Georg Hess über „Turandot“

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Hoffnung – Blut – Turandot = Kalaf

Am Samstagabend stand Puccini’s Oper „Turandot“ in einer Inszenierung von Huan-Hsiung Li auf dem Spielplan der Deutschen Oper am Rhein.
Die hartherzige Prinzessin Turandot, eine Märchengestalt aus 1001 Tag, einer persischen Märchensammlung aus dem 17. Jahrhundert, gibt den Bewerbern um ihre Hand drei Rätsel auf und lässt diese töten, falls sie die richtigen Antworten nicht kennen. Schließlich verliebt sich Turandot aber doch noch in einen der Verehrer, den Prinzen Kalaf, der auch alle Rätsel zu lösen weiß und ihr schließlich ebenfalls eine Prüfung aufgibt.
Begeistert bin ich vom Bühnenbild, welches aus einer Silhouette (ähnlich einem Scherenschnitt) einer im alten asiatischen Stil errichteten Stadt mit vordergründiger Stadtmauer mit mittigem Tor besteht, vor der sich wiederum ein breiter geschwungener Mittelgang befindet. Prima wie es gelungen ist, auf der begrenzten Fläche Tiefe und Weite darzustellen. Die intensiv farbigen, aber nie bunten Ausleuchtungen geben den Szenen zudem die erforderliche Atmosphäre. Eine Augenweide sind die prächtigen, historischen Kostüme und Masken der zahlreichen Darsteller.
Der das Volk darstellende Opernchor ist häufig auf der Bühne vertreten und verleiht den Szenen nicht nur musikalisch sondern auch durch sein optisches Volumen Intensität.
Die Düsseldorfer Symphoniker, unter der Leitung von Wen-Pin Chien, schaffen den wohltuenden Balanceakt, nie mit ihrer Musik die Spielhandlung oder die Sänger in den Hintergrund zu verdrängen, aber dennoch stets präsent zu sein.
Spielerisch und musikalisch liegen die Hauptrollen bei der Prinzessin Turandot (Linda Watson), dem Prinzen Kalaf (Yonghoon Lee) und der in Kalaf verliebten Sklavin Liù (Anke Krabbe). Das Spiel des smarten jungen Prinzen und auch der hübschen Sklavin, welche für Kalaf den Tod wählt statt ihn zu verraten, ist sehr überzeugend. Überwältigend und für mich der den gesamten Abend überstrahlende Höhepunkt ist die gesangliche Darbietung des koreanischen Tenors Yonghoon Lee – besonders brilliant ist seine Wiedergabe der berühmten Arie „Nessun dorma“.
Zu Beginn der jeweiligen Akte versucht der Regisseur durch Filmeinspielungen aktuelle politische Bezüge zu setzen. Diese Verknüpfung hat mich nicht überzeugen können. Die Phantasie um zwischen der jahrhundertealten Märchenhandlung und den „Regenschirm-Protesten“ von 2014 in Hongkong einen Bogen zu schlagen, findet sich bei mir nicht. Auch die verschiedenen schmalen Projektionsflächen, die sich während des Stücks immer wieder vom Schürboden auf die Bühne herabsenken, auf denen dann fließende Tintebilder ohne erkennbaren Handlungsbezug dargestellt werden, wirken auf mich eher überflüssig und störend.
Dennoch – dieser Opernabend hat mich sehr gut unterhalten und meinen kulturellen Horizont ein gutes Stück erweitert. Der Stärke und der Dauer des Beifalls nach zu urteilen, war es auch nach Ansicht des übrigen Publikums ein gelungener Premierenabend.

