Herrlich abgefahren!

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Jürgen Ingenhaag über die Premiere von Johann Strauss‘ „Fledermaus“

Die Operette aller Operetten, „Die Fledermaus“, ist in Duisburg zu erleben: Eine bunte Revue mit eingängigen Musiknummern, klasse Darstellern, viel Wortwitz und tollen Bühnenbildern. Messerscharf und spritzig kommt schon die Ouvertüre daher. Der Duisburger Jung und zukünftige Kieler GMD, Benjamin Reiners, dirigiert, und unsere Duisburger Philharmoniker spielen natürlich in der ersten Liga. Regisseur Axel Köhler hat den Staub aus dem Libretto der 1874 uraufgeführten Operette geklopft, ohne das Stück zu vergewaltigen. Zur Entstehungszeit von Johann Strauß´ Meisterwerk hatte der „Black Friday“ noch eine ernste existenzielle Bedeutung. Am Rande des Ruins wurde gefeiert und geprasst. Mehr Schein als Sein! Nur im Theater lässt sich solch einer Gesellschaft ein Spiegel vorhalten. Damals wie heute schön übertrieben – realistisch muss nichts sein!
So dürfen wir über den eitlen, selbstgefälligen Eisenstein (Norbert Ernst) lachen, der den Ruf seines Freundes Dr. Falke (Kay Stiefermann) ruiniert hat. Die Rache der Fledermaus ermöglicht „Prince“ Orlofsky (Kimberley Boettger-Soller). Orlofskys Millionen sind sein Unglück, und so will er Duisburg zum Weltraumbahnhof machen, und davon soll Eisenstein politisch profitieren. Herrlich abgefahren – die Rakete! Sowas muss gefeiert werden. Bei der Melodie von „Ha, welch ein Fest, welche Nacht voll Freud´…“ denke ich zwangsläufig an „Klimbim“. Schön anzusehende Revue-Girls tanzen und begleiten gestenreich das „Uhren-Duett“ oder die „Klänge der Heimat“ im zweiten Akt. Weit über 3000 Lichter fährt Volker Weinhart dafür auf. Für die Pause empfehle ich ein alkoholisches Getränk, denn dann geht es ab in die Justizvollzugsanstalt, und es ist „Schluss mit lustig“! Nicht mit Gefängniswärter Frosch alias Wolfgang Reinbacher, denn die „Motivationshilfe“ von Dr. Falke hat geholfen…
Seinse kein FROSCH, ich habe DIE FLEDERMAUS bereits BLIND empfohlen.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Jürgen Ingenhaag
Vorstand Musikalische Gesellschaft Rheinberg

Der Staatlich geprüfte Techniker für Druck und Medien organisiert im Vorstand der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge‘‘. Mit Rock- und Popmusik ist er aufgewachsen – sie hat ihn geprägt und trotzdem nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden; einer, der sogar die Bayreuther Festspiele besucht. Im Theater Duisburg freut er sich nach „Rheingold“ und „Walküre“ in dieser Spielzeit auf die Fortsetzung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.

Jessica Gerhold über „Ariadne auf Naxos“

Eine tolle gesangliche und spielerische Leistung

Ariadne_auf_Naxos_04_FOTO_FlorianMerdesDie Premiere von „Ariadne auf Naxos“ machte auf mich einen unglaublich tiefen Eindruck, da ich das Gefühl hatte: Hier trauen sich die Inszenierenden mal etwas! Dies gelang wohl besonders durch den offenen Beginn des Stückes: Schon vor Aufführungsbeginn gab es Lautsprecherdurchsagen im Foyer die zur Probe riefen, die Saaltüren blieben offen, das Licht im Publikumsraum an und der Haushofmeister drängelte sich immer wieder durch das sitzende Publikum! Mutig! Sich so viel Nähe zum Publikum in einem Opernhaus zu trauen!

Überhaupt kommt das gesamte Stück sehr aktuell und modern daher. Endlich mal ein Stück, das von der Inszenierung einer Oper an sich erzählt – mit all den Ängsten und Hoffnungen, die alle beteiligten Künstler dabei empfinden.

Beeindruckt hat mich die tolle gesangliche und spielerische Leistung. Man verfolgte jede Rolle gebannt, besonders hervorzuheben sind hier aber die Ariadne, die Zerbinetta und der Harlekin, aber auch der Haushofmeister, der Musiklehrer und er Komponist dürfen nicht unerwähnt bleiben! Ein einziger Wehmutstropfen bleibt jedoch, trotz des Musikquartetts hat das Stück im zweiten Drittel eine Länge, die sich nicht erklären lässt, denn auch hier werden fehlerfreie Koloraturen vorgetragen.

Trotzdem, diese Oper sollte man auf keinen Fall verpassen!

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Jessica Gerhold-1Jessica Gerhold
Gymnasiallehrerin

Jessica Gerhold ist gebürtige Duisburgerin und arbeitet als Gymnasiallehrerin. Von jeher hat sie sich für das Theater interessiert.  Bei ihrer Berufung zum Opernscout war sie eher skeptisch, ob sich ihre bisher eher distanzierte Haltung zu Oper und Ballett verändern würde. Nach ihrer ersten Spielzeit sind die Zweifel verflogen. Sie ist stolz auf das, was in ihrer Heimatstadt geleistet wird und hofft, dass sich zukünftig viel mehr Menschen von der Leistung der Künstler live faszinieren lassen.

 

Kathrin Pilger über „Ariadne auf Naxos“

Empfehlenswert, auch für Opernskeptiker

Ariadne_auf_Naxos_10_FOTO_FlorianMerdesDas Premierenstück am vergangenen Donnerstag im Theater Duisburg verlangte dem Besucher viel Aufmerksamkeit ab: Schon beim Betreten des Zuschauerraums war klar: hier ist nichts wie sonst! Die Szenerie bot sich als unübersichtlich und wenig vorbereitet dar. Unterschiedlich kostümierte Personen betraten und verließen geschäftig die bis in den Zuschauerraum hinein verlängerte Bühne, die zur einen Hälfte das Interieur des Theater Duisburgs und zur anderen das des Düsseldorfer Opernhauses widerspiegelte.

