Hiphopmäßig?

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„Sag mal, hast Du Lust mit mir in die Oper zu gehen?“
„Mmmh.“
„Heißt?“
„Was gibt’s denn?“
„Die Fledermaus.“
„Mmmh.“
„Heißt?“
„Worum gehts denn da?“
„Weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr so genau und ist, glaube ich, auch gar nicht so wichtig. Verdrehtes Zeug. Irgendwas mit Sex and Drugs and Rock´n Roll.“
„Echt? Klingt ja fast hiphopmäßig.“
„Ja, ist vielleicht gar nicht so weit davon weg. Vielleicht ein etwas anderes Publikum, aber wenn ich mir das genau überlege, auch nicht so ganz viel anders. Außerdem ists viel wienerischer, eher sowas wie: Erotik, an Schnapserl und Walzer“
„Mmmh.“
„Heißt?“
„Okay, warum eigentlich nicht.“

So in etwa hat es sich zugetragen, als ich meinen 19-jährigen Sohn gefragt habe, ob er mit mir in die Freundeskreis-Vorstellung gehen will und ich muss gestehen: wir hatten unseren Spaß!
Das goldgerahmte Bühnenbild ist voll cool. Erst recht, wenn man oben im Rang und damit auf Augenhöhe der Bildmitte sitzt.
Glitzer, Glamour, Übertreibungen, Kitsch, schräge Farb- und Materialkompositionen: nix passt zueinander und damit passt alles.
Die lebendige Musik nimmt einen mit, die Sängerinnen und Sänger singen fantastisch (Anke Krabbe als Rosalinde ist wunderbar!), Chor und Orchester sind einfach klasse!

Die beiden Akte vor der Pause geraten zwar ein bisschen lang aber danach wird’s mit dem super von Wolfgang Reinbacher gespielten Frosch wunderbar quatschig und amüsant und im Nu ist der ganze Spaß vorbei.

Unser Rezept für den Besuch: Allen Ernst zuhause lassen, auf Durchzug schalten und einfach nur die üppig bunten Bilder mit Wiener Musik genießen! Dann wird’s ein schöner lustvoller Abend.
Irgendwie hiphopmäßig eben.

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Benedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit. Wenn in einer Inszenierung alle komponenten gut zusammenkommen dann entsteht „ein großes Kunstwerk“ und in der Deutschen Oper am Rhein ist „immer was für einen dabei“. Besonders gefällt ihm die Vielseitigkeit von Oper und Ballett.

Vergnügliches und nachdenkliches Wiedererkennen

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Sassa von Roehl über die Premiere von „Die Fledermaus“

Auch ich nährte mich dem Genre Operette mit einer großen Portion Vorurteilen.
Hätte ich nicht die Ehre Opernscout sein zu dürfen, wäre mir bestimmt nicht eingefallen Karten für eine Aufführung der „Fledermaus“ zu besorgen.
Zu oberflächlich, zu kitschig und zu gestrig waren meine Erwartungen.

Doch es kam anders: gleich die ersten Töne klangen wohlig vertraut in meinen Ohren und nach kurzer Zeit sah ich mich als Fünfjährige vor dem für mich äußerst aufregenden Musikschrank meiner Oma sitzen, erwartungsvoll  die leicht quietschenden Schiebetüren öffnen und in den ordentlich nach Nummern einsortierten Schallplatten kramen.
Anneliese Rothenberger und Rudolf Schock hießen damals Omas Lieblingsinterpreten und oft legte sie die „Fledermaus“ auf. So ließ ich mich versöhnt ein in den knallbunten, ironischen Spaß einer modernen Inszenierung und fühlte mich in weiten Teilen gut und mit einem Augenzwinkern unterhalten.
Die Texte schrammten zwar vor allem im dritten Akt haarscharf an Kalauern und Plattitüden vorbei und trafen nicht immer meinen Geschmack, aber Bühnenbild und Musik entführten mich in die Welt der Illusion mit der Botschaft nicht alles so ernst zu nehmen.
Bei der Ausstattung und den Kostümen fiel mir vor allem die Liebe zum Detail positiv auf, wie zum Beispiel die roten Perücken, Glitzerstiefelchen und pink-silbernen Weltraumrucksäcke der Tänzerinnen.
Die verschieden großen Rahmen, in der die Handlung stattfand lösten den Gedanken aus, dass wir wohl alle eine eigene, kleinere oder größere Bühne brauchen, um uns bei unseren Mitmenschen sichtbar zu machen.

So ging ich leicht beschwingt nach Hause und verstand  zum ersten Mal, warum diese Operette mit dem berühmten zentralen Satz „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“ zu den Lieblingsstücken meiner unter härtesten Bedingungen aus dem Osten geflohenen Oma zählte: Ich erlebte sie als Kind stets als heitere Frau, die immer zu lustigen Späßen mit mir aufgelegt war.
Und für diese unverhoffte Erkenntnis bin ich richtig dankbar, diese Operette erlebt zu haben.

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Dr. Sassa von Roehl
Social Campaining / Dozentin an der Heinrich-Heine-Universität

Dr. Sassa von Roehl engagiert sich für Zivilcourage und berät Gemeinnützige Projekte im Bereich PR. Als kulturinteressierte besucht sie oft das Theater Duisburg. Sie ist großer Martin Schläpfer Fan, im Bereich Oper allerdings eher ein „interessierter Neuling“. Gespannt startet sie nun in ihre erste Spielzeit als Scout für Oper und Ballett in Düsseldorf.

Abgespaced

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Stefanie Hüber über die Premiere von „Die Fledermaus“

Auch ich bin mit Vorbehalten zu dieser Vorstellung gegangen, da Operettenmusik eigentlich so gar nicht meinem Geschmack entspricht.

Die Fledermaus hatte ich vor vielen Jahren schon mal gehört und gesehen.
Mag es daran gelegen haben oder auch einfach an der Bekanntheit der Melodien, ich glaube, ich kannte sie alle!!!
Obwohl ich auch diesmal die Musik als relativ nichtssagend empfand, so gab es doch ein paar ganz ansprechende Melodien.
Hübsch fand ich das Duett  des Ehepaars Eisenstein im 1. Akt und sehr gut gefiel mir auch die Arie „Brüderlein und Schwesterlein“, gesungen von Dr. Frank bzw. der dazu ausgeführte Zeitlupentanz.

Lavinia Dames Gesang (Adele) hörte ich anfangs mit gemischten Gefühlen zu, da sie im 1. Akt nach meinem Empfinden nicht immer sauber gesungen hat, doch später war ich ganz begeistert von ihrem hellen Sopran.
Die Inszenierung fand ich größtenteils sehr gelungen, super das spacige Bühnenbild im 2. Akt mit all seinem Glamour und Glitter.
Der 3. Akt war äußerst langatmig, so dass ich erleichtert war, als er endete.

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Stefanie Hüber
Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin arbeitet überwiegend mit psychisch kranken Menschen und nutzt Musik als Mittel der Therapie. Sie sang im Kammerchor und lernte als Kind Klavier und Blockflöte zu spielen.
Die Oper wurde ihr als Kind von ihren Eltern „vermiest“ aber sie fand einen neuen Zugang zu ihr durch ihre Tochter, die Musik studierte. Inzwischen ist die Oper ebenso wie Rockkonzerte ein spannendes und regelmäßiges Highlight in ihrem Leben.

Amüsant, voller Glanz und Glamour

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Karolina Wais über die Premiere von „Die Fledermaus“

Wenn man im Internet das Stichwort „Operette“ eintippt, erfährt man, dass es sich dabei um ein musikalisches Bühnenwerk mit gesprochenen Dialogen, heiterer Handlung und leichter, eingehender Musik handelt.
Die Musik „Der Fledermaus“ kennt jeder, denn es ist ein Walzer voller Leichtigkeit, der zum Tanzen regelrecht verlockt.

So entstehen schon ein paar Erwartungen an diesen Premierenabend. Als großer Theaterfan freue ich mich zudem sehr auf Wolfgang Reinbacher, der einen Teil der gesprochenen Dialoge übernimmt.

Diese Inszenierung „Der Fledermaus“ ist eine moderne, das erfährt der Zuschauer ziemlich schnell, als der Vorhang eine Szenerie an einer Straßenlaterne mit Prostituierten lüftet.
Der Ort des Geschehens wird sogar komplett nach Düsseldorf geholt und zwar dann in ein grell schreiendes und luxuriöses Wohnzimmer.

Die Opernsäger*innen meistern Sprechpartien hervorragend und glänzen mit schauspielerischer Leistung. Anke Krabbe (Rosalinde) und Lavinia Dames (Adele) begeistern mich auch gesanglich von Anfang an.

Die Party ist Schauplatz der Intrige und findet in einer glamourösen mit tausend Lichtern ausgekleideten Atmosphäre statt. Die Kostüme sind wunderbar glamourös. Das glitzernde, grüne Kleid von Rosalinde sticht hervor und lässt Anke Krabbe dank der Beleuchtung noch mehr erstrahlen.

Die knappen Outfits der Tänzerinnen passen meiner Meinung nach so gar nicht zu der Abendgarderobe der Gäste. Diese, fast in Bikinis um eine phallusartige Rakete tanzend, werten die festliche Stimmung auf der Bühne ab und hinterlassen einen billigen Nachgeschmack.
Ich denke an diesem Punkt wurde es schlichtweg verpasst, die Inszenierung tatsächlich in das heutige moderne Düsseldorf zu holen, es vielleicht sogar politisch werden zu lassen.  Zumindest hätte ich mir mehr Gleichberechtigung gewünscht: Warum treten nur halbnackte Tänzerinnen, aber keine Tänzer auf?“

Die, förmlich aus dem Rahmen gefallene, letzte Szene ist der große Auftritt von Herrn Frosch, gespielt von Wolfgang Reinbacher. Er ist nicht nur ein hervorragender Schauspieler, sondern auch ein hervorragender Komiker, trotz der meiner Meinung nach teilweise flachen Witzen.

Wer das Genre der Operette mag und einen bunten, heiteren Abend mit Witz und Humor erleben will, wird von der Inszenierung von Axel Köhler nicht enttäuscht.

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Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich nun mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre erste Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett näher kennenzulernen.

Amüsant und unterhaltsam

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Helma Kremer über die Premiere von „Die Fledermaus“

Wie meine geschätzten Kolleg/ -innen, die anderen Düsseldorfer Opern- und Ballettscouts, bin auch ich weit davon entfernt, ein Operetten-Fan zu sein.
Obwohl es viele Operetten-Arien gibt, die ich wunderschön finde: „Dein ist mein ganzes Herz“ aus dem „Land des Lächelns“ von Franz Léhar, „Komm in die Gondel“ aus „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss (Sohn) und allen voran „La Barcarolle“ aus „Les Contes d’Hoffmann“, eine Arie, die mir  – an besonders plümeranten Tagen – die Tränen in die Augen treibt.
Aber eigentlich ist „Les Contes d’Hoffmann“ eine Phantastische Oper. Das zählt dann wohl nicht… Wie auch immer, eine Operetten-Arie hier und da: Immer gerne – aber so eine ganze Operette am Stück, das wird hart, denke ich mir.

Zunächst bin ich angenehm überrascht. Das schillernde Bühnenbild im 1. Akt gefällt mir. Ziemlich overloaded, aber für einen Abend – oder eine Nacht – geht das schon. Erinnert mich ein wenig an die Zimmer des „Sir & Lady Astor“-Hotels, welches internationale Kulturjournalisten, die wir dort zuweilen, im Rahmen von Pressereisen zum Thema „Kunst in Düsseldorf“ unterbringen, sehr schätzen.

Auch die Besetzung finde ich großartig, besonders Lavinia Dames als Adele, deren Stimme und Gesang mir am besten von allen gefallen, und Anke Krabbe als Rosalinde.
Christoph Filler als Dr. Falk könnte der Sohn von Peter Alexander sein und ist das ideale Schlitzohr.
Nicht zu toppen ist Norbert Ernst als schmieriger Eisenstein.
Die Verpflanzung der Story in die Düsseldorfer Schicki-Micki-Szene ist etwas platt und passt auch einfach nicht zu den schönen Walzer-Klängen.
Die gefallen mir übrigens noch besser als erwartet und lassen auch bei mir Stimmung aufkommen. Vor allem habe ich sie alle irgendwann schon einmal gehört.

Was wiederum gut passt, ist der Bezug zum rheinischen Karneval, der im 2. Akt durch ein Bühnenbild mit noch mehr Glitzer, Flimmer und Bling Bling  im gleich doppelt barocken Bilderrahmen seine Vollendung findet.
Auch die „Kostüme“ halten mit: Die Tänzerinnen sind fast nackt und drängen sich um eine riesige Rakete, frivoler geht es nicht, eine Prise brasilianischer Karneval und Moulin Rouge inklusive.

