Isabell Boyer über „Turandot“

Wie man einer Oper die Krone aufsetzt

Als ich am Donnerstag das Opernhaus betrat und mich mit hohen Erwartungen in den Saal setzte, hätte ich so gut wie alles erwartet, außer Bilder des Regenschirm-Protests von Hongkong. Für einen Moment war ich gefesselt von den Schwarz-Weiß-Aufnahmen, genoss den modernen Touch und das Unwetter, das daraufhin auftrat. Die Regenschirme, die die Sänger der Chöre mit sich trugen, unterstützten diese Atmosphäre ebenso wie die Polizei-Streitkräfte im Hintergrund mit ihren Schlagstöcken. Allerdings änderte sich dieses Bild sehr schnell, als die Antlitze der Masse sich unter den Schirmen offenbarten: Verzerrte Masken, zahlreiche, verschiedenste Kostüme und pechschwarzes, langes Haar.
Mir fiel es schwer, Moderne und Altertum in diesem Stück direkt zusammenzubringen; ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich den modernen Strang als erstrebenswerter gefunden hätte oder ob gerade die Mischung die Inszenierung interessant machte. Auf jeden Fall gefiel mir die optische Ausarbeitung des Stücks, die sowohl mit massiven Kulissen, als auch mit Projektionen auf Leinwänden arbeitete, um die Atmosphäre zu erschaffen, die für die Geschichte angemessen war.
Wie nun schon häufiger fühlte ich in „Turandot“ eher mit den Nebencharakteren, als den Protagonisten. Liù und ihr Meister erwärmten mein Herz schon zu Beginn, besonders durch ihre liebevolle Art zueinander, auch wenn Liùs Loyalität nicht nur Timur, sondern auch (gerade) Kalaf galt, wie sich auch im Finale noch einmal bestätigte. Kalafs Liebe zu Turandot, oder eher sein plötzlicher Sinneswechsel aufgrund ihrer Schönheit, erschien mir ein wenig zu schnell, aber ich konnte verstehen, dass dies der Geschichte nur zuträglich war.
Während die ersten beiden Akte für mich nicht den gewünschten „Wow“-Effekt hatten, riss mich der dritte Akt sofort mit. Nachdem Turandots Rätsel gelöst worden waren, stellte Kalaf seines und eröffnete mit „Nessun Dorma“ das letzte Drittel dieser Oper. Mit meinen Sitznachbarn fieberte ich dem Höhepunkt des Liedes entgegen und merkte, wie zufrieden und glücklich ich mit dem Fortlauf des Stücks war, sobald das Lied sein Ende gefunden hatte. Liùs Tod sorgte anschließend nicht nur bei mir für feuchte Augen. Timur und sie waren herzzerreißend und ich muss Brigitta Kele als Liù und Günes Gürle als Timur hierfür ein großes Kompliment aussprechen. Sie haben das Publikum mit ihrer Vorstellung bezaubert. Musikalisch und gesanglich war es – wie immer – hervorragend. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Oper und bin gespannt, ob das Kommende an den Zauber dieses Finales anknüpfen kann.

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Isabell Boyer
Studentin
Auf Isabell Boyer sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Die Opern- und Ballett-Erlebnisse in ihrer ersten Spielzeit als Opernscout inspirierten sie dazu, freier zu denken und ihren Horizont zu erweitern.

