Ein grandioses Werk

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Stefan Pütz über die Premiere von „Samson et Dalila“

„Samson et Dalila“ – ein grandioses Werk von Camille Saint-Saëns

Schon der Beginn der aus dem Untergrund hochfahrende Chor der Bauarbeitersklaven, die mit ihren Stirnlampen das Publikum blenden ist beeindruckend. In dieser Aufführung sind alle Elemente der klassischen Oper enthalten: Kampf, Widerstand, Rache, Gier, Liebe, Eifersucht, Verzweiflung, Intrige, Mordlust, Verrat, Größenwahn und der unausweichliche Untergang.
Gesanglich und schauspielerisch ist Ramona Zaharia als Dalila dominant – eine „Wucht“. Sie ist in ihrer mit ihrer Stimme immer präsent und verführerisch. Der Höhepunkt ist ihre Arie, „Mon cœur s’ouvre à ta voix“ mit Samson.
Auch Michael Weinius als Samson überzeugt ebenso stimmlich, doch schauspielerisch „fehlt da ein wenig“.
Der Oberpriester Dagon, super gut gespielt und gesungen von Simon Neal gefiel mir auch sehr. Besonders die Chöre, Dalila und das große Orchester unter der Leitung von Marie Jacquot, konnten an diesem Abend gefallen.

Ein toller Abend!

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Stefan Pütz
Inhaber von „Buch in Bilk“

Den Namen Stefan Pütz verbindet man mit „Buch in Bilk“, einer Buchhandlung in Unterbilk. Bei Kulturveranstaltungen ist er gern mit einem Büchertisch präsent, denn direkter Kontakt zu Kunden und persönliche Beratung sind ihm wichtig. Wichtig ist ihm jetzt – nach langer Abstinenz – auch wieder die Begegnung mit Oper und Ballett. Wagner Inszenierungen findet er grundsätzlich nicht sonderlich unterhaltsam, vom Ring am Rhein war er allerdings hellauf begeistert. Die Wagner Inszenierungen der Deutschen Oper am Rhein sind „besser als anderswo“.

Dalila!

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Benedikt Stahl über die Premiere von „Samson et Dalila“

Mit nur ganz wenigen Worten würde ich dieses Opernerlebnis so beschreiben: Dalila! Die Musik! Der Chor!

Es soll aber etwas ausführlicher sein und so erinnere ich mich gerne noch einmal an die farbenreichen Bilder, die einnehmenden Klänge und den spannungsreichen Ablauf dramatischer Bühnenereignisse.

Zu Beginn der aus dem Untergrund hochfahrende Chor der Bauarbeitersklaven, die mit ihren Stirnlampen das Publikum blenden. So werden die Köpfe vor mir, werde ich selbst, getragen von raumfüllender Musik in das Stück hineingezogen, wird alles eins.

Dann nimmt das Drama seinen Lauf. Widerstand, Kampf, Verwüstung, Rache, Gier, Liebe, Eifersucht, Verzweiflung, Intrige, Mordlust, Verrat, Größenwahn und der unausweichliche Untergang zum Schluss (der in dieser Inszenierung viel zu harmlos ausfällt): von allem etwas, Oper pur!

Herausragend und vom ersten bis zum letzten Moment auf der Bühne: Ramona Zaharia als Dalila. Sie ist in ihrer Erscheinung, ihrer Gestik und natürlich mit ihrer Stimme dermaßen präsent und verführerisch, dass alles andere, wie zum Beispiel die Bühnenarchitektur oder die Kostüme, die zuweilen etwas überanstrengt wirken, Nebensache wird. Der Höhepunkt ist ihre Arie, „Mon cœur s’ouvre à ta voix“ mit Samson, die wunderbar sinnlich ausgeleuchtet und voller Ausdruck noch lange nachwirkt.

Michael Weinius kommt als Samson eigentlich erst so richtig in Fahrt, nachdem (endlich) von seiner Angebeteten der blöde Zopf abgeschnitten ist und ihm die Augen ausgestochen werden. Ziemlich ekelhafte Szene übrigens, die damit den Oberpriester des Dagon, super gespielt und gesungen von Simon Neal, noch unausstehlicher macht. Gelungene Dramaturgie!

Getragen wird das alles vom fantastischen Chor und dem Orchester, die das grandiose Werk von Camille Saint-Saëns, an diesem Abend unter der Leitung von Marie Jacquot, großartig aufführen.

Ich würde nochmal reingehen. Alleine schon wegen Dalila!

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Benedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit. Wenn in einer Inszenierung alle komponenten gut zusammenkommen dann entsteht „ein großes Kunstwerk“ und in der Deutschen Oper am Rhein ist „immer was für einen dabei“. Besonders gefällt ihm die Vielseitigkeit von Oper und Ballett.

