Begeistert von der ersten Walküre meines Lebens

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Henning Jüngst-Warmbier über die Premiere von „Die Walküre“

Schon beim üblichen und von mir durchaus goutierten Smalltalk im Foyer hörte ich vor Beginn der Oper, dass einer der Gäste an diesem Abend seine 150.!!! Aufführung der Walküre erleben würde. Das verlangte mir Respekt ab, war es für mich doch die erste Walküre meines Lebens. Diese Tatsache tat aber der Spannung und Vorfreude auf das Opernerlebnis keinen Abbruch.
Vorgreifend möchte ich sagen, dass mich die Aufführung, von wenigen Abstrichen bei der Inszenierung, total begeistert hat. Die von Axel Kober mit großem Elan geführten Düsseldorfer Symphoniker zogen mich von Anfang an mit ihrer Intensität in ihren Bann. Die düstere und Unheil verkündende Stimmung in Hundings Hütte teilte sich mir augenblicklich mit. Abgesehen der hervorragenden Stimmen der Protagonisten, gefiel mir auch die überzeugende Darstellung der Figuren besonders gut. Der zweite Akt war sowohl musikalisch als auch stimmlich ein einziger Ohrenschmaus. Hier konnte ich allerdings nicht ganz nachvollziehen, dass Fricka, von Renée Morloc eindrucksvoll interpretiert, die ganze Familie in der Hütte vorfindet und alle schon wissen, dass Sieglinde schwanger ist. Das zu kommentieren sei den Experten überlassen. Mit dem letzten Akt war ich dann restlos begeistert und überzeugt von der Gewissheit, dass dies sicher nicht meine letzte Walküre gewesen sein wird.
Ein gelungener Abend und ebenso eindrucksvolles Erlebnis. DANKE dafür.

Opernscouts 2017 - Henning JŸngst-Warmbier

Henning Jüngst-Warmbier
Freiberuflicher Dozent an der Zukunftswerkstatt Düsseldorf
Nach seiner langjährigen Tätigkeit als Hoteldirektor in Düsseldorf bringt Henning Jüngst-Warmbier seine berufliche und pädagogische Erfahrung heute ehrenamtlich in der Zukunftswerkstatt Düsseldorf ein: Seit mittlerweile acht Jahren realisiert er dort Projekte für und mit Langzeitarbeitslosen, Migranten und Flüchtlingen. Mit dem Kulturleben der Stadt ist er seit vielen Jahren über Freunde und Bekannte verbunden. Als Opernscout möchte er seine eigene Sichtweise präsentieren, über seine Empfindungen sprechen und erzählen, wie er das Gesehene erlebt hat.

 

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„Den Verträgen bin ich nur Knecht.“ – Was ist Freiheit wert?

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Roland Schüren über die Premiere von „Die Walküre“

