In der Obsession des Spieles

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Vinuar Amuka über die Premiere von „Pique Dame“

Pique Dame versetzte mich von der ersten Minute an in Begeisterung.
Eine hervorragende Kostümierung im Stile Hollywoods der 50er Jahre verleiht der Oper eine frische und moderne Ausstrahlung, die von einer Leichtigkeit und einem höchst unterhaltsamen Wert geprägt ist.

Die Charakterzüge des Hermanns und der Lisa sind von vielerlei Aspekten gekennzeichnet.
Hermann ist ein Sonderling in der Handlung, wird stets zum Gespött in den Szenerien.
Zudem wird er Opfer des Zufalls, weil er sich unverhofft in die bereits verlobte Lisa verliebt, deren gesellschaftlicher Stand durch die wohlhabende Großmutter, die Gräfin, weit höher ist als der von Hermann.
Lisa fällt ebenfalls durch ihr sonderbares Erscheinen auf und verliebt sich in Hermann. Wird sie auf eine Zweckehe eingehen oder sich der Liebe hingeben?

Damit beginnt das Psychodrama in der Handlung.
Hermann möchte von der Gräfin das Geheimnis der Gewinnkarten erfahren, um Reichtum und gesellschaftliche Anerkennung zu erlangen.

Dabei handelt er weder authentisch noch realitätsnah. Die Liebe nimmt er ungewöhnlich anders wahr; sie macht krank und vergiftet ihn.

In der Obsession des Spieles, vom Geist der Gräfin umnebelt, verspielt Hermann im wahrsten Sinne des Wortes sein Glück und damit seine Liebe.

Die lebhafte zeitgenössische Inszenierung und die spektakuläre Kostümierung überspielen, wie ich finde, die wirkliche Tragik der Handlung. Demgemäß erweckte die Oper bei mir, einen milden, musikalisch hoch genüsslichen Eindruck, der mich bis zum Ende fesselte.

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Vinuar Amuka
Sozialpädagogische Familienhelferin

Die 37 jährige Irakerin lebt seit ihrer Jugend in Deutschland und arbeitet als sozialpädagogische Familienhelferin. Sie hegt eine starke Begeisterung für Oper und Ballett. Um Inszenierungen besser bewerten und nachvollziehen zu können nimmt sie Gesangs- und Klavierunterricht. Als Scout erhofft sie sich die Oper noch intensiver zu erleben und wahrzunehmen. Sie findet, dass man in der Oper „vielem aus dem realen Leben begegnet, aber ganz anders damit umgeht“.

Liebe, Verrat, Spielsucht und dekadente Gesellschaften

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Dagmar Ohlwein über die Premiere von „Pique Dame“

Pique Dame von Peter Iljitsch Tschaikowsky war bis zum Besuch der Duisburger Premieren Aufführung ein mir völlig unbekanntes Werk des russischen Komponisten. Ich war gespannt, wie sich eine russisch gesungene Oper anhört. Die Ankündigung dieses am 19. Dezember 1890 uraufgeführte Werk in einer in das Hollywood der 50er Jahre Inszenierung auf der Bühne zu sehen, machte mich neugierig, auch ein wenig skeptisch.
Das großartige Bühnenbild, hervorragende Protagonisten, der Kinderchor und die Duisburger Philharmoniker  begeisterten mich dann aber von der ersten Minute an. Die großartige schauspielerische Darstellung der Rolle des Hermanns durch Sergej Khomov mit einer fantastischen Stimme überzeugte mich. Natalya Muradymova als Lisa, die erst durch ihre Liebe zu Hermann aufblühte, spielte und sang diese Rolle mit großer Sensibilität und Überzeugungskraft. Ihr Spiel hallte noch lange nach, wie die gesamte Handlung der Oper über Liebe, Verrat, Spielsucht und dekadente Gesellschaften. Die Aufführung dauert 3 Stunden, mit einer Pause nach etwa zwei Drittel des Werkes. Ich war bis zum Schluss gefesselt. Pique Dame lohnt sich zu sehen, eventuell sogar ein 2. Mal. Die Intensität, der Ideenreichtum bei der Umsetzung des Themas in dieser Opern-Inszenierung von Lydia Steier ist meiner Meinung nach gelungen.