Im 3. Akt ist dann leider meine Geduld zu Ende, und zwar lange vor Schluss.
Die Handlung spielt im Gefängnis: Das Bühnenbild gleicht als Schauplatz der Kulisse einer abgerockten Party, das wiederum gefällt mir.
Aber sie zieht sich wie Kaugummi, die Handlung. Ich werde wibbelig. Obwohl ich mich wirklich über Wolfgang Reinbacher als Frosch freue, weil ich ihn in früheren Jahren oft im Düsseldorfer Schauspielhaus bewundert habe.
Und flache Witze mag ich auch, in Maßen.

Fazit: Amüsant und unterhaltsam, und ja: irgendwie auch ein Feuerwerk für die Sinne – aber eine solche Art der Unterhaltung löst bei mir, spätestens nach zweieinhalb Stunden, ein Gefühl der Leere aus.
Meine letzte Operette? Nein: Gerade heute habe ich einen heißen Tipp bekommen. Ein echter Opern-Insider empfiehlt mir die Berliner Operette. Zum Beispiel „Der Vetter aus Dingsda“. Viel rustikaler, der Witz intelligenter.
Nun denn, einen Versuch werde ich noch wagen.

Helma_Kremer

Helma Kremer
Leiterin „Market Development“ bei der Düsseldorf Tourismus GmbH

Helma Kremer arbeitete nach ihrem Studium an der Heinrich-Heine-Universität zunächst an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Nach einem. Voluntariat im Bereich „Marketing/Presse“ beim Düsseldorfer Schauspielhaus übernahm sie 2006 den Bereich „Kulturmarketing“bei der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH. Durch ihre Großeltern kam sie bereits als Kind mit der Oper in Kontakt, ihre erste Aufführung im Opernhaus war „Hänsel und Gretel“. Dennoch interessiert sie sich eigentlich eher fürs Ballett, als für die Oper. Sie freut sich in ihrer ersten Spielzeit als Opern- und Ballettscout auf die regelmäßigen Theaterbesuche

Ein Kessel Buntes

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Michael Langenberger über die Premiere von „Die Fledermaus“

Die Operette “Die Fledermaus” steht auf dem Programm.
Zugang dazu findet man nicht alleine dadurch, dass man die Eingangstür der Oper durchschreitet, sondern sollte auch gleich seine Vorurteile zusammen mit dem Mantel an der Garderobe abgeben. Gar nicht so einfach.
Handelt es sich bei dem Stück von Johann Straus (Sohn), auf Anraten seiner Frau, doch um eine Arbeit, die von vornherein kommerziell angedacht ist. Die weitere Vermarktung durch Funk und Fernsehen in den 1960er/70er Jahren, mit den klischeebehafteten Unterhaltungsgrößen der damaligen Zeit, hinterliessen, zumindest bei mir, tiefe ablehnende Spuren.

Und nun sitze ich im Zuschauerraum der Oper. Die Ouvertüre begrüßt mich gleich mit bekannten Klängen. Der Vorhang hebt sich, um ein monströses Bühnenbild zwischen Traditionellem und Modernem freizugeben.
Es gibt viel zu sehen – und weiterhin bekannte Melodien zu hören. Adele, gespielt von Lavinia Dames, hebt, überrascht durch ein Telefonat auf Ihrem Handy, zu ihren ersten Tönen an. Ein netter Gag, finde ich.
Der Saal goutiert solche Regieeinfälle hier und da mit raunendem Lächeln.
Immer wieder ist den Machern für die Düsseldorfer Inszenierung etwas Unerwartetes und Amüsantes eingefallen, mit dem die Zuschauer überrascht werden. Es wird gesungen und gespielt, was das Zeug hergibt.
Unterhaltung pur, kurzweilig und amüsant obendrein.

Was diese Inszenierung für mich von den für mich klischeebildenden Vorlagen unterscheidet: Jeder Akteur ist wichtig, unterwirft sich der best möglichen Qualität seines Tuns.
Es geht nicht darum sich als einzelner Akteur hervorzutun, sondern fühlt sich dem Werk als Ganzes – ganz unkommerziell – nur dem Besten was man kann und hat verpflichtet. Ob Bühnenbild, Kostüme, Tanzeinlagen, Chorgesänge – egal, jeder unterwirft sich dem Stück und handelt nicht zum eigenen Ruhm.

Um das gesprochene Wort übergangslos mit den Gesängen zu verbinden, muss der Musikgraben weit mehr darauf achten, was auf der Bühne passiert, als das sonst in einer Oper erforderlich ist, wo einzelne Arien zumeist sauber getrennt von rezitierten Worten stehen.
Die übergangslosen Einsätze sind den Düsseldorfer Symphonikern unter Leitung von Benjamin Reiners vorzüglich gelungen.

Wer bis zur Pause noch nicht amüsiert war, nach der Pause wird ein ganzer Kessel Gags über das Publikum ausgeschüttet. Eine Mischung aus Wiener Leichtigkeit und Düsseldorfer Karneval, oft scharf auf der Grenze zum platten Klamauk – hier und da leider jenseits der Grenze…

Alles in allem war es ein bunter Abend leichter Unterhaltung und eingängigen Klängen. Ich meine, wer sich mal (wieder) eine Operette ansehen will bekommt hier etwas richtig Gutes geboten, fernab vom Streben nach Kommerz und Personenkult und einfach nur bester Qualität in allen Gewerken verpflichtet.
Ich bin froh, diese Inszenierung der Fledermaus gesehen zu haben, gehe zur Garderobe, hole meinen Mantel ab und weiss nicht so genau, ob ich meine eingangs abgegeben Vorurteile an der Garderobe liegen lassen soll.

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Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

Täubchen, holdes Täubchen mein

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Markus Wendel über die Premiere von „Die Fledermaus“

Der vergangenen Premiere von „Die Fledermaus“ bin ich ehrlicherweise mit gemischten Gefühlen entgegengetreten. Ich mag keine Operetten und ich mag auch keine klamaukigen Verwechslungskomödien.
Im Ergebnis, und das möchte ich vorwegnehmen, fühlte ich mich dennoch ganz wunderbar unterhalten.

Die „Fledermaus“ bedient in der Düsseldorfer Inszenierung alles, was Kitsch und Klischee so hergeben können: quietschbunte Farben, Glitzer, Federn und halbnackte Tänzerinnen. Alles mit großer Lebendigkeit.
Einige der Szenen könnten unverändert ihren Weg in Richtung Friedrichstadtpalast antreten. Die wahrscheinlich jedem bekannte Musik ist eingängig, und der hierdurch induzierte Bewegungsdrang bei vielen im Publikum nicht zu unterdrücken.

Ich bin von mir selbst überrascht, denn ich gehe wirklich mit dem Stück mit. Selbst die Verortung nach Düsseldorf und Anspielungen auf einen ehemaligen Oberbürgermeister stören mich nicht (bei der aktuellen Götterdämmerung ist das anders).
Auch der Humor, der sich anfühlt wie die alten Fernsehfilme mit Uschi Glas und Theo Lingen, ist aufgrund der schauspielerischen Leistungen überzeugend und kommt an. Erst als auf der Bühne mit Federn geschmückte rosa Astronautinnen auftreten, ist auch bei mir eine Grenze erreicht.

Lavinia Dames in der Rolle der Adele darf für ihren Gesang und ihre wahnsinnig gute schauspielerische Performance verdient den größten Applaus ernten.
Ebenso ist der überwiegend schauspielerische Part des „Frosch“, verkörpert von Wolfgang Reinbacher ein wahrhaftes Erlebnis.

Mein Ausflug in die Welt der Operette wird dennoch binnen der kommenden Jahrzehnte wahrscheinlich auf den vergangenen Abend begrenzt bleiben.
Nicht, weil es nicht gut war, sondern schlichtweg, weil es wirklich nicht meinen Musikgeschmack trifft.
In diesem Sinne: „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.“

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Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“. Überrascht war er davon, dass die Ballettinszenierungen 2018/19 ihn sogar mehr faszinierten als die Operninszenierungen.

Operette oder Revue?

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Myriam Kasten über Johann Strauss‘ „Fledermaus“

Glanzvoll, fröhlich, pompös, farbenfroh und überspitzt. So kommt die Fledermaus inszeniert von Axel Köhler daher. Für mich mehr eine Kabarett-Revue als eine Operette. Es wird gefeiert, der Champagner fließt in Strömen. An manchen Stellen ein bisschen viel Bling-Bling und die Anspielungen auf die Stadt Duisburg zerstören ein wenig das Gesamtkonzept. Die Szene mit Frosch zu Beginn des 3. Aktes erinnert stark an „Dinner for one“ und ist ebenso klamaukig. Ich frage mich, was Johann Strauß zu dieser Inszenierung gesagt hätte. Hinzu kommt die Dauer. Stellenweise war es sehr kurzweilig doch dann dachte ich, wie lange der Abend sich wohl noch zieht.

Die Stimmen von allen Darstellern waren phantastisch und die Duisburger Philharmoniker haben ebenso phantastisch gespielt.  Alles in allem ein fröhlicher Abend mit lustigen Momenten und sehr schönen Kostümen. Die Raketenfrauen haben mir am besten gefallen. Ob ich es nochmal anschauen würde?  Wahrscheinlich nicht. Ob ich es empfehlen kann? Als Einstig in die Oper schon, denn es ist sehr amüsante leichte Kost.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Myriam Kasten
Projektmanagerin Tourismus bei Duisburg Kontor GmbH

Die gelernte Fotografin hat die Liebe zu ihrer Heimatstadt zum Beruf gemacht: Als Projektmanagerin im Bereich Tourismus gibt sie ihre eigene Begeisterung für die Stadt an Besuchergruppen weiter. Für sie ist das Theater Duisburg einer der großen Anziehungspunkte der Stadt. Hier hat sie schon als Kind viel Zeit verbracht – häufig nahmen sie die Eltern ins Theater mit. Ballettunterricht und das eigene Tanzen verstärkten die  Begeisterung für Musik und Tanz, besonders für die Choreographien von Youri Vàmos.

 

Champagnergelüste und die Leichtigkeit des Seins

DieFledermaus_04_FOTO_HansJoergMichelAnnette Hausmann über die Premiere von Johann Strauss‘ „Die Fledermaus“

Im Mittelpunkt, der am Theater Duisburg aufgeführten Operetten-Premiere „Die Fledermaus“ von Johann Strauss (Sohn) steht die „bunte, lokale Welt“ Duisburgs mit seinen finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in der sich alles um eine Gesellschaft voller Unterschiede, Ideen, Bestrebungen, aber auch Gelüsten und Intrigen dreht. Mit seiner etwas eigenwilligen und überspitzten, jedoch nicht ganz ernstzunehmenden Inszenierung gelingt Axel Köhler eine Zeitreise, die mit dem Börsencrash und den einhergehenden Problemen 1873 in Wien beginnt und mit der Übertragung auf die heutige Zeit der wirtschaftlichen Nöte Duisburgs endet.

Vor Beginn der eigentlichen „Fledermaus-Handlung“ wird der Zuhörer zunächst durch die wundervolle und von den Duisburger Philharmonikern meisterhaft gespielte Ouvertüre in die Zeit der eingängigen, beschwingten Strauss-Musik des 19. Jahrhunderts entführt. Noch in Gedanken versunken, hebt sich der Vorhang und den Zuschauer erwartet ein pompöses, schrill-buntes Bühnenbild mit Puffcharakter. Genial gemacht ist der dreidimensionale Bühneneffekt, der durch die hintereinander angeordneten, goldenen Barock-Bilderrahmen hervorgerufen wird. Einerseits wird dadurch der Bezug zum 19. Jahrhundert hergestellt, andererseits können verschiedene Handlungen auf unterschiedlichen Ebenen (gleichzeitig) stattfinden. Als Zuschauer bleibt man durch den überdimensionierten Bilderrahmen immer in der Rolle des Betrachters und kann aus dieser Distanz heraus leichter über die Eigenarten, vermeintlichen Fehler und Absurditäten der „feinen, aufstrebenden“ Gesellschaft lachen – ohne sich selbst dabei hinterfragen zu müssen.
Richtet man seinen Blick verstärkt auf den Protagonisten Herrn Dr. Falke (Kay Stiefermann), so wird schnell klar, dass man eigentlich ihm, der in seiner Rolle als vermeintlicher Freund von Gabriel von Eisenstein die „Fäden in der Hand“ hält, den Verlauf des Operettenabends zu verdanken hat. Mit Einfallsreichtum und Esprit lädt er aus allen gesellschaftlichen Schichten Duisburgs Gäste zur bevorstehenden Party des Prinzen Orlofskys ein – mit dem Anreiz, an diesem Abend eine gesellschaftlich höher angesehene (Traum-)Rolle einzunehmen.
So sehr die durch „Champagnergelüste“ ausartende Party an die „Leichtigkeit des Seins“ erinnert, so sehr wird deutlich, welch‘ schauspielerische Leistung und vor allem sängerische Höchstleistung die Fledermaus-Operette mit ihren feinsinnig-meisterhaften Kompositionen den Protagonisten abverlangt. Besonders hervorzuheben ist hier Rosalindes Arie „Klänge der Heimat“ (Anne Krabbe) und das „Uhren-Duett“ zusammen gesungen mit ihrem Gatten Gabriel von Eisenstein (Norbert Ernst) sowie Adeles Arie „Mein Herr Marquis“ (Maria Perlt).
Im dritten Akt wird die „Fledermaus“ durch die Rolle des „Frosches“ (Wolfgang Reinbacher) als Gefängniswärter um eine weitere, facettenreiche Nuance der Komik bereichert. Auf geniale Weise versteht es der Schauspieler mit der deutschen Sprache zu „spielen“ und durch seine Wortspielereien das Publikum in seinen Bann zu ziehen, um der Handlung des letzten Aktes nicht nur auf humorvolle Art, sondern auch noch aufmerksam folgen zu können.
Wer bereit ist, am Ende des Jahres nicht alles so ernst zu nehmen und sich auf einen unterhaltsamen Abend einzulassen, den erwartet ein gelungener „Fledermaus-Operetten-Abend“.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an GGS Hermann-Grothe-Straße in Duisburg-Bissingheim, einer Montessori-Grundschule, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Sie findet es spannend und freut sich darauf, sich als Scout für Oper und Ballett in dieser Saison wieder regelmäßig und intensiv mit Oper und Ballett auseinanderzusetzen.