Eine mutige Herausforderung

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Karolina Wais über die Premiere von „Samson et Dalila“

Ich habe mich mit der Oper „Samson et Dalila“ zuvor wenig beschäftigt und bin offenen Herzens in die Vorstellung gegangen. Von Anfang an wurde mir klar, dass die Oper an die heutige Zeit adaptiert wurde.
Ramona Zaharia hat als Dalila solch eine Bühnenpräsenz, dass Michael Weinius als Samson neben ihr etwas verblasst, ihm fehlt die Leidenschaft. Dadurch wird die Verführungskunst von Dalila aber noch mehr verdeutlicht. Ich überlege, ob dieser Effekt beabsichtigt ist, um die Zerrissenheit Samsons sich zwischen seinem Gott oder Dalila zu entscheiden, zu betonen.
An das Bühnenbild gewöhne ich mich erst ab dem zweiten Akt, es ist minimalistisch. Die Farben der Bühne werden durch die Beleuchtung perfekt unterstützt.
Wenn Joan Anton Rechie das Stück näher an die Erfahrungswerte des Publikums bringen wollte, dann denke ich, dass er auf keinen Fall wollte, dass dem Publikum seine Botschaft entgeht. Die Kostüme sind sehr plakativ in Szene gesetzt, das hebräische Volk trägt Arbeiterklamotten, die Philister Anzüge und Dalila ein enges Minikleid in Leopardenoptik mit kniehohen Stiefeln. Sein Publikum auf diese Weise herauszufordern, erfordert Mut und das gefällt mir.
Dem Düsseldorfer Symphonieorchester höre ich gerne zu. Als die Philister im dritten Akt ein ausgelassenes Fest feiern, werde ich als Zuschauerin mitgerissen, natürlich soweit es die Etikette in einer Oper zulässt.
Ramona Zaharia als Dalila, Simon Neal als der Oberpriester des Dagon, Sami Luttinen als ein alter Hebräer und der Chor stechen für mich gesanglich hervor.

Insgesamt schafft es Joan Anton Rechie, dass ich mich im Nachhinein mit der Oper beschäftige und mit Freunden und Bekannten über die religiösen und machtpolitischen Aspekte diskutiere.

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Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich nun mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre erste Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett näher kennenzulernen.

Verworrene Inszenierung

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Helma Kremer über die Premiere von „Samson et Dalila“

Von Camille Saint-Saëns kannte ich mehrere Werke, darunter Werke für Klavier und Violine sowie einige Sinfonien und den „Karneval der Tiere“. Aus der Oper „Samson et Dalila“ kannte ich lediglich die berühmte Arie „Mon coeur s’ouvre à ta voix“. Entsprechend hatte ich keinerlei Erwartungen und auch keine Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Inszenierungen. Zunächst blieb ich verhalten und behielt bis in den II. Akt eine gewisse Distanz. Der Stoff konnte mich nicht wirklich packen und die Inszenierung mit Transfer in die Gegenwart erschien mir ziemlich verworren (Philister = Manager, Hebräer = Minenarbeiter/ Kumpel??, Philisterinnen = Prostituierte / Managerinnen). Als großer Fan werkgetreuer und historischer Inszenierungen, nicht nur bei der filmischen Umsetzung literarischer Werke, sondern auch auf der Bühne, ist es ohnehin schwer, mich mit zeitgenössischen Interpretationen zu begeistern – in dieser Hinsicht bin ich hoffnungslos konservativ. Das Bühnenbild erschien mir dagegen, zumindest im I. und II. Akt, wohltuend minimalistisch.

Die Sänger beindruckten mich jedoch von Beginn an: Luke Stoker als Abimélech gefiel mir so gut, dass ich Abimélechs frühen Tod außerordentlich bedauerte. Aber auch Michael Weinius sang sehr gut, ebenso Simon Neal als Oberpriester Dagon und Sami Luttinen als alter Hebräer. Ramona Zaharia war der Star des Abends: Nicht nur gesanglich überzeugte sie voll und ganz, sondern auch darstellerisch. Allerdings stand ihr Simon Neal kaum nach; seine Grausamkeit ließ einem das Blut in den Adern gefrieren. Dalilas Aufmachung erinnerte an die einer Mafiosi-Braut und da Samson mit seinem etwas spärlichen Haar und auch hinsichtlich Statur und Kostüm eine starke Ähnlichkeit mit Meat Loaf zeigte, erschienen die beiden mir als doch eher ungewöhnliches Paar. Dem wundervollen Gesang tat das allerdings keinen Abbruch.  Bei der berühmten Verführungs-Arie „Mon coeur s’ouvre à ta voix“, die ich bereits seit Kindertagen kenne, und als großer Fan von Maria Callas, gemeinsam mit anderen berühmten Callas-Arien Ende der 90er Jahre auf CD rauf und runter hörte, schmolz ich wie Samson dahin. Spätestens dann war das Eis gebrochen und auch der Stoff packte mich zunehmend. Seit dem Premieren-Besuch habe ich mir diese Arie mehrmals angehört, von Maria Callas über Jessye Norman bis zu Elina Garanca sah ich verschiedene Präsentationen auf Youtube. Und ich finde, dass Ramona Zaharias Vortrag mit in die Reihe der ganz Großen gehört.