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Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Maren Jackwerth über b.30

Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg b.30 Wounded Angel ch.: Natalia Horecna

Anspruchsvolle Choreographien

Ein beeindruckender Abend, auch wenn ich mich nicht immer angesprochen gefühlt habe.
Das erste Stück von dreien, „Concerto Grosso Nr. 1“, zeigt unter der Choreographie von Remus Şucheană und der nicht allen bekannten Musik von Alfred Schnittke drei Frauen, die unterschiedlich auf Ausgrenzung reagieren und sich tänzerisch einbringen. Sie nähern sich den tanzenden Gruppen an, werden teilweise integriert, um schlussendlich doch ausgegrenzt zu bleiben. Die Choreographie ist durchaus anspruchsvoll. Der Hintergrund dieses Stücks war das für mich als Zuschauer am besten nachzuvollziehen.
„Lonesome George“ von Marco Goecke handelt von einer Riesenschildkröte George, die 2012 auf den Galapagos-Inseln im hohen Alter von rund 100 Jahren verstorben ist. Der Tanz ausgerichtet an auch etwas weniger bekannter Musik von Dmitri Schostakowitsch und Rudolf Barschai hatte allerdings nichts gemein mit den langsamen Bewegungen einer Schildkröte. Vielmehr griffen gefühlt mehrere Choreographien der Körper und der Beine und Arme und einer eigenen für die Hände ineinander und wirkten eher wild, gar ekstatisch. Es fiel mir schwer, daraus die Einsamkeit von Kreaturen, deren Überlebenskampf zu erkennen. Von der perfekten Darstellung der tänzerischen Leistung aber war ich hier begeistert, ich wusste nicht, dass man die Hände eines Tänzers abgekoppelt vom Rest des Körpers derart eigenständig agieren lassen kann.
Das letzte Stück heißt „Wounded Angel“ von Natalia Horecna, wo ein Mann mit seinen inneren Werten, Ansichten und seinem gefallenen Engel in sich kämpft. Das Ego und das Herz werden hierbei von Tänzern dargestellt, die wiederum Unterfiguren zu sich zählen, bei dem Ego u.a. „jealousy“ und „fear“. Bei der Herzdame zudem „self-love“, „wealth“ und „success“. Es blieb dabei frei zu interpretieren, warum der gefallene Engel schlussendlich nicht zum Leben erweckt werden konnte.

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Maren Jackwerth
Anwältin
Die in Düsseldorf ansässige Rechtsanwältin, Mediatorin und Stiftungsmanagerin betreibt eine Kanzlei an der Königsallee und entwickelt Kommunikationslösungen im Bereich Corporate Social Responsibility und Kunst. Um das soziale Engagement von Unternehmen mit dem der gemeinnützigen Organisationen zu verbinden, hat Maren Jackwerth das Rheinische Stifterforum gegründet. Bildungsförderung auch im kulturellen Bereich ist ein Schwerpunkt des Netzwerks.

Uwe Schwäch über b.30

Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg
b.30 Wounded Angel   ch.: Natalia Horecna