Herrlich abgefahren!

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Jürgen Ingenhaag über die Premiere von Johann Strauss‘ „Fledermaus“

Die Operette aller Operetten, „Die Fledermaus“, ist in Duisburg zu erleben: Eine bunte Revue mit eingängigen Musiknummern, klasse Darstellern, viel Wortwitz und tollen Bühnenbildern. Messerscharf und spritzig kommt schon die Ouvertüre daher. Der Duisburger Jung und zukünftige Kieler GMD, Benjamin Reiners, dirigiert, und unsere Duisburger Philharmoniker spielen natürlich in der ersten Liga. Regisseur Axel Köhler hat den Staub aus dem Libretto der 1874 uraufgeführten Operette geklopft, ohne das Stück zu vergewaltigen. Zur Entstehungszeit von Johann Strauß´ Meisterwerk hatte der „Black Friday“ noch eine ernste existenzielle Bedeutung. Am Rande des Ruins wurde gefeiert und geprasst. Mehr Schein als Sein! Nur im Theater lässt sich solch einer Gesellschaft ein Spiegel vorhalten. Damals wie heute schön übertrieben – realistisch muss nichts sein!
So dürfen wir über den eitlen, selbstgefälligen Eisenstein (Norbert Ernst) lachen, der den Ruf seines Freundes Dr. Falke (Kay Stiefermann) ruiniert hat. Die Rache der Fledermaus ermöglicht „Prince“ Orlofsky (Kimberley Boettger-Soller). Orlofskys Millionen sind sein Unglück, und so will er Duisburg zum Weltraumbahnhof machen, und davon soll Eisenstein politisch profitieren. Herrlich abgefahren – die Rakete! Sowas muss gefeiert werden. Bei der Melodie von „Ha, welch ein Fest, welche Nacht voll Freud´…“ denke ich zwangsläufig an „Klimbim“. Schön anzusehende Revue-Girls tanzen und begleiten gestenreich das „Uhren-Duett“ oder die „Klänge der Heimat“ im zweiten Akt. Weit über 3000 Lichter fährt Volker Weinhart dafür auf. Für die Pause empfehle ich ein alkoholisches Getränk, denn dann geht es ab in die Justizvollzugsanstalt, und es ist „Schluss mit lustig“! Nicht mit Gefängniswärter Frosch alias Wolfgang Reinbacher, denn die „Motivationshilfe“ von Dr. Falke hat geholfen…
Seinse kein FROSCH, ich habe DIE FLEDERMAUS bereits BLIND empfohlen.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Jürgen Ingenhaag
Vorstand Musikalische Gesellschaft Rheinberg

Der Staatlich geprüfte Techniker für Druck und Medien organisiert im Vorstand der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge‘‘. Mit Rock- und Popmusik ist er aufgewachsen – sie hat ihn geprägt und trotzdem nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden; einer, der sogar die Bayreuther Festspiele besucht. Im Theater Duisburg freut er sich nach „Rheingold“ und „Walküre“ in dieser Spielzeit auf die Fortsetzung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.

Feuerwerk der Farben und Formen

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Isabel Fedrizzi über die Premiere von Johann Strauss‘ „Fledermaus“

Die Fledermaus – eine der wohl bekanntesten Operetten überhaupt – hat in Duisburg Premiere gefeiert: Ein rauschendes Fest der Farben, ein bunter Strauß berühmter Melodien, ein Feuerwerk an schrillen Ideen bei den Kostümen und den Requisiten, ein unfassbar aufwendiges und vielschichtiges Bühnenbild. Das Wichtigste – diese unsterbliche Musik von Johann Strauss – lag und liegt bei den Duisburger Philharmonikern unter dem Taktstock von Benjamin Reiners in allerbesten Händen. Das Orchester spielt mitreißend, hervorragend, schon nach der Ouvertüre hat man sich musikalisch eingelassen auf den Unfug, der da kommt und ist auf die Skurrilitäten des Genres eingestimmt…
Trotz des Salonhaften und aller „Gassenhauerqualität“ der Lieder, die viel Spielfreude verraten, klingen die Duisburger frisch und lustig, Ironie, Launenhaftigkeit oder Tänzerisches sind stets gut dosiert.

Stimmlich knüpft die Premierenbesetzung nahtlos an diese Qualität an – durchweg zur Rolle passende Stimmen mit viel Lust und Sauberkeit paaren sich mit starken schauspielerischen Leistungen aller Akteure und bereiten dem Zuschauer einen Augen- und Ohrenschmaus.

Das Bühnenbild provoziert im Moment des „Vorhang auf“ tatsächlich ein „Aaahhh“: ein in drei Ebenen hintereinander aufgeteilter „Lebensraum“ im Stadthaus des Ehepaars von Eisenstein, ausgestattet mit einer Mixtur aus Pomp und Perversitäten: Sofa und Tapeten im Zebralook, Tür und Wand in rosa Rosenoptik, rote Rautenwände mit Beleuchtung – eingefasst in dickste barocke Goldrahmen mit üppigen Ornamenten… Der Kaktus auf der Fensterbank und maigrüne Swinger am Tisch vollenden die schräge Absurdität des Raums. Aber mit Freitreppe, Loungemöbeln und Discokugeln an der Decke funktioniert die Bühne gleichermaßen als Ballsaal des Grafen Orlowski und mit Eisengittern als Gefängnis. Dorthinein schießt – für meinen Geschmack unnötig quer – der Duisburger Lokalbezug verquickt mit dem Grafen-Traum von der Raumfahrt, eine Rakete auf der Bühne, Duisburg als Bahnhofsstandort für den Weltraumtourismus… Bei allem Bizarren, das diese Operette sowieso schon bietet, ist das übers Ziel hinausgeschossen.
Tanzmusik, ein Ball beim Grafen: hier darf der Tanz nicht fehlen: eine Gruppe Tänzerinnen in Fernsehballet-Optik verleiht dem Souper des Orlofsky und dem Czardas-Vortrag Rosalindes den endgültig schräg-witzigen Kick.

Eingebunden in diese Skandalgeschichte der „feinen Gesellschaft“ sind weitere zahlreiche feine gelungene Details bei der Farbgebung, den Kostümen, Frisuren, Requisiten oder beim Wortwitz… Manches vielleicht einen Hauch zu dick aufgetragen, und in der Frequenz zu häufig, und doch bleibt am Ende ein Schmunzeln übrig und verlässt den Saal mit einem amüsierten Kopfschütteln.

Insgesamt eine gelungene Fledermaus: ein unterhaltsamer, beschwingter und lohnender Abend.

Fedrizzi_Isabel_FOTO_Tanja_BrillIsabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Als Scout für Oper und Ballett möchte sie ihre Zuschauererfahrungen erweitern und intensivieren.

Ein Glas Champagner Und: Genießen!

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Christiane Hain über die Premiere von Johann Strauss‘ „Fledermaus“

„Die Fledermaus“ von Johann Strauß (Sohn) eine der bekanntesten Wiener Operetten ist ein Jahr nach einem großen Börsenkrach von 1873 entstanden. Es ist ein Stück zwischen reiner Champagnerlaune der Neureichen und der Traurigkeit jener, die alles verloren haben.
Dr. Falke, die Fledermaus, denkt sich eine Intrige aus, um sich beim seinem Freund Gabriel von Eisenstein auf einem ausufernden Fest des Prinzen Orlofsky zu rächen. Indem er ihm die eigene, regelmäßig betrogene Gattin Rosalinde als vermeintliche Geliebte zuführt und ihn so der Lächerlichkeit preisgibt. Zeugin wird die ebenfalls eingeladene Adele, die als Putzfrau bei dem Paar arbeitet.

Inszeniert wird die Operette mit einer gewaltigen, sehr bunten und teilweise stark überzeichneten Bühnenbildern und Kostümen, die manchmal an einen schrillen Comic oder an Karneval erinnern. Man merkt den Einfluss der französischen Operette und es erinnert an Moulin Rouge und Jacques Offenbach. Das Fest wird zur Orgie und die Operette zur unterhaltsamen Komödie mit vielen Bezügen zu Duisburg und NRW. Dieser Lokalkolorit hat mir aber nicht so sehr gefallen haben, da ich es schwierig finde, mir Neureiche und verschwenderische Partys in einer Stadt wie Duisburg vorzustellen. In einer Stadt wie Düsseldorf, Berlin oder andere Metropolen in Europa mag das gelingen. Ich empfand es eher als befremdlich und nicht dem Stück dienlich. Vielleicht passt auch einfach der Wiener Walzer nicht ins Ruhrgebiet.

Über die Musik kann man nur sagen: Fantastisch. Man ist von Anfang gefangen und getragen vom Walzertakt des Johann Strauss und es waren viele im Publikum, die sich einfach im Walzertakt auf dem Sessel bewegten.
Eine wundervolle Besetzung ist Wolfgang Reinbacher als Frosch, der mit seiner Schauspielkunst begeistert, neue Akzente in das Stück bringt und mit seinem Humor mich sehr zum Lachen gebracht hat.
Stimmlich haben mich die Rosalinde und die Adele am meisten beeindruckt. Nach dem Abend weiß ich auch, dass der musikalische Anspruch an die Sänger der Operette in nichts einer Oper nachsteht. Erwähnenswert ist auch, dass bei allen Sängern  der Text der Lieder sehr gut zu verstehen war und dies bei einer noch anspruchsvollen schauspielerischen Leistung.

Meine Empfehlung für einen gelungenen Abend: Einfach vorher ein Glas Champagner trinken und den Farb- und Musikrausch genießen.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Christiane Hain
Application Managerin

Christiane Hain arbeitet im IT-Bereich einer Bank in Köln. Sie ist in der Neckarstraße Duisburg aufgewachsen – in Sichtweise des Theaters, das ein fester Bestandteil im Familienleben war: Die Großmutter, die Eltern, die Schwester und sie selbst – alle waren regelmäßige Theaterbesucher. Mit einigem Abstand nähert sich die Duisburgerin jetzt wieder der Oper und dem Ballett und freut sich auf ihre neue Aufgabe als Opernscout.

