Georg Hess über b.32

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Messfeier auf Schläpfer Art

Anders als bei den meisten sonstigen Ballettabenden der „b“-Reihe steht heute eine einzige, über mehr als 100 Minuten währende Uraufführung auf dem Spielplan, für deren Choreografie Martin Schläpfer steht.
Grundlage des Abends ist die „Petite Messe solennelle“, ein Spätwerk Gioacchino Rossinis aus dem Jahre 1863, eine sich an liturgischen Regeln orientierende musikalische Messfeier.
Nur wenige Instrumente (zwei Klaviere und ein Harmonium) schaffen mit einem (leider nicht optisch) sehr präsenten Chor mit vier Solisten (Sopran / Alt / Tenor / Bass) eine sehr innige und kraftvolle Ausgangssituation für die Tänzer. Und Tänzer gibt es reichlich an diesem Abend! Das komplette und famose Ensemble der Oper am Rhein ist mal mehr und mal weniger auf der Bühne zu sehen.
Die Tänzer präsentieren ein beschauliches Dorf in Italien in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts. Die Handlung beinhaltet zwar sakrale Elemente, die aber nicht die zentrale Rolle im eher ausgelassenen und manchmal auch schrägen Spiel und Tanz der Akteure übernehmen.
Einen wirklich nachvollziehbaren Handlungsstrang erkenne ich an diesem Abend nicht. So lasse ich mich neben der Musik besonders von der bei Inszenierungen von Martin Schläpfer verlässlich dargebotenen Ästhetik der Bewegungen beeindrucken. Die in Braun- und Grautönen gehaltenen Kostüme und das reduzierte Bühnenbild vervollständigen die Stimmung.
Wenngleich mir die in drei voneinander unabhängige Einzelstücke aufgeteilten Ballettabende mehr zusagen, war auch diese Inszenierung ein besonderes Erlebnis. Man darf sich als Düsseldorfer glücklich schätzen, einen solch außergewöhnlichen Choreographen regelmäßig „vor Ort“ in der Oper genießen zu dürfen.

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Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.