Requisiten wurden hektisch hin- und hergetragen, die Musiker der Duisburger Philharmoniker, nicht wie üblich unsichtbar im Orchestergraben, sondern deutlich im hinteren Teil der Bühne platziert (und später nur durch einen transparenten, bedruckten Vorhang scheinbar abgetrennt), spielten sich in aller Ruhe vor den Augen und Ohren des Publikums ein. Genauso improvisiert wie der Vorlauf wirkte das Stück, das ungewohnt bei voll ausgeleuchtetem Zuschauerraum startete.

Was dann kam, war allerdings großartig: in einem einzigen Aufzug nebst dem „Vorspiel“ zog diese intelligente Inszenierung der 1912 erstmals aufgeführten Oper von Richard Strauss (mit Hugo von Hofmannsthal als Verfasser des Libretto) das Duisburger Publikum in den Bann.
In einem „Theater auf dem Theater“ wird der mythologische Stoff der auf der Insel Naxos verlassenen, tieftraurigen und auf den Todesboten wartenden Ariadne mit Aspekten der komischen Oper verbunden; im Haus eines Neureichen sollen nach Wunsch des Geldgebers eine ernste und eine komische Oper gleichzeitig aufgeführt werden. Das führt zu zahlreichen Verwicklungen zwischen dem Komponisten und den Darstellerinnen des ernsten „Ariadne“-Stückes und der munteren, an die Tradition der Commedia dell`arte angelehnten Schauspieltruppe, die für das lustige Stück engagiert worden ist.

Allen voran die unkonventionelle Zerbinetta, herausragend interpretiert von Heidi Elisabeth Meier, aber auch ihre humorvollen Begleiter sorgen für kurzweilige, slapstickartige  Momente in dem Stück.  Am Ende wird übrigens alles gut! Ariadne, die ihren berühmten, dieses Mal an einem dicken Wollknäuel hängenden Faden zur Orientierung stets hinter sich herzieht, gewinnt durch die Liebe zu Bacchus  ihre Lebensfreude zurück. Und es stellt sich heraus, dass Menschen und Kunst sich doch den Erfordernissen anpassen können.

Das Stück ist absolut empfehlenswert, auch für Opernskeptiker!

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Kathrin Pilger-2Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg

Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

Ralf Kreiten über „Ariadne auf Naxos“

Das Stück braucht kein Mensch….

Ariadne_auf_Naxos_08_FOTO_FlorianMerdes…könnte man meinen, wenn man sich im Vorfeld mit dem Libretto von „Ariadne auf Naxos“ beschäftigt hatte; und genau dies Statement fiel auch in der kurzen Nachbetrachtung der Opernscouts im Rahmen der Premiere zu dieser Strauss-Oper.

Aber die Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf, die ich am vergangenen Donnerstag als Theater auf dem Theater erleben durfte, hat mich und das gesamte Premierenpublikum vom genauen Gegenteil überzeugt. Lang anhaltender Applaus für eine großartige Gesamtleistung.

Im Vorspiel leiden der Komponist und der Tanzmeister unter der Willkür ihres Mäzens, weil aus der ursprünglichen Reihenfolge der für den Abend geplanten Aufführungen (erst die dramatische Oper „Ariadne“, dann ein lustiges Nachspiel) eine gleichzeitige Aufführung beider Stücke beauftragt wird. Das der Haushofmeister, der die Vorgaben des Mäzens wenig wertschätzend an die beiden weitergibt, mehrfach zwischen den Zuschauern im Parkett seinen Platz sucht, hat mir gut gefallen. Im zweiten Teil, der eigentlichen Oper, vermischt sich die Tragödie mit der Komödie, geraten die ausgebildeten Opernsänger fast in einen Wettstreit mit den Improvisation gewöhnten Komödianten.

Das Ganze wird begleitet durch die ansprechende und gefällige Musik Richard Strauss‘, die von den Duisburger Philharmonikern, unter der Leitung von Wen-Pin Chien, aus meiner Sicht auch diesmal wieder sehr schön dargeboten wurde. Dabei saßen die Musiker mal auf der Bühne, eine Idee, die mich als Zuschauer auch sehr angesprochen hat.

Gewiss, das dramatische Gerippe ist dünn, aber durch die Idee, Theater auf dem Theater zu spielen und den Zuschauer in die Theaterarbeit mit einzubeziehen, verliert das Stück den Pathos, der den mythologischen Figuren anhaftet, und gewinnt dadurch. Verstärkt wird dies durch die Einlagen der Komödianten, bei denen die Ariadne „hinter der Bühne“ auch schon mal aus der Rolle fällt.

Bei den Künstlern hat mich die Gesamtleistung überzeugt. Insbesondere berührt hat mich Heidi Elisabeth Meier als Zerbinetta, die selbst bei den höchsten Tönen der vielen Koloraturen so wohltuend klingt. Aber auch Bogdan Baciu als Harlekin, Corby Welch als Bacchus und auch Karine Babajanyan als Ariadne haben mir diesmal, neben den übrigen Sängerinnen und Sängern, außerordentlich gut gefallen.

Bei so einer Inszenierung ist es gut, dass es das Stück gibt.

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Ralf Kreiten-1Ralf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld

Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

Birgit Idelberger über „Ariadne auf Naxos“

Ein besonderes Erlebnis

Ariadne_auf_Naxos_03_FOTO_FlorianMerdesOper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel von Hugo von Hofmannsthal.

Was heißt das schon wieder? Ein bisschen Vorstudium hilft da! Oder man lässt es sein, denn das Stück bringt die Erklärung leicht verständlich.

Man betritt den Zuschauerraum und meint eine Sekunde lang, dass die Vorbereitungen auf der Bühne noch nicht fertiggestellt sind.
Es gibt keinen Orchestergraben, die Bühne und somit die ganze Handlung nähert sich dem Publikum. Nach den ersten Sequenzen wird das gespielte Publikum in der ersten Reihe wie selbstverständlich Platz nehmen, der gespielte Intendant wird mehrfach „echtes“ Publikum zum Aufstehen bitten, um zu einem Mikrofon in der Mitte des Parketts zu gelangen und seine Künstler instruieren. Die Grenzen verschwinden äußerst wirksam und amüsant zwischen Publikum und Künstler sowie zwischen gestern und heute. Das Thema: ein Komponist muss auf Wunsch des Geldgebers seine Oper mit Einlagen einer Commedia dell‘ Arte Truppe aufführen. Kunst und Geld.

Ein ganz großes Lob geht an diesem Abend aber an die Sänger, insbesondere an die Sopranistinnen. Karine Babajanyan als Ariadne und Heidi Elisabeth Meier als Zerbinetta sind herausragend. Aber auch alle anderen Solorollen sind hervorragend besetzt.

