b.38 ist etwas sehr Besonderes

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Isabel Fedrizzi über die Premiere von „b.38“

Der Ballettabend b.38 ist etwas sehr Besonderes – man sollte ihn  unbedingt ansehen, weil er auch für  Nicht-Ballettfans ein richtig  beeindruckendes Erlebnis bietet.

Der dreiteilige Abend beginnt mit der  Uraufführung des Balletts Sinfonie  Nr.1 des rumänischen  Choreographen und Tänzers Remus  Șucheană, der an die Stelle Martin Schläpfers treten wird, wenn dieser  im nächsten Jahr das Ballett am  Rhein verlässt und nach Wien gehen  wird. Der Titel Sinfonie Nr.1 bezieht  sich auf die Musik zu diesem Ballett:  Sergej Rachmaninows erste Sinfonie  – ein dramatisches, animalisches, fast  trotziges Werk, auf das Remus  Șucheană seine Geschichte von  Krieg und Liebe, Verlust und  Sehnsucht, von Schrecken und  Hoffnung choreografiert. Die düsteren  und sehr intensiven Farben dieser  facettenreichen Musik finden sich  wieder im höchst eindrucksvollen Bühnenbild (Darko Petrovic): eine in ihrer Schlicht- und Einfachheit fast bedrohlich wirkende Mauer, die wie ein geöffnetes Buch hochkant die Szene begrenzt und den Blick auf das lenkt, was davor passiert. Menschliche Dramen, Paare, die sich finden, sich trennen müssen, weil die Männer in den Krieg ziehen, die Sehnsucht nach Menschlichkeit, Familienleben und Normalität. Auch Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt sind zu sehen, Hoffnung auf Frieden und bessere Zeiten. Die Kostüme passen sich realistisch in die Szenerie ein: Soldatenuniformen, angelehnt an jene der 1930er Jahre, im Kontrast zu bürgerlicher Kleidung, praktische Schnitte, dazu Frisuren, 44 wie man sie aus Bildern jener Zeiten kennt. In Verbindung mit dem unglaublich starken Ausdruck der Tänzer wird diese Geschichte aufwühlend lebendig. Man wird sogartig hineingezogen, fühlt und erlebt mit und bleibt – insbesondere beim tiefgründigen Ende – mit absoluter Aufmerksamkeit und angehaltenem Atem zurück…

Auf ganz andere Weise beeindruckend ist das zweite Tanzstück, das durch unfassbare Akrobatik besticht: 20 große breite Tische werden von 20 Tänzern vorn auf die Bühne gezogen und auf alle nur erdenklichen Arten genutzt: darauf liegend, wischend, sitzend, ziehend, stehend, mit Füßen tippend, unter ihnen hindurch gerollt, drumherum getanzt… One flat thing, reproduced, hat Choreograf William Forsythe sein Bewegungskunstwerk getauft. Zunächst herrscht auf, neben und unter den Tischen Chaos, zwischendurch lichtet sich das Treiben, Tänzer in kleinen Gruppen reduzieren die Impulse fürs Auge, dann wieder scheinbar ungeordnetes Chaos. Dazu eine Klang- und Geräuschwelt von Thom Willems, die das Chaos akustisch bestätigt… Zutiefst beeindruckend ist die tänzerische Leistung, die akurate Abstimmung, das Timing, die Präzision, die notwendig ist, um sich nicht an den Tischkanten zu verletzen und einen solchen rauschhaften Strudel an Bewegung zu meistern. Aber gefallen? Nein, das tut es nicht sehr – die Musik ist anstrengend, das Chaos bietet keinen Halt fürs Auge, keiner der zahllosen Impulse wird zu Ende geführt, das Auge kann auf nichts ruhen – alles bleibt offen und undurchschaubar. Respekt beschreibt den Eindruck vielleicht eher.

