Einfach Grandios

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Stefan Pütz über die Premiere von “ I puritani“

Rolando Villazón hat diese klassische Oper im“ Belcanto“ mit einem hervorragenden Orchester, großer schauspielerischer Qualität und allen Facetten des Liebesdramas inszeniert.
Ein großartiges passendes Bühnenbild, starke Chöre, passende „puritanische“ Kostüme,  phantastische Musik und eine hervorragende Besetzung konnten mich absolut überzeugen.
Die Handlung des Stücks ist „mager“ und sehr überschaubar – kann aber vernachlässigt werden… Adela Zaharia spielte die verwirrte, liebeskranke, verstörte Elvira, die Wandlungen und  Veränderungen nicht verstehen kann und dem Wahnsinn verfällt. Der Onkel  (Bogdan Talos), aber auch der junge Geliebte (Tenor Ioan Hotea) konnten mich auch an mancher Stelle gesanglich überzeugen.
Adela Zaharia ist jedoch für mich unschlagbar und jeder Freund der klassischen Oper sollte sie sehen  und hören wollen! Villazón ließ sich einige interessante Dinge einfallen, die eine bereichernde Ergänzung zu der doch sehr überschaubaren Handlung darstellten

… ein wirklich grandioser Abend!!

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Stefan Pütz
Inhaber von „Buch in Bilk“

Den Namen Stefan Pütz verbindet man mit „Buch in Bilk“, einer Buchhandlung in Unterbilk. Bei Kulturveranstaltungen ist er gern mit einem Büchertisch präsent, denn direkter Kontakt zu Kunden und persönliche Beratung sind ihm wichtig. Wichtig ist ihm jetzt – nach langer Abstinenz – auch wieder die Begegnung mit Oper und Ballett. Wagner Inszenierungen findet er grundsätzlich nicht sonderlich unterhaltsam, vom Ring am Rhein war er allerdings hellauf begeistert. Die Wagner Inszenierungen der Deutschen Oper am Rhein sind „besser als anderswo“.

Alles nur eine Frage der Kommunikation…

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Benedikt Stahl über die Premiere von „I puritani“

Zwischen den Jahren. Irgendwo in Nordholland. Nach einem ausgiebigen Strandspaziergang bei dem der Blick bis zum Horizont und vielleicht auch ein wenig in das Dahinter die Stimmung prägt. Ein leckeres Abendessen mit einem guten Glas Wein.

„Hast Du eigentlich Deinen Operntext zu I Puritani schon geschrieben?“

„Nein, ehrlich gesagt noch nicht. Mit dem Weihnachtsfest und den vielen schönen und fröhlichen Begegnungen mit der Familie und Freunden gab es einfach noch keine Zeit dafür. Aber wo Du mich gerade fragst, was würdest Du denn so im Nachhinein sagen?“

„Na, ich würde zum Beispiel etwas über die sehr gute Musik schreiben. Die sehr schönen Arien und Duette. Adela Zaharia als Elvira, sie ist wunderbar! Bogdan Taloş als Sir Giorgio, der vom ersten Moment an so präsent ist. Günes Gürle als Lord Gualtiero Valton mit unglaublicher Tiefe. Der Chor und das Orchester, richtig stark!“

„Ja, das war wirklich eine beeindruckende Inszenierung und die Musik von Bellini zieht einen im Laufe des Abends immer mehr in ihren Bann, verzaubert geradezu!“

„Die Bühne fand ich auch toll! Die einfache Szene, das Licht, die Raumideen.“

„Nicht unbedingt ganz mein Höhepunkt und über die Plastikgewehre sehe ich mal lieber großzügig hinweg, das war überflüssiges Zeug. Das Schlichte aber und sowohl die düsteren Farben wie auch die Kostüme fand ich ganz stimmig.“

„Du hast Recht, die Musik war wirklich wunderschön. Die Handlung jedoch ziemlich verdreht, vor allem die Texte.“

„Allerdings, ziemlich verworrenes Zeug. Ähnlich abstrus wie die Wagnerschen Wortfantastereien. Als wir nach der Pause ganz vorne am Orchestergraben saßen, konnte man die Übertitelung ohnehin kaum noch lesen. Das war im Grunde auch vollkommen unnötig, die Dramatik der Klänge und die Bilder auf der Bühne sprechen für sich. Wenn man dann noch die Gelegenheit hat den Dirigenten Antonio Fogliano zu beobachten, mit welcher Hingabe und Inbrunst er das Stück leitet, dann ist jedes Wort überflüssig. Und was den Inhalt betrifft: Du würdest wahrscheinlich sagen, alles nur eine Frage der Kommunikation. Hätten die alle mal vernünftig miteinander geredet, hätte es mit Sicherheit kein solches Drama gegeben.“

„Das stimmt. Nur, was ist schon eine Oper ohne ein richtiges Drama?“

„In der Tat und ein wunderbarer Abend war es auch!“

In diesem Sinne, und passend zum Jahreswechsel, ein ganz großes Dankeschön an alle Beteiligten, insbesondere an Tanja Brill und ihre Mitarbeiter, die uns immer so nett betreuen, die Sänger, die Musiker, das Personal, die Opernleitung, allen, die dazu beitragen, dass so etwas möglich ist!

Von Herzen auch ein Dank an Judith, mit der ich schon so viele schöne Opernabende erleben durfte und deren Begleitung jede Aufführung einzigartig macht!

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Benedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit. Wenn in einer Inszenierung alle komponenten gut zusammenkommen dann entsteht „ein großes Kunstwerk“ und in der Deutschen Oper am Rhein ist „immer was für einen dabei“. Besonders gefällt ihm die Vielseitigkeit von Oper und Ballett.

Ein beeindruckender Abend

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Karolina Wais über die Premiere von „I puritani“

Der Anfang der Oper wird durch ein stilles Schauspiel vollzogen, so dass ich mich komplett in das Bühnenbild verlieren kann. Das Bühnenbild ist fantastisch. Die Wände sind erstmal holzvertäfelt und von einem Klinker umrahmt. In der Mitte ist eine runde Öffnung. Es ist unverkennbar, dass hier gleichzeitig die Kirche und das Parlament repräsentiert wird.

Im Laufe des Stücks wird ersichtlich wie sehr das Bühnenbild durch Lichtspiele wandelbar ist. Die Lichteffekte unterstreichen gekonnt die Stimmung, die gerade auf der Bühne herrscht. Je nachdem ob es Trauer, Verzweiflung oder Freude ist.

Im zweiten Akt wird die Holvertäfelung von den Wänden entfernt, die Atmosphäre, die dadurch entsteht, unterstreicht Elviras Wahnsinn perfekt.

Am besten gefällt mir aber der Augenblick, in dem das Bühnenbild zum Teil hochgefahren wird und ein Wald dahinter zum Vorschein kommt. Wirklich atemberaubend, besonders wenn man nicht darauf vorbereitet ist.