Christoph Grätz über „Der Graf von Luxemburg“

Fräulein Titellos verliebt sich in Graf Mittellos

Den Theaterleuten war die Erleichterung anzumerken, dass die Premiere des Grafen von Luxemburg ohne Komplikationen über die Bühne gegangen ist. Kein Wunder, ist diese Inszenierung doch besonders opulent und mit Liebe zum Detail ausgestattet, was Bühnenbild, Kostüme und Requisite betrifft. Es kommt einem so vor, als hätten die Bühnenbildner, die Maler, die Schreiner und Schneider und alle anderen Gewerke der deutschen Oper am Rhein besonders Spaß gehabt, alles zu geben.
Schon die Eröffnungsszene war vielversprechend, in der sich das junge verliebte Bohmien-Pärchen Armand Brissard, gut gesungen von Cornel Frey, und seine Freundin Juliette Vermont (Lavinia Dames) schließlich in Farbe wälzen. Mit viel Spielfreude vorgetragen war dann auch die etwas krude Geschichte des liebestollen russischen Fürsten Basil Basilowitsch, der um die schöne Angèle Didier buhlt. Damit die Heirat standesgemäß ist, besticht er den ständig klammen René, seines Zeichens Grafen von Luxemburg, die Schöne zu heiraten und sich rasch wieder scheiden zu lassen und damit den Weg für die nun adelige Hochzeit frei zu machen. Ein Plan, der dann jedoch an der entflammenden Liebe der beiden Protagonisten scheitert: Fräulein Titellos verliebt sich in Graf Mittellos. Mit der Folge, dass dieser nun ständig vor den drei Gorillas des russischen Möchtegern-Edelmannes fliehen muss. Wäre da nicht die Respekt einflößende Gräfin Kokozowa, die der Operette schließlich die glückliche Wendung, dem Fürsten einen Dämpfer gibt und dem verliebten Paar die bereits geschlossene Ehe ermöglicht.
Die Geschichte ist recht schnell erzählt und eigentlich nicht wirklich wichtig, ja vielleicht sogar eher belanglos. Der Abend bietet seichte Unterhaltung was die Handlung betrifft, der die Musik nichts wirklich Tiefes entgegensetzt. Der Graf von Luxemburg, gespielt und gesungen von Bo Skovhus, schien mir stimmlich nicht auf der Höhe zu sein, einzelne Textpassagen kamen nicht durch und es lag nicht am Orchester, das Lukas Beikircher souverän leitete. Auch Bruce Rankin in der Rolle des Fürsten Basilowitsch hat mich an diesem Abend gesanglich nicht durchgehend überzeugend. Anders dagegen die drei Frauenstimmen, Juliane Banse als Angèle Didier, Lavinia Dames als Juliette Vermont und Doris Lamprecht als Gräfin Stasa Kokozowa , die spielerisch und gesanglich sehr präsent waren.
Der dritte Aufzug überraschte dann mit einem hohen Anteil Sprechtheater mit Bezügen zur Gegenwart, die für meinen Geschmack etwas subtiler hätten ausfallen dürfen, wie etwa die Anspielungen auf den künftigen Präsidenten der USA. Durchgängig witzig und unterhaltend waren die drei „Gorillas“ des Grafen, die nach Herzenslust alle Klischees der Russen-Mafia bedient haben. Wunderbar abgestimmt in Größe, Witz und Ausdruck war es ein großes Vergnügen den drei schrägen Typen, gespielt von Luis Fernando Piedra, Karl Walter Sprungala und David Jerusalem bei ihrer Mafia Parodie zuzusehen, die an Filmszenen aus „Manche mögen‘s heiß“ erinnerten.
Der eigentliche Star des Abends aber war kein Künstler sondern das Bühnenbild. Wie beeindruckend die Szene, in der das Gorilla-Trio den flüchtenden Grafen durch das Theater jagt. Dabei entrollt sich mittels Drehbühne vor dem Betrachter das Innenleben eines Theaterbetriebes, vom Bühneneingang über die Künstlergarderobe bis zur Kantine. Auch bei dieser Produktion sind mir sicher wieder viele Details, Anspielungen und Miniaturen der Regie entgangen. Dies mag dem zwischenzeitlichen Tempo der Inszenierung geschuldet sein, die bei aller Kurzweiligkeit auch Längen hatte, vor allem zu Beginn des dritten Aufzugs.
Meine Empfehlung: Eine Inszenierung, die unterhält und nicht weh tut, aber kein Muss.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

Christoph Grätz
arbeitet für die Stabsstelle Kommunikation bei der Caritas
Wenn es sie nicht schon gäbe, bäte er Gott sie zu erfinden: die Musik. Als Sänger im philharmonischen Chor Duisburg, als ungeduldiger Akkordeonschüler und begeisterter Tangotänzer füllt Christoph Grätz seine Freizeit mit viel Musik. Als Öffentlichkeitsarbeiter für die Caritas darf er in seiner Arbeit zwar auch kreativ werden, aber fast nie musikalisch. Als Scout entdeckt er nun Oper und Ballett und freut sich, etwas davon mitteilen zu dürfen.

Martin Breil über „Der Graf von Luxemburg“

 der_graf_von_luxemburg_11_foto_hans_joerg_michel„Denn doppelt schmeckt’s dem Bübchen …“ 

Nach der „Csárdásfürstin“ und der „Zirkusprinzessin“ präsentiert die Deutsche Oper am Rhein nun ihre neueste Operettenproduktion „Der Graf von Luxemburg“ in der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog.
Die Operette von Franz Lehár wurde 1909 uraufgeführt. Die Handlung ist einfach strukturiert und bietet den roten Faden für einen Reigen populärer Melodien aus ihrer Entstehungszeit. Die Texte sind ebenso zeitgemäß, wie verblüffend (dumm).
Der Betrachter kann also in der Pause nach Hause gehen oder er lässt sich von Herzogs rasanter Inszenierung, dem tollen Bühnenbild, tollen Sängerinnen und Sängern und den Duisburger Philharmonikern auf eine feucht fröhliche Zeitreise zum Beginn des 20. Jahrhunderts mitnehmen.
Die Inszenierung nimmt im Laufe des Abends richtig Fahrt auf, sodass es schwer wird ihre vielen liebevollen kleinen Details zu erfassen. Dabei bedient sich Herzog aller technischer Mittel, die das Opernhaus zu bieten hat.
„Wir bummeln durchs Leben, was schert uns das Ziel“ und so erlebt der zunehmend berauschte Zuschauer u.a. ein Leibwächtertrio von seltener Unbeholfenheit, bei dem es schon wehtut hinzuschauen oder einen „Hausdrachen“, der auch so aussieht und als Feuerzeug herhalten muss. Der Drache wird wunderbar verkörpert von Oliver Breite, der gleich noch fünf weitere Rollen übernimmt. Das Opernhaus gerät nach und nach aus den Fugen, sodass der Zuschauer nach drei Stunden und „happy end“ das Gefühl hat an einer Tortenschlacht teilgenommen zu haben.
Vielschichtig, zuckersüß und liebevoll verziert wie eine Sahnetorte, das Dessert hat dem Bübchen geschmeckt, ganz kalorienfrei.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau
Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

Heike Stehr über „Der Graf von Luxemburg“

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Herrlich komisch

2 Tage vor Heilig Abend feiert „Der Graf von Luxemburg“ im Theater Duisburg seine Premiere und empfängt uns mit Karnevalsstimmung in Paris, mit Charme und Schwung und mit einem Ensemble in allerbester Spiellaune. Überall auf der Bühne tut sich etwas, auch jenseits des Hauptgeschehens, so dass ich mir dringend mindestens ein Augenpaar mehr wünsche, um alles beobachten zu können. 107 Jahre nach der Uraufführung der Operette in Wien gehen mir an diesem Dezemberabend zuerst mal Lehárs Melodien direkt ins Ohr, ein verschwenderischer Reichtum an Klang und Harmonie. Besonders gefällt mir der Umgang mit den musikalischen Motiven des Stückes, immer wieder klingen sie an, scheinen leicht verändert auf, geben der Operette Konsistenz vom „Lirilari“ über „Fünfmalhunderttausend Francs“ und „Sie geht links, er geht rechts“ bis zum „Bist Du’s, lachendes Glück, das jetzt vorüberschwebt …“. Letztgenannter Valse moderato hat es mir angetan und macht die Hochzeitsszene für mich zur schönsten des ganzen Abends. Wie da plötzlich jenseits der Handlung hinter viel Klamauk und Klischee etwas Inneres und Nachdenkliches in den Figuren aufscheint, das ist gut herausgearbeitet und fein gespielt. Besonders Juliane Banses Gesang und Spiel in der Rolle der Opernsängerin Angèle Didier bleiben mir in Erinnerung. Beim Nachhören zu Hause fällt mir dann auf wie schön heutig Musik und Gesang des Abends angelegt waren, modern und spritzig vom Orchester unter Lukas Beikircher begleitet.
Für solche Momente verzeihe ich der Inszenierung Jens-Daniel Herzogs die eine oder andere in meinen Augen schon arg überzogene Albernheit zwischen Farbschlacht und quatschiger Ballettnummer. Auch der verschiedenen Komödieneinlagen und allzu deutlichen aktuellen Bezüge hätte es meiner Meinung nach nicht bedurft, aber da sind große Teile des Duisburger Premierenpublikums den Reaktionen nach vermutlich anderer Meinung.
Eine Nummer, die bei mir hingegen hervorragend funktionierte, war die des russischen chaotischen Ganoven Trios, der drei Bodyguards (gespielt von Luis Fernando Piedra, Karl Walter Sprungala und David Jerusalem) des Fürsten Basil Basilowitsch. Ständig sind sie präsent und lassen in ihrem Spiel mit viel Ernsthaftigkeit ihre Rollen herrlich komisch werden. Das ist wirklich liebevoll und detailverliebt inszeniert. Und in diesem beiden Adjektiven steckt auch der ganz besondere Reiz dieses Operettenabends, denn sie treffen gleichermaßen auch für Ausstattung und Bühnenbild der Aufführung zu. All die Details von der besten russischen Wodka-Marke bis zum witzigen Kostüm entlocken mir manch inneres Ah und Oh. Und die Bühne erst! Mathis Neidhardt zaubert sich immer wieder wandelnde und verschiebende passende Kammern und Kämmerchen aller Couleur bis hin zum stillen Örtchen für die geheime Trauung im ersten Akt. Im zweiten Akt schenkt er uns mittels Drehbühne den Weg durch ein ganzes Theater vom Hintereingang bis zu Angèles Garderobe und zurück voller überraschender Einzelheiten. Dafür, das alles in einem zweiten Durchgang noch einmal sehen zu können, hätte ich glatt auf den dritten Akt verzichtet. Vor allem, da dieser in meiner Wahrnehmung hinter den anderen beiden zurück steht und vor allem Klamauk in Hülle & Fülle zeigt. Darüber hinaus bietet er natürlich auch das gleichermaßen unvermeidliche und unverzichtbare Operettenhappyend, in dem nach Zerschlagung des dramatischen Knotens in diesem Fall gleich drei Paare vereint werden. Gediegener Applaus für gute Unterhaltung und Spielspaß!

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Heike Stehr
Erzieherin
Kunst spielt in Heike Stehrs Leben eine große Rolle: Neben ihrer Arbeit als Erzieherin in einer KiTa macht sie eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin und betreibt den Blog http://kunstlebendig.blogspot.de. Sie besucht besonders gerne Ausstellungen, Programmkinos, Theaterstücke, Konzerte und Ballett. Auf den Bereich Oper, der für sie weitgehend Neuland ist, ist sie aber sehr gespannt. Sie freut sich, als Opern- und Ballettscout Kunst erleben und ihre individuellen Eindrücke an andere weiter geben zu können.

Astrid Klooth über „Der Graf von Luxemburg“

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Zsa Zsa ist tot – es lebe Lehár

Was verbindet das jüngst verstorbene Hollywood Sternchen und die Lehársche Operette „Der Graf von Luxemburg“? Es ist nicht nur die in der K.u.K. Monarchie wurzelnde  Herkunft, sondern das gemeinsame Thema des Oszillierens zwischen Liebe und Materialismus, der  Tauschhandel von Jugend,  Bling Bling und Status.
Nach dem Siegeszug des Genres der Operette, ausgelöst vom Erfolg der 1905 uraufgeführten „Lustigen Witwe“ schreibt Lehár in nur wenigen Wochen 1909 „Der Graf von Luxemburg“.
René Graf von Luxemburg, der  aufgrund seines ausschweifenden Lebensstils stets von Geldnöten geplagt wird, geht auf das Angebot eines russischen Mafia-Fürsten ein, seinen Titel für ein hübsches Sümmchen zum Tausch anzubieten. So soll Angèle, eine dem Ende ihrer Karriere nahe Sängerin, den Grafen inkognito heiraten, den  solchermaßen erhaltenden Adelstitel drei Monate lang tragen dürfen, um schließlich standesgemäß nach Ablauf der dreimonatigen Ehedauer den russischen Fürsten ehelichen zu können.
Natürlich siegt nach allerlei Irrungen und Wirrungen die Liebe zwischen René und Angèle  über das mafiös-korrupte Konstrukt der „standesgemäßen“ Eheschließung.
Das klassische  Thema des Seelenverkaufs an schnöden Mammon und Status, die Prostitution von Individualität und Gefühl, das in jeder gelungenen Operette auch zum Tragen kommt, wird in der  Inszenierung von Jens-Daniel Herzog anhand der eklektizistischen Gestaltung von Bühnenbild, Kostümen und Requisiten verdeutlicht. Gebrochen wird diese Zeitlosigkeit jedoch, wenn die Liedtexte zu tagespolitischen Themen (Trump, Digitalisierung etc.) Stellung nehmen. Dies fand ich wenig gelungen, wenn auch die Aktualisierung von Operettentexten in der Tradition von Lehárs Werken steht. Auch hätte auf eine Ausdehnung der Sprechpassagen verzichtet werden können, denn für meinen Geschmack hatte die dreistündige Inszenierung Längen und Durchhänger, die weniger gelungenen Klamaukeinlagen geschuldet waren.
Ein sehr guter Einfall war jedoch  die Verwendung einer  Drehbühne, welche die Dynamik und Komik der Operette unterstützt. Ebenso gefiel mir mit welch Liebe zum Detail Kostüme und Bühnenbild gestaltet wurden – man muss sicherlich mehr als eine Vorstellung besuchen, um alle witzigen Einzelheiten wahrnehmen zu können. Auch die Spiel- und Sangesfreude der Darsteller, allen voran der  versierte Bariton Bo Skovhus  als Graf von Luxemburg und die brilliante Sopranistin Juliane Banse als Angèle, konnten mich überzeugen. Dennoch hätte eine Straffung der abwechslungsreichen Aufführung insgesamt gut getan.

