Eine sehr ungewöhnliche Adaption des klassischen Shakespeare-Dramas

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Stefan Pütz über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Eine sehr ungewöhnliche Adaption des klassischen Shakespeare Dramas von Charles Gounod:
Roméo (Ovidiu Purcel) stirbt (wie gehabt) durch Gift, Juliette (Luiza Fatyol) verzichtet auf die Einnahme des „echten“ Giftes und erwählt dann doch lieber den vom „Dandy-Vater“ vorgeschlagenen Ehemann Paris.

Der junge Regisseur Philipp Westerbarkei verzichtete auf eine Verortung der Handlung in Italien.
Alles wirkt stark reduziert   – ein großer Felsen; ansonsten sehr, sehr viele Stühle, die auch teilweise in immense Höhen aufgetürmt wurden. Auch auf „unnötige“(?!) Romantik wurde verzichtet, der Hauptaugenmerk lag eher auf einer diffusen Gesellschaftskritik: Die Hervorhebung der Bedeutung der verfeindeten Familien war ihm wichtiger – sie wirkten wie Jugendgangs!
Das Orchester unter der musikalische Leitung von David Crescenzi, die Chöre und Kostüme waren wieder einmal hervorragend.

Alles in Allem ein sehr gelungener, aber teilweise anstrengender Abend!
Puetz_Stefan_Foto2_Andreas_Endermann Stefan Pütz
Inhaber von „Buch in Bilk“

Den Namen Stefan Pütz verbindet man mit „Buch in Bilk“, einer Buchhandlung, die es mittlerweile sogar an zwei Standorten in Unterbilk gibt. Bei Kulturveranstaltungen ist er auch gern mit einem Büchertisch präsent, denn der direkte Kontakt zu den Kunden und die persönliche Beratung ist ihm wichtig. Wichtig ist ihm jetzt – nach langer Abstinenz – auch wieder die Begegnung mit Oper und Ballett: Früher war er oft mit seinen Eltern in der Oper – heute ist er wieder neugierig darauf und offen für die kritische Auseinandersetzung mit den Düsseldorfer Scouts für Oper und Ballett.

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Love is a losing game

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Markus Wendel über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Noch bevor am Ende der Vorhang gefallen ist, wissen wir, dass es nicht gut ausgehen wird. Und ja, so wird es auch an diesem Abend sein. In den letzten Minuten des Unvermeidlichen hebt sich lautlos ein Kulissenteil. An der Unterseite leuchtet der Schriftzug ‚Love is a losing game‘.

Nachdem klar war, dass ich es nicht in die Opernwerkstatt schaffen würde, habe ich beschlossen, mich überraschen zu lassen, von dieser mir bis dato unbekannten Oper. Lediglich die Einführung vor der Vorstellung habe ich besucht. Und das Vorspiel gehört. Zweimal, im Auto auf dem Weg zur Arbeit. Die Geschichte ist mir jedoch, wie wahrscheinlich den meisten von uns, nicht völlig unbekannt. Und heute beginnt sie mit einem Herzschlag.

Die Inszenierung ist gewaltig. Es bleibt durchgängig düster und neblig, die Bilder sind kraftvoll, intensiv, und spannungsgeladen. Nur selten ist es dabei ebenso hochromantisch, wie Gounods wunderbare Musik es vorgibt. Es geht vielmehr um die dramatischen Momente, die ihren Raum bekommen, und bis zum Zerreißen verstärkt werden. Die Handlung wird immer wieder gebrochen, bis zum Schluss gibt es fordernd-unerwartete Wandlungen. Die Beziehung zwischen Roméo und Juliette erscheint hochfragil. In ihrem Umgang wird wahre Nähe scheinbar kaum zugelassen. Immer wieder lösen sich beide, wenden sich ab, erstarren die Blicke. Es ist wie ein Traum, und voller Zweifel.

Das Ende überrascht, und macht nachdenklich. Das Publikum hält für einen kurzen Moment inne, dann bricht großer Applaus durch die ausverkauften Reihen.