So wird ein Opernabend am Ende eines langen Arbeitstages zu einem besonderen Erlebnis.

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Birgit Idelberger-1Birgit Idelberger
Frauenärztin

Birgit Idelberger ist in Duisburg aufgewachsen und seit 10 Jahren als Frauenärztin in Duisburg-Walsum niedergelassen. Sie geht gern ins Kino und besucht Kunstausstellungen, doch Bezug zum Theater hatte sie kaum – zur Oper schon gar nicht. Das ist jetzt anders: Offen und neugierig ließ sie sich auf ihre erste Saison als Opernscout ein. Auch ohne Theatererfahrung empfindet sie die Opern- und Ballettabende als persönliche Bereicherung und positive Erfahrung. Sie hofft, dass viele Menschen durch die Kommentare der Scouts neugierig werden und den Weg ins Theater finden.

Martin Breil über „Ariadne auf Naxos“

Phantasie und Wirklichkeit liegen nicht weit auseinander

Ariadne_auf_Naxos_13_FOTO_FlorianMerdes„Gibt es kein Hinüber? Sind wir schon da?“ wird sich Ariadne am Ende des Abends fragen und das gleiche Gefühl habe ich, als ich den Saal der Oper Duisburg betrete.

Ein unfertiges Bühnenbild, das Orchester auf der Bühne probiert vor sich hin und Wen-Pin Chien, der Dirigent, ist noch nicht einmal umgezogen.
Auf der Bühne erkenne ich links die Verlängerung der Saalvertäfelung aus Duisburg und rechts die des Opernhauses Düsseldorf. Merkwürdig, denn die Oper spielt im Haus eines reichen Mannes, da stimmt wohl nur die rechte Bühnenhälfte.

Und ehe ich mich versehe, beginnen auf der Bühne die letzten Vorbereitungen zur Aufführung einer Oper und ich merke, wie sich die Rollenverteilung verschiebt. Einerseits bin ich Gast der DOR, aber gleichzeitig Gast im Haus eines reichen Herrn, der die Musik bestellt hat.
Was folgt ist ein schier endloser Reigen von Leidenschaft und Emotion, sowie großer Missverständnisse, nach zu lesen in der Rheinischen Post vom 27.02.2016.

Großartig sind die Sängerinnen und Sänger der DOR, die ihre anspruchsvollen Partien souverän meistern. Die Duisburger Philharmoniker unterstützen sie dabei hervorragend.

Trotz aller Irrungen und Wirrungen kann ich dem roten Faden, den Ariadne den ganzen Abend spinnt, gut folgen. Allein die Dauer des Stückes (2 ¼ Std. ohne Pause) und der permanent hohe musikalische Anspruch an den Zuhörer sind eine wahre Herausforderung.

Am Ende verlasse ich den Saal mit der Erkenntnis, dass Phantasie und Wirklichkeit gar nicht so weit auseinander liegen. Es gibt kein Hinüber, wir sind schon da!

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“ :
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Martin Breil-1Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau

Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

Christoph Grätz über „Ariadne auf Naxos“

Frech-frivole Gauklertruppe trifft auf tränenreiches Selbstmitleid

Ariadne_auf_Naxos_07_FOTO_FlorianMerdesWer die Musik bestellt und bezahlt bestimmt wo es lang geht. Eigentlich so, wie im richtigen Leben ist das auch bei der „Ariadne auf Naxos“. Der steinreiche Gönner bestimmt, die schmerzensreiche Ariadne-Oper zeitgleich mit der Komödie „Die ungetreue Zerbinetta und ihre vier Liebhaber“ seinen Gästen auf einer Bühne zu präsentieren. Was für die der Lust zugewandte, verfressene und frivole Gauklertruppe um Zerbinetta weniger das Problem ist, als für die Vertreter des ernsten Faches um den jungen Komponisten der tiefschürfenden Oper „Ariadne auf Naxos“.

Der Zuschauer ist bei dieser Inszenierung erstmals etwas irritiert, hat er doch den Eindruck in die Probenphase einer noch nicht ganz vollendeten Inszenierung hereinzugeraten. Das Licht bleibt an, während das Orchester noch probt, die Gauklertruppe eintrifft, der Haushofmeister (übrigens großartig gespielt von Peter Nikolaus Kante) mürrisch die Hiobsbotschaft der Doppelaufführung und obendrein das Feuerwerk ankündigt, das für alle Gäste pünktlich um 21.35 Uhr beginnen soll. Die unverhohlene Aufforderung: „Ja dann sehen Sie mal zu, wie Sie damit klarkommen“. Basta und keine Diskussion.

Das Setting ist vielversprechend. Die Distanz zum Publikum praktisch aufgehoben, weil das Orchester hinter einem Gazevorhang spielend auf die Bühne verlegt ist. Der Orchestergraben ist überbrückt und so entsteht genau die Nähe zum echten (und gespielten Publikum), die diese Aufführung braucht. Das Bühnenbild bleibt während der gesamten Aufführung statisch und hält den improvisierten Charakter mit Probenpodesten und verschiebbaren Kulissen bei. Die Inszenierung strotzt nur so von Regieeinfällen, Anspielungen und Reminiszenzen, von denen mir mit Sicherheit einige entgangen sind.

Schön dargestellt, bei voller Saalbeleuchtung, ist die Annäherung der beiden scheinbar unvereinbaren Gegensätze, Tragödie und Komödie. Das dies schließlich doch gelingt ist der listigen, Ariadne umgarnenden, Zerbinetta und dem einsichtigen, weil der Gage bedürftigen, jungen ungestümen Komponisten zu verdanken. Lust, List und Mammon treffen hier aufeinander. Eine im echten Leben manchmal unheilige Allianz, hier geradezu das Salz in der Suppe.

Besonders gut hat mir die Komödiantentruppe um Zerbinetta gefallen. Diese, dargestellt von Heidi Elisabeth Meier, hat die extrem anstrengende Partie stimmlich hervorragend gemeistert. Spielerisch hat sie die Rolle so frivol gestaltet, dass der Kontrast zu der im Selbstmitleid vergehenden Ariadne, die ihrem Tod- und damit Erlösung bringenden Retter entgegenfiebert, überdeutlich wurde. Auch die Partien des „ernsten Faches“ waren treffend vorgetragen und glaubwürdig dargestellt durch Karine Babajanyan und ihren Erlöser Bacchus, gespielt und gesungen von Corby Welch.

