Großes Spektakel zum Schluss

Forgitten Land ch: Jiri Kylian
Forgotten Land ch: Jiri Kylian

Sandra Christmann über die Premiere von „b.41“

Ich bin verliebt. In einen Choreographen:

Jiří Kylián. – Um genauer zu sein in seine Choreographie.

Nicht eine einzige Sekunde habe ich geblinzelt. Sensationelle Kostüme, ich werde John F. Macfarlane auflauern müssen, so wunderschön sind die Kleider der Tänzerinnen. Atemberaubend.
Dass sich diese Choreographie mit den Gewalten mit Substanziellem beschäftigt, wird uns von der ersten Bewegung an klar. Gewaltig und hingebungsvoll, perfekt. Ich meine nicht nur die Perfektion der tänzerischen Leistung, sondern die Perfektion der Überraschung dieser Inszenierung.
Neue Bewegungen, neues Zusammenspiel, raffinierte Passagen, es verlangt große Konzentration das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren, wenn die einzelnen Protagonisten brillieren. Bewunderung trifft da mein Gefühl.
Was für ein Glück zuzuschauen.
Mutig das Emsemble ins Pas de deux mit Benjamin Brittens „Sinfonia da Requiem op. 20“ zu schicken, aber es geht auf.
Die 6 Paare tanzen leidenschaftlich und schneidend präzise um ihr Leben und das mit einer Eleganz und scheinbaren Leichtigkeit, dass es einen zutiefst ergreift, mitnimmt und berührt. Grandios!!!!!
Überhaupt ist der gesamte Ballettabend von unfassbar großer Profession und Ergreifung geprägt.

Auf eine sicherlich andere Art bei „Lamentation“ von Martha Graham. Das war ein kurzes Moment mit Camille Andriot, sehr  künstlerisch, athletisch, leise in den Bewegungen, sehr fein und dann auch schon wieder vorbei. Aber es musste gesehen werden. Interessant und Anmutig.

Female Power auch in „Steps in the Street”. Schöne Choreopraphie und eine schöne Lichtinstallation. Wun Sze Chan ist natürlich nicht das erste Mal eine herausragende Größe des Ensembles, sie  ist mit jeder Bewegung  so unfassbar überzeugend und stark. Ich bin ein Fan.
Insgesamt: eine energische kraftvolle, fast militärische Choreographie.
Eine gute Entscheidung die Kostüme, schlicht und schwarz zu kreieren.

Das große Spektakel zum Schluss, Martin Schläpfers letzte Kreation „Cellokonzert“ ist eine Choreographie für das gesamte Ensemble.
Wieder wunderbare Kostüme, diese von Hélène Vergnes. Ein wenig 20er Jahre Anmutung, lasziv, betont, schöne dezente Farbspiele.
Die Choreographie ist spektakulär an Varianz:  Soli, Pas de deux, dann wieder das gesamte Ensemble, ebenfalls ergreifend, aber anders als „Forgotten Land“, dass an diesem Abend nun mal nicht mehr zu erreichen ist.
Dennoch genauso überraschend. Lange, wunderschöne Choreografien, die sich meines Erachtens perfekt mit dem Cello paaren.

Herausragend: Marcos Menha.

Ich hatte das schon zum Saisonende geschrieben und knüpfe da wieder an:
Das Ballettensemble der deutschen Oper am Rhein hat Weltklasse.

Sandra_Christmann

Sandra Christmann
Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf und die Kunst. Sie engagiert sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben ihrer Arbeit engagiert sie sich für diverse Hilfsprojekte.
Sie liebt das Ballett und besuchte „just for fun“ manchmal die Oper, nun will sie „auch nach ihrer Zeit als Opernscout der Oper treu bleiben“.

Abschiedsstimmung

Cellokonzertch:Martin Schläpfer
Cellokonzert ch:Martin Schläpfer

Helma Kremer über die Premiere von „b.41“

Am 16. Oktober 2009 wurde mit b.01 die erste Ballettpremiere von Martin Schläpfer in der Deutschen Oper am Rhein gezeigt, mit einer Uraufführung von Martin Schläpfer („3. Sinfonie von Lutoslawski“). Es war meine erste Schläpfer-Vorstellung und wirkte, nach 13 Jahren Handlungsballett in Düsseldorf unter Ballett-Direktor Youri Vamos, auf mich wie ein befreiendes Frühlingsgewitter. Ich war sofort Schläpfer-Fan. Beinahe genau zehn Jahre nach dem Besuch von b.01 sehe ich – vierzig Vorstellungen später – b.41. Der Abend ist bereits geprägt von Abschiedsstimmung. Die Themenauswahl – Tod, Trauer und Krieg – unterstreichen dieses Gefühl und ebenso die Musikauswahl: „Sinfonia da Requiem“ und „Cellokonzert“, eine der letzten Kompositionen von Schostakowitsch. Nicht zuletzt ist es die letzte Uraufführung von Martin Schläpfer in Düsseldorf.

„Forgotten Land“ (Jirí Kylián)
Die herrliche Musik, die „Sinfonia da Requiem“ von Benjamin Britten, bietet alle Facetten eines großen Musik-Dramas. Auch das Bühnenbild beeindruckt mich sehr: Wenngleich das Meer sein zentrales Element ist, weckt es in mir auch Assoziationen zum Hades. Die langen Kleider der Tänzerinnen in den fließenden Stoffen schmiegen sich um die Bewegungen und lassen sie manchmal eher erahnen als erkennen, was dem Tanz hier etwas Geheimnisvolles und Erhabenes gibt. Ganz besonders gut gefällt mir Alexandra Liashenko.

„Lamentation“ und „Steps in the Street“ (Martha Graham)
Eine Solo-Tänzerin sitzt auf einer Bank. Ihre Bewegung zum Klavierstück op 3 Nr. 2 von Zoltán Kodály werden eingeschränkt durch den lilafarbenen Stoff-Schlauch, in welchem sie steckt. So wie das Gefühl von Trauer und Schmerz den Blick auf die Welt trübt und es unmöglich macht, sich frei durch diese zu bewegen. Dieses Stück ist in seiner Deutlichkeit so beklemmend wie Edvard Munchs Bild „Der Schrei“. Und die Protagonisten ähneln sich sogar.
Nach der Engführung in „Lamentation“ erscheinen sowohl die Klänge der Musik als auch die Bewegungen der Tänzerinnen in „Steps in the Street“ belebend, aber nur im ersten Moment. Immer stärker entwickelt sich das Gefühl eines großen Unbehagens, denn immer militärischer wird die Musik, immer uniformer und mechanischer der Tanz. Die Tänzerinnen in schwarz erinnern mich in ihrer Erscheinung und ihren Bewegungen an die schwebenden Wudang-Kämpfer(-innen) aus dem Film „Tiger and Dragon“ meines Lieblingsregisseurs Ang Lee. Ich kannte Martha Graham noch nicht und bin begeistert. Seit der Premiere habe ich viel über sie im Internet gelesen. Mir gefällt ihre Charakterisierung von Tanz: „Dance is the hidden language of the soul.“

„Cellokonzert“ (Uraufführung von Martin Schläpfer)
In diesem Stück holt Martin Schläpfer die gesamte Compagnie auf die Bühne und erweist so ihr und den letzten 10 Jahren in Düsseldorf seine Referenz. Und auch der Spitzentanz kommt nun zum ersten Mal zum Einsatz und führt den Abend auf seine Weise zum Höhepunkt. Aber sei es, dass die Musik mich strapaziert, sei es, dass das Stück mich intellektuell überfordert (hätte ich mir mal die Einführung angehört) … eine Woche nach dem Besuch der Premiere ist mir gerade diese letzte Inszenierung kaum im Gedächtnis geblieben. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Figuren des Corps de Ballet vom Parkett aus nicht erkennbar sind – ich frage mich, ob er Eindruck vom ersten Rang aus ein anderer ist? Ich erinnere leider nur einzelne Tänzer und Tänzerinnen, keinen roten Faden. Auch in diesem Stück beeindrucken Alexandra Liashenko und wie immer die wundervolle Marlúcia do Amaral, die gerade den Faust-Preis für die Odette in Schläpfers „Schwanensee“ gewonnen hat, mit ihrer unvergleichlichen Bühnenpräsenz.

Helma_Kremer

Helma Kremer
Leiterin „Market Development“ bei der Düsseldorf Tourismus GmbH

Helma Kremer arbeitete nach ihrem Studium an der Heinrich-Heine-Universität zunächst an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Nach einem. Voluntariat im Bereich „Marketing/Presse“ beim Düsseldorfer Schauspielhaus übernahm sie 2006 den Bereich „Kulturmarketing“bei der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH. Durch ihre Großeltern kam sie bereits als Kind mit der Oper in Kontakt, ihre erste Aufführung im Opernhaus war „Hänsel und Gretel“. Dennoch interessiert sie sich eigentlich eher fürs Ballett, als für die Oper. Sie freut sich in ihrer ersten Spielzeit als Opern- und Ballettscout auf die regelmäßigen Theaterbesuche

Konzentration und Spannung

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Markus Wendel über die Premiere von „b.41“

Als sich zum ersten Ballettstück „Forgotton Land“ der Vorhang hebt, scheint eine blechern-bedrohliche Welle meterhohen Ausmaßes geradezu in das Publikum hineinzubrechen. Von der Beleuchtung unterstützt entsteht eine wunderbar dunkle und packende Atmosphäre, als Grundlage für den Tanz von sechs Paaren zu einem Requiem von Benjamin Britten. Ein schöner Auftakt für einen Abend, an dem ein breites Spektrum der Ballett-Kunst gezeigt wird. Kostüme, Stimmung, Musik, alles scheint wie aus einem Guss. Lediglich die Bewegungen erscheinen mir streckenweise ein Wenig zu schnell für die ruhige und getragene Musik.

Mit den beiden anfolgenden Stücken wird die Konzentration weiter forciert, die Aufmerksamkeit der Zuschauer komplett auf die Bühne geholt. Den Stücken von Martha Graham kann sich anscheinend niemand im Publikum entziehen, denn es ist zum Zerreißen still im Zuschauersaal. Die starken Bilder fordern und holen mich deutlich aus meiner Komfortzone. Bei dem Solo-Tanz „Lamentation“ ist die entstehende Beklemmung enorm, und die Message für mich unglaublich aktuell. Es scheint mir wie eine Übersetzung der Gefühle von Flucht, Vertreibung und Ausgegrenztheit.

Auch „Steps in the street” ist kein Stück zum Wohlfühlen. Von scheinbar zufälligen Begegnungen mehrerer Menschen wird hier der Übergang in ein totalitäres Regime gezeigt. Ein sich diesem Entgegenstellen erscheint wie ein nicht zu gewinnender Kampf gegen einen übermächtigen und brutalen Gegner. Ein starkes Stück mit einer starken Aussage. Die Luft ist bis zum letzten Moment zum Zerreißen gespannt.

