Überraschungen, Perfektion und Freude

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Sandra Christmann über die Premiere von „b.37“

Schön.

Choreografie – Inszenierung – Idee – Kreation: drei Uraufführungen voller Überraschungen, Perfektion und Freude.

Die Kunst dieses Ballettabends, lag für mich in dem Umstand, dass es mir keine Konzentration und Anstrengung abverlangte. Alles fügte sich selbstverständlich in eine wunderbare, kurzweilige Perfektion. Pure Schönheit. Alle drei Urraufführungen waren brillant. Die Kompositionen von Tanz und Musik, den Bühnenbildern, den Kostümen. Überraschend und Ergreifend. Und warum? Weil an diesem Abend, vielleicht kennen Sie das, ich mich hingesetzt habe und von der ersten Bewegung, dem ersten Bild sofort gefesselt wurde, und versunken in die Performance, die Tänzerinnen und Tänzer, den Tanz, die Musik und dem Schauspiel, genießen konnte.
Umgangssprachlich würde ich sagen: ich wurde abgeholt.
Da haben sogar die Pausen gestört. Ich wollte gerne sitzenbleiben und es sollte weitergehen.
Der Auftakt mit „New World“ hat sich schon mit dem 1. Bühnenbild und der choreografischen Überraschung von Robert Binet in mein Herz geschossen. Von den drei Uraufführungen für mich, die, die mich am meisten berührt hat. Das Stück ist sinnlich und hat eine unglaubliche Harmonie inne.
Das perfekte Bühnenbild, ein Kunstwerk, die Spiegelung des Lichtes auch ins Publikum, haben den Zuschauer in die Metarmorphose der Tanzenden mit eingebunden.
Der gesamte choreografische Aufbau war perfekt. Weltklasse tänzerisch und spielerisch umgesetzt. Fantastische Kostüme. Mein Highlight.
Dramatischer und intensiv in die Beziehungstiefen eindringend ist „The Way Ever Lasting“. Wäre es nicht getanzt worden, hätte es auch gespielt werden können. Theatralisch und, natürlich erquickt, froh um die tänzerische Performance, insbesondere von Ann-Kathrin Adam, bleibt auch hier die Freude und Konzentration ungebrochen. Wunderschöne Kostüme, perfekt inszeniert und klassischerweise ein Paartanz. Das Drama der Liebe. Überzeugend hat Natalia Horecna eine Choreografie kreiert, die klassisch und modern das Verlangen, die Eifersucht, die Begierde, die Lust, die Intriganz der Liebe aufdeckt. Großartig getanzt und mit vollmundiger Musik. Ein starkes puristisches Bühnenbild.
Und dann:
Fantaisies – ein Finale. Finale Fantasien. Musikalisch aufdringlicher, und auch tänzerisch. Dramaturgisch BÄHM. Insbesondere die starken Gruppenauftritte begeistern. Meines Erachtens wird hier keine Geschichte erzählt, es wird getanzt. Das lässt auch dem Zuschauer seine FANTAISIES: Aufwendig und durchweg Spannung haltend. Mylla Ek hat dementsprechend wahnsinnig aufwendig erscheinende und phantastische Kostüme designt.  Alle Sinne wurden bespielt.

Christmann_Sandra_Foto2_Andreas_EndermannSandra Christmann
Kulturmanagerin

Sandra Christmann liebt Düsseldorf, ihre Wahlheimat, und die Kunst. Als Geschäftsführerin von ArtPartner Relations engagiert sie sich für die Kunstsammlungen NRW im Bereich Veranstaltungsmanagement, Sponsoring und Drittmittelakquise. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben dieser Arbeit hat sie ein Hilfsprojekt in Kenia ins Leben gerufen und schreibt ihren ersten Roman. Ihr Netzwerktalent, die Liebe zur Kunst und zum Schreiben nutzt sie jetzt auch als Opernscout.