Die Überraschung des Abends war für mich die Inszenierung; das Konzept ist aufgegangen. Die Idee, auch ein Publikum spielen zu lassen und so einmal mehr das Spiel im Spiel zu verdeutlichen, war ein listiger kleiner Trick der Regie. Insgesamt muss ich aber sagen, hat mich diese Oper zwischenzeitlich doch nicht so emotional gepackt, wie andere Aufführungen. Eine Pause hätte dem Abend gut getan, gerade bei einer Aufführung in der Woche. Diese Inszenierung ist empfehlens- und sehenswert.

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Christoph Grätz-1Christoph Grätz
Referent der Stabsstelle Kommunikation bei der Caritas

Wenn es sie nicht schon gäbe, bäte er Gott sie zu erfinden: die Musik. Als Sänger im philharmonischen Chor Duisburg, als ungeduldiger Akkordeonschüler und begeisterter Tangotänzer füllt Christoph Grätz seine Freizeit mit viel Musik (und umso weniger Sport). Bei der Arbeit als Öffentlichkeitsarbeiter für die Caritas darf er zwar auch kreativ werden, aber fast nie musikalisch. Oper und Ballett entdeckt er jetzt nach und nach als Opernscout. Wie schön, dass er etwas davon mitteilen kann.

Julia Kulig über „Ariadne auf Naxos“

Eine Oper mit Einblicken in die Hintergründe einer Kunsterschaffung

Ariadne_auf_Naxos_01_FOTO_FlorianMerdesDie von Richard Strauss komponierte Oper handelt von Liebeskummer, tiefer Trauer und einer Transzendierung dieser zu einem neuen Leben. Die Hauptfigur Ariadne verzehrt sich vor Liebeskummer, da ihr Geliebter Theseus sie verlassen hat. Als sie Bacchus begegnet, hält sie ihn für Hermes den Götterboten und hofft, dass sie durch ihn den Tod findet. Zum Ende hin löst sich Ariadnes Missverständnis auf und sie und Bacchus sind glücklich vereint.

Bevor dieser Handlungsstrang aufgeführt wird, erleben wir als Publikum im Vorspiel (komponiert von Hoffmannstal) die Situation vor der Aufführung: Die Schauspieler bereiten sich auf ihren Auftritt vor, das Orchester probt. Der Komponist erfährt, dass nach der Oper Ariadne ein weiteres, lustiges Stück aufgeführt werden soll. Dies versetzt ihn und seine Schauspieler in Verärgerung. Kurz vor Beginn wird die Vorgabe des Auftraggebers ein weiteres Mal verändert: Die Oper Ariadne soll gleichzeitig mit der Komödie dargestellt werden. Hiermit hadern nunmehr alle Akteure, wobei die Darsteller der Komödie sich deutlich schneller auf das Experiment einlassen, die Stücke zu vereinen.

Im eben beschrieben ersten Teil erhalten wir als Zuschauer Einblick in die – teils tragischen – Hintergründe einer Kunsterschaffung: Der Schaffende steht hier im Konflikt zwischen dem eigenen künstlerischen Anspruch und den Vorstellungen des Finanziers. Wie weit kann und soll auf Wünsche von außen eingegangen werden, ab wann ist es nur noch ‚Auftragsarbeit‘? Katarzyna Kuncio in der Rolle des Komponisten zeigt mit einer tollen Singstimme das Hin- und Hergerissen sein zwischen diesen beiden Polen. Im Hauptteil, der ohne Pause an das Vorspiel anschließt, erleben wir dann das aufgeführte Stück um Ariadne. Die Handlung schreitet voran, die Künstler der ernsten Oper wechseln sich in ihren Auftritten mit denen der Komödie ab. In einzelnen Phasen interagieren sie auch zusammen – dies waren für mich die lebendigsten Teile des Stückes.

Dass wir als Publikum neben den Akteuren des Stückes dank des Bühnenaufbaus auch das Orchester auf der Bühne hören und betrachten können, war für mich ein sehr gelungener Griff der Inszenierung. Auch wenn mir die Musik von Strauss und von von Hoffmannstal nicht so recht gefallen wollte, beeindruckten mich die Gesangsleistungen der Sängerinnen und Sänger und dem wunderbaren Zusammenspiel mit dem Orchester.

Weitere Informationen zu „Ariadne auf Naxos“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/ariadne-auf-naxos.1045091

Opernscout Julia Kulig-2Julia Kulig
Musiktherapeutin

In ihrer Arbeit als Musiktherapeutin setzt sich Julia Kulig mit ihren Patienten therapeutisch und kreativ mit dem Medium Musik auseinander. Daher freut sie sich, seit der Spielzeit 2014/15 als Opernscout Ballett- und Opernstücke besuchen und den Blickwinkel in Richtung anderer musikalischer und tänzerischer Ausdrucksformen erweitern zu können. Sie schätzt den Austausch mit den anderen Scouts sehr und ist gespannt, was sie in der neuen Spielzeit erwartet.

Isabell Boyer über „Arabella“

Isabell Boyer über “Arabella”