Diese Inszenierung verlangt nach kontroverser Diskussion. Mich hat sie völlig umgehauen, und ist wahrscheinlich das Beste, was ich in Düsseldorf bislang erlebt habe.

Ein großes Bravi an alle Beteiligten! Und an alle, die dieses mutige Konzept geschaffen und ermöglicht haben!

Wendel_Markus_Foto_Andreas_EndermannMarkus Wendel
Feuerwehrmann in Düsseldorf

Als neuer Scout folgt Markus Wendel in der Spielzeit 2018/19 frühen Spuren seiner Opernbegeisterung: Seine erste Begegnung mit Richard Wagners „Götterdämmerung“ hatte er 2003/04 im Düsseldorfer Opernhaus, und schon damals begeisterte ihn Linda Watson als Brünnhilde. Als Feuerwehrmann der Landeshauptstadt Düsseldorf kümmert sich Markus Wendel um die strategische Planung und Einsatzorganisation. Ganz besonders schätzt er seine Dienste im Opernhaus: Als Brandsicherheitswache beobachtet er die Aufführung dann von der Seitenbühne aus. „Ich mag das Gewusel hinter den Kulissen“, sagt der 39-Jährige. Was ihn aus dieser Perspektive besonders anspricht, schaut er sich gern noch einmal mit Freunden oder der Familie aus dem Zuschauerraum an.

 

 

So muss man es machen

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Michael Langenberger über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Das erste Lob gehört dem Generalintendanten der Düsseldorfer Oper. Prof. Christoph Meyer vertraut die Inszenierung dieses großen Werkes Philipp Westerbarkei an, ein Eigengewächs der Düsseldorfer Oper. Der wiederum kooperiert mit Tatjana Ivschina, verantwortlich für Bühne und Kostüme, im besten Sinne wie ein Start-Up in agiler Arbeitsweise, indem beide Ihr Know-How so verzahnen, das ein grandioses Bühnenwerk entsteht. Wer sehen will, welche Special-Effects eine renovierungsbedürftige Operntechnik in der Lage ist zu liefern, der sollte sich diese Oper ansehen und genießen.

Es sind diese Lichteffekte, die beispielsweise Luiza Fatyol als Juliette im silbern glitzernden Kleid zu einem grandiosen Auftritt erheben oder die Bühne in Sekundenschnelle zu einem Kirchenraum wandeln. Oder habe Sie schon einmal minutenlangen Regen auf der Bühne erlebt? Ja, es war wirklich nasser Regen. So ist dann auch ein steinerner Fels eben nicht nur Bühnenbild, sondern hilft auch bei der Visualisierung der bizarren Formen von Gewitterblitzen.

Immer wieder mal erscheinen Maria Sauckel-Plock und Egor Reider als ihr jeweils jüngeres Ich von Roméo und Juliette. Man hört – intoniert – deren Herzen höher schlagen. Die beiden zwar nicht singend, doch als blutjunge Mimen, die Liebe und Verrücktheiten junger, frischer Verliebter verkörpernd, quasi pantomimisch darstellend. So geht das Schauspiel vor dem abgesenkten Vorhang während des Bühnenumbaus kurzweilig weiter, hält den Zuschauer emotional gefangen und löst sich fließend, schauspielerisch im folgenden Bühnenbild wieder auf.

Übrigens, wer einmal einen riesigen Chor tanzen sehen will oder ebenso viele Anregungen zu fantasievollen Kleidern und Kostümen, wie der Chor Mitglieder hat, sehen will, sollte die vielen unterschiedlichen Auftritte des Chors nicht versäumen.

Gerade zu Beginn verbinde ich mit dem Auftritt des Chors einige Szenen mit Leonard Bernsteins “West Side Story”. Wenn dieses Musical damals als die moderne Form des Dramas Romeo und Julia galt, dann haben wir jetzt bei der Premiere von „Roméo et Juliette“ die Fusion von spektakulärem Opern-Schauspiel mit highly sophisticated Animation gesehen.

