Heike Stehr über b.31

Das Leben ist ein Traum

Die Ballettpremiere b.31 stand auf dem Programm des neuen Abends als Scout und zugegebenermaßen freute ich mich ganz besonders auf diese, auf die Ballettcompagnie der Deutschen Oper am Rhein, auf das Erzählen mittels Tanz, Körper, Bewegung, Dynamik und die Geschichten in den Bildern, die dabei gezeichnet werden.

Das erste Stück des dreiteiligen Abends lässt uns eintauchen in Martin Schläpfers Reich aus Poesie, Geheimnis und Vielfalt. Wie in einer Collage setzt Schläpfer ein spannungsreiches Bild aus sieben heterogenen Musiken zusammen von Marla Glenn bis Mozart, von mir-vertraut bis mir-ganz-neu und nennt es „Obelisco“. Doch „in Stein gemeißelt“ ist hier gar nichts. Nicht einmal das Stück selbst, das 2007 für das ballettmainz entstand und nun 10 Jahre später neu einstudiert und grundsätzlich überarbeitet wurde. Martin Schläpfer sagte dazu selbst im Interview: “ … man muss die Glut wieder entfachen, damit eine Arbeit leuchtet … Man muss jede Kreation wieder neu texten. Man arbeitet mit andern Tänzern, anderem Licht, anderer Bühne. Das ist fast mehr Arbeit als eine neue Choreografie.“ Und diese Arbeit mit den Tänzern der Deutschen Oper am Rhein ergibt eine Kreation, die überzeugt und in den Bann zieht. So verschieden wie die Musiken sind die Tanzereignisse, besonders berühren mich die beiden Solotänze. Marcus Pei tanzt eindrücklich zu Schuberts „Du bist die Ruh“ und Marlúcia di Amaral zeigt 7 Minuten Spitzentanz bewegt-bewegend zu „Anâgâmin“ von Giacinto Scelsi. Hinterlegt sind alle Stücke von einem sparsamen Bühnenbild, verbunden durch verschiedene Kostüme aus dem gleichen Spitzenstoff, auf dem das Licht mit tanzt, und durchzogen von der virtuosen Bewegungskunst der Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie.

Nach der ersten Pause erklingt das Adagio aus Beethovens Sonate Nr. 29 für das Hammerklavier in einer extrem langsamen Einspielung von Christoph Eschenbach. Und das, was Hans van Manen 1973 tänzerisch dazu kreierte, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Balanceakt, ein Tanz am Rande des Gleichgewichts … als ob sich ein Pendel immer wieder ganz langsam zum Umkehrpunkt bewegt und dort gleichsam anzuhalten scheint … so fühlen sich in mir die Bewegungen der Tänzer an, voller Virtuosität und Behutsamkeit. Drei Paare tanzen auf Spitzenschuhen, gemeinsam, in Gruppen und jedes seinen eigenen Pas des deux, das ist bestechend schön und tief berührend. Im Hintergrund wellt sich ein blass blaues Tuch im Luftzug, fragil und melancholisch wie der Tanz, und mit dem Hin und Her des Pendels zieht in mir die vollkommene Ruhe ein. Eigentlich möchte ich jetzt genau da bleiben.

Aber nach einer weiteren Pause folgt ja noch „SH-BOOM!“ von Sol León und Paul Lightfoot. Das Stück irritiert mich zunächst mit fratzenhafter Ironie und slapstickhaftem übertriebenem Humor. Populäre Hits der 20er bis 50er Jahre reißen mich aus meinem klassischem Ballettzauber und wollen mich mit schmissiger Musik in eine ganz andere Richtung des Tanzens locken. Mit vielfältigen tänzerischen Mitteln bei hohem Tempo und gleichzeitiger Präzision und Genauigkeit der Bewegungen agiert die Compagnie in diesem „Revuetheater“. Spätestens in dem Moment, in dem vier Tänzerinnen in vier Lichtkegeln synchron tanzen, packt mich dann auch das letzte Stück des Abends mit seiner Lebendigkeit und Energie. „Life could be a dream“ versprechen der titelgebende Song des Stücksund die kleinen Zettelchen, die zum Finale auf uns hinab flattern. Aber warum nur steht das in Konjunktiv, frage ich mich … Das Leben ist ein Traum, wenn man einen solchen Ballettabend erleben darf.

