Finale

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Sandra Christmann über die Premiere von „Young Moves“

 

Was für ein Bühnenbild von Brice Asnar!!!! in dem ersten Stück AS IT LEAVES von Brice Asnar. Anfangs dachte ich, als die Puppen in die den Himmel stiegen: Respekt, was für eine Körperspannung, es dauerte also zu realisieren, dass es sich um Puppen handelt. Ein gelungenes Moment.
Und dann ein Pax de deux, mit Wun Sze Chan und Daniel Vizcayo, das mit unglaublicher Präzision, Anmut und Reinheit getanzt wurde, modern und choreografisch mein absolutes Highlight an diesem Abend. Ich habe kaum geatmet, weil ich nicht eine Bewegung verpassen wollte.
Musikauswahl: großartig.
Die beiden haben mich so berührt, dass mir völlig klar war, dass nichts mehr folgen kann, was mich noch mehr begeistert. So war es dann auch, dennoch es folgten noch weitere Highlights, sie reichten nur nicht mehr an die wunderbare Inszenierung von Brice Asnar heran.

UNQUALIFIED von Helen Clare Kinney
Überraschend die Kostüme von LYCS Kollektiv, cool und futuristisch – neu und anders. Ebenso wie die Choreografie: von großer Varianz und reich an Überraschungen.
Möglich, dass, ein Störer die Konzentration der Zuschauer bricht, sie erheitert, sie einfängt – so ein Bruch kann die Atmosphäre in Sekunden verändern – leider in jede Richtung. Dass mir sich nicht erschließende Ikea Intermezzo, hat für kurzzeitige Erheiterung, Befremdung beigetragen, war aber im Gesamtkontext unnötig.
Aber auch hier, tänzerisch war der Auftritt ein Genuss.

Bei OPUS 29 von Michael Foster, Musik die Toteninsel von Rachmaninow, legte sich die Musik auf den Tanz. Die Dramatik der Musik überrannte teilweise die Choreografie, die hervorragend ist.
Starke homogene tänzerische Gruppe, ebenso starke pax de deuxs – die der Musik dann wieder standhalten konnten.
Dass sich die Gruppe dem Publikum stellte, geschlossen, Auge in Auge, hat aufgeweckt.
Fosters Bühnenbild ist großartig – das 2. Bühnenbild an dem Abend, das in diesem Falle akzentuiert einfache, weiße, rechteckige Flächen/Leinwände auf den Punkt inszeniert, einen tollen Raum schafft.
Aber auch hier waren die Einheit von Bühnenbild (sehr sehr toll), Choreografie, tänzerische Leistung, Kostüme (erster Eindruck:  gutsituierte Hampton Strandcocktailgänger) insgesamt eine exzellente, bereichernde Performance.

ROCOCO VARIANTIONS von So-Yeon Kim.
Beim klassischen Finale wurde es auch dann sehr klassisch.
Zurück ins Ballett. Tschaikowsky, Tütüs, perfekter Tanz. Eine schöne Choreografie, insbesondere mit der Aufhebung der klassischen pax de deux Besetzung: Mann / Frau.
Hier hat auch der moderne Tanz zeitweise Einzug gehalten. Gelungen und sehr schön anzusehen.

Der Abend war insgesamt großartig, toll und ich bin besonders dankbar für Brice Asnar.

Voller Qualität, Überraschung, Excellenz und Schönheit. Inhaltlich, choreografisch und optisch hat das Ensemble der Oper mal kurz gezeigt, dass die Welt auf der Bühne unserer deutschen Oper am Rhein zu Hause ist! Variantenreich und sehr sehr kreativ. Bämm! Danke.

Christmann_Sandra_Foto2_Andreas_EndermannSandra Christmann
 Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf, ihre Wahlheimat, und die Kunst. Sie engagiert sie sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben dieser Arbeit hat sie ein Hilfsprojekt in Kenia ins Leben gerufen. Ihr Netzwerktalent, die Liebe zur Kunst und zum Schreiben nutzt sie jetzt auch als Opernscout.