Musikalisch und erzählerisch versöhnlicher ist das dritte Ballett: Martin Schläpfers uraufgeführte Ulenspiegeltänze entführen ein wenig in magische Welten. Till Eulenspiegel, der rebellische Narr, Gaukler, legendäre Streichspieler dient dem Choreografen Martin Schläpfer nur als hintergründiger Nährboden für seine sehr konkret in der Jetztzeit festgemachten Ideen. Die Bühne eröffnet eine nächtliche Szene, nebelig, herabhängende Schnüre von oben werden zu beiden Seiten gezogen, wie ein nur wenig geöffneter Vorhang. Eulen als Motiv tauchen auf, als Nachttier in Videosequenzen oder Eulenaugen, die alles beobachten. Ein großer Kronleuchter oder ein prunkvoller Theatersaal werden eingeblendet und verändern die Atmosphäre. Wenig passend das Portrait Stalins, das im Bühnenhintergrund erscheint. Die Tänzer, in eng anliegende Anzüge gehüllt, die aussehen, als sei der Körper mit Pastellfarben bemalt, sorgen auch hier für fesselnde Stimmungen – ausdrucksvolle Bewegungen, die den Menschen den Spiegel vorhalten, die Menschen darauf stoßen, wie die Realität aussieht, mit allen Schrägheiten und Narreteien… so ist es von Martin Schläpfer gedacht. Und so kommt es auch an. Es braucht eine Weile, bis die Eindrücke verarbeitet sind, aber dann ist die Begeisterung für diesen vielseiteigen Abend um so größer…

Fedrizzi_Isabel_FOTO_Tanja_BrillIsabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Als Scout für Oper und Ballett möchte sie ihre Zuschauererfahrungen erweitern und intensivieren.

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So herrlich selbsterklärend

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„b.36 – Schwanensee“ Camille Andriot (Odile) FOTO: Gert Weigelt

Alexandra Schiess über die Premiere von Martin Schläpfers ,,Schwanensee“

Die Ballettpremiere Schwanensee von Martin Schläpfer ergreift mich auch knapp zwei Wochen danach, nachhaltig. Für mich ist es ein emotional sehr berührendes Handlungsballett der Sonderklasse.

Die so allseits bekannte, wie tragend, anregende Komposition Tschaikowskys erhält in diesem wundervoll inszenierten Ballett eine völlig neue Interpretation. Musik und Tanz fusionieren derartig schön, aber auch anders, dass das Märchen des Schwanensees auf eine ganz selbstverständliche Art nacherzählt wird. Klar, verständlich werden über den Tanz die Charaktere und die Handlung hervorgehoben. Es braucht weder aufwendiges Bühnenbild, noch auffällige Kostüme. Beides fügt sich wahrhaftig leise in das Gesamtbild ein und spiegelt die Persönlichkeiten in ihrer Stimmung und ihrem Umfeld wieder. Die Solisten als auch das Corps de Ballett haben mich, wirklich jeder in seiner Rolle, begeistert. Jede Tänzerin, jeder Tänzer beweist eine große Darstellungskraft, tänzerisch als auch schauspielerisch.

Bestimmte Stilmomente regten zum Nachdenken an, wie das sekundenlange ‚Nachhallen‘ des Tanzes ohne Musik- ein typischer Moment für Martin Schläpfer. Emotionen wie Freude, Wut und Traurigkeit wirken getanzt so herrlich selbsterklärend. Man taucht ab in dieses Märchen, leidet, hofft und bangt mit Siegfried, wünscht, dass alles gut wird… und so verzweifelt selbst der Betrachter am Ende des Stückes, denn hier heißt es nicht, wie im Märchen gewohnt, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.
Alexandra Schiess
Modedesignerin

Alexandra Schiess war Opernscout der ersten Stunde: Schon in der Spielzeit 2009/10 lernte sie das Projekt kennen und war sofort begeistert, Teil des Experiments zu sein. Mittlerweile ist sie Mutter von zwei Kindern und freut sich, ein zweites Mal – diesmal in Duisburg – dabei sein zu dürfen. Vor allem der Tanz fasziniert die Modedesignerin, die ihre Kollektionen sowohl in Deutschland als auch international, wie zum Beispiel in Paris, Rom und San Francisco vermarktet: Sie erstellte Kostümbilder für Ballettproduktionen in Dortmund und Hannover und pflegt eine enge Beziehung zum Ballett am Rhein. Der Oper begegnet sie mit Respekt und Freude und ist gespannt auf die neue Spielzeit.

