Eifersucht, Neid und Missgunst

Otello

Dominik Mustereit über Verdis „Otello“

Der Vorhang öffnet sich und man sieht sich selbst einer Armada schwarz gekleideter Menschen gegenüber. Eine bedrückende Stimmung, die den Abend weiter bestimmen wird und die Handlung untermauert. Zwischenmenschliche Gefüge und Beziehungen werden aufgezeigt, in ganz besonderer Art und Weise. Die Beziehungen werden bestimmt durch ein Gift, das seine Wirkung erzielt und weiter steigert, je länger es wirkt. Eifersucht, Neid und Missgunst bestimmen das Geschehen. Wir sehen, wie nah sich Liebe und Eifersucht sein können, wie schnell ein Keil zwischen zwei sich liebende Menschen getrieben werden kann.
Eine Thematik, die auch heute Aktualität beweist.
Keine Farben – nur schwarz
Durch die Kontraste entsteht hier eine besonders bedrückende Atmosphäre, die unterstützend musikalisch untermauert wird. Die schwarze Bühne und die schwarze Kleidung der Darstellerinnen und Darsteller stellt die Mimik und Gestik viel stärker in den Vordergrund. Durch diese einheitliche Farbgebung wird die Leistung der Darstellerinnen und Darsteller deutlich hervorgehoben, denn die Kommunikation der Personen liegt im Vordergrund.

Ein spannender und äußerst kurzweiliger Abend, dessen Ende dramatisch in Szene gesetzt wurde und lange nicht vergessen sein wird.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

 

Dominik Mustereit
Gymnasiallehrer in Dinslaken

Dominik Mustereit unterrichtet Biologie und Evangelische Religion am Otto-Hahn-Gymnasium Dinslaken. Als Opernscout möchte er die Welt der Oper und des Balletts näher kennen lernen und „sprachfähig“ werden, das heißt durch die regelmäßigen Opern- und Ballettbesuche, das genaue  Betrachten, Besprechen und Beschreiben der Aufführungen die eigene Meinung zu bilden und auszudrücken.

Otello- Tragedy in the black box

Otello

Alexandra Schiess über die Premiere von Verdis „Otello“

Die Oper Guiseppe Verdis beschreibt das Drama um das Liebespaar Otello und Desdemona. Der Zuschauer wird Zeuge, wie die Liebe durch Selbstzweifel , Misstrauen, Verlustangst, Machtmissbrauch, und Intrige regelrecht zermalmt wird. Es mündet im Tod Beider.
Jeglichem traditionellem Bühnenbild entrückt, findet das Drama in einem komplett schwarzen Raum statt. Die Bühne verwandelt sich in einen Kubus. Schieferartige Platten, Quader und Stufen werden dem Moment angepasst ausgeleuchtet.
Das gesamte Kostümbild, der Chor, als auch die Solisten sind ebenfalls komplett schwarz gekleidet. So dass es optisch ermöglicht, Protagonisten ’verschwinden’ zu lassen , ohne von der Bühne zu gehen. Anderes kann durch die Lichtführung wiederum schnell hervorgehoben werden. Einzig das Taschentuch und Desdemona’s Hochzeitskleid erstrahlen in klarem Weiss. Weniger in der Idee der Unschuld, als der bildhafte Ursprung des zunehmenden Dramas.
Der Chor hat in dieser Oper eine ganz besonders starke Rolle. Voller Kraft verleiht er der Tragödie eine maximale Steigerung aller dargestellten Emotionen. Das Kostümbild ist nicht uniform. Jedes Kostüm ist einzigartig, wie es die Charaktere auch sind. Das Schwarz verbindet und wird zur großen, tragenden Einheit.
Desdemona steigert schien ihrer Rolle, mündend in einem wunderschönen Solopart ,dem Lied vom Weidenbaum’ (Brigitta Kele mit wunderschönstem Sopran).
Jago, sagenhaft gut in seiner Rolle Simon Neal, stellt die personifizierte Intrige dar. Ein Nihilist par excellance.
Otello, dargestellt von Gustavo Parat, wird vom gefeierten helfen zum Spielball seiner Selbstzweifel und Ängste. Mehr und mehr durch die Intrige Jagos in den Wahnsinn getrieben, weiß er nicht mehr wie er denken und handeln soll und wird zum Mörder seiner Frau-
Im letzten Akt bricht die schwarze ‚Bühnenbox‘ auseinander, große Fugen öffnen sich und bringen ‚Licht ins Dunkel‘ des Dramas- Jagos Intrige offenbart sich- Otello erkennt seinen Fehler, ihm bleibt kein anderer Ausweg, ausser sich selbst zu töten.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

 

Alexandra Schiess
Modedesignerin

Alexandra Schiess war Opernscout der ersten Stunde: Schon in der Spielzeit 2009/10 lernte sie das Projekt kennen und war sofort begeistert, Teil des Experiments zu sein. Mittlerweile ist sie Mutter von zwei Kindern und freut sich, ein zweites Mal – diesmal in Duisburg – dabei sein zu dürfen. Vor allem der Tanz fasziniert die Modedesignerin, die ihre Kollektionen sowohl in Deutschland als auch international, wie zum Beispiel in Paris, Rom und San Francisco vermarktet: Sie erstellte Kostümbilder für Ballettproduktionen in Dortmund und Hannover und pflegt eine enge Beziehung zum Ballett am Rhein. Der Oper begegnet sie mit Respekt und Freude und ist gespannt auf die neue Spielzeit.