Martin Schläpfer hat es nach den drei sehr konzentrierten Stücken merklich schwer. Fairerweise muss ich hierzu sagen, dass ich auch in der Vergangenheit nur selten Zugang zu seinen Stücken bekommen konnte. Heute erscheint es mir, als mache er auch bei seiner letzten Uraufführung als Ballettdirektor in Düsseldorf/Duisburg einfach weiter wie bisher. Kein Gefühl des Abschieds, keine mutigen Veränderungen oder Neuerungen. Und somit sehen wir ein nach meinem Empfinden überladenes und wenig akzentuiertes Stück, dem ich weder einen roten Faden noch eine besondere Botschaft entnehmen kann. Auch eine Vielzahl an sehr skurrilen Bewegungen und die scheinbar zufällige Kostümwahl sorgen bei mir für Irritation.

Kurzum, der Abend bietet viele Facetten des Balletts, eine klare Empfehlung möchte ich besonders für die beiden Stücke von Martha Graham aussprechen. Weitere Stücke von ihr wären für mich ein absoluter Besuchsgrund für zukünftige Ballett-Abende.

Markus_Wendel

Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“. Überrascht war er davon, dass die Ballettinszenierungen 2018/19 ihn sogar mehr faszinierten als die Operninszenierungen.

Vielversprechender Beginn

Steps on the streetch: Martha Graham
Steps on the street ch: Martha Graham

Stefanie Hüber über die Premiere von „b.41“

Mein erster Abend als Opernscout beginnt sehr vielversprechend mit dem Stück „Forgotten Land“ von Jiří Kylián. Schon die ersten Klänge der Düsseldorfer Symphoniker ziehen mich in ihren Bann, zumal ich ein großer Fan Benjamin Brittens „Synfonia da Requiem“ bin.
Die Tänzer, die sich langsam, wie gegen einen Widerstand kämpfend, in Richtung Bühnenbild bewegen, erinnern mich an eine Gruppe von Lemmingen. Die Bewegungen der in Einklang mit dem Bühnenbild gekleideten Tänzer sind zeitweise entschlossen, zeitweise aufbegehrend mit Gesten, die an Wellen oder Vögel erinnern.
Doch auch folkloristische Tanzelemente meine ich zu erkennen.
Insgesamt empfinde ich die Inszenierung als sehr stimmig und sogartig und sie bewegt mich sehr.

Das darauffolgende Tanzsolo “ Lamentation“ von Martha Graham berührt in seiner Schlichtheit mit nur einer Tänzerin, die in ein lila Stretchröhrenkostüm gehüllt ist. Das Stück wird nur von Klaviermusik begleitet und erinnert dadurch an die Stummfilme der 20er-Jahre.
Die Beengtheit der Tänzerin in ihrem Schlauch erweckt in mir klaustrophobische Gefühle, so dass ich erleichtert bin, dass „Lamentation“ schon nach wenigen Minuten endet.
Die kraftvollen, energetischen Bewegungen vom darauffolgenden „Steps in the Street“ stellen für mich einen wohltuenden Kontrast da und sind für mich ein Sinnbild des getanzten Feminismus, zumal der teilweise archaisch anmutende Tanzstil  mich an Amazonen erinnert.
Insgesamt wird mir Martha Graham in positiver Erinnerung bleiben, wogegen mich „Cellokonzert“ von Martin Schläpfer enttäuscht und sehr anstrengt.

Schostakowitschs Cellokonzert finde ich furchtbar!

Die dazu gelieferte Tanzperformance empfinde ich als anstrengend und überfrachtet, die Kostüme gefallen mir auch nicht.
Ich finde insgesamt keinen Zugang,was mich traurig stimmt, da es Schläpfers letzte Inszenierung in Düsseldorf ist und er mir schon viele großartige Abende beschert hat…

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Stefanie Hüber
Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin arbeitet überwiegend mit psychisch kranken Menschen und nutzt Musik als Mittel der Therapie. Sie sang im Kammerchor und lernte als Kind Klavier und Blockflöte zu spielen.
Die Oper wurde ihr als Kind von ihren Eltern „vermiest“ aber sie fand einen neuen Zugang zu ihr durch ihre Tochter, die Musik studierte. Inzwischen ist die Oper ebenso wie Rockkonzerte ein spannendes und regelmäßiges Highlight in ihrem Leben.

 

…für jeden etwas dabei.

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Michael Langenberger über die Premiere von „b.41“

Vorab: Wie auch einige Male zuvor, habe ich sehr von der “Opernwerkstatt“, die einige Tage vor einer Premiere von der Oper angeboten wird, profitiert. Dort bekommt man einiges, dann natürlich noch ohne die Kostüm-und Bühnenausstattung, sondern sehr auf die wesentlichen Elemente der verschiedensten Stücke konzentriert, über die kommende Aufführung gezeigt und erläutert.

Gleich bei „Forgotten Land“ von Jirí Kylián war mir klar, das wird ein vergnüglicher Ballettabend. Tänzerische Macht durch sehr vielfältige Bilder und Bewegungen. Paarweise in großer Präzision und Ausdrucksstärke, als Gruppe oft in Wellenbewegungen, die ganze Bühne einbeziehend, raumgreifend. All das mit traumhaft schönen, farblich perfekt aufeinander abgestimmten Kostümen, langen Kleidern. Einfach mitreißend. Ein Knaller als Auftakt!

Danach dann “Lamentation” und „Steps in the Street” von Martha Graham, eine der Protagonistinnen des zeitgenössischen Tanzes und revolutionär zu Ihrer Zeit in der 1930er Jahren.

Tanz auf einer Bank sitzend – geht nicht? Irrtum, diese Idee bezieht alle drei Dimensionen ein, ohne dass die Person sich auf der Bühne vom Fleck bewegt. Wenn Sie sich dann noch ein Stoffschlauch-Kostüm vorstellen, das die Tänzerin von innen her zu immer neuen Formen und Ausdrücken verbindet – faszinierend!

Die „Steps in the Street” – eine Choreographie, die in meinen Augen von der präzisen Harmonie der Tänzerinnen und Tänzer lebt. Sobald sich das Ensemble zu Linien oder Carrés formiert, geht es darum seine tänzerische Individualität den z.T. hart getakteten Bewegungen der Gruppe zu unterwerfen. Ein bisschen “West Side Story”- Flair. Lösen sich die Gruppen auf, spielt die individuelle Qualität eines jeden Ensemble-Mitglieds die entscheidende Rolle.

Martin Schläpfers Idee, seine letzte Uraufführung mit einer Choreographie für sein gesamtes Düsseldorfer Ensemble zu dem 2.Cellokonzert von Schostakowitsch zu gestalten, ist sicherlich vielschichtig zu verstehen. So wie dieses Konzert eines der letzten Kompositionen von Schostakowitsch war, könnte man die Choreographie als Martin Schläpfers Abschiedswerk von dem Düsseldorfer Ballettensemble und -Publikum verstehen. In jedem Fall wird dem Zuschauer einiges abverlangt. Das gesamte Ballettensemble, alle auf einmal auf der Bühne, entfaltet schon eine Wucht und Dynamik an sich. In sehr unterschiedlich schnellen tänzerischen Einzeleinlagen, mal raumgreifend, mal punktuell, lässt Schläpfer seine Truppe noch einmal zeigen, was in Ihnen steckt. Man darf sagen, nicht umsonst zählen die hier versammelten Tänzer zu den Besten.

Einzig – Schostakowitschs Kompositionen zählen insgesamt nicht wirklich zu den musikalisch eingängigsten Klängen. Das 2. Cellokonzert ist wirklich schwere Kost.

Alles in allem, mit den unterschiedlichen, zumeist recht zurückhaltenden Bühnenbildern, wieder einer perfekten Beleuchtung, virtuos gespielter Musik – ganz so, wie erwartet, ein wunderschöner und mitreißender Ballettabend. Einen herzlichen Dank an alle Beteiligten!

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Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

Vielseitiger Ballettgenuss

Cellokonzertch:Martin Schläpfer
Cellokonzert ch:Martin Schläpfer

Sassa von Roehl über die Premiere von „b.41“

Beim Beginn des Ballettabends b.41 mit Jiří Kylián „Forgotten Land“ stimmte für meinen Geschmack alles. Mit dem Heulen des Windes, der ernsten Musik von Benjamin Brittens  „Sinfonia da Requiem“ und den entschlossenen Bewegungen der Tänzer wurde ich sofort in den Bann der eindrucksvollen Szenerie gezogen. Es ist eine düstere Stimmung, in der mich die klaren Bewegungen der Tanzpaare faszinieren. Ihre anmutigen Figuren werden durch die fließenden Stoffe in paarweise identischen Farben betont. Das sich passend zu Musik und Tanz ändernde Licht verstärkt den Eindruck von großen Gefühlen, wie Liebe, Schmerz und Vergänglichkeit. Wir können noch so sehr dagegen ankämpfen – am Ende sind wir machtlos dem immer gleichen Gesetz von Werden und Vergehen ausgeliefert.

Nach einer kurzen Pause geht es mit starken Frauen weiter: Martha Grahams Choreographie „Lamentation“, eindrucksvoll umgesetzt von Camille Andriot. Die Tänzerin vollführt in einem elastischen Stoffschlauch sitzend Bewegungen, die das Gefühl großer Klage und Verzweiflung auslösen. Ich fühle mich an die Skulptur „Mutter mit totem Sohn“ von Käthe Kollwitz in der neuen Wache Unter den Linden in Berlin erinnert, der zentralen Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Ein kurzes Stück, das unmittelbar unter die Haut geht und an das man sich durch seine Intensität lange, wenn nicht sogar für immer erinnern wird.

Ebenfalls von Martha Graham, der großen Revolutionärin des klassischen Balletts,  folgt „Steps in the Street“. Frauen, die sich sehr geometrisch, beinahe wie aufgezogen bewegen. Ihre weiße Haut in schwarzen Kleidern und vor schwarzem Hintergrund wirkt verletzlich. Die wie in einem militärischen Drill vollführten, harten Schritte und Armbewegungen stehen dazu im Gegensatz. Die spannungsgeladene Motorik löst bei mir die Assoziation zu Charlie Chaplins „Der große Diktator“ aus. Sicherlich beides eine Warnung vor dem Faschismus und damit ein Tanzstück, das nichts an Aktualität verloren hat.

Eine erneute Pause sorgt für eine mentale Trennung zum nächsten Stück, mit dem Martin Schläpfer seine Zeit in Düsseldorf beendet und nach Wien wechselt. Er hat sich dafür das 2.Cellokonzert von Schostakowitsch ausgesucht. Die Musik mutet sicherlich nicht umsonst spröde und unbequem an. Am Ende seines Lebens komponiert, zieht Schostakowitsch Resumée und nimmt Abschied, doch am Schluss fühlt man etwas Befriedetes, er akzeptiert sein Schicksal. Schläpfers Tanz dazu entzieht sich in weiten Teilen meiner Deutung. Immer, wenn ich meine, etwas interpretieren zu können, nimmt das Geschehen eine andere Wendung. Trotzdem erfreue ich mich an den herrlichen Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer, allen voran Marlúcia do Amaral, deren Ausdrucksstärke ich schon bei vielen Aufführungen bewundert habe. Schläpfer zeigt an diesem Abend noch einmal all sein vielfältiges Können und das seiner Compagnie. Das allein ist schon ein Genuss an sich, da braucht man gar keine andere Erzählung dahinter.