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Helma Kremer
Leiterin „Market Development“ bei der Düsseldorf Tourismus GmbH

Helma Kremer arbeitete nach ihrem Studium an der Heinrich-Heine-Universität zunächst an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Nach einem. Voluntariat im Bereich „Marketing/Presse“ beim Düsseldorfer Schauspielhaus übernahm sie 2006 den Bereich „Kulturmarketing“bei der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH. Durch ihre Großeltern kam sie bereits als Kind mit der Oper in Kontakt, ihre erste Aufführung im Opernhaus war „Hänsel und Gretel“. Dennoch interessiert sie sich eigentlich eher fürs Ballett, als für die Oper. Sie freut sich in ihrer ersten Spielzeit als Opern- und Ballettscout auf die regelmäßigen Theaterbesuche

Eine musikalische Anästhesie

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Markus Wendel über „Samson et Dalila“

Die vergangene Freundeskreispremiere von Saint-Saëns Oper „Samson et Dalila“ beginnt meinerseits mit leichter Irritation. Weite Teile der Zuschauerreihen sind unbesetzt, für eine Düsseldorfer Premiere ist das ungewöhnlich. Ich bin verwundert, denn musikalisch ist die Oper wirklich schön, mit großen Choranteilen und einer Arie die wahrscheinlich fast jeder schon einmal gehört hat. Im Vorfeld zur Aufführung habe ich die Oper zweimal komplett gehört und auch die öffentliche Probe ein paar Tage vor der Premiere besucht.

Bereits mit den ersten Takten zieht GMD Axel Kober mit seinem präzisen und zugleich sehr wohlklingenden Dirigat den größten Teil meiner Aufmerksamkeit auf die musikalische Seite dieses Liebesdramas, das ursprünglich als Oratorium komponiert wurde. Entsprechend ruhig ist die Oper und weitgehend ohne aufgeregte Momente.

Sängerisch hervorheben möchte ich Simon Neal in der Rolle des Oberpriesters. Stimmlich in Bestform und mit einer Spielfreude, die mir wirklich Spaß bereitet beim Zusehen. In Punkto Bühnenpräsenz und Rollenidentifikation ist er auf Augenhöhe mit seiner äußerst überzeugenden Wotan-Interpretation im aktuellen Düsseldorfer Ring. Dies gilt auch für seine gelungene Darstellung des Cardillac, die ich vor einigen Monaten in Gent sehen konnte.

Leider kann nach meinem Empfinden die neue Inszenierung dem musikalischen Part nur wenig Unterstützung zukommen lassen. Die Bilder sind für meinen Geschmack statisch und fad, die gesamte Umsetzung wirkt wenig ambitioniert. Aber auch dies ist sicherlich Geschmacksache. Während ich beispielsweise die aktuelle „Roméo et Juliette“-Produktion abgefeiert habe, wurde diese mitunter auch gänzlich anders wahrgenommen.

Im Ergebnis verbinden sich am heutigen Abend Szene und Musik zu einem Gemisch mit streckenweise stark narkotischer Wirkung. Erfreulicherweise ist die Anästhesie frei von Nebenwirkungen und ich beschließe den Abend mit freundlichem Applaus.

Jedem Musikliebhaber möchte ich diese Oper empfehlen. Gerne im Opernhaus in Düsseldorf. Und falls Sie es nicht schaffen, dann bei einem schönen Glas Rotwein im heimischen Wohnzimmer.

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Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“. Überrascht war er davon, dass die Ballettinszenierungen 2018/19 ihn sogar mehr faszinierten als die Operninszenierungen.

Großartige Sänger, plumpe Rollenklischees

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Charlotte Kaup über die Premiere von „Samson et Dalila“

Samson et Dalila – ein starker Auftakt mit einem beeindruckenden Chor, großartige Sänger, plumpe Rollenklischees und recht wenig Handlung und dann wiederum ein fantastisches Bühnenbild und liebevolle Details.
Als Opernneuling hat mich dieser Abend in vielen Momenten begeistert und in anderen wiederum etwas ratlos zurückgelassen.

Zunächst zur Musik: wie wundervoll, etwas so Schönes hier in Düsseldorf erleben zu dürfen!
Ich kannte die Oper zuvor nicht und mir kamen nur ein, zwei Passagen annähernd vertraut vor.
Auch habe ich die Musik nicht als so eingängig erlebt, dass mir einzelne Stücke besonders im Kopf geblieben sind. Beeindruckt hat mich viel mehr die Feinheit und Differenziertheit jedes einzelnen musikalischen Moments und die großartige Leistung der Solisten, des Orchesters und auch des Chors. Hervorzuheben ist sicherlich Ramona Zaharia als Dalila – eine einfach perfekte Besetzung!