 

Bewegende Eindrücke

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg SCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer

Dominik Mustereit über die Premiere von Martin Schläpfers „Schwanensee“

Die Premiere von Schwanensee in Duisburg war für mich ein besonderer Abend. Zum ersten Mal als Opernscout in der Oper am Rhein in Duisburg und zum ersten Mal durfte ich die bewegenden Eindrücke eines Handlungsballetts erleben.

Rundum war es ein gelungener Abend, der mir sicher noch lange in positiver Erinnerung bleiben wird. Die Erzählweise des Balletts war für mich eine völlig neue, ja fast fremd. Dennoch fühlte ich mich schnell in die Geschichte hineingesogen. Durch den Ausdruck und die Hingabe der Tänzerinnen und Tänzer wurde man in die Stimmung der Szenerie geleitet. Hier zeigte sich eine bedeutende schauspielerische Leistung.

Von einer fröhlichen Stimmung zum Einstieg – hin zu einer tiefen Trauer, Leid und Schmerz am Ende des Stückes zeigten ein so weites emotionales Spektrum auf, welches sich kaum in Worte fassen lässt. Ohne eine nennenswerte Erfahrung mit dem Ballett generell und ohne eine klassische „Schwanensee-Erfahrung“, war die moderne Choreografie für mich eine sehr zugängliche Art und Weise in das Stück zu finden, ganz ohne opulente Bühnenbilder und Ballettröckchen.

Mit Hochachtung vor der künstlerischen Leistung, einer fesselnden Geschichte, die durch eine bewegende musikalische Begleitung noch weiter überzeugen konnte, kann ich nur sagen, dass mich Schwanensee und die Choreografie von Martin Schläpfer noch sicher weiter beschäftigen wird.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.
Dominik Mustereit
Gymnasiallehrer in Dinslaken

Dominik Mustereit unterrichtet Biologie und Evangelische Religion am Otto-Hahn-Gymnasium Dinslaken. Als Opernscout möchte er die Welt der Oper und des Balletts näher kennen lernen und „sprachfähig“ werden, das heißt durch die regelmäßigen Opern- und Ballettbesuche, das genaue  Betrachten, Besprechen und Beschreiben der Aufführungen die eigene Meinung zu bilden und auszudrücken

 

 

Martin Schläpfer und ein Erzählballett

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg SCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer

Myriam Kasten über die Premiere von Martin Schläpfers ,,Schwanensee“

Das Herr Schläpfer sich an Schwanensee „heranwagt“ erstaunte mich, wo er so etwas zuvor noch nie gemacht hatte. Dieser Abend war für mich mit sehr gegensätzlichen Emotionen gefüllt, da ich Schwanensee bisher nur in klassischen Inszenierungen gesehen hatte.  Schläpfer hat es geschafft eine unheimliche Spannung aufzubauen und das Publikum in seinen Bann zu ziehen.  Alle Tänzer, allen voran Odette und Siegfried haben eine unfassbare Leistung gezeigt. Durch den Tanz und die Gestik konnte man auch ohne die klassischen Kostüme sehr gut die einzelnen Charaktere erkennen. Es gibt mutige und unerwartete Passagen deren Choreographie mich begeistert hat. Das Odette und Odile zwei verschiedene Tänzerinnen sind hat mir hingegen nicht gefallen. Gerade diese Tänzerische Leistung, beide zu verkörpern, ist es die mich bei Schwanensee besonders fasziniert.  Und sprechen wir über die angewinkelten Füße die sich inzwischen etabliert zu haben scheinen. Es gab einige wenige Passagen wo es tatsächlich passte, aber an einigen Stellen störte es das zauberhafte Gesamtbild.  Die Musik von Tschaikowsky ist dramatisch und genau so dramatisch war oft auch die Choreographie. Es passte einfach. Schauen Sie es sich an.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.


Myriam Kasten
Projektmanagerin Tourismus bei Duisburg Kontor GmbH

Die gelernte Fotografin hat die Liebe zu ihrer Heimatstadt zum Beruf gemacht: Als Projektmanagerin im Bereich Tourismus gibt sie ihre eigene Begeisterung für die Stadt an Besuchergruppen weiter. Für sie ist das Theater Duisburg einer der großen Anziehungspunkte der Stadt. Hier hat sie schon als Kind viel Zeit verbracht – häufig nahmen sie die Eltern ins Theater mit. Ballettunterricht und das eigene Tanzen verstärkten die  Begeisterung für Musik und Tanz, besonders für die Choreographien von Youri Vàmos.