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Opernscouts
Astrid KloothAstrid Klooth
Oberstudienrätin im Hochschuldienst
Durch ihre Mitgliedschaften im Philharmonischen Chor und im Theaterring Duisburg ist Astrid Klooth Orchester und Theater seit vielen Jahren verbunden. Als Uni-Dozentin hat sie fast täglich mit jungen Menschen zu tun und hofft, durch ihre Beiträge ihr Interesse am Musiktheater einer breiteren Schicht zugänglich machen zu können.

 

Ralf Kreiten über „Der Graf von Luxemburg“

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Leicht durchschaubare Liebesgeschichte mit ernstem Hintergrund

Die Operette aus dem Jahre 1909 erzählt von einer zur damaligen Zeit nicht standesgemäßen Liebesbeziehung: Der insolvente René, Graf von Luxemburg, willigt ein, gegen Zahlung einer halben Million, die bürgerliche Operndiva Angèle Didier zum Schein zu heiraten, damit diese in die höheren Kreise aufsteigen und nach einer Scheidung (in 3 Monaten) den russischen Grafen Basil heiraten kann. Doch René erkennt seinen Identitätsverlust und die in ihm aufflammende Liebe zu der Frau, die er bei der Hochzeit nicht sehen, sondern nur an der Hand berühren durfte; der Beginn einer operettentypischen Liebesbeziehung.
Jens-Daniel Herzog nimmt das Stück in seiner Inszenierung aber nicht auf die leichte Operettenschulter, sondern will uns auch die ernsten Töne der Geschichte deutlich machen. Dabei ist der Grad zwischen Klamotte, Tragödie oder Rührstück schmal; meist findet er den richtigen Weg, manchmal rutsch er mir, wie bei den Slapstick-Einlagen der russischen Mafiabande des Grafen oder bei den Auftritten (in fünf Rollen) des Schauspielers Oliver Breite), zu sehr in den Klamauk ab; der teilweise tagesaktuelle Bezug hat mir dagegen gut gefallen und entspricht ja auch dem Operettengenre. Diskussionswürdig ist in dem Zusammenhang aber wohl die Farb-Schlacht im Quartier der befreundeten Bohemiens; der Sinn hat sich mir nicht erschlossen – witzig fand ich es allemal.
Das von Mathis Neidhardt entworfene Bühnenbild, vor allem mit der häufig kreisenden Drehbühne, ist faszinierend und passt hervorragend zur Story.
Musik war auch. Zwar bietet diese Lehár-Operette keine Gassenhauer, trotzdem ist die Musik eingängig, mal leicht, mal mit mehr Nachdruck und von den Duisburger Philharmonikern, geleitet von Lukas Beikircher, souverän gespielt. Bo Skovhus in der Titelrolle kommt mit seiner kräftigen Tenorstimme erst im Laufe des 2. Aktes auf Touren, wirkt für mich aber auch da noch manchmal angestrengt. Viel besser hat mir da Juliane Branses lyrischer Sopran in der Rolle der Angèle Didier gefallen. In ihren Duetten harmonieren beide aber ausgezeichnet. Mit ihrem späten, aber sehr schwungvollen Auftritt löst die Gräfin Stasa Kokozowa den Knoten aller Verwirrungen und diesen Auftritt macht Doris Lamprecht zu einem einmaligen Erlebnis; herrlich! Mit dem durchweg exzellent agierenden Ensemble schwingt sich „Lehár – Schwung und Schmäh“ durch das Duisburger Haus.
Klamotte, Tragödie oder Rührstück? Entscheiden Sie selbst.

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Opernscouts
Ralf KreitenRalf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld
Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

Christoph Grätz über „Der Graf von Luxemburg“

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Fräulein Titellos verliebt sich in Graf Mittellos

Den Theaterleuten war die Erleichterung anzumerken, dass die Premiere des Grafen von Luxemburg ohne Komplikationen über die Bühne gegangen ist. Kein Wunder, ist diese Inszenierung doch besonders opulent und mit Liebe zum Detail ausgestattet, was Bühnenbild, Kostüme und Requisite betrifft. Es kommt einem so vor, als hätten die Bühnenbildner, die Maler, die Schreiner und Schneider und alle anderen Gewerke der deutschen Oper am Rhein besonders Spaß gehabt, alles zu geben.
Schon die Eröffnungsszene war vielversprechend, in der sich das junge verliebte Bohmien-Pärchen Armand Brissard, gut gesungen von Cornel Frey, und seine Freundin Juliette Vermont (Lavinia Dames) schließlich in Farbe wälzen. Mit viel Spielfreude vorgetragen war dann auch die etwas krude Geschichte des liebestollen russischen Fürsten Basil Basilowitsch, der um die schöne Angèle Didier buhlt. Damit die Heirat standesgemäß ist, besticht er den ständig klammen René, seines Zeichens Grafen von Luxemburg, die Schöne zu heiraten und sich rasch wieder scheiden zu lassen und damit den Weg für die nun adelige Hochzeit frei zu machen. Ein Plan, der dann jedoch an der entflammenden Liebe der beiden Protagonisten scheitert: Fräulein Titellos verliebt sich in Graf Mittellos. Mit der Folge, dass dieser nun ständig vor den drei Gorillas des russischen Möchtegern-Edelmannes fliehen muss. Wäre da nicht die Respekt einflößende Gräfin Kokozowa, die der Operette schließlich die glückliche Wendung, dem Fürsten einen Dämpfer gibt und dem verliebten Paar die bereits geschlossene Ehe ermöglicht.
Die Geschichte ist recht schnell erzählt und eigentlich nicht wirklich wichtig, ja vielleicht sogar eher belanglos. Der Abend bietet seichte Unterhaltung was die Handlung betrifft, der die Musik nichts wirklich Tiefes entgegensetzt. Der Graf von Luxemburg, gespielt und gesungen von Bo Skovhus, schien mir stimmlich nicht auf der Höhe zu sein, einzelne Textpassagen kamen nicht durch und es lag nicht am Orchester, das Lukas Beikircher souverän leitete. Auch Bruce Rankin in der Rolle des Fürsten Basilowitsch hat mich an diesem Abend gesanglich nicht durchgehend überzeugend. Anders dagegen die drei Frauenstimmen, Juliane Banse als Angèle Didier, Lavinia Dames als Juliette Vermont und Doris Lamprecht als Gräfin Stasa Kokozowa , die spielerisch und gesanglich sehr präsent waren.
Der dritte Aufzug überraschte dann mit einem hohen Anteil Sprechtheater mit Bezügen zur Gegenwart, die für meinen Geschmack etwas subtiler hätten ausfallen dürfen, wie etwa die Anspielungen auf den künftigen Präsidenten der USA. Durchgängig witzig und unterhaltend waren die drei „Gorillas“ des Grafen, die nach Herzenslust alle Klischees der Russen-Mafia bedient haben. Wunderbar abgestimmt in Größe, Witz und Ausdruck war es ein großes Vergnügen den drei schrägen Typen, gespielt von Luis Fernando Piedra, Karl Walter Sprungala und David Jerusalem bei ihrer Mafia Parodie zuzusehen, die an Filmszenen aus „Manche mögen‘s heiß“ erinnerten.
Der eigentliche Star des Abends aber war kein Künstler sondern das Bühnenbild. Wie beeindruckend die Szene, in der das Gorilla-Trio den flüchtenden Grafen durch das Theater jagt. Dabei entrollt sich mittels Drehbühne vor dem Betrachter das Innenleben eines Theaterbetriebes, vom Bühneneingang über die Künstlergarderobe bis zur Kantine. Auch bei dieser Produktion sind mir sicher wieder viele Details, Anspielungen und Miniaturen der Regie entgangen. Dies mag dem zwischenzeitlichen Tempo der Inszenierung geschuldet sein, die bei aller Kurzweiligkeit auch Längen hatte, vor allem zu Beginn des dritten Aufzugs.
Meine Empfehlung: Eine Inszenierung, die unterhält und nicht weh tut, aber kein Muss.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

Christoph Grätz
arbeitet für die Stabsstelle Kommunikation bei der Caritas
Wenn es sie nicht schon gäbe, bäte er Gott sie zu erfinden: die Musik. Als Sänger im philharmonischen Chor Duisburg, als ungeduldiger Akkordeonschüler und begeisterter Tangotänzer füllt Christoph Grätz seine Freizeit mit viel Musik. Als Öffentlichkeitsarbeiter für die Caritas darf er in seiner Arbeit zwar auch kreativ werden, aber fast nie musikalisch. Als Scout entdeckt er nun Oper und Ballett und freut sich, etwas davon mitteilen zu dürfen.

Stephanie Küthe über „Der Graf von Luxemburg“

der_graf_von_luxemburg_08_foto_hans_joerg_michelAngestaubte Operette? – Welch ein Irrtum!

Was für ein unterhaltsamer Abend, den uns Jens-Daniel Herzog da beschert! In den Augen der jüngeren Generationen ist das Genre der Operette, welche unsere Großeltern noch so sehr liebten, mittlerweile doch eher etwas angestaubt. Welch ein Irrtum! Herzog haucht dem alten Schwank Lehárs neues Leben ein, verleiht ihm eine herrliche Aktualität und bringt uns als Publikum dermaßen zum Lachen, wie ich es von einer Operette nie erwartet hätte. Dabei ist es mitunter der pure Klamauk, der sich auf der Bühne abspielt. So etwa die drei Mafiosi, die Fürst Basil herrlich komisch als Bodyguards zur Seite stehen oder auch der Pförtner am Bühneneingang der Oper, der als Drache erscheint. Dabei sind es vor allem die vielen Details, die das Ganze ausmachen und die Inszenierung derart glänzen lassen. Man müsste das Stück mehrmals sehen, um auf alles achten zu können. Am meisten beeindruckt hat mich die detailverliebte Darstellung des Backstagebereichs der Oper – von Bühnenbildner Mathis Neidhardt meisterhaft platziert auf einer Drehbühne, die stets neue Überraschungen preisgibt.
Gesanglich brillierte vor allem Juliane Banse als Angèle Didier, wenn auch teilweise auf Kosten der Textverständlichkeit. Neben ihr wirkte Bo Skovhus als Graf René an vielen Stellen leider etwas blass. In gewohnter Brillianz und Spielfreude präsentierten sich sowohl die Duisburger Philharmoniker als auch der Chor der Deutschen Oper am Rhein.
Kurzum: Wer mal wieder herzhaft lachen und nebenbei auch musikalisch auf seine Kosten kommen möchte, sollte diesen Operettenabend nicht verpassen!

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

Stephanie Küthe
Tätig im Eventmanagement eines Energiekonzerns

Seit ihrer Kindheit begeistert sich Stephanie Küthe für das Musiktheater, sang im Kinderchor der Bonner Oper und stand jahrelang in verschiedensten Produktionen selbst auf der Bühne. Die Diplom-Kauffrau und Musikwissenschaftlerin singt heute wieder mit Begeisterung im Chor und verpasst keine Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein. Als Scout freut sie sich darauf, ihre Gedanken zu Inszenierungen in Worte zu fassen und andere mit ihrer Begeisterung anstecken zu können. Ganz besonders gespannt ist sie dabei auf den Austausch mit anderen Opern- und Ballettscouts.