 

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Nach wie vor – Hervorragendes Tanzensemble

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Katrin Gehlen über die Premiere von „b.37“

War ich doch all die letzten Male so begeistert vom Ballett, aber diesmal hat es mich persönlich einfach nicht gepackt. Keines der Stücke. Vielleicht habe ich mich hier und da zu sehr von den Kostümen ablenken lassen, welche zum einen zu neutral und zum anderen zu plakativ waren. Vielleicht war aber auch meine Erwartungshaltung nach alledem was ich jetzt schon gesehen hatte einfach zu hoch. Ich werde also wieder von Vorne beginnen, wissend, das nicht immer ein Gesamtkunstwerk solch großem Bemühen folgt. Es sind wundersame und  großartige Momente, ich weiß es jetzt noch mehr zu schätzen, aber auch beim Ausbleiben erkenne ich nach wie vor das hervorragende Tanzensemble, welches sich jeder ihr gestellten Aufgabe mit Inbrunst hingibt. Es ist ihre Perfektion und Körperbeherrschung, die mich immer wieder aufs Neue fasziniert.

Gehlen_Katrin_Foto_Andreas_EndermannKatrin Gehlen
Modedesignerin

Katrin Gehlen ist als Modedesignerin spezialisiert auf individuelle Maßanfertigungen. Menschen, die wie sie selbst künstlerisch tätig sind, lädt sie in regelmäßigen Abständen gemeinsam mit ihrem Mann zum Kreativtreff „Rheingold“ ein. Dann wird das eigene Haus zu einem inspirierenden Kunstsalon. Mit ihrem besonderen Interesse am Ballett freut sie sich jetzt auf die Auseinandersetzung mit den Aufführungen im Opernhaus. 

Zerrbilder – Blendwerke – Harmonie

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Jenny Ritter über die Premiere von „b.37“

Drei Stücke – drei Uraufführungen
New World (Robert Binet)
Die ersten Bilder waren verwirrend – Spiegel, die alles verzerrten. Gestalten, die erst noch Gestalt annehmen mussten Die Figuren entwickelten sich immer mehr und waren dann als Menschen zu erkennen – die Kostüme unterstrichen all diese Formationen perfekt. Dieses Stück war dynamisch und spannend und hat ein harmonisches Miteinander der Tänzer gezeigt.  Ob die Zerrbilder, das sich noch zu entwickelnde Menschenbild ausdrücken sollten – ich weiß es nicht.
The Way ever lasting ( Natalia Horecna)
Blendwerk: Geblendet wurden wir, das Publikum.
Immer wenn das Paar nur mit sich selber beschäftigt war, gab es Störungen von außen: das kleine Teufelchen hat verführt, abgelenkt und auch wieder Ruhe gegeben. Hinreißende Bilder, Kostüme und Musik.
Der Kreis, das Dreieck – das Verschmelzen ineinander – zum Schluss nimmt der Kreis das Dreieck auf. Ein harmonisches Ende.
Fantaisies (Remus Sucheana)
Zunächst fand ich keinen Zugang zu dem Stück, den gab es wohl auch nicht:
Die Bilder die Kostüme, die Musik alles war schön und harmonisch.
Der aufgestellte Wegweiser, mit vielen Schildern, hat sich einmal um die eigene Achse gedreht und dann war die Vorstellung zu Ende.

Es waren ausdrucksstarke Bilder, Bewegungen und wie immer ausdrucksstarte Tänzer und Tänzerinnen, die wie immer alle verzauberten – mich auch.
Die Zusammensetzung der Stücke war auch diesmal perfekt – genau in der richtigen Reihenfolge.
Und trotzdem vermisse ich Martin Schläpfer jetzt schon.

Ritter_Jenny_Foto2_Andreas_EndermannJenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin

Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und freut sich diesen als Opernscout in Düsseldorf abschließen zu können.