Marion Hörsken über „Turandot“

Turandot – Zwischen Traum und Realität

Das Drama um die kaltherzige chinesische Prinzessin, die ihre Verehrer gnadenlos köpfen lässt, wenn sie das ihnen auferlegte Rätsel nicht lösen, hat mich sehr angesprochen.
Am beeindruckendsten fand ich den koreanischen Tenor Yonghoon Lee als Prinz Kalaf, wunderbar und voller Seele gestaltete Anke Krabbe die Sopran-Partie der Liù. Der Chor der Deutschen Oper am Rhein singt nicht nur atemberaubend schön, auch in Massen-Choreografien hat er eine große Präsenz. Beeindruckend.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen die Prunkkostüme und das teilweise scherenschnittartige Bühnenbild – all das hat mich sehr begeistert. Ich würde mir sehr gerne die Kostüme und Hutkreationen von Nahem anschauen, denn da hat der Bühnenbildner zusammen mit den Schneidern großartige Arbeit geleistet. Auch die Farben der prächtigen Kostüme von Turandot selber waren toll!
Immer wieder präsent war eine junge Frau im weißen Kleid, die – so fand ich später heraus – einen Traum hat. Um diesen Wechsel zwischen Traum und Realität zu ermöglichen, setzte der Regisseur Stilmittel ein, die Bezüge zur Gegenwart herstellen: Regenschirme erinnern an die „Umbrella Revolution“ 2014 in Hongkong. Das regte in der Tat zum Nachdenken an, über das, was derzeit in der Welt passiert – nicht nur in China.
Spannend fand ich auch, dass die Inszenierung in Taiwan aufgeführt werden wird, wenn das neue Kulturzentrum der Hafenmetropole Kaohsiung im Süden des Landes eröffnet wird. Ein gigantisches Gebilde aus Oper, Theater, Konzerthaus und Kongresshalle für 6000 Menschen!

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Marion Hörsken
IHK Düsseldorf
Als Geschäftsführerin der Abteilung Industrie, Innovation und Umwelt bei der IHK Düsseldorf will Marion Hörsken dazu beitragen, dass Düsseldorf und die Region ein attraktiver Wirtschafts- und Industriestandort bleibt. Mit der „Langen Nacht der Industrie“ brachte sie – damals als Geschäftsführerin der Gesellschafts­initiative Zukunft durch Industrie e. V. – ein Leuchtturmprojekt in Sachen Industrieakzeptanz auf den Weg. Jetzt wird die Industrie- auch zur Kultur-Botschafterin und startet mit großem Ballett-Interesse und Neugier auf die Oper in unser Projekt.

Uwe Schwäch über „Turandot“

Phänomenale Besetzung

Puccini’s letzte Oper „Turandot“ ist ein musikalischer Hochgenuss, wenngleich die erzählte Geschichte für viele Operngänger wenig zugänglich ist. In der Inszenierung von Huan-Hsiung Li wird auf einen authentischen Charakter Wert gelegt. Neben Li’s Regiekonzept stammen auch Bühnenbild, die Kostüme und das Videodesign von taiwanesischen Künstlern. Das spürt man und das macht „Turandot“ an der Deutschen Oper am Rhein mit hohem Erlebnischarakter sehenswert.
Der Kaiserpalast als Scherenschnitt vor fernöstlichen Videoprojektionen – so eröffnet sich das reduzierte Bühnenbild ganz ohne Requisite dem Zuschauer und schafft Raum für Chor und Sänger. Sowohl die Wahl des aus China stammenden Scherenschnitts, die Han-Chinesische Kleidung als auch kunstvolle elektronische Effekte, die an chinesische Kalligrafien erinnern, versetzen uns in eine andere, fremde Epoche. Moderne Stilmittel beleben die Szenerie, die aufgrund einer ungemeinen Chorstärke oftmals etwas statisch wirkt.
Das gesamt Ensemble glänzt in einer phänomenalen Besetzung, angeführt von dem südkoreanischen Tenor Yonghoon Lee als Kalaf und Linda Watson als Turandot.
Lee brilliert kraftvoll in herausfordernder Pose und betört zu Anfang des dritten Aktes mit „Nessun Dorma“, der bekanntesten Tenorarie überhaupt, mit einem wunderbaren musikalischen Höhepunkt. Watson, ihrer Rolle entsprechend zunächst kühl und mit eiserner Miene, öffnet sich emotional und lässt die Zuschauerherzen besonders im außergewöhnlichen Schlussduett höher schlagen. Auch Anke Krabbe gelingt es von Beginn an, als Liù die fernöstliche Lyrik sanft und feinfühlig zu intonieren. Die Minister Ping, Pang und Pong vermitteln viel Lebendigkeit, dabei sind sie unterhaltsam und komisch mit vortrefflichen Stimmen.
Der extra große Chor füllt die Bühne nahezu vollständig und gemeinsam mit dem Orchester wird eine fulminante musikalische Stahlkraft dargeboten, bei der die Holz- und Blechbläser an ihre Grenzen gehen.
Ein gelungenes, sehens- und hörenswertes Opernwerk. Diese „Turandot“ bietet viel mehr als „Nessun Dorma“.