Kathrin Pilger über „Der Graf von Luxemburg“

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Melodien mit Ohrwurmcharakter

Er ist ein Lebemann und hat sein ganzes Vermögen durchgebracht: René Graf von Luxemburg steht mit dem Rücken an der Wand. Da kommt ihm der Deal mit dem reichen Fürsten Basil Basilowitsch sehr gelegen, soll er doch nichts weiter tun, als dessen bürgerliche Geliebte, die Sängerin  Angèle, zum Schein zu heiraten, um sich – so ist der Plan – nach drei Monaten scheiden zu lassen und ihr auf diese Weise den Adelstitel zu verschaffen. Dann stünde einer Heirat ihrerseits mit dem Fürsten Basilowitsch nichts mehr entgegen. Dafür soll René ein Honorar von 500.000 Francs erhalten. Gesagt, getan: Die Heirat findet als anonyme Zeremonie statt, ohne dass die beiden Neuvermählten sich sehen können. René bekommt das Geld, das er sofort wieder mit seinen Freunden verprasst. Doch etwas ist geblieben: Während der Hochzeit hat er sich in seine fremde Braut, von der er nur eine Hand zum Ringtausch und ihren Duft zu spüren bekam, verliebt und begibt sich nun auf die Suche nach dieser geheimnisvollen Frau. Wie es das Genre verlangt, gibt es nach etlichen Irrungen und Wirrungen ein Happyend. Bis dahin sind allerdings viele Hindernisse zu überwinden…
Franz Lehárs Operette „Der Graf von Luxemburg“, die 1909 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde und die nun am vergangenen Donnerstag im Theater Duisburg Premiere feierte, ist bis ins Detail liebevoll inszeniert. Ein bunter Strauß von Nebenfiguren und –handlungen schmückt sozusagen die Haupthandlung, das ganze Stück zeigt sich als einziges Kostümfest, opulent bis ins Bühnenbild. Das Stück lebt von der ironischen Brechung teils banaler Realitäten. In diesem Zusammenhang sehr witzig ist der Einsatz des Schauspielers Oliver Breite in einer multiplen Sprechrolle: Aufgrund von angeblichem Personalmangel muss er gleich in fünf verschiedene Rollen schlüpfen, unter anderem in die des Hausmeisters, des Portiers und der Kellnerin (!). Belebend ist der Wechsel von gesprochenen und gesungenen Dialogen – viele der fröhlichen Melodien haben Ohrwurmcharakter. Die gesangliche Qualität  des Ensembles bewegte sich durchgehend auf hohem Niveau, die musikalische Begleitung durch die Duisburger Philharmoniker wirkte spritzig und leicht.
Alles in allem ist das Stück sehr empfehlenswert, besonders für Menschen, die einem Opernbesuch aufgrund der oft tragischen Geschichten in klassischen Opern eher skeptisch begegnen.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg
Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

Isabell Boyer über „Der Graf von Luxemburg“

Die reinste Gefühlsachterbahn

der_graf_von_luxemburg_06_foto_hans_joerg_michelAls ich am Samstag in die Düsseldorfer Oper schritt, formulierte sich in meinem Kopf nur eine Aussage: Winter und Weihnachtszeit heißt Operettenzeit. So meine Theorie. Ich stellte mich schon im Vorhinein auf etwas Lockeres, Heiteres ein, hatte ich doch noch die Zirkusprinzessin positiv in Erinnerung. Nachdem ich mich gesetzt hatte und mir der wundervoll bis zum letzten Platz gefüllt aussehende Saal aufgefallen war, lehnte ich mich entspannt zurück und betrachtete das von einem Glühbirnenrahmen erhellte Bühnenbild, das sich vor mir eröffnete.
Die Handlung war recht simpel und innerhalb weniger Szenen verständlich. Zugegeben, ich konnte mich mit dem Anfang nicht anfreunden. Der erste Akt wirkte wie ein Stück in sich mit einem traurigen Ende und für einen Moment war ich ein wenig ernüchtert darüber, dass das Potential, was zwischendurch gezeigt wurde, durch die sehr ernste Ausführung der Stücke und durch die vom Orchester verschluckten Worte des Protagonisten nicht ausgenutzt wurde.
Dann aber nach der Pause begann der zweite Akt und Gott, wie ich mich getäuscht habe! Innerhalb weniger Minuten änderte sich die ernste, melodramatische Stimmung in etwas Amüsantes, Freches und Frisches. Es tat so gut, zu sehen, wie altes Material genommen und in einen modernen Kontext erhoben wurde. Auch die Kabaretteinwürfe vom Hausmeister/Manager/Zimmermädchen/Kellner haben mir außerordentlich gut gefallen. Mein persönliches Highlight war aber das Paradestück der alten Gräfin Kokozowa, gespielt von Susan Maclean, das zum einen unglaublich gut gespielt und gesungen war, andererseits aber auch einen wundervollen Kommentar zur heutigen Gesellschaft gegeben hat und es wagte, auch mal die heikleren Themen auf die ernste Bühne der Oper zu bringen. Ich kann für diese Neuinterpretation nur ein großes Dankeschön aussprechen und hoffe, dass sich dieser Trend des Verbindens von Vergangenheit und Gegenwart weiter durchsetzt.
Selten bin ich mit einem so positiven Gefühl im Bauch heimgefahren. Ein wohl inszenierter Brückenschlag für das neue Jahr.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

Isabell Boyer
Studentin
Auf Isabell Boyer sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Die Opern- und Ballett-Erlebnisse in ihrer ersten Spielzeit als Opernscout inspirierten sie dazu, freier zu denken und ihren Horizont zu erweitern.

Georg Hess über „Der Graf von Luxemburg“

Weder Fisch noch Fleisch?

der_graf_von_luxemburg_12_foto_hans_joerg_michelHier bin ich nun auf meiner Erkundungstour durch die „Welt der Düsseldorfer Oper“ nach Ballett und Oper bei der Operette (laut Wikipedia „ein musikalisches Bühnenwerk“) angelangt. Auf dem Programm steht das Stück „Der Graf von Luxemburg“ von Franz Léhar, welches erstmals vor über hundert Jahren, nämlich 1909, aufgeführt wurde.
Der Inhalt ist schnell zusammengefasst: Ein verarmter Graf (René Graf von Luxemburg) stellt sich gegen großzügige Entlohnung eines Fürsten (Basil Basilowitsch) für eine kurze Ehe mit einer bürgerlichen Sängerin (Angèle Didier) zur Verfügung um diese in den Adelsstand zu heben, damit sie sich hiernach mit dem Fürsten verehelichen kann. Der Graf und die Sängerin finden aber selbst Gefallen aneinander. Der Fürst möchte sich damit nicht arrangieren, muss aber schließlich auf Befehl des Zaren eine alte Gräfin (Stasa Kokozowa) heiraten. Das gute Ende für den Grafen und die Sängerin ist schließlich gesichert.
Die Story hört sich also sehr nach Komödie und Ohnsorg-Theater an. Für mich passt dies zunächst nicht zu opernähnlicher Musik und Gesang. Dem Regisseur Jens-Daniel Herzog gelingt es dennoch hervorragend mit dem seichten Stoff, welcher über drei Akte und somit über fast drei Stunden verteilt ist, den Zuschauer/-hörer zu unterhalten, indem er die einfache Handlung akzeptiert, in die Gegenwart überträgt und mit reichlich Kitsch und Trash mit Farbschlachten, Russenmafia, frivolen Damen (und Herren) sowie reichlich groteskem Wortwitz bestückt. Beste Unterstützung erhält er hierbei durch den Bühnenbildner Mathis Neidhardt und die Kostümbildnerin Sibylle Gädeke, die mit zahlreichen detailreichen Bühnenbildern (wobei auch die Möglichkeiten der Drehbühne einen Höhepunkt darstellen) und vielen extravaganten Kostümen die skurrile und absurde Szenerie zusätzlich persiflieren.
Musikalisch setzten für mich mit Unterstützung der Düsseldorfer Symphoniker der Graf als Titelheld (gespielt durch Bo Skovhus) und die Gräfin, die im dritten Akt durch Susan Maclean ihren Auftritt findet, die Höhepunkte. Warum Letztere jedoch ihren  gesanglichen Part auch noch mit einem Ausritt in die trumpsche und sonstige Weltpolitik ergänzen musste, hat sich mir nicht so recht erschlossen.
Schauspielerisch und komödiantisch war für mich Oliver Breite der Star des Abends, der sich im wahrsten Sinne des Wortes in zahlreiche Kostüme „zwängte“, sichtlich sich verausgabte und hervorragenden Wortwitz souverän zum Besten gab.
Insgesamt war diese Mischung aus Komödientheater („Fisch“) und klassischer Musik („Fleisch“) ein unterhaltsamer Abend in der Oper am Rhein, der mich und meine Begleitung am Schluss mit wenig Schwere sondern eher viel Leichtigkeit in die Nacht entließ.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Uwe Schwäch über „Der Graf von Luxemburg“

Musikalische Interpretation mit großer Strahlkraft

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Die lange Zeit als verstaubt angesehenen Operettenkomödien erleben auf deutschen Opernbühnen eine Renaissance und so gelangen wir auch in dieser Spielzeit an der Deutschen Oper am Rhein mit Franz Lehárs „Der Graf von Luxemburg“ in den Genuss einer der bekanntesten deutschsprachigen Operetten.
Gleich zu Beginn eröffnet sich eine wilde und exzessive Ölfarbenschlacht zwischen Juliette und Armand. Dabei wird schnell spürbar, dass sich dieser Operettenabend in eine frische, freche und stimmungsvolle Richtung entwickeln wird. Wir treffen immer wieder auf Situationskomik, die den Rand des gesellschaftlichen Klamauks streift. Glücklicherweise verleiht die musikalische Interpretation dieser Operette spürbare Stabilität. Allen voran Bo Skovhus, der den Grafen von Luxemburg wunderbar kraftvoll in Szene setzt, sowie Juliane Banse (Angèle), Cornel Frey und Lavinia Dames, die als Armand und Juliette den Operettenschlager „Mädel klein, Mädel fein“ herzerfrischend und mit strahlenden Stimmen zum Besten geben.
Die Inszenierung von Jens-Daniel Herzog ist mit reichlich Witz und Ironie angelegt und dabei mit gesellschaftlichen als auch politischen Petitessen ausgestattet. Die künstlerische Umsetzung polarisiert und als Zuschauer verarbeitet man die Vielzahl unterschiedlicher Eindrücke mit gemischten Gefühlen. So bietet das schlicht gehaltene Bühnenumfeld wenig Glanz im Bohème-Milieu, wogegen dank turbulenter Drehbühnentechnik heitere und abwechslungsreiche Momentaufnahmen der komödiantischen Handlung vermittelt werden.
Herzog hat viele kleine Details eingebaut – mal feinsinnig mal grobkantig, mal kreativ, mal übertrieben. Es ist viel zu sehen und so wird es in dem schnell durchschaubaren unmoralischen Handlungsstrang nie langweilig.
Die Strahlkraft der rhythmischen Melodien und rauschenden Bögen wird durch ein feuriges Orchester eher überhöht als fein illustriert – aber auch das passt zu diesem Operettenabend.
Am Ende schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Berauscht von hervorragend gesungenen Operettenschlagern – zweifelhaft belustigt durch eine am Rande des Klamauks geführte Inszenierung.

Mehr zur Operette „Der Graf von Luxemburg

Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

 

Roland Schüren über „Der Graf von Luxemburg“

Wie lange kann man grinsen, ohne es selbst zu bemerken?

der_graf_von_luxemburg_15_foto_hans_joerg_michelUnd wie zur Hölle duftet Trèfle Incarnat den jetzt? Upps, ich fange ja hinten an, mit meinem Text zum Grafen von Luxemburg. – Der Reihe nach…
Operette: Die Handlung sei immer gleich, es gäbe Intrigen, Liebschaften und immer ein Happy End. Mit diesem Fazit entlässt mich die Einführung in meine erste Operette. Nach „Otello“ also jetzt was Triviales? Im ersten Akt fühlte ich zunächst eine Bestätigung dieser Behauptung. Außer der gelungenen, spaßig-temporeichen Körpermalerei-Szene in Juliettes und Armands Wohnung, hat mich der erste Akt nicht gerade vom Hocker gehauen. Ein „Aha“ gab es, als die Equipe das zuvor live entstandene Riesen-Körpergemälde hochhebt und es so dem Publikum präsentiert. Aber dann, nach der Pause der zweite Akt: Ein überragendes Bühnenbild. Kurzweil und Tempo. Das Theater, in dem der zweite Akt spielt, ist bühnentechnisch ein Quader, der, rotierend, immer wieder ein anderes Zimmer oder zum Beispiel den Theatereingang preisgibt. Dieser permanente Wechsel lässt im Kopf des Operngängers vier parallele Handlungen entstehen. – Klasse! Ich bekomme Spaß an der leichten und lustigen Kost. Das wird dann im dritten Akt sogar noch getoppt:
Ein grandioses Finale kündigt sich an. Zuerst der bekannte TV-Schauspieler Oliver Breite in seiner Mehrfachrolle des  Ménagers  des Hotels, in dem dieser Akt spielt. Er muss wegen des durchgeführten Personalabbaus den Laden ganz alleine schmeißen und schlüpft samt passender Kleidung immer wieder in die jeweils nötige Rolle des Hausmeisters, des Pagen, des Rezeptionisten und der Kellnerin. Für mich wirklich unerwartet in einer Operette und sehr, sehr spaßig! Dann läuft die russische Gräfin Stasa Kokozowa im Hotel auf, der Fürst Basil Basilowitsch bereits die Ehe versprochen hatte. Und plötzlich beamt die Gräfin diese Operette von 1909 in das späte Jahr 2016.  Nicht nur ich staune, das Publikum ist wirklich überrascht über Kokozowas ganz aktuelles Lied, welches die heutige Politik und die heutige Gesellschaft lässig kritisiert und deutlich belächelt. Plötzlich bin ich hellwach-überrascht, dann kurz verstört und letztlich total begeistert. – Was für eine Hinleitung zum grandiosen Finale mit dem gesamten Ensemble auf der Bühne. Der dritte Akt ist richtig, richtig gut. Das Stück wird mit jedem Akt besser. Irgendwann im dritten bemerke ich ein komisches Gefühl in meinem Gesicht. Die Wangen, direkt unter den Augen sagen mir, dass ich schon länger vor mich hin lächeln muss. Ein Dauergrinsen hat sich eingestellt. Geht es den anderen Zuschauern auch so? Ich schaffe es, mich kurz von der Aufführung zu lösen und ein paar Blicke nach rechts und links ins Publikum zu werfen. Wer grinst sich wohl ebenso wie ich durch den dritten Akt? – Das nicht repräsentative Ergebnis: Drei von Fünfzehn. Bin ich jetzt naiver Neuling oder sind die zwölf anderen einfach nur Spaßbremsen? – Egal, es reicht mir zum Weitergrinsen…
Was mich aber jetzt wirklich brennend interessiert: Wie roch wohl Trèfle Incarnat? Was für ein wohlklingender klingender Name! Ein 1898 kreiertes Parfum, in dem erstmals künstliche Duftstoffe verwendet wurden, führt  Angèle und René zueinander und macht das Happy End erst möglich. Leider wird es nicht mehr produziert. Dank des „Grafen von Luxemburg“ kann ich seine Duftnote wenigstens erahnen…
Top: Bo Skovhus als Graf René Graf von Luxemburg, Lavinia Dames als Juliette, Oliver Breite als Ménager und Susan Maclean als Gräfin Stasa Kokozowa.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