Das erlösende Licht der Wahrheit

Otello

Michael Menge über die Premiere von Verdis „Otello“

Die dritte Premiere in dieser Spielzeit war „Otello“ von Giuseppe Verdi. Für mich eine sehr bewegende Inszenierung, wahrscheinlich, da es keine Palmen auf Zypern gab.
Otello ist ein einfach konstruiertes Drama von Shakespeare das von Liebe, Freundschaft und einer bitterbösen Intrige handelt. Die Inszenierung von Michael Thalheimer reduziert das Stück sehr präzise auf seine Grundaussagen und präsentiert diese dem Publikum durch sehr klare, verstörende und imposante Gesten, die einen emotional und mental fordern und bewegen.
Das Stück in einer schwarzen Box mit schwarzen Kostümen spielen zu lassen, war für mich am Anfang eine gute Idee, die mit der Erwartungshaltung des Publikums bricht. Im Verlauf der Oper offenbart diese gewählte Gestaltung der Bühne erst ihre Kraft, die mich unverhofft berührt hat. Das Bühnenbild entwickelt sich von einem Schauplatz des Sieges und des Ruhmes in der realen Welt zu der verwirrenden Gedanken Welt von Otello. Dieses konstruierte Gefängnis wird im Verlauf des vierten Aktes von den unterschiedlichen Protagonisten wie z. B. Jago, Desdemona und Cassio besucht. Für Otello selbst gibt es aber keine Möglichkeit zur Flucht und somit bleibt er immer wieder alleine zurück und verliert sich völlig in seiner falschen Wahrheit, die seine tiefsten Ängste widerspiegelt. Erst am Schluss gelingt es ihm, seine düstere und neurotische Gedankenwelt auf dramatische Weise zu durchbrechen und das erlösende Licht der Wahrheit zu erkennen.
Für mich eine sehr beeindruckende Inszenierung von Otello, die die Liebe und Verzweiflung zwischen Desdemona und Otello sehr eindrucksvoll darstellt.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Michael Menge
Selbstständiger Grafikdesigner

Michael Menge ist Inhaber der Design Agentur „Oppa Franz“ aus Duisburg. Im Dialog mit seinen Kunden schaut der freie Art Direktor und Designer genau hin: „Es geht uns um den ganzheitlichen Charakter eines Unternehmens. Denn interessante Persönlichkeiten sind nicht perfekt – und spannende Marken auch nicht.“ Genau hinschauen möchte er jetzt auch als Scout für Oper und Ballett in Duisburg. Er ist sehr neugierig auf das Projekt, da er bisher wenig Berührung mit Oper oder Ballett hatte und freut sich darauf, diese Art der Darstellung und des Ausdruckes besser verstehen zu lernen.

Geboren um zu lieben und zu sterben…

Otello

Jürgen Ingenhaag über Verdis „Otello“

William Shakespeares fünfaktige Tragödie „Othello oder der Mohr von Venedig“ wurde vom Meister der italienischen Oper Giuseppe Verdi und seinem Librettisten Arrigo Boito zum vieraktigen Musikdrama „Otello“ umgearbeitet. Es beginnt „Heavy-Metal“-mäßig mit Blitz und Donner in der berühmten Sturmszene.
Trotz des Siegs über die Türken bleibt der Oberbefehlshaber Otello ein Außenseiter.
Was es mit der schwarzen Gesichtsschminke auf sich hat oder warum das Bühnenbild so düster bleibt, wird im Programmheft nachvollziehbar vom Regisseur Michael Thalheimer erklärt. Und so werden wir Zeuge, wie der schwarzsehende Otello (Gustavo Porta) Opfer einer üblen Intrige wird. Sehr überzeugend gespielt fand ich den Schmutzbuckel Jago (Simon Neal). Sein Credo über das „gottlos Böse“ ist zweifellos einer der Höhepunkte des Abends. (Beinahe hätte das Autorenduo das Werk nach ihm benannt.)
Desdemona ist „geboren um zu lieben und zu sterben“. Hier gilt ein Lob an die Lichtinszenierung von Stefan Bolliger, denn Desdemona (Brigitta Kele) erstrahlt bei ihrem „Ave Maria“ in reiner weißer Unschuld, bevor sie vom grundlos eifersüchtigen Otello erdrosselt wird. Neid, Stolz, Eifersucht werden uns hier vorgeführt. Ja, das ist große (wenn auch düster-böse) Oper mit fantastischer Musik. Der italienische Maestro Antonino Fogliani leitet die exzellent aufspielenden Duisburger Philharmoniker. Sehens- und hörenswert!

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.Jürgen Ingenhaag
Vorstand Musikalische Gesellschaft Rheinberg

Der Staatlich geprüfte Techniker für Druck und Medien organisiert im Vorstand der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge‘‘. Mit Rock- und Popmusik ist er aufgewachsen – sie hat ihn geprägt und trotzdem nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden; einer, der sogar die Bayreuther Festspiele besucht. Im Theater Duisburg freut er sich nach „Rheingold“ und „Walküre“ in dieser Spielzeit auf die Fortsetzung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.

 

 

 

 

Sehens- und hörenswert!