ARABELLA_11_FOTO_Hans Joerg MichelDer Vorhang schließt sich, das Publikum schweigt und wartet auf das Antlitz jener, die Hofmannsthals und Strauss’ Meisterwerk in unsere Leben bringen. Wer hier pompöse, dekadente Bühnenbilder erwartet, staunt zuerst: Es zeigen sich kahle Räume, von weißen Wänden geziert, die sich immer wieder neu arrangieren lassen. In dieser ‘Arabella’ geht es nicht um offensichtliche Dekadenz, sondern um die, die man im Herzen trägt. Somit erzeugt nicht der Hintergrund den optischen Rahmen der Begebenheiten, sondern die farbenfrohen Kleider, die sich je nach Anlass wandeln, sowie das hinreißende Licht, das die kalten, weißen Wände in Schattenspiel und Atmosphäre taucht.
Darin, begleitet vom Licht wie von schweigenden Auren, singen Arabella und Zdenka mit eindrucksvollen Stimmen von ihren Sorgen, die eine von ihrem Wunsch, den Richtigen zu finden, die andere davon, einerseits ihre Familie scheitern zu sehen, die von Spielsucht und Oberflächlichkeit zerfressen ist, andererseits sich selbst zu verlieren in der Lüge, die sie aufrechterhalten muss. Zdenka ist in ihren Gefilden nämlich nicht als Mädchen bekannt, sondern als Junge. Ihre Eltern gingen davon aus, nur ein Mädchen standesgemäß aufziehen zu können und entschlossen somit, dass ihre jüngere Tochter als Zdenko bekannt werden sollte – mit kurzem dunklem Haar, Brille und unscheinbarer Kostümierung.
Es ist beeindruckend, wie aufopferungsvoll die junge Frau sich gibt, obwohl ihre Liebe lange nicht erwidert und ihre Hoffnungen nicht selten innerhalb des Stücks zerstört werden. Hierbei beeindruckt mich besonders die Darstellung ihrer Person von Anja-Nina Bahrmann, die sowohl die humoristischen, als auch die tragischen und romantischen Seiten ihrer Rolle exzellent zu verkörpern wusste.
Doch ist sie nicht die einzige junge Frau, deren Leben auf den Kopf gestellt wird. Arabella, das Hauptaugenmerk unseres Stücks, stellt einen Kontrast zu ihrer Schwester da, der nur spielerisch aufgehoben wird, wenn die beiden Frauen direkt aufeinander treffen. Sie ist überheblich, selbstbewusst, trägt auffällige, bunte Kleidung, liebt es, zu kokettieren, zu spielen, Männer um den Finger zu wickeln. Zu Anfang stellte sich die Frage, wo genau Sympathien anzulegen sind. Mit wem fühlt man mehr mit? Mit der Frau, die sich verstecken muss und leugnen muss, einen Mann zu lieben, der sich stets in ihrer Nähe befindet? Oder mit derjenigen, die alles hat, aber merkt, dass es nie der Richtige war, der sie umwarb, bis er eines Tages auf der Bildfläche erscheint?
Ein Foto, das schließlich zur Brautwerbung an einen ehemaligen Freund des Vaters verschickt wird, bringt die Geschichte ins Rollen. Nicht mehr als ein Abbild, ein Zeichen der Schönheit Arabellas, bewegt Mandryka, den Mann, den Arabella sich erträumte, dazu, um ihre Hand anzuhalten. Den geldgierigen Eltern kommt dies nur recht. Kurz darauf beginnt das Chaos. Als Arabella ihre letzte Nacht als Mädchen feiern will und recht früh wieder gehen möchte, um sich auf ihr neues Leben vorzubereiten, führt ein schreckliches Missverständnis zu Fehlern, die es kaum zu begleichen gilt. Es ist schockierend, zu sehen, wie ein lustig anmutendes Fest zur Orgie gewandelt wird, angetrieben und ermöglicht von dem Mann, der vor Eifersucht blind geworden ist.
Nur Zdenka, die das Schicksal herausforderte, da sie Matteo, den Mann, den sie liebte, täuschte, kann am Ende alles wieder ins Gute umkehren. Nicht nur sie hat nun die Möglichkeit, zu lieben, nein, auch Arabella erhält eine neue Chance, sich zu beweisen und zeigt Mandryka sowohl Hoffnung, als auch Grenzen auf. Am Ende ist es nicht der überschwängliche Kitsch, der das Paar zusammenbringt, sondern ein Brauch, den sie in erstaunlich erwachsener, schlichter Haltung für Mandryka übernommen hat: Sie reicht ihm als Zeichen dafür, dass sie selbst ihn und keinen anderen erwählt hat, ein Glas Wasser über die Schwelle. Es wird klar, dass sie zwei Dinge erreicht hat, die für sie von größter Wichtigkeit sind: Selbstbestimmung in einer Welt, wo Frauen dies selten inne haben und Liebe, ehrlich und aufrichtig, erwachsen und wahrhaftig.
Das Ensemble, ebenso wie das Orchester, Regie und Technik, haben mit Arabella ein Monument geschaffen, einzigartig als Abbild der Gesellschaft. Es bleibt jedem selbst überlassen, mit wem er sich in diesem Stück identifiziert. Doch eines bleibt wohl festzuhalten: Wir müssen lernen, zu wissen, wer wir sind, warum wir sind, wie wir sind und was wahre Liebe, Vertrauen und Verständnis füreinander wirklich bedeuten.


Weitere Informationen zu “Arabella
“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsIsabell Boyer
Studentin

Auf unseren jüngsten Opernscout sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Als Opernscout berufen worden zu sein ist eine Ehre für sie. Sie ist sehr froh, dabei zu sein und hofft auf eine schöne Zeit.

Christina Irrgang über „Arabella“

ARABELLA_04_FOTO_Hans Joerg MichelMit der Inszenierung von Tatjana Gürbaca an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf ist Richard Strauss‘ „Arabella“ in ein neues Kleid gestiegen: in eines der Emanzipation.
Die Szenerie um Arabella, deren gebotene Heirat als einziger familiär-wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ausweg aus der verarmten Wiener Adelsfamilie erscheint, könnte nicht klischeereicher beginnen: Der Vater wirbt mit ihr anhand einer Fotografie, woraufhin sich der Fremde Mandryka sogleich in Arabellas Abbild verliebt. Das Portrait der jungen Frau vereinnahmt seine Sinne, veranlasst ihn zu einer Reise aus den heimischen Wäldern Slawoniens nach Wien, zur Brautwerbung und zur direkten Antragstellung. Die bildhafte Erscheinung von Arabella ist Mandrykas Fundament für dessen Liebe – eine sehr instabile, wie sich im Verlauf der Oper erweisen wird.
Das Stück spielt im Jahr 1860. Es ist eine Zeit, in der die gesellschaftsfähige Entwicklung der Fotografie gerade erst begonnen hat, doch ist es auch eine Zeit, in der Visitenkartenportraits durchaus geläufig waren. Es ist anzunehmen, dass der Dichter Hugo von Hofmannsthal auf diese Mode verwies, als er 1927 mit Richard Strauss in Brief-Korrespondenz stand, um die Handlung der „Arabella“ zu verfassen. Viel mehr noch aber ist der Glaube an die durch die Fotografie vermittelte Authentizität ein Aspekt seiner Zeit, wurde das fotografische Bild zu Hofmannsthals Zeit geradezu massentauglich und politisch wirksam.
So, wie Arabellas Antlitz auf dem Abbild des Fotos den Mandryka blendet, wird ihr Charakter auch im 1. Aufzug und 2. Aufzug dargestellt. So durchläuft Arabella in Gürbacas Regie, in Anne do Pacos Dramaturgie und in Silke Willretts Kostümen die Rollen des KÖ-Girlies mit silbernem Rock und den passenden Schuhen, hin zu einer Prinzessin in pinkfarbenem Tüll. Arabella wird zum Sinnbild der Oberflächlichkeit, die sich in ihrem Charakter auf Selbstverliebtheit und Koketterie stützt, und in ihrem taumelden Liebeswahn zu Mandryka als dessen Untertanin seinen Schatten – in diesem Fall sein halbfestes Abbild – küsst. Den Umbruch von Anschein zu Tatsächlichkeit bringt ein Missverständnis – doch die vermeintliche Tragödie des Stückes kehrt in ihrer Intensität und Vehemenz nur die Stärke der Protagonistin hervor. Denn erst Arabellas Erkennen des „Einbildens“ und Verblendetseins verhilft ihr zu einer autonomen Persönlichkeit, und erst ihre Geste des Verzeihens und des sinnbildlichen „Wasser Reichens“ verhilft ihr und Mandryka als Paar zu wahrer Größe. So erscheint die Schlussszene, in der Arabella als ernste, erwachsene Figur ein schwarzes Kleid trägt, auch nur scheinbar von Trauer gefärbt. Die minimal gestaltete Bühne mit weißen Drehtüren von Henrik Ahr öffnet sich in den rohen schwarzen Bühnenhintergrund, die Inszenierung mündet in den Realraum, die Protagonisten wenden sich vom Publikum und vom Schauspiel ab. Stärke und Mut, Charakterentwicklung und Absage an Tam-Tam: Bravo für diese Arabella, die außerdem fantastisch musikalisch dargeboten ist.