War das jetzt z.B. auch die Bewerbung der Oper Düsseldorf für einen Opernhaus-Neubau auf Weltniveau? In Zeiten, wo Opernhaus-Neubau zur bloßen Auseinandersetzung auf Standort und Geld reduziert wird, ist es gerade jetzt wichtig mit dem oft gespielten Stück „Roméo et Juliette“ durch performative Leistung zu glänzen, auch Grenzen auszutesten. Denn welches Opernhaus kann schon mit einem Sänger (und Tänzer-) Ensemble glänzen, das selbst bei komplexen Besetzungen, nahezu alle Rollen selbst besetzen kann und damit gleichzeitig Talentschmiede der internationalen Opern- und Ballettwelt ist? Welches Opernhaus ermöglicht eigenen, jungen Talenten die Verantwortung für Regie und Ausstattung zu übernehmen? Welch anderes Opernhaus liefert in steter Regelmäßigkeit Award-Qualitäten ab? Hätte es ein solches Opernhaus nicht auch verdient, mit perfekter Technik – einschließlich der für Liveübertragungen – den Rest der Welt an seinen Ideenreichtum und moderner Arbeits- und Management-Leistung teilhaben zu lassen?

Opernscouts 2018 / 2019

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt: Auf Standard und Latein folgten Salsa und Modern Contemporary Dance im Tanzhaus NRW, wo er auch an öffentlichen Performances mit Profis und Laien mitwirkte. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze.

 

 

Quintessenz der Liebesgeschichte

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Hilli Hassemer über die Premiere von „Roméo et Juliette“

love is a losing game

erscheint in Leuchtschrift  (nach einem tollen Song von Amy Winehouse), als Quintessenz der Liebesgeschichte zwischen Roméo und Juliette.

Um es vorweg zu nehmen, Juliette verliert zwar auch irgendwie das Spiel, aber sie stirbt nicht. Nach dem Motto der Stadtmusikanten „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“  entscheidet sie sich für das Leben und dies dann eben mit dem ungeliebten
Paris.
Luiza Fatyol und Ovidiu Purcel, als Roméo und Juliette glänzen gesanglich und es ist ergötzend, den beiden zu lauschen. Genauso beglückt mich der Opernchor, der zudem noch Tanzeinlagen zum Besten gibt, welche schweißtreibendes
Training erahnen lassen.
Maria Boikos Auftritte als Stéphano, so kurz sie sind, finde ich sehr stark. Sie groovt in hippen schlaksigen Bewegungen über die Bühne und überrascht mich aus dieser Lässigkeit heraus umso mehr mit ihrer wunderbaren Stimme.
Auf die Düsseldorfer Sänger und Musiker ist einfach Verlass, denke ich immer wieder, nicht ohne Stolz.
Ein Lob an das Licht! Dramatisch gut beleuchtet, sind besonders die großen Chor-Tanzszenen. Die singenden Akteure sind mit rot-grün Spots angestrahlt und man möchte eigentlich an diesen 2-Kanal Licht-Stellen eine 3 D Brille zu Hand haben, um die räumliche Tiefenwirkung noch zu verstärken.
Mich strapazieren die Szenen, in denen Juliette auf rätselhafte Stuhlstapeltürme klettern und aus überhöhter Position ihre Arien singen muss. Sicher sind diese Gebilde gut fixiert und stabiler, als sie aussehen, aber was ist, wenn es Juliette schwindelt oder sich ihr langes Kleid verfängt oder … meine Sorge um die Sängerin überwiegt und überschattet den Genuss der musikalischen Darbietung.
Was die Inszenierung betrifft, so spricht Westerbarkei für mich in Rätseln. Da gibt es dieses jüngere stumme alter Ego Roméo-und-Juliette Paar, welches von Szene zu Szene auftaucht und sich in übertriebenen Gesten liebt und rauft und liebt und rauft. Sind sie ein Traum, oder vielleicht die echten und
zeitgenössischen Romeo und Julia Akteure?
Dann die seltsame Grotte im Hintergrund, – auch als Kletterfelsen für gewagte Stunts genutzt, – sie ist der Hort für eine an Lourdes erinnernde Muttergottes Statue. Sie leuchtet still und irgendwie religiös und erschließt sich mir nicht. Die schwarzwelligen Bühnenelemente in den letzten Akten, sind sie Meeresküste?
Nachtschattengewächse?
Zum Kern aber: die Verbundenheit, diese weltberühmte tragische große LIEBE zwischen den beiden Hauptdarstellern, die sich gegen ihre Familien, gegen die Gesellschaft und den Rest der Welt stellen, – sie erschließt sich mir aus diesem Spiel nicht. Auch bei den innigen Liebesarien agieren die beiden auf Distanz, – besonders, wenn Julia auf einem ihrer, bereits erwähnten,  Stuhltürme steht, kniet, sich windet (und ich Blut und Wasser schwitze) .