 

 

Eine absolute Meisterleistung!

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Marlúcia do Amaral (Odette) und Marcos Menha (Siegfried) FOTO: Gert Weigelt

Annette Hausmann über die Premiere von Martin Schläpfers „Schwanensee“

Bereits vor Beginn der Premiere von Martin Schläpfers ,,Schwanensee“- Aufführung war mir bewusst, dass sich diese Inszenierung von den mir bisher bekannten klassischen Schwanensee- Interpretationen unterscheiden wird. Doch was Martin Schläpfer mit seiner meisterhaft- modernen und zugleich anmutig-zauberhaften Choreographie geschaffen hat, übertraf meine Erwartungen – der Abend war ein Traum!!!

Dazu die wunderbare Musik von Tschaikowsky: mal dramatisch-packend und im nächsten Moment leicht und verträumt, aber immer im Einklang mit der jeweiligen Balletthandlung – exzellent von den Duisburger Symphonikern umgesetzt. Besonders gelungen empfand ich die Musikpausen im ersten Akt. Sie gaben mir Zeit, aufgebaute Spannung abzubauen und mich ganz auf die Tänzer und ihre expressiven Gefühle und Gedanken einzulassen. Das gesamte Tänzerensemble – mit anderen Worten: Die Hauptpersonen des Abends überzeugten durch ihre tänzerischen Qualitäten und zogen alle Zuschauer mit ihrer dynamisch-lustvollen und zugleich anmutig-verspielten Art des Ausdruckballetts in ihren Bann.

Marcos Menha in der Rolle des ,,Siegfrieds“ und Marlúcia do Amaral als ,,Odette“ waren ein zauberhaftes Paar, das nicht nur in der Geschichte, sondern auch tänzerisch füreinander bestimmt war. Durch ihre gegenseitige Zuneigung und Liebe tanzten sich beide immer wieder ,,frei“, wollten sich nicht den gesellschaftlichen Zwängen oder gar der bösen Zaubermacht unterwerfen. So dramatisch der ,,Liebesverrat“ in Schwanensee auch endet, so genial wurde er umgesetzt: Siegfried trägt voller Trauer und körperlicher Anspannung, aber dennoch mit einer gewissen Zuversicht und Leichtigkeit seine geliebte Odette als sterbenden Schwan von der Bühne.

Durch die Reduktion auf das Wesentliche – einschließlich der Bühnenbilder und Kostüme der Tänzer – ist es Martin Schläpfer gelungen, die ,, Schwanensee“- Handlung als Zuschauer auch ohne Worte in ihrer ganzen Vielfalt und Gegensätzlichkeit zu verstehen und sie wie einen wunderbaren Traum in sich ,,aufzusaugen“

Kurz und gut: eine absolute Meisterleistung!

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.


Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an GGS Hermann-Grothe-Straße in Duisburg-Bissingheim, einer Montessori-Grundschule, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Sie findet es spannend und freut sich darauf, sich als Scout für Oper und Ballett in dieser Saison wieder regelmäßig und intensiv mit Oper und Ballett auseinanderzusetzen.

Eine gelungene zeitgenössische Version

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg SCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer

Christiane Hain über die Premiere von Martin Schläpfers „Schwanensee“

Zu Anfang war ich sehr skeptisch und konnte mir gar nicht vorstellen, was mich bei einer Schwanensee Aufführung in Kombination mit der Choreographie von Martin Schläpfer erwartet.

Mich hat seit langem mal wieder ein Ballett und seine zeitgenössische Umsetzung fasziniert. Diese Inszenierung hat mich richtig berührt. Die Entscheidung sich an dem Orginal Libretto zu halten, die Kleidung und das Bühnenbild sehr einfach zu gestalten, führte dazu dass man sich komplett mit der Geschichte und der Musik auseinander setzt. Gut empfand ich auch die gute und die böse Seite durch die Farbgestaltung der Kleidung schwarz und weiß zu unterstreichen.