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Besuch sehr empfehlenswert

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Hubert Kolb über die Premiere von „Young Moves“

Der Ballettabend Young Moves gab zwei Tänzerinnen und zwei Tänzern des Düsseldorfer Balletts die Gelegenheit, mit einer eigenen Choreographie ihre Fähigkeiten zur Gestaltung eines Ballettstückes zu erproben. Das Ergebnis war heterogen, und genau darum war es ein sehr anregender Abend!

Brice Asnar hat sich mit AS IT LEAVES der Thematik von Trauer und Verlust gewidmet. Das Anfangsbild mit in die Höhe schwebenden Tänzer-Puppen war eindrucksvoll und symbolisch. Dann folgte ein technisch eindrucksvoller rasanter Paar-Tanz, der für mich seelenlos und nicht berührend wirkte – schade. Das Bühnenlicht war allerdings toll.

Helen Clare Kinney bezog in UNQUALIFIED das Ensemble von sechs Tänzer/innen in die Entwicklung der Choreographie mit ein. Heraus kam ein heterogenes Stück mit vielen Brüchen, welches mich nicht berührte oder anderweitig überzeugte.

Michael Foster hatte mit OPUS 29 bereits zum dritten Male die Gelegenheit zu einer eigenen Choreographie. Die Umsetzung der Musik von Rachmaninoff über Böcklins Bilder der Toteninsel (op.29) gelang den neun Tanzenden großartig, mit eher klassischem Tanz aber moderner Personenregie und Lichteffekten. Zum Schluss gehen alle, zum Teil widerstrebend, sehr langsam in das große Licht – die Ewigkeit.

Auch So-Yeon Kim lieferte mit ROCOCO VARIATIONS bereits ihre dritte Arbeit ab. Alles war klassisch gefällig, mit dem Cellokonzert von Tschaikowski als Leitmusik. Was ist hier neu und modern, fragte ich mich – bis ein Zwischenspiel mit einem erotischen Tanz von zwei Tänzerinnen, und danach von zwei Tänzern ein aktuelles Thema aufnahm. Beim schnellen Schlusssatz des Musikstückes mit allen sechs Tanzenden ging diese gesellschaftspolitische Spannung wieder verloren.

Das war für uns Opernscouts die letzte Premiere der Saison. Rückblickend dominiert die Wahrnehmung, dass hier Oper und Ballett auf hohem, oft höchstem Niveau präsentiert wurde, mit großem Aufwand für zum Teil nur wenige Vorstellungen, und in einer enormen kulturellen Breite. Es ist großartig, dass es sich unsere Gesellschaft (noch) leisten kann, Hochkultur in diesem Umfang zu ermöglichen.

Kolb_Hubert_Foto_Andreas_EndermannDr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt

 

 

Großartige Kunst!

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Benedikt Stahl über die Premiere von „b.40“

Was mit b.40 auf der Düsseldorfer Bühne gezeigt wird, ist durchdrungen von Experimentierfreude,  wunderbaren Bildern und Lust an reinster Darstellung. Von der ersten bis zur letzten Minute füllen vor allem die Tänzer und Musiker die Oper mit großartiger Kunst!
Es beginnt mit Pacific von Mark Morris, dessen im Programmheft wiedergegebenes Zitat: „I‘m a musician and my medium is dancing“ eindrucksvoll nachzuvollziehen ist. Bewegung, Musik und Bilder fließen ineinander wie die intensiven Farbverläufe des Lichts und der Kostüme. Alles ist erstklassig aufeinander abgestimmt.

Locus Trio von Trisha Brown ist mein Lieblingsstück an diesem Abend. Eine Aufführung ganz ohne Musik. Die Bewegungsabläufe der Tänzer interagieren mit unsichtbaren Ordnungsstrukturen im Raum. Sie be- und umschreiben einen sich zunehmend verdichtenden Ort. Das stille Spiel der Tänzer hat zugleich etwas geheimnisvolles wie klärendes. Ihre tranceartige Stimmung springt über, ich könnte ihnen noch stundenlang so zusehen.