Otello

Christiane Hain über die Premiere von Verdis „Otello“

Was wusste ich über diese Oper, bevor ich sie mir angeschaut habe?
Es ist eine, wenn nicht, die dunkelste Oper der Musikgeschichte, es basiert auf der Geschichte von Shakespeares Drama Othello, es ist einer der letzten Opern des weltbekannten Komponisten Verdi und die Inszenierung in Duisburg erfolgt durch den bekannten Schauspielregisseur Michael Thalheimer.
Ich war sehr gespannt, was mich erwartet und wie es mir gefällt.
Um es vorweg zu nehmen. Die Inszenierung und die Oper haben mich beeindruckt. Die ersten beiden Akten habe ich für den Einstieg in die Welt von Otello benötigt und in den beiden letzten Akten war ich mitten drin im Drama um Otello und Desdemona, gestützt durch die fantastische Musik von Verdi.
Das Bühnenbild besteht nur aus einem schwarzen Kubus in dem ein Fenster zeitweise vorhanden ist. Die Wände und die Bühne sind durch große Vierecke uneben. Alle Sänger sind in schwarz gekleidet und diese Kombination führt einen von Anfang an in die düstere Welt von Otello und seinem Konkurrent Jago, der in durch einen listigen Plan geschickt in den Wahnsinn und zur Tötung seiner geliebten Desdemona treibt.
Die Hauptcharaktere Otello – der Außenseiter und Machthungrige, Desdemona, die Perfekte und Jago, der Nihilist werden langsam in den 4 Akten kontinuierlich entwickelt.
Besonders gelungen finde ich die Inszenierung des Auftritts von Desdemona im 1. und 2. Akt. Sie erscheint immer in einem Fenster – präsentiert wie ein Standbild – leicht erhöht, so das alle handelnden Personen auf der Bühne zu ihr aufschauen. Alle Personen bewundern diese schöne liebenswerte Frau von Otello. Sie steht über allem. In den letzten beiden Akten kommt sie auch nur noch durch eine Tür auf die Bühne, was auch symbolisch ihren Fall unterstreicht. Desdemona erfährt eine tolle charakterliche Entwicklung – anfänglich nur eindimensional schön und kurz vor ihrer Tötung wird ihre Liebe, ihre Kraft deutlich. Wundervoll die Szene als sie das Lied vom Baum singt. Sie erkennt ihr Schicksal und wird immer stärker, obwohl sie den Grund der Abweisung und Otellos Zweifel an ihrer Liebe nicht kennt.
Fasziniert hat mich auch die Figur des Jago, der die Bösartigkeit so gut auf die Bühne bringt, dass man versucht ist ihn aufhalten zu wollen.
Der Auftritt des Chors der deutschen Oper am Rhein ist auch immer sehens- und hörenswert und verstärkt nochmal die musikalische Wucht in jeder Szene. Großartig.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Christiane Hain
Application Managerin

Christiane Hain arbeitet im IT-Bereich einer Bank in Köln. Sie ist in der Neckarstraße Duisburg aufgewachsen – in Sichtweise des Theaters, das ein fester Bestandteil im Familienleben war: Die Großmutter, die Eltern, die Schwester und sie selbst – alle waren regelmäßige Theaterbesucher. Mit einigem Abstand nähert sich die Duisburgerin jetzt wieder der Oper und dem Ballett und freut sich auf ihre neue Aufgabe als Opernscout.

Hervorragend inszenierte Oper, die unter die Haut geht…

Otello

Annette Hausmann über die Premiere von Verdis „Otello“

Der Vorhang hebt sich und unvermittelt und stürmisch werde ich durch die imposante Musik Verdis und den absolut brillanten Chor regelrecht in die Handlung der Shakespeare-Oper „Otello“ gezogen. Zeitgleich offenbart sich mir ein absolut schwarzes Bühnenbild in Form eines offenen Kubus, das trotz des anfänglich ruhmreichen und gefeierten Helden Otellos keine positive, sondern eine eher bedrückende, düstere und kalte Stimmung vermittelt. Alles ist schwarz wie die Nacht – selbst die Kostüme der Protagonisten, und Otellos schwarze Maske scheint in der Finsternis noch dunkler zu glänzen.
Im Verlauf der vier Akte des Opern-Dramas wird mir immer bewusster, auf welch‘ intelligente Art und Weise Michael Thalheimer „Otello“ inszeniert hat. Durch die Reduktion auf das Wesentliche, einschließlich der Requisiten (weißes Taschentuch, Brautkleid und Messer) und die bewusst eingesetzten Lichteffekte, wie z.B. das weiße Lichtkreuz zur Symbolisierung des Glaubens und der Hoffnung, gelingt es dem Zuschauer „wie von selbst“, sich in die Rolle der Protagonisten hineinzuversetzen.
Allen voran Otello, der durch seine Entwicklung vom liebenden Ehemann und scheinbar starken Helden hin zum gebrochenen, von Selbstzweifeln und Eifersucht geplagten und wahnsinnig werdenden Mörder genügend Potenzial für Emotionen unterschiedlicher Art bietet.
Ebenso wird man gleich zu Beginn in das Intrigenspiel Jagos, der von Simon Neal äußerst ausdrucksstark gesungen und gespielt wird, eingeweiht. In der Rolle des Nihilisten verkörpert er glaubwürdig das „lebendige Böse“, der es facettenreich versteht, die Schwächen Otellos für sein Vorhaben auszunutzen und ihn in den mörderischen Wahnsinn zu treiben. Als Gegenpol zu Jago gefiel mir Brigitta Kele mit ihrer exzellenten Sopranstimme als Desdemona besonders gut. Von der anfänglich eher naiv und zerbrechlich wirkenden Ehefrau entwickelt sich Desdemona zu einer selbstbewussten Frau, die im vierten Akt in zwei Arien, die „unter die Haut gehen“, von ihrem bevorstehenden Tod singt.
Otello ist eine empfehlenswerte und hervorragend inszenierte Oper, die mich noch länger gedanklich beschäftigen wird.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.


Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an GGS Hermann-Grothe-Straße in Duisburg-Bissingheim, einer Montessori-Grundschule, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Sie findet es spannend und freut sich darauf, sich als Scout für Oper und Ballett in dieser Saison wieder regelmäßig und intensiv mit Oper und Ballett auseinanderzusetzen.

Das Schwarze als Symbol

Otello

Isabel Fedrizzi über die Premiere von Verdis „Otello“

Dieser Otello in Duisburg ist in jeder Hinsicht „ein schwarzes Stück“: inhaltlich, dramaturgisch, bühnenbildlich und kostümtechnisch. Das Libretto beschreibt nun einmal diese düstere Tragödie: der erfolgreiche, aber krankhaft eifersüchtige Otello, der sich durch das abgrundtief böse und falsche Ränkespiel seines Hauptmanns Jago  manipulieren lässt und schlussendlich seine geliebte Ehefrau ermordet.