Als besonders gelungen empfand ich die kurzen Pausen bei der Musik in denen aber die Künstler weiter ihre Rolle spielten oder tanzten. Es führte dazu, dass sich der Zuschauer der Musik noch nachhängen kann, überrascht wurde und aber zeitgleich sich auf die neue Szene neu konzentrierte. Die dann neu einsetzende Musik wurde viel intensiver empfunden.

Die Musik und den Tanz habe ich als eine Symbiose, als eine Einheit empfunden. Eigentlich möchte ich keine einzelne künstlerische Leistung hervorheben, da ich alle Tänzer auf der Bühne gut fand. Aber das letzte Pas de deux von Siegfried und Odette war noch einmal ein Höhepunkt zum Ende des Balletts.

Ich empfehle allen in das Ballett zu gehen und sich eine, wie ich finde, gelungene zeitgenössische Version des Klassikers Schwanensee anzuschauen.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.


Christiane Hain
Application Managerin

Christiane Hain arbeitet im IT-Bereich einer Bank in Köln. Sie ist in der Neckarstraße Duisburg aufgewachsen – in Sichtweise des Theaters, das ein fester Bestandteil im Familienleben war: Die Großmutter, die Eltern, die Schwester und sie selbst – alle waren regelmäßige Theaterbesucher. Mit einigem Abstand nähert sich die Duisburgerin jetzt wieder der Oper und dem Ballett und freut sich auf ihre neue Aufgabe als Opernscout.

 

Mit großer Theatralik erzählt..

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
„b.36 – Schwanensee“ Marcos Menha, Marúcia do Amaral FOTO: Gert Weigelt

Jürgen Ingenhaag über die Premiere von Martin Schläpfers  „Schwanensee“

Mittlerweise weiß das Publikum, dass es beim Choreographen Martin Schläpfer keine kitschig-bunten Ballettabende erwarten darf. Die 36. Ballettproduktion, Tschaikowskys „Schwanensee“-Märchen, wird von Menschen in dezenten Kostümen, aber mit großer Theatralik erzählt.
Die Fest-Szene des 1. Akts erinnerte mich ein wenig an ein Oktoberfest, da gab es für Mann und Frau viel zu schauen. Die Bühnenbilder sollten nicht ablenken und alle Aufmerksamkeit den Tänzern gelten. Hier wird nicht immer alles „auf die Spitze getrieben/getanzt“ und trotz der Musik auch kein klassischer Walzer getanzt. Schläpfers Choreographie überrascht immer wieder mit starken beeindruckenden Figuren. Grandios fand ich den hin- und hergerissenen Prinzen Siegfried (Marcos Menha), der von Anfang bis Ende präsent war. Der Zusammenbruch von Siegfrieds Mutter, der Königin (Virginia Segarra Vidal), am Ende des 3. Akts hat mich sehr berührt. Dramatischer Höhepunkt war zweifellos nach verratener Liebe Odettes „Schwanentod“ (Marlúcia do Amaral).
Irritierend empfand ich die vielen Unterbrechungen in der Musik, doch bei all der Stille verhielt sich das Premierenpublikum diszipliniert ruhig. Den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Aziz Shokhakimov gilt Dank und Lob, hervorzuheben die Harfensoli von Verena Plettner. Die großartige Orchestermusik von Peter Tschaikowsky hat nicht nur mir den Zugang in den Konzertsaal oder ins Theater eröffnet, deshalb kann ich nur empfehlen: Rein ins Stadttheater, Handy aus, Licht aus, Vorhang auf, das Spiel beginnt – ganz ohne Gesang…

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Jürgen Ingenhaag
Vorstand Musikalische Gesellschaft Rheinberg

Der Staatlich geprüfte Techniker für Druck und Medien organisiert im Vorstand der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge‘‘. Mit Rock- und Popmusik ist er aufgewachsen – sie hat ihn geprägt und trotzdem nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden; einer, der sogar die Bayreuther Festspiele besucht. Im Theater Duisburg freut er sich nach „Rheingold“ und „Walküre“ in dieser Spielzeit auf die Fortsetzung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.