In Gegensatz zu der, von mir auf zurückhaltende Art als sehr reichhaltig empfundenen Musik, stand allerdings die Inszenierung.
Bei dem Versuch, das im biblischen Zeitalter terminierte Material in die Jetztzeit zu holen, wurden betont stumpfe und plakative Rollenbilder bedient und undifferenziert flache Personengruppen ohne viel individuellen Rollencharakter erschaffen, die mit unterschiedlichen Mitteln Machtpositionen verteidigten. Das ganze nach dem Prinzip Schere, Stein, Papier.

Als Powerweapons gab es die Kombinationsmöglichkeiten Anzüge, Geld und Waffen, Spitzhacken und Gemeinschaftsgesänge oder Brüste, Kunstpelz und High Heels.
Zunächst machte mich das ziemlich ratlos und ich fand es beinahe frech, solche Rollenbilder auf einer Opernbühne präsentiert zu sehen.
Vielleicht war es aber genau dieser Gegensatz – die oberflächliche und auf überzeichneten Klischees basierende Schaffung von Personenkollektiven und die dezente, individuelle und vielschichtige Charakterisierung über die Musik – der wiederum irgendwie spannend war.

Was ich als besonders positiv hervorheben möchte, waren die Chorpassagen.
Neben der musikalischen Qualität und Bereicherung zu den solistischen Szenen, ergaben sich auch durch die Quantität und Komposition der Akteure sehr abwechslungsreiche visuelle Eindrücke.
Mal eher begleitend im Hintergrund, beinahe mit dem Bühnenbild verschmelzend und mal zentral den gesamten Raum einnehmend, wurden beeindruckende Bilder kreiert.

Alles in allem lässt sich über die Inszenierung sicherlich streiten, aber wenn man es hält wie einer der mich umgebenden Zuschauer, der murmelte „Augen zu, Ohren auf“, ist der Abend in jedem Fall ein Genuss!

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Charlotte Kaup
Ärztin in der Radiologie

Vor kurzem hat die junge Ärztin eine Stelle in Mönchen Gladbach angetreten. Vorher arbeitete sie einige Jahre als Ballettlehrerin beim Hochschulsport. Sie ist Regelmäßige Besucherin der Ballettinszenierungen der Deutschen Oper am Rhein und ist sehr begeistert von der Vielfalt des Repertoires.
Bezüglich der Oper ist sie ein Neuling, möchte dies aber gerne ändern und freut sich deshalb auf ihre Zeit als Scout und die Möglichkeit sich mit Opernliebhabern austauschen zu können.

Ein geglücktes musikalisches Erlebnis mit einer etwas unpassenden Szenerie

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Hubert Kolb über die Premiere von „Samson et Dalila“

Ich erwartete ein langweiliges Oratorium mit einigen schönen Solopartien. Stattdessen gab es ein spannendes dynamisches Auf und Ab mit herrlichen Stimmen und perfektem Zusammenklang mit dem Orchester (Axel Kober sei Dank!). Die Musik war gefällig, aber auch ein Genuss.
Die Ausstrahlung von Ramona Zaharia als Dalila und die Klangfarbe ihrer Stimme waren eindrucksvoll, der Wagnersänger Michael Weinius war ein Gegenpart auf Augenhöhe, wenn auch Kostüm, Haarpracht und körperliche Kraft-Wirkung nicht ganz dem Bild des Samson entsprachen. Dazu war der Chor, wie meist, eine Ohrenweide.
Die Übertragung der Handlung in ein Bergwerk mit Ausbeutern im Business-Anzug und Maschinenpistole war ganz erfrischend, kam aber oft über zum Teil peinliche Klischees nicht hinaus. Der religiös ausgerichtete Text passte dann meist nicht.

Fazit: Ein sehr schönes und spannendes musikalisches Erlebnis mit meist überzeugender Personenregie, aber mit einer etwas oberflächlichen Übersetzung der Handlung in ein Arbeiter–Ausbeuter Szenarium, vermutlich in der Dritten Welt anzusiedeln.

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Dr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.

Femme Fatale spielt Samson und Israel an die Wand

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Sandra Christmann über die Premiere von „Samson et Dalila“

Auf den Punkt muss der erste Moment, das erste Bild, der erste Eindruck sitzen, um uns den Einstieg in alles Folgende zu erlauben und dazu gehört nun mal natürlich das was wir hören, aber meines Erachtens nach noch mehr was wir sehen.

Den Bühnenbildern verfallen, freue ich mich, dass Gabriel Insignares mit einer architektonisch ästhetischen Gestaltung diesen ersten Moment gebührend ermöglicht, verschönt. Kein Geschnörkel, nichts Verschlungenes, übersichtliche klare Ebenen, zeitlos, dennoch dem modernen Design verpflichtet. Die Materialien und die Ebenen sind variantenreich und pur. Gefällt mir sehr! Perfekt für alle drei Akte kreiert.