Offenbarung tänzerischer Obsessionen

Die Uraufführung des neuen Düsseldorfer Ballettdirektors Remus Şucheană entführt uns in expressionistische Tanzformen. Vor schwarzem Hintergrund erleben wir den Tanz in „Concerto Grosso Nr. 1“ im Wandel von Einsamkeit und menschlicher Erleuchtung. Technische Brillanz und körperliche Athletik tauchen in eine facettenreichen Umsetzung ein. Die entführt uns in polarisierende Welten: Einmal dunkel und bedrohlich, dann wieder eloquent und zugewendet. Die Choreographie von Şucheană ist anspruchsvoll und wird von tänzerischer Eloquenz getragen. Wie so oft glänzt Marlúcia do Amaral in einem Solo und begeistert mit ihrem filigranen und selbstwussten Tanzstil.
Die aus den 1970er Jahren stammende Musik von Alfred Schnittke stellt eine gelungene Wahl für dieses Ballett dar. Wenngleich in der Kompositionsweise modern und polystilistisch, weist die Musik melodisch barocke Elemente auf, die sich sehr gelungen mit dem Tanz verbinden.
Auch in „Lonesome George“ hat die Musik eine herausragende Bedeutung. Zum Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch und der Kammersinfonie von Rudolf Barschai wird eine elegische Stimmung wie in einem Hitchcock-Klassiker erzeugt. Nebel auf der wieder schwarzen Bühne erzeugt Spannung und Mystik. Und genau so offenbart sich uns der Tanz: wild, virtuos und mystisch. Der Zuschauer wird mitgerissen von Tänzern, die mit Händen, Armen und ihrem Kopf stakkatohaft Bewegungen kreieren, die ungesehen und gleichzeitig höchst anspruchsvoll sind. Ein tänzerisches Feuer stets bedacht auf physische Zugewandtheit. Ein Highlight in der diesjährigen Ballettspielzeit.
Die zweite Uraufführung „Wounded Angel“ von Natalia Horecna ist von hoher Komplexität und Heterogenität geprägt. In sich dreiteilig strukturiert erfahren wir in einer an das Tanztheater angelegten Choreographie viel über menschliche Sehnsüchte. Die Darstellung ist bisweilen obsessiv und wir hören musikalische Klangmuster, die vor Polyphonie strotzen. Eher selten sind weiche, einfühlsame Passagen, die ungleich mehr Sympathie für dieses außergewöhnliche Ballett erzeugen. Denn die erzählte Geschichte wirkt bisweilen aufgesetzt und überladen, nicht jeder Protagonist erschließt sich schlüssig in seiner Rolle. Hierzu tragen auch die fantasievoll entworfenen Kostüme bei, die bei dem einen oder anderen Zuschauer eine Inspiration für den Düsseldorfer Karneval sein dürften.

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Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

Susanne Freyling-Hein über b.30

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Ästhetisch, ungewohnt, plakativ

Auch ohne sich vorher informiert zu haben, versteht man das erste Stück „Concerto Grosso Nr.1“ auf Anhieb.
Drei Frauen mit unterschiedlichen Charakteren und verschiedenen Kostümen tanzen mit und gegen eine Gruppe, alle sind sie nach verschiedenen Stufen der Annährung und Integration alleine. Der Tanz war beeindruckend, ebenso die für mich komplett neue Musik. Während des Balletts dachte ich, dass verschiedene Stück an/ineinander gesetzt wurden, das Begleitheft klärt über eine „polystilistische“ Komposition auf. Spannend und ein neues Hörerlebnis! Am Anfang dachte ich oft an „The Shining“ und genau so düster, dennoch abgerundet ästhetisch war der Gesamteindruck des ersten Balletts.
Das zweite Stück „Lonesome George“ würde ich gerne nochmal sehen – um all das, was meine Opernscout Kollegen loben, besser sehen und verstehen zu können.
Ich war überrascht über die Art des Tanzes – Hände, Arme, Oberkörper flattern und zucken wild, aber konsequent durchchoreografiert und synchron – für mich erst einmal ungewohnt.
Vielleicht war dieser Eindruck erst einmal so überwiegend, dass ich mich in das eigentliche Thema, die Einsamkeit, nicht richtig einfinden konnte.
Sicher am meisten polarisiert das dritte Stück „Wounded Angel“. Eher Theater als Ballett – in dem mir insgesamt das ästhetische Erlebnis und der Tanz gefehlt hat, beides habe ich mir unter dem romantischen Titel erhofft.
Die zwei Protagonisten finden und entfernen sich wieder voneinander, umspielt, gestört und verführt von Tänzern wie Derwische, die Ihre Rolle „jealousy“, „self-love“, etc., plakativ auf den Kostümen aufgedruckt haben.
Es bleibt nicht beim Tanz, die Tänzer tönen auch ins Publikum, was genau, geht im Orchester unter.
Die Rolle des Engels – phantastisch dargestellt von der charismatischen Yuko Kato – bleibt für mich unklar.