Dagmar_Ohlwein

Dagmar Ohlwein
Rentnerin

Die Physiotherapeutin ist gerade im Ruhestand angekommen und widmet nun einen großen Teil ihrer Zeit der Kultur. Das heißt für sie regelmäßig diverse Kulturangebote warzunehmen. Als Jugendliche hat sie „direkt um die Ecke“ vom Theater Duisburg gelebt und so schon immer viel Kontakt zur Kunst gehabt. Sie ist sehr gespannt auf ihr erstes Jahr als Duisburger Opern- und Ballettscout und freut sich auf die Saison 2019/20.

Eine Facettenreiche Inszenierung

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Annette Hausmann über die Premiere von „Pique Dame“

Wer es als Opernliebhaber bunt, schrill, opulent und zugleich skurril-tiefgründig mag, der ist in der Operninszenierung „Pique Dame“ von Lydia Steier genau richtig. In Anlehnung an Tschaikowskys Idee, der als Grenzgänger seiner Zeit die Oper 1890 komponierte, aber diese in der glorifizierten Zarenzeit des 18. Jahrhunderts spielen lässt, verlegt Lydia Steier ihre Inszenierung in das für uns scheinbar präsente Hollywood der 50er Jahre. Gleich zu Beginn eröffnet sich dem Zuschauer ein Bühnenbild, das all unseren heutigen Vorurteilen und Vorstellungen von der damaligen party- und schauspielbegeisterten Hollywoodgesellschaft standhält.
Die opulente Bühnenkulisse und die vielen aufwändig sowie bunt kostümierten Statisten und Sänger waren für mich anfänglich eine absolute Reizüberflutung, sodass ich einige Zeit benötigte, mich auf dieses russische „Opernspektakel“ einzulassen.

Durch die gezielte Präsenz der drei Protagonisten – Lisa, die alte Gräfin („Pique Dame“) und Hermann – gelang es Lydia Steier auf geniale Weise, der dekadenten Gesellschaft nur so viel (Spiel-)Raum wie nötig zu geben, wodurch die Handlung nicht ins Lächerliche „abdriftete“. Nachhaltig beeindruckt haben mich die russische Gastsängerin Natalia Muradymova als Lisa und Sergej Khomov als Hermann. Beide spielten ihre Außenseiterrolle nicht nur überzeugend, sondern vollbrachten auch gesanglich meisterhafte Leistungen. Lisa, anfänglich die unsichere, unglückliche, unselbstbewusste und eher unattraktive Enkelin der alten Gräfin entwickelte sich im Verlauf der Oper zu einer ausdrucks- und willensstarken Frau, die eine Art Metaebene betritt und als einzige den unaufhaltsamen, dramatischen Verlauf der Dinge realistisch erkennt. Sergej Kkomov, der zurecht als Charaktertenor bezeichnet wird, nahm „sein“ Publikum als linkischer Held im „Woody-Allen-Look“ regelrecht mit auf (s)eine Verwandlungsreise. Als einfacher Offizier stürzt er sich aufgrund seines Verlangens nach Geld, Anerkennung und einer Liebe, die für ihn unerreichbar zu sein scheint, ins Verderben. Anfänglich schleichend, doch zeitgleich mit dem Tod der Gräfin und der ins Spiel kommenden magischen drei Gewinnkarten werde ich plötzlich als Zuschauer mit einer unbändigen Wucht Teil seiner Zerrissenheit, seines zunehmenden Wahnsinns und der daraus erwachsenden Psychose. Durch die facettenreiche Inszenierung und die genial gestaltete Bühnenkulisse von Bärbl Hohmann ist eine exakte Trennung zwischen Realität und Hermanns Halluzinationen zeitweise kaum möglich. Besonders eindrucksvoll fand ich nach der Pause die Hebebrücke in Verbindung mit einem eher finster gestalteten und Kälte verströmenden Bühnenbild. Während die Brücke den Übergang vom Leben zum Tod, von der  Realität zum Wahnsinn und von der Liebe zur Einsamkeit symbolisierte, diente der gesamte Bühnenraum auf recht skurrile Weise einerseits der aufstrebenden, aber dem Glücksspiel verfallenen Gesellschaft, andererseits den Todesszenen als Schauplatz.