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Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

Khatuna Ehlen über „Turandot“

Starke Stimmen

Ein aufregender und sehr emotionaler Abend. Eine sehr dramatische und mitreißende Geschichte über die bedienungslose Liebe und kompromisslosen „Kampf“, bis diese Liebe bei dem Anderen die gewünschte Anerkennung findet. Und das Ganze kombiniert mit sehr schönen, interessanten Bühneneffekten, grellen Farben und vor allem einer wahnsinnig starken Stimme von Yonghoon Lee (Kalaf). Zunächst dachte ich er singe mit einem Mikrofon… als ich dann aber erfuhr, dass das seine Originalstimme war, war ich vollkommen überwältigt. Wahnsinn! Ganz süß fand ich auch den Kinderchor. Sehr tapfer vor so einem große Publikum aufzutreten und gleich die Herzen der Zuschauer zu gewinnen. “

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Khatuna Ehlen
Sozialarbeiterin
Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Nach ihrer ersten Spielzeit als Opernscout ist sie glücklich, weiter als Scout aktiv sein zu dürfen. Bisher sind die Aufführungen des Balletts am Rhein ihr klarer Favorit im Spielplan, so dass sie sich auch in der neuen Spielzeit auf mitreißende Choreographien freut.

Gisela Miller-Kipp über „Turandot“

Rätselvolle Inszenierung, großartig anzuhören und sehr schön anzusehen

Turandot, das ist das altorientalische Märchen von jener Prinzessin, die sich, um eine geschändete Ahnin zu rächen, keinem Manne hingeben wollte, es sei denn, er löse drei ihrer schier unlösbaren Rätsel; wenn nicht, verlor der Freier seinen Kopf. So hatte denn der Henker in ihrem Reich – hier in China – alle Hände voll zu tun, bis Prinz Kalaf kam und mit todesmutiger Liebe die Rätsel zu hören begehrte – und nun nimmt das (Opern)Drama seinen Lauf. Es ist natürlich mehrdeutig; in der Deutschen Oper am Rhein wird es jetzt als politisch verrätselte Traumerzählung inszeniert (Huan-Hsiung Li, Taiwan). Diese Doppelbödigkeit überzeugt mich, weil man dergestalt das Spiel von Liebes-Macht und Hingabe, von Herrschaft und Unterwerfung, nicht nur als persönliches, sondern auch als gesellschaftliches Geschehen lesen und hoch aktuelle Momente darin erkennen kann. Überdies hat mich die Inszenierung ästhetisch fasziniert mit ihrem Wechselspiel von altchinesischer Kulisse und modernen Videoprojektionen, all dies in glühendem Farbspiel – fand ich richtig gehend „märchenhaft“.
Ouvertüre: Man sieht im Bühnenhintergrund das gewaltige Halbrund einer chinesischen Palastmauer: die begehbare Silhouette der alten Kaiserstadt Peking, darauf projiziert ein alter Filmstreifen von einer demonstrierenden Menschenmenge sowie düsteres Wolkengebräu und strömender Gewitterregen, dann eine Einblendung: „Disperse or we fire“ (!). Heraufbeschworen werden damit die revolutionären Aufbrüche in China, hier der „Boxeraufstand“ 1900/01 (Filmmaterial), vielleicht auch die niedergewalzte Studentendemonstration auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ in Peking 1989, gewiss aber die „Regenschirm-Revolution“ in Hongkong 2014; denn alsbald tritt der Chor bewaffnet mit schwarzen