Mit der Götterdämmerung schließt sich der Kreis

 GOETTERDAEMMERUNG_PRESSE_8_FOTO_Hans_Joerg_Michel

Mit der „Götterdämmerung“ schließt sich der Kreis/“DER RING“

Das Bühnenbild, das Schiff auf dem Rhein – mal mit Nebel, mal ohne – war stimmig.
Die Kostüme – in den Farben der „Clan-Zugehörigkeit“ zugeordnet, war auch stimmig.
Es gab ein paar Bilder, die einfach nur lächerlich waren:
Brünnhilde strickend unter dem Weihnachtsbaum???
Die Gäste im Karnevalskostüm mit Funkemariechen peinlich.
Dazu Kirmesbeleuchtung und Bier. Die Marke werde ich nicht verraten.
Was sollte das?

Nichts ist von den Göttern übriggeblieben – man muss auch niemandem eine Träne nachweinen. Die Macht des Gottes Wotan war auf Raub – an der Weltesche,  Diebstahl und List an  Alberich um ihm das Gold zu entreißen – aufgebaut. (Auch er ein Dieb, hat er doch das Gold den Rheintöchtern geraubt.
Siegfried: aufgewachsen ohne Liebe, Kultur und Wissen, nur mit der Aufgabe betraut, das Schwert zu schmieden und zu gebrauchen, damit Wotan seine Macht behält.
Hagen: aufgestachelt durch den Hass seines Vaters konnte sich davon nicht befreien.

Der Psychologische Aspekt:
Hass „vererbt“ sich über Generationen, wenn nicht einer diesen „Brauch“ durchbricht. Brünnhilde hätte das Zeug gehabt die Familie/die Welt zu verändern aber alleine gegen soviel Gier, Hass und Dummheit ist das nicht zu schaffen.

Mit Schwerter und Waffen, lässt sich kein Konflikt lösen. Wann wird der Mensch das begreifen, dass man mit Gewalt nichts erreichen kann. Wie immer muss die Einsicht in der kleinsten Zelle – der Familie – beginnen.

Die Erkenntnis, dass die Götter schlimmer sind als die Menschen ist auch erschreckend! Aber vielleicht sind die Menschen und die Götter EINS.

Das Begräbnis von Siegfried lässt hoffen, es werden alle Fahnen, der letzten Epochen mit ihm begraben (beginnend mit der französischen Fahne natürlich auch die Nazi-Fahne bis hin zur deutschen Fahne) es bleibt eine Weiße Fahne. Ein Neuanfang.

Für mich ein sehr bewegender und aufwühlender Abend, der mich sicherlich noch einige Zeit beschäftigen wird. Dank und Glückwunsch an alle wunderbaren Sängerinnen und Sänger, an die Düsys und an Axel Kober.

Ritter_Jenny_Foto2_Andreas_Endermann


Jenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin

Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und freut sich diesen als Opernscout in Düsseldorf abschließen zu können.

 

Advertisements

Wenn die Götter Trauer tragen…..

GOETTERDAEMMERUNG_PRESSE_3_FOTO_Hans_Joerg_Michel

Henning Jüngst-Warmbier über die Premiere von Richard Wagners ,,Götterdämmerung“

…..“Götterdämmerung“, da posaunen viele gleich in ein Einheitshorn: laut, lang, schwer verständlich, zeitraubend.

All diese Kritikaster hätten gestern Abend in der Deutschen Oper am Rhein eines Besseren belehrt werden können. In der Rheinischen Post konnte man schon morgens en detail das Bühnenbild betrachten, das die Lust auf den Abend noch steigerte.Gerade meinen Platz eingenommen, kam auch schon eine der Nornen auf die Bühne und machte es sich am Rhein vor der MS Wotan bei einer Tasse Kaffees gemütlich.
Das Vorspiel begann und ihre Schwestern gesellten sich hinzu, um uns herrlich inszeniert und vortrefflich gesungen ein, „was bisher geschah“ darzubieten.
Kaum hatten sie uns ihre düstere Prophezeihung kundgetan, hob sich der Vorhang und das Schiff steuerte langsam aber stetig in den Untergang.