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Susanne Freyling-Hein
Senior Retail Development Manager bei L’oréal
Obwohl Susanne Freyling-Hein seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, waren Oper und Ballett bis zu Beginn der letzten Spielzeit Neuland für sie. Begeistert hat sie vor allem Martin Schläpfers Ballett am Rhein. Sie schätzt den gemeinsamen Austausch, weil er den eigenen Eindrücken andere Sichtweisen gegenüber stellt. Und wenn Freunde oder Kollegen ihren Empfehlungen folgen, macht sie das durchaus ein bisschen stolz.

Isabell Boyer über „Der Graf von Luxemburg“

Die reinste Gefühlsachterbahn

der_graf_von_luxemburg_06_foto_hans_joerg_michelAls ich am Samstag in die Düsseldorfer Oper schritt, formulierte sich in meinem Kopf nur eine Aussage: Winter und Weihnachtszeit heißt Operettenzeit. So meine Theorie. Ich stellte mich schon im Vorhinein auf etwas Lockeres, Heiteres ein, hatte ich doch noch die Zirkusprinzessin positiv in Erinnerung. Nachdem ich mich gesetzt hatte und mir der wundervoll bis zum letzten Platz gefüllt aussehende Saal aufgefallen war, lehnte ich mich entspannt zurück und betrachtete das von einem Glühbirnenrahmen erhellte Bühnenbild, das sich vor mir eröffnete.
Die Handlung war recht simpel und innerhalb weniger Szenen verständlich. Zugegeben, ich konnte mich mit dem Anfang nicht anfreunden. Der erste Akt wirkte wie ein Stück in sich mit einem traurigen Ende und für einen Moment war ich ein wenig ernüchtert darüber, dass das Potential, was zwischendurch gezeigt wurde, durch die sehr ernste Ausführung der Stücke und durch die vom Orchester verschluckten Worte des Protagonisten nicht ausgenutzt wurde.
Dann aber nach der Pause begann der zweite Akt und Gott, wie ich mich getäuscht habe! Innerhalb weniger Minuten änderte sich die ernste, melodramatische Stimmung in etwas Amüsantes, Freches und Frisches. Es tat so gut, zu sehen, wie altes Material genommen und in einen modernen Kontext erhoben wurde. Auch die Kabaretteinwürfe vom Hausmeister/Manager/Zimmermädchen/Kellner haben mir außerordentlich gut gefallen. Mein persönliches Highlight war aber das Paradestück der alten Gräfin Kokozowa, gespielt von Susan Maclean, das zum einen unglaublich gut gespielt und gesungen war, andererseits aber auch einen wundervollen Kommentar zur heutigen Gesellschaft gegeben hat und es wagte, auch mal die heikleren Themen auf die ernste Bühne der Oper zu bringen. Ich kann für diese Neuinterpretation nur ein großes Dankeschön aussprechen und hoffe, dass sich dieser Trend des Verbindens von Vergangenheit und Gegenwart weiter durchsetzt.
Selten bin ich mit einem so positiven Gefühl im Bauch heimgefahren. Ein wohl inszenierter Brückenschlag für das neue Jahr.

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Isabell Boyer
Studentin
Auf Isabell Boyer sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Die Opern- und Ballett-Erlebnisse in ihrer ersten Spielzeit als Opernscout inspirierten sie dazu, freier zu denken und ihren Horizont zu erweitern.

Georg Hess über „Der Graf von Luxemburg“

Weder Fisch noch Fleisch?