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsChristina Irrgang
Freie Autorin

Christina Irrgang lebt und arbeitet als freie Autorin in Düsseldorf. Sie studierte Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, an der sie aktuell über den Fotografen Heinrich Hoffmann im Kontext politischer Bildstrategien promoviert. Parallel zum Schreiben verfolgt sie im künstlerischen Bereich ihr Musik-Projekt BAR, das sie 2013 mit Lucas Croon gegründet hat. In der Spielzeit 2015/16 ist sie zum zweiten Mal begeisterter Opern-und Ballett-Scout!

Susanne Freyling über „Arabella“

ARABELLA_12_FOTO_Hans Joerg MichelBei der Premiere von Arabella von Richard Strauss durften wir einen emotionalen Abend erleben, der das Publikum fühl- und hörbar teilte. Für mich war die moderne Inszenierung der tragisch-komischen Familiengeschichte sehr gelungen, unterhaltend und kurzweilig und ist damit eine klare Empfehlung.
Wohltuend modern war der Eindruck des sich mit einem Schlag öffnenden Bühnenbildes, das mit seinen überwiegend weißen Wänden den Schauspielern und Ihren gut ausgewählten Kostümen viel Freiraum lies und zudem interessante Schattenwürfe erzeugte.
Das Bild der Drehtüren und der entstehenden Parallelräume erzeugte ein Gefühl der gezwungenen Öffentlichkeit auch in intimsten Situationen und der Verflechtung der Akteure untereinander.
Die sehr lebhafte Inszenierung steigerte sich stark vom ersten auf den zweiten Akt, der den dramaturgischen Höhepunkt in Form einer Orgie darstellte. Dieses Bild wurde sehr stark ausgereizt und ging bis knapp an die Geschmacksgrenze. Die Musik trat durch die intensiven Bilder auf der Bühne beinahe in den Hintergrund.
Die Hauptpersonen wurden durch die Schauspieler sehr gut verkörpert, teilweise fast schon überzeichnet. Hier fielen mir insbesondere die materiell getriebene Mutter, der glücklose und traurige Matteo und die drei abgewiesenen jugendlichen Freier mit ihren imaginären Pferden auf.
Die beiden Schwestern und Ihre enge Beziehung berührten, die schöne Arabella zeigte zunehmend Größe und Reife bis zum Schlussbild im schwarzen Kleid.
Dieses, zusammen mit dem sich in letzter Minute verändernden Bühnenbild, zeigte wie vermeintlich es ein Happy End ist und ließ einigen Spielraum für Interpretation offen.

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsSusanne Freyling
Senior Category Manager bei L’Oréal

Obwohl Susanne Freyling seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, ist die Oper eher „Neuland“ für sie. „Ein sehr bereicherndes!“, sagt die bei L‘Oréal arbeitende Diplom-Betriebswirtin. Am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ begeistert sie der Austausch mit den anderen Scouts und die Möglichkeit, ihre Eindrücke an Freunde, Kollegen und eine breitere Öffentlichkeit weiterzugeben.

Claudia Graw über „Arabella“

ARABELLA_06_FOTO_Hans Joerg MichelArabella, die Titelfigur in der gleichnamigen Oper von Richard Strauss, und ihre Familie stehen wegen der Verschwendungssucht der Mutter und der Spielsucht des Vaters vor dem finanziellen Ruin. Sie erlebt die zunächst unerfüllte Liebe ihrer Schwester Zdenka, die ihr Leben in Jungenkleidung-aus eben diesen finanziellen Gründen- verbringen muss. Und sie selbst soll nun einen Mann finden, der die materiellen Möglichkeiten hat, die Familie vor dem endgültigen Absturz zu retten.
Das Leben in einer Welt von mehr Schein als Sein wird in dieser Inszenierung für mich großartig dargestellt und durchleuchtet. Wo ich vielleicht -wegen des Namens Strauss-eine operettenhafte Szenerie erwartet hätte, sehe ich ein schlichtes und fast karges Bühnenbild, das seine Akteure sehr geschickt in Szene setzt. Die Kostüme heben sich vor dem weißen Hintergrund besonders ab und ich verstehe sie als zeitlos, denn der Themenkomplex um Eltern, die ihren Kindern kaum Vorbild sind sondern sogar eher peinlich und um Menschen auf der Suche nach Identität und Liebe passt in jeden zeitlichen Rahmen.
Die Oper ist als „lyrische Komödie“ untertitelt und so nimmt die Handlung bis zum
Schluss die typischen Irrungen und Wirrungen. Ob es dann aber wirklich ein glückliches oder doch ungewisses Ende für Arabella und Mandryka gibt, lässt Regisseurin Tatjana Gürbaca durch die ungewöhnliche „Verpackung“ ihrer Aufführung wohl eher offen.
Eine sehr gelungene Inszenierung und eine hinreißende Jacquelyn Wagner als Arabella.

