Unsere Liebesverhältnisse bestimmen unsere Lebensverhältnisse

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Dirk Sander über die Premiere von „Die Walküre“ im Theater Duisburg

Mit der „Walküre“ legt Regisseur Dietrich W. Hilsdorf Wagners erotische Gesellschaftskritik offen. Im Kern der heroischen Tragödie entwickelt er ein bürgerliches Liebes- und Familiendrama ibsenschen Ausmaßes, fulminant intoniert im Duett des schwedischen Tenors und ehemaligen Rock-Sänger Daniel Frank (Siegmund) und der hochdekorierten Mezzosopranistin Sarah Ferede (Sieglinde). Standing Ovation bereits nach dem ersten Vorhang! Zuvor wurden wir ohne Vorwarnung Zeuge der heimlichen Annäherung zweier Liebender in Not, die von dem Schicksal, das sie zusammenführte ebenso wenig ahnen wie von dem, was sie am Ende trennen wird: Die Zwillinge Siegmund und Sieglinde, Wotans frevelhafte Zeugnisse seiner eigenen Untreue, begegnen sich in Hundings Hütte. Sieglindes räuberischer Ehemann gewährt Siegmund ein letztes nächtliches Asyl – bevor sich bei Tagesanbruch die männlichen Helden zur Wiederherstellung der Ehre und des göttlichen Rechtes duellieren müssen. Die feindliche Burg, von dem kongenialen Dieter Richter als kammerartiger Raum in einer verwaisten Industriehalle (besser: Bunkeranlage) klaustrophobisch in Szene gesetzt, wird zur Heimstatt der reinen, natürlichen Liebe zwischen Mann und Frau, die der inzestuöse Tabubruch noch betont: Nur der freie, autonome Mensch ist imstande, mit den sich in ihren eigenen Verträgen und Gesetzen verstrickenden Göttern zu brechen. Das postapokalyptisch anmutende Abschlusstableau im dritten Aufzug steht dann ganz im Vorzeichen der durch Liebe den Göttern abgetrotzten neuen Freiheit des Menschen und der daraus erwachsenden Verantwortung des Individuums. Ein Vorglimmen auf das existentialistische Weltbild des Fin de Siècles. Im letzten Bilderrausch stimmte alles: die mitreißend orchestrierenden Duisburger Philharmoniker, die begeisternd singenden flammrotgewandeten Walküren, dystopisch untermalt durch die marionettenhaft aus einem geisterhaften Hubschrauberwrack auferstehenden untoten Helden vergangener Schlachten, ein letztes kongeniale Zitat Richters aus Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“! Tosender Beifall – total verdient. Unbedingt anschauen!

OpernscoutsDirk Sander
Inkubator Manager
„Break up the concrete“ lautet das Motto des gebürtigen Duisburgers, der früher schon als Regiehospitant an der Deutschen Oper am Rhein tätig war und seitdem auf viele verschiedene Rollen in seinem Lebenstheater zurückblickt. Ob als Banker, Entwicklungshelfer in Afrika oder Inkubator beim Social Impact Lab in Duisburg – Dirk Sander möchte mit seinen Fragen und Ideen etwas für eine gerechtere Gesellschaft bewirken. Durch das Scout-Projekt kann er nun seine Verbundenheit mit der Oper wieder aufleben lassen – statt hinter der Bühne nun im Zuschauersaal.

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Ein Abend voller Gänsehaut

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Die Walkuere FOTO: Hans Jörg Michel