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Dr. Sassa von Roehl
Social Campaining / Dozentin an der Heinrich-Heine-Universität

Dr. Sassa von Roehl engagiert sich für Zivilcourage und berät Gemeinnützige Projekte im Bereich PR. Als kulturinteressierte besucht sie oft das Theater Duisburg. Sie ist großer Martin Schläpfer Fan, im Bereich Oper allerdings eher ein „interessierter Neuling“. Gespannt startet sie nun in ihre erste Spielzeit als Scout für Oper und Ballett in Düsseldorf.

 

Bewegte Klangkunst

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Benedikt Stahl über die Premiere von „b.41“

Der Abend beginnt mit „Forgotten Land“ von Jiří Kylián. Die Musik von Benjamin Britten trägt das groß inszenierte Bild, das an eine Meerlandschaft erinnert. Davor der Tanz, meisterhaft choreografiert und abgestimmt auf die Klänge, das Licht, die Farben. Eine etwas üppige aber schöne und in sich schlüssig komponierte Aufführung, die das Eintauchen in die bewegte Bühne leicht macht.

Die beiden Stücke von Martha Graham verlangen mehr, als nur Hingabe.

„Lamentation“ zeigt eine einzelne Figur, die an eine Skulptur erinnert, die aus sich heraus will. Ausdruckstark dargestellt von Camille Andriot, die sich zum Klavierstück von Zoltán Kodály auf einer Bank sitzend in einem Tuch bewegt, das ihren Körper umschließt. Sie windet sich, strebt auf, ringt, kreist, holt aus, zieht sich zurück, bäumt sich auf, will sich befreien und kommt in den letzten Klängen zur Ruhe. Vorläufig. Dann brausender Applaus. Ohne Zweifel ist der gerechtfertigt – dennoch wünschte ich mir danach erst mal nur Stille und mehr Raum für dieses Erlebnis.

„Steps in the Street“ ist von außerordentlicher Intensität der Körpersprachen bestimmt. Das Militärische in den Bewegungen und in der Musik wirkt bedrohlich. Die scharf ausgeleuchteten Bilder hallen nach. Die gewollte Mahnung gegen Krieg und Faschismus ist auch heute noch sehr gut nachvollziehbar und aktueller denn je.

Eine weitere Pause und danach das „Cellokonzert“ von Martin Schläpfer.

Mit diesem großartigen Werk gelingt ein prachtvolles Klanggemälde. Immer wieder füllt und bewegt sich die Bühne zur Musik von Schostakowitsch. Die Tänzer fügen die Teile zu einem Ganzen, lassen innere Stimmen ebenso zur Geltung kommen wie kraftvolle Gesten. Ein farbenfrohes Ballettaquarell, dessen Stimmungen ineinander fließen und dass noch lange nachleuchtet.

Unbedingte Empfehlung!

Benedikt_Stahl

Benedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit. Wenn in einer Inszenierung alle komponenten gut zusammenkommen dann entsteht „ein großes Kunstwerk“ und in der Deutschen Oper am Rhein ist „immer was für einen dabei“. Besonders gefällt ihm die Vielseitigkeit von Oper und Ballett.

Ein großer Bogen durch Zeit und Stil der modernen Ballettgeschichte

Forgitten Land ch: Jiri Kylian
Forgitten Land ch: Jiri Kylian

Charlotte Kaup über die Premiere von „b.41“

Kylián, Graham, Schläpfer – b.41 schlägt einen großen Bogen durch Zeit und Stil der modernen Ballettgeschichte.

Es geht um Vergänglichkeit an diesem Abend. Kylián findet eine umwerfende Formsprache für große Themen und verzaubert vom ersten Moment an. Sechs Paare tanzen vor einer beeindruckenden, düsteren Meereslandschaft und erscheinen hingerissen von Naturgewalten.

Sein Tanz bildet dabei in seiner Abwechslung aus Ruhe und Unruhe eine untrennbare Einheit mit Benjamin Brittons Musik, als wäre sie eigens für ihn geschrieben.

Das gewaltige Bühnenbild, welches durch diskrete Lichtakzente die Atmosphäre geschickt untermalt, in Kombination mit den wallenden Kostümen und unglaublich fließenden, erhabenen Bewegungen gibt dem ganzen Stück etwas sakrales und entführt den Zuschauer für den Moment in eine beinahe surreale Welt.

Nach dem ästhetisch sehr harmonischen und zugleich aufrüttelnden Beginn folgt mit Martha Grahams „Lamentation“ ein Stück strenger Konzentration, reduziert auf wenige, jedoch extrem kraftvolle Gesten. Dazu ein wunderbar klarer Ausdruck von Camille Andriot im Zusammenspiel mit Eduardo Boechat am Klavier – für mich einer der stärksten Momente des Abends.

Auch das zweite Stück Grahams, „Steps in the Street“, besticht durch klare und drastische Formsprache. Noch Jahrzehnte nach der Uraufführung hat das Stück nichts an Aktualität verloren, es wirkt modern und mitreißend und bietet reichlich Anknüpfungspunkte zu aktuellen Themen.

Den Abschluss bildet Martin Schläpfers Cellokonzert – die letzte Uraufführung des Choreografen an der Deutschen Oper am Rhein. Es gibt viel zu sehen – bunte Kostüme, quirlige Gruppentänze, reichlich Parallelhandlungen, zuweilen irritierende Brüche und immer wieder bildhafte Gesten des Abschieds.

Anders als bei Kylián oder Graham ist der Zugang nicht so leicht zu finden, da die vielen unterschiedlichen Reize zeitweise überwältigend wirken und teils etwas zusammenhanglos erscheinen. Dennoch bietet das Stück ein interessantes Gegengewicht zu den beiden vorangegangenen. Man wird zum Beobachter eines lebendigen Treibens und muss selbst entscheiden, wovon man seinen Blick anziehen lässt. Viele einzelne Momente, abwechslungsreiche Kompositionen und auch der spannungsvolle Einsatz des Spitzenschuhs haben mir dabei sehr gut gefallen.

Alles in allem für mich ein sehr vielfältiger und absolut sehenswerter Ballettabend!

Charlotte_Kaup

Charlotte Kaup
Ärztin in der Radiologie

Vor kurzem hat die junge Ärztin eine Stelle in Mönchen Gladbach angetreten. Vorher arbeitete sie einige Jahre als Ballettlehrerin beim Hochschulsport. Sie ist Regelmäßige Besucherin der Ballettinszenierungen der Deutschen Oper am Rhein und ist sehr begeistert von der Vielfalt des Repertoires.
Bezüglich der Oper ist sie ein Neuling, möchte dies aber gerne ändern und freut sich deshalb auf ihre Zeit als Scout und die Möglichkeit sich mit Opernliebhabern austauschen zu können.

Dalila!

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Benedikt Stahl über die Premiere von „Samson et Dalila“

Mit nur ganz wenigen Worten würde ich dieses Opernerlebnis so beschreiben: Dalila! Die Musik! Der Chor!

Es soll aber etwas ausführlicher sein und so erinnere ich mich gerne noch einmal an die farbenreichen Bilder, die einnehmenden Klänge und den spannungsreichen Ablauf dramatischer Bühnenereignisse.

Zu Beginn der aus dem Untergrund hochfahrende Chor der Bauarbeitersklaven, die mit ihren Stirnlampen das Publikum blenden. So werden die Köpfe vor mir, werde ich selbst, getragen von raumfüllender Musik in das Stück hineingezogen, wird alles eins.

Dann nimmt das Drama seinen Lauf. Widerstand, Kampf, Verwüstung, Rache, Gier, Liebe, Eifersucht, Verzweiflung, Intrige, Mordlust, Verrat, Größenwahn und der unausweichliche Untergang zum Schluss (der in dieser Inszenierung viel zu harmlos ausfällt): von allem etwas, Oper pur!

Herausragend und vom ersten bis zum letzten Moment auf der Bühne: Ramona Zaharia als Dalila. Sie ist in ihrer Erscheinung, ihrer Gestik und natürlich mit ihrer Stimme dermaßen präsent und verführerisch, dass alles andere, wie zum Beispiel die Bühnenarchitektur oder die Kostüme, die zuweilen etwas überanstrengt wirken, Nebensache wird. Der Höhepunkt ist ihre Arie, „Mon cœur s’ouvre à ta voix“ mit Samson, die wunderbar sinnlich ausgeleuchtet und voller Ausdruck noch lange nachwirkt.

Michael Weinius kommt als Samson eigentlich erst so richtig in Fahrt, nachdem (endlich) von seiner Angebeteten der blöde Zopf abgeschnitten ist und ihm die Augen ausgestochen werden. Ziemlich ekelhafte Szene übrigens, die damit den Oberpriester des Dagon, super gespielt und gesungen von Simon Neal, noch unausstehlicher macht. Gelungene Dramaturgie!

Getragen wird das alles vom fantastischen Chor und dem Orchester, die das grandiose Werk von Camille Saint-Saëns, an diesem Abend unter der Leitung von Marie Jacquot, großartig aufführen.

Ich würde nochmal reingehen. Alleine schon wegen Dalila!

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Benedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit. Wenn in einer Inszenierung alle komponenten gut zusammenkommen dann entsteht „ein großes Kunstwerk“ und in der Deutschen Oper am Rhein ist „immer was für einen dabei“. Besonders gefällt ihm die Vielseitigkeit von Oper und Ballett.

Eine mutige Herausforderung

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Karolina Wais über die Premiere von „Samson et Dalila“

Ich habe mich mit der Oper „Samson et Dalila“ zuvor wenig beschäftigt und bin offenen Herzens in die Vorstellung gegangen. Von Anfang an wurde mir klar, dass die Oper an die heutige Zeit adaptiert wurde.
Ramona Zaharia hat als Dalila solch eine Bühnenpräsenz, dass Michael Weinius als Samson neben ihr etwas verblasst, ihm fehlt die Leidenschaft. Dadurch wird die Verführungskunst von Dalila aber noch mehr verdeutlicht. Ich überlege, ob dieser Effekt beabsichtigt ist, um die Zerrissenheit Samsons sich zwischen seinem Gott oder Dalila zu entscheiden, zu betonen.
An das Bühnenbild gewöhne ich mich erst ab dem zweiten Akt, es ist minimalistisch. Die Farben der Bühne werden durch die Beleuchtung perfekt unterstützt.
Wenn Joan Anton Rechie das Stück näher an die Erfahrungswerte des Publikums bringen wollte, dann denke ich, dass er auf keinen Fall wollte, dass dem Publikum seine Botschaft entgeht. Die Kostüme sind sehr plakativ in Szene gesetzt, das hebräische Volk trägt Arbeiterklamotten, die Philister Anzüge und Dalila ein enges Minikleid in Leopardenoptik mit kniehohen Stiefeln. Sein Publikum auf diese Weise herauszufordern, erfordert Mut und das gefällt mir.
Dem Düsseldorfer Symphonieorchester höre ich gerne zu. Als die Philister im dritten Akt ein ausgelassenes Fest feiern, werde ich als Zuschauerin mitgerissen, natürlich soweit es die Etikette in einer Oper zulässt.
Ramona Zaharia als Dalila, Simon Neal als der Oberpriester des Dagon, Sami Luttinen als ein alter Hebräer und der Chor stechen für mich gesanglich hervor.

Insgesamt schafft es Joan Anton Rechie, dass ich mich im Nachhinein mit der Oper beschäftige und mit Freunden und Bekannten über die religiösen und machtpolitischen Aspekte diskutiere.