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsClaudia Graw
Buchhalterin bei Electronic Partner

Für die berufstätige Mutter von zwei Kindern ist der Opern- und Ballettbesuch eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Die besondere Atmosphäre im Opernhaus, wenn sich der Saal verdunkelt und im Orchestergraben konzentrierte Stille auf das Stimmen der Instrumente folgt, kann sie voller Spannung und Freude genießen. „Grandiose Abende“ hat sie mit dem Ballett am Rhein erlebt. Auch wenn sich ihr nicht jeder Ballettabend unmittelbar erschlossen hat, öffnete ihr der Austausch mit den Scouts und die eigene Reflexion im Text die Tür zu einem nachhaltig faszinierenden Erlebnis.

Stefanie Wallace über „Arabella“

ARABELLA_13_FOTO_Hans Joerg MichelDie lyrische Komödie Arabella, modern inszeniert von Tatjana Gürbaca löst ein Feuerwerk an Gefühlen aus, die über den Abend hinaus ragen.
Die Geschichte so alt und doch so aktuell – handelt von der großen Liebe, Emotionen, Intrigen und Familien Konstrukten, die einem vielleicht vertraut vorkommen.
Im 1. Aufzug findet die Musik einen angemessenen Raum und Klang. Sie unterstreicht das emotionale Chaos, in dem sich Arabella befindet, ohne zu dominieren. Durch Wiederholungen der immer wiederkehrenden Avancen von Arabellas Verehren entsteht ein Gefühl von Länge die sich als eine angenehme Langsamkeit entpuppt. Langsamkeit wie wir sie heute nur noch selten in unserem Alltag erleben. Doch wenn es um die Wahl des „richtigen“ Mannes geht, braucht „Frau“ eben Zeit, denn es soll sich ja alles stimmig anfühlen und vor allem von Herzen kommen. So wägt Arabella ab und lässt sich von ihrer Familien nicht in die Wahl ihres Zukünftigen reinreden– eine emanzipierte Frau – so scheint es und doch ist sie geblendet von Sehnsucht und romantischen Gefühlen.
Durch das Bühnenbild ist ein schneller Wandel von Räumen entstanden, die allerdings nur eine scheinbare Privatsphäre signalisieren. Übertragen auf die heutige Zeit, finde ich das Bühnenbild, mit dem Gedanken, dass es schwierig ist sich zurück zu ziehen – „mobiles Zeitalter“ – sehr treffend! Die klaren Formen und schlichte Gestaltung des Bühnenbildes bieten einen idealen Hintergrund für die Farbe und Form der Kostüme. Die Kleidung mit ihrer intensiven Couleurs besticht und unterstreicht die Persönlichkeiten der einzelnen Charaktere.
Im 2. Aufzug kommt es zu dem ersehnten Moment, in dem Arabelle in Mandryka nun den „richtigen“ Mann für ihr Leben sieht. Die glitzernde Bühne und die bezaubernden Metaphern wie „(…)„alles hell und offen wie ein lichter Fluss auf dem das Licht blitzt“ sind rührig und Arabella schwelgt in ihrem Glück. Der Ball ist in vollem Gange und es wird bunt und turbulent – unerwarteter Weise am Ende ohne Arabella.
Die Musik tritt in den Hintergrund und verliert sich etwas im Getümmel des wilden Treibens auf der Bühne. Es wird sehr ausladend, provokant und alles gerät außer Kontrolle. Spätestens jetzt ist jeder Zuschauer wieder inmitten des Geschehens.
Durch Missverständnisse eskaliert die Situation und so scheint es, dass sich nun alles an Glückseligkeiten und Liebenseiden in Luft auflöst – kommt es im 3. Aufzug nochmal zu einer Wende, die Ruhe und Klarheit bringt. Willkommen in der Realität. Arabella hat begriffen, dass das Leben sehr facettenreich ist und sich entschieden ihrem Herzen zu folgen und versöhnt sich mit Mandryka  mit einer sehr schönen schlichten Geste und bietet ihrem Zukünftigen ein Glas Wasser zur Versöhnung an. Ihr schwarzes Kleid lässt Raum für persönliche Interpretationen.

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsStefanie Wallace
Yogalehrerin

Die studierte Modedesignerin arbeitete im Design und Einkauf, bevor sie ihre Leidenschaft für Yoga zum Hauptberuf machte. Ihren Unterricht besuchen Tänzerinnen und Tänzer des Balletts am Rhein; deren Ausstrahlung und Körperlichkeit animierten sie zu einem ersten Ballettbesuch, dem viele weitere folgten: „Was ich beim Ballett am Rhein in den letzten zwei Jahren erleben durfte, hat mich extrem beeindruckt.“ Als Opernscout freut sie sich jetzt auch auf neue Erfahrungen und Inspirationen im Bereich der Oper.

Max Ohagen über „Arabella“

ARABELLA_08_FOTO_Hans Joerg MichelArabellas Lovestory spielt sich in einem weißen Karton ab, aus dem es kein Entrinnen gibt. Allen Beteiligten bleibt nur ein enger Bewegungsspielraum und nur das sich ändernde Licht bringt Abwechslung in die Szenerie. Ein grandios reduziertes Bühnenbild, welches der Phantasie keine Grenzen setzt. Farbe ins Leben dieser Wiener Gesellschaft bringen die phantastischen Kostüme von Silke Willrett. Und die verrücktesten Figuren, die von der Statisterie und dem Chor herrlich dargestellt wurden.
Arabella bleibt nichts anderes übrig, außer sich virtuos und herzrührend aus dieser Verwirrung der Gefühle zu singen, was ihr sowas von gelingt, das kein Auge im Publikum trocken bleibt. Die hochemotionale Musik von Richard Strauss mit ihrer ganz eigenen unverwechselbaren Art und Weise wurde voller Leidenschaft vom musikalischen Leiter Lukas Beikircher geführt und mit ganzem Herzblut von den Düsseldorfer Symphonikern zu einem unvergesslichen Hörerlebnis.

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsMax Ohagen
Inhaber Manufattura

Während die Kunden seiner „Manufattura“ „Keramik selbst bemalen“, erzählt Max Ohagen ihnen von seinen aktuellen Opern- und Balletterlebnissen – jedenfalls dann, wenn er seinen Laden früh genug verlassen konnte, um pünktlich im Opernhaus zu sein. Offen und neugierig auf das Zusammenspiel von Musik, darstellender und visueller Kunst gibt er gern seine Eindrücke und Empfehlungen weiter.