So kommt Neues in die Welt

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Hilli Hassemer über die Premiere von „b.37“

3 Uraufführungen
Wie kommt das Neue in die Welt?
Es ist eine aufregende Sache, einer Uraufführung beizuwohnen. –
Die ureigene Vision eines Künstlers, hier von Choreographen, hat – nach meist enormer Arbeit und schweißtreibender Mühen aller Beteiligter – Gestalt angenommen und stellt sich frisch und mutig dem kritischen Blick der Betrachter.
Wird es ein Klassiker der Ballettgeschichte werden, ein Stück das von zukünftigen Generationen neu interpretiert und immer wieder getanzt wird? Wer weiß…! Wir können nur sagen: wir waren dabei!
An diesem Abend B37 gab es gleich drei solcher neuer Schöpfungen zu bestaunen.
Robert Binet, ein sehr junger Choreograf beschenkt uns mit seinem Stück „New World“.
Ein Spiegelkabinett, wird zum Bühnen-Universum, irrleuchtend und den Zuschauer, wohlmöglich auch die Tänzer, zuweilen blendet. Sphärische, fast meditative Musik steigt aus dem Orchestergraben, sie scheint die Tänzer und ihre zarten, tastenden Gebärden zu durchdringen. Mir geht das an diesem Abend ins Mark. Phantastische Solo Violinen und Streicher wiegen die Gesten zweier Menschen, die sich in berührender Weise einander annähern und in die Geschichte der „New World“ einführen… Wundersam und rätselhaft, zart und beruhigend die Wolke aus Geäst und Watte und Blättern, die wie eine umgekehrte Winterlandschaft über der Bühne schwebt.
Ein zart und sensibel getanztes Stück, eine frische Vision, die mir unter die Haut geht und meine Sinne berührt.
 „The way ever lasting“ von Natalia Horecna ist mir persönlich zu vordergründig gezeichnet.
Die Paarkonstellation (Mann im Anzug, Frau im roten Kleid) und die Anfechtungen von außen sind mir zu klischeehaft dargestellt. Man weiß fast zu schnell, was gemeint ist. Ein tanzender Teufel mit Hörnern als Dämon, der die Beziehung bedroht…das Bild finde ich als Metapher etwas zu althergebracht. Dennoch gibt es eine Szene, die mich völlig bannt. Es ist der Moment, wo sich die liegende Marlucia do Amaral aus dem Geschehen, von der Bühne rollt. ROLLT? Sie schwebt, sie bewegt sich wie eine leise Welle, die an Land weht, es ist unfassbar, wieviel Schönheit in diesem Bühnenabgang liegt. Alleine für diese Szene würde ich mir das Stück noch einmal ansehen.
Remus Şucheanăs „Fantaisies“ als letzte neue Kreation bringt von der ersten Note der Sinfonie Nr. 6 von Martinů an eine mächtige  Dynamik auf die Bühne. Eine große Zahl an Tänzern bewegt sich um einen weißen, überdimensionalen Wegweiser, der sich unmerklich dreht. Die Kostüme grafisch, fließend und körperunbetont, lassen mich an Vassily Kandinskys Bilder denken. Getanzte Huckepacktrios, wie fremde Wesen, bewegen sich die Akteure mit Kraft und Schnelligkeit. Versetzte Bewegungsgleichklänge, in Reihen getanzt, wie im Dominoeffekt stößt der Impuls der ersten Tänzerin die der zweiten an… solche symmetrisch gefassten Szenen gefielen mir sehr. Laut und kraftvoll sind die Fantasien Şucheanăs,– ein Gegenpol zu Binets leisen Tönen.
Verwundert war ich einmal wieder, wie großartig, vielfältig und meisterhaft die Düsseldorfer Kompanie sich den unterschiedlichsten Anforderungen der Choreografen stellt. Akrobatische Glanzleistung und sensibelstes Feingefühl im Miteinander.
Getragen wurden all diese getanzten Visionen von den besten aller Düsseldorfer Symphonikern und den phantastischen Solisten.
So kommt Neues in die Welt.