Kerstin Hein-Flügel über die Premiere von „Die Walküre“

Wenn etwas großes, weltbekannt-berühmtes auf Sie wartet ist man aufgeregter als sonst, denn allein zwei Worte sprechen für sich: Wagners „Walküre“ hatte ich noch nie im Theater gesehen und mich irgendwie immer davor gedrückt.  Zu Unrecht, denn es folgte ein Abend voller Gänsehaut. Es beginnt in einer bunkerartigen Behausung mit offener Feuerstelle, Waffenkisten liegen auf dem Boden und das Sofa stammt aus besseren Zeiten. Im Baumstamm steckt das Schwert und trotz Fenster wirkt alles dennoch nebelig dunkel, nicht einladend aber auch nicht abstoßend. In diesem Bild spielt die ganze Oper, erweitert sich gleichwohl von Akt zu Akt. Schließlich findet sogar ein abgestürzter Hubschrauber noch Platz und erinnert an eine andere Apokalypse aus dem Kino.
Die Gesangsleistungen beeindrucken mich mehr. Allen voran Sieglinde, Wotan und Siegmund haben mich mit Ihrer Strahlkraft maßlos begeistert; überwältigend und auch irgendwie schön. Gesang, Musik und Text sind passgenau geschnitten, so wie die feuerroten Kleider der Frauen. Einen so fantastisch exzellenten Gesang und eine derart kraftvolle und grandiose Darbietung habe ich selten in Duisburg erlebt. Aber die Musik fesselt mich noch mehr. Dynamisch und präzise fordert Sie meine Aufmerksamkeit, erweckt alles zum Leben und hält mich fünf Stunden lang gebannt in einem Wechselbad der Emotionen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Kaum zu glauben, was aus dem Orchestergraben für eine fabelhafte Musik zu Vorschein kommen kann. Und das ist es auch, was sich mir nach diesem berauschenden Abend noch lange ins Gedächtnis fest setzten wird.  Das Orchester der Duisburger Philharmoniker unter Axel Kober spielte so grandios und bekam von mir und allen anderen den längsten Applaus, den ich seit langer Zeit erlebt habe. Jetzt bin ich neugierig auf die Fortsetzung und werde mich vor Wagners Ring nicht mehr drücken.

Opernscout Kerstin Hein-FlügelKerstin Hein-Flügel
Inhaberin FLORES Duisburg
Die Floristmeisterin und Dekorateurin, die sich mit ihrem Blumenladen „Flores“ in Duisburg selbstständig gemacht hat, ist mit dem Kunsthandwerk groß geworden: Schon ihre Eltern hatten ein Floristikgeschäft. Kerstin Hein-Flügel beschreibt sich als kreativen Charakter, der sich nicht nur von der Natur, sondern auch von Kunst und Musik inspirieren lässt. In ihrer Freizeit geht sie gern und oft in die Oper. Nun möchte sie im Austausch mit den anderen Opernscouts ihre Gedanken nach außen tragen.

Wagner hat mich am Schlafittchen!

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Siegfried FOTO: Hans Jörg Michel

Anna Schudt über die Premiere von „Siegfried“

Die Geschichte von Siegfried, so anders zur Walküre, so am Boden und doch wieder psychologisch so interessant. Schon der erste Akt lotet Vater-Sohn Konflikte aus, große Familiendramen überall. Wotan als Weltenumradler, der bedrohliche Lokwurm kriecht aus seiner Höhle und weiter und weiter, getrieben von Wagners ungeheuerlicher Musik und diesen Sängern, allen voran Michael Weinius als Siegfried, der aussieht wie ein zu groß gewordenes Kind, was wunderbar passt im körperlichen Gegensatz zu Cornel Frey als Mime. Im zweiten Akt kommt eine Vogelstimme, ein Sopran, der nach den Stunden ausschließlichen Männergesangs hocherfreuend wirkt. Es wird viel erzählt in diesen 5 Stunden, wenn man etwas über die Geschichte des Ringes weiß versteht man sehr viel mehr, also ist Vorbereitung auf den Stoff auf jeden Fall empfehlenswert. Der dritte Akt wurde mir etwas lang mit dem sehr langen Liebesduett, aber wie man das interessanter inszenieren könnte weiß ich auch nicht. Linda Watson und Herr Weinius schmettern sich die Seele aus dem Leib, man kann buchstäblich sehen wie diese Musik an den Sängern zehrt. Vielen Dank für diesen Abend, für diesen Aufwand und diese Kraft.