Dann Night Wandering von Merce Cunningham. Ein erzählerisches Stück und in seiner Entfaltung ein sehr gelungener Kontrast zur vorherigen Aufführung. Die Szene wird von einem Mann in orange und einer Frau in Fellkleid bestimmt. Diese Kostümentwürfe nach Ideen des Künstlers Robert Rauschenberg, nehmen die Betrachter mit in eine Welt jenseits aller Zivilisation. Die suchende Bewegung der beiden Gestalten durch den dunklen Raum hat etwas ursprüngliches und ihr Verschmelzen im Mondlicht der Schlussszene bleibt eindrucksvoll in meiner Erinnerung.

Zum Abschluss dann noch die Offenbach Overtures. Mir ehrlich gesagt zu voll, zu laut, zu rot und viel zu grell. Allerdings bin ich auch überhaupt kein Offenbach-Fan und die tänzerische Leistung der großen Truppe ist ganz ohne Zweifel erstklassig!

Insgesamt ein wunderbarer Abend, der sich wirklich gelohnt hat und der übrigens nochmal ein ganz anderes Amerika zeigt, als das, was sich in der Tagespresse fortwährend festsetzt: frisch, spielerisch, intensiv, freidenkend, avantgardistisch.

Bravo!

Stahl_Benedikt_Foto2_Andreas_EndermannBenedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit: Wie Bild, Musik und Darstellung hier zusammen wirken, fasziniert ihn. Als interdisziplinär denkender Grenzgänger ist er auch an der Alanus Hochschule Bonn-Alfter tätig: Was  Architektur mit Schauspiel, Wirtschaft mit Kunst zu hat – diese Fragestellungen interessieren ihn auch in der Lehre. Nicht nur die Oberfläche, sondern die spannenden Zusammenhänge will er nun als Scout für Oper und Ballett entdecken.

 

 

 

 

 

 

 

Der ganz normale Wahnsinn

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Benedikt Stahl über die Premiere von „Pique Dame“

Für diesen kurzen Beitrag überlasse ich die Zusammenfassung der Handlung den Opernführern.
Nur soviel: es geht um Leben und Tod, Verzweiflung, Liebe, Eifersucht, Gier, Glück, Betrug, Enttäuschung, Lust und Leidenschaft. Der ganz normale Wahnsinn also.

Tschaikowski malt für diesen Rausch die facettenreichsten Bilder. Durchdringend, gewaltig, tiefgehend, schön. Alle Sänger und Musiker geben ihr bestes. Wunderbar! Für mich, als Hobbykoch, bleibt da kein Wunsch übrig.
Die Bühne ist fantastisch! Das ist kein Bühnenbild, das ist Bühnenraum! Bärbl Hohmann bespielt mit ihren Ideen die ganze Klaviatur der Raumkunst. Von opulenter Überfülle bis zum beinahe Nichts gelingt ihr ein großer Wurf! Dazu das Licht, gestaltet von Stefan Bolliger, der schon die Maria Stuarda so grandios in Szene gesetzt hat, einfach genial! Die beiden muss man sich merken!
Von den durchgängig sehr guten Darstellern bleiben mir persönlich zwei Personen in besonderer Erinnerung. Hermann, die zentrale Figur im Stück, stark gespielt und gesungen von Sergey Polyakov. Irgendwie eine Art ungepflegter „Nerd“, ein Außenseiter, der sowohl in seiner äußeren Erscheinung wie auch in seinem ganzen Habitus eine Sonderrolle einnimmt. Der Getriebene ist in seiner besinnungslosen Verliebtheit in die etwas dümmlich scheinende Lisa vollkommen außer sich. Zutiefst erschrocken über die unzähmbare Kraft seiner Liebesgier, rast er unaufhaltsam dem Abgrund entgegen. Man ahnt, dass es die Verzweiflung des Komponisten selbst sein muss, die dieser Figur ihre außerordentliche Kraft gibt.
Dann die Gräfin, die Gralshüterin. Vom ersten Moment an wird klar, dass nur sie das große Geheimnis kennt, dass nur sie wirklich etwas versteht von Liebe, Freiheit und Leidenschaft. Hanna Schwarz zeigt mit ihrer wunderbaren Stimme und jeder noch so kleinen Geste die Tiefgründigkeit dieser Figur. Kein Wunder, dass die eigentliche Liebe – nicht das Verliebtsein – zwischen diesen beiden spielt.