Die Wege, dieses Drama auf die Bühne zu bringen, sind vielfältig und Michael Thalheimer hat sich in DU für eine gänzlich schwarze Fassung entschieden – das Schwarze als Symbol: schwarze Gesichter für die Leere und das Kranke im  Kopf (nicht nur Otellos), die Bühne als schwarzer „Guckkasten“ – die gefühlte Hölle, in der Desdemona ihr Leben fristet, die Niedertracht und die nihilistische Weltanschauung Jagos, Otellos Innenleben mit schwarzer Seele,  vielleicht auch Symbol für Schuld und das Schuldigsein an sich? Die Interpretationen und Assoziationen sind zahlreich. Bei aller Symbolträchtigkeit, die auch ihren Reiz hat, weil man in jedes Detail etwas „hineindenkt“, empfinde ich diesen Otello dennoch als statisches Kammerspiel. Drei Stunden Oper, die sich von der ersten bis zur letzten Minute in einem schwarzen Kasten abspielt, Orts- und Szenenwechsel nicht einmal andeutet, schwarze Kostüme und ein schwarzer Chor, fast keine Requisiten (Die zwei monolithisch herausragenden  blütenweißen Requisiten „Taschentuch“ und „Brautkleid“ werden effektvoll eingesetzt) sind doch mühsam. Vor allem aber ist alles so statisch, so bewegungslos: es wird über weite Strecken gestanden und gesungen. Zwei überraschende Sprünge Jagos an zwei Szenenenden prägen daher schon deutlich die Erinnerung. Die sängerische Leistung war gut, besonders Desdemona und Jago haben stimmlich und auch schauspielerisch wunderbar ihre Rollen ausgefüllt. Otello schien stimmlich in der Höhe mehr als an seine Grenzen zu stoßen, sehr gut war der Chor, voluminös und kraftvoll. Auf diese Inszenierung muss man sich einlassen, bereit sein, die Musik ganz in den Vordergrund zu stellen, und alles andere mit viel eigener Phantasie zu füllen.

Fedrizzi_Isabel_FOTO_Tanja_BrillIsabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Als Scout für Oper und Ballett möchte sie ihre Zuschauererfahrungen erweitern und intensivieren.

Otello oder Minimalismus par excellence

Otello

Myriam Kasten über die Premiere von Verdis „Otello“

Es ist düster, es ist sehr düster. Man wird von der Finsternis fast erdrückt. Fast 3 Stunden völlige Finsternis und dann die strahlende Erlösung.

Ja Otello ist eine düstere Geschichte voller Eifersucht, Verzweiflung, Liebe, Unsicherheit und Wut. Doch diese Finsternis muss man erst einmal verarbeiten.

Das Publikum ist still, man kann fast eine Feder fallen hören. Alle sind so angespannt vom drohenden Ausgang des Dramas. Otello ist zerrissen, er führt einen Kampf mit sich selbst. Hat seine Desdemona ihn wirklich betrogen? Aber er liebt sie doch so sehr. Oder hat sie nicht? Sie ist zu Beginn ein so zartes, fragiles Wesen. Sie wird regelrecht wie eine Königin behandelt. Mit der Zeit jedoch steigt sie immer tiefer hinab in den Sumpf von Jago´s Verschwörung. Doch dadurch wird Sie immer stärker. Sie sieht der Tatsache ins Auge das sie diese Geschichte nicht überleben wird und trägt es mit Fassung. Michael Thalheimer lässt das Publikum mit leiden. Es ist nur eine Geschichte doch man spürt diese Zerrissenheit, diese Verzweiflung von Otello alleine durch das erdrückende, schwarze Bühnenbild. Und schließlich die Stärke und das Licht am Ende wenn Desdemona stirbt. Sie ist erlöst, genau wie Otello.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Myriam Kasten
Projektmanagerin Tourismus bei Duisburg Kontor GmbH

Die gelernte Fotografin hat die Liebe zu ihrer Heimatstadt zum Beruf gemacht: Als Projektmanagerin im Bereich Tourismus gibt sie ihre eigene Begeisterung für die Stadt an Besuchergruppen weiter. Für sie ist das Theater Duisburg einer der großen Anziehungspunkte der Stadt. Hier hat sie schon als Kind viel Zeit verbracht – häufig nahmen sie die Eltern ins Theater mit. Ballettunterricht und das eigene Tanzen verstärkten die  Begeisterung für Musik und Tanz, besonders für die Choreographien von Youri Vàmos.

 

 

Nico Budden über „Otello“

Das Operngucken muss man lernen

Ich bin kein geübter Operngänger. Es war mein viertes Mal, als ich am letzten Donnerstag in Verdis „Otello“ saß. Und mittlerweile kann ich mit annähender Sicherheit behaupten: In einer Oper wird fast immer gesungen. Auch scheint es heutzutage üblich zu sein, das Stück im Original aufzuführen. So ist Mozart verständlich, doch bei Puccini oder Verdi bedarf es der Übertitel. Nun gut, trotz lobenswerter Synchronisation schauen viele moderne Filmproduktionen auch lieber im Original, so sollte einen das eigentlich nicht abschrecken. Doch irgendwie ist es schon komisch. Die sagen immer das gleiche, es ist unglaublich emotional und irgendwie kommt die Geschichte nicht voran. Operngucken muss man lernen. Irgendwann stellt man fest, der Text ist eigentlich zweitrangig, es ist ein Gesamtkunstwerk, im Zentrum steht die Musik. Eine Oper sei eben kein Schauspiel, so wird der Librettist Boito im Programmheft zitiert, Musik könne viel schneller und viel mehr als das Wort aussagen. Man versteht auf einer anderen Ebene. Darum ist es vielleicht gut, nicht ganz unbelesen ins Stück zu gehen: Ganz typisch für eine Geschichte Shakespeares haben wir es mit einem Spiel hinter den Kulissen zu tun. Will man sich vom Wort lösen, muss man wissen worum es geht. Neid, Rache, Eifersucht, Untreue und nicht zuletzt die Liebe spielen eine Rolle, am Ende steht der dramatische Tod.
Dunkel gehalten ist die Bühne, es gibt nur wenige Lichtblicke. Eine beklemmende Stimmung vermittelt sie, erst mit dem Tod Otellos öffnet sich das Bild. Die Kostüme sind schwarz, alles Denken scheint festzustehen.
Bei Wikipedia ist von einem Meisterwerk ist zu lesen, dem sich nur die ganz großen Häuser mit hochkarätiger Besetzung nähern. Ich fühlte mich, ehrlich gesagt, ein wenig überfordert. Wer bin ich, das Ganze zu bewerten? Bin ich überhaupt in der Lage, das Meisterstück vom Boulevardvergnügen zu unterscheiden? – Schluss. Applaus. Die Leute sind begeistert, die Sänger toll. Besonders gefallen hat mir da die Darstellerin der Desdemona, Jacquelyn Wagner, auch wenn ich noch nicht sagen kann, warum. Der operneigene Chor war beeindruckend. Düsseldorfs Otello ist düster, aber in sich stimmig. – Es wird gejubelt, die Dame neben mir schreit „Bravo!“. Ich stelle fest, eine Oper ist wirklich anders und ja, sie wiegt schwer. Doch ist sie auch unglaublich schön. Dazu muss man nicht einmal zwischen den (oberen) Zeilen lesen.