Anna Schudt
Schauspielerin
Sie ermittelt als Hauptkommissarin Martina Bönisch im Dortmunder „Tatort“. Nach festen Engagements an den großen Bühnen in Berlin (Schaubühne) und München (Kammerspiele, Residenztheater) ist sie in Düsseldorf heimisch geworden:  Zusammen mit ihrem Mann Moritz Führmann spielte sie die Hauptrolle in „Anna Karenina“ am Düsseldorfer Schauspielhaus. Neben Anna Schudts Theaterleidenschaft interessiert sie sich sehr für den ganz anderen künstlerischen Ausdruck in Oper und Ballett. Diese Erlebnisse nun als Opernscout in Worte zu fassen, bedeutet für sie eine spannende Herausforderung.

Eine Frage des Geschmacks

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Siegfried FOTO: Hans Jörg Michel

Georg Hess über die Premiere von „Siegfried“

Hinreißende Musik der Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung des Dirigenten Axel Kober erwartet einen im dritten Teil von Wagners Ring des Nibelungen.
Welch eine Leistung des Orchesters, das hohe Spielniveau über fünf Stunden durchzuhalten. Auch der nur aus acht Personen bestehenden Besetzung, allen voran Michael Weinius als Siegfried, gilt mein besonderer Respekt für den dargebotenen Gesang. Unglaublich stark und ausgeprägt begeisterten mich die Stimmen von Siegfried und Brünnhilde (Linda Watson) im dritten Akt, ebenso zart und fein die Stimme des Waldvogels (Elena Sancho Pereg) im zweiten Abschnitt. Die moderne Inszenierung des Stücks selbst durch Dietrich W. Hilsdorf hat mich persönlich nicht angesprochen. Das Epische, Gewaltige und Göttliche fehlte mir. Stattdessen gab es im ersten Akt Friseurstühle, VHS-Kassettenfilme und seltsam anmutende Fragerunden. War ich im zweiten Akt auf die Darstellung des zum Drachen gewandelten Riesen Fafner gespannt, so bekam ich diesen verrußt in einer Dampflok präsentiert, in welcher er durch das Führerhaus hindurch mit dem Schwert des Protagonisten eher unspektakulär getötet wird. Mime, der in diesem Akt auch sein Leben lässt, wird von Siegfried unter Zuhilfenahme von neuzeitlicher Technik an einem Fleischerhaken in die Luft gehoben. Zwischendurch taucht regelmäßig der gar nicht mehr göttliche Wotan als Wanderer auf, unterwegs mit einem straßenverkehrstauglichen Fahrrad und bestückt mit einem Speer sowie Jutebeutel und Pappbechern. Im dritten Akt dann der Showdown, wenn Siegfried und Brünnhilde sich kennen- und lieben lernen, leider etwas emotionslos in bizarrer Umgebung eines Kampfhubschrauberwracks. Geschmackssache ˗ für die Besucher, die den Ring zum wiederholten Male sehen, waren es möglicherweise all diese Inszenierungskniffe- und ausstattungen, die den besonderen Reiz ausmachten.

Opernscouts 2017

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an die  Freunde, Kollegen, Klienten und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Begeistert von der ersten Walküre meines Lebens

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Henning Jüngst-Warmbier über die Premiere von „Die Walküre“

Schon beim üblichen und von mir durchaus goutierten Smalltalk im Foyer hörte ich vor Beginn der Oper, dass einer der Gäste an diesem Abend seine 150.!!! Aufführung der Walküre erleben würde. Das verlangte mir Respekt ab, war es für mich doch die erste Walküre meines Lebens. Diese Tatsache tat aber der Spannung und Vorfreude auf das Opernerlebnis keinen Abbruch.
Vorgreifend möchte ich sagen, dass mich die Aufführung, von wenigen Abstrichen bei der Inszenierung, total begeistert hat. Die von Axel Kober mit großem Elan geführten Düsseldorfer Symphoniker zogen mich von Anfang an mit ihrer Intensität in ihren Bann. Die düstere und Unheil verkündende Stimmung in Hundings Hütte teilte sich mir augenblicklich mit. Abgesehen der hervorragenden Stimmen der Protagonisten, gefiel mir auch die überzeugende Darstellung der Figuren besonders gut. Der zweite Akt war sowohl musikalisch als auch stimmlich ein einziger Ohrenschmaus. Hier konnte ich allerdings nicht ganz nachvollziehen, dass Fricka, von Renée Morloc eindrucksvoll interpretiert, die ganze Familie in der Hütte vorfindet und alle schon wissen, dass Sieglinde schwanger ist. Das zu kommentieren sei den Experten überlassen. Mit dem letzten Akt war ich dann restlos begeistert und überzeugt von der Gewissheit, dass dies sicher nicht meine letzte Walküre gewesen sein wird.
Ein gelungener Abend und ebenso eindrucksvolles Erlebnis. DANKE dafür.