Der „Aufzug“ (großes Bühnen-Detail als Klammer zu Beginn und gegen Ende der Oper) der „Bergarbeiter“ und somit das Intro (auch) des Chors sind beeindruckend und überhaupt überzeugt der Chor durchweg, unabhängig der Kostümierungen, mit einem satten, perfekten, wunderschönen Gesang.

Ich bin ja auch mittlerweile ein Fan von Axel Kober. Da weite Strecken dieser Oper ohne gesangliche Ergänzung passierten, fiel die Musik noch mehr ins Gewicht und war durchgehend einnehmend. Schön.

Ramona Zaharia

…Wo soll ich da anfangen? Ich hörte sie singt jetzt die Carmen in New York, ich werde ihr wohl nachreisen und ein Groupie werden.

Ich habe das erst einmal erlebt, dass eine Frau die Bühne betretend, sich das Publikum, das Orchester, die Bühne, die Mitspieler, wie eine Gottesanbeterin einverleibt. Das war vor einem Jahr Linda Watson in meinem ersten Wagnermarathon.

Zaharia auf ihre Art, mit ihrer Stimme, ihrer Schönheit, Ihrer Kraft, und dann noch einmal mit der Kraft ihrer Stimme und ihres schauspielerischen Talentes fängt uns alle ein. Wir haben keine Chance Blick oder Ohr abzuwenden. Samson hat keine Chance, die eigentliche historische Grundlage ihres Handelns hat keine. Die scheinen nur Beiwerk.

Sie fesselt uns (und Samson), und dann sind auch all die überspitzten Klischees der Bergarbeiter, Prostituierten und Anzugträger kein zu kritisierendes Inszenierungsmittel mehr, was soll’s? Wir haben ja sie.

Fazit: Sie ist grandios. Eine Grand Dame der Oper.

Insgesamt ist die musikalische und gesangliche Leistung sehr gelungen und es zeichnen sich einige Talente heraus, Sami Luttinen noch namentlich genannt! Eine hörens- und sehenswerte Inszenierung.

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Sandra Christmann
Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf und die Kunst. Sie engagiert sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben ihrer Arbeit engagiert sie sich für diverse Hilfsprojekte.
Sie liebt das Ballett und besuchte „just for fun“ manchmal die Oper, nun will sie „auch nach ihrer Zeit als Opernscout der Oper treu bleiben“.

Musikalischer Genuss mit eindrucksvollen Stimmen

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Sassa von Roehl über die Premiere von „Samson et Dalila“

Etwas aufgeregt saß ich in der ersten Premiere meiner Zeit als Opernscout im Zuschauersaal und wurde schon gleich zu Beginn vom oratorienhaften Gesang des Chors und  der mystischen Atmosphäre düsterer Rauchschwaden in den Bann von Saint-Saens Oper Samson et Dalila gezogen. Die Chor-Sänger kamen als Hebräer und versklavte Bergarbeiter mit Stirnlampen langsam von „unter Tage“ auf die Bühne. Doch schnell erhellte sich die Szene und zeigte durchgängig ein für mich eher nichtssagendes Bühnenbild. Die Stimmung wechselte zum aggressiven Kampf gegen die als geldgierige Manager gezeigten Philister, von denen der Held Samson die Unterdrückten befreit. Die schöne Philisterin Dalila umgarnt Samson, der auf ihre Verführungskünste hereinfällt und ihr das Geheimnis seiner Kraft verrät. Im Sinne eines modernen Frauenbildes hätte ich mir Dalila als starke, unabhängige Priesterin gewünscht und nicht als Prostituierte im Glitzerfummel und Highheels. Ihr übertriebenes Outfit empfand ich eher nervig als passend. Es stand für mich beinah im Gegensatz zur beeindruckenden Stimme Ramona Zaharias. Ähnlich bei Michael Weinius, bei dessen  „Delila – je t´aime“ ich dahinschmolz, solange ich die Augen schloss. Für meinen – zugeben etwas romantischen – Geschmack hätten Samson dicke, schwarze Haarlocken zieren können, wo doch all seine Kraft genau darin liegt.  Wenigstens ein Hemd statt eines ausgeleierte T-Shirts  hätte ihm gut zu Gesicht gestanden, um seiner aufgetakelten Gegenspielerin äußerlich halbwegs ebenbürtig zu sein. Für mich wurde der Gegensatz Arm gegen Reich zu eindimensional und plakativ dargestellt. Die Inszenierung bemüht dabei viele Klischees, die Themen Geld und Bestechung wurden reichlich überstrapaziert.

Die Saint-Saëns Oper war für mich ein musikalischer Genuss mit eindrucksvollen Stimmen, aber als Kapitalismuskritik weniger geeignet.