Um die Sache ein wenig abzukürzen, möchte ich sagen, dass ich den Abend als einen ganz hervorragenden empfunden habe.
Brünnhilde – Linda Watson, die von mir sehr verehrte ‚raumgreifende Erscheinung‘, Gunther – der stimmgewaltige Bogdan Bacio und Hagen – der phantastische Hans-Peter König, rissen mich zu Begeisterungsstürmen hin.
Axel Kober bewies mit seinen Düsseldorfer Symphonikern einmal mehr, dass er und sein Orchester zu den ganz Großen gehören und auch der Chor bewies erneut, welche Qualität er hat! So vergingen die Stunden wie im Fluge und ich war glücklich, dieser Götterdämmerung beigewohnt zu haben.
Man sagt ja, dass die Oper erst zu Ende sei, wenn die ‚dicke Dame‘ den letzten Ton gesungen habe…, am gestrigen Abend hätte ich mir gewünscht, der Dame noch stundenlang zuhören zu können.
Das Bühnenbild hingegen, das mir morgens soviel Laune gemacht hatte, fand ich gar nicht mehr so gut gewählt und den Auftritt als Rot-Weiße-Prinzengardisten hätte man den ehrbaren Choristen ersparen können. Wen interessieren spagatübende Funkenmariechen in der Götterdämmerung?

JuengstWarmbier_Hennin_Foto2_Andreas_Endermann
Henning Jüngst-Warmbier
Freiberuflicher Dozent an der Zukunftswerkstatt Düsseldorf

Nach seiner langjährigen Tätigkeit als Hoteldirektor in Düsseldorf bringt Henning Jüngst-Warmbier seine berufliche und pädagogische Erfahrung heute ehrenamtlich in der Zukunftswerkstatt Düsseldorf ein: Seit mittlerweile acht Jahren realisiert er dort Projekte für und mit Langzeitarbeitslosen, Migranten und Flüchtlingen. Mit dem Kulturleben der Stadt ist er seit vielen Jahren über Freunde und Bekannte verbunden. Auch in seiner zweiten Spielzeit als Opernscout möchte er seine eigene Sichtweise präsentieren, über seine Empfindungen sprechen und erzählen, wie er das Gesehene erlebt hat.

 

 

 

Und über allem ein Regenbogen…

GOETTERDAEMMERUNG_PRESSE_11_FOTO_Hans_Joerg_Michel
Markus Wendel über die Premiere von Richard Wagners ,,Götterdämmerung“

Richard Wagners Götterdämmerung auf einem rostigen Frachtkahn auf dem Rhein. Darauf hat die Welt gewartet. Das Regiekonzept von Dietrich W. Hilsdorf finde ich vielfältig und unterhaltsam. Brünnhilde sitzt strickend am Weihnachtsbaum, es wird gemordet, Heroin konsumiert, Fahrrad gefahren, Flaggen werden verbrannt, der Chor trägt Karnevals-Garde-Uniform, und dazu gibt es Krähen im Surround-Sound. Das mag für viele Leute streitbar sein, aber seit dem letzten Ring in Bayreuth weiß ich, was auch sonst alles funktionieren kann. Ich selbst bin immer dankbar für neue Bilder und Sichtweisen auf ein Werk.

Klar im Vordergrund stand für mich die musikalische Qualität am Premierenabend in Düsseldorf. Axel Kober trieb die Düsseldorfer Symphoniker zur Höchstleistung und baute hiermit das Fundament für eine durchgängige Spannung und Emotionalität. Er dirigierte klar, akzentuiert und unglaublich dynamisch. Respekt. Und auch der Gesang bescherte mir so einige Gänsehautmomente. Neben der unfassbaren Bühnenpräsenz von Linda Watson und Hans-Peter König erlebte ich eine bis in die Nebenrollen wunderbare Besetzung. Brünnhilde, Hagen, Siegfried, Gunther und Co. sangen und spielten, als ob es kein Morgen mehr geben würde. Wahnsinn.
Ich schreibe diesen Text einen Tag nach der Vorstellung, und ich muss sagen, ich bin nachhaltig beeindruckt.

Eine kurze und verrückte Geschichte am Rande: Meine allererste Oper war tatsächlich die Götterdämmerung. Vor fünfzehn Jahren, auch hier in Düsseldorf, und mit Linda Watson als Brünnhilde.