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Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich nun mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre erste Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett näher kennenzulernen.

Verworrene Inszenierung

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Helma Kremer über die Premiere von „Samson et Dalila“

Von Camille Saint-Saëns kannte ich mehrere Werke, darunter Werke für Klavier und Violine sowie einige Sinfonien und den „Karneval der Tiere“. Aus der Oper „Samson et Dalila“ kannte ich lediglich die berühmte Arie „Mon coeur s’ouvre à ta voix“. Entsprechend hatte ich keinerlei Erwartungen und auch keine Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Inszenierungen. Zunächst blieb ich verhalten und behielt bis in den II. Akt eine gewisse Distanz. Der Stoff konnte mich nicht wirklich packen und die Inszenierung mit Transfer in die Gegenwart erschien mir ziemlich verworren (Philister = Manager, Hebräer = Minenarbeiter/ Kumpel??, Philisterinnen = Prostituierte / Managerinnen). Als großer Fan werkgetreuer und historischer Inszenierungen, nicht nur bei der filmischen Umsetzung literarischer Werke, sondern auch auf der Bühne, ist es ohnehin schwer, mich mit zeitgenössischen Interpretationen zu begeistern – in dieser Hinsicht bin ich hoffnungslos konservativ. Das Bühnenbild erschien mir dagegen, zumindest im I. und II. Akt, wohltuend minimalistisch.

Die Sänger beindruckten mich jedoch von Beginn an: Luke Stoker als Abimélech gefiel mir so gut, dass ich Abimélechs frühen Tod außerordentlich bedauerte. Aber auch Michael Weinius sang sehr gut, ebenso Simon Neal als Oberpriester Dagon und Sami Luttinen als alter Hebräer. Ramona Zaharia war der Star des Abends: Nicht nur gesanglich überzeugte sie voll und ganz, sondern auch darstellerisch. Allerdings stand ihr Simon Neal kaum nach; seine Grausamkeit ließ einem das Blut in den Adern gefrieren. Dalilas Aufmachung erinnerte an die einer Mafiosi-Braut und da Samson mit seinem etwas spärlichen Haar und auch hinsichtlich Statur und Kostüm eine starke Ähnlichkeit mit Meat Loaf zeigte, erschienen die beiden mir als doch eher ungewöhnliches Paar. Dem wundervollen Gesang tat das allerdings keinen Abbruch.  Bei der berühmten Verführungs-Arie „Mon coeur s’ouvre à ta voix“, die ich bereits seit Kindertagen kenne, und als großer Fan von Maria Callas, gemeinsam mit anderen berühmten Callas-Arien Ende der 90er Jahre auf CD rauf und runter hörte, schmolz ich wie Samson dahin. Spätestens dann war das Eis gebrochen und auch der Stoff packte mich zunehmend. Seit dem Premieren-Besuch habe ich mir diese Arie mehrmals angehört, von Maria Callas über Jessye Norman bis zu Elina Garanca sah ich verschiedene Präsentationen auf Youtube. Und ich finde, dass Ramona Zaharias Vortrag mit in die Reihe der ganz Großen gehört.

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Helma Kremer
Leiterin „Market Development“ bei der Düsseldorf Tourismus GmbH

Helma Kremer arbeitete nach ihrem Studium an der Heinrich-Heine-Universität zunächst an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Nach einem. Voluntariat im Bereich „Marketing/Presse“ beim Düsseldorfer Schauspielhaus übernahm sie 2006 den Bereich „Kulturmarketing“bei der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH. Durch ihre Großeltern kam sie bereits als Kind mit der Oper in Kontakt, ihre erste Aufführung im Opernhaus war „Hänsel und Gretel“. Dennoch interessiert sie sich eigentlich eher fürs Ballett, als für die Oper. Sie freut sich in ihrer ersten Spielzeit als Opern- und Ballettscout auf die regelmäßigen Theaterbesuche

Eine musikalische Anästhesie

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Markus Wendel über „Samson et Dalila“

Die vergangene Freundeskreispremiere von Saint-Saëns Oper „Samson et Dalila“ beginnt meinerseits mit leichter Irritation. Weite Teile der Zuschauerreihen sind unbesetzt, für eine Düsseldorfer Premiere ist das ungewöhnlich. Ich bin verwundert, denn musikalisch ist die Oper wirklich schön, mit großen Choranteilen und einer Arie die wahrscheinlich fast jeder schon einmal gehört hat. Im Vorfeld zur Aufführung habe ich die Oper zweimal komplett gehört und auch die öffentliche Probe ein paar Tage vor der Premiere besucht.

Bereits mit den ersten Takten zieht GMD Axel Kober mit seinem präzisen und zugleich sehr wohlklingenden Dirigat den größten Teil meiner Aufmerksamkeit auf die musikalische Seite dieses Liebesdramas, das ursprünglich als Oratorium komponiert wurde. Entsprechend ruhig ist die Oper und weitgehend ohne aufgeregte Momente.

Sängerisch hervorheben möchte ich Simon Neal in der Rolle des Oberpriesters. Stimmlich in Bestform und mit einer Spielfreude, die mir wirklich Spaß bereitet beim Zusehen. In Punkto Bühnenpräsenz und Rollenidentifikation ist er auf Augenhöhe mit seiner äußerst überzeugenden Wotan-Interpretation im aktuellen Düsseldorfer Ring. Dies gilt auch für seine gelungene Darstellung des Cardillac, die ich vor einigen Monaten in Gent sehen konnte.

Leider kann nach meinem Empfinden die neue Inszenierung dem musikalischen Part nur wenig Unterstützung zukommen lassen. Die Bilder sind für meinen Geschmack statisch und fad, die gesamte Umsetzung wirkt wenig ambitioniert. Aber auch dies ist sicherlich Geschmacksache. Während ich beispielsweise die aktuelle „Roméo et Juliette“-Produktion abgefeiert habe, wurde diese mitunter auch gänzlich anders wahrgenommen.

Im Ergebnis verbinden sich am heutigen Abend Szene und Musik zu einem Gemisch mit streckenweise stark narkotischer Wirkung. Erfreulicherweise ist die Anästhesie frei von Nebenwirkungen und ich beschließe den Abend mit freundlichem Applaus.

Jedem Musikliebhaber möchte ich diese Oper empfehlen. Gerne im Opernhaus in Düsseldorf. Und falls Sie es nicht schaffen, dann bei einem schönen Glas Rotwein im heimischen Wohnzimmer.

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Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“. Überrascht war er davon, dass die Ballettinszenierungen 2018/19 ihn sogar mehr faszinierten als die Operninszenierungen.

Großartige Sänger, plumpe Rollenklischees

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Charlotte Kaup über die Premiere von „Samson et Dalila“

Samson et Dalila – ein starker Auftakt mit einem beeindruckenden Chor, großartige Sänger, plumpe Rollenklischees und recht wenig Handlung und dann wiederum ein fantastisches Bühnenbild und liebevolle Details.
Als Opernneuling hat mich dieser Abend in vielen Momenten begeistert und in anderen wiederum etwas ratlos zurückgelassen.

Zunächst zur Musik: wie wundervoll, etwas so Schönes hier in Düsseldorf erleben zu dürfen!
Ich kannte die Oper zuvor nicht und mir kamen nur ein, zwei Passagen annähernd vertraut vor.
Auch habe ich die Musik nicht als so eingängig erlebt, dass mir einzelne Stücke besonders im Kopf geblieben sind. Beeindruckt hat mich viel mehr die Feinheit und Differenziertheit jedes einzelnen musikalischen Moments und die großartige Leistung der Solisten, des Orchesters und auch des Chors. Hervorzuheben ist sicherlich Ramona Zaharia als Dalila – eine einfach perfekte Besetzung!

In Gegensatz zu der, von mir auf zurückhaltende Art als sehr reichhaltig empfundenen Musik, stand allerdings die Inszenierung.
Bei dem Versuch, das im biblischen Zeitalter terminierte Material in die Jetztzeit zu holen, wurden betont stumpfe und plakative Rollenbilder bedient und undifferenziert flache Personengruppen ohne viel individuellen Rollencharakter erschaffen, die mit unterschiedlichen Mitteln Machtpositionen verteidigten. Das ganze nach dem Prinzip Schere, Stein, Papier.

Als Powerweapons gab es die Kombinationsmöglichkeiten Anzüge, Geld und Waffen, Spitzhacken und Gemeinschaftsgesänge oder Brüste, Kunstpelz und High Heels.
Zunächst machte mich das ziemlich ratlos und ich fand es beinahe frech, solche Rollenbilder auf einer Opernbühne präsentiert zu sehen.
Vielleicht war es aber genau dieser Gegensatz – die oberflächliche und auf überzeichneten Klischees basierende Schaffung von Personenkollektiven und die dezente, individuelle und vielschichtige Charakterisierung über die Musik – der wiederum irgendwie spannend war.

Was ich als besonders positiv hervorheben möchte, waren die Chorpassagen.
Neben der musikalischen Qualität und Bereicherung zu den solistischen Szenen, ergaben sich auch durch die Quantität und Komposition der Akteure sehr abwechslungsreiche visuelle Eindrücke.
Mal eher begleitend im Hintergrund, beinahe mit dem Bühnenbild verschmelzend und mal zentral den gesamten Raum einnehmend, wurden beeindruckende Bilder kreiert.

Alles in allem lässt sich über die Inszenierung sicherlich streiten, aber wenn man es hält wie einer der mich umgebenden Zuschauer, der murmelte „Augen zu, Ohren auf“, ist der Abend in jedem Fall ein Genuss!

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Charlotte Kaup
Ärztin in der Radiologie

Vor kurzem hat die junge Ärztin eine Stelle in Mönchen Gladbach angetreten. Vorher arbeitete sie einige Jahre als Ballettlehrerin beim Hochschulsport. Sie ist Regelmäßige Besucherin der Ballettinszenierungen der Deutschen Oper am Rhein und ist sehr begeistert von der Vielfalt des Repertoires.
Bezüglich der Oper ist sie ein Neuling, möchte dies aber gerne ändern und freut sich deshalb auf ihre Zeit als Scout und die Möglichkeit sich mit Opernliebhabern austauschen zu können.

Ein geglücktes musikalisches Erlebnis mit einer etwas unpassenden Szenerie

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Hubert Kolb über die Premiere von „Samson et Dalila“

Ich erwartete ein langweiliges Oratorium mit einigen schönen Solopartien. Stattdessen gab es ein spannendes dynamisches Auf und Ab mit herrlichen Stimmen und perfektem Zusammenklang mit dem Orchester (Axel Kober sei Dank!). Die Musik war gefällig, aber auch ein Genuss.
Die Ausstrahlung von Ramona Zaharia als Dalila und die Klangfarbe ihrer Stimme waren eindrucksvoll, der Wagnersänger Michael Weinius war ein Gegenpart auf Augenhöhe, wenn auch Kostüm, Haarpracht und körperliche Kraft-Wirkung nicht ganz dem Bild des Samson entsprachen. Dazu war der Chor, wie meist, eine Ohrenweide.
Die Übertragung der Handlung in ein Bergwerk mit Ausbeutern im Business-Anzug und Maschinenpistole war ganz erfrischend, kam aber oft über zum Teil peinliche Klischees nicht hinaus. Der religiös ausgerichtete Text passte dann meist nicht.