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Dr. Sassa von Roehl
Social Campaining / Dozentin an der Heinrich-Heine-Universität

Dr. Sassa von Roehl engagiert sich für Zivilcourage und berät Gemeinnützige Projekte im Bereich PR. Als kulturinteressierte besucht sie oft das Theater Duisburg. Sie ist großer Martin Schläpfer Fan, im Bereich Oper allerdings eher ein „interessierter Neuling“. Gespannt startet sie nun in ihre erste Spielzeit als Scout für Oper und Ballett in Düsseldorf.

“…nicht von der Stange” – ein gelungener Saisonauftakt

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Michael Langenberger über die Premiere von „Samson et Dalila“

Die Düsseldorfer Inszenierung schließt, wenn man so will, an die verwirrende Entwicklungsgeschichte dieses Werkes an. War es von Saint-Saëns ursprünglich doch gar nicht als Opernwerk geplant. Und wer hätte gedacht, dass die Uraufführung in Weimar und dann auch noch in deutscher Sprache war? Ein ziemliches Durcheinander. Genau hierzu passen die erheblich überzeichneten Rollenbilder in der Düsseldorfer Inszenierung. Die z. T. weit über das platte Klischee hinaus gespielten Rollen, machen das Stück nicht nur lebendig und abwechslungsreich. Es bietet auch genügend Ansatzpunkte sich nach der Aufführung mit den verschiedenen Blickwinkeln und deren Bezug auf unser heutiges Leben auseinanderzusetzen.

Doch im Opernsessel, Vorort und live ist es ein Genuss, wie einem mit Bildern und Klang ein Schauspiel dargeboten, wenn Tonkunst nicht nur als perfekt gespielte und gesungene Musik verstanden wird. Besonders beeindruckend, wie der Chor unsichtbar, seitlich hinter der Bühne stehend die Breite der Bühne um viele Meter vergrößert.
Der Chor aus dem Off, einige unglaublich gefühlvoll gespielte Bläserpassagen lassen mein Musik-Herz genauso höher schlagen, wie die kraftvollen, monumental gespielten Einsätze der Düsseldorfer Symphoniker. Es war schön, zu sehen, wie Axel Kober seinen Spaß dabei hatte, Orchester, Chor und Solisten, so gut es nur geht in Szene zu setzen.

Womit wir dann bei Romana Zaharia, der Dalila wären. Ich hätte keine Idee, was sie hätte besser machen können. Wann bekommt man schon mal zauberhaften Gesang mit einer großartigen schauspielerischen Leistung, bei wahrhaftig ganzem Körpereinsatz, geboten? War Dalila auf der Bühne, schien sie mit ihrer Präsenz alle anderen zu erdrücken; schien Samson eher schwach. Was er m. E. überhaupt nicht war. Doch genau solche, unausgesprochenen Erwartung des Zuschauers (z. B. Männerstimme müsste kraftvoller als eine Frauenstimme sein), korrelieren mit den eingangs erwähnten Überzeichnungen der Rollenbilder.

Da passt eins ins andere. Ein wirklich gelungener Auftakt der neuen Spielzeit.

 

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Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach
Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

Wagner hat mich am Schlafittchen!

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Siegfried FOTO: Hans Jörg Michel

Anna Schudt über die Premiere von „Siegfried“

Die Geschichte von Siegfried, so anders zur Walküre, so am Boden und doch wieder psychologisch so interessant. Schon der erste Akt lotet Vater-Sohn Konflikte aus, große Familiendramen überall. Wotan als Weltenumradler, der bedrohliche Lokwurm kriecht aus seiner Höhle und weiter und weiter, getrieben von Wagners ungeheuerlicher Musik und diesen Sängern, allen voran Michael Weinius als Siegfried, der aussieht wie ein zu groß gewordenes Kind, was wunderbar passt im körperlichen Gegensatz zu Cornel Frey als Mime. Im zweiten Akt kommt eine Vogelstimme, ein Sopran, der nach den Stunden ausschließlichen Männergesangs hocherfreuend wirkt. Es wird viel erzählt in diesen 5 Stunden, wenn man etwas über die Geschichte des Ringes weiß versteht man sehr viel mehr, also ist Vorbereitung auf den Stoff auf jeden Fall empfehlenswert. Der dritte Akt wurde mir etwas lang mit dem sehr langen Liebesduett, aber wie man das interessanter inszenieren könnte weiß ich auch nicht. Linda Watson und Herr Weinius schmettern sich die Seele aus dem Leib, man kann buchstäblich sehen wie diese Musik an den Sängern zehrt. Vielen Dank für diesen Abend, für diesen Aufwand und diese Kraft.