Unvergesslich! Riesenapplaus! Reingehen!

Stahl_Benedikt_Foto2_Andreas_EndermannBenedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit: Wie Bild, Musik und Darstellung hier zusammen wirken, fasziniert ihn. Als interdisziplinär denkender Grenzgänger ist er auch an der Alanus Hochschule Bonn-Alfter tätig: Was  Architektur mit Schauspiel, Wirtschaft mit Kunst zu hat – diese Fragestellungen interessieren ihn auch in der Lehre. Nicht nur die Oberfläche, sondern die spannenden Zusammenhänge will er nun als Scout für Oper und Ballett entdecken.

Die Oppulenz des großen Gatsbys

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Sandra Christmann über die Premiere von „Pique Dame“

Bämm, schon das Opening der 50er Jahre Kostüme geht so extrem in Vorkasse, dass  nichts folgen könnte, was diese Impression schwächt. Aber sie kann gesteigert werden und das wird sie. Ich muss das hier jetzt mal sagen: Was für sensationelle, perfektionistische Kreationen und Choreografie der Kostüme.

Oppulent, dekadent, commedia dell’arte at it’s best – ein großes Kompliment an Ursula Kudrna! Genrewechsel, epochengetreu und so großartig interpretiert.
Es ist nicht zu toppen. Jedes Detail, inklusive Maske, jedes Accessoire – ist perfekt und macht Spaß – ein Augenfest! Jeder Kostümwechsel und dessen Inszenierung erinnert an die Oppulenz des großen Gatsbys.

Und dann das Bühnenbild. Spontan erinnert es an den nordischen Pavillon in den Guardini auf der Biennale in Venedig und an die Jeff Walls „Morning Cleaning“ des Mies van der Rohe Baus – und so sieht es aus – wie ein Mies van der Rohe Entwurf. Großartig. Mit dem Pool in der Mitte. Chapeau Bärbl Homann.
Kostüme und Bühnebild sind für mich eine Eins mit Sternchen.

Dass ich eher der visuelle Typ bin, zeigt sich darin, dass ich Stunden über Kostüme und Bühne schreiben könnte und in diesem Fall die Inszenierung, die mir durchaus gefallen hat, nicht in dieser Ausführlichkeit beachten kann.

Pique Dame von Tschaikowsky – sehr umfangreich. Keine Längen, eine wunderbare, schöne Komposition.
Eine tolle Besetzung, aber herausragend für mich: „Die Gräfin“, Hanna Schwarz. Eine besondere Stimme, die nicht schmettert, sondern unaufdringlich Präsenz schafft mit einer unvergleichlichen Stimmfarbe. Als Laie kann ich es mehr nicht interpretieren, aber sie macht Freude.
Wirklich gewachsen im Rahmen der Inszenierung ist Lisa, anfangs noch unscheinbar und auch recht unattraktiv in ihrer gesamten Präsenz, wird sie zunehmend einnehmender, gewinnender und reißt dann die gesamte Aufmerksamkeit an sich.
Fast wie eine Metarmorphose entwickelt sich die junge Frau in die Grande Dame.
Beeindruckend.

Mein Fazit: Pique Dame: Absolut „Sehens“-wert!!