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Heike Stehr
Erzieherin
Kunst spielt in Heike Stehrs Leben eine große Rolle: Neben ihrer Arbeit als Erzieherin in einer KiTa macht sie eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin und betreibt den Blog http://kunstlebendig.blogspot.de. Sie besucht besonders gerne Ausstellungen, Programmkinos, Theaterstücke, Konzerte und Ballett. Auf den Bereich Oper, der für sie weitgehend Neuland ist, ist sie aber sehr gespannt. Sie freut sich, als Opern- und Ballettscout Kunst erleben und ihre individuellen Eindrücke an andere weiter geben zu können.

Martin Breil über b.31

„Life could be a dream“  oder  „lebst Du noch ?“

Drei Bilder, die gegensätzlicher nicht sein könnten und doch ein Ganzes. So könnte man die Premiere von b.31 im Theater Duisburg zusammenfassen.
In seiner Choreographie „Obelisco“ führt Martin Schläpfer seinem Publikum die Diversität des Menschen, der Musik und des Balletts vor Augen. In sieben Szenen präsentiert er gegensätzlichste Gangarten, sei es auf Plateausohlen, High Heels oder Zehenspitzen und zu unterschiedlichsten Musikstilen. Bewegen wir uns nicht trotzdem alle auf dem gleichen Planeten und rotieren um eine gemeinsame (Erd-)Achse, die einem Obelisken gleicht? Abwechslungsreich und spannend ist das und macht vor Konventionen keinen Halt.
„Adagio Hammerklavier“ des Altmeisters Hans van Manen ist eine Verbeugung vor der Schönheit. Drei in gazegleichen Kostüme gehüllte Paare bewegen sich zu einer von Christoph Eschenbach extrem entschleunigten Interpretation von Beethovens Meisterwerk, dem Adagio der „Großen Sonate für das Hammerklavier Nr. 29 B-Dur op.106“. Im Hintergrund nur ein, in schier unendlicher Kontinuität, wellenförmig wogendes Tuch als Bühnenbild. Intimer und andächtiger geht es kaum. Die totale Reduzierung der Ausdrucksmittel auf das Wesentliche versetzt mich in Andacht. Die Ästhetik der Bewegungen ist kaum zu fassen, einfach traumhaft.
Der Traum vom Erfolg auf den Brettern, die die Welt bedeuten, bringt so manchen zur Herausgabe seines letzten Hemdes. So zu erleben bei „Sh Boom!“, dem letzten Teil des Abends. Mit bitterer Ironie führen uns Sol Leon & Paul Lightfoot in unterschiedlichen Revuenummern den Glanz und Glamour der Unterhaltungsindustrie vor Augen. Deren Faszination beruht allerdings in der Regel auf dem Schweiß und der Hingabe der Künstler. Eine ganz andere Form der Traumdeutung im Vergleich zu den vorher gezeigten Bildern. Peppig und skurril endet der Abend im Konfettiregen.
Wieder einmal beglückt Martin Schläpfer sein Publikum mit einem spannenden, abwechslungsreichen Ballettprogramm, das, wie ich meine, wegen seiner Zusammenstellung zu den eindrucksvollsten seiner Produktionen an der DOR zählt.