Ich freue mich auf den Ring-Zyklus in Düsseldorf im kommenden Jahr!

Wendel_Markus_Foto_Andreas_Endermann
Markus Wendel
Feuerwehrmann in Düsseldorf

Als neuer Scout folgt Markus Wendel in der Spielzeit 2018/19 frühen Spuren seiner Opernbegeisterung: Seine erste Begegnung mit Richard Wagners „Götterdämmerung“ hatte er 2003/04 im Düsseldorfer Opernhaus, und schon damals begeisterte ihn Linda Watson als Brünnhilde. Als Feuerwehrmann der Landeshauptstadt Düsseldorf kümmert sich Markus Wendel um die strategische Planung und Einsatzorganisation. Ganz besonders schätzt er seine Dienste im Opernhaus: Als Brandsicherheitswache beobachtet er die Aufführung dann von der Seitenbühne aus. „Ich mag das Gewusel hinter den Kulissen“, sagt der 39-Jährige. Was ihn aus dieser Perspektive besonders anspricht, schaut er sich gern noch einmal mit Freunden oder der Familie aus dem Zuschauerraum an.

Unsere Liebesverhältnisse bestimmen unsere Lebensverhältnisse

Die_Walkuere_10_FOTO_HansJoergMichel
Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Dirk Sander über die Premiere von „Die Walküre“ im Theater Duisburg

Mit der „Walküre“ legt Regisseur Dietrich W. Hilsdorf Wagners erotische Gesellschaftskritik offen. Im Kern der heroischen Tragödie entwickelt er ein bürgerliches Liebes- und Familiendrama ibsenschen Ausmaßes, fulminant intoniert im Duett des schwedischen Tenors und ehemaligen Rock-Sänger Daniel Frank (Siegmund) und der hochdekorierten Mezzosopranistin Sarah Ferede (Sieglinde). Standing Ovation bereits nach dem ersten Vorhang! Zuvor wurden wir ohne Vorwarnung Zeuge der heimlichen Annäherung zweier Liebender in Not, die von dem Schicksal, das sie zusammenführte ebenso wenig ahnen wie von dem, was sie am Ende trennen wird: Die Zwillinge Siegmund und Sieglinde, Wotans frevelhafte Zeugnisse seiner eigenen Untreue, begegnen sich in Hundings Hütte. Sieglindes räuberischer Ehemann gewährt Siegmund ein letztes nächtliches Asyl – bevor sich bei Tagesanbruch die männlichen Helden zur Wiederherstellung der Ehre und des göttlichen Rechtes duellieren müssen. Die feindliche Burg, von dem kongenialen Dieter Richter als kammerartiger Raum in einer verwaisten Industriehalle (besser: Bunkeranlage) klaustrophobisch in Szene gesetzt, wird zur Heimstatt der reinen, natürlichen Liebe zwischen Mann und Frau, die der inzestuöse Tabubruch noch betont: Nur der freie, autonome Mensch ist imstande, mit den sich in ihren eigenen Verträgen und Gesetzen verstrickenden Göttern zu brechen. Das postapokalyptisch anmutende Abschlusstableau im dritten Aufzug steht dann ganz im Vorzeichen der durch Liebe den Göttern abgetrotzten neuen Freiheit des Menschen und der daraus erwachsenden Verantwortung des Individuums. Ein Vorglimmen auf das existentialistische Weltbild des Fin de Siècles. Im letzten Bilderrausch stimmte alles: die mitreißend orchestrierenden Duisburger Philharmoniker, die begeisternd singenden flammrotgewandeten Walküren, dystopisch untermalt durch die marionettenhaft aus einem geisterhaften Hubschrauberwrack auferstehenden untoten Helden vergangener Schlachten, ein letztes kongeniale Zitat Richters aus Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“! Tosender Beifall – total verdient. Unbedingt anschauen!