Opernscout Roland SchürenRoland Schüren
Inhaber der Bäckerei „Ihr Bäcker Schüren“
Bereits in vierter Generation führt Roland Schüren den Familienbetrieb „Ihr Bäcker Schüren“ mit Hauptsitz in Hilden. Mit seinem Anspruch an Qualität, Produktvielfalt und Nachhaltigkeit gilt er als einer der besten und innovativsten Handwerksbäcker in Düsseldorf und der Region. Ihm und seinen Bäckern macht es Spaß, alles selbst herzustellen – ohne Fertigmischungen und Massenproduktion, dafür mit viel Zeit und handwerklichem Können. Da gibt es Parallelen zu unserem Opern- und Ballettbetrieb …

Susanne Freyling-Hein über „Der Graf von Luxemburg“

Auf Operette muss man sich einlassen

der_graf_von_luxemburg_04_foto_hans_joerg_michelMein Fazit des Abends ist: man muss sich auf Operette einlassen.
Das ist mir bei der Premiere von „Der Graf von Luxemburg“ nur bedingt gelungen – was zum großen Teil wahrscheinlich daran liegt, dass diese Erkenntnis erst im Nachhinein gereift ist.
Haften geblieben sind vor allem die tollen Sänger und auch die schauspielerische Leistung. Insbesondere hat mich Bo Skovhus als facettenreicher – trauriger, feierfreudiger, euphorischer Graf beeindruckt.
Auch das aufwändige Bühnenbild war sehr einfallsreich und hat viel Spielfläche gegeben, die voll ausgenutzt wurde und zur Lebhaftigkeit des Stücks beigetragen hat.
Viele weitere Details waren liebevoll eingebettet und sicher einfallsreich: von den silbern blitzenden Zähnen eines Mafioso bis zum männlichen Spitzentanz im schwarzen Tutu.
An vielen Stellen war es für mich aber „over the top“ und an der Grenze zum Klamauk – beispielsweise als sich Graf und Mafioso nacheinander in den Hut übergaben dachte ich: naja.
Das Premieren-Publikum war hörbar begeistert – ich war verhalten – wahrscheinlich eher eine Frage des Genres und der Erwartungshaltung als der Qualität der Inszenierung und Aufführung.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

Susanne Freyling-Hein
Senior Retail Development Manager bei L’oréal
Obwohl Susanne Freyling-Hein seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, waren Oper und Ballett bis zu Beginn der letzten Spielzeit Neuland für sie. Begeistert hat sie vor allem Martin Schläpfers Ballett am Rhein. Sie schätzt den gemeinsamen Austausch, weil er den eigenen Eindrücken andere Sichtweisen gegenüber stellt. Und wenn Freunde oder Kollegen ihren Empfehlungen folgen, macht sie das durchaus ein bisschen stolz.

Gisela Miller Kipp über „Der Graf von Luxemburg“

Einschlägige Klischees und existenzieller Ernst

der_graf_von_luxemburg_02_foto_hans_joerg_michelEine durchaus doppelbödige Operette über die Abgründe zwischen Liebe und Geld, über die Korrumpierbarkeit und die Unbeirrbarkeit der Sehnsucht, und dieser Doppelbödigkeit wird die Inszenierung (Jens-Daniel Herzog) überzeugend gerecht. Sie bedient lustvoll und üppig die in der Story liegenden einschlägigen Klischees – vom verlotterten, aber letztlich edlem Adel und von Pariser Maler-Bohème (arm, albern, glücklich), von Salondamen (verrucht), käuflichen orthodoxen Priestern und russischen Magnaten (kommen als Mafiosi daher) –, macht andererseits aber auch existentiell ernst, wenigstens momenthaft. So gleich im ersten Bild (1. Szene): im dunklen Bühnenraum grell angestrahlt sitzt einsam ein sichtlich gebrochener Mann (Graf René von L.). Das Bild wendet sich aber schon in der zweiten Szene ins Komische, der Verzweifelte mausert sich zum Betrunkenen mit totalem Hangover, und auf die Bühne spazieren … nicht, wie man erwarten könnte, ein ausgewachsener Kater oder weiße Mäuse, vielmehr eine riesige blaue Ratte mit roten Glühaugen, einen schwarzen Rattenchor mit roten Spitzhäubchen im Schlepptau! Sie singen von der verschwenderischen Lebenslust des Grafen von L., wobei dieser sich fleißig weiter mit Champagner beschüttet – eine verzweifelt komische Szene.
Das nun ist ein Beispiel für den Spielwitz dieser Inszenierung, der teils dem Agieren der Protagonisten, teils der Ausstattung und dem Bühnenbild entspringt. So dampft etwa ein rotes Teufelchen höhnisch keckernd aus dem Kühlschrank hervor, als Graf René in seiner heruntergekommenen Wohnküche sein „Ehrenwort“ auf den falschen Heiratsdeal mit dem russischen Fürsten gibt (1. ‚Akt, 3. Szene). Mir macht solcher Einfall Vergnügen, und mit Vergnügen erinnere ich mich auch an andere „Klamotten“, etwa daran (alles 2. Akt, Szenen vor und in der Oper): dass ein giftgrüner Drache die Opernpforte hütet und ausgerechnet unter dem Schild „Rauchen verboten!“ anfängt zu qualmen, als er gegen die Eindringlinge (Graf René und sein Malerfreund) herausstürzt. Dort nun lehnt ein Fahrrad an der Mauer, geradewegs unter dem Schild – nein, nicht „Fahrräder abstellen verboten“, sondern „alles abstellen verboten“!; und als Stolperstein bei der wilden Verfolgungsjagd zwischen den Bodyguards des russischen Fürsten und dem Grafen René dient ein mittelgroßes Nashorn just in der eingeknickten Position, in der auch die Bronzeskulptur eines solchen Tieres von Johannes Brus vor dem Museum Kunstpalast steht – ob Zufall oder feine Reverenz an Düsseldorf, ist für den Spaß egal. Ach ja: In der Oper – derjenigen auf der Bühne – tritt auch noch ein Männerballett auf mit Szenen aus „Schwanensee“ – juxig, und großer Zwischenapplaus!
Die realistisch aufgestellten Bühnenräume – die Oper im 2. Akt, das Grand Hotel im 3. Akt – haben wenig Glamour, viel verblichene Pracht. Damit freilich gibt sich das Genre selbst einen verblichenen Anstrich, was mir nicht schlecht gefallen hat. Gut gefallen haben mir auch einige textliche Modernisierungen, etwa die nicht unpolitischen Einlassungen im berühmten Auftrittssong der als dea ex machina fungierenden russischen Gräfin (Stasa Kokozowa, gesungen und gespielt von Susan Maclean): „Was ist das für ‘ne Zeit, liebe Leut?“; darin werden SMS und Chatten als Ersatzkommunikation und ein gewisser Herr Trump als verkommene Gestalt von Uncle Sam übel beleumundet – Gesinnungsapplaus im Publikum! – Ich hatte also mein nachhaltiges Vergnügen an dieser Inszenierung, bedaure nur etwas, dass sich der anfangs und eingangs gezeigte Ernst mehr und mehr verflüchtigt; die Schlussszene, das unwahrscheinliche Happyend, ist nur noch Klamauk, reichlich bedient mit Requisiten aus dem Fundus der Deutschen Oper am Rhein.
Natürlich sind die berichteten inszenatorischen Einfälle nur ein Teil des gelungenen Ganzen. Wesentlich getragen wird es von hervorragenden Sänger-Schauspielern – allen!, doch allen voran Graf René (Bo Skovhus, von Hause aus ein Bariton; musste ab und an stimmlich pressen, was ich verzeihlich fand, da er fabelhaft agierte) und sein „Engel“ Angèle mit klarem vollen Sopran (Juliane Banse ). – Getragen wird die Aufführung ebenso von den teils rasanten Szenenwechseln, bei denen Drehbühne und Schnürboden der Deutschen Oper am Rhein zeigen, was sie können, und von den Düsseldorfer Symphonikern unter Lukas Beikircher, die ihren Léhar beschwingt herausspielten. – Bleibt für mich eine Aufführung, die der musischen Zwillingsmaske Tribut zollt, die als Giebelrelief über der Bühne angebracht war und dem Publikum vor Augen hielt: „ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst“ – den heiteren Teil serviert dieser Graf von Luxemburg üppig.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

Gisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik
„Die sinnliche Erfahrung von Oper und Ballett öffnet einen immer wieder neu“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Was sie sieht, vergleicht sie mit ihren persönlichen Kulturerlebnissen aus vielen Jahrzehnten und ist beglückt darüber, dass sich dabei immer wieder neue Sichtweisen erschließen. Sie engagiert sich in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und wird im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast auf ihre Erlebnisse als Opern- und Ballettscout angesprochen.

Christina Irrgang über „Die Zirkuspinzessin“

DieZirkusprinzessin_08_FOTO_HansJoergMichelWie können Worte gefunden werden für den Operetten-Abend der „Zirkusprinzessin“ am 13. November 2015, wo sich zeitgleich die terroristischen Anschläge in Paris – darunter im Bataclan, abgeleitet von Jaques Offenbachs Operette „Ba-ta-clan“ – ereigneten? Die Erschütterung über den willkürlich scheinenden, doch zielgerichteten Angriff auf Menschen, die – ebenso wie wir – an diesem Abend Unterhaltung suchten, hallt nach: als Geste gegen eine kulturelle Überzeugung, die auch wir mit dem Besuch der Oper vertreten. Unweigerlich schneiden die Ereignisse jenes Abends ineinander. Die Realität der Gegenwart kann deshalb nicht getrennt von der privaten Zerstreuung gesehen werden. Wir sind Zeugen aus der Ferne, und aus diesem Grund sind diese Worte und Überlegungen den Opfern der Attentate in Paris gewidmet.

Bereits während der „Zirkusprinzessin“ kreisten meine Gedanken um die Frage: Welche Bedeutung hat Zirkus heute? Diese Überlegung wird intensiviert vor dem Hintergrund der vorangestellten Worte mit der Behauptung: Der Zirkus als Ort der Artistik, der Maskerade, der Zerstreuung ist anachronistisch. Der Zirkus hat für den Menschen im Jahr 2015 keine Bedeutung mehr, die ihm zu der Zeit von 1925-1926, da Emmerich Kálmán mit dem Librettisten-Duo Julius Brammer und Alfred Grünwald die „Zirkusprinzessin“ komponierte, noch zugeschrieben wurde. Die Zeit der Szenerie hatte Kálmán auf das Jahr 1912 verlegt, unter Rückgriff auf den Untergang der Österreichisch-Ungarischen-Monarchie und des zaristischen Russlands, mit ironischer Betrachtung des russisch-französischen Adels und des Wiener Bürger- und Kleinbürgertums. Er bettete den politischen Wechsel in einen Parcours aus zwischenmenschlichen Beziehungen und Verwechslungssituationen ein. Doch den Zirkus als Forum und als Sinnbild des „Zirkels des Lebens“, der mit dem Rollenspiel des Mister X bei Kálmán Gestalt und Ausdruck findet, gibt es so nicht mehr.