Fazit: Ein sehr schönes und spannendes musikalisches Erlebnis mit meist überzeugender Personenregie, aber mit einer etwas oberflächlichen Übersetzung der Handlung in ein Arbeiter–Ausbeuter Szenarium, vermutlich in der Dritten Welt anzusiedeln.

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Dr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.

Femme Fatale spielt Samson und Israel an die Wand

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Sandra Christmann über die Premiere von „Samson et Dalila“

Auf den Punkt muss der erste Moment, das erste Bild, der erste Eindruck sitzen, um uns den Einstieg in alles Folgende zu erlauben und dazu gehört nun mal natürlich das was wir hören, aber meines Erachtens nach noch mehr was wir sehen.

Den Bühnenbildern verfallen, freue ich mich, dass Gabriel Insignares mit einer architektonisch ästhetischen Gestaltung diesen ersten Moment gebührend ermöglicht, verschönt. Kein Geschnörkel, nichts Verschlungenes, übersichtliche klare Ebenen, zeitlos, dennoch dem modernen Design verpflichtet. Die Materialien und die Ebenen sind variantenreich und pur. Gefällt mir sehr! Perfekt für alle drei Akte kreiert.

Der „Aufzug“ (großes Bühnen-Detail als Klammer zu Beginn und gegen Ende der Oper) der „Bergarbeiter“ und somit das Intro (auch) des Chors sind beeindruckend und überhaupt überzeugt der Chor durchweg, unabhängig der Kostümierungen, mit einem satten, perfekten, wunderschönen Gesang.

Ich bin ja auch mittlerweile ein Fan von Axel Kober. Da weite Strecken dieser Oper ohne gesangliche Ergänzung passierten, fiel die Musik noch mehr ins Gewicht und war durchgehend einnehmend. Schön.

Ramona Zaharia

…Wo soll ich da anfangen? Ich hörte sie singt jetzt die Carmen in New York, ich werde ihr wohl nachreisen und ein Groupie werden.

Ich habe das erst einmal erlebt, dass eine Frau die Bühne betretend, sich das Publikum, das Orchester, die Bühne, die Mitspieler, wie eine Gottesanbeterin einverleibt. Das war vor einem Jahr Linda Watson in meinem ersten Wagnermarathon.

Zaharia auf ihre Art, mit ihrer Stimme, ihrer Schönheit, Ihrer Kraft, und dann noch einmal mit der Kraft ihrer Stimme und ihres schauspielerischen Talentes fängt uns alle ein. Wir haben keine Chance Blick oder Ohr abzuwenden. Samson hat keine Chance, die eigentliche historische Grundlage ihres Handelns hat keine. Die scheinen nur Beiwerk.

Sie fesselt uns (und Samson), und dann sind auch all die überspitzten Klischees der Bergarbeiter, Prostituierten und Anzugträger kein zu kritisierendes Inszenierungsmittel mehr, was soll’s? Wir haben ja sie.

Fazit: Sie ist grandios. Eine Grand Dame der Oper.

Insgesamt ist die musikalische und gesangliche Leistung sehr gelungen und es zeichnen sich einige Talente heraus, Sami Luttinen noch namentlich genannt! Eine hörens- und sehenswerte Inszenierung.

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Sandra Christmann
Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf und die Kunst. Sie engagiert sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben ihrer Arbeit engagiert sie sich für diverse Hilfsprojekte.
Sie liebt das Ballett und besuchte „just for fun“ manchmal die Oper, nun will sie „auch nach ihrer Zeit als Opernscout der Oper treu bleiben“.

Musikalischer Genuss mit eindrucksvollen Stimmen

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Sassa von Roehl über die Premiere von „Samson et Dalila“

Etwas aufgeregt saß ich in der ersten Premiere meiner Zeit als Opernscout im Zuschauersaal und wurde schon gleich zu Beginn vom oratorienhaften Gesang des Chors und  der mystischen Atmosphäre düsterer Rauchschwaden in den Bann von Saint-Saens Oper Samson et Dalila gezogen. Die Chor-Sänger kamen als Hebräer und versklavte Bergarbeiter mit Stirnlampen langsam von „unter Tage“ auf die Bühne. Doch schnell erhellte sich die Szene und zeigte durchgängig ein für mich eher nichtssagendes Bühnenbild. Die Stimmung wechselte zum aggressiven Kampf gegen die als geldgierige Manager gezeigten Philister, von denen der Held Samson die Unterdrückten befreit. Die schöne Philisterin Dalila umgarnt Samson, der auf ihre Verführungskünste hereinfällt und ihr das Geheimnis seiner Kraft verrät. Im Sinne eines modernen Frauenbildes hätte ich mir Dalila als starke, unabhängige Priesterin gewünscht und nicht als Prostituierte im Glitzerfummel und Highheels. Ihr übertriebenes Outfit empfand ich eher nervig als passend. Es stand für mich beinah im Gegensatz zur beeindruckenden Stimme Ramona Zaharias. Ähnlich bei Michael Weinius, bei dessen  „Delila – je t´aime“ ich dahinschmolz, solange ich die Augen schloss. Für meinen – zugeben etwas romantischen – Geschmack hätten Samson dicke, schwarze Haarlocken zieren können, wo doch all seine Kraft genau darin liegt.  Wenigstens ein Hemd statt eines ausgeleierte T-Shirts  hätte ihm gut zu Gesicht gestanden, um seiner aufgetakelten Gegenspielerin äußerlich halbwegs ebenbürtig zu sein. Für mich wurde der Gegensatz Arm gegen Reich zu eindimensional und plakativ dargestellt. Die Inszenierung bemüht dabei viele Klischees, die Themen Geld und Bestechung wurden reichlich überstrapaziert.

Die Saint-Saëns Oper war für mich ein musikalischer Genuss mit eindrucksvollen Stimmen, aber als Kapitalismuskritik weniger geeignet.

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Dr. Sassa von Roehl
Social Campaining / Dozentin an der Heinrich-Heine-Universität

Dr. Sassa von Roehl engagiert sich für Zivilcourage und berät Gemeinnützige Projekte im Bereich PR. Als kulturinteressierte besucht sie oft das Theater Duisburg. Sie ist großer Martin Schläpfer Fan, im Bereich Oper allerdings eher ein „interessierter Neuling“. Gespannt startet sie nun in ihre erste Spielzeit als Scout für Oper und Ballett in Düsseldorf.

“…nicht von der Stange” – ein gelungener Saisonauftakt

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Michael Langenberger über die Premiere von „Samson et Dalila“

Die Düsseldorfer Inszenierung schließt, wenn man so will, an die verwirrende Entwicklungsgeschichte dieses Werkes an. War es von Saint-Saëns ursprünglich doch gar nicht als Opernwerk geplant. Und wer hätte gedacht, dass die Uraufführung in Weimar und dann auch noch in deutscher Sprache war? Ein ziemliches Durcheinander. Genau hierzu passen die erheblich überzeichneten Rollenbilder in der Düsseldorfer Inszenierung. Die z. T. weit über das platte Klischee hinaus gespielten Rollen, machen das Stück nicht nur lebendig und abwechslungsreich. Es bietet auch genügend Ansatzpunkte sich nach der Aufführung mit den verschiedenen Blickwinkeln und deren Bezug auf unser heutiges Leben auseinanderzusetzen.

Doch im Opernsessel, Vorort und live ist es ein Genuss, wie einem mit Bildern und Klang ein Schauspiel dargeboten, wenn Tonkunst nicht nur als perfekt gespielte und gesungene Musik verstanden wird. Besonders beeindruckend, wie der Chor unsichtbar, seitlich hinter der Bühne stehend die Breite der Bühne um viele Meter vergrößert.
Der Chor aus dem Off, einige unglaublich gefühlvoll gespielte Bläserpassagen lassen mein Musik-Herz genauso höher schlagen, wie die kraftvollen, monumental gespielten Einsätze der Düsseldorfer Symphoniker. Es war schön, zu sehen, wie Axel Kober seinen Spaß dabei hatte, Orchester, Chor und Solisten, so gut es nur geht in Szene zu setzen.

Womit wir dann bei Romana Zaharia, der Dalila wären. Ich hätte keine Idee, was sie hätte besser machen können. Wann bekommt man schon mal zauberhaften Gesang mit einer großartigen schauspielerischen Leistung, bei wahrhaftig ganzem Körpereinsatz, geboten? War Dalila auf der Bühne, schien sie mit ihrer Präsenz alle anderen zu erdrücken; schien Samson eher schwach. Was er m. E. überhaupt nicht war. Doch genau solche, unausgesprochenen Erwartung des Zuschauers (z. B. Männerstimme müsste kraftvoller als eine Frauenstimme sein), korrelieren mit den eingangs erwähnten Überzeichnungen der Rollenbilder.

Da passt eins ins andere. Ein wirklich gelungener Auftakt der neuen Spielzeit.

 

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Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach
Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

Statt zu essen – mal ein perfektes Ballett-Menu genießen

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Michael Langenberger über die Premiere von „b.40“

Wer ins Gourmet-Restaurant geht, weiß vorher, dass es da nicht um Burger- oder Pizza geht. Genauso wie jemand, der zum Ballett in die Düsseldorfer Oper geht, eben auch vorher weiß, dass ihm eine Auswahl erlesenster tänzerischer “Gourmet-Stücke” kredenzt werden. So auch jetzt wieder bei „b.40”.
Chefchoreograph Martin Schläper hält unter der großen Überschrift American Modern Dance ein fein abgestimmtes Ballett-Menu, äußerst unterschiedlicher, doch gerade dadurch sich ergänzender Inszenierungen für uns bereit. Für jeden Geschmack etwas; für den Ballett-Gourmet purer Genuss.

“Vorspeise” Pacific – Choreographie: Mark Morris
Moderne Klänge, die zwar harmonisch sind, jedoch nicht unbedingt musikalisch leicht ins Ohr gehen, bereiten Alina Bercu, Doo-Min Kim und Franziska Früh einen spritzigen Auftakt für ein farbenfrohen Auftritt von insgesamt 9 Tänzerinnen/Tänzern, der raumgreifend und abwechslungsreich Ohren und Augen Spass bereiten. Die Perfekte Grundlage für Lust auf mehr.
“1. Zwischengericht“ Locus Trio – Choreographie: Trisha Brown
Meine Sitznachbarn tuschelten “… das kann ich auch…”. Ich schätze mal, meine Sitznachbarn irren da gewaltig. Zwei Tänzerinnen und ein Tänzer, alle ganz in weiss gekleidet, liefern verschiedenste auf sich und das System organisierte Bewegungsmuster, innerhalb eines auf dem Tanzboden markierten Carrés, in bestem Modern-Dance-Verständnis ab. Obwohl ohne jegliche Musik, erleben wir Takt, Rhythmus und Dynamik. Konzentration auf Bewegung, den begrenzten Raum und Achtsamkeit auf die Mittänzer. Ein “Filetstück” Modern-Dance- Genusses (im Sinne von Modern Dance = Ballettqualität ohne gestellte Figuren und konzentriert auf optimale natürliche Körperbewegungsfähigkeit).
“2. Zwischengericht” Night Wandering – Choreographie: Merce Cunningham
Zu teilweise dissonanten Klängen mit einigen rhythmischen Brüchen, virtuos gespielt begleitet Alina Bercu am Klavier, Wun Sze Chan und Bruno Narnhammer bei ihrer Nachtwanderung in einem Modern-Dance Pas de deux. Das lange Fell-Kleid von Wun Sze Chan wirkt dabei auf mich gelegentlich sie in ihrer Bewegungsfähigkeit begrenzend. Doch hat die sich aus den Materialgründen ergebene Geradlinigkeit ihrer Bewegung auch ihren Reiz. Ich fand es eine extravagante Darbietung. Also noch ein „Filetstück“ zusammen mit der Musik dazu, den gesamten Rahmen von Modern-Dance Interpretation nutzend.
“Dessert” Offenbach Overtures – Choreographie: Paul Taylor
Spritzig, wuchtig, farbenfroh und musikalisch für die nicht so experimentierfreudigen Ballettbesucher, vollständig versöhnend, dann zu Abschluss szenisch getanzte Beobachtungen aus dem normalen Leben aus Offenbachs Zeit. Es geht um Liebe, sich necken, Duell und Versöhnung, Soldaten und elegante Damen, alle in knallroten Kostümen, besonders wirksam durch einen weißen Tanzboden in Szene gesetzt. Ein Augen- und Ohrenschmaus, so wie witziges Ballett, perfekt getanzt, gerne gesehen wird.