Ich bin begeistert! Während mich die Inszenierung des „Rheingold“ in der letzten Spielzeit so gar nicht mitnehmen konnte, reißt mich „Die Walküre“ vollends mit. Die Erwartung von fünf Stunden Oper ruft mir Videoabende mit den Freunden in den 80ern in Erinnerung. Als späte Teenager hatten wir auch ‚Apocalypse now‘ auf den VHS Kassetten. Dieser Antikriegsfilm funktionierte auch an dritter Stelle nach z.B. den Bluesbrothers oder Zurück in die Zukunft, ohne dass man einschlief. Jetzt, nach der Walküre in der Deutschen Oper am Rhein, weiß ich auch warum. Wagner sei Dank: Der Ritt der Walküre war’s! Natürlich war der Ritt nicht alleine der Grund, der uns trotz gewaltiger Längen, damals wie heute, nicht in der fünften Stunde einschliefen ließ. Aber die Szene des Hubschrauberangriffes, der mit Wagners monumentalen Klängen unterlegt, nein über-legt war, ist wohl jedem in Erinnerung geblieben, der diesen ergreifenden Film gesehen hat. Und im Opernhaus? Am Ende des zweiten Aktes habe ich eine Vorahnung als ich erkenne, dass der große Ventilator an der Decke der Bühne irgendwie einem Hubschrauberrotor gleicht. Und dann im dritten Akt? – Wow! – Macht die Inszenierung auch noch sehr, sehr eindeutige Anleihen bei ‚Apocalype now‘! Ich bin hin- und weggerissen von der Umsetzung der Story und dem Bühnenbild mit dem abgestürzten Hubschrauber, den untoten Soldaten-Zombies, die mit Hilfe der Walküren nach Walhall aufbrechen. Das passt tatsächlich hervorragend zusammen. Klasse! Ich spüre wie sich ein durchgängig grinsendes Lächeln in meinem Gesicht festgesetzt hat. Ein geniales Finale in Stunde fünf!
Was ich aber an erster Stelle aus der Walküre mitnehme, ist etwas anderes. Es hat seinen Ursprung im zweiten Akt in dem langen und sehr ruhigen Zwiegespräch zwischen Wotan und Brünnhilde. Wotan sinniert ob seiner vertraglichen Bindungen. Der Kriegsherr ist ein Häuflein Elend, der anders handeln möchte als aufgetragen, es aber eben nicht kann. „Den Verträgen bin ich nur Knecht“ singt er. Das Fehlen von Freiheit raubt ihm den Lebenssinn. Er ekelt sich vor sich selbst. „Nur dies will ich noch, das Ende, das Ende.“ – Ich nehme mit: Ohne Freiheit ist alles nichts. Habe ich letztes Wochenende nicht etwas Ähnliches in der leicht philosophischen aber sehr der Zukunft zugewandten Bewerbungsrede von Robert Habeck zum Parteivorsitzenden der Grünen, auf dem Parteitag in Hannover herausgehört? Darüber denke ich jetzt nach. Entscheidungsfreiheit über sich selbst zu haben, ist ein sehr hohes Gut! Ob für Kriegsherren, Politiker, Bäckermeister oder jeden anderen Menschen. Das wusste Maslow, das wusste Wagner. Ich freue mich auf den Ring Part trois. Bis dahin berausche ich mich an Wagners Sprache. „Des seimigen Metes süßen Trank magst Du mir nicht verschmähen.“

Opernscouts 2017 - Roland Schüren

Roland Schüren
Inhaber der Bäckerei „Ihr Bäcker Schüren“

Bereits in vierter Generation führt Roland Schüren den Familienbetrieb „Ihr Bäcker Schüren“ mit Hauptsitz in Hilden. Mit seinem Anspruch an Qualität, Produktvielfalt und Nachhaltigkeit gilt er als einer der besten und innovativsten Handwerksbäcker in Düsseldorf und der Region. Ihm und seinen Bäckern macht es Spaß, alles selbst herzustellen – ohne Fertigmischungen und Massenproduktion, dafür mit viel Zeit und handwerklichem Können. Da gibt es doch Parallelen zu unserem Opern- und Ballettproduktionen …

Nach 5 Stunden Wagner restlos begeistert

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Anja Spelsberg über „Die Walküre“

„Die Walküre“ war meine erste Wagner Oper und trotz anfänglicher Skepsis war ich am Ende dieses gelungenen Abends restlos begeistert. Fünf Stunden Wagner, das ist schon eine Hausnummer und hat mich zuvor mit großer Sorge erfüllt – hatte ich doch gehört, dass es keine leichte Kost wird, die da auf mich zukommt. Umso überraschter war ich dann feststellen zu können, wie viel der Musik ich doch schon bereits aus Film und Fernsehen kannte und wie packend die Geschichte durch die Sänger dargestellt wurde. Das Bühnenbild ist wieder absolut gelungen, die Kostüme ein Traum, die Sänger großartig und stimmgewaltig! Hier wechselte mein Favorit gefühlt alle fünf Minuten. Besonders angetan hat mich die Darbietung des Wotans, als er in einer Szene bäuchlings auf dem Boden liegend noch aus voller Kehle singen konnte. Besonders berührt hat mich in der Geschichte das große Leid, dass alle Protagonisten teilen. Wäre doch nur jeder einen kleinen Schritt von seinem Standpunkt abgewichen und auf sein Gegenüber zugegangen, wäre die Geschichte nie so dramatisch geendet. Aus pädagogischen Gesichtspunkten interessiert es mich jetzt vor allem, wie es mit Sieglinde und dem noch ungeborenen Siegfried weitergeht. Wenn ich mir überlege wie traumatisierend großer (psychischer) Stress einer Mutter in der Schwangerschaft sich bereits auf ein ungeborenes Kind auswirken kann, frage ich mich, welches Schicksal er wohl haben wird.