Wiederholung und Wiederkehr der Persönlichkeitsschau und -show findet heute an anderer Stelle und vor allem in mediatisierter Form statt. Facebook ist nur ein Kanal, der neben Instagram, Twitter oder Tinder die Möglichkeit eines solchen Rollenspiels ermöglicht. Es sind auch diese Kanäle, die frequentiert werden, in denen Zerstreuung, Sensation und Schaulust kreisen. Bilder, Illusionen und Annahmen zirkeln und zirkulieren hier. Also eine neue Form des Zirkus? Immerhin wird auch bei Kálmán der Zirkus für Fedora Palinska und Mister X, für Liesel und Toni, sowie für den Zirkusdirektor Stanislawsky und dessen Gattin Wanda zur Paarbörse bzw. Ort der Partnervermittlung und des Austragens des Partnerschaftlichen. Letztlich gleicht auch das Hotel von Carla Schlumberger und ihrem Oberkellner und ehemaligen Geliebten Pelikan der Heterotopie des Zirkus.

Und doch: Die Story und die Lyrik der Gesänge der Kálmánschen Operette sind zumeist platt, die innere Linie der Geschichte – trotz aller Querverbindungen der Protagonisten – ist verworren und generell fehlt es der „Zirkusprinzessin“ an Vehemenz. Sie ist weder kurzweilig in der Unterhaltung, noch intellektuell bereichernd oder gekonnt parodierend. Zwischen den Szenen schimmern Idealismus und Tugend wie ein Alibi durch. Worum ging und geht es wirklich? Die Bedeutung dieser Operette insgesamt ist mir zu dünn, trotz einer intensiven Inszenierung durch Josef E. Köpplinger (Staatstheater am Gärtnerplatz, München). Glamour scheint im Vordergrund zu stehen – der hier mit allen Mitteln sinnlich durch ein märchenhaftes Bühnenbild und farbenreicher Kostümierung umgesetzt ist. Aber muss die barocke Geste noch eine Regel der Operette sein? Wäre es nicht an der Zeit, sich einem Diktum der leeren Opulenz zu entheben? Die „Zirkusprinzessin“ scheint wie eine Farce ohne Façon.

Aktuell, nur wenige Meter von der Düsseldorfer Oper entfernt, ist im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen ein kleines Bild des belgischen Malers Walter Swennen (*1946) zu sehen: Es zeigt einen Clown, oder besser, eine blaue Figur in Gestalt eines Clowns, dessen roter Schatten seine Auflösung als Phantom andeutet. Die Figur des Clowns ist nur noch als formlose Fläche vorhanden, die haltlos im Raum (auf dem blassen Grund der Leinwand) kippt. Mit sehr reduzierten Mitteln schafft Swennen es, in der Malerei „Clown bleu rouge“ (2007) die Tragik der Maskerade zu verbildlichen und auf eine neue Form, ja auf einen Szenenwechsel des Clownesken sowie eine Verschiebung dessen Ortes zu verweisen. Die Operette könnte in ihrer Kombination aus Sprache, Schauspiel und Gesang viel mehr, als mit ihrem eigenen Genre zu langweilen: Mit der „Zirkusprinzessin“ scheint sie in ausgetretenen Pfaden zu gehen und sich letztlich gar – tautologisch – im Kreis zu bewegen.

Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-zirkusprinzessin.1045078

OpernscoutsChristina Irrgang
Freie Autorin

Christina Irrgang lebt und arbeitet als freie Autorin in Düsseldorf. Sie studierte Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, an der sie aktuell über den Fotografen Heinrich Hoffmann im Kontext politischer Bildstrategien promoviert. Parallel zum Schreiben verfolgt sie im künstlerischen Bereich ihr Musik-Projekt BAR, das sie 2013 mit Lucas Croon gegründet hat. In der Spielzeit 2015/16 ist sie zum zweiten Mal begeisterter Opern-und Ballett-Scout!

 

Gisela Miller-Kipp über „Die Zirkusprinzessin“

DieZirkusprinzessin_04_FOTO_HansJoergMichelDas ist ein tolles Stück – für mich bot diese „Zirkusprinzessin“ alles, was Operette ausmacht, ich habe mich köstlich amüsiert. – Die „Story“ ist so simpel wie klassisch: Zwei verlieben sich unsterblich ineinander, tragische Irrungen, abgefeimte Verwirrungen, märchenhaftes Happy-End, und das Ganze in gleichfalls klassischer Widerspiegelung der „hohen“ Ebene derer von Adel auf der „niederen“ Ebene derer vom Volk. Grund für Beinahe-Tragik sind im vorliegenden Falle Adelsdünkel und Standessunterschiede, sie plagen uns heute gerade nicht mehr. Mithin kommt für mich alles darauf an, wie diese „Story“ als Operette auf die Bühne gebracht wird. Von einer „kleinen Oper“ erwarte ich flotte Nummern, allerlei Umtriebe und, vor allem, „leichte“, meint eingängige und schmissige Musik. Mit all dem wird man nun aufs Schönste und fast überreich bedient, sintemal die Geschichte beim Zirkusvolk spielt – das Allotria fängt schon damit an, dass Clowns zur Begrüßung der Besucher im Foyer wie im Parkett herumtollen und mit Glitter um sich werfen.

Die Vorführung ist flott, die Musik, süffig gespielt, hat Ohrwürmer, sentimentale Liebesduette, Tanzrhythmen – Walzer natürlich und Marsch, was will man mehr? –, und Emmerich Kálmán macht manche musikalische Anleihe bei sich selbst. Gesprochen wird erfreulich deutlich, gesungen wird famos, hier und da klingt die Fürstin etwas schrill und Mister X presst (ich habe die zweite Aufführung besucht).

Zauberhaft ist die Bühne – in den ersten Bildern ein Zirkuszelt mit allem Bling-Bling und großer Leuchtschrift. Darin spielen die phantasievoll kostümierten Clowns fast durchgängig mit, ihre Clownerien kommentieren oder verdeutlichten das Bühnengeschehen, das ist höchst vergnüglich. Geboten werden auch noch Schlittenfahrten, wunderbares Schneegestöber, und im letzten Bild, ein Hotelfoyer in Wien, werden Wiens Prunkbauten, dabei das Riesenrad, als erleuchtete Miniaturen hereingeschoben – sehr hübsch. Dort kommt das Happy-End recht unvermutet, herbeigeführt vom altgedienten Oberkellner – Wolfgang Reinbacher gibt hier den seligen Hans Moser. Das ist so „schräg“ wie die Tische und Stühle im Bühnenraum!

Nach drei Stunden Aufführungen war es für mich dann aber auch genug, ich war gesättigt – beschwingter Heimweg.

Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-zirkusprinzessin.1045078

OpernscoutsGisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik

„Nichts nährt Seele, Sinne und Phantasie besser zum Ausgleich wissenschaftlicher Tätigkeit als die Oper!“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Ihre große Rezeptionserfahrung bringt sie nun in die Runde der Opernscouts ein. Seit ihrem Ruhestand ist sie besonders bürgerschaftlich engagiert, u.a. als Lese-Mentorin und in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit; kulturell  tummelt sie sich noch im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast.

Uwe Schwäch über „Die Zirkusprinzessin“

DieZirkusprinzessin_16_FOTO_HansJoergMichelOperetten sind speziell, denn sie bieten keinen musikalischen Durchlauf. Musik- und Gesangspausen enthalten gesprochene Dialoge, wodurch kurzweilig eine Theaterstimmung herrscht. So auch diese von Emmerich Kálmán komponierte Operette, in der es um Irrungen und Wirrungen der Liebe unter Beachtung gesellschaftlicher Konformität geht. Das Spiel mit falschen Identitäten ist so unterhaltsam wie ein Wiener Komödienstadel. Das Gefühlsleben der nach Liebe und Heirat suchenden ist offenkundig und enthält wenig Tiefgang.

Musikalisch ist die Operette von einem Leitmotiv mit hoher Wiedererkennung geprägt. Die harmonisch-komödiantische Melodie wiederholt sich in verschiedenen Liedern, die sich wie eine Nummerngeschichte aneinanderreihen. Besonders die sich findenden Paare Miss Mabel Gibson und Toni Schlumberger (Susanne Grosssteiner und Christoph Filler) sowie die Fürstin Palinska und Mister X (großartig Romana Noack und mit zunehmender stimmlicher Präsens Carsten Süss) haben in ihren Duetten geglänzt.

Das Bühnenbild einer bunt iluminierten Zirkusarena bietet von Anfang an viel für das Auge: Clowns klettern durch die Zuschauerreihen bevor der Vorhang aufgeht und auf der Bühne sorgen Sie in illustren Kostümen mit Tanz und Akrobatik für gute Unterhaltung. So lässt sich im weiteren Verlauf auch der Winterzauber einer Petersburger Schlittenfahrt passend zu unserer Jahreszeit gut erleben. Es ist durchgehend viel los und dem Zuschauer wird es nie langweilig. Zum Glück, denn die Handlung bietet wenig Anspruch und Bewegendes. Die gesamte Inszenierung ist allerdings so bunt, dass sie besser in die närrischen Tage des Düsseldorfer Karnevals gepasst hätte.

 Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-zirkusprinzessin.1045078

OpernscoutsUwe Schwäch
Agentur-Chef und Lehrbeauftrager

Der Gesellschafter der Markenagentur Brand Lounge und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Weil ihn nicht nur das Kunsterlebnis, sondern auch der gemeinsame Austausch darüber bereichert, freut er sich jetzt auf den Dialog mit den Opernscouts

Isabell Boyer über „Die Zirkusprinzessin“

DieZirkusprinzessin_14_FOTO_HansJoergMichelEin Wintermärchen

Gänsehaut. Das erste Gefühl, das mich überkommt, als das Orchester zu spielen beginnt. Schon zuvor vom Clownensemble im Publikum überrascht, während die Leute ihre Plätze einnehmen, trete ich voran in eine Welt des Zirkus, weit von unserer Welt entfernt, im Wechselspiel zwischen Russland und Österreich. Kálmáns „Zirkusprinzessin“ hat etwas Märchenhaftes an sich, spielt sowohl mit Klischees über Romantik und Kitsch, als auch mit Selbstbestimmung und der Bedeutung von Status in der Gesellschaft.

Diese Operette ist bunt und federleicht, mal schnell und heiter, dann wieder melancholisch und bitter, je nachdem, wie die Situation es hergibt.

Als bekennende Musical-Liebhaberin habe ich mich in diesem Stück sofort wiedergefunden. Die eingehenden, sich wiederholenden Melodien, die klaren Stimmen (die zu meiner Begeisterung eine Menge davon verstanden, sich perfekt zu artikulieren), die wundervolle Instrumentalisierung (das Orchester war hervorragend) und dazu ein wunderschön ausgearbeitetes Bühnenbild inklusive Leuchtreklame, verblüffend realistischem Schnee und wandelbaren Requisiten, die in den Szenenübergängen ganz elegant vom Tanzensemble, das nebenbei mit seiner Ausdrucksstärke glänzte, auf die Bühne gebracht wurden, machen dieses Stück aus. Hier zeigt sich, wer sich auch auf leichtere Unterhaltung einlassen kann.

Denn hier geht es nicht hauptsächlich um Wahnsinn, Trauer, Kummer oder Macht, wie es sonst in der Oper oft der Fall ist. Natürlich tauchen diese Elemente, zumindest teilweise, auch auf, doch liegt das Augenmerk eher auf einer Liebesgeschichte – oder mehreren, wie sich schon recht am Anfang herausstellt.

Mir gefiel das Konzept gut, da es sich, trotz der wahrlich romantisch bis kitschig ausgelegten Geschichte, immer ein wenig selbst reflektiert. Nicht umsonst sagt der mysteriöse Mister X in einer der Schlüsselszenen, dass seine Geschichte wie ein Drei-Groschen-Roman klingt, aber seine Absurdität verliert, je wahrer sie wird.

Es ist also die Aufgabe eines jeden Zuschauers, sich auf die Welt der Zirkusprinzessin einzulassen, ihr die Chance zu geben, sich von ihr entführen zu lassen; in die vorweihnachtliche Stimmung des Stücks, ihre Farbenpracht und nicht zuletzt ihren Zauber. Soviel kann ich versprechen: Es lohnt sich.

Weitere Informationen zu „Die Zirkusprinzessin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-zirkusprinzessin.1045078

OpernscoutsIsabell Boyer
Studentin

Auf unseren jüngsten Opernscout sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Als Opernscout berufen worden zu sein ist eine Ehre für sie. Sie ist sehr froh, dabei zu sein und hofft auf eine schöne Zeit.