Opernscouts 2017 - Henning JŸngst-Warmbier

Henning Jüngst-Warmbier
Freiberuflicher Dozent an der Zukunftswerkstatt Düsseldorf
Nach seiner langjährigen Tätigkeit als Hoteldirektor in Düsseldorf bringt Henning Jüngst-Warmbier seine berufliche und pädagogische Erfahrung heute ehrenamtlich in der Zukunftswerkstatt Düsseldorf ein: Seit mittlerweile acht Jahren realisiert er dort Projekte für und mit Langzeitarbeitslosen, Migranten und Flüchtlingen. Mit dem Kulturleben der Stadt ist er seit vielen Jahren über Freunde und Bekannte verbunden. Als Opernscout möchte er seine eigene Sichtweise präsentieren, über seine Empfindungen sprechen und erzählen, wie er das Gesehene erlebt hat.

 

„Den Verträgen bin ich nur Knecht.“ – Was ist Freiheit wert?

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Roland Schüren über die Premiere von „Die Walküre“

Ich bin begeistert! Während mich die Inszenierung des „Rheingold“ in der letzten Spielzeit so gar nicht mitnehmen konnte, reißt mich „Die Walküre“ vollends mit. Die Erwartung von fünf Stunden Oper ruft mir Videoabende mit den Freunden in den 80ern in Erinnerung. Als späte Teenager hatten wir auch ‚Apocalypse now‘ auf den VHS Kassetten. Dieser Antikriegsfilm funktionierte auch an dritter Stelle nach z.B. den Bluesbrothers oder Zurück in die Zukunft, ohne dass man einschlief. Jetzt, nach der Walküre in der Deutschen Oper am Rhein, weiß ich auch warum. Wagner sei Dank: Der Ritt der Walküre war’s! Natürlich war der Ritt nicht alleine der Grund, der uns trotz gewaltiger Längen, damals wie heute, nicht in der fünften Stunde einschliefen ließ. Aber die Szene des Hubschrauberangriffes, der mit Wagners monumentalen Klängen unterlegt, nein über-legt war, ist wohl jedem in Erinnerung geblieben, der diesen ergreifenden Film gesehen hat. Und im Opernhaus? Am Ende des zweiten Aktes habe ich eine Vorahnung als ich erkenne, dass der große Ventilator an der Decke der Bühne irgendwie einem Hubschrauberrotor gleicht. Und dann im dritten Akt? – Wow! – Macht die Inszenierung auch noch sehr, sehr eindeutige Anleihen bei ‚Apocalype now‘! Ich bin hin- und weggerissen von der Umsetzung der Story und dem Bühnenbild mit dem abgestürzten Hubschrauber, den untoten Soldaten-Zombies, die mit Hilfe der Walküren nach Walhall aufbrechen. Das passt tatsächlich hervorragend zusammen. Klasse! Ich spüre wie sich ein durchgängig grinsendes Lächeln in meinem Gesicht festgesetzt hat. Ein geniales Finale in Stunde fünf!
Was ich aber an erster Stelle aus der Walküre mitnehme, ist etwas anderes. Es hat seinen Ursprung im zweiten Akt in dem langen und sehr ruhigen Zwiegespräch zwischen Wotan und Brünnhilde. Wotan sinniert ob seiner vertraglichen Bindungen. Der Kriegsherr ist ein Häuflein Elend, der anders handeln möchte als aufgetragen, es aber eben nicht kann. „Den Verträgen bin ich nur Knecht“ singt er. Das Fehlen von Freiheit raubt ihm den Lebenssinn. Er ekelt sich vor sich selbst. „Nur dies will ich noch, das Ende, das Ende.“ – Ich nehme mit: Ohne Freiheit ist alles nichts. Habe ich letztes Wochenende nicht etwas Ähnliches in der leicht philosophischen aber sehr der Zukunft zugewandten Bewerbungsrede von Robert Habeck zum Parteivorsitzenden der Grünen, auf dem Parteitag in Hannover herausgehört? Darüber denke ich jetzt nach. Entscheidungsfreiheit über sich selbst zu haben, ist ein sehr hohes Gut! Ob für Kriegsherren, Politiker, Bäckermeister oder jeden anderen Menschen. Das wusste Maslow, das wusste Wagner. Ich freue mich auf den Ring Part trois. Bis dahin berausche ich mich an Wagners Sprache. „Des seimigen Metes süßen Trank magst Du mir nicht verschmähen.“