Niko Budden
Student
Für Theaterliebhaber Niko Budden bedeuten Ballett und Oper neue Seh- und Hörgewohnheiten, auf die der Student der Geschichte und Germanistik sich sehr gerne einlässt. Sein Engagement im Projekt  „Musiktheater im Labor“ der Jungen Oper bedeutete für ihn dabei den Einstieg in die Welt des Musiktheaters. Besonders auf die Ballettvorführungen ist Niko Budden gespannt, da er den Einstieg in die performative Kunst bisher immer über das Wort fand.

Maren Jackwerth über „Otello“

Ein Stück, das unter die Haut geht

otello_05_foto_hansjoergmichelUraufgeführt wurde sie 1887 in Mailand, eine Oper von Verdi in vier Akten sehr sinnig entstanden aus Shakespeares „The Tragedy of Othello, the Moor of Venice“. Serena Farnocchia und Alexander Krasnov brillierten als Desdemona und Jago. Gerade der Jago war extra aus Russland eingeflogen worden und überzeugte durch seinen besonderen gehässigen Auftritt. Ein wirklich äußerst beeindruckendes, sehenswertes Stück hat mich in seinen Bann gezogen. Bis hin zum Mord an Desdemona im 4. Akt konnten die Zuschauer diese irre Wandlung von Otello hin zum Wahnsinnigen erleben. Das Düstere wurde unterstrichen durch das stark reduzierte Bühnenbild und die komplett schwarzen Kostüme. Das Zusammenspiel von Licht, Schatten und der Dunkelheit, perfekt vom Lichtdesigner inszeniert, tragen dazu bei, diese schaurige Welt intensiv erlebbar zu machen. Die Reduziertheit spiegelt sich in allem, einzig das Taschentuch, das Brautkleid und das Messer als notwendige Requisiten hoben dieses auf. Der Zuschauer weiß von Anfang an um die Macht Jagos und erlebt wissend, wie Otello immer mehr zum Hasser mutiert. Dessen schwarzes Gesicht, einmal als Mohr, aber auch als Zeichen der bösen Macht unterstreicht dieses noch. Und dann wirkte natürlich auch noch die Musik Verdis. Der musikalische Leiter Axel Kober hat hier das Orchester prunkvoll in Szene gesetzt. Ein Stück, das wahrlich unter die Haut geht.

Weitere Infos zu „Otello“

Maren Jackwerth
Anwältin
Die in Düsseldorf ansässige Rechtsanwältin, Mediatorin und Stiftungsmanagerin betreibt eine Kanzlei an der Königsallee und entwickelt Kommunikationslösungen im Bereich Corporate Social Responsibility und Kunst. Um das soziale Engagement von Unternehmen mit dem der gemeinnützigen Organisationen zu verbinden, hat Maren Jackwerth das Rheinische Stifterforum gegründet. Bildungsförderung auch im kulturellen Bereich ist ein Schwerpunkt des Netzwerks.

 

 

Isabell Boyer über „Otello“

Die Faszination des Bösen

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Als ich am vergangenen Samstag Michael Thalheimers Neuinszenierung von „Otello“ besucht habe, drangen sich direkt von der ersten Minute an zahlreiche Fragen in meinen Kopf: Warum wurde hier der schwarze Hintergrund gewählt? Wozu diente zu Beginn der Einsatz der schwarzen Farbe? Und vor allem: Warum trug nur Otello die ganze Zeit die schwarze Farbe im Gesicht, die die anderen über die verschiedenen Szenen hinweg immer wieder ablegen durften? Neu in diesem Stück angekommen standen mir alle Wege der Interpretation offen. Mithilfe der wundervollen Musik und den herausragenden Darstellern konnte ich mich Stück für Stück immer besser in die Geschichte einfinden und begreifen, wie genial Shakespeares Werk und Verdis musikalische Umsetzung dessen wirklich ist. Zwar empfand ich die Farbe in Otellos Gesicht noch immer als störend (auch wenn diese die Finsternis in seinem Wesen darstellen sollte), da ich so die mit Sicherheit sehr deutliche Mimik des Darstellers kaum in vollem Maße erfassen konnte – trotz Brille – doch empfand ich die Beleuchtung und den Aufbau des Bühnenbilds als immer ergreifender und plausibler. Für mich entwickelte der Einsatz dessen völlig neue Ebenen, die ich so in der Oper noch nicht gesehen habe. Die Darsteller, die für mich an diesem Abend nicht nur die Räumlichkeiten für sich genutzt haben, sondern auch mit Stimme und Ausdruck brillierten, waren Serena Farnocchia und Alexander Krasnov, die für ihre leider erkrankten Kollegen einsprangen und in diesem Zuge Desdemona und Jago verkörperten. Besonders Krasnov zog mich von Anfang als Jago in seinen Bann und hatte mich sofort auf seiner Seite. Es war schon bald klar, wer hier die Fäden in der Hand hielt und nicht nur Otello, sondern auch Cassio, Roderigo, seine eigene Frau und Desdemona manipulierte. Es wird hier einerseits berechnend, andererseits tragisch und erschütternd, dargestellt, wie gefährlich Eifersucht, aber auch eine falsche Wortwahl, sein können, wenn man nicht weiß, wie man den entstandenen Schaden wieder reparieren kann. Alles in allem ein äußerst beeindruckendes, sehenswertes Stück, das ich wirklich jedem ans Herz legen kann.