Christmann_Sandra_Foto2_Andreas_EndermannSandra Christmann
 Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf, ihre Wahlheimat, und die Kunst. Sie engagiert sie sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben dieser Arbeit hat sie ein Hilfsprojekt in Kenia ins Leben gerufen. Ihr Netzwerktalent, die Liebe zur Kunst und zum Schreiben nutzt sie jetzt auch als Opernscout.

Statt zu essen – mal ein perfektes Ballett-Menu genießen

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Michael Langenberger über die Premiere von „b.40“

Wer ins Gourmet-Restaurant geht, weiß vorher, dass es da nicht um Burger- oder Pizza geht. Genauso wie jemand, der zum Ballett in die Düsseldorfer Oper geht, eben auch vorher weiß, dass ihm eine Auswahl erlesenster tänzerischer “Gourmet-Stücke” kredenzt werden. So auch jetzt wieder bei „b.40”.
Chefchoreograph Martin Schläper hält unter der großen Überschrift American Modern Dance ein fein abgestimmtes Ballett-Menu, äußerst unterschiedlicher, doch gerade dadurch sich ergänzender Inszenierungen für uns bereit. Für jeden Geschmack etwas; für den Ballett-Gourmet purer Genuss.

“Vorspeise” Pacific – Choreographie: Mark Morris
Moderne Klänge, die zwar harmonisch sind, jedoch nicht unbedingt musikalisch leicht ins Ohr gehen, bereiten Alina Bercu, Doo-Min Kim und Franziska Früh einen spritzigen Auftakt für ein farbenfrohen Auftritt von insgesamt 9 Tänzerinnen/Tänzern, der raumgreifend und abwechslungsreich Ohren und Augen Spass bereiten. Die Perfekte Grundlage für Lust auf mehr.
“1. Zwischengericht“ Locus Trio – Choreographie: Trisha Brown
Meine Sitznachbarn tuschelten “… das kann ich auch…”. Ich schätze mal, meine Sitznachbarn irren da gewaltig. Zwei Tänzerinnen und ein Tänzer, alle ganz in weiss gekleidet, liefern verschiedenste auf sich und das System organisierte Bewegungsmuster, innerhalb eines auf dem Tanzboden markierten Carrés, in bestem Modern-Dance-Verständnis ab. Obwohl ohne jegliche Musik, erleben wir Takt, Rhythmus und Dynamik. Konzentration auf Bewegung, den begrenzten Raum und Achtsamkeit auf die Mittänzer. Ein “Filetstück” Modern-Dance- Genusses (im Sinne von Modern Dance = Ballettqualität ohne gestellte Figuren und konzentriert auf optimale natürliche Körperbewegungsfähigkeit).
“2. Zwischengericht” Night Wandering – Choreographie: Merce Cunningham
Zu teilweise dissonanten Klängen mit einigen rhythmischen Brüchen, virtuos gespielt begleitet Alina Bercu am Klavier, Wun Sze Chan und Bruno Narnhammer bei ihrer Nachtwanderung in einem Modern-Dance Pas de deux. Das lange Fell-Kleid von Wun Sze Chan wirkt dabei auf mich gelegentlich sie in ihrer Bewegungsfähigkeit begrenzend. Doch hat die sich aus den Materialgründen ergebene Geradlinigkeit ihrer Bewegung auch ihren Reiz. Ich fand es eine extravagante Darbietung. Also noch ein „Filetstück“ zusammen mit der Musik dazu, den gesamten Rahmen von Modern-Dance Interpretation nutzend.
“Dessert” Offenbach Overtures – Choreographie: Paul Taylor
Spritzig, wuchtig, farbenfroh und musikalisch für die nicht so experimentierfreudigen Ballettbesucher, vollständig versöhnend, dann zu Abschluss szenisch getanzte Beobachtungen aus dem normalen Leben aus Offenbachs Zeit. Es geht um Liebe, sich necken, Duell und Versöhnung, Soldaten und elegante Damen, alle in knallroten Kostümen, besonders wirksam durch einen weißen Tanzboden in Szene gesetzt. Ein Augen- und Ohrenschmaus, so wie witziges Ballett, perfekt getanzt, gerne gesehen wird.