So ist es fast eine logische Konsequenz, dass Juliette ihrem fernen Roméo nicht in den Tod folgt.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Hessemer_Hilli_Foto2_Andreas_EndermannHilli Hassemer
Bildende Künstlerin

Die Malerin Hilli Hassemer lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Düsseldorf. Klassische und auch Opernmusik sind elementare Einflüsse in ihrer Arbeit. Das erste Jahr als Opernscout hat sie mit heller Freude erlebt. Die Vielfalt und Qualität der Düsseldorfer Opern und Ballettkultur zu erleben, war für sie eine neu prägende Seh- und Hörschule. Eine Sinn-schärfende Bereicherung, die sie nicht mehr missen möchte. So freut sie sich auf die zweite Spielzeit, auf die neuen Ballett und Opernwelten, die sich ihr eröffnen werden und für die sie Worte finden muss. Der Bleistift ist gespitzt….

 

Liebt Juliette ihren Roméo wirklich?

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Susanne Bunka über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Ein musikalisch wunderbarer Abend mit tollen Stimmen; besonders Ovidiu Purcel mit seinem strahlenden, mühelosen Sopran hat mich begeistert. Auch Luiza Fatyol als Juliette und Bogdan Talos in der Rolle des Bruder Laurent
überzeugten stimmlich!
Der Chor sang wunderbar; das Orchester tat, was es tuen soll…..es begleitete Solisten und Chorsänger professionell wohlklingend.
Das Bühnenbild erschien zeitweise deprimierend dunkel, aber das passte zum wirklich nicht lustigen Thema…..ein liebendes Paar darf nicht zueinander finden, denn dies würde alten, festgezurrten Regeln und Bestimmungen widersprechen.
Philipp Westerbarkei hat in dieser Inszenierung mehr das Verlogene, Patriachaische, Konservative der Gesellschaft herausgestellt, als die Liebesgeschichte selbst……denn liebt Juliette ihren Roméo wirklich? Oder ist er mehr eine Option ihrem goldenen Käfig zu entfliehen.
In dieser Aufführung scheint Roméo der große und einzige wirkliche Verlierer zu sein; seine Liebe erscheint echt und tief….er ist ja auch derjenige, der am Ende stirbt. Juliette entscheidet sich doch für ihren Käfig und folgt Paris; diese Möglichkeit scheint doch angenehmer zu sein als der Tod. Sie ist halt doch die Tochter ihres „Dandyvaters“ und Anhängerin des opulenten, angenehmen Lebens; einen Versuch war es aber wohl wert…..
Ein wenig verwirrend erschien mir das „verliebte Paar“, das stimmlos seine verspielte, jugendliche Zuneigung zeigte. Waren es die Protagonisten in ihrer Jugend oder Wunschträume, die nicht ausgelebt werden durften? Für mich waren sie überflüssig!
Überflüssig erschien mir auch das Stuhlkonstrukt, auf dem Juliette mehrmals akrobatisch bewundernswert singen musste. Dass es ggfs. der berühmte Balkon sein sollte, wurde mir erst später klar; ein italienischer Brauch, Bräute auf Stühle zu stellen, existiert auch. Ich hätte auf diesen „Nervenkitzel“ verzichten können.