Die Kostüme der Puritaner sind in schlichtem Schwarz gehalten, das Schwarz wird aber durch ebenfalls schwarze Ledereinsätze gebrochen. Die Schlichtheit der Kostüme der Puritaner unterstreicht die pompösen, vorwiegend in lila gehaltenen Kostümen der Royalisten. Die Kostüme fügen sich perfekt in das Bühnenbild ein.

Ich freue mich Adela Zaharia, die Elvira spielt erlebt haben zu dürfen. Ihre Stimme, ihre Körpersprache zeugt von Perfektion. So sehr, dass ich ihren Wahnsinn spüren und nachvollziehen kann, den Wahnsinn von ihrem Geliebten von jetzt auf gleich verlassen worden zu sein.

Das Stück ist für meinen Begriff schauspielerisch und gesangstechnisch tadellos besetzt, von jedem einzelnen Sänger bis hin zu dem Chor.

Das Orchester umrahmt die Vorstellung zusätzlich akustisch hervorragend und macht es zu einem beeindruckenden Opernabend, der zu Recht mit Standing Ovations gehuldigt wird.

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Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich nun mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre erste Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett näher kennenzulernen.

Ein genussvoller Abend

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Stefanie Hüber über die Premiere von „I puritani“

Die Premiere von „I puritani“ einer Oper in 3 Akten von Vincenco Bellini hat mir einen sehr genussvollen Abend beschert.  Die Inszenierung von Rolando Villazón war meines Erachtens nach sehr ansprechend und auch das nicht dem Original entsprechende Ende war äußerst gelungen.

Obwohl die Handlung der Oper mit 2 Sätzen erzählt ist und keine spannenden Wendungen bietet ( und das bei einer Länge von 3 Stunden!) habe ich mich keinen Moment gelangweilt.
Die einzelnen Szenen gingen fliessend ineinander über und es waren häufig sehr viele Darsteller auf der Bühne, so dass für den Zuschauer wenig Verschnaufpause blieb.
Jedoch empfand ich diese Tatsache nicht als überfrachtend, sondern dies führte zu einer Dynamik, die die Aufführung aufgrund des schon erwähnten Handlungsmangels sonst leicht als langatmig hätte erscheinen lassen.
Dadurch gab es jedoch viel zu entdecken und zu bestaunen und auch die in die Handlung eingebauten Umbauten geschahen spielerisch und fliessend.

Auch das Bühnenbild von Dieter Richter hat mir gefallen: Minimalistisch und doch nicht ZU cool,es unterstrich den puritanischen Gedanken ebenso wie die schlichten Kostüme, gestaltet von Susanne Hubrich.

Gesanglich überzeugte  die komplette Besetzung, doch vor allem die grandiose Besetzung der Elvira durch Adela Zaharia liess mich noch Tage später schwärmen, WAS FÜR EINE STIMME!!!

Sie besitzt auch viel schauspielerisches Talent und verkörperte dadurch die Rolle der, erst sehr mädchenhaften und später dem Wahnsinn verfallenden Elvira, großartig.

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Stefanie Hüber
Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin arbeitet überwiegend mit psychisch kranken Menschen und nutzt Musik als Mittel der Therapie. Sie sang im Kammerchor und lernte als Kind Klavier und Blockflöte zu spielen.
Die Oper wurde ihr als Kind von ihren Eltern „vermiest“ aber sie fand einen neuen Zugang zu ihr durch ihre Tochter, die Musik studierte. Inzwischen ist die Oper ebenso wie Rockkonzerte ein spannendes und regelmäßiges Highlight in ihrem Leben.

Belcanto als spannender Psycho-Krimi

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Helma Kremer über die Premiere von „I puritani“

Von Bellini hatte ich bereits die Norma gesehen. I Puritani kannte ich nicht und hatte entsprechend keine Vergleichsmöglichkeiten und auch keine Erwartungen. Lediglich, dass es eine der berühmtesten Belcanto-Opern ist, war mir bekannt. Und eigentlich ist Belcanto nicht unbedingt mein Lieblingsgenre.

Kurz vor der Aufführung höre ich mir die spannende Einführung von Chefdramaturgin Anna Melcher an. Sie beleuchtet aufschlussreiche Aspekte der Entstehungsgeschichte, insbesondere zum Libretto. Außerdem gibt sie, sehr subtil, wichtige Hinweise auf die psychologischen Besonderheiten der Inszenierung, auf die ich daher im Folgenden ein umso größeres Augenmerk legen werde.

Die Inszenierung, die ich dann in den folgenden dreieinhalb Stunden erleben darf, ist die beste Opern-Aufführung, die ich, seit meinem ersten Opern-Besuch, Humperdincks „Hänsel und Gretel“ vor über vierzig Jahren, in der Deutschen Oper am Rhein gesehen habe. Die Sänger und Sängerinnen sind überragend und überzeugen in gesanglicher Hinsicht ebenso wie mit schauspielerischen Fähigkeiten. Adela Zahira als Elvira übertrifft alle anderen. Auch Bühnenbild und Kostüme gefallen mir sehr gut (Gott sei Dank kein unnötiger Transfer ins Zeitgenössische).

Rolando Villazón und sein Team haben es geschafft, das als, zumindest in Teilen, missglückt und konstruiert geltende Libretto bzw. die brüchige Handlung als spannenden Psycho-Krimi zu inszenieren, der weder auf mich noch auf meine kompetente Begleitung (meine Schwester, die Musikerin in der Familie) an irgend einer Stelle bemüht oder peinlich wirkt. Die anderen Zuschauer und Zuschauerinnen scheinen ebenfalls enthusiastisch:  Derart begeistert habe ich das Düsseldorfer Opern-Premieren-Publikum noch nicht erlebt.

Die Handlung wird vorrangig aus dem Blickwinkel von Elvira geschildert. Ebendiese Fokussierung auf ihre Perspektive verleiht dieser typischen Frauenfigur des 17. Jahrhunderts, die – im Gegensatz zu den männlichen Figuren – zur Passivität verdammt ist, und nur abwarten kann, welche Entscheidungen die handelnden Männer um sie herum treffen, eine Präsenz, die beeindruckt.

Auch die Darstellung der Hauptfiguren als vielschichtige und facettenreiche Charaktere überzeugt. Auf Schwarz-Weiß-Malerei wird durchweg verzichtet. Elviras Wahnsinn kündigt sich bereits vor Arturos vermeintlichem Treuebruch an. Eine mögliche  – und nur angedeutete – Ursache ist  sexueller Missbrauch seit der Kindeit/Jugend. Diese Zeichnung der Figur scheint mir plausibler als die gängige Darstellung, die in Arturos Verrat den alleinigen Anlass für Elviras geistige Umnachtung sieht.