Ein vorzüglich zusammengestelltes Menu, mit feinsten Zutaten, großem Können aller “Köche” die dazu beigetragen haben; spitzig, anmutig, vielfältig. Sattgesehen und gehört, ohne erschlagen zu sein. Ein gelungener Abend.

Opernscouts 2018 / 2019

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt: Auf Standard und Latein folgten Salsa und Modern Contemporary Dance im tanzhaus nrw, wo er auch an öffentlichen Performances mit Profis und Laien mitwirkte. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze.

Eine Erfrischung mit Tiefgang

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Markus Wendel über die Premiere von „b.40“

Mit der vorletzten Ballett-Kreation dieser Spielzeit wird uns ein ganz besonderer Abend versprochen, mit vier gänzlich unterschiedlichen Stücken in der großen Tradition des American Modern Dance. Die Stücke sind allesamt nicht neu, feiern aber in dieser Zusammenstellung eine interessante und einzigartige Premiere.

Den Auftakt macht mit PACIFIC ein locker-leicht getanztes Stück, mit unangestrengter Piano- und Streicher-Begleitung. Alle Tänzerinnen und Tänzer tragen Röcke, was vielleicht seltsam klingen mag, im Ergebnis aber einige wunderbar ästhetische Bilder liefert. Ein gelungener Auftakt.
Nach der ersten Pause erleben wir zwei anspruchsvolle und kurze Stücke. LOCUS TRIO ist eine Art vertanzte Yoga-Stunde, in klinisch reiner Erscheinung, ohne Musik, und mit Bewegungsabläufen, die mich an einen mathematisch-geometrischen Zufallsmodus erinnern.
NIGHT WANDERING finde ich in seiner musikalischen Untermalung durchaus anstrengend, überzeugt mich allerdings mit einigen wirklich interessanten Haltefiguren, und einem nachdenklichen, intimen Ende.
Auch zeitlich eine angenehme Punktlandung.
Nach der zweiten Pause wird es turbulent. OFFENBACH OVERTURES ist sehr lebendig, mit einer ordentlichen Portion Humor, verrückten Charakteren, und einer Vielzahl kleiner Geschichten. Für mich das Highlight des heutigen Abends, vor allem aufgrund der musikalischen Eingängigkeit, vielen bekannten Melodien, und einer wirklich einfallsreich-witzigen Choreographie. Großes Lob auch an die Beleuchter, die es geschafft haben, gänzlich ohne Kulissen einen atmosphärisch dichten Rahmen zu schaffen, was für alle Stücke des heutigen Abends gilt.

Zusammenfassend ein wirklich schöner Ballett-Abend, den ich gerade aufgrund der gebotenen Vielfalt in guter Erinnerung behalten werde. Vielen Dank, und gerne mehr davon!

Wendel_Markus_Foto_Andreas_EndermannMarkus Wendel
Feuerwehrmann in Düsseldorf

Als neuer Scout folgt Markus Wendel in der Spielzeit 2018/19 frühen Spuren seiner Opernbegeisterung: Seine erste Begegnung mit Richard Wagners „Götterdämmerung“ hatte er 2003/04 im Düsseldorfer Opernhaus, und schon damals begeisterte ihn Linda Watson als Brünnhilde. Als Feuerwehrmann der Landeshauptstadt Düsseldorf kümmert sich Markus Wendel um die strategische Planung und Einsatzorganisation. Ganz besonders schätzt er seine Dienste im Opernhaus: Als Brandsicherheitswache beobachtet er die Aufführung dann von der Seitenbühne aus. „Ich mag das Gewusel hinter den Kulissen“, sagt der 39-Jährige. Was ihn aus dieser Perspektive besonders anspricht, schaut er sich gern noch einmal mit Freunden oder der Familie aus dem Zuschauerraum an.