OpernscoutsDirk Sander
Inkubator Manager
„Break up the concrete“ lautet das Motto des gebürtigen Duisburgers, der früher schon als Regiehospitant an der Deutschen Oper am Rhein tätig war und seitdem auf viele verschiedene Rollen in seinem Lebenstheater zurückblickt. Ob als Banker, Entwicklungshelfer in Afrika oder Inkubator beim Social Impact Lab in Duisburg – Dirk Sander möchte mit seinen Fragen und Ideen etwas für eine gerechtere Gesellschaft bewirken. Durch das Scout-Projekt kann er nun seine Verbundenheit mit der Oper wieder aufleben lassen – statt hinter der Bühne nun im Zuschauersaal.

Ein Abend voller Gänsehaut

Die_Walkuere_14_FOTO_HansJoergMichel
Die Walkuere FOTO: Hans Jörg Michel

Kerstin Hein-Flügel über die Premiere von „Die Walküre“

Wenn etwas großes, weltbekannt-berühmtes auf Sie wartet ist man aufgeregter als sonst, denn allein zwei Worte sprechen für sich: Wagners „Walküre“ hatte ich noch nie im Theater gesehen und mich irgendwie immer davor gedrückt.  Zu Unrecht, denn es folgte ein Abend voller Gänsehaut. Es beginnt in einer bunkerartigen Behausung mit offener Feuerstelle, Waffenkisten liegen auf dem Boden und das Sofa stammt aus besseren Zeiten. Im Baumstamm steckt das Schwert und trotz Fenster wirkt alles dennoch nebelig dunkel, nicht einladend aber auch nicht abstoßend. In diesem Bild spielt die ganze Oper, erweitert sich gleichwohl von Akt zu Akt. Schließlich findet sogar ein abgestürzter Hubschrauber noch Platz und erinnert an eine andere Apokalypse aus dem Kino.
Die Gesangsleistungen beeindrucken mich mehr. Allen voran Sieglinde, Wotan und Siegmund haben mich mit Ihrer Strahlkraft maßlos begeistert; überwältigend und auch irgendwie schön. Gesang, Musik und Text sind passgenau geschnitten, so wie die feuerroten Kleider der Frauen. Einen so fantastisch exzellenten Gesang und eine derart kraftvolle und grandiose Darbietung habe ich selten in Duisburg erlebt. Aber die Musik fesselt mich noch mehr. Dynamisch und präzise fordert Sie meine Aufmerksamkeit, erweckt alles zum Leben und hält mich fünf Stunden lang gebannt in einem Wechselbad der Emotionen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Kaum zu glauben, was aus dem Orchestergraben für eine fabelhafte Musik zu Vorschein kommen kann. Und das ist es auch, was sich mir nach diesem berauschenden Abend noch lange ins Gedächtnis fest setzten wird.  Das Orchester der Duisburger Philharmoniker unter Axel Kober spielte so grandios und bekam von mir und allen anderen den längsten Applaus, den ich seit langer Zeit erlebt habe. Jetzt bin ich neugierig auf die Fortsetzung und werde mich vor Wagners Ring nicht mehr drücken.

Opernscout Kerstin Hein-FlügelKerstin Hein-Flügel
Inhaberin FLORES Duisburg
Die Floristmeisterin und Dekorateurin, die sich mit ihrem Blumenladen „Flores“ in Duisburg selbstständig gemacht hat, ist mit dem Kunsthandwerk groß geworden: Schon ihre Eltern hatten ein Floristikgeschäft. Kerstin Hein-Flügel beschreibt sich als kreativen Charakter, der sich nicht nur von der Natur, sondern auch von Kunst und Musik inspirieren lässt. In ihrer Freizeit geht sie gern und oft in die Oper. Nun möchte sie im Austausch mit den anderen Opernscouts ihre Gedanken nach außen tragen.

Wagner hat mich am Schlafittchen!