Die Aufführung wird vom Publikum gefeiert! Verdienter, langanhaltender Applaus und nicht enden wollende „Bravo“-Rufe für Sängerinnen und Sänger, musikalische Leitung und Regie.

Irritiert bin ich in den folgenden Wochen von den Kritiker-Rezensionen, die die Inszenierung durchweg negativ(er) beurteilen und sich in ihrem Lob auf die musikalischen Leistungen beschränken. (Allerdings habe ich bisher nur Online-Rezensionen von männlichen Kritikern lesen können.)

Diese Inszenierung von Rolando Villazón in Düsseldorf darf man sich als Opern-Fan nicht entgehen lassen. Und wer noch kein Opern-Fan ist, wird es vielleicht nach dem Besuch dieser Aufführung.

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Helma Kremer
Leiterin „Market Development“ bei der Düsseldorf Tourismus GmbH

Helma Kremer arbeitete nach ihrem Studium an der Heinrich-Heine-Universität zunächst an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Nach einem. Voluntariat im Bereich „Marketing/Presse“ beim Düsseldorfer Schauspielhaus übernahm sie 2006 den Bereich „Kulturmarketing“bei der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH. Durch ihre Großeltern kam sie bereits als Kind mit der Oper in Kontakt, ihre erste Aufführung im Opernhaus war „Hänsel und Gretel“. Dennoch interessiert sie sich eigentlich eher fürs Ballett, als für die Oper. Sie freut sich in ihrer ersten Spielzeit als Opern- und Ballettscout auf die regelmäßigen Theaterbesuche

Ein intensives und bewegendes Erlebnis

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Sandra Christmann über die Premiere von „I puritani“

Bis auf  kurze Kostüm-Highlightmomente (Brautkleid Elviras und Kostüm der Königswitwe) sind eben diese das mit puritanischste an der Oper  – sonst eher nichts.

Doch natürlich der inhaltliche Rahmen, denn das gesamte Verlangen, die glühende Liebe, der Wahnsinn der Elvira sowie das Drama, die Tragik und die Spannung sind eingebettet in den historischen Kontext zur Zeiten der Puritaner.

Rolando Villazón hat die perfekte klassische Oper inszeniert und zu meiner großen Freude sie zu keinem Zeitpunkt mit irgendwelchen „modernen“ Stilfehlern versehen, sondern geradezu diszipliniert mit voller Qualität im Sinne einer großen Oper mit Belcanto, hervorragendem Orchester, großer schauspielerischer Qualität und allen Facetten des Liebesdramas kreiert. Großartiges Bühnenbild von Dieter Richter

Und die perfekte Besetzung:
Adela Zaharia – atemberaubend – das habe ich schon einmal geschrieben: sie hat eine so starke, ergreifende Bühnenpräsenz, die leider alle weiteren Protagonisten als Beiwerk erscheinen lässt.
Sie ist so unfassbar wandelbar als verirrte, verwirrte, liebeskranke, geistesauffällige Frau, fast ein Mädchen, zumindest als der grapschende Onkel Giorgio sich ihr so anbiedernd nähert.

Übrigens auch eine großartige Leistung, tolle Stimme von Bogdan Taloş!!!

Elvira fängt einen ein. Ich habe mit gelitten, hatte Sehnsucht, wünschte mir nichts mehr als Arturo zurück und war zutiefst bewegt, wenn sie in ihrem irren, verzweifelnden Wahnsinn, liebeskrank in wachen Momenten erneut in ihr Leid zurücksank.

So muss sich unerfüllte Liebe anfühlen.

Ich hatte eine Freundin als Begleitung mitgenommen, die vorher noch nie in der Oper gewesen ist und sie hatte definitiv keine Vorstellung was zu erwarten war.
Sie bedankt sich noch heute bei mir: „das war das Intensivste, was ich seit Langem erlebt habe, ich bin da in eine Welt geführt worden, die mich musikalisch und von der Inszenierung her in etwas Bewegendes hat eintauchen lassen, dass es meine Vorstellungskraft übertroffen hat“

(So in etwa waren ihre Worte und ich kann das voll und ganz nachvollziehen)

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Sandra Christmann
Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf und die Kunst. Sie engagiert sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben ihrer Arbeit engagiert sie sich für diverse Hilfsprojekte.
Sie liebt das Ballett und besuchte „just for fun“ manchmal die Oper, nun will sie „auch nach ihrer Zeit als Opernscout der Oper treu bleiben“.

Musikgenuss und wirre Geschichte

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Sassa von Roehl über die Premiere von „I puritani“

Bellini kam es in seiner 1835 uraufgeführten Belcanto Oper „I Puritani“ wohl eher darauf an, seine Musikideen umzusetzen, als eine nachvollziehbare und spannende Geschichte zu erzählen. Genau dies spürt man auch bei der gegenwärtigen Inszenierung in der Deutschen Oper am Rhein durch Rolando Villazón.
Als Zuhörerin schwelge ich im musikalischen Wohlgefühl herrlicher Stimmen und harmonischer Melodien. Solisten und Chor begeistern mich ohne Ausnahme.

Die Handlung allerdings macht mich eher nervös. Was hat mir die Auspeitschung und der Pranger zu sagen? Was hat die Frau verbrochen, die eine Tafel mit einem Kreuz um den Hals bekommt? Die Hauptfigur Elvira kommt mir von Anfang an in einer dominanten Männerwelt alleingelassen und hilflos vor. Sie wirkt kindlich naiv mit ihrem Kopfkissen. Die Rolle des Onkels erschließt sich mir nicht. Elvira weicht seinen Annährungsversuchen immer wieder aus, fordert ihn jedoch auf, sie Tochter zu nennen. Er eröffnet ihr schließlich, dass sie den Mann ihrer Träume heiraten darf, obwohl er aus dem politisch feindlichen Lager kommt. Elvira jedoch zeigt keine übermäßige Freude, wie eigentlich zu erwarten wäre. Ihre Gestik passt deshalb für mich nicht zu dieser frohen Nachricht. Sie ringt mit den Händen und hält sich die Finger an die Schläfe, wie in einem melodramatisch übertriebenen Helene Courths-Mahler Film. Dabei wird sie doch erst später verrückt, als ihr Bräutigam sich kurz vor der Hochzeit entschließt, seiner Pflicht als treuer Royalist nachzukommen und die Königin zu retten. Dann allerdings wiederholen sich genau diese Gesten im Übermaß wieder. Nun bekommt auch Elvira eine Tafel mit Kreuz um den Hals und ich folgere, dass nun auch sie aus der Gemeinschaft der Puritaner ausgestoßen wird, wie die Dame im ersten Akt. Man nimmt ihr die Tafel ab, aber Elvira zieht es vor, dass auch jeder erkennen kann, dass sie von Sinnen ist und hängt sich die Tafel wieder um. In diesem ganzen Durcheinander kommt Arturo mit der Königin zurück und ich freue mich auf das Happy End, aber es kommt nicht und ehe ich begreife, was da eigentlich passiert, ist die Oper zu Ende!