Passender hätte Tschaikowsky seine Musik zur Handlung der Oper, in der seine eigene gesellschaftliche Zerrissenheit und sein Hang zum Rokoko zum Tragen kommen, nicht komponieren können. Unter der Leitung des Dirigenten Aziz Shokhakimov gelang den Duisburger Philharmonikern und den Sängern die Umsetzung dieser Vielschichtigkeit auf wunderbare Weise.

Mein Fazit: „Pique Dame!“ ist eine äußerst sehenswerte, kurzweilige Oper, die voller Esprit und Überraschungen steckt.

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an einer Montessori-Grundschule in Duisburg-Bissingheim, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Der Austausch zwischen den Opernscouts schaffe „eine andere Wahrnehmung von Oper und Ballett“. In ihrer ersten Spielzeit begeistert sie ganz besonders  Martin Schläpfers Ballett „Schwanensee“: „Mit seiner Kraft und Ausdrucksstärke war es eine der genialsten Vorstellungen meines Lebens“.

Tschaikowsky meets Hugh Hefner

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Myriam Kasten über die Premiere von „Pique Dame“

Wenn ich Tschaikowsky höre, denke ich an „Schwanensee“, „Dornröschen“ oder den „Nussknacker“. Von der Oper „Pique Dame“ hatte ich noch nie etwas gehört und bin dementsprechend ohne Erwartungen aber voller Vorfreude ins Theater gegangen. Die Musik von Tschaikowsky hat mir schon als Kind immer sehr gefallen. Der Vorhang öffnet sich, die Bühne ist rappelvoll und bunt. Es sind so viele kleine Szenen in der Szene, dass ich die ersten Minuten komplett vergesse, dass es ja Text gibt, den man mitlesen sollte. Der Gesang ist in den ersten Minuten etwas dünn, steigert sich aber nach kurzer Zeit und ist über den Rest des Abends sehr stark. Die Reizüberflutung der ersten Szene geht jedoch immer wieder weiter und zur Pause bin ich schwer überfordert und denke nur: was für ein harter Tobak. Im letzten Akt treffen dann noch Playboy-Bunnys auf „The Walking Dead“ und ich bin vollends verwirrt. Die Musik, die ich eigentlich ja sehr mag, ist total in den Hintergrund gerückt. Zum Teil habe ich sie gar nicht wahrgenommen. Auch wenige Tage nach der Vorstellung kann ich nicht genau, sagen ob sie mir nun gefallen hat oder nicht.

 

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Myriam Kasten
Projektmanagerin Tourismus bei Duisburg Kontor GmbH

Die gelernte Fotografin hat die Liebe zu ihrer Heimatstadt zum Beruf gemacht: Als Projektmanagerin im Bereich Tourismus gibt sie ihre eigene Begeisterung für die Stadt an Besuchergruppen weiter. Für sie ist das Theater Duisburg einer der großen Anziehungspunkte der Stadt. Als großer Ballettfan hat sie Martin Schläpfers „Schwanensee“ in der Spielzeit 2018/19 positiv überrascht und die „Götterdämmerung“ in der Mercatorhalle vollkommen begeistert.