Anna Schudt
Schauspielerin
Sie ermittelt als Hauptkommissarin Martina Bönisch im Dortmunder „Tatort“. Nach festen Engagements an den großen Bühnen in Berlin (Schaubühne) und München (Kammerspiele, Residenztheater) ist sie in Düsseldorf heimisch geworden:  Zusammen mit ihrem Mann Moritz Führmann spielte sie die Hauptrolle in „Anna Karenina“ am Düsseldorfer Schauspielhaus. Neben Anna Schudts Theaterleidenschaft interessiert sie sich sehr für den ganz anderen künstlerischen Ausdruck in Oper und Ballett. Diese Erlebnisse nun als Opernscout in Worte zu fassen, bedeutet für sie eine spannende Herausforderung.

Eine Frage des Geschmacks

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Siegfried FOTO: Hans Jörg Michel

Georg Hess über die Premiere von „Siegfried“

Hinreißende Musik der Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung des Dirigenten Axel Kober erwartet einen im dritten Teil von Wagners Ring des Nibelungen.
Welch eine Leistung des Orchesters, das hohe Spielniveau über fünf Stunden durchzuhalten. Auch der nur aus acht Personen bestehenden Besetzung, allen voran Michael Weinius als Siegfried, gilt mein besonderer Respekt für den dargebotenen Gesang. Unglaublich stark und ausgeprägt begeisterten mich die Stimmen von Siegfried und Brünnhilde (Linda Watson) im dritten Akt, ebenso zart und fein die Stimme des Waldvogels (Elena Sancho Pereg) im zweiten Abschnitt. Die moderne Inszenierung des Stücks selbst durch Dietrich W. Hilsdorf hat mich persönlich nicht angesprochen. Das Epische, Gewaltige und Göttliche fehlte mir. Stattdessen gab es im ersten Akt Friseurstühle, VHS-Kassettenfilme und seltsam anmutende Fragerunden. War ich im zweiten Akt auf die Darstellung des zum Drachen gewandelten Riesen Fafner gespannt, so bekam ich diesen verrußt in einer Dampflok präsentiert, in welcher er durch das Führerhaus hindurch mit dem Schwert des Protagonisten eher unspektakulär getötet wird. Mime, der in diesem Akt auch sein Leben lässt, wird von Siegfried unter Zuhilfenahme von neuzeitlicher Technik an einem Fleischerhaken in die Luft gehoben. Zwischendurch taucht regelmäßig der gar nicht mehr göttliche Wotan als Wanderer auf, unterwegs mit einem straßenverkehrstauglichen Fahrrad und bestückt mit einem Speer sowie Jutebeutel und Pappbechern. Im dritten Akt dann der Showdown, wenn Siegfried und Brünnhilde sich kennen- und lieben lernen, leider etwas emotionslos in bizarrer Umgebung eines Kampfhubschrauberwracks. Geschmackssache ˗ für die Besucher, die den Ring zum wiederholten Male sehen, waren es möglicherweise all diese Inszenierungskniffe- und ausstattungen, die den besonderen Reiz ausmachten.

Opernscouts 2017

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an die  Freunde, Kollegen, Klienten und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Wonnige Glut, leuchtender Glanz

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Siegfried FOTO: Hans Jörg Michel

Hilli Hassemer über die Premiere von „Siegfried“

Als wir vor dem Opernhaus die letzten Sonnenstrahlen dieses warmen Frühsommerabends genießen, erscheint auf einem klapprigen Rad ein seltsam verhüllter Mensch. Ein Bettler? Ein Irrer? Düster und unheimlich mutet er an. Wirft erste Schatten, die wir alle noch nicht zu deuten wissen. Ich vergesse ihn wieder. Mein erster SIEGFRIED steht an. Kaum hebt sich der Vorhang, bin ich im Geschehen. Verblasst das Sommerhelle draußen. Dritter Tag, Ring des Nibelungen.

1. Aufzug. In der metallisch durchgefärbten Schmiede, es könnte auch das Labor eines Alchimisten sein, erleben wir von der ersten Minute an das grandiose und auch komische Können des Cornel Frey als Mime. Durchtrieben, unruhig, gehetzt und verschlagen, seine fahrigen, windigen Bewegungen „das eklige Nicken und Augenzwinkern“ sind großes Spiel bis ins Detail. Er begeistert mich hellauf in seinem differenzierten Ausdruck, seiner Stimme.
Michael Weinius debütiert als Siegfried – er erscheint stimmgewaltig, auch körperlich als Gegenspieler, und auch er gewinnt mich auf Anhieb mit seinem warmen klaren kraftvollen Tenor. Weinius als Siegfried, ungestümer, furchtlos Suchender, er ist in meinen Augen eine großartige Besetzung dieser Rolle.
Dann erscheint diese mystische Gestalt von draußen wieder und es ist: Wotan! Der verschleierte Wanderer auf dem Fahrrad. Eine gelungene und sinnige Überraschung. Simon Neal füllt den Wanderer grandios aus und zeichnet gekonnt die Figur des Göttervaters in Nöten.