Mein Fazit lautet deshalb, ein absolut lohnender akustischer Genuss, bei dem man die Handlung weder zu ernst nehmen darf noch sie durchdringen muss. Man sollte sich zurücklehnen, dann und wann die Augen schließen und der herrlichen Musik lauschen.

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Dr. Sassa von Roehl
Social Campaining / Dozentin an der Heinrich-Heine-Universität

Dr. Sassa von Roehl engagiert sich für Zivilcourage und berät Gemeinnützige Projekte im Bereich PR. Als kulturinteressierte besucht sie oft das Theater Duisburg. Sie ist großer Martin Schläpfer Fan, im Bereich Oper allerdings eher ein „interessierter Neuling“. Gespannt startet sie nun in ihre erste Spielzeit als Scout für Oper und Ballett in Düsseldorf.

Frauen-Power par excellence

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Markus Wendel über die Premiere von „I puritani“

Es gibt Abende, die einem ganz deutlich im Gedächtnis bleiben. Die vergangene Premiere zu Vincenzo Bellinis Oper „I puritani“ im Düsseldorfer Opernhaus konnte bei mir mit gefühlter Leichtigkeit einen dieser besonderen Plätze einnehmen.
Dabei ist die Musik Bellinis eigentlich gar nicht so mein Fall. Zu verspielt, zu schnell und zu wenig musikalisch ausgedrücktes Drama sind Attribute, die mit sogleich auf der Zunge liegen. In Kombination mit einer herausragenden Besetzung und der wirklich ambitionierten Produktion konnte ich die Oper, deren Musik mir vor dem Besuch bereits bekannt war, jedoch ganz neu erleben.

Rolando Villazón stellt hier eine bemerkenswert frische, lebendige und zugleich tiefgründige Inszenierung auf die Beine, wie ich es in dieser Intensität zuletzt bei „Roméo et Juliette“ erlebt habe. Viel mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht schreiben, um dem geneigten Leser die vielen überraschenden Momente nicht vorweg zu nehmen. Aber eins sei gesagt: Bis hin zum Ende wird dem Zuschauer eine Regie-Arbeit dargeboten, auf die das Düsseldorfer Haus wahrhaft stolz sein darf. Bereits beim Besuch der Opernwerkstatt (dort war die komplette Generalprobe zu sehen) konnte sich jeder ein Bild von der schier unerschöpflichen Energie machen, die in Herrn Villazon steckt, und wie er diese auf das Produktionsteam überträgt.

Die wahrhaften Heldinnen dieses Abends sind für mich Adela Zaharia und Sarah Ferede. In ihren Rollen als Elvira und Enrichetta singen und spielen sie die gesamte Männerschaft sowie den Chor in Grund und Boden. Und dies sage ich gleichauf mit der Feststellung, dass der Premierenabend mit der wahrscheinlich besten und stimmigsten Gesamt-Besetzung einherging, die ich bislang in Düsseldorf erleben durfte. Mein Applaus gilt somit allen Beteiligten, wobei die beiden Damen unangefochten die ersten Plätze einnehmen.

Ich konnte als Opernscout schon für viele Veranstaltungen meine Empfehlung aussprechen, „I puritani“ möchte ich Ihnen jedoch ganz besonders ans Herz legen!

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Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“. Überrascht war er davon, dass die Ballettinszenierungen 2018/19 ihn sogar mehr faszinierten als die Operninszenierungen.

Musikalischer Genuss, unpassende Action auf der Bühne

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Hubert Kolb über die Premiere von “ I puritani“

Rolando Villazón als Opernregisseur steht für perfekte Unterhaltung, das war meine Erinnerung an Villazóns erste Regiearbeit an der Düsseldorfer Oper, Don Pasquale.

Da muss „I puritani“ eine echte Herausforderung gewesen sein: I puritani steht für schöne Belcanto-Arien (oder ein Duett), aber fast ohne Handlung auf der Bühne. Also erfand der Regisseur zusätzliche Aktionen auf der Bühne. Dieser war ein Kirchen/Parlaments/Burginnenraum (von Dieter Richter) mit unzähligen Türen, damit der Chor schnell einströmen konnte, oder Einzelpersonen hier auftauchen und da verschwinden konnten. Dazu eine Auspeitschung, ein fahrbarer Pranger, ein fahrbares Gestell für Maschinengewehre und mehr. Vieles passte nicht zum Text, manchmal war es dennoch kurzweilig, dann aber wieder ablenkend.

Ansonsten zeigten sich das Ensemble und die Gäste von ihrer besten Seite. Der Chor war großartig. Adela Zaharia als Elvira ab dem zweiten Akt ebenfalls großartig, mit tollem Körperausdruck und passender Personenregie, der Belcanto-Tenor Ioan Hotea fast fehlerfrei. Der Bass von Bogdan Taloş als Sir Giorgio eine Ohrenweide. Der Zusammenklang mit den sehr gut kontrollierten Duisburger Philharmonikern unter Antonino Fogliani gelang ganz außergewöhnlich gut.

Fazit: Rolando Villazon steht für Entertainment auf hohem Niveau, und das war hier einschließlich der musikalischen Leistung wirklich so. Da war man bereit, die Übertreibungen an Bühnenhandlung zu akzeptieren, und auch den ungewöhnlichen Schluss, der das Hollywood-Happyend verdarb. Dieser Schluss erinnerte an eine ähnlich unerwartete Schlussszene von Roméo et Juliette, damals ausgedacht von Regisseur Philipp Westerbarkei.

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Dr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.

Belcanto – ein wahrhaftig schöner Gesang

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Michael Langenberger über die Premiere von „I puritani“

Wie das Stichwort Belcanto schon sagt: Auf den Gesang kommt es an.

Dass Adela Zaharia das Genre beherrscht wie kaum jemand anderer, hat sie uns schon im vergangen Jahr als Maria Stuarda perfekt demonstriert. So umgarnt sie uns auch dieses Jahr in I puritani als Elvira mit ihren Belcanto-Künsten. Mir gefallen dabei ganz besonders die Passagen, in denen ihre Stimmdynamik – das Laut und Leise – sich z.B. in den Gesang des Chorgesangs einbettet und/oder hervorhebt. Dazu dann auch noch ihre hingebungsvolle Schauspielkunst. Sie allein ist schon ein Kunstwerk.

Gleiches gilt für den Chor der Düsseldorfer Oper. Ein Chor, mit schauspielerischen Qualitäten. Beides auf höchstem Niveau. Wirklich ein Genuss.

Doch auch die männlichen Hauptrollen sind wunderbar besetzt. Bogdan Taloş (Sir Giorgio), Ioan Hotea (Lord Arturo Talbot) und Jorge Espino (Sir Ricardo Forth) liefern, jeder für sich genommen, bestes Belcanto gepaart mit schauspielerischer Hingebung ab.