Ein vorzüglich zusammengestelltes Menu, mit feinsten Zutaten, großem Können aller “Köche” die dazu beigetragen haben; spitzig, anmutig, vielfältig. Sattgesehen und gehört, ohne erschlagen zu sein. Ein gelungener Abend.

Opernscouts 2018 / 2019

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt: Auf Standard und Latein folgten Salsa und Modern Contemporary Dance im tanzhaus nrw, wo er auch an öffentlichen Performances mit Profis und Laien mitwirkte. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze.

Eine Erfrischung mit Tiefgang

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Markus Wendel über die Premiere von „b.40“

Mit der vorletzten Ballett-Kreation dieser Spielzeit wird uns ein ganz besonderer Abend versprochen, mit vier gänzlich unterschiedlichen Stücken in der großen Tradition des American Modern Dance. Die Stücke sind allesamt nicht neu, feiern aber in dieser Zusammenstellung eine interessante und einzigartige Premiere.

Den Auftakt macht mit PACIFIC ein locker-leicht getanztes Stück, mit unangestrengter Piano- und Streicher-Begleitung. Alle Tänzerinnen und Tänzer tragen Röcke, was vielleicht seltsam klingen mag, im Ergebnis aber einige wunderbar ästhetische Bilder liefert. Ein gelungener Auftakt.
Nach der ersten Pause erleben wir zwei anspruchsvolle und kurze Stücke. LOCUS TRIO ist eine Art vertanzte Yoga-Stunde, in klinisch reiner Erscheinung, ohne Musik, und mit Bewegungsabläufen, die mich an einen mathematisch-geometrischen Zufallsmodus erinnern.
NIGHT WANDERING finde ich in seiner musikalischen Untermalung durchaus anstrengend, überzeugt mich allerdings mit einigen wirklich interessanten Haltefiguren, und einem nachdenklichen, intimen Ende.
Auch zeitlich eine angenehme Punktlandung.
Nach der zweiten Pause wird es turbulent. OFFENBACH OVERTURES ist sehr lebendig, mit einer ordentlichen Portion Humor, verrückten Charakteren, und einer Vielzahl kleiner Geschichten. Für mich das Highlight des heutigen Abends, vor allem aufgrund der musikalischen Eingängigkeit, vielen bekannten Melodien, und einer wirklich einfallsreich-witzigen Choreographie. Großes Lob auch an die Beleuchter, die es geschafft haben, gänzlich ohne Kulissen einen atmosphärisch dichten Rahmen zu schaffen, was für alle Stücke des heutigen Abends gilt.

Zusammenfassend ein wirklich schöner Ballett-Abend, den ich gerade aufgrund der gebotenen Vielfalt in guter Erinnerung behalten werde. Vielen Dank, und gerne mehr davon!

Wendel_Markus_Foto_Andreas_EndermannMarkus Wendel
Feuerwehrmann in Düsseldorf

Als neuer Scout folgt Markus Wendel in der Spielzeit 2018/19 frühen Spuren seiner Opernbegeisterung: Seine erste Begegnung mit Richard Wagners „Götterdämmerung“ hatte er 2003/04 im Düsseldorfer Opernhaus, und schon damals begeisterte ihn Linda Watson als Brünnhilde. Als Feuerwehrmann der Landeshauptstadt Düsseldorf kümmert sich Markus Wendel um die strategische Planung und Einsatzorganisation. Ganz besonders schätzt er seine Dienste im Opernhaus: Als Brandsicherheitswache beobachtet er die Aufführung dann von der Seitenbühne aus. „Ich mag das Gewusel hinter den Kulissen“, sagt der 39-Jährige. Was ihn aus dieser Perspektive besonders anspricht, schaut er sich gern noch einmal mit Freunden oder der Familie aus dem Zuschauerraum an.

Ein vierblättriges Kleeblatt

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Jenny Ritter über die Premiere von „b.40“

Ein Abend: 4  Stücke! Ein Thema:  American  Modern  Dance

1.Stück PACIFIC – Mark Morris
Gleich zu Beginn: ein wunderschönes Bühnenbild, das eigentlich gar keins ist. Es besteht nur aus Farbe: schwarz mit blauem Hintergrund, die ersten Tänzer tragen lange weiße  Röcke mit blauem Muster, die Frauen lange weiße Kleider mit blauem Muster. Das ergibt beim Tanzen wunderschöne Figuren. Das gleiche wiederholt sich mit grün, dann rot, und dann mischen sich die Farben – alles ist wunderschön und  ästhetisch anzusehen. Die kleine musikalische Besetzung besteht aus einem Trio (Franziska Früh/Violine,  Duo-Min-Kim/Violoncello, Aline Bercu/Klavier)
2.Stück LOCUS TRIO – Trisha Brown
weiß gekleidete Tänzer, auf dem Boden sind Quadrate (die vom Parkett aus nicht ganz einsehbar sind) in denen die Tänzer uns „Yoga für Fortgeschrittene“ präsentieren – ganz ohne Musik.
3.Stück Night Wandering – Merce Cunningham
Hier sind nur zwei Tänzer: Ein Paar alles sehr reduziert auch die Musik, die Kostüme Fell und erdig – hat sich mir nicht erschlossen. Jedoch ausdrucksstark getanzt!
4.Stück Offenbach Overtures – Paul Taylor
gleich zu Beginn, der Vorhang geht auf: wow, ein Bild, das sich mir sofort einprägt. Alles ist in rot schwarz gehalten. Wunderschön dynamisch und ästhetisch anzusehen. Endlich  Musik, die belebt, die Freude macht, die einlädt zum Tanzen von Jacques Offenbach. Herrlich, ich bin berauscht vom Tempo, von der Schönheit des Tanzes und vom Witz. Wieder gibt es eine Szene, die nur von Männern getanzt wird, witzig und voller Harmonie. Das Stück endet mit dem ersten Bild, das eine wunderschöne Postkarte abgeben würde, die ganze Vorstellung findet nur in den  Farben: Rot und Schwarz statt. Das Ganze ist ein Fest der Sinne.

Wie immer ist zum Schluss festzustellen, dass die Zusammensetzung der einzelnen Stücke genau in der richtige Reihenfolge erfolgte. Es war ein wunderschöner Abend, mein Dank geht an die wunderbaren Tänzer und Musiker und die vielen Beteiligten, die zum Gelingen des Abends beigetragen haben.

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Jenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin

Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und freut sich diesen als Opernscout in Düsseldorf abschließen zu können.

 

Ein Höhepunkt: Night Wandering

b.40 „night wandering“ ch.: Merce Cunningham

Hubert Kolb über die Premiere von „b.40“

Der Ballettabend b.40 umfasste sehr unterschiedliche vier Stücke, 7 bis ca.25 min lang. Höhepunkt für mich war das dritte Stück, Night Wandering von Merce Cunningham, mit der Musik von Bo Nilsson (Klavier solo, modern unharmonisch, aber dynamisch). Zwei animalische Menschen mit Fellkostümen von Robert Rauschenberg (!) gehen langsam auf die Bühne und beherrschen den Raum mit einem Tanz der Annäherungen und Scheinfluchten, eine Art Balztanz, der dann in einer Vereinigung endet. Alle Bewegungen sind ungewöhnlich, originell, stimmig, und weit weg vom klassischen Ballett. Ich war fasziniert.
Begonnen hatte der Abend mit einem ästhetisch schönen, geometrisch ausgerichteten Tanzstück, Männer und Frauen in Röcken (Pacific von Mark Morris). Da passten Kostüme, Bewegungen, Farbe und Licht. Und dennoch berührte mich das Stück nicht, alle Tänzer tanzten für sich, es ergab sich keine Beziehung zwischen den einzelnen Personen auf der Bühne.
Dann folgte ein kurzes Stück (Locus Trio von Trisha Brown) ohne Musik (!), bei dem drei Tanzende gemäß einem geometrischen Muster auf dem Boden Bewegungen durchführten, die mich immer wieder an Gymnastik erinnerten – wieder keine Beziehung zwischen den drei Personen erkennbar. Nach 7 min war Ende, ohne, dass dies für mich ein logischer Schlusspunkt war.
Nach der emotional berührenden Night Wandering kam zum fröhlichen Entspannen eine humorvolle Interpretation von mehreren Stücken von Jacques Offenbach (Offenbach Overtures von Paul Taylor). Alles war sehr lustig, gefällig, nett, klassisch getanzt – es gab Männer-Frauen-Konflikte, ein Duell, und eine (scheinbar) betrunkene Tänzerin. Man durfte zwischendurch lachen, aber der fehlende Tiefgang war für mich ein deutlicher Minuspunkt. Der Applaus war freudig und intensiv.

Kolb_Hubert_Foto_Andreas_EndermannDr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.

Musikalisch ein beeindruckendes, ergreifendes Festspiel

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Sandra Christmann über die Premiere von Richard Wagners „Götterdämmerung“

Um es vorweg zu nehmen, fasse ich die Irritationen, Unverständnisse und Befremdungen der Wagner Inszenierung in einem Satz zusammen, um sie dort stehen zu lassen und gebührend anerkennend die unglaubliche musikalische und gesangliche Brillanz zu bewundern.

Demnach vorab:
Frankenheim Alt, grüne Plastikstühle, Strickwaren, Plastikweihnachtsbaum, aktuelle Rheinprojektion, MS Wodan, Audrey Hepburn Schwester mit entsprechender Brille, Fahrradeinsatz, Flaggenverbrennung (die Intention der Historie durchaus verstanden), Tanzmariechen und leider auch die bedruckten Vorhänge sowie definitiv auch die kleine Schußsetzung von Gutrune…
…..haben weder eine geglückte stilbrüchige Rheinatmo verschafft noch humoresk ihre Wirkung getan.