Weitere Informationen zu „Otello“

Isabell Boyer
Studentin
Auf Isabell Boyer sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Die Opern- und Ballett-Erlebnisse in ihrer ersten Spielzeit als Opernscout inspirierten sie dazu, freier zu denken und ihren Horizont zu erweitern.

 

Uwe Schwäch über „Otello“

Ein fesselndes Musikdrama

otello_12_foto_hansjoergmichelUnvermittelt – Verdi verzichtet bei dieser Oper auf eine Ouvertüre – eröffnet sich dem Zuschauer eine tiefschwarze Bühne, auf welcher der siegreiche Venezianer Otello nach Zypern zurückkehrt. Ohne den Einsatz von Requisiten beginnt ein dramaturgisch ausgereiftes Kammerspiel – Shakespeare lässt trefflich grüßen.
Auch die Musik weiß von Anfang an zu überzeugen. Der Chor mit „Flamme des Feuers“ nähert sich spannungs- und bewegungsreich dem Publikum und erzeugt einen ersten Gänsehauteffekt. Wenig später schwelgen wir in dem wunderbar vorgetragenen Liebesduett zwischen Otello und Desdemona – kraftvoll und zärtlich zugleich.
Vieles in dieser Inszenierung begeistert: Das einfallsreiche Spiel von Licht und Schatten, wie ein auf die Bühne Weiß projiziertes Kreuz als Symbol für den tief verankerten Glauben der Venezianer. Oder die Wandlung Otellos vom mächtigen Staats- und liebenden Ehemann zum rächenden Mörder, dessen Wahn im 4. Akt den Zuschauer durch ein bewegendes Schattenspiel ergreift.
Michael Thalheimer schafft eine psychologische Enge und Bedrängtheit, in der sich die Protogonisten in einer schwarzen, bösen Welt bewegen. Allen voran die Figur des Jago, der seinem Herrn intrigant zugewandt ist und das Böse beängstigend verkörpert. Boris Statsenko taucht so tief in diese Rolle ein, dass jede Arie, jeder Ton, jede Gestik und Mimik Angst und Erschütterung auslöst. Ebenso herausragend singt Jacquelyn Wagner die Rolle der Desdemona. Sie brilliert mit einem klaren und feinfühligen Sopran und ihre beiden Arien im 4. Akt kündigen voller Melancholie ihren nahenden Tod an. Die musikalische Dramatik der als Decrescendo verlaufenden Oper wird am deutlichsten in der Titelrolle erlebbar. Otello verfällt zunehmend seinem von Jago provozierten Wahn. Von ihm wie auch von den anderen Akteuren wird nicht nur eine gesangliche, sondern auch eine schauspielerische Höchstleistung abverlangt.
Höchstleistungen erbringen auch der Chor und das von Axel Kober geleitete Orchester. Der optisch herausragende Moment gelingt mit der Chorversammlung auf einer Treppe, die wie ein Bild meisterhaft in die schwarze Bühne integriert wird. Die Instrumentierung erfolgt pointiert von kraftvoll bis höchst einfühlsam. Wir hören und spüren diese Feinfühligkeit beispielsweise im letzten Akt, wenn Englischhorn und Bläser den strophischen Gesang der Desdemona begleiten und tiefe Kontrabässe im Anschluss ihr mörderisches Ende ankündigen.
Bei diesem Otello steht das Böse im Vordergrund. Was wir dabei sehen und hören ist gleichberechtigt. Ein fesselndes Musikdrama, das man so schnell nicht vergessen wird. Schon jetzt ein Highlight dieser noch jungen Opernsaison.

Weitere Informationen zu „Otello“

 Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

 

Roland Schüren über „Otello“

Ein Megadrama in Otellos Hirn

otello_14_foto_hansjoergmichel„Hirndrama“ ist das Schlagwort, das mir aus der Einführung eine halbe Stunde vor Aufführungsbeginn wohl immer in Erinnerung gerufen werden wird, wenn ich zukünftig an „Otello“ und damit an meinen ersten Opernbesuch seit 25 Jahren erinnert werde.
In Otellos Hirn spielt sich drei Stunden lang ein Megadrama ab. Und ich sitze quasi mittendrin, im schwarzen Kasten seiner inneren Schädeldecke. Kann mit allen durch die Oper erreichbaren Sinnen seine detaillierten Gedankengänge verfolgen. Der schwarze Kasten des Bühnenbildes mit den passend gekleideten und beleuchteten Kostümen der Darsteller ist ganz großes Kopfkino für mich. Und das auch noch alles vollkommen analog und richtig live im Klassik-Suround-Sound. Das ist ja so was von un-digital unglaublich. – Macht mich diese Otello-Inszenierung jetzt auf einen Schlag zum Opernfan?
Könnte sein. Ab Mitte des dritten Aktes ertappte ich mich erstmals dabei, „im Flow“ der Oper zu sein. Ich merke ab und an, wie sich Analogie-Gedanken an das echte Leben, an das Hier und Jetzt, in meine Überlegungen schleichen. Spätestens im vierten Akt hat mich Desdemona in ihrem langen Solo mit Hochzeitskleid dahinschmelzen lassen. Dabei merkte ich, dass ich gar nicht mehr den Übertiteln folgte, sondern vollkommen in dem Stück versunken war. Die debütierende Jacquelyn Wagner als Desdemona – hervorragend. Und Boris Statsenko als Jago? War der zuvor bei Jack Nicholson zum Mimiktraining? – Ein Hammerkerl! Diese beiden Darsteller haben mich wirklich stark beeindruckt.
Ich gehe mit Fragen aus der Vorführung. Denke darüber nach, wie man Eifersucht sinnvoll bekämpfen kann. Wie der Glaube dabei behilflich sein kann und wie man echte fiese Typen und ihre Machenschaften frühzeitig durchschauen und entmachten kann. – Und auch mal ganz kurz an Donald Trump. – Danke Otello!