Liegt es daran, dass man für die musikalische Leitung Antonino Fogliani als Vincenzo Bellinis Landsmann und Spezialist für das Genre das Dirigat übergeben hat? Es kommt offenbar alles musikalisch Gute zusammen. Was hier was oder wen beflügelt, ich vermag es nicht zu sagen. Es geht zu Herzen, was man mit den Ohren hört.

Aufwendig ist das Bühnenbild zwar, doch ist es mir insgesamt zu düster. Sicherlich, zu Puritanern passt ein düsteres, eher schwarz/weisses Bühnenbild. Doch wenn das Auge durch den Auftritt von ein paar wenigen Soldaten in farbigen Uniformen schon Entspannung findet, scheint mir das düstere übertrieben. Die Qualitäten der Beleuchter schafften es oft auch nicht das Bühnenbild spannender zu machen. Außerdem fand ich die zahlreichen Aktivitäten und die Anzahl an Personen auf der Bühne – der gesamte Chor, plus einer enormen Menge an speilenden Statisten, plus die Solisten – unübersichtlich und der Belcanto-Idee abträglich.

Doch insgesamt, eben für den Musikliebhaber, ein tolles Hörerlebnis, was – da bin ich mit den Worten von Rolando Villazón bei der anschließenden Premierenfeier einig – wirklich Weltklasse ist.

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Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

Eine Handvoll Donizetti und zwei Handvoll Slapstick

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Don Pasquale FOTO: Hans Jörg Michel

Heike Stehr über die Premiere von „Don Pasquale“

Opera buffa, scherzhafte Oper, 175 Jahre alt und immer wieder gerne gespielt: „Don Pasquale“ steht auf dem Premierenprogramm der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg in der Regie des mexikanischen Startenors Rolando Villazón. Und der greift mit beiden Händen in einen schier unerschöpflich scheinenden Fundus aus Klamauk, Klischees, Gags, Anspielungen, Referenzen an Kunst und Film … und lässt ein wildes Kostümfest zwischen alten Bildern und modernen Skulpturen über die Bühne rasen. Altbackenes und Modernes, Krishna-Outfits und Miniröcke, Warhol-Fans und akrobatische Diebin, Besenkammer und x-beinige Knickse wirbeln Durcheinander. Und ich… flüstere meiner Begleiterin ein leises „too much“ zu und schließe besser die Augen. Ich lausche dem schwungvollen Spiel der Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von David Crescenzi, mag besonders den Gesang von Ibrahim Yesilay in der Rolle des Ernesto, die er auch schauspielerisch von naiv bis glückstrunken überzeugend gestaltet (okay, ich gebe zu, ich habe doch noch gelegentlich geschaut, aber als dann z.B. die Diebin im Nana-Kostüm albern über die Bühne hüpfte, auch ganz schnell wieder zugemacht). Ich genieße stattdessen die Energie, die der Chor auf die Bühne und in den Saal bringt, und zum Schluss das musikalische Happy End. „Ende gut, alles gut“ – so jedenfalls sagt das Sprichwort.

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Erzieherin und Therapeutin
Kunst spielt in Heike Stehrs Leben eine große Rolle: Die ehemalige Erzieherin und jetzige Kunsttherapeutin betreibt den Blog http://kunstlebendig.blogspot.de. Sie ist schon zum zweiten Mal in Folge Opernscout in Duisburg und ist der Meinung, dass Opernbesuche ansteckend wirken sollten.  Gerne erzählt sie ihrer Familie und ihren Freunden von ihren Erlebnissen und Überraschungen, die sie bei den Premieren erlebt hat.

Dramma buffo im Wimmelbild

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Don Pasquale FOTO: Hans Jörg Michel

Astrid Klooth über die Premiere von „Don Pasquale“

Donizettis komische Oper stellt die altbekannte Story vom alten, wohlhabenden Mann, der junge Frau freit und kläglich scheitert, in den Mittelpunkt. Da es sich um eine opera buffa handelt, wird der Stoff locker-leicht behandelt: Am Ende steht einem Happy End für junge Frau mit jungem Mann nichts mehr im Wege, und auch für den Alten deutet sich eine positive Wendung an. Der Kontrast von Alt und Jung wird im Bühnenbild widergespiegelt durch die Gegenüberstellung alter, klassischer Malerei (Delacroix, Leonardo etc.) und Pop Art (Keith Haring, Roy Lichtenstein, Andy Warhol u.a.). Während der alternde Don Pasquale seine edle Behausung mit alten Meistern geradezu vollstellt, ist Norina, die gefreite Maid, der Mittelpunkt einer szenigen (Lebens-) Künstlerkolonie, die für die Moderne steht und im Finale natürlich mit dem jungen Maler Ernesto zusammenkommt, dem brotlosen Malerneffen Don Pasquales. Anspielungen auf Kunst und Bohème, Klassik und Moderne dominieren die gesamte Aufführung. Chormitglieder und Solisten treten als Warhol, Mona Lisa, Yoko Ono u. a. auf, das Bühnenbild changiert zwischen New York und Paris, Dennis Hoppers emblematisches Werk „Nighthawks“, obwohl für die Vereinzelung des modernen Menschen stehend, dient als Kulisse für die (sich selbst) feiernde in-crowd um Norina. Dezent geht anders, aber da es sich um eine veritable opera buffa handelt, sollte man diese Aufführung nicht durch die politisch korrekte, teutonische  Analysebrille betrachten, sondern sich auf dieses lebens- und farbenfrohe Wimmelbild einlassen, insbesondere da auch Chor und Solisten mit sichtlicher Freude dabei sind. Eine besondere Entdeckung war für mich an diesem Abend der junge Tenor Ibrahim Yesilay in der Rolle des Ernesto, doch auch der bewährte Günes Gürle in der Rolle des Don Pasquale und Lavinia Dames als Norina  trugen zur gekonnten Leichtigkeit des Abends bei.

Opernscouts

Astrid Klooth
Oberstudienrätin im Hochschuldienst
Langjähriges Mitglied im Philharmonischer Chor, Mitwirkende im Theaterring Duisburg und Besitzerin eines Opernabonnements – Astrid Klooth ist dem Orchester und Theater seit vielen Jahren verbunden. Besonders wichtig bei der Rolle als Opernscout ist ihr der Meinungsaustausch mit den anderen Scouts über die Premieren. Die Uni-Dozentin hat fast täglich mit jungen Menschen zu tun und hofft, durch ihre Beiträge ihr Interesse am Musiktheater einer breiteren Schicht zugänglich machen zu können.

Maren Jackwerth über „Don Pasquale“

Wunderbar. Eine Komödie. Ein Highlight der Opernsaison.