Romeo und Julia sind hier also nicht nur das liebende, sich nacheinander verzehrende Paar, sondern zwei Menschen, die versuchen, bestmöglich ihr Leben zu leben, auch auf die Gefahr hin, durch Egoismus zu verletzen.

Bunka_Susanne_Foto2_Andreas_EndermannSusanne Bunka
Inhaberin des Angercafés in Urdenbach

Vor drei Jahren hat sich die ehemalige Kinderkrankenschwester Susanne Bunka einen Traum erfüllt: Zusammen mit ihrer Tochter betreibt sie das Angercafé in Urdenbach – ein Treffpunkt für alle Generationen, in dem auch Lesungen und kleine Konzerte und Chorproben stattfinden. Sie liebt die großen Opernklassiker, ist gleichermaßen offen für zeitgenössisches Musiktheater und Ballett und freut sich darauf, Ihre Eindrücke auch in ihrer zweiten Spielzeit als Opernscout im Gespräch zu vertiefen.

Griechische Mythologie im Doppelpack

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Pygmalion FOTO: Birgit Hupfeld

Astrid Klooth über die Premiere von „Pygmalion / Ariadne“

Die beiden Einakter boten zwei jungen Regisseuren  des Hauses eine Plattform, sich eigenständig zu profilieren. Beide Werke entstammen unterschiedlichen Epochen und Musikrichtungen, ähneln sich aber im Hinblick darauf, dass sie Bearbeitungen altbekannter Topoi der griechischen Mythologie darstellen.
Donizettis vorgeblich erstes Werk „Pymalion“ wurde erst mehr als 40 Jahre nach Entstehung, nämlich 1860, in Bologna uraufgeführt. Der bekannte antike Stoff des Künstlers Pygmalion, das genaue Gegenteil eines Frauenverstehers, verliebt sich dennoch in die von ihm erschaffene Statue, die durch göttliche Hand zum Leben erweckt wird, und beide zu einem glücklichen Paar werden lässt. Das Bühnenbild ist ganz in der Tradition des Historismus der 1850er Jahre verhaftet – weitere Götterwesen-Statuen umschwirren Pygmalion in dessen Atelier, was auf  den heutigen Betrachter unfreiwillig komisch wirken mag, aber doch die Entstehungsepoche des Einakters widerspiegelt. Alles andere als statisch und verstaubt klang die wunderbare Tenorstimme von Ovidiu Purcel (Pygmalion).
Nach der Pause folgte ein musikalisch gänzlich anderes Werk, was sich auch in dem abstrakten, von Licht und Zeichensymbolik  geleiteten Bühnenbild zeigte. Das rund 100 Jahre jüngere Werk „Ariadne“ ist reich an psychologischen  Anspielungen, dem Kampf des Menschen zwischen körperlichem Trieb und Emotionen auf der einen, und kühler Ratio und Intellekt auf der anderen Seite. Diese Zerrissenheit in der Figur des Minotaurus und die Vielfarbigkeit der Musik, die folkloristische, barocke und neoromantische Anklänge aufweist, werden durch das farblich stark wirkende, ästhetisch-abstrakte Bühnenbild trefflich wiedergegeben. Musikalisch beeindruckte mich besonders die Sopranistin Heidi Elisabeth Meier in der Partie der Ariadne.
Fazit: Ein besonderes Erlebnis – unbedingt hingehen!

OpernscoutsAstrid Klooth
Oberstudienrätin im Hochschuldienst
Langjähriges Mitglied im Philharmonischer Chor, Mitwirkende im Theaterring Duisburg und Besitzerin eines Opernabonnements – Astrid Klooth ist dem Orchester und Theater seit vielen Jahren verbunden. Besonders wichtig bei der Rolle als Opernscout ist ihr der Meinungsaustausch mit den anderen Scouts über die Premieren. Die Uni-Dozentin hat fast täglich mit jungen Menschen zu tun und hofft, durch ihre Beiträge ihr Interesse am Musiktheater einer breiteren Schicht zugänglich machen zu können.