der_graf_von_luxemburg_12_foto_hans_joerg_michelHier bin ich nun auf meiner Erkundungstour durch die „Welt der Düsseldorfer Oper“ nach Ballett und Oper bei der Operette (laut Wikipedia „ein musikalisches Bühnenwerk“) angelangt. Auf dem Programm steht das Stück „Der Graf von Luxemburg“ von Franz Léhar, welches erstmals vor über hundert Jahren, nämlich 1909, aufgeführt wurde.
Der Inhalt ist schnell zusammengefasst: Ein verarmter Graf (René Graf von Luxemburg) stellt sich gegen großzügige Entlohnung eines Fürsten (Basil Basilowitsch) für eine kurze Ehe mit einer bürgerlichen Sängerin (Angèle Didier) zur Verfügung um diese in den Adelsstand zu heben, damit sie sich hiernach mit dem Fürsten verehelichen kann. Der Graf und die Sängerin finden aber selbst Gefallen aneinander. Der Fürst möchte sich damit nicht arrangieren, muss aber schließlich auf Befehl des Zaren eine alte Gräfin (Stasa Kokozowa) heiraten. Das gute Ende für den Grafen und die Sängerin ist schließlich gesichert.
Die Story hört sich also sehr nach Komödie und Ohnsorg-Theater an. Für mich passt dies zunächst nicht zu opernähnlicher Musik und Gesang. Dem Regisseur Jens-Daniel Herzog gelingt es dennoch hervorragend mit dem seichten Stoff, welcher über drei Akte und somit über fast drei Stunden verteilt ist, den Zuschauer/-hörer zu unterhalten, indem er die einfache Handlung akzeptiert, in die Gegenwart überträgt und mit reichlich Kitsch und Trash mit Farbschlachten, Russenmafia, frivolen Damen (und Herren) sowie reichlich groteskem Wortwitz bestückt. Beste Unterstützung erhält er hierbei durch den Bühnenbildner Mathis Neidhardt und die Kostümbildnerin Sibylle Gädeke, die mit zahlreichen detailreichen Bühnenbildern (wobei auch die Möglichkeiten der Drehbühne einen Höhepunkt darstellen) und vielen extravaganten Kostümen die skurrile und absurde Szenerie zusätzlich persiflieren.
Musikalisch setzten für mich mit Unterstützung der Düsseldorfer Symphoniker der Graf als Titelheld (gespielt durch Bo Skovhus) und die Gräfin, die im dritten Akt durch Susan Maclean ihren Auftritt findet, die Höhepunkte. Warum Letztere jedoch ihren  gesanglichen Part auch noch mit einem Ausritt in die trumpsche und sonstige Weltpolitik ergänzen musste, hat sich mir nicht so recht erschlossen.
Schauspielerisch und komödiantisch war für mich Oliver Breite der Star des Abends, der sich im wahrsten Sinne des Wortes in zahlreiche Kostüme „zwängte“, sichtlich sich verausgabte und hervorragenden Wortwitz souverän zum Besten gab.
Insgesamt war diese Mischung aus Komödientheater („Fisch“) und klassischer Musik („Fleisch“) ein unterhaltsamer Abend in der Oper am Rhein, der mich und meine Begleitung am Schluss mit wenig Schwere sondern eher viel Leichtigkeit in die Nacht entließ.

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Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Roland Schüren über „Der Graf von Luxemburg“

Wie lange kann man grinsen, ohne es selbst zu bemerken?