SIEGFRIED_11_FOTO_Hans_Joerg_Michel
Siegfried FOTO: Hans Jörg Michel

Anna Schudt über die Premiere von „Siegfried“

Die Geschichte von Siegfried, so anders zur Walküre, so am Boden und doch wieder psychologisch so interessant. Schon der erste Akt lotet Vater-Sohn Konflikte aus, große Familiendramen überall. Wotan als Weltenumradler, der bedrohliche Lokwurm kriecht aus seiner Höhle und weiter und weiter, getrieben von Wagners ungeheuerlicher Musik und diesen Sängern, allen voran Michael Weinius als Siegfried, der aussieht wie ein zu groß gewordenes Kind, was wunderbar passt im körperlichen Gegensatz zu Cornel Frey als Mime. Im zweiten Akt kommt eine Vogelstimme, ein Sopran, der nach den Stunden ausschließlichen Männergesangs hocherfreuend wirkt. Es wird viel erzählt in diesen 5 Stunden, wenn man etwas über die Geschichte des Ringes weiß versteht man sehr viel mehr, also ist Vorbereitung auf den Stoff auf jeden Fall empfehlenswert. Der dritte Akt wurde mir etwas lang mit dem sehr langen Liebesduett, aber wie man das interessanter inszenieren könnte weiß ich auch nicht. Linda Watson und Herr Weinius schmettern sich die Seele aus dem Leib, man kann buchstäblich sehen wie diese Musik an den Sängern zehrt. Vielen Dank für diesen Abend, für diesen Aufwand und diese Kraft.

Anna Schudt
Schauspielerin
Sie ermittelt als Hauptkommissarin Martina Bönisch im Dortmunder „Tatort“. Nach festen Engagements an den großen Bühnen in Berlin (Schaubühne) und München (Kammerspiele, Residenztheater) ist sie in Düsseldorf heimisch geworden:  Zusammen mit ihrem Mann Moritz Führmann spielte sie die Hauptrolle in „Anna Karenina“ am Düsseldorfer Schauspielhaus. Neben Anna Schudts Theaterleidenschaft interessiert sie sich sehr für den ganz anderen künstlerischen Ausdruck in Oper und Ballett. Diese Erlebnisse nun als Opernscout in Worte zu fassen, bedeutet für sie eine spannende Herausforderung.

Eine Frage des Geschmacks

SIEGFRIED_10_FOTO_Hans_Joerg_Michel
Siegfried FOTO: Hans Jörg Michel

Georg Hess über die Premiere von „Siegfried“

Hinreißende Musik der Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung des Dirigenten Axel Kober erwartet einen im dritten Teil von Wagners Ring des Nibelungen.
Welch eine Leistung des Orchesters, das hohe Spielniveau über fünf Stunden durchzuhalten. Auch der nur aus acht Personen bestehenden Besetzung, allen voran Michael Weinius als Siegfried, gilt mein besonderer Respekt für den dargebotenen Gesang. Unglaublich stark und ausgeprägt begeisterten mich die Stimmen von Siegfried und Brünnhilde (Linda Watson) im dritten Akt, ebenso zart und fein die Stimme des Waldvogels (Elena Sancho Pereg) im zweiten Abschnitt. Die moderne Inszenierung des Stücks selbst durch Dietrich W. Hilsdorf hat mich persönlich nicht angesprochen. Das Epische, Gewaltige und Göttliche fehlte mir. Stattdessen gab es im ersten Akt Friseurstühle, VHS-Kassettenfilme und seltsam anmutende Fragerunden. War ich im zweiten Akt auf die Darstellung des zum Drachen gewandelten Riesen Fafner gespannt, so bekam ich diesen verrußt in einer Dampflok präsentiert, in welcher er durch das Führerhaus hindurch mit dem Schwert des Protagonisten eher unspektakulär getötet wird. Mime, der in diesem Akt auch sein Leben lässt, wird von Siegfried unter Zuhilfenahme von neuzeitlicher Technik an einem Fleischerhaken in die Luft gehoben. Zwischendurch taucht regelmäßig der gar nicht mehr göttliche Wotan als Wanderer auf, unterwegs mit einem straßenverkehrstauglichen Fahrrad und bestückt mit einem Speer sowie Jutebeutel und Pappbechern. Im dritten Akt dann der Showdown, wenn Siegfried und Brünnhilde sich kennen- und lieben lernen, leider etwas emotionslos in bizarrer Umgebung eines Kampfhubschrauberwracks. Geschmackssache ˗ für die Besucher, die den Ring zum wiederholten Male sehen, waren es möglicherweise all diese Inszenierungskniffe- und ausstattungen, die den besonderen Reiz ausmachten.

Opernscouts 2017

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an die  Freunde, Kollegen, Klienten und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.