Bewegend, klug und zeitgemäß inszenierte Oper

Isabel Fedrizzi über die Premiere von „Pique Dame“

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Tschaikowskys Oper „Pique Dame“ erlebte ihre Uraufführung im  Dezember 1890 in St. Petersburg. Die Geschichte beruht auf der gleichnamigen Novelle von Alexander Puschkin, in der schonungslose Charakterstudien und Gesellschaftskritik vor dem Hintergrund einer Welt aufeinandertreffen, in der sich Traum, Mystik und Realität miteinander vermischen. In Duisburg feierte jetzt die von Lydia Steier bewegend, klug und zeitgemäß inszenierte Oper ihre Premiere. Was die drei Stunden auf der Bühne  vordergründig schon so beeindruckend macht, ist die üppige Ausstattung: mehrere aufwendige Bühnenbilder (mit Pool, schwenkbarer Brücke, Bühne etc.), geradezu verschwenderische Kostüme von Rokoko-Pracht bis zum Petticoatstil der 50er Jahre, ein großes Ensemble auf der Bühne (Sänger, Opernchöre und Kinderchor) und eine ganze Sammlung von Requisiten.

All diese Staffage ist nur Blendwerk und Zeugnis von Oberflächlichkeit und menschlicher Leere, denn in ihr spielt sich die eigentliche Tragödie ab: um unechte Liebe, krankhafte Spielleidenschaft, Gier und Neid sowie Lug und Trug. Ein Stoff, zu dem Peter Tschaikowsky erst durch die Libretto-Fassung seines Bruders Modest einen Zugang fand. Tatsächlich ist auch hier und heute der Zugang zu dieser etwas verworrenen Oper ein wenig mühevoll – aber am Ende sehr lohnend. Manch ein dramaturgischer Fingerzeig oder inszeniertes Gedankenkonstrukt mag sich beim einmaligen Sehen nicht gleich erschließen, aber immer ist Tschaikowskys Musik der akustische Helfer, um die verschiedenen zeitlichen und inhaltlichen Ebenen des Stoffes eben nicht restlos verstehen zu wollen, sondern in ihrer Abfolge auf sich wirken zu lassen. Meist zeichnet sie innere Seelenzustände nach, Hermanns Gier und Falschheit, Lisas Ängste, Polinas Hohn und Spott usw; ein wenig fühlt man sich wie ein Zeuge einer opulenten Soap…

Sergej Khomov  gab einen meisterlichen Hermann ab: mit psychologischem Tiefgang, innerlich zerrissen und stimmlich ausbalanciert. Natalya Muradymova verkörperte wunderbar eine wenig selbstbewusste, beeinflussbare und später gebrochene Lisa – mit glanzvoller Stimme. Die Gräfin umwehte so gar nichts Geheimnisvolles, verschroben vielleicht und etwas weltfremd, aber auch hier eine stimmliche Bestbesetzung.

Die Duisburger Philharmoniker machen die Hälfte dieses ganzen Panoramas aus: Heiterkeit in den Chören, manchmal ein sanfter Mozart-Ton, eine ausgewogene Tempowahl und fein phrasierte Linien. Kein ganz leichter Einstieg in die Welt der Oper, aber unbedingt wert, sie anzusehen!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Isabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Nach den Premieren schätzt sie die Gespräche mit den anderen Scouts, die den eigenen Blickwinkel erweitern.

Eine Oper in drei Akten und sieben (Wimmel-)Bildern

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Moritz Besel über die Premiere von „Pique Dame“

Wo guckt man zuerst hin, auf die Bühne, die Übertitel oder hört man doch einfach der Musik zu – das fragt man sich zu Beginn der Oper „Pique Dame“ von Tschaikowsky in der Inszenierung von Lydia Steier. Wimmelbildartig passiert so viel auf der Bühne, dass man das Stück wahrscheinlich mehrfach sehen kann und immer etwas Neues entdeckt.
Wir sind im Hollywood der 50er Jahre, der „guten alten Zeit“, in der man alles kann und nichts muss. Wo das Gesehenwerden zur Hauptmaxime erklärt wurde. Schon Tschaikowsky setzte die Oper seiner Zeit zurück an einen Fantasieort mit Rokoko-Elementen.
Besonders interessant war der Bruch des Bühnenbildes nach der Pause. War man das Opulente schon gewohnt und in Erwartung, fand man nun eine dunkle zweigeteilte Bühne mit einer in Nebel getauchten Hebebrücke vor. Vorne haderte Hermann, während im Hintergrund das Jenseits und seine nicht enden wollenden Erinnerungen prozessierten, um im Anschluss durch die Brücke verbunden zu werden. So wird dem Geist der Gräfin ermöglicht, ihm doch das Geheimnis der Karten zu verraten, und Hermanns Wahnvorstellungen gewinnen die Überhand.