der_graf_von_luxemburg_15_foto_hans_joerg_michelUnd wie zur Hölle duftet Trèfle Incarnat den jetzt? Upps, ich fange ja hinten an, mit meinem Text zum Grafen von Luxemburg. – Der Reihe nach…
Operette: Die Handlung sei immer gleich, es gäbe Intrigen, Liebschaften und immer ein Happy End. Mit diesem Fazit entlässt mich die Einführung in meine erste Operette. Nach „Otello“ also jetzt was Triviales? Im ersten Akt fühlte ich zunächst eine Bestätigung dieser Behauptung. Außer der gelungenen, spaßig-temporeichen Körpermalerei-Szene in Juliettes und Armands Wohnung, hat mich der erste Akt nicht gerade vom Hocker gehauen. Ein „Aha“ gab es, als die Equipe das zuvor live entstandene Riesen-Körpergemälde hochhebt und es so dem Publikum präsentiert. Aber dann, nach der Pause der zweite Akt: Ein überragendes Bühnenbild. Kurzweil und Tempo. Das Theater, in dem der zweite Akt spielt, ist bühnentechnisch ein Quader, der, rotierend, immer wieder ein anderes Zimmer oder zum Beispiel den Theatereingang preisgibt. Dieser permanente Wechsel lässt im Kopf des Operngängers vier parallele Handlungen entstehen. – Klasse! Ich bekomme Spaß an der leichten und lustigen Kost. Das wird dann im dritten Akt sogar noch getoppt:
Ein grandioses Finale kündigt sich an. Zuerst der bekannte TV-Schauspieler Oliver Breite in seiner Mehrfachrolle des  Ménagers  des Hotels, in dem dieser Akt spielt. Er muss wegen des durchgeführten Personalabbaus den Laden ganz alleine schmeißen und schlüpft samt passender Kleidung immer wieder in die jeweils nötige Rolle des Hausmeisters, des Pagen, des Rezeptionisten und der Kellnerin. Für mich wirklich unerwartet in einer Operette und sehr, sehr spaßig! Dann läuft die russische Gräfin Stasa Kokozowa im Hotel auf, der Fürst Basil Basilowitsch bereits die Ehe versprochen hatte. Und plötzlich beamt die Gräfin diese Operette von 1909 in das späte Jahr 2016.  Nicht nur ich staune, das Publikum ist wirklich überrascht über Kokozowas ganz aktuelles Lied, welches die heutige Politik und die heutige Gesellschaft lässig kritisiert und deutlich belächelt. Plötzlich bin ich hellwach-überrascht, dann kurz verstört und letztlich total begeistert. – Was für eine Hinleitung zum grandiosen Finale mit dem gesamten Ensemble auf der Bühne. Der dritte Akt ist richtig, richtig gut. Das Stück wird mit jedem Akt besser. Irgendwann im dritten bemerke ich ein komisches Gefühl in meinem Gesicht. Die Wangen, direkt unter den Augen sagen mir, dass ich schon länger vor mich hin lächeln muss. Ein Dauergrinsen hat sich eingestellt. Geht es den anderen Zuschauern auch so? Ich schaffe es, mich kurz von der Aufführung zu lösen und ein paar Blicke nach rechts und links ins Publikum zu werfen. Wer grinst sich wohl ebenso wie ich durch den dritten Akt? – Das nicht repräsentative Ergebnis: Drei von Fünfzehn. Bin ich jetzt naiver Neuling oder sind die zwölf anderen einfach nur Spaßbremsen? – Egal, es reicht mir zum Weitergrinsen…
Was mich aber jetzt wirklich brennend interessiert: Wie roch wohl Trèfle Incarnat? Was für ein wohlklingender klingender Name! Ein 1898 kreiertes Parfum, in dem erstmals künstliche Duftstoffe verwendet wurden, führt  Angèle und René zueinander und macht das Happy End erst möglich. Leider wird es nicht mehr produziert. Dank des „Grafen von Luxemburg“ kann ich seine Duftnote wenigstens erahnen…
Top: Bo Skovhus als Graf René Graf von Luxemburg, Lavinia Dames als Juliette, Oliver Breite als Ménager und Susan Maclean als Gräfin Stasa Kokozowa.

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Opernscout Roland SchürenRoland Schüren
Inhaber der Bäckerei „Ihr Bäcker Schüren“
Bereits in vierter Generation führt Roland Schüren den Familienbetrieb „Ihr Bäcker Schüren“ mit Hauptsitz in Hilden. Mit seinem Anspruch an Qualität, Produktvielfalt und Nachhaltigkeit gilt er als einer der besten und innovativsten Handwerksbäcker in Düsseldorf und der Region. Ihm und seinen Bäckern macht es Spaß, alles selbst herzustellen – ohne Fertigmischungen und Massenproduktion, dafür mit viel Zeit und handwerklichem Können. Da gibt es Parallelen zu unserem Opern- und Ballettbetrieb …