Opernscouts 2017

Anja Spelsberg
Sozialpädagogin
Anja Spelsberg ist Sozialpädagogin in der ambulanten Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf. Sie berät und unterstützt Eltern und hilft Familien im Zusammenleben, dabei ist sie besonders in Düsseldorfs sozialen Brennpunkten unterwegs. Das allererste Interesse an der Oper weckte ihre Großmutter mit gemeinsamen Opernbesuchen. Jetzt freut sie sich, ihre Begeisterung mit anderen Besuchern zu teilen und mit den Opernscouts über die Inszenierungen zu diskutieren.

Götter, Irdische, Liebe, Ehebruch, Inzest, Verrat und Totschlag

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Georg Hess über die Premiere von „Die Walküre“

Auch im zweiten Teil der Tetralogie Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ geht es weiter spannend zu: Mit einer irdischen Frau hat der Gott Wotan nun das Zwillingspaar Siegmund und Sieglinde gezeugt. Mit der Liebesgeschichte des Geschwisterpaares, der Wandlung der Walküre Brünnhilde und dem Abschied Wotans von seiner Lieblingstochter enthält „Die Walküre“ einige sehr emotional berührende Szenen mit großen Dialogen. Die Inszenierung durch Dietrich W. Hilsdorf hat mich durchaus angesprochen, jedoch hätte ich mir als Wagner-Neuling mehr Nähe zur ursprünglichen Version gewünscht, ohne die stark gewählten Parallelen zu den „großen“ Kriegen der Neuzeit. So war beispielsweise die Bühne einem Führerbunker nachgebaut und Wotans Aufzug ähnelte sehr dem eines NS-Schergen. Im dritten Akt wurde dann auch noch die Landung eines Hubschraubers in Anlehnung an Coppolas „Apocalypse Now“ nachgestellt, welcher seinerzeit die Musik Wagners („Ritt der Walküren“) verwendet hat. Stattdessen hätte ich mir insbesondere bei Wotan doch etwas mehr Göttlichkeit gewünscht – er wirkte vielmehr wie ein abgehalfterter Tyrann. Respekt für ihn konnte ich nicht empfinden. Die Musik stellte für mich den Höhepunkt des Abends dar. Der große Applaus für die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Axel Kober war absolut gerechtfertigt. Gesanglich beeindruckten mich zudem Brünnhilde, dargestellt durch Linda Watson, und die übrigen stimmgewaltigen Walküren, welche im ersten Teil des dritten Aktes ihren großen Auftritt hatten. Auch wenn mein Urteil über die aktuelle Aufführung nicht überschwänglich ist, so bin ich doch sehr angetan vom „Ring“, besonders wegen  seiner so epischen, vielfältigen und phantasiereichen Handlung, die sich an allen nur erdenklichen Wesen und Gemütszuständen bedient und ständig unerwartete Windungen bereithält. Nach Göttern, Irdischen, Liebe, Ehebruch, Inzest, Verrat und Totschlag bin ich nun gespannt, was Wagner in „Siegfried“ erzählen wird.
Opernscouts 2017

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Wagner-Überaschung

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Anna Schudt über die Premiere von „Die Walküre“