Schockverliebt war ich von der ersten Sekunde in Brünnhilde – Linda Watson. Was für eine Frau, was für eine Sängerin.
Ihre Stimme, ihre Präsenz, sie beherrschte den Saal, die Bewunderer, aber insbesondere die Tragödie. Es scheint als habe Wagner seinen „Ring“ nur für sie geschaffen.
Manche schlossen die Augen während der Premiere um zu hören, aber SIE muss man anschauen. Grandios.
Ich wusste nicht wirklich was mich erwartet, aber über 5 Stunden Wagnerersterfahrung wurden durch diese Lady ein glückliches Moment. Und dann: Hans-Peter König, der König.
Hagen, neben Brünnhilde der zweite herausragende Führer dieser Götterdämmerung. Er hat Siegfried meines Erachtens überspielt. Seine Stimme und sein Spiel waren so eindringlich, dass ich zwischendurch vergaß, dass ich nur eine Zuschauerin bin. Ich hatte „Ehr“-„Furcht“.
Es wird einem schon eine unglaubliche Konzentration abverlangt, aber mir ist völlig klar, warum es so eingefleischte Wagner-Fans gibt.
Was für ein unfangreiches Kunstwerk hier dargeboten wurde. Beeindruckend.
Und ich verbeuge mich natürlich vor Herrn Kober.
Spannend und anstrengend, komplex und eindringlich ist Wagners Komposition. Eine sehr große Leistung vom Orchester.

Und das meine ich: musikalisch war für mich dieser Abend in jeder Hinsicht ein beeindruckendes, ergreifendes Festspiel. Danke.

Christmann_Sandra_Foto2_Andreas_EndermannSandra Christmann
Kulturmanagerin

Sandra Christmann liebt Düsseldorf, ihre Wahlheimat, und die Kunst. Als Geschäftsführerin von ArtPartner Relations engagiert sie sich für die Kunstsammlungen NRW im Bereich Veranstaltungsmanagement, Sponsoring und Drittmittelakquise. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben dieser Arbeit hat sie ein Hilfsprojekt in Kenia ins Leben gerufen und schreibt ihren ersten Roman. Ihr Netzwerktalent, die Liebe zur Kunst und zum Schreiben nutzt sie jetzt auch als Opernscout.

 

Götterdämmerung – ein Rausch für die Sinne

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Michael Langenberger über die Premiere von Richard Wagners „Götterdämmerung“

Einfach berauschend was dem Ohr und dem Auge bei der Götterdämmerung geboten wird. Trotz langjähriger, mannigfaltiger Erfahrungen bei verschiedensten Live-Events, habe ich persönlich noch niemals zuvor ein solches Klangerlebnis erfahren. Dabei meine ich nicht alleine nur die Interpretation des Werkes, von der ich sagen würde: Genau so hätte es der Meister selbst dirigiert. Was Axel Kober zusammen mit den Düsseldorfer Symphoniker hier zelebriert ist zum mit der Zunge schnalzen. Ein 3-D-Raumklang, wie es selbst die allerbesten HiFi-Bausteine niemals aus einer digitalen Konserve zustande brächten, verwandelt die Bühne in einen Raum mit vielen meterweiter Tiefe – wirklich einmalig!

Dazu dann das scheinbar recht eintönige Bühnenbild, mit einer sich rheinabwärts dahingleitenden, verrosteten MS-Wotan. Für das Auge des Betrachters bewegt sich die MS-Wotan wahrhaftig. Denn unaufdringlich verwandeln sich die anfänglich den Bühnenhintergrund begrenzenden Stoffe zur Projektionsleinwand einer Rheinfahrt, gerade so, als säße man als stiller Beobachter auf einem der MS-Wotan folgenden Schiff – erlebt die Szenerie – die beeindruckend dargebotenen Gesänge und Schauspiele – lässt sich treiben und beeindrucken…

Wer sich bislang aus Sorge vor der zeitlichen Länge (<4h) dieses Monumentalwerks nicht in Oper getraut hat, sei diese Inszenierung, aus o.g. Gründen, wärmsten ans Herz gelegt. Darüber hinaus hält der Regisseur D.W. Hilsdorf Überraschungen bereit – für den einen zum Schmunzeln, für den anderen Aufreger – oder Sie belassen es bei einem Rausch für die Sinne.

Opernscouts 2018 / 2019Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt: Auf Standard und Latein folgten Salsa und Modern Contemporary Dance im tanzhaus nrw, wo er auch an öffentlichen Performances mit Profis und Laien mitwirkte. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze.

Mit der Götterdämmerung schließt sich der Kreis

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Mit der „Götterdämmerung“ schließt sich der Kreis/“DER RING“

Das Bühnenbild, das Schiff auf dem Rhein – mal mit Nebel, mal ohne – war stimmig.
Die Kostüme – in den Farben der „Clan-Zugehörigkeit“ zugeordnet, war auch stimmig.
Es gab ein paar Bilder, die einfach nur lächerlich waren:
Brünnhilde strickend unter dem Weihnachtsbaum???
Die Gäste im Karnevalskostüm mit Funkemariechen peinlich.
Dazu Kirmesbeleuchtung und Bier. Die Marke werde ich nicht verraten.
Was sollte das?

Nichts ist von den Göttern übriggeblieben – man muss auch niemandem eine Träne nachweinen. Die Macht des Gottes Wotan war auf Raub – an der Weltesche,  Diebstahl und List an  Alberich um ihm das Gold zu entreißen – aufgebaut. (Auch er ein Dieb, hat er doch das Gold den Rheintöchtern geraubt.
Siegfried: aufgewachsen ohne Liebe, Kultur und Wissen, nur mit der Aufgabe betraut, das Schwert zu schmieden und zu gebrauchen, damit Wotan seine Macht behält.
Hagen: aufgestachelt durch den Hass seines Vaters konnte sich davon nicht befreien.

Der Psychologische Aspekt:
Hass „vererbt“ sich über Generationen, wenn nicht einer diesen „Brauch“ durchbricht. Brünnhilde hätte das Zeug gehabt die Familie/die Welt zu verändern aber alleine gegen soviel Gier, Hass und Dummheit ist das nicht zu schaffen.

Mit Schwerter und Waffen, lässt sich kein Konflikt lösen. Wann wird der Mensch das begreifen, dass man mit Gewalt nichts erreichen kann. Wie immer muss die Einsicht in der kleinsten Zelle – der Familie – beginnen.

Die Erkenntnis, dass die Götter schlimmer sind als die Menschen ist auch erschreckend! Aber vielleicht sind die Menschen und die Götter EINS.

Das Begräbnis von Siegfried lässt hoffen, es werden alle Fahnen, der letzten Epochen mit ihm begraben (beginnend mit der französischen Fahne natürlich auch die Nazi-Fahne bis hin zur deutschen Fahne) es bleibt eine Weiße Fahne. Ein Neuanfang.

Für mich ein sehr bewegender und aufwühlender Abend, der mich sicherlich noch einige Zeit beschäftigen wird. Dank und Glückwunsch an alle wunderbaren Sängerinnen und Sänger, an die Düsys und an Axel Kober.

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Jenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin

Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und freut sich diesen als Opernscout in Düsseldorf abschließen zu können.

 

Wenn die Götter Trauer tragen…..

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Henning Jüngst-Warmbier über die Premiere von Richard Wagners ,,Götterdämmerung“

…..“Götterdämmerung“, da posaunen viele gleich in ein Einheitshorn: laut, lang, schwer verständlich, zeitraubend.

All diese Kritikaster hätten gestern Abend in der Deutschen Oper am Rhein eines Besseren belehrt werden können. In der Rheinischen Post konnte man schon morgens en detail das Bühnenbild betrachten, das die Lust auf den Abend noch steigerte.Gerade meinen Platz eingenommen, kam auch schon eine der Nornen auf die Bühne und machte es sich am Rhein vor der MS Wotan bei einer Tasse Kaffees gemütlich.
Das Vorspiel begann und ihre Schwestern gesellten sich hinzu, um uns herrlich inszeniert und vortrefflich gesungen ein, „was bisher geschah“ darzubieten.
Kaum hatten sie uns ihre düstere Prophezeihung kundgetan, hob sich der Vorhang und das Schiff steuerte langsam aber stetig in den Untergang.

Um die Sache ein wenig abzukürzen, möchte ich sagen, dass ich den Abend als einen ganz hervorragenden empfunden habe.
Brünnhilde – Linda Watson, die von mir sehr verehrte ‚raumgreifende Erscheinung‘, Gunther – der stimmgewaltige Bogdan Bacio und Hagen – der phantastische Hans-Peter König, rissen mich zu Begeisterungsstürmen hin.
Axel Kober bewies mit seinen Düsseldorfer Symphonikern einmal mehr, dass er und sein Orchester zu den ganz Großen gehören und auch der Chor bewies erneut, welche Qualität er hat! So vergingen die Stunden wie im Fluge und ich war glücklich, dieser Götterdämmerung beigewohnt zu haben.
Man sagt ja, dass die Oper erst zu Ende sei, wenn die ‚dicke Dame‘ den letzten Ton gesungen habe…, am gestrigen Abend hätte ich mir gewünscht, der Dame noch stundenlang zuhören zu können.
Das Bühnenbild hingegen, das mir morgens soviel Laune gemacht hatte, fand ich gar nicht mehr so gut gewählt und den Auftritt als Rot-Weiße-Prinzengardisten hätte man den ehrbaren Choristen ersparen können. Wen interessieren spagatübende Funkenmariechen in der Götterdämmerung?

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Henning Jüngst-Warmbier
Freiberuflicher Dozent an der Zukunftswerkstatt Düsseldorf

Nach seiner langjährigen Tätigkeit als Hoteldirektor in Düsseldorf bringt Henning Jüngst-Warmbier seine berufliche und pädagogische Erfahrung heute ehrenamtlich in der Zukunftswerkstatt Düsseldorf ein: Seit mittlerweile acht Jahren realisiert er dort Projekte für und mit Langzeitarbeitslosen, Migranten und Flüchtlingen. Mit dem Kulturleben der Stadt ist er seit vielen Jahren über Freunde und Bekannte verbunden. Auch in seiner zweiten Spielzeit als Opernscout möchte er seine eigene Sichtweise präsentieren, über seine Empfindungen sprechen und erzählen, wie er das Gesehene erlebt hat.

 

 

 

Und über allem ein Regenbogen…

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Markus Wendel über die Premiere von Richard Wagners ,,Götterdämmerung“

Richard Wagners Götterdämmerung auf einem rostigen Frachtkahn auf dem Rhein. Darauf hat die Welt gewartet. Das Regiekonzept von Dietrich W. Hilsdorf finde ich vielfältig und unterhaltsam. Brünnhilde sitzt strickend am Weihnachtsbaum, es wird gemordet, Heroin konsumiert, Fahrrad gefahren, Flaggen werden verbrannt, der Chor trägt Karnevals-Garde-Uniform, und dazu gibt es Krähen im Surround-Sound. Das mag für viele Leute streitbar sein, aber seit dem letzten Ring in Bayreuth weiß ich, was auch sonst alles funktionieren kann. Ich selbst bin immer dankbar für neue Bilder und Sichtweisen auf ein Werk.