Stockschirmen auf. Durch das Bild schwebt im weißen Nachthemd eine junge chinesische Frau, sie landet und schlafwandelt auf der Bühne, was wohl bedeutet: hier wird ein Traum erzählt. Die Figur ist eine Erfindung des Regisseurs; sie taucht im Verlauf der Oper immer wieder einmal tanzend oder stolpernd auf der Bühne auf, dient mithin als Bindeglied zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen politischem und persönlichem Drama. Das wird nun großartig gesungen.
In den beiden Titelpartien legten Linda Watson als Prinzessin Turandot in blutrotem kaiserlichen Prunkgewand und Yonghoon Lee als Prinz Kalaf in Tartaren-Kluft gesangliche Glanzleistungen und stimmliche Kraftakte hin. Gesungen wurde anhaltend forte und, Yonghoon Lee nicht ohne Presser, gelegentlich fortissimo. Dazu spielten denn auch die Düsys unter Wen-Pin Chien (Taiwan) Puccini „volle Pulle“, souverän mit Pauken und Trompeten und großer Trommel. Das war ein Ohrenschmaus, schont aber die Sänger wenig; die meisterten das mit Stimmpracht bis zum finalen Liebes-Duett. Da fällt dann Goldregen auf das Tor des „himmlischen Palastes“ – Ende gut, alles gut und sehr schön. – Die Bravourarie übrigens des Kalaf: „nessun dorma“ („keiner schlafe“), schmetterte Yonghoon Lee mit metallischer Stimme geradezu heraus, meine Sitznachbarn riss es aus den Sesseln, mich nicht so arg. Ich hatte dazu Luciano Pavarotti im Ohr, dessen „nessun dorma“– eine seiner Glanzpartien – im Spitzenton dahin schmilzt. Solche Töne brachte Anke Krabbe. Sie sang die liebende Dienerin des Prinzessen bezaubernd: innig-süß und auch in höchster Stimmlage noch voll und weich – Balsam in meinen Ohren, ich applaudierte begeistert mit. – Vergleichbar klar und lieblich sang auch der Kinderchor, überhaupt sind die Auftritte des Chors – ein Riesenensemble – sehr beeindruckend. Ebenfalls prima sang und klang das Trio der drei Weisen Ping, Pang und Pong (Dmitri Vargin, Johannes Preißinger, Luis Fernando Piedra); leider, fand ich, mussten sie leicht albern herumhantieren. – Beschäftigt haben mich noch die großen Pergamente, die aus dem Bühnenhimmel herunter rollten. Auf sie wurde allerlei projiziert: Gegenstände, z.B. Stühle (was soll‘s?), Symbole, verhuschte chinesische Schriftzeichen in dicker Tusche, satt platzende Blasen (Tinte? Blut?) – blieb mir rätselhaft. Darüber zu spekulieren macht aber Spaß, die inszenatorischen Rätsel müssen ja nicht vollends aufgehen. Und so empfehle ich, sich selbst daran zu versuchen und diese fabelhafte Turandot zu besuchen.

Weitere Informationen zu „Turandot“

Gisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik
„Die sinnliche Erfahrung von Oper und Ballett öffnet einen immer wieder neu“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Was sie sieht, vergleicht sie mit ihren persönlichen Kulturerlebnissen aus vielen Jahrzehnten und ist beglückt darüber, dass sich dabei immer wieder neue Sichtweisen erschließen. Sie engagiert sich in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und wird im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast auf ihre Erlebnisse als Opern- und Ballettscout angesprochen.