Mit gemischten Gefühlen gehe ich dem 5-stündigen Abend entgegen. Die gewaltige Musik hat mich nie gelockt, ich habe mich nie damit beschäftigt. Und dann doch: Ich bin hingerissen wieder nach Hause getaumelt. Nicht nur, dass die Musik ungeheuer mitreißend und mitnehmend und einladend ist, die Götter sind für meinen Geschmack genau das richtige Genre für die Oper. Die Größen entsprechen sich. Das in sich variierende Bühnenbild ist Bunker-Walhall-Apokalypse und man entdeckt immer wieder neuen Sinn. Die Sänger sind überwältigend, die Regie hat sich ungeheuer schöne große und kleine Bilder und Zeichen ausgedacht, die zusätzlich zur spannenden Götter-Blockbuster-Unterhaltung die Figuren anrührend und Menschen-verständlich machen. Ganz außergewöhnlich fand ich, wie ausnahmslos alle Sänger phasenweise still und ruhig auf der Bühne in der Musik badeten, als würden sie sich auflösen, mitschwingen und sich mit mir – dem Zuschauer und –Hörer – gemeinsam dem Klang hingeben. So einen Einstieg kann man sich als Wagner-Unkundiger nur wünschen. Vielen Dank für diesen Abend.

Anna Schudt
Schauspielerin
Sie ermittelt als Hauptkommissarin Martina Bönisch im Dortmunder „Tatort“. Nach festen Engagements an den großen Bühnen in Berlin (Schaubühne) und München (Kammerspiele, Residenztheater) ist sie in Düsseldorf heimisch geworden:  Zusammen mit ihrem Mann Moritz Führmann spielte sie die Hauptrolle in „Anna Karenina“ am Düsseldorfer Schauspielhaus. Neben Anna Schudts Theaterleidenschaft interessiert sie sich sehr für den ganz anderen künstlerischen Ausdruck in Oper und Ballett. Diese Erlebnisse nun als Opernscout in Worte zu fassen, bedeutet für sie eine spannende Herausforderung.

Welt der Götter, Riesen, Dachen, Helden und heiligem Schwert

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Jenny Ritter über die Premiere von „Die Walküre“

Nun war es endlich soweit: Die von mir mit Spannung erwartete Premiere „Die Walküre“ war auf der Bühne. Meine etwas besorgten Gedanken an die zu erwartenden 5 Stunden waren schnell verflogen – der erste Akt war gleich so spannend, dass ich alles andere sofort vergaß. Es war sehr kurzweilig, die Musik ist einfach umwerfend! Ich habe mich bemüht, alle Vorurteile, Urteile, Wissen über die Person Wagner außer Acht zu lassen und mich einfach nur dem Stück hinzugeben. Das ist mir – und auch der Inszenierung – voll gelungen. Das Bühnenbild, Hundings Hütte, war stimmig und hatte durch den wärmenden Herd und der Vernebelung des Raumes die richtige Atmosphäre. Die Inszenierung war sehr stimmig, langsam, ruhig und getragen – man ließ sich viel Zeit, und kostete die Bewegung, die Musik einfach nur aus – zum Teil im Zeitlupentempo wie im Taiji. Die langen Mäntel, die Wehrmachtshosen und der Hubschrauber konnten schon andere Assoziationen aufkommen lassen – aber nur kurz. Der Autor und Tenor Christian Elsner erklärt seinen Kindern die ‚Walküre‘ ganz einfach, als eine Geschichte aus der Götterwelt mit Helden, Riesen, Drachen, magischem Schwert und Speer. Und so habe ich die Inszenierung auch gesehen und konnte mich ganz auf die Geschichte und die Musik einlassen – ein Genuss. Man kann ja von Göttern nicht verlangen, dass sie sich menschlich verhalten, also wird getötet, gewütet und verbannt – ohne Erbarmen – so der Mythos – doch es ist nie zu Ende, es geht immer weiter, neue Kinder/Helden wachsen heran und neue Hoffnung entsteht. Und die Musik tut genau das: Sie unterstützt die Wahrnehmung und die Hoffnung. Sie deckt alle Gefühle ab.
Ich glaube, ich werde noch ein richtiger Wagner-Fan. Die Musik ist soo schön. Es war ein schöner Abend. Ich kann diese Aufführung einfach nur empfehlen.

Opernscouts 2017

Jenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin
Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und ist gespannt, wie es weitergeht.