 

 

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Moritz Besel
Inhaber ,,Der Farbklecks – Einrahmungen, Künstlerbedarf, Geschenke‘‘

Seit nunmehr zwölf Jahren arbeitet Moritz Besel im „Farbklecks“, der Duisburger Adresse für Künstlerbedarf und Einrahmungen. Nebenbei studierte er Medien- und Kommunikations­management. Seit 1. Januar 2018 ist er dessen Inhaber. Berührung mit dem Theater hatte Moritz Besel schon früh durch seinen Onkel Rainer Besel, Gründer des Duisburger Theaters „kreuz & quer“.

Sein erstes Jahr als Opernscout hat sein Interesse an der weiter Oper verstärkt, insbesondere Verdis „Otello“ begeisterte ihn.

Auf der Fahrt des Lebens in den Tod

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Christiane Hain über die Premiere von „Pique Dame“

Eines des letzten Werke von Tschaikowsky und die in Deutschland sehr wenig bekannte Oper beeindruckt mit einer abgestimmten Verbindung zwischen einem Musikerlebnis, einem Drama über Leidenschaft, Liebe, Gier, Verzweiflung, Zerrissenheit, Außenseitertum und Tod sowie opulenten Bühnenbildern.
Von den beeindruckenden Darstellern bleiben mir persönlich die beiden Hauptdarsteller von Lisa und Hermann in Erinnerung. Sie überzeugen beide in der Darstellung der Außenseiterposition. Alleine wirken sie sehr schwach und unscheinbar. Dies wird auch durch die Kostüme – Lisa trägt ein sehr unvorteilhaftes Kleid und Herrmann einen braunen Cord-Anzug – betont. Je näher sich die beiden Personen kennen und lieben lernen, desto stärker werden sie zusammen in ihrer Persönlichkeit, an Kraft und auch in der Ausstrahlung.
Die Regisseurin Lydia Steier holt die Handlung, die ursprünglich in der Zeit Katharina der Großen spielt, in die Gegenwart und platziert diese in die 50er Jahre von Hollywood. Auf der Fahrt des Lebens in den Tod erlebt der Zuschauer eine opulente, ausgelassene Poolparty, einen Maskenball mit Rokoko-Aufführung und zum Schluss eine einfach ausgestattete Bühne mit einem Bett und einer Brücke zum Tod.
Tschaikowskys Musik untermalt diese Entwicklung sehr gelungen und facettenreich, hervorragend gespielt von dem Orchester und gesungen von den Solisten und dem Chor der Deutschen Oper am Rhein.
Die Adaption in die heutige Zeit gelingt meiner Meinung nach sehr gut und als Zuschauer ist man von der 1. Sekunde an gefangen von dem sich abzeichnenden Drama.
FAZIT: Absolut empfehlenswert! Unbedingt anschauen und sich faszinieren lassen.

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Christiane Hain
Application Managerin

Christiane Hain arbeitet im IT-Bereich einer Bank in Düsseldorf. Sie ist in der Neckarstraße Duisburg aufgewachsen – in Sichtweise des Theaters, das ein fester Bestandteil im Familienleben war: Die Großmutter, die Eltern, die Schwester und sie selbst – alle waren regelmäßige Theaterbesucher. Ihre Tätigkeit als Opernscout führt dazu, dass sie wieder bewusster ins Theater geht und die Aufführungen als einen wichtigen Ausgleich zum Berufsleben betrachtet.