden Night Wandering kam zum fröhlichen Entspannen eine humorvolle Interpretation von mehreren Stücken von Jacques Offenbach (Offenbach Overtures von Paul Taylor). Alles war sehr lustig, gefällig, nett, klassisch getanzt – es gab Männer-Frauen-Konflikte, ein Duell, und eine (scheinbar) betrunkene Tänzerin. Man durfte zwischendurch lachen, aber der fehlende Tiefgang war für mich ein deutlicher Minuspunkt. Der Applaus war freudig und intensiv.

Kolb_Hubert_Foto_Andreas_EndermannDr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.

Musikalisch ein beeindruckendes, ergreifendes Festspiel

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Sandra Christmann über die Premiere von Richard Wagners „Götterdämmerung“

Um es vorweg zu nehmen, fasse ich die Irritationen, Unverständnisse und Befremdungen der Wagner Inszenierung in einem Satz zusammen, um sie dort stehen zu lassen und gebührend anerkennend die unglaubliche musikalische und gesangliche Brillanz zu bewundern.

Demnach vorab:
Frankenheim Alt, grüne Plastikstühle, Strickwaren, Plastikweihnachtsbaum, aktuelle Rheinprojektion, MS Wodan, Audrey Hepburn Schwester mit entsprechender Brille, Fahrradeinsatz, Flaggenverbrennung (die Intention der Historie durchaus verstanden), Tanzmariechen und leider auch die bedruckten Vorhänge sowie definitiv auch die kleine Schußsetzung von Gutrune…
…..haben weder eine geglückte stilbrüchige Rheinatmo verschafft noch humoresk ihre Wirkung getan.

Schockverliebt war ich von der ersten Sekunde in Brünnhilde – Linda Watson. Was für eine Frau, was für eine Sängerin.
Ihre Stimme, ihre Präsenz, sie beherrschte den Saal, die Bewunderer, aber insbesondere die Tragödie. Es scheint als habe Wagner seinen „Ring“ nur für sie geschaffen.
Manche schlossen die Augen während der Premiere um zu hören, aber SIE muss man anschauen. Grandios.
Ich wusste nicht wirklich was mich erwartet, aber über 5 Stunden Wagnerersterfahrung wurden durch diese Lady ein glückliches Moment. Und dann: Hans-Peter König, der König.
Hagen, neben Brünnhilde der zweite herausragende Führer dieser Götterdämmerung. Er hat Siegfried meines Erachtens überspielt. Seine Stimme und sein Spiel waren so eindringlich, dass ich zwischendurch vergaß, dass ich nur eine Zuschauerin bin. Ich hatte „Ehr“-„Furcht“.
Es wird einem schon eine unglaubliche Konzentration abverlangt, aber mir ist völlig klar, warum es so eingefleischte Wagner-Fans gibt.
Was für ein unfangreiches Kunstwerk hier dargeboten wurde. Beeindruckend.
Und ich verbeuge mich natürlich vor Herrn Kober.
Spannend und anstrengend, komplex und eindringlich ist Wagners Komposition. Eine sehr große Leistung vom Orchester.

Und das meine ich: musikalisch war für mich dieser Abend in jeder Hinsicht ein beeindruckendes, ergreifendes Festspiel. Danke.

Christmann_Sandra_Foto2_Andreas_EndermannSandra Christmann
Kulturmanagerin

Sandra Christmann liebt Düsseldorf, ihre Wahlheimat, und die Kunst. Als Geschäftsführerin von ArtPartner Relations engagiert sie sich für die Kunstsammlungen NRW im Bereich Veranstaltungsmanagement, Sponsoring und Drittmittelakquise. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben dieser Arbeit hat sie ein Hilfsprojekt in Kenia ins Leben gerufen und schreibt ihren ersten Roman. Ihr Netzwerktalent, die Liebe zur Kunst und zum Schreiben nutzt sie jetzt auch als Opernscout.

 

Götterdämmerung – ein Rausch für die Sinne

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Michael Langenberger über die Premiere von Richard Wagners „Götterdämmerung“

Einfach berauschend was dem Ohr und dem Auge bei der Götterdämmerung geboten wird. Trotz langjähriger, mannigfaltiger Erfahrungen bei verschiedensten Live-Events, habe ich persönlich noch niemals zuvor ein solches Klangerlebnis erfahren. Dabei meine ich nicht alleine nur die Interpretation des Werkes, von der ich sagen würde: Genau so hätte es der Meister selbst dirigiert. Was Axel Kober zusammen mit den Düsseldorfer Symphoniker hier zelebriert ist zum mit der Zunge schnalzen. Ein 3-D-Raumklang, wie es selbst die allerbesten HiFi-Bausteine niemals aus einer digitalen Konserve zustande brächten, verwandelt die Bühne in einen Raum mit vielen meterweiter Tiefe – wirklich einmalig!