Es startete mit dem Bühnenbild, Personen stellen Edward Hoppers Nachtschwärmer (Nighthawks, 1942) nach. In der gesamten Oper finden sich immer wieder spannende Anlehnungen an bekannte bildende Kunst und frischten das Opernthema Liebe und Alter somit auf.
Doktor Malatesta, Norina und Ernesto schmieden eine Intrige zu Lasten von Don Pasquale. Die simple Story, alter Geizhalz heiratet liebestrunken die junge Frau Norina, die an sich ihren Geliebten Ernesto will, entwickelt sich hier zu einem vollkommenen Stück mit vielen Facetten. Alle Stimmen wirken fulminant, besonders hervorzuheben ist hier der Arzt Malatesta, gesungen von Mario Cassi. Er war nur einen Tag vorher als Ersatz eingeflogen worden und meisterte seine Rolle mit Bravour!
Norina (Elena Sancho Pereg) mimt die biedere Ex-Nonne, um dann nach der Heirat als Furie dem Angetrauten Pasquale klar zu machen, dass sie die Falsche für ihn ist. Sie hat wenig Mitleid, indem sie ihre vielen Freunde in das herrschaftliche Haus einlädt, sämtliche Möbel austauscht, ebenso die Kunst durch Kunstwerde der Moderne und Pop Art ersetzt.
Ihr Geliebter Ernesto (Ioan Hotea) bekommt schlussendlich Norina und Don Pasquale kann noch seinen Lebensabend – alleine – genießen.
Die Oper glänzt durchweg mit vielstimmigen Arien, in denen alle vier Sänger sich gefühlvoll einbringen und perfekt aufeinander eingehen und zusammenwirken.
Gerade durch die Andeutungen der bildenden Kunst wird gekonnt eine Nebengeschichte eingewoben, die die Oper interessant und leicht anreichert. So will ein von der Decke baumelnder Kunstdieb immer wieder auf Kunstwerke zugreifen, aber immer kommt etwas dazwischen und er hängt weiter unter der Decke zur Freude aller Zuschauer.
Das penetrant neugierige Dienstmädchen fliegt ebenfalls immer wieder auf und wird neckisch gerüffelt.
Die musikalische Leichtigkeit dieser Oper inszeniert der eloquente australische Dirigent Nicholas Carter. Insbesondere der Einsatz der Bläser und Pauken unterstreicht die Oper gekonnt und die vier Opernsänger klinken sich gekonnt mit wundervoll gesungenen Arien ein.

Maren Jackwerth
Anwältin
Die in Düsseldorf ansässige Rechtsanwältin, Mediatorin und Stiftungsmanagerin betreibt eine Kanzlei an der Königsallee und entwickelt Kommunikationslösungen im Bereich Corporate Social Responsibility und Kunst. Um das soziale Engagement von Unternehmen mit dem der gemeinnützigen Organisationen zu verbinden, hat Maren Jackwerth das Rheinische Stifterforum gegründet. Bildungsförderung auch im kulturellen Bereich ist ein Schwerpunkt des Netzwerks.

Isabell Boyer über „Don Pasquale“

Genial, schrill, außergewöhnlich

Wenn ich ehrlich bin, ist es mir kaum möglich, die wundervolle Inszenierung des Stücks „Don Pasquale“ an der Oper am Rhein in Worte zu fassen. Von den sympathischen, gar abgedrehten Protagonisten zu den zahlreichen Kunst- und Modeeinflüssen, die ich innerhalb des Stücks überrascht und angetan registriert – und später notiert – habe, bis zur eingängigen, lebensfrohen Musik und der Luftakrobatik, die mit Comedy-Elementen den Meisterdieb durch die Szenen schickte, waren alle Ebenen der Unterhaltung abgedeckt. Ich habe mich köstlich über Norina (Elena Sancho Pereg) amüsiert, die ihrem Ernesto zuliebe die brave Ex-Nonne mimt, um dann als Furie über ihren Angetrauten Pasquale herzufallen. Ihre Beschwingtheit und freche Art blieben mir ebenso im Gedächtnis wie ihre Holly-Golightly-Posen und der Beinüberschlag aus der Befragung in Basic Instinct. Ich frage mich bis heute, ob das genau so inszeniert worden ist; wenn ja: Chapeau. Ganz großes Kino.
Don Pasquale selbst, gespielt von Lucio Gallo, und sein Arzt des Vertrauens, gespielt von Dmitri Vargin, bildeten ein geniales Gespann. Lustig, charmant und gesanglich unglaublich beeindruckend nahmen sie die Bühne für sich ein. Das Publikum fühlte sich von den beiden sofort in den Bann gezogen. Ernesto (Ioan Hotea) und Kunsträuberin Susanne Preissler runden die Gruppe mit ihren erstklassigen Fähigkeiten ab und überzeugen mit ihrem tollen Ausdruck.

Zuletzt noch ein Wort zu den Kostümen und der Kulisse: Ich war noch nie so glücklich, Kunst als Schwerpunkt im Abitur gehabt zu haben. So hat es nämlich nochmal umso mehr Spaß gemacht. Von Kleidungsstücken aus den 20er, 60er und 70er Jahren bis hin zu Kunstwerken, die an Andy Warhol und Keith Harings Werke oder die „Venus von Milo“, den „Sonnenkönig“, „Nighthawks“, oder Delacroix‘ „La Liberté guidant le peuple“ erinnern, war alles zu sehen und ließ mich auch neben der Haupthandlung eine Menge neuer Dinge entdecken.
Leider kann dieser Text, gerade auch aufgrund seiner Kürze, diesem Stück nicht gerecht werden. Dass eine weitere Oper sich zu einem meiner Lieblingsstücke entwickeln könnte, hatte ich längere Zeit bezweifelt, doch „Don Pasquale“ hat mich eines Besseren belehrt. Vielen Dank für dieses erfrischende Meisterwerk.

Weitere Informationen zu „Don Pasquale“

Isabell Boyer
Studentin
Auf Isabell Boyer sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Die Opern- und Ballett-Erlebnisse in ihrer ersten Spielzeit als Opernscout inspirierten sie dazu, freier zu denken und ihren Horizont zu erweitern.

Georg Hess über „Don Pasquale“

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Temporeiche Opera buffa

Diesmal erwartet mich in der Düsseldorfer Oper „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti, eine Opera buffa (komische Oper) aus dem Jahre 1843 in der Inszenierung des Startenors Rolando Villazón.
Hauptdarsteller sind eine junge, attraktive Frau (Elena Sancho Pereg als Norina) die einen älterlichen, reichen Geizhalz (Lucio Gallo als Don Pasquale) an der Nase herumführt und schließlich mit ihrem eigentlichen Liebhaber (Ioan Hoteas als Ernesto) zusammenfindet aufgrund der Ränkespiele des Leibarztes (Mario Cassi als Doktor Malatesta).
Die einfache Handlung ist mit reichlich alberner Komik und zahlreichen klamaukigen Gags versehen, wobei die aktuelle Inzenierung versucht, sich mit den unterschiedlichen Geschmäckern zwischen alter und neuer Kunst und Moral auseinanderzusetzen. Das Stück hat viel Tempo und wirkt zumeist frisch, manchmal sogar überdreht und nur selten altbacken.
Alle vier Sänger (und auch die durch Nicholas Carter geführten Düsseldorfer Symphoniker) imponieren mit erstklassigen Leistungen. Besonders hat mir die Szene im dritten Akt gefallen, als sich die umwerfende Norina und Ernesto im Laternenschein vor einer Margritte-Kulisse ihre Liebe versichern.