Hessemer_Hilli_Foto2_Andreas_EndermannHilli Hassemer
Bildende Künstlerin

Die Malerin Hilli Hassemer lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Düsseldorf. Klassische und auch Opernmusik sind elementare Einflüsse in ihrer Arbeit. Das erste Jahr als Opernscout hat sie mit heller Freude erlebt. Die Vielfalt und Qualität der Düsseldorfer Opern und Ballettkultur zu erleben, war für sie eine neu prägende Seh- und Hörschule. Eine Sinn-schärfende Bereicherung, die sie nicht mehr missen möchte. So freut sie sich auf die zweite Spielzeit, auf die neuen Ballett und Opernwelten, die sich ihr eröffnen werden und für die sie Worte finden muss. Der Bleistift ist gespitzt….

Ballett meets Modern Contemporary Dance – Optimismus pur

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Michael Langenberger über die Premiere von „b.37“

Choreografin Natalia Horecna verwöhnt als zweites Werk am Abend, unsere Sinne. Sie lässt ihr Liebespaar mit dem Dämon tanzen. Der schleicht sich in das Leben der Liebenden. Verführt mit den reizendsten Schönheiten, den gewagtesten Spielräumen und verführerischstem Schein. Doch schaut man genau hin, erschafft der Dämon erst den Raum für ein großartiges zukünftiges Leben der Liebenden.
Anders als in Liebesdramen, in denen eine aufopfernde Liebe zwingend zum Tod führt, appelliert und belegt das Werk THE WAY EVER LASTING dem Publikum, dem Dämon gewissermaßen dankbar zu sein. Ihn lediglich als Antipoden einer dann folgenden ewigen und bedingungslosen Liebe zu verstehen.
Großartig, die Collage dreier, sehr unterschiedlicher, eigentlich nicht zueinander gehörigen Musikwerke, als Klangteppich für eine einzigartig dargebotene Verschmelzung von klassischem Ballett und Modern Contemporary Dance. Wahrhaft meisterlich; noch heute bin ich davon benommen, wenn ich daran zurückdenke. Das Werk trifft darüber hinaus meine persönliche Überzeugung, durch die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem Bösen und dessen Überwindung, in der heutigen Zeit, richtungsweisend für das Größte zu sein, was Menschen verbindet – die Liebe.
Sowieso strahlte der Abend bei allen 3 Uraufführungen puren Optimismus aus.
Choreographen Robert Binet erschafft eine NEW WORLD, gebildet aus Vertrauen, aus einem Miteinander, Zuneigung Zusammenarbeit, die nichts mit Wissenschaft zu tun hat. Die Message: Niemand und nichts existiert ohne Kontext. Er bietet uns eine Genese dieser Welt aus z.T. wildem Aufbruch, spektakulären Lichteffekten und herausfordernden Klängen.
Der traut sich was! Synchrone Bewegungsabläufe, speziell, wenn zeitweise das komplette Ensemble auf der Bühne stehen. Ballettdirektor und Choreograph Remus Şucheană wusste, dass er sich auf seine Düsseldorfer Compagnie in Sachen Präzision und Leichtigkeit verlassen kann, wenn sie zu Sinfonie No.6 von Bohuslav Martinů brillieren.
Überhaupt, warum wird dieses Spektakel aus Düsseldorfer eigentlich nicht auch live in Kinos anderer Länder übertragen, so wie es die MET und andere weltweit namhafte Häuser auch tun?  Schließlich ist Ballett aus Düsseldorf u.a. weltweit Benchmark, gerade auch mit drei Uraufführungen wie diesen. Die Tanzwelt hat ein Anrecht darauf, daran zu partizipieren – finde ich.