Klar im Vordergrund stand für mich die musikalische Qualität am Premierenabend in Düsseldorf. Axel Kober trieb die Düsseldorfer Symphoniker zur Höchstleistung und baute hiermit das Fundament für eine durchgängige Spannung und Emotionalität. Er dirigierte klar, akzentuiert und unglaublich dynamisch. Respekt. Und auch der Gesang bescherte mir so einige Gänsehautmomente. Neben der unfassbaren Bühnenpräsenz von Linda Watson und Hans-Peter König erlebte ich eine bis in die Nebenrollen wunderbare Besetzung. Brünnhilde, Hagen, Siegfried, Gunther und Co. sangen und spielten, als ob es kein Morgen mehr geben würde. Wahnsinn.
Ich schreibe diesen Text einen Tag nach der Vorstellung, und ich muss sagen, ich bin nachhaltig beeindruckt.

Eine kurze und verrückte Geschichte am Rande: Meine allererste Oper war tatsächlich die Götterdämmerung. Vor fünfzehn Jahren, auch hier in Düsseldorf, und mit Linda Watson als Brünnhilde.

Ich freue mich auf den Ring-Zyklus in Düsseldorf im kommenden Jahr!

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Markus Wendel
Feuerwehrmann in Düsseldorf

Als neuer Scout folgt Markus Wendel in der Spielzeit 2018/19 frühen Spuren seiner Opernbegeisterung: Seine erste Begegnung mit Richard Wagners „Götterdämmerung“ hatte er 2003/04 im Düsseldorfer Opernhaus, und schon damals begeisterte ihn Linda Watson als Brünnhilde. Als Feuerwehrmann der Landeshauptstadt Düsseldorf kümmert sich Markus Wendel um die strategische Planung und Einsatzorganisation. Ganz besonders schätzt er seine Dienste im Opernhaus: Als Brandsicherheitswache beobachtet er die Aufführung dann von der Seitenbühne aus. „Ich mag das Gewusel hinter den Kulissen“, sagt der 39-Jährige. Was ihn aus dieser Perspektive besonders anspricht, schaut er sich gern noch einmal mit Freunden oder der Familie aus dem Zuschauerraum an.

Beim Speed-Dating danebengelegen

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
„b.36 – Schwanensee“ FOTO: Gert Weigelt

Roland Schüren über die Ballettpremiere „Schwanensee“

Ist es nicht einfach viel, viel besser mit den Freunden locker-lustig durch die Lande zu ziehen, als sich in unglückliche oder glückliche Liebschaften zu stürzen?

Vorab: Die „Schwanensee“ – Uraufführung von Martin Schläpfer ist ein grandioser Augen- und Ohrenschmaus. – Wunderbar! So kurzweilig! So perfekt umgesetzt! So etwas Schönes! Das war kein klassisches Ballett, das war ganz großes kreatives Tanzkino, das die Handlung von Schwanensee tief- und hintergründig erzählt. – Hammer! Beschwingt, ironisch-humorvoll, traurig, lustvoll, nachdenklich-ruhig, albernd, sportlich-schnell – alle Aspekte kommen vor und sie sind jeweils passend in die verschiedenen Szenen integriert. Die Düsseldorfer Symphoniker um Axel Kober sind wie immer top, 1A, besser ist Tschaikowsky nicht vorstellbar. Die Kostüme sind eine moderne Weiterentwicklung des Antlitzes des Balletts ganz ohne Tutu, nicht aber die Klassik von Schwanensee verleugnend. Ebenso die Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer, schon klassisch, dennoch mit passend ballettfremden Elementen ergänzt. Ich will das sofort noch einmal sehen!

Zurück zur Frage „Spaß mit Freunden versus Liebschaften“. Schaut man sich den 1. Akt an, muss die Antwort auf die eingangs gestellte Frage wohl pro „Spaß mit Freunden“ ausfallen. Der 2. Akt spricht inhaltlich eindeutig für den Zauber einer frischen, jungen Liebe. Und der 3. Akt? Mega-Kino: Er spielt in einem für Prinz Siegfried von der eigenen Mutter organisierten Speed-Dating-Event. Spannung. Ich klebe an der Story. Wer ist denn jetzt die Chimäre, diese geheimnisvolle Fake-News-Braut? Ist es die Weinrote, die Blaue oder die gar die Schwarze? Alle tanzen so, so schön, so grandios, so anmutig-begehrenswert. Ist es vielleicht die Große, die zwischendurch niveauvoll und humoristisch daher kommt? Für welche Braut wird sich Siegfried entscheiden? (Bin ich hier etwas im Ballett?) – Ja, sie ist es! Camille Andriot bezaubert als die Chimäre Odile auch mich im Publikum. Klar, dass Siegfried auf sie hereinfallen muss. Der 4. Akt bringt mir dann ganz eindeutig die Antwort auf die Frage, die mich in dieser Uraufführung seit dem 1. Akt verfolgt: Im Zweifelsfall entscheide ich mich besser für die Freiheit und das unbeschwerte Leben mit Freunden anstatt für riskante Liebschaften. Diese führen in den Tod. Hier zumindest in den doppelten Bühnentod.

Ich feiere meinen baldigen, nicht runden Geburtstag jetzt doch etwas größer und lade gleich morgen meine alten Kumpels ein. Martin Schläpfer sei Dank.

Opernscouts 2017 - Roland SchürenRoland Schüren
Inhaber der Bäckerei „Ihr Bäcker Schüren“

Bereits in vierter Generation führt Roland Schüren den Familienbetrieb „Ihr Bäcker Schüren“ mit Hauptsitz in Hilden. Mit seinem Anspruch an Qualität, Produktvielfalt und Nachhaltigkeit gilt er als einer der besten und innovativsten Handwerksbäcker in Düsseldorf und der Region. Ihm und seinen Bäckern macht es Spaß, alles selbst herzustellen – ohne Fertigmischungen und Massenproduktion, dafür mit viel Zeit und handwerklichem Können. Da gibt es doch Parallelen zu unserem Opern- und Ballettproduktionen …

Etwas, das glücklich macht

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b.35 – Abendlied FOTO: Gert Weigelt

Anja Spelsberg über den Ballettabend „b.35“

Einer meiner Lieblinge, wenn es um die Stücke geht, die das Ensemble in dieser Spielzeit auf die Bühne gebracht hat. „Decadance“ von Ohad Naharin trifft den Zeitgeist, ist wild und harmonisch zugleich, reißt den Zuschauer mit und hat mich stellenweise sehr gerührt. Besonders positiv habe ich das Pas de deux zwischen zwei männlichen Tänzern im Gedächtnis behalten.
Hätte ich nicht erfahren, dass es sich bei Ben J. Riepe um einen Performance-Künstler handelt, ich hätte nicht gewusst, wie ich mit „Environment“ umzugehen habe. Definitiv ein Stück, dass man nicht im Ballett erwartet und dennoch so lohnenswert. Gleichsam verstörend und aufschlussreich und, wie auch schon „Decadance“, absolut am Puls der Zeit.
Das Abendlied von Remus Şucheanăs mit der Musik von Schubert versöhnte mich danach aber wieder. Eine Tatsache, die mich immer mit einem guten Gefühl aus den Ballettabenden gehen lässt: die Abende enden gefühlt immer mit etwas angenehmen, harmonischen, etwas, dass glücklich macht.

Opernscouts 2017Anja Spelsberg
Sozialpädagogin
Anja Spelsberg ist Sozialpädagogin in der ambulanten Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf. Sie berät und unterstützt Eltern und hilft Familien im Zusammenleben, dabei ist sie besonders in Düsseldorfs sozialen Brennpunkten unterwegs. Das allererste Interesse an der Oper weckte ihre Großmutter mit gemeinsamen Opernbesuchen. Jetzt freut sie sich, ihre Begeisterung mit anderen Besuchern zu teilen und mit den Opernscouts über die Inszenierungen zu diskutieren.

Modernes Tanztheater – Skurrile Performance – Klassische Spitzen

b.35. Ballett am Rhein Düsseldorf/DuisburgEnvironment ch.: Ben J. Riepe
b.35 Environment – Ben J. Riepe FOTO: Gert Weigelt

Georg Hess über die Ballettpremiere „b.35“

Ohad Naharins „Decadance“ ist eine energiegeladene Vorstellung, die viel mehr modernem Tanztheater als Ballett nahe kommt, aber dennoch ein starkes und ganz außergewöhnliches Erlebnis im Saal der Düsseldorfer Oper bietet. Zu klassischer bis moderner Musik zeigen die zahlreichen jungen und lässig gekleideten Tänzer und Tänzerinnen mal schnelle, mal langsame, mal sehr gegenläufige, mal enorm synchrone, aber stets gefühlvolle,  ästhetische und mitreißende Bewegungsabläufe.
Mit „Environment“ stellt Ben J. Riepe dann eine moderne und bizarre Performance mit ganz viel außergewöhnlicher, zumeist gesichtsverhüllender Haute Couture vor, in der kaum Tanz- und noch weniger Ballettelemente zu finden sind. Eine sehr skurrile und unerwartete Inszenierung im Opernhaus mit ganz vielen bunten Szenen und Bühnenveränderungen, die permanent von einem Darsteller in Frack und Zylinder begleitet wird.
Zuletzt dann die Premiere von Remus Şucheanăs Choreographie „Abendlied“. Hier findet der Ballettfan zu Musik von Schubert über vierzig Minuten hinweg seinen romantischen Frieden. Sehr klassisch mit viel Spitzentanz und musikalisch sehr schön bespielt von Alina Bercu (Klavier), Franziska Früh (Violine) und Nikolaus Trieb (Violoncello).
Drei sehr unterschiedliche Stücke – gerade deswegen (und gerade in der Oper) alle sehr sehenswert. Mein persönliches Highlight des Abends? Decadance!

Opernscouts 2017

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an die  Freunde, Kollegen, Klienten und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Ein ambivalenter, von unterschiedlichen Stimmungen getragener Premierenabend

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b.35 – Decadance FOTO: Gert Weigelt

Susanne Bunka über die Ballettpremiere „b.35“

Ohad Naharins „Decadance“ hat mich von Beginn an begeistert; ein wie immer tanzbegeistertes und -begeisterndes Ensemble zu toller, intensiver, mal wilder, mal entspannter Musik. Man möchte sich mitbewegen…
„Environment“ von Ben J. Riepe…schwierig! Gedanken und Informationen, die permanent mündlich vorgetragen werden. Dazu buntgewandete Tänzer, die mehr posieren als tanzen. Die Andeutung des Abendmals, des Weltuntergangs… Ist die Botschaft die, dass der Mensch aus seinen Fehlern nicht bereit ist zu lernen?
Schließlich Remus ŞucheanăsAbendlied“… Ruhe, klassisches Ballett, die wunderschöne Musik Schuberts…das alles versöhnt bei aller Nachdenklichkeit. Ein Mann, der seinen Platz im Leben nicht findet, die Liebe, nach der er sucht, nicht sieht. Ich frage mich: Ist das echt oder ist alles nur ein Traum?

Opernscouts 2017

Susanne Bunka
Inhaberin des Angercafés in Urdenbach
Vor drei Jahren hat sich die ehemalige Kinderkrankenschwester Susanne Bunka einen Traum erfüllt: Zusammen mit ihrer Tochter betreibt sie das Angercafé in Urdenbach – ein Treffpunkt für alle Generationen, in dem auch Lesungen und kleine Konzerte und Chorproben stattfinden. Sie liebt die großen Opernklassiker, ist gleichermaßen offen für zeitgenössisches Musiktheater und Ballett und freut sich darauf, Ihre Eindrücke im Gespräch zu vertiefen.