Das Publikum ist schließlich begeistert.

Wen eine heitere Opera buffa anspricht, für den ist der Besuch sicherlich zu empfehlen.

Weitere Informationen zu „Don Pasquale“

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Khatuna Ehlen über „Don Pasquale“

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Bunte Mischung

Meine Erwartungen an das Stück waren ambivalent: das Thema ewiger Jugend und das Begehren des Alters, es noch einmal mit der Jugend aufnehmen zu wollen, im Mittelpunkt ein alter Mann und seine junge Frau, versprach nicht gerade eine abendfühlende Vorstellung…
Doch es kam anders: spätestens mit dem Bühnenbild, inspiriert durch Edward Hoppers Nachtschwärmer (Nighthawks, 1942) war ich für das Stück gewonnen und so trat der (eher simple) Inhalte des Stücks in den Hintergrund.
Eine bunte Mischung humoriger, teils frech inszenierter Szenen prägt, neben der Stimmgewaltigkeit der einzelnen Akteure, das gesamte Stück. Das Versprechen der Oper, alle Sinne anzusprechen wurde vollends eingelöst, kurzum: ein gelungener, kurzweiliger, bunter Abend – für ungeübte Opernbesucher zweifelsfrei zu empfehlen.

Weitere Informationen zu „Don Pasquale“

Khatuna Ehlen
Sozialarbeiterin
Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Nach ihrer ersten Spielzeit als Opernscout ist sie glücklich, weiter als Scout aktiv sein zu dürfen. Bisher sind die Aufführungen des Balletts am Rhein ihr klarer Favorit im Spielplan, so dass sie sich auch in der neuen Spielzeit auf mitreißende Choreographien freut.

Gisela Miller-Kipp über „Don Pasquale“

Ein großes Opernvergnügen

Der Spaß beginnt schon vor der Vorstellung: Aus schwarzem Proszenium schaut Donizettis Portrait im Goldrahmen versonnen auf sein Publikum, und wir schauen zurück und denken uns was, etwa: was der Säulenstumpf links vor der Bühne wohl soll? Zur Ouvertüre wird dann eine Kunstausstellung bestückt, läuft eine Zicke von Galeristin über das Proszenium und notiert (Preise), und als der Vorhang sich hebt, dämmert mir: Hier wird Kunst, werden Kunstbetrieb und Kunstszene verulkt. Auf dem Säulenstumpf steht nunmehr eine kleine Kopie der Venus von Milo; im Laufe des Geschehens – Handlungsmuster: steinreicher alter Hagestolz freit junges Blut, das geht in den seltensten Fällen gut (hier aber nach einer verwirrten Intrige doch, das Happy-End kommt freilich recht abrupt) – wird sie je nach Temperament und Stimmungslage der Akteure zerdeppert (Norina), mühsam wieder zusammengeklebt, auch umarmt (Don Pasquale), am Ende in zwei Teilen dem Kunstdieb geschenkt, und zwar von Don Pasquale selbst, da sich dieser Dieb zu guter Letzt als junge Blondine und neue Braut für ihn entpuppt – das im Übrigen im Wortsinne: Der vormals Dieb hängt in weißen Jonglagebändern vom Bühnenhimmel wie eine Schmetterlingspuppe. – Diesem Ansatz also: der Platzierung der Oper im Kunstmilieu, dabei in zwei grundverschiedenen, aber hochberühmten Kunstwelten, entspringen der Spielwitz und die Komik der mit viel Voraus-Presse angekündigten Inszenierung von Don Pasquale durch Rolando Villazón. Sie ist voller origineller und auch einiger verstaubter Einfälle – so plagt den alten Freier der Ischias, natürlich! –, die mich nahezu pausenlos amüsierten: als running-gag etwa der besagte Kunstdieb im schwarzen Catsuit, der in den Posen vieler filmberühmter Juwelenräuber einschließlich Abseilakrobatik durch die Szenen huscht; oder das notorisch unpassend mit Staubwedel oder Sekttablett auftretende Hausmädchen; oder das Völkchen, bei dem die junge Norina als Muse zu Hause ist: die Kunstszene der 60iger Jahre, New York – der Times Square (?) blinkt im Bühnenhintergrund. Dort tummelt und lümmelt sich in einer puristisch neon-grünlichen Wohnzimmerbar – Edward Hoppers „Nighthawks“ lassen grüßen – das abgedrehte Personal der Pop-Art und des (Folk)Pop-Rock: Kiffer und Hare-Krishna-Jünger (die säuseln auch noch vor sich hin), Andy Warhol, Gilbert & George, später dazu: Jimi Hendrix, John Lennon & Yoko Ono, Pete Townsend (? mit Gitarre) – die Bedienung kommt auf Rollschuhen daher, und alle Personifizierungen wandern nach und nach in den Chor ein, der Schlusschor besteht dann nur noch aus imitierten Warhols und Mona Lisas, fand ich sehr vergnüglich.

Ebenso amüsant die Bestückung des herrschaftlichen Kunstsalons von Don Pasquale, hier eben ein steinreicher alter Kunstsammler zu Paris – zur Orientierung schimmern durch die raumhohen Fenster Sacré Cœur und der Eiffelturm –, nachdem er durch die schnelle und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zustande gekommene Heirat unter Norinas Fuchtel geraten ist. Standen und hingen dort zuvor mit besagter Venus geschätzt ein Dutzend der berühmtesten und schönsten Gemälde aus dem Kanon der klassischen Malerei: Odalisken von Ingres, „Die Badenden“ von Fragonard – klarer Fall! –, dazu die „Mona Lisa“, das Herrschaftsporträt Ludwig des XIV. von Rigaud, „Die Freiheit führt das Volk“, „Das Floß der Medusa“ und, und, und, und tritt Norina dort zunächst kostümiert als Audrey Hepburn auf, also als kapriziöses Reh, so agiert sie bald als zänkische, aber auch verführerische Tyrannin und krempelt den Salon gründlich um. Es hängen und stehen dort dann die Ikonen der Pop-Art von Warhol, Haring, Lichtenstein & Co., dabei von Niki St. Phalle eine schwarze (!) „Nana“. Sie wird übrigens vom Kunstdieb erfolgreich entführt, woraufhin Don Paquale, im Anzug und in der Manier von Sherlock Holmes/Nick Knatterton, sie mit der Lupe sucht bzw. eine an ihrer Stelle posierende Figur beäugt. – Das sind nur einige der komischen szenischen Einfälle und bildhaften Anspielungen dieser Inszenierung; um deren ganze Fülle zu genießen, muss man in die Aufführung gehen. Und das nicht zuletzt auch darum, weil Klassiker wie Pop-Art, in einer Szene auch eine Graffitti-Mauer, fabelhaft und mit eigenem Witz und versteckter Bildkomik reproduziert bzw. imitiert sind. Dafür gehört der Malerwerkstatt der Deutschen Oper am Rhein ein außerordentliches Kompliment, wie überhaupt der so bildreich eingerichteten Bühne (Johannes Leiacker). Am witzigsten fand ich, dass auf einem der berühmten Suppendosensiebdrucke von Warhol hier nicht „Campbells Tomato Soup“, sondern „Malatesta’s Matoto suop“ (sic!) geschrieben steht – Malatesta, der Name verrät es, heißt der intrigante Advokat im Spiel.