Opernscouts 2018 / 2019

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt: Auf Standard und Latein folgten Salsa und Modern Contemporary Dance im tanzhaus nrw, wo er auch an öffentlichen Performances mit Profis und Laien mitwirkte. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze

 

„Angst“ vor Wagner genommen

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Anja Spelsberg über die Premiere von Wagners „Götterdämmerung“

Nach nun drei von vier Stücken des Rings kann ich sagen, dass mir die Düsseldorfer Oper mit ihrer Aufführung die „Angst“ vor Wagner genommen hat. Als Opern-Neuling darf man sich ruhig trauen und wird musikalisch weder erschlagen, noch enttäuscht.
Lediglich das Bühnenbild der „Götterdämmerung“ hat mich dieses Mal nicht überzeugt. Der meiner Meinung nach übertriebene Bezug zur Stadt hat den Ablauf des Stückes mehr gestört als unterstützt. Die abgehalfterten Funkenmariechen und die Kirmesbeleuchtung hätte man sich sparen können.
Aus Sicht einer Sozialpädagogin war die Szene in der Gudrune sich auf der Bühne den Arm abbindet und einen Schuss setzt natürlich interessant, nur gab es danach keine Auflösung der Situation. Was dies mit dem Rest des Stückes zu tun hat bleibt mir schleierhaft.

Opernscouts 2018 / 2019Anja Spelsberg
Sozialpädagogin
Anja Spelsberg ist Sozialpädagogin in der ambulanten Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf. Sie berät und unterstützt Eltern und hilft Familien im Zusammenleben, dabei ist sie besonders in Düsseldorfs sozialen Brennpunkten unterwegs. Das allererste Interesse an der Oper weckte ihre Großmutter mit gemeinsamen Opernbesuchen. Auch in ihrer zweiten Spielzeit als Scout freut sie sich, ihre Begeisterung mit anderen Besuchern zu teilen und mit den Opernscouts über die Inszenierungen zu diskutieren und auszutauschen.

 

Wagner einmal rheinisch

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Stefan Pütz über Richard Wagners „Götterdämmerung“

Vor mehr als 30 Jahren sah ich die Götterdämmerung im alten West-Berlin. Es war schrecklich!
Die Überhöhung des deutschen blonden Helden (tatsächlich war der Sänger annähernd zwei Meter groß und blond) in einer düsteren Welt, die gigantomanische bedrohliche Kulisse, der nicht verständliche Text aller Sänger /innen – diese schreckliche Verherrlichung des armen verratenen deutschen Helden – ich wollte nur raus aus der Staatsoper. Und nun das!
Ich war vollkommen begeistert: Hervorragende Sänger/-innen, ein phantastisches Orchester, ein angenehmes Bühnenbild, keine martialischen Kostüme und trotz der Tragik eine fast heitere Atmosphäre!
Besondere kleine Details könnten Wagnerianer ärgern, – mich haben sie gefreut:
Das alte Stahlschiff „MS Wotan“, das Kännchen Kaffee, der Soldatenchor in Karnevalsgarnitur, das Dosenbier, der Wein aus dem Plastikschlauch, die Plastikbecher, die Kirmesbeleuchtung , – man könnte noch mehr aufzählen, oder eben selbst entdecken!Ein Genuss – eine klare Empfehlung!

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Stefan Pütz

Inhaber von „Buch in Bilk“

Den Namen Stefan Pütz verbindet man mit „Buch in Bilk“, einer Buchhandlung, die es mittlerweile sogar an zwei Standorten in Unterbilk gibt. Bei Kulturveranstaltungen ist er auch gern mit einem Büchertisch präsent, denn der direkte Kontakt zu den Kunden und die persönliche Beratung ist ihm wichtig. Wichtig ist ihm jetzt – nach langer Abstinenz – auch wieder die Begegnung mit Oper und Ballett: Früher war er oft mit seinen Eltern in der Oper – heute ist er wieder neugierig darauf und offen für die kritische Auseinandersetzung mit den Düsseldorfer Scouts für Oper und Ballett.