Weitere Informationen zu „Otello“

Roland Schüren
Inhaber der Bäckerei „Ihr Bäcker Schüren“
Bereits in vierter Generation führt Roland Schüren den Familienbetrieb „Ihr Bäcker Schüren“ mit Hauptsitz in Hilden. Mit seinem Anspruch an Qualität, Produktvielfalt und Nachhaltigkeit gilt er als einer der besten und innovativsten Handwerksbäcker in Düsseldorf und der Region. Ihm und seinen Bäckern macht es Spaß, alles selbst herzustellen – ohne Fertigmischungen und Massenproduktion, dafür mit viel Zeit und handwerklichem Können. Da gibt es doch Parallelen zu unseren Opern- und Ballettproduktionen …

Susanne Freyling-Hein über „Otello“

Eine packende Inszenierung über die zerstörerische Kraft der Eifersucht

Die düstere Geschichte über die leidenschaftliche und tragisch endende Liebe zwischen Otello und seiner Frau Desdemona, beginnt dramatisch mit einem bühnenfüllenden Chor, Blitz und Donner. Die Bühne ist schwarz, klaustrophobisch verengt und ohne Ausweg – genauso wie Otellos Innenleben. Diesem wird durch den zynischen Jago suggeriert, dass Desdemona ihn mit Cassio betrüge. Die Saat beginnt zu keimen und man kann das Kopfkino von Otello förmlich entstehen sehen. Als Zuschauer will ich ihm fast zurufen: durschaust Du das denn nicht und kennst Du kein Vertrauen? Genau wie seiner Frau Desdemona, die, fast auf autistische Weise, immer wieder für Cassio eintritt und somit den Verdacht in Otello erhärtet. Gleichzeitig bin ich voller Mitgefühl für die beiden leidenschaftlich Liebenden, die auf den grausamen Jago und seinen diabolischen Plan hereinfallen.
Alle Hauptdarsteller verkörpern ihre Rollen exzellent und begeistern mich gleichermaßen durch Ihren Gesang und ihr Schau- und Mienenspiel (Boris Statsenko).
Die Musik treibt die Handlung in Ihrer Dynamik immer weiter voran und trägt maßgeblich zum Spannungsbogen des Abends bei.
Eine dreistündige Oper, die wie im Flug vergeht und sicher noch lange nachwirkt.

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Susanne Freyling-Hein
Senior Category Manager bei L’Oréal
Obwohl Susanne Freyling-Hein seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, waren Oper und Ballett bis zu Beginn der letzten Spielzeit Neuland für sie. Begeistert hat sie vor allem Martin Schläpfers Ballett am Rhein. Sie schätzt den gemeinsamen Austausch, weil er den eigenen Eindrücken andere Sichtweisen gegenüber stellt. Und wenn Freunde oder Kollegen ihren Empfehlungen folgen, macht sie das durchaus ein bisschen stolz.

Khatuna Ehlen über „Otello“

Eine traurig-düstere Geschichte

Eine sehr bewegende und traurig-düstere Geschichte, die sehr authentisch und mitreißend inszeniert worden ist.
Ich habe über „Otello“ natürlich viel gelesen und gehört und mich über die Ungerechtigkeit gegenüber Desdemona  immer aufs Neue aufgeregt, aber die Oper am vergangenen Samstag hat meine Erwartungen übertroffen. Ich habe bisher eher meine Liebe zu Ballett und Operette entdeckt- aber wenn Oper, dann bitte so düster und dramatisch wie „Otello“. Die Darstellung ganz in schwarz mit wenigen weißen Elementen und passenden Lichteffekten stellte die Dramatik der Geschichte so in den Vordergrund, dass eine Gänsehaut nicht vermeidbar war.
Besonders emotional geladen fand ich die Szene, in der Desdemona, das schreckliche Urteil ihres Mannes ahnend, mit einem schneeweißen Brautkleid singt. Sie und ihr Brautkleid werden so beleuchtet, dass sie wie ein Engel strahlt und mit ihrer Stimme die Emotionen der Zuschauer auf sich reißt.
Otello selbst – eine traurige Seele, erwürgt das einzige Unschuldige und Heilige, was er im Leben besessen hat, mit eigenen Händen und setzt somit seinem grausamen Leben auch ein Ende– absolut authentisch dargestellt von Herrn Todorovich.
Ebenso hervorragend die Darstellung des Jago durch Herrn Statsenko, der die Rolle so wahr und lebendig gespielt und gesungen hat, dass man fast geneigt war, eine Sympathie für das Böse zu entwickeln.

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 Khatuna Ehlen
Sozialarbeiterin
Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Nach ihrer ersten Spielzeit als Opernscout ist sie glücklich, weiter als Scout aktiv sein zu dürfen. Bisher sind die Aufführungen des Balletts am Rhein ihr klarer Favorit im Spielplan, so dass sie sich auch in der neuen Spielzeit auf mitreißende Choreographien freut.