Dazu dann das scheinbar recht eintönige Bühnenbild, mit einer sich rheinabwärts dahingleitenden, verrosteten MS-Wotan. Für das Auge des Betrachters bewegt sich die MS-Wotan wahrhaftig. Denn unaufdringlich verwandeln sich die anfänglich den Bühnenhintergrund begrenzenden Stoffe zur Projektionsleinwand einer Rheinfahrt, gerade so, als säße man als stiller Beobachter auf einem der MS-Wotan folgenden Schiff – erlebt die Szenerie – die beeindruckend dargebotenen Gesänge und Schauspiele – lässt sich treiben und beeindrucken…

Wer sich bislang aus Sorge vor der zeitlichen Länge (<4h) dieses Monumentalwerks nicht in Oper getraut hat, sei diese Inszenierung, aus o.g. Gründen, wärmsten ans Herz gelegt. Darüber hinaus hält der Regisseur D.W. Hilsdorf Überraschungen bereit – für den einen zum Schmunzeln, für den anderen Aufreger – oder Sie belassen es bei einem Rausch für die Sinne.

Opernscouts 2018 / 2019Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt: Auf Standard und Latein folgten Salsa und Modern Contemporary Dance im tanzhaus nrw, wo er auch an öffentlichen Performances mit Profis und Laien mitwirkte. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze.

Mit der Götterdämmerung schließt sich der Kreis

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Mit der „Götterdämmerung“ schließt sich der Kreis/“DER RING“

Das Bühnenbild, das Schiff auf dem Rhein – mal mit Nebel, mal ohne – war stimmig.
Die Kostüme – in den Farben der „Clan-Zugehörigkeit“ zugeordnet, war auch stimmig.
Es gab ein paar Bilder, die einfach nur lächerlich waren:
Brünnhilde strickend unter dem Weihnachtsbaum???
Die Gäste im Karnevalskostüm mit Funkemariechen peinlich.
Dazu Kirmesbeleuchtung und Bier. Die Marke werde ich nicht verraten.
Was sollte das?

Nichts ist von den Göttern übriggeblieben – man muss auch niemandem eine Träne nachweinen. Die Macht des Gottes Wotan war auf Raub – an der Weltesche,  Diebstahl und List an  Alberich um ihm das Gold zu entreißen – aufgebaut. (Auch er ein Dieb, hat er doch das Gold den Rheintöchtern geraubt.
Siegfried: aufgewachsen ohne Liebe, Kultur und Wissen, nur mit der Aufgabe betraut, das Schwert zu schmieden und zu gebrauchen, damit Wotan seine Macht behält.
Hagen: aufgestachelt durch den Hass seines Vaters konnte sich davon nicht befreien.

Der Psychologische Aspekt:
Hass „vererbt“ sich über Generationen, wenn nicht einer diesen „Brauch“ durchbricht. Brünnhilde hätte das Zeug gehabt die Familie/die Welt zu verändern aber alleine gegen soviel Gier, Hass und Dummheit ist das nicht zu schaffen.

Mit Schwerter und Waffen, lässt sich kein Konflikt lösen. Wann wird der Mensch das begreifen, dass man mit Gewalt nichts erreichen kann. Wie immer muss die Einsicht in der kleinsten Zelle – der Familie – beginnen.

Die Erkenntnis, dass die Götter schlimmer sind als die Menschen ist auch erschreckend! Aber vielleicht sind die Menschen und die Götter EINS.

Das Begräbnis von Siegfried lässt hoffen, es werden alle Fahnen, der letzten Epochen mit ihm begraben (beginnend mit der französischen Fahne natürlich auch die Nazi-Fahne bis hin zur deutschen Fahne) es bleibt eine Weiße Fahne. Ein Neuanfang.

Für mich ein sehr bewegender und aufwühlender Abend, der mich sicherlich noch einige Zeit beschäftigen wird. Dank und Glückwunsch an alle wunderbaren Sängerinnen und Sänger, an die Düsys und an Axel Kober.

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Jenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin

Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und freut sich diesen als Opernscout in Düsseldorf abschließen zu können.