Opernscouts 2017 - Roland Schüren

Roland Schüren
Inhaber der Bäckerei „Ihr Bäcker Schüren“

Bereits in vierter Generation führt Roland Schüren den Familienbetrieb „Ihr Bäcker Schüren“ mit Hauptsitz in Hilden. Mit seinem Anspruch an Qualität, Produktvielfalt und Nachhaltigkeit gilt er als einer der besten und innovativsten Handwerksbäcker in Düsseldorf und der Region. Ihm und seinen Bäckern macht es Spaß, alles selbst herzustellen – ohne Fertigmischungen und Massenproduktion, dafür mit viel Zeit und handwerklichem Können. Da gibt es doch Parallelen zu unserem Opern- und Ballettproduktionen …

Nach 5 Stunden Wagner restlos begeistert

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Anja Spelsberg über „Die Walküre“

„Die Walküre“ war meine erste Wagner Oper und trotz anfänglicher Skepsis war ich am Ende dieses gelungenen Abends restlos begeistert. Fünf Stunden Wagner, das ist schon eine Hausnummer und hat mich zuvor mit großer Sorge erfüllt – hatte ich doch gehört, dass es keine leichte Kost wird, die da auf mich zukommt. Umso überraschter war ich dann feststellen zu können, wie viel der Musik ich doch schon bereits aus Film und Fernsehen kannte und wie packend die Geschichte durch die Sänger dargestellt wurde. Das Bühnenbild ist wieder absolut gelungen, die Kostüme ein Traum, die Sänger großartig und stimmgewaltig! Hier wechselte mein Favorit gefühlt alle fünf Minuten. Besonders angetan hat mich die Darbietung des Wotans, als er in einer Szene bäuchlings auf dem Boden liegend noch aus voller Kehle singen konnte. Besonders berührt hat mich in der Geschichte das große Leid, dass alle Protagonisten teilen. Wäre doch nur jeder einen kleinen Schritt von seinem Standpunkt abgewichen und auf sein Gegenüber zugegangen, wäre die Geschichte nie so dramatisch geendet. Aus pädagogischen Gesichtspunkten interessiert es mich jetzt vor allem, wie es mit Sieglinde und dem noch ungeborenen Siegfried weitergeht. Wenn ich mir überlege wie traumatisierend großer (psychischer) Stress einer Mutter in der Schwangerschaft sich bereits auf ein ungeborenes Kind auswirken kann, frage ich mich, welches Schicksal er wohl haben wird.

Opernscouts 2017

Anja Spelsberg
Sozialpädagogin
Anja Spelsberg ist Sozialpädagogin in der ambulanten Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf. Sie berät und unterstützt Eltern und hilft Familien im Zusammenleben, dabei ist sie besonders in Düsseldorfs sozialen Brennpunkten unterwegs. Das allererste Interesse an der Oper weckte ihre Großmutter mit gemeinsamen Opernbesuchen. Jetzt freut sie sich, ihre Begeisterung mit anderen Besuchern zu teilen und mit den Opernscouts über die Inszenierungen zu diskutieren.