Max Ohagen über „Otello“

Blackout

Ein Mann dreht durch, weil er seinem Bauchgefühl nicht vertraut. Das passiert häufiger als man denkt – doch selten ist eine solche Geschichte musikalisch so faszinierend untermauert, wie in der  Oper „Otello“ von Giuseppe Verdi.
Solisten, Chor, Orchester, Bühne, Kostüme, Licht – eine schwarze Inszenierung für alle Sinne. Das Publikum überwiegend in schwarz, die vielleicht gewollte Statisterie in dieser Aufführung im lichtarmen „Guckkasten“ wo schwarz und ganz wenig weiß die Bildsprache dominiert. Das Bühnenbild lässt der Phantasie des Betrachters und Zuhörers unendlich viel Spielraum.
Zeitlos und immer aktuell ist der Kampf mit dem inneren und äußeren Dämon. Vertraue ich meiner Intuition oder lasse ich mich verführen? Optimistisch möchte ich diese wundervolle Opernpremiere ausklingen lassen. Das Lied ,,Each man kills the thing he loves“, was durchaus passend wäre, ist dann doch nur was für Pessimisten. Mehr davon!

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Max Ohagen
Inhaber der Keramik-Werkstatt „Manufattura“
„Ich bin berauscht und fange an zu lieben.“ So fasst Max Ohagen seine erste Saison als Opern- und Ballettscout zusammen. Während die Kunden seiner „Manufattura“ „Keramik selbst bemalen“, erzählt der Architektur- und Kunstliebhaber ihnen von seinen aktuellen Opern- und Balletterlebnissen – jedenfalls dann, wenn er seinen Laden früh genug verlassen konnte, um pünktlich im Opernhaus zu sein. Offen und neugierig auf das Zusammenspiel von Musik, darstellender und visueller Kunst gibt er gern seine Eindrücke und Empfehlungen weiter.

Georg Hess über „Otello“

Absolute Besuchsempfehlung!

„Otello“, die  im Jahre 1887 in Mailand uraufgeführte Oper von Verdi in vier Akten nach Shakespeares „The Tragedy of Othello, the Moor of Venice“ stand am Samstag (8. Oktober 2016) als Premiere in Düsseldorf auf dem Programm.
Ein Opernklassiker mit einer für heutige Verhältnisse simplen und durchschaubaren Handlung: Siegreicher und gefeierter Befehlshaber (Otello) kommt (Ende des 15. Jahrhunderts) zurück zu seiner Frau (Desdemona) und wird Opfer eines Intriganten (Jago) der ihn glauben lässt, seine Frau halte ihm nicht die Treue. Am Ende wird die Ehefrau von dem vor Eifersucht dämonisierten Ehemann ermordet, welcher sich schließlich, nachdem die Hinterhältigkeiten offensichtlich werden, selbst tötet.
Die Bühne war (wie auch über den ganzen Abend hinweg) gänzlich in schwarz getaucht und auf sich selbst reduziert. Hervorragend wie der Lichtdesigner mit diesem Umstand umging und mit seinen Einsatzmöglichkeiten (auch des Schattenspiels) die jeweiligen Stimmungen verstärkte.
Fulminant der Beginn der Oper mit einer Seeschlacht, zu der auch der gesamte Chor auf der Bühne anwesend war. Alle Chorsänger(innen) trugen individuelle schwarze Kleidung, aber dennoch reihte sich jeder der Sänger so in das Rollenspiel ein, dass der Chor während des ganzen Stücks als Gesamtheit wahrgenommen wurde und nie die Oberhand über die eigentlichen Hauptdarsteller übernahm – sehr fein, ästhetisch und ausdrucksstark in allen Szenen, bei denen der Chor mitwirken durfte.
Auch die Hauptdarsteller trugen keine Farben, nur schwarz bestimmte ihre Kleidung, die Herren zumeist in Uniformen. Die Requisiten waren auf das Notwendigste (so Desdemonas Taschentuch, ihr Brautkleid oder das Messer, mit welchem sich Otello schließlich selbst tötete) beschränkt.
Bei so viel angenehmer Reduziertheit konzentrierte sich der Blick auf die Darsteller, die ihre Rollen alle mit einer solchen Leidenschaft verkörperten, dass man zeitweise den Eindruck hatte, dass die Szenerie sich soeben erstmalig und tatsächlich abspielte. Der Zuschauer wurde von Anfang an in das Intrigenspiel des Jago eingeweiht, so dass man schnell Otello als Opfer erkannte und mit ihm litt wie er nach und nach zerbrach. Der zunehmend zerissene Otello wurde hervorragend von Zoran Todorovich dargestellt, dessen Gesicht schwarz geschminkt war mit deutlich freigelassenen hellen Hautkonturen um Mund, Augen und Haaren, was wohl mehr auf die „Kopfeslast“ hinweisen sollte, die Otello aufgrund der Intrigen zu tragen hatte, statt auf seine Hautfarbe als Mohr. Dennoch war es nicht Otello, dessen Spiel mich am meisten beeindruckte, sondern Jago, dargestellt von Boris Statsenko. Seine giftige Rolle wurde von ihm derart überzeugend boshaft und beängstigend interpretiert, dass er für mich „der“ Darsteller des Abends war. Aber auch Desdemona (stilsicher, selbstbewusst und anmutig dargestellt von Jacquelyn Wagner) darf hier keinesfalls unerwähnt bleiben, die besonders im vierten Akt mitriss, während sie auf Otello wartete und den nahenden Tod besang.
Zwischen den Figuren passierte viel und man glaubte ihnen einfach, was sie sangen. Eine plumpe Intrige über ein verlorenes Taschentuch wurde von ihnen unter der Inszenierung von Michael Thalheimer in einen fesselnden Stoff verwandelt.
Und dann war da natürlich auch noch die Musik. Toll, wie Axel Kober als musikalischer Leiter die Düsseldorfer Symphoniker ins Spiel setzte. Ein Verdi mit viel Esprit, der weder die Darstellung der Protagonisten übertönte noch zu dezent wirkte.
Ich habe einen besonderen Opernabend erlebt. Die Inszenierung wird von mir absolut zum Besuch empfohlen!

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Georg Hess
Notarfachreferent

Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.