Susanne Freyling-Hein über „Turandot“

Eine opulente Inszenierung

Die Vorfreude auf die märchenhafte Oper mit einer grausamen, in sich gefangenen Prinzessin war groß, ebenso meine Begeisterung über die Inszenierung am Ende der Vorstellung.
Alles an diesem Abend war opulent, die Kostüme und das Bühnenbild aufwändig, die integrierten Video-Installationen haben mir ästhetisch gut gefallen.
Die Musik enorm kraftvoll und insbesondere Yonghoon Lee als Kalaf so stimmgewaltig, dass es nach dem bekanntesten Thema der Oper lauten Beifall gab – ein Gänsehautmoment.
Viele Details im Bühnenbild, z.B. projizierte Stühle oder Regenschirme bleiben für mich rätselhaft. Ebenso die Bezüge zum heutigen China, mit der Zeit in der die Oper spielt verbunden durch das taumelnde, träumende Mädchen, die sich mir nicht erschlossen haben.
Meinen ersten Gedanken zu dem Mädchen, dass es sich um die junge Turandot ohne ihren Schutzpanzer aus Grausamkeit handelt, habe ich schnell wieder verworfen.
Turandot selber, auf die man ja relativ lange gespannt wartet, hat mich darstellerisch nicht komplett überzeugt. Zum einen erschien sie mir so kühl und abweisend, dass ich die Begeisterung von Kalaf nicht nachvollziehen konnte. Das Durchbrechen dieser Kühle und ihr Aufbruch waren für mich ebenfalls nicht erlebbar.

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Susanne Freyling-Hein
Senior Retail Development Manager bei L’oréal
Obwohl Susanne Freyling-Hein seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, waren Oper und Ballett bis zu Beginn der letzten Spielzeit Neuland für sie. Begeistert hat sie vor allem Martin Schläpfers Ballett am Rhein. Sie schätzt den gemeinsamen Austausch, weil er den eigenen Eindrücken andere Sichtweisen gegenüber stellt. Und wenn Freunde oder Kollegen ihren Empfehlungen folgen, macht sie das durchaus ein bisschen stolz.

Jan van de Weyer über b.30

Virtuose Bewegungswelten

Der Ballettabend b.30 an der Deutschen Oper am Rhein startet mit einer Uraufführung von Remus Şucheană und dem „Concerto Grosso Nr.1“. Die facettenreiche und moderne Musik von Alfred Schnittke wird kraftvoll und harmonisch von den Tänzern der Deutschen Oper am Rhein verkörpert.
Beeindruckend das Bühnenbild, wo sich mobile Korridore von der Bühnenseite, wie Arme Richtung Bühnenmitte erstrecken. Diese vermitteln das Gefühl einer grenzenlosen Verbindung und des Übergangs. Wunderbar das Pas de deux von Yuko Kato und Rashaen Arts – ganz in rot!Mit „Lonesome George“ führt Marco Goecke den Zuschauer mit der Musik von Dmitri Schostakowitschs Streichquartett op.110 in eine einzigartige und virtuose Bewegungswelt.
Durch die unverwechselbare Bewegungssprache mit seinen schnellen propellerhaften Bewegungen, die streckenweise an einen Veitstanz erinnern, schafft Goecke einen spannungsgeladenen und mystischen Kosmos.
Es werden Emotionen wie Trauer, Schmerz aber auch Humor spürbar. Das Stück wirkt hoch konzentriert und es entsteht der Eindruck, dass sich die Tänzer zeitweise vom Boden lösen.
Diese Impressionen werden durch eine ausgefeilte Lichttechnik unterstrichen. Transportiert wird ein geschlechtsloses Bild von Mann und Frau, die sich in Ihrer Körperlichkeit aufzulösen scheinen.
Mein erster Gedanke beim letzten Stück- „Staircase to Heaven“als sich die Bühne vor mir zeigt. Natalia Horcena zeigt mit „Wounded Angel“ ein eigenständiges, humorvolles, zeitweise groteskes Gesamtpaket, das mit ganz viel Herz in die Tiefen der menschlichen Seele hinabtaucht.

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Jan van de Weyer
Bildhauer
„Was Martin Schläpfer hier bewirkt, ist ein Traum“, sagt Jan van de Weyer, der als kleiner Junge selbst Ballett getanzt hat und heute mit einer Tänzerin der Compagnie liiert ist. Er studierte Philosophie und Kunstgeschichte, arbeitete viele Jahre als Physiotherapeut und ist heute als Bildhauer mit eigenem Atelier in Düsseldorf tätig. Die Beschäftigung mit der Oper hat ihn in seiner ersten Spielzeit als Scout dazu inspiriert, Musiktheater in einem größeren Kontext zu betrachten – gern auch im Austausch mit Freunden und Bekannten.