2. Aufzug. Alberich tritt auf. Auch seine Figur reiht sich in die bestechend gute Darstellung, mit volltönender Stimme geleitet er uns in den nächsten Akt. Der Lindwurm Fafner in Gestalt einer Dampflok,- ein gelungener Nebeneffekt: Ihr eiserner Hohlkörper lässt den Bass Thorsten Grümbels unheimlich hallen. Mir erscheint diese Transformation des Monsters als durchaus logische Umsetzung, las ich, dass Wagner selbst ein großer Fan der Mechanisierung war und seine damaligen Regieanweisungen das technisch Mögliche oft überforderten. Man muss den Blick etwas heben, um den kleinen spazierenden Vogel zu erkennen,- die junge Elena Sancho Pereg als Waldvogel bezwitschert Siegfried betörend und hell. Siegfrieds innerer Dialog, als er über seine nie gekannten Eltern singend sinniert, so fragil und verzweifelt, diese Szene geht mir zu Herzen, und sie wird mir der emotionale Höhepunkt dieser Aufführung.

3. Aufzug. Trotz der fraglos wunderbaren Linda Watson als Brünnhilde und des großen Siegfrieds, er erscheint mir als der deutlich schwächster Part dieser Inszenierung. Schon der Beginn des Aufzuges, der sich vor dem Vorhang abspielt ist unglücklich. Wotan weckt und befragt Erda, die unter einem Tuch auf einem Sofa schlummert. – Inhaltlich eine große Szene, sie wird aber im wahrsten Sinne an den Rand des Geschehens gedrängt. Es mangelt an Raum für die bedeutenden Worte, den Gesang der Erde. Der Hubschrauber auf der Bühne (wir kennen ihn ja bereits aus der „Walküre“) – er wirkt an den Rotoren herbeigezogen. Er ist hier ein störendes anachronistisches Relikt, für mich völlig fehl in dieser Szene. Um ihn herum spielt sich dann, leider auch etwas ungelenk, die Szene der Wiedererweckung Brünnhildes ab. Die Zerrissenheit der Walküre, ihr überaus zögerliches Einwilligen in die Liebe zu Siegfried – eigentlich eine emotional und körperlich höchst spannungsgeladene Szene. Sie war mir zu hölzern und nicht feinsinnig im Spiel zwischen den Beiden, die Sänger waren einfach nicht im Kontakt miteinander. Da ginge mehr.

Alles in allem: Große herausragende Stimmen in perfektem Einklang zu den tosend guten Symphonikern, die alles – Alles! – geben in diesen sicher kraftzehrenden vier Stunden. „Wonnige Glut, leuchtender Glanz!“ Standing Ovations.

Opernscouts 2017

Hilli Hassemer
Bildende Künstlerin
Die Malerin Hilli Hassemer lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Düsseldorf. Damals noch fremd in der Stadt und mit einem „Hardcorde-Wagnerfan“ befreundet, wurde die Oper unverhofft Dreh- und Angelpunkt ihres neuen Lebens. Jetzt will sie sich wieder intensiver mit Oper und Ballett befassen – genau hinschauen, zuhören, das Erlebte beschreiben. Sie sagt: „Es ist schön, wenn man sich selbst und seiner Meinung vertraut.“

 

Siegfried: Der Held, der Erlöser ?!?

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Siegfried FOTO: Hans Jörg Michel

Jenny Ritter über die Premiere von „Siegfried“

Episode: Vor Beginn der Vorstellung konnten wir vor dem Operneingang eine merkwürdige, unheimliche Person mit großem Hut, verdecktem Gesicht und langem Mantel, sein Fahrrad schiebend, sehen. Wie erstaunt waren wir, als sich diese Person als der Wanderer/Wotan dann auf der Bühne einfand.
Alle Sänger waren so gut: Siegfried (Michael Weinius), der tatsächlich aussah wie ein Schmied, hat seine Rolle hervorragend gespielt und gesungen. Die fieseste Rolle hatte Cornel Frey (Mime), er hat sie aber mit Hingabe und Witz glänzend gespielt, so dass es  ein Vergnügen war, ihm zuzuschauen. Wotan hat diesmal eine stattliche Figur dargestellt und hat – auch wenn es ihm klar war, dass sein Ende naht, noch einmal den „Boss“ gegeben. Brünnhilde weiß, „daß leuchtende Liebe, lachender Tod“ auf sie wartet. Dementsprechend ist der dritte Akt auch aufgebaut – beide haben Angst vor der Begegnung, für beide ist die Liebe völlig neu im Leben, ihre Annäherung wird hinausgezögert. (Schon etwas langatmig). Auch diesmal verging die Zeit wie im Flug – die Musik empfand ich als ganz anders als in der „Walküre“, spannend dramatisch und schön – besonders schön war die Musik/der Gesang  des „Waldvögeleins“. Ich fand es war eine gelungene Aufführung und gratuliere allen Beteiligten. Danke.

Opernscouts 2017

Jenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin
Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und ist gespannt, wie es weitergeht.