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Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau
Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

Ralf Kreiten über b.31

Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg
b.31  Obelisco  c.: Martin Schläpfer

Begeisternder Ballettabend – Tanz zwischen Spaß, Schönheit und Slapstick

b.31 nennt Martin Schläpfer den neuen dreiteiligen Ballettabend, der am Samstag in Duisburg eine begeisternde Premiere feierte.
In Teil eins zeigt Martin Schläpfer seine 2007er Choreographie aus Mainz, allerdings frisch überarbeitet. Da stampfen drei Paare in glänzenden Plateaustiefeln wie auf einem Laufsteg, dann sucht ein Paar die Balance und geht an die Dehnungsgrenzen. Ein bedrückend beeindruckendes Solo, sieben Minuten auf Spitze, verlangt von Marlúcia do Amaral höchste Perfektion und Konzentration – Bravo. Zum Schluss noch ein Pas de deux zum „Opernball“ auf schwarzen Highheels.
Beim Tanz um den imaginären Obelisken stehen Füße und Schuhe im Mittelpunkt der sieben kleinen Szenen. Geht es also um den Kontakt zur Erde, zur Welt, und wie wir damit umgehen? Auf jeden Fall bringt Schläpfer seine Tänzer, begleitet von einem unorthodoxen Musikmix (an diesem Abend aus der Konserve), an den Rand des Möglichen.
Ballett zum Zurücklehnen und Genießen folgt in Teil zwei. Die Choreographie von Hans van Manen aus 1973 zu Beethovens „Adagio Hammerklavier“ ist sehr langsam, harmonisch und von betörender Schönheit, wenn die drei Paare, die Männer in weißen Hosen mit freiem Oberkörper und glitzernden Ketten, die Frauen in wehenden Kleidern, in ihren Bewegungen gleichsam über die Bühne fließen. Auf der schwarzen Bühne unterstreicht das im Hintergrund in gleichmäßigen Wellen wehende weiße Tuch diese Leichtigkeit des Tanzes.
Ein Traum von einem Ballett.
Slapstick und Klamauk, bestimmen den dritten Teil, „Sh-Boom“, von Sol León und Paul Lightfoot. Wir werden zurückversetzt in die Zeiten einer Revue aus den 20er / 30er Jahren. Seien es der mechanisch grinsende Clown, die beiden Tänzer mit der affektierten „Sprechrolle“, vermeintliche Nummerngirls oder die Herren, die ihre Hosen verloren haben und in Feinripp weiter agieren; dies ist alles ein herrlicher Spaß, mit immer wieder perfekt tanzenden Solisten.
Insgesamt große Kunst und große Unterhaltung, die auch den weniger ballettbegeisterten Zuschauer mitnimmt.

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OpernscoutsRalf KreitenRalf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld
Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

Christoph Grätz über „Der Graf von Luxemburg“

Fräulein Titellos verliebt sich in Graf Mittellos

Den Theaterleuten war die Erleichterung anzumerken, dass die Premiere des Grafen von Luxemburg ohne Komplikationen über die Bühne gegangen ist. Kein Wunder, ist diese Inszenierung doch besonders opulent und mit Liebe zum Detail ausgestattet, was Bühnenbild, Kostüme und Requisite betrifft. Es kommt einem so vor, als hätten die Bühnenbildner, die Maler, die Schreiner und Schneider und alle anderen Gewerke der deutschen Oper am Rhein besonders Spaß gehabt, alles zu geben.
Schon die Eröffnungsszene war vielversprechend, in der sich das junge verliebte Bohmien-Pärchen Armand Brissard, gut gesungen von Cornel Frey, und seine Freundin Juliette Vermont (Lavinia Dames) schließlich in Farbe wälzen. Mit viel Spielfreude vorgetragen war dann auch die etwas krude Geschichte des liebestollen russischen Fürsten Basil Basilowitsch, der um die schöne Angèle Didier buhlt. Damit die Heirat standesgemäß ist, besticht er den ständig klammen René, seines Zeichens Grafen von Luxemburg, die Schöne zu heiraten und sich rasch wieder scheiden zu lassen und damit den Weg für die nun adelige Hochzeit frei zu machen. Ein Plan, der dann jedoch an der entflammenden Liebe der beiden Protagonisten scheitert: Fräulein Titellos verliebt sich in Graf Mittellos. Mit der Folge, dass dieser nun ständig vor den drei Gorillas des russischen Möchtegern-Edelmannes fliehen muss. Wäre da nicht die Respekt einflößende Gräfin Kokozowa, die der Operette schließlich die glückliche Wendung, dem Fürsten einen Dämpfer gibt und dem verliebten Paar die bereits geschlossene Ehe ermöglicht.
Die Geschichte ist recht schnell erzählt und eigentlich nicht wirklich wichtig, ja vielleicht sogar eher belanglos. Der Abend bietet seichte Unterhaltung was die Handlung betrifft, der die Musik nichts wirklich Tiefes entgegensetzt. Der Graf von Luxemburg, gespielt und gesungen von Bo Skovhus, schien mir stimmlich nicht auf der Höhe zu sein, einzelne Textpassagen kamen nicht durch und es lag nicht am Orchester, das Lukas Beikircher souverän leitete. Auch Bruce Rankin in der Rolle des Fürsten Basilowitsch hat mich an diesem Abend gesanglich nicht durchgehend überzeugend. Anders dagegen die drei Frauenstimmen, Juliane Banse als Angèle Didier, Lavinia Dames als Juliette Vermont und Doris Lamprecht als Gräfin Stasa Kokozowa , die spielerisch und gesanglich sehr präsent waren.
Der dritte Aufzug überraschte dann mit einem hohen Anteil Sprechtheater mit Bezügen zur Gegenwart, die für meinen Geschmack etwas subtiler hätten ausfallen dürfen, wie etwa die Anspielungen auf den künftigen Präsidenten der USA. Durchgängig witzig und unterhaltend waren die drei „Gorillas“ des Grafen, die nach Herzenslust alle Klischees der Russen-Mafia bedient haben. Wunderbar abgestimmt in Größe, Witz und Ausdruck war es ein großes Vergnügen den drei schrägen Typen, gespielt von Luis Fernando Piedra, Karl Walter Sprungala und David Jerusalem bei ihrer Mafia Parodie zuzusehen, die an Filmszenen aus „Manche mögen‘s heiß“ erinnerten.
Der eigentliche Star des Abends aber war kein Künstler sondern das Bühnenbild. Wie beeindruckend die Szene, in der das Gorilla-Trio den flüchtenden Grafen durch das Theater jagt. Dabei entrollt sich mittels Drehbühne vor dem Betrachter das Innenleben eines Theaterbetriebes, vom Bühneneingang über die Künstlergarderobe bis zur Kantine. Auch bei dieser Produktion sind mir sicher wieder viele Details, Anspielungen und Miniaturen der Regie entgangen. Dies mag dem zwischenzeitlichen Tempo der Inszenierung geschuldet sein, die bei aller Kurzweiligkeit auch Längen hatte, vor allem zu Beginn des dritten Aufzugs.
Meine Empfehlung: Eine Inszenierung, die unterhält und nicht weh tut, aber kein Muss.

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Christoph Grätz
arbeitet für die Stabsstelle Kommunikation bei der Caritas
Wenn es sie nicht schon gäbe, bäte er Gott sie zu erfinden: die Musik. Als Sänger im philharmonischen Chor Duisburg, als ungeduldiger Akkordeonschüler und begeisterter Tangotänzer füllt Christoph Grätz seine Freizeit mit viel Musik. Als Öffentlichkeitsarbeiter für die Caritas darf er in seiner Arbeit zwar auch kreativ werden, aber fast nie musikalisch. Als Scout entdeckt er nun Oper und Ballett und freut sich, etwas davon mitteilen zu dürfen.

Rouven Kasten über „Madama Butterfly“

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Mitwarten, mitleiden

Madame Butterfly ist eine Geschichte die sehr bekannt ist. Die Geisha Cio-Cio-San, genannt Butterfly, wird dem in Nagasaki stationierten amerikanischen Leutnant Pinkerton als Braut offeriert. Dieser ist mit der japanischen Kultur nicht vertraut, die Hochzeit mit Cio-Cio-San ist Mittel zum Zweck, um mit ihr eine gemeinsame Nacht zu verbringen. Konsul Sharpless ahnt dies und warnt Pinkerton, dass die junge Frau sein Eheversprechen ernst nehmen könnte. Dennoch geht Pinkerton den Bund ein, kehrt jedoch nach nur einer gemeinsamen Nacht nach Amerika zu seiner Verlobten Kate zurück. Als er drei Jahre später mit seiner Frau nach Nagasaki kommt, erwartet ihn Butterfly mit einem Kind. Pinkerton weist sie zurück, möchte aber das Kind in die westliche Welt mitnehmen. Cio-Cio-San begreift, dass sie benutzt und entehrt wurde, und begeht Selbstmord.
Es ist völlig klar, dieses Ende wird tragisch werden, aber dennoch denkt man bis zum Schluss, dass es vielleicht doch noch klappt. Siegt vielleicht doch die Liebe? Ach nein, der Künstler hat es so gewollt. Und wir leiden mit! Mit Tränen in den Augenwinkeln leiden wir, wenn die toll besetze Liana Aleksanyan wartet. Die Passagen, in denen Giacomo Puccini sie warten lässt, lässt er auch das Publikum mitwarten und mitleiden. Ein Schuft möchte man sagen.
Der erste Akt ist ein Leid für den Hörer, hier hat Puccini sich ein wenig abgearbeitet, denn so fühlt er sich an. Keine Leichtigkeit, eher gewollt, aber das kann auch nur mein persönlicher Eindruck sein. Für mich ist und bleibt der erste Akt physisch anstrengend, er verlangt mir wirklich Kraft ab. Ein Glück, dass es in den 3 Stunden dann doch eine Pause gibt. Doch kurz nach der Pause wird das Publikum belohnt. Es folgt relativ zeitnah die Arie „Un bel dì vedremo“, das sicher herausragendste Stück der ganzen Oper. Butterfly wartet schon seit drei Jahren auf die Rückkehr ihres Ehemannes. Sie ist verarmt und gesellschaftlich verachtet. Sie gilt als geschieden, weil ihr Mann sie verstoßen hat, doch sie hält an ihrem Glauben fest, dass er zurückkommen wird. In der Arie malt sie sich aus, wie er zurückkommt und wie sie dann triumphieren wird. Untermalt wird das Ganze von Bühnentechnik die mit kleinen Stilmitteln, große Gesten darstellt. Schön!
Überhaupt ist die Bühne von Alfons Flores mit nur einem Umbau aber feinen Details ein echter Blickfang. Lediglich der leichte Bezug in die aktuelle politische Situation und der dazugehörige Kitsch war mir ein wenig zu viel gut, dass aus dem „America forever“ nicht noch ein „America first“ wurde. Das Theater stellt aber zurecht die Protagonisten in den Vordergrund und so überzeugen vor allem Liana Aleksanyan, Maria Kataeva und Eduardo Aladrén. Diese haben keine Mühe sich bis in die obersten Ränge zu singen. Das Orchester unter der Leitung des erst 29 Jahre alten Aziz Shokhakimov, der am Pult alles rausholt, ist eine Empfehlung an die Ohren. Egal ob mit viel Kraft, fast schon verstörend, oder ganz seicht, mit den Tönen kann er wirklich umgehen und er versteht es, das Orchester dort zu empfangen, wo er es hinführen möchte. Schon deswegen hat sich der Abend gelohnt.
FAZIT: Auch wenn Madame Butterfly und ich uns nicht sehr oft über den Weg laufen werden, den Abend in der Oper am Rhein habe ich letztendlich sehr genossen. Solche Stimmen und Klänge muss man einmal live erlebt haben und diese Oper gehört einfach zu denen, die man im Leben einmal live gesehen haben sollte. Daher mein Tipp: Hingehen!

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Opernscouts Rouven Kasten

Rouven Kasten
Social Media Experte
Rouven Kasten ist in Duisburg aufgewachsen, mit Raider und Pink Floyd. Er bloggt, twittert, facebookt, schießt Fotos und jagt alles in die Wolke. Die Möglichkeit zur grenzenlosen Interaktion gefällt ihm. Nach einigen Agenturstationen und einer intensiven Zeit der Selbstständigkeit ergänzt er nun das Team der GLS Bank im Bereich digitale Kommunikation. Die Begeisterung für das Musikhören und -machen brachte ihn zur Oper und zum Ballett. Die Erfahrungsberichte als Opernscout schreibt er auch in seinen privaten Blog: http://www.gestalterhuette.de oder auf twitter und facebook, direkt aus dem Theater mit dem Hashtag #opernscout.

Ralf Kreiten über „Madama Butterfly“

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Tragödie unter dem Sternenbanner

Die Wirklichkeit ist hässlich. Oder traurig. Oder beides. Daran lässt Puccinis Musik keinen Zweifel, wenn er vor allem in seiner „Butterfly“ den Bogen mitreißend spannt zwischen romantischer Liebelei und extremer Traurigkeit.
In der Inszenierung von Joan Anton Rechi verweigert sich der Regisseur einer niedlichen Nippon-Atmosphäre der Geisha wider Willen, in die der vagabundierende Yankee-Offizier Pinkerton, der nichts weniger ist, als ein Gentleman, auf der Durchreise einbricht. Stattdessen finden Ehe-Coup und Hochzeitsnacht in der amerikanischen Botschaft unter dem alles dominierenden Sternenbanner statt.“ America forever“ statt-Japan Kitsch mit Reißpapier-Wänden.
Für Pinkerton ist es  ein amüsanter Zeitvertreib, für Butterfly ist es aber bedingungslose Liebe, selbst bis zur Aufgabe der alten Religion und Kultur und damit auch des Rückhalts durch ihre eigenen Leute. Das ist ihr Fehler.
Im ersten Akt läuft dann auch alles darauf hinaus, wie Butterfly´s Welt zusammenbricht; bildlich ideal umgesetzt durch das Zusammenbrechen der Säulen in der Botschaft unter ohrenbetäubenden Kriegslärm (Bühne: Alfons Flores). In den Trümmern wartet Cio-Cio- San zusammen mit dem unehelichen Kind; auch hier unter dem weitgehend intakten Sternenbanner, diesmal als Zeltplane für den eigenen Unterschlupf.
Spätestens jetzt schlägt eindrucksvoll die Stunde von Liana Aleksanyan als packende Sänger-Darstellerin. Sie verfügt nicht nur über den Schmelz und großen Atem, den Puccinis wunderbare Musik verlangt, sie hat auch die Durchschlagskraft und enorme Modulationsfähigkeit, mit der ihr, in Verbindung mit berührendem Spiel, ein beeindruckendes und packendes Bild der Protagonistin gelingt. Aber auch die weiteren Sängerinnen und Sänger überzeugen. Der Chor verursacht Gänsehaut, auch weil die Duisburger Philharmoniker unter Leitung des begabten jungen Musikalischen Leiters Aziz Shokhakimov Puccinis Komposition so fein und brillant spielen. Vielleicht manchmal etwas laut; aber wen stört das bei dieser packenden Tragödie.
Rechi lenkt den Blick immer wieder auf das Warten und die Selbsttäuschung der Butterfly. Ernüchternd das wunderschön gesungene „Blumenduett“ zwischen Butterfly und ihrer Gefährtin Suzuki (überzeugend: Maria Kataeva); das Schmücken mit Blumen macht die Trümmerlandschaft nicht schöner, lenkt vielleicht von den seelischen Schmerzen der Butterfly etwas ab. Bedrückend die minutenlange Szene in der die Verzweifelte auf den „Ehemann“ wartet.
Wenn der feige Pinkerton am Ende dieses Alptraums doch noch auftaucht, mit seiner „echten Amerikanerin“ und Ehefrau erkennt Butterfly die Täuschung und kehrt in ihre alte Welt zurück – durch Selbsttötung mit dem Dolch, den schon ihr Vater so gebrauchte.
Einhelliger Jubel für eine packende Inszenierung, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

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Opernscouts Ralf KreitenRalf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld
Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

Heike Stehr über „Madama Butterfly“

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Hoffen und warten

„Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu …“ und in diesem Falle passiert sie der ehrsamen Geisha Cio-Cio-San in Puccinis Oper „Madama Butterfly“. Sie liebt den amerikanischen Marineoffizier Pinkerton, nimmt sogar seinen Glauben an. Er sieht in ihr kaum mehr als eine unterhaltsame und exotische Affäre, ein Spielzeug, über das er nach Belieben verfügen kann. Und schon nimmt das Drama seinen Lauf.
Obwohl die Uraufführung 1904 in der Mailänder Scala zu einer großen Katastrophe wurde, war Puccini selbst von seinem Werk überzeugt „Meine Butterfly bleibt, was sie ist. Die empfindungsreichste Oper, die ich je geschrieben habe! Ich werde noch gewinnen…“ Die Besucher der Premiere der Inszenierung des Stückes an der Deutschen Oper am Rhein unter Joan Anton Rechi können dem aus vollem Herzen zustimmen. Diese Tragödie überzeugt durch lebensnahe Gefühle und ein gutes Gespür für die menschliche Natur, das besonders in Pucchinis berühmten Arien „Vogliatemi bene“, „Un bene piccolino“ und „Un bel dì, vedremo“ aufscheint. Liana Aleksanyan in der Titelrolle verkörpert eindrucksvoll das so schmerzhafte Leiden der in ihrer Liebe einsamen Cio-Cio-San. Mit ihrem Gesang und ihrem Spiel trägt sie das ganze Stück und hält es zusammen. Fast ebenso überzeugend stehen ihr Maria Kataeva als Suzuki und Eduardo Aladrén als Pinkerton zur Seite. Die Duisburger Philharmoniker unter Aziz Shokhakimov spielen glänzend auf und machen den Abend musikalisch zu einem einzigen Genuss. Das Orchesterzwischenspiel nach dem zweiten Akt empfand ich als ein ganz besonderes Highlight der insgesamt drei Stunden dauernden Aufführung.
Diesen jungen erst 28jährigen Aziz Shokhakhimov wünschte ich mir direkt öfter im Orchestergraben zu sehen. Der Film „Dirigenten – jede Bewegung zählt“ (D, 2016) sei jedem ans Herz gelegt, der etwas mehr über ihn, andere junge Dirigentenkollegen und das Geheimnis des Dirigats erfahren möchte.
Doch zurück zu „Madama Butterfly“. Auch im Bühnenbild spiegeln sich Cio-Cio-Sans große Hoffnung zu Beginn und ihr inneres Drama sowie ihr traumatisches Warten bis zum bitteren Ende ganz deutlich wider. Während unter den großen und hohen Säulen der amerikanischen Botschaft ein Ehebund geschlossen wird, den nur eine der beteiligten Personen wirklich ernst nimmt, verbringen wir die folgenden Akte in einer deprimierenden Trümmerlandschaft und hoffen trotzdem und wider besseres Wissens mit der kleinen Frau Schmetterling bis zum letzten Moment, hoffen, dass die amerikanischen Rotkehlchen vielleicht doch nur alle drei Jahre brüten…
Wie ich als Zuschauer so unvermeidlich und zwingend in dieses Hoffen und Warten eingeschlossen wurde, bleibt für mich das große Geheimnis dieses Abends. Gehen Sie hin & schauen Sie, ob Sie diesen Zauber auch erleben werden!

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11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.Heike Stehr
Erzieherin
Kunst spielt in Heike Stehrs Leben eine große Rolle: Neben ihrer Arbeit als Erzieherin in einer KiTa macht sie eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin und betreibt den Blog http://kunstlebendig.blogspot.de. Sie besucht besonders gerne Ausstellungen, Programmkinos, Theaterstücke, Konzerte und Ballett. Auf den Bereich Oper, der für sie weitgehend Neuland ist, ist sie aber sehr gespannt. Sie freut sich, als Opern- und Ballettscout Kunst erleben und ihre individuellen Eindrücke an andere weiter geben zu können.