Die Hauptpartien wurden prima gesungen und gespielt, im Parlando allen voran Lucio Gallo als Don Pasquale, im kokettem Charme Elena Sancho-Pereg als Norina; Mario Cassi war als Doktor Malatesta bestens aufgelegt, er sprang ganz kurzfristig für den erkrankten Dmitri Vargin ein; angestrengt in der Stimme wirkte auf mich nur Ioan Hotea als Ernesto – armer Graffitti-Maler und Neffe von Don Pasquale, der mit Norina das heimliche Liebespaar abgibt. Sein hochromantisches Ständchen für die Angebetete, ein veritabler Ohrwurm, singt er in hochromantischer Kulisse: der Silhouette eines Schlossparks in nächtlicher Dämmerung. Diese Szenerie steht im heftigen Kontrast zu den vorangehenden Bühnenbildern, und damit wird auch die romantische Welt ins Komische gezogen – was soll’s, es tut der Melodienseligkeit dieser Oper keinen Abbruch. Unter Nikolas Carter spielten die Düsys mit frischem Schwung und süßem Klang, und zum Schluss schaut wieder Donizetti auf sein Publikum, diesmal jedoch als Siebdruckporträt in vierfacher Farbvariation à la Warhol – noch eine schöne Bilderfindung. Standing Ovation – ein großes Opernvergnügen!

Weitere Informationen zu „Don Pasquale“

Gisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik
„Die sinnliche Erfahrung von Oper und Ballett öffnet einen immer wieder neu“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Was sie sieht, vergleicht sie mit ihren persönlichen Kulturerlebnissen aus vielen Jahrzehnten und ist beglückt darüber, dass sich dabei immer wieder neue Sichtweisen erschließen. Sie engagiert sich in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und wird im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast auf ihre Erlebnisse als Opern- und Ballettscout angesprochen.

 

Uwe Schwäch über „Don Pasquale“

Feingefühl für Humor und Leichtigkeit

„Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti ist eine Opera buffa und somit als Komödie unter den Opern einzuordnen. Wie viele Komödien lebt auch „Don Pasquale“ von einer schematischen Handlung, die durch die Vermittlung echter romantischer Gefühle eine Besonderheit erfährt.
Die Wahl von Rolando Villazón zur Inszenierung dieser Oper kann als Glücksgriff bezeichnet werden, denn es gelingt ihm das komödiantische dieser Oper einfallsreich und mit viel Esprit umzusetzen. Die kreative Leitidee handelt von der bildlichen Kunst, die in die musikalische Kunst eingebettet ist. Die Geschichte um den alternden, konservativen, reichen aber geizigen Don Pasquale wird im zeitgeschichtlichen Rundgang von klassischer Malerei bis hin zu Pop Art aufgezeigt. Das führt zu wandelnden Bühnenbildern, die einen Teilbeitrag zur lebendigen und abwechslungsreichen Inszenierung leisten. Edward Hoppers „Nighthawks“ beispielsweise wird durch Statisten in ein lebendiges Kunstwerk gewandelt und hebt das zuvor klassisch geprägte Bühnenbild in die Moderne des 20. Jahrhunderts. Dieses Stilmittel wird auch auf die Charaktere der Protagonisten übertragen. Die von Doktor Malatesta, Norina und Ernesto geschmiedete Intrige wird mit großem schauspielerischen Talent vorgetragen. Mimik und Gestik der Protagonisten finden Ausdruck in erlebbarer Leidenschaft. Dies ist besonders bei Mario Cassi als Doktor Malatesta erstaunlich, der als kurzfristiger Ersatz eingesprungen ist und nur einen Tag Zeit für die Probe hatte. Villazón profitiert genau von diesen vier herausragenden Sängern. Elena Sancho Pereg glänzt als Norina gleich zu Beginn mit einer wunderbar romantisch vorgetragenen Arie („Quel guardo in viso“…“Welche Glut in Blicken“), überrascht optisch mit verführerischen Outfits und singt auch zum Ende der Oper in einem letzten Duett („Tornami a dir che m’ami“…“Laß’ ach laß’ es mich hören“) klar und leuchtend wie ein Sternenhimmel. Ernesto wird von dem jungen rumänischen Tenor Ioan Hotea leicht und feinfühlig gesungen, der Italiener Mario Cassi überzeugt als Bariton in stets ausgereifter Stimmlage und Lucio Gallo singt die Titelpartie selbstbewusst und souverän. Die Oper glänzt durchweg mit vielstimmigen Arien, in denen alle vier Hauptrollen ein gefühlvolles, harmonisches Musikerlebnis vermitteln. Über den intriganten Umgang des bemitleidenswerten Don Pasquale hinaus lebt diese Inszenierung von humorvollen Nebengeschichten, die den schnell erzählten Opernstoff facettenreich erweitern. Die bedeutenden Kunstwerke verschiedener Stilepochen sind Objekt der Begierde eines artistischen Kunsträubers, dessen Erscheinen parodistischen Szenenhumor auslöst. Auch das äußerst neugierige Dienstmädchen evoziert bei jedem ihrer Auftritte stumm gespielte Heiterkeit. Grenzwertig dagegen erscheint der kiffende Notar als Vertreter der Hare-Krishna-Bewegung, der die bisweilen bunte Inszenierung an den Rand des Klamauks drängt. Die musikalische Leichtigkeit der Oper wird durch den jungen und eloquenten australischen Dirigenten Nicholas Carter eindrucksvoll interpretiert. Er dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker lebendig und schwungvoll. Die Klangkörper der Instrumente werden besonders mit dem Einsatz von Bläsern, Pauke und Schlagzeug authentisch interpretiert und unterstreichen den musikalisch rasanten Opernstil.
Sicherlich ist „Don Pasquale“ eines der Highlights in dieser Opernsaison und daher sehens- und hörenswert.

Weitere Informationen zu „Don Pasquale“

Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.