Gisela Miller-Kipp über „Arabella“

ARABELLA_07_FOTO_Hans Joerg MichelDas war/ist „süffige“ Oper und gutes Schauspiel in einem – noch nie habe ich „Arabella“ so glänzend gesungen gehört und so überzeugend gespielt gesehen. Mit vielen kleinen originellen Gesten und Regieeinfällen werden Sänger und Situationen alltagsnah und persönlich trefflich in Szene gesetzt, wird „Arabella“ als im „Tiefgang“ tragische, nicht komische Heiratsmarktgeschichte aufgeführt. Geradezu eine schauspielerische Meisterleistung liefern Zdenka (Anja-Nina Bahrmann), Arabellas in die Rolle eines Bruders gezwungene Schwester, zwischen aufgesetzter Jungenhaftigkeit und unbeholfener Weiblichkeit, und der Vater, Graf Waldner (Thorsten Grümbel), grau und gedrückt von drohendem gesellschaftlichen Bankrott und häuslicher Misere, dann bangebüxig Hoffnung schöpfend angesichts der nahenden Rettung in Gestalt eines reichen Freiers für Arabella, des „slawonischen“ Großgrundbesitzers Mandryka. Ihm sucht er Arabella zu „verkaufen“, als Freiheitsstatue (!) tritt er hernach beim Faschingsball (2. Akt) auf. – Schon wegen des gewitzten, scharf gezeichneten Spiels hätte ich Lust, mir die Oper noch einmal anzusehen. Dazu überzeugte mich die spielerische und gesangliche Leistung aller Akteure.
Zum Sehvergnügen bei tragen die Kostüme – zeitlos pfiffig und farbig-schick – und, vor allem, das Bühnenbild: raumhohe weiße Drehwände, die schnelle elegante Szenenwechsel erlaubten, und auf denen die Lichtregie besondere Szenen in Schattenrissen spiegelt – eindrucksvoll!
Musiziert wurde aus dem Vollen. Anfangs übertönte das Orchester mit Verve die Stimmen, die angestrengt werden mussten, doch das balancierte sich später aus. Schön wurde in allen Hauptpartien gesungen, herausheben möchte ich Jacquelyn Wagner/Arabella und Simon Neal/Mandryka, die beide nicht nur fabelhaft singen, sondern auch eine Augenweide sind: sie blondmähnig-jugendschick, beim Ball im rosenbestickten (!) roten (!) Corsagekleid, er dagegen wenig salonfähig in düsterem (!) Loden, doch von überragender Statur.
Ein Missvergnügen hatte ich: Der Faschingsball, Arabellas Abschied von ihrer Mädchenzeit, darüber hinaus vielleicht Abgesang auf das k.u.k. Herrenreitertum – wenigstens traben die drei adeligen Verehrer Arabellas als Knallchargen in Jockeykostümen über die Bühne, einer von ihnen schnupft Kokain von der Sitzfläche eines Stuhls, haha –, diesem Faschingsball fehlt die Opulenz, er kumuliert in einer langen Kopulationsszene – diverse Stellungen in diversen Tempi –, die ich langweilig fand und eher degoutant; Faschingsturbulenz und bacchantische Dekadenz stell ich mir weniger lumpig vor.
Stark das letzte Bild: Arabella, jetzt züchtig im hochgeschlossenen Schwarzen (!) und mit zum Dutt gezähmtem (!) Haar, geht mit dem Mann, dem sie sich hingebungsvoll versprochen hat (Mandryka eben), in ihre Zukunft: Die weißen Wände öffnen sich total und geben den Bühnenhintergrund frei – der aber ist raumhoch schwarz vergittert! Die Musik hingegen schwelgt von Liebessehnsucht und –erfüllung. Darüber sinniere ich immer noch.
Zum Schluss: begeisterter Beifall, einige energische Buhs – wogegen? – und viele Vorhänge. Hingehen, anhören und ansehen!

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsGisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik

„Nichts nährt Seele, Sinne und Phantasie besser zum Ausgleich wissenschaftlicher Tätigkeit als die Oper!“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Ihre große Rezeptionserfahrung bringt sie nun in die Runde der Opernscouts ein. Seit ihrem Ruhestand ist sie besonders bürgerschaftlich engagiert, u.a. als Lese-Mentorin und in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit; kulturell  tummelt sie sich noch im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast.

Khatuna Ehlen über „Arabella“

ARABELLA_05_FOTO_Hans Joerg MichelEin tolles Erlebnis! Als unerfahrene Opernbesucherin traute ich mich am vergangenen Freitag als frischgebackener Opernscout mit großer Achtung und Neugier an die spannende Welt der Oper ran.
Irgendwo zwischen meiner Aufregung und der aufmerksamen Beobachtung was um mich herum geschah, vergaß ich zunächst, das Stück zu genießen. Es packte mich noch nicht, sodass ich mir sogar kurz überlegt habe, mich irgendwie aus dem Saal rauszuschleichen. Bei dem Gedanken ertappt, sagte ich mir, dass es Zeit ist, die anstrengende Arbeitswoche und die Aufregung zu vergessen und mich auf das Stück zu konzentrieren. Ab diesem Zeitpunkt war ich mitten drin und genoss das, was vor mir auf der Bühne geschah. Den ersten Teil empfand ich allerdings trotzdem als zu entspannt und leicht schleichend, ohne viel „Action“ und „Tamtam“. Nach der Pause gefiel mir das Stück dann immer besser. Es wurde spannender und dramatischer, sodass ich das Gefühl hatte, als wäre ich mitten auf der Bühne und ich erwischte mich immer wieder mit angespannter Körperhaltung und dramatischem Gesichtsausdruck.
Ich bin nach zwei Tagen immer noch fasziniert von der großartigen Leistung der Darsteller und besonders von Frau Wagner („Arabella“) – Tolle Stimme! Und ein Wahnsinn, wie man diese Stimme über mehrere Stunden, als wäre es keine Mühe, erklingen lassen kann! Eine sehr authentische Darstellung! Und das Orchester – einfach toll! Zwischendurch musste ich die Augen schließen, um einfach nur die Musik zu genießen.
Es war ein empfehlenswerter Abend und ein großartiges Erlebnis, das die absolute Neugier auf die Oper in mir geweckt hat!

Weitere Informationen über „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsