Eine zeitgenössische Oper – und trotzdem nette Unterhaltung

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Hubert Kolb über Anno Schreiers „Schade, dass sie eine Hure war“

Anno Schreiers Auftragswerk „Schade, dass sie eine Hure war“ für die Deutsche Oper am Rhein wurde hier uraufgeführt, und ich sah die 4. Vorstellung. Die Besonderheit war, dass die Hauptfigur der Annabella gleich zweimal auf der Bühne stand. Einmal war es Lavinia Dames, die ihre Rolle herrlich spielte, aber wegen einer Kehlkopfentzündung stimmlos den Mund zum Text bewegte. Und einmal war es Elena Fink, die in kürzester Zeit die Partie lernte und sie am Rande der Bühne stehend vom Blatt sang.

In einem Vorgespräch sagte der Komponist, Opern seien zur Unterhaltung dar – also keine schrill/schief/unharmonisch abschreckende Musik, sondern ein Feuerwerk unterschiedlicher aber gefälliger Musikstile, die zum Teil relativ abrupt wechselten. Das erinnerte mich sehr an die musikalische Begleitung von Stummfilmen.

Ähnlich der Dramatik vieler Stummfilme war auch das Geschehen auf der Bühne eine Abfolge von „Sex and Crime“ (so nannte es die Chefdramaturgin) – Handlungen mit zum Teil derber Sprache und auch etwas Komik. Das erinnert ein bisschen an Shakespeare (der Autor John Ford lebte in Shakespeares Spätphase), aber es ist eine flache Geschichte – die große Tiefe und Wahrheit von Shakespeares Texten fehlt.

Für meinen Genuss nachteilig war die Art des Gesanges, ein oft eher unmelodischer Sprechgesang. Zwar nannte Dirigent Lukas Beikircher die Tonfolgen der Arien und Duette kantabel, doch ergaben sich daraus keine Melodien, die haften bleiben.

Fazit: Eine erstaunlich abwechslungsreiche gefällige Unterhaltung auf der Bühne, aber eine Geschichte ohne Tiefgang. Erinnern werde ich die hervorragend lautmalerische Unterstützung des Geschehens durch das Orchester – wie in einem Stummfilm.

Kolb_Hubert_Foto_Andreas_EndermannDr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt

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Und über allem flog der Fliegenpilz

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Hilli Hassemer und Benedikt Stahl in einem Dialog über die Premiere von Anno Schreiers „Schade, dass sie eine Hure war“

Operncollage

BS: Ja, liebe Hilli, das war ein Opernabend, was? Ganz ungewöhnlich. Zunächst der etwas verdrehte Titel, dann ein bisschen Vorabstudium der Zusammenhänge. Das alte Libretto von John Ford, einem Zeitgenossen Shakespeares, der mit seiner Geschichte der unmöglichen Geschwisterliebe ein noch viel älteres Thema erzählt und dann der noch sehr junge Komponist Anno Schreier, der jetzt und soviel ich weiß im Auftrag der Oper, dieses lebendige Spiel ersonnen hat. Beinahe karnevalistische Züge hatte das mitunter, eine Art Collage aus unterschiedlichen Zeitepochen und Stilen. Das zieht sich durch, vom Bühnenbild über die Kostüme bis hin zu den Musikzitaten, von denen man immer mal wieder meint, das ein oder andere längst zu kennen.

Am meisten fasziniert mich das subtile Spiel mit Innen und Aussen. Besonders die Bühne. Der Blick hinter die Kulissen der aufgeklappten Häuserfassaden und damit zugleich der Einblick in menschliche Abgründe, die im Normalfall durch Mauern und Vorhänge geschützt sind. Die äußeren Erscheinungen trügen, Giftiges verbirgt sich selbst noch hinter den fröhlichsten Kostümen und Farben. Ein Spiel aus Gegensätzen, ein Stück Stadt mit all ihren Schönheiten und Brüchen, die das Leben bereit hält. Wie hat’s Dir denn gefallen?

HH: Mir war ja etwas bang vor der Musik. Ich dachte mir, solch ein junger und begabter Komponist wird sicher sehr radikal meine doch gängigen Hörgewohnheiten ins Hadern bringen.. Das tat er auch, aber eben anders als erwartet. Was er gebrochen hat, war eine altvertraute Stringenz. Auf immer wieder kehrenden Themen, wie man sie aus anderen älteren Opern kennt, verzichtet er. Doch ging mir die Musik ein, ich konnte ihren Sprüngen folgen, war sie in ihren Zitaten und Brüchen, Versatzstücken sehr lebensnah und voller Humor. Der Anno Schreier hat ins Volle gegriffen, in jeder Hinsicht. Mir ging es wie Dir, Benedikt, dass mich die Bühne sehr erfreut hat. Eine Bühne? Eigentlich waren es viele und jedes Paar hatte seine eigene Bühne, wie im Leben! Jeder hatte sein Motiv, seinen Hintergrund: der Westenwagen, die historische Kulisse Parmas, der Fliegenpilzbalkon oder dieser kühle Bauhaus-Flachbau aus einem amerikanischen Filmset herausgebrochen. Und das dann alles ineinander verschachtelt, auf der nach hinten offenen Bühne der Düsseldorfer Oper. Man konnte ihr so richtig in die Eingeweiden kucken. Wie Du sagst: In die Abgründe. Der Bühne und der Menschen.  Und über allem flog der Fliegenpilz.

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Hilli Hassemer
Bildende Künstlerin

Die Malerin Hilli Hassemer lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Düsseldorf. Klassische und auch Opernmusik sind elementare Einflüsse in ihrer Arbeit. Das erste Jahr als Opernscout hat sie mit heller Freude erlebt. Die Vielfalt und Qualität der Düsseldorfer Opern und Ballettkultur zu erleben, war für sie eine neu prägende Seh- und Hörschule. Eine Sinn-schärfende Bereicherung, die sie nicht mehr missen möchte. So freut sie sich auf die zweite Spielzeit, auf die neuen Ballett und Opernwelten, die sich ihr eröffnen werden und für die sie Worte finden muss. Der Bleistift ist gespitzt….

Stahl_Benedikt_Foto2_Andreas_EndermannBenedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit: Wie Bild, Musik und Darstellung hier zusammen wirken, fasziniert ihn. Als interdisziplinär denkender Grenzgänger ist er auch an der Alanus Hochschule Bonn-Alfter tätig: Was  Architektur mit Schauspiel, Wirtschaft mit Kunst zu hat – diese Fragestellungen interessieren ihn auch in der Lehre. Nicht nur die Oberfläche, sondern die spannenden Zusammenhänge will er nun als Scout für Oper und Ballett entdecken.

 

 

 

Ein spannender, abwechslungsreicher Abend

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Susanne Bunka über die Premiere von Anno Schreiers „Schade, dass sie eine Hure war“

Ein Operntitel, der nicht unbedingt geeignet ist, auf einen Abend voller Harmonie und süffiger Arien und Melodien hinzuweisen……So ist es dann auch!

Wir sehen und hören eine Oper voller Brüche, sowohl musikalisch als auch gesellschaftsthematisch. Die tragische Geschichte der inzestuösen Liebe zweier Geschwister wird untermalt von durchaus harmonischen Klängen, denen man sich jedoch kaum entspannt hingeben kann, weil sie schnell abgelöst werden durch dissonante Klänge. Ironie geht in Gewalt über, Leidenschaft in Streit…..es ist spannend, unterhaltsam….nicht unbedingt etwas für Liebhaber der romantischen Oper!

Die musikalischen Leistungen von Chor und Orchester überzeugen, die Solisten bis auf einen etwas schwachen, verhalten singenden Jussi Myllis (Giovanni), ebenfalls. Herausragend……der wunderbare Bogdan Talos als Mönch!
Die Wandlungsfähigkeit des Bühnenbildes wird bereits zu Beginn „angekündigt“ durch die Präsenz der Bühnenmitarbeiter. Super!!!

Ein spannender, abwechslungsreicher Abend; die etwas albern anmutenden, operettenhaften Zwischenklänge waren zu verschmerzen!

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Susanne Bunka
Inhaberin des Angercafés in Urdenbach

Vor drei Jahren hat sich die ehemalige Kinderkrankenschwester Susanne Bunka einen Traum erfüllt: Zusammen mit ihrer Tochter betreibt sie das Angercafé in Urdenbach – ein Treffpunkt für alle Generationen, in dem auch Lesungen und kleine Konzerte und Chorproben stattfinden. Sie liebt die großen Opernklassiker, ist gleichermaßen offen für zeitgenössisches Musiktheater und Ballett und freut sich darauf, Ihre Eindrücke auch in ihrer zweiten Spielzeit als Opernscout im Gespräch zu vertiefen.

Surprise!

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Sandra Christmann über die Premiere von Anno Schreiers „Schade, dass sie eine Hure war“

Von Trashy -Splatter über commedia dell’arte, ein bißchen Shakespeare, ein bißchen Schmierenkomödie, fliegende Pilzpenisse, deren Muster sich in den inszestuösen Geschwisterpaarkostümen wiederfinden, hat Anno Schreier originell und befremdlich alles in seiner Inszenierung bedacht.
Ich habe gelacht, weggeschaut, mich fremd geschämt, gefreut, war beeindruckt und entsetzt.
Genreübergreifend sind Bühnenbild und Kostüme kreiert.
Das Bühnenbild, insbesondere die Choreografie nach der Pause mit dem schwebenden „Mies van der Rohe“ Kubus. Excellent.
Alles in allem interessante, kurzweilige Kompositionen.
Musikalisch: modern, für mich als Laie gewöhnungsbedürftig aber im positiven Sinne.
Gesanglich war der Mönch, Bogdan Taloş, am Mächtigsten.
Soweit.
Wie immer (ausgenommen die Predigt des Mönches zu Giovanni) ist die Frau die Schlampe. Ach ja.
Neben allen albernden blutigen, teilweise komischen, Suiziden und Morden ist ein Akt definitiv too much: Bauchtritte in die schwangere Frau. Dieses brutale Moment passt nicht in die Groteske, der vorab und danach sonstigen dargestellten „Gewaltakte“ des Stückes. Wenn dieses der Inszenierung tatsächliche Gretchentragik verleihen soll, dann rundet das nicht ab, sondern wie geschrieben, passt nicht.

Alles in Allem: mehr als unterhaltsame Inszenierung mit lustigen Momenten und einer ausgereiften Komposition an Inszenierung in „fast“ allen Belangen.

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Sandra Christmann
 Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf, ihre Wahlheimat, und die Kunst. Sie engagiert sie sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben dieser Arbeit hat sie ein Hilfsprojekt in Kenia ins Leben gerufen. Ihr Netzwerktalent, die Liebe zur Kunst und zum Schreiben nutzt sie jetzt auch als Opernscout.

Isch weiss nich’…

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Michael Langenberger über die Premiere von Anno Schreiers „Schade, dass sie eine Hure war“

Noch nie ist es mir so schwer gefallen, über eine Premiere zu schreiben, wie dieses Mal. In der Opernkritik der Rheinischen Post finde ich einen Teil meiner Zerrissenheit wieder.

Fest steht für mich, dass alle Akteure, wie gewohnt, ihr Handwerk in wirklich hervorragender Qualität zelebrierten. Man muss sogar sagen, es bedarf äußersten Könnens, eine komplette Oper lang, in sowohl orchestralen und stimmlichen Klängen, nahezu alles ausschließlich in Dissonanzen zu meistern. Meine Ohren waren darauf allerdings nicht wirklich eingestellt und ich empfand es zeitweise als wirklich anstrengend. Wer eine Vielzahl unterschiedlicher Rhythmen liebt, kommt in fragmentierter Form bestens auf seine Kosten.

In der Pause unterhielt ich mich mit einem mir unbekannten, anderen Zuschauer. Er fand es ganz lustig, ein Bühnenbild während einer Oper eben nicht nur von seiner Schokoladenseite, sondern auch mal von seiner Rückseite zu sehen. Sicher, das ist mal etwas anderes. Also wer derartige Verschiebe-Aktionen und den Kulissenbau würdigen will, hier wäre eine Gelegenheit.

In dem Nachgespräch, direkt nach Ende der Vorführung, habe ich gelernt, dass der Gesangstext der Theatervorlage relativ nahekommt. Hmm, auch hier ist mir einiges fremd geblieben.

Eine meiner Töchter erinnerte mich dann daran – nach meinem kurzen Bericht über diese Opernaufführung – dass ich Ende der 70er Jahre eines der ersten Police-Konzerte überhaupt gesehen hatte. Wegen der völlig ungewöhnlichen, total neuen und ungewohnten Rhythmen waren wir Jugendliche dann kurz nach der Pause nach Hause gegangen. Damals, weil wir es einfach nicht mehr ertragen konnten… Und heute würde ich sofort eine Eintrittskarte kaufen und bis nach der Zugabe bleiben.

Ob es mit diesem Opernwerk genauso geht? War ich vielleicht bei der Uraufführung eines Werkes, was zukünftig die Welt begeistert und nur ich habe es jetzt und hier nicht verstanden?

Machen Sie sich Ihr eigenes Bild.

Opernscouts 2018 / 2019

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt: Auf Standard und Latein folgten Salsa und Modern Contemporary Dance im tanzhaus nrw, wo er auch an öffentlichen Performances mit Profis und Laien mitwirkte. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze.

Tis pity she’s a whore

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Markus Wendel über die Premiere von Anno Schreiers „Schade, dass sie eine Hure war“

Das Opernscout-Jahr beginnt mit etwas ganz Besonderem, nämlich der Welt-Uraufführung einer aktuellen Opern-Komposition. Das wird mir schon bei der Opernwerkstatt klar, denn wann erlebt man es schon mal, dass sich ein Dirigent mit dem Komponisten unterhält, ganz locker über die Brüstung des Orchestergrabens hinweg. Anno Schreier heißt der Musik-Schaffende, und einige Tage vor der Premiere verspricht er uns in erster Linie einen Abend voller Unterhaltung.

Die Handlung ist bereits einige hundert Jahre alt, und erzählt ein schauriges Drama rund um ein sich liebendes Geschwisterpaar. Inzest, Macht, Gier und Blut. Mich erinnert es irgendwie an eine verschärfte Variante von Romeo und Julia.

Zu dieser blutigen, und nicht gut ausgehenden Geschichte, serviert uns Anno Schreier ein Potpourri quer durch die Geschichte der Musik. Walzer, Schlager, asiatische Klänge, Barock, Filmmusik, manchmal wie Verdi, und dann höchst romantische Streicher-Klänge, wie im ausklingenden neunzehnten Jahrhundert. Alles ist dabei. Ausgedehnte Wohlfühl-Momente werden allerdings nicht zugelassen. Es gibt immer wieder harte Brüche, und unerwartete Überraschungen, die aber auch von der Handlung vorgegeben werden. David Hermann setzt diese in bemerkenswerter Gradlinigkeit, straffem Tempo, und einigen sehr humoristischen Einlagen, in Szene. In Kombination mit dem sehr derben Libretto muss ich mich streckenweise echt am Riemen reißen, nicht minutenlang laut loszulachen. Nach der Pause bleibt einem das Lachen allerdings im Halse stecken, denn vor allem im zweiten Teil verschmelzen Dramatik und atmosphärische Dichte zu einem wirklich ernstzunehmenden und hochdramatischen Gesamtwerk.

Ich hatte einen ganz hervorragenden Abend, der Oper wirklich in einer ganz anderen Art und Weise erlebbar macht. Mir bleibt nichts anderes, als diese Aufführung dringend zu empfehlen, und ich bin sehr gespannt, ob ‚Schade‘ den Sprung ins Repertoire der Deutschen Oper am Rhein schaffen wird. Meiner Meinung nach wäre das hochverdient!

Wendel_Markus_Foto_Andreas_EndermannMarkus Wendel
Feuerwehrmann in Düsseldorf

Als neuer Scout folgt Markus Wendel in der Spielzeit 2018/19 frühen Spuren seiner Opernbegeisterung: Seine erste Begegnung mit Richard Wagners „Götterdämmerung“ hatte er 2003/04 im Düsseldorfer Opernhaus, und schon damals begeisterte ihn Linda Watson als Brünnhilde. Als Feuerwehrmann der Landeshauptstadt Düsseldorf kümmert sich Markus Wendel um die strategische Planung und Einsatzorganisation. Ganz besonders schätzt er seine Dienste im Opernhaus: Als Brandsicherheitswache beobachtet er die Aufführung dann von der Seitenbühne aus. „Ich mag das Gewusel hinter den Kulissen“, sagt der 39-Jährige. Was ihn aus dieser Perspektive besonders anspricht, schaut er sich gern noch einmal mit Freunden oder der Familie aus dem Zuschauerraum an.

 

Eine erfrischende Art Oper zu präsentieren

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Jenny Ritter über die Premiere von Anno Schreiers „Schade, dass sie eine Hure war“

Uraufführung in der Deutschen Oper am Rhein – ich war dabei in „Schade, dass sie eine Hure war“ (Anno Schreier) 16.02.2019.
Da mich der Titel eher abgeschreckt als angelockt hat – noch dazu mit Musik eines
unbekannten Komponisten (Anno Schreier) – habe ich erstmal „probeweise“ die Werkprobe besucht. Das große Thema in dem Stück war die Liebe – doch von welcher Liebe war hier die Rede??? Liebe kennt keine Gewalt, keinen Besitzanspruch! Doch nur darum ging es. Der eigene Zwillingsbruder begehrt seine Zwillingsschwester und will auf gar keinen Fall von ihr lassen – die Schwester ist auch ihm „verfallen“ – keiner ist fähig umzudenken, auch auf die Gefahr hin, dass das Kind Schaden nehmen wird. Stattdessen wird wegen der zu erwartenden Schande eine Hochzeit initiiert, die natürlich nicht gut ausgehen kann.

Es war eine lebendige, ungewöhnliche und kurzweilige Inszenierung (David Hermann). Wunderbar war auch das Bühnenbild (Jo Schramm) die Kombination von Mittelalter hinein in die Moderne – das gleiche geschah mit den Kostümen (Michaela Barth) hinreißend. Das Stück, der Autor (John Fords) Zeitgenosse Shakespeares – diesen konnte man auch in verschiedenen Bildern erkennen: Annabella mit dem „falschen Romeo“ auf dem Balkon, das Gemetzel von Macbeth – es wurde wahllos gemordet – Gewalt war an der Tagesordnung. Alle Freier wurden dahingemetzelt – und nicht nur die.

Das Libretto (Kerstin Maria Pöhler) hat eine sehr derbe Sprache – dafür aber gut und verständlich gesungen und zum Teil auch zum Lachen, doch meistens blieb einem das Lachen im Halse stecken, da es doch stets um Leben und Tod ging. (Manches hätte doch ein bisschen weniger derb sein können.)

Gestört hat mich der Titel, weil immer die Frau die „Hure“ ist. Doch was ist mit Soranzo – der, kaum hat er sich einer Frau entledigt, sich die nächste nimmt, und nachdem er die „heißersehnte“ Annabella bekommen hat, sich von ihr gewalttätig abwendet da sie schwanger ist. Wenig später sieht man ihn tanzend mit einer anderen Frau – wer ist da die Hure? Es gibt leider bis jetzt noch keine männliche Bezeichnung für Hure.

Dennoch: insgesamt eine erfrischende Art Oper zu präsentieren – ohne Arien und Zwischenapplaus.

Ritter_Jenny_Foto2_Andreas_EndermannJenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin

Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und freut sich diesen als Opernscout in Düsseldorf abschließen zu können.