 

Hellauf begeistert

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Hilli Hassemer über die Premiere von „Die Walküre“

Prall und kraftvoll hallen die Bilder in mir nach, aus dieser neuen Düsseldorfer Walküre, die Dietrich W. Hilsdorf in meinen Augen stimmig und eindrücklich in Szene gesetzt hat. Schon im ersten Akt lässt mich die Darstellung von Siegmund (später auch die Wotans), an die Malereien der gefallenen, verletzten Helden des Malers Georg Baselitz denken. In zerrissenem Soldatenmantel, wund vom Kriegen und Kämpfen sucht Siegmund Schutz in Hundings Hütte,  einem düsteren niedrigen Bunker,  von Grünspan und Schimmel überzogen. Von diesem Un-Ort aus nimmt die Geschichte ihren Lauf. Immer wieder versetzen mich einzelne Kunstgriffe der Regie und die Detailsinnigkeit der Inszenierung in helle Begeisterung. Da tauschen Sieglinde und Siegmund im Akt der geschwisterlichen /inzestuösen Verbindung ihre Gewänder. Was zunächst in eine peinliche Entblößung hinauszulaufen scheint, entpuppt sich als berührende Kleidungs-Rochade. Der wuchtige männliche Siegmund in den zarten Gewändern seiner Geliebten,- und umgekehrt. Die Verbundenheit der beiden so zu zeigen fand ich,- gerade in ihrer Uneitelkeit,- sehr mutig. Die Ausdehnung des Bühnenraums hat es mir angetan! Zunächst niedrig und drückend, hebt er sich unmerklich, weitet er sich im Laufe der Szenen immer mehr und die drückende Decke verschwindet gar ganz aus dem Sichtfeld. Selbst die Fenster strecken sich immer höher und heller. Sprosse um Sprosse. Aus Hundings Hütte wird und weitet sich: Walhalla. Dann, nur ein Detail, aber !stark! die Neonröhren, welche den Bühnenbogen säumen und die den alles überspannenden Grünspan-Schimmel noch grüner und bleicher wirken lassen: Sie führen ein flackerndes Eigenleben, doch zuweilen gehen sie mit den Orchesterklängen einher, wie eine Lichtorgel. Das war unheimlich und hatte freche Kraft. Ein subtiles, klug gelöstes Bühnenbild. Der Verweis auf den Antikriegsfilm „Apocalypse now“ liegt in der dritten Szene auf der Hand. Ich kann mich erinnern, dass die Soldaten in den Hubschraubern in dieser Filmszene, – beim Angriff auf Vietnam, –  Wagners Walkürenritt per Tonband einschalten, sozusagen als stimulierende Begleitmusik ihres fürchterlichen Zerstörungsaktes. Hier, in Walhall, liegt der kaputte Kadaver des Hubschraubers, umgeben von den gefallenen Helden und von den roten reitenden Walküren, sinnbildlich am Boden. Die Walküren entlocken uns vor diesem apokalyptischen Setting, zu Beginn des dritten Aktes, kollektiven Schauder. Jede einzelne Gesangsrolle empfand ich exzellent besetzt! Eine großartige gesangliche Kraft und Schönheit, wirklich aller Sängerinnen und Sänger, stark begleitet von dem verlässlich hervorragenden Orchester der Düsseldorfer Symphoniker. Der Applaus sprach Bände. Beseelt und schon äußerst gespannt auf die Fortsetzung des Ringes verlasse ich diese Oper. Sie verging wie im Fluge.

Opernscouts 2017

Hilli Hassemer
Bildende Künstlerin
Die Malerin Hilli Hassemer lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Düsseldorf. Damals noch fremd in der Stadt und mit einem „Hardcorde-Wagnerfan“ befreundet, wurde die Oper unverhofft Dreh- und Angelpunkt ihres neuen Lebens. Jetzt will sie sich wieder intensiver mit Oper und Ballett befassen – genau hinschauen, zuhören, das Erlebte beschreiben. Sie sagt: „Es ist schön, wenn man sich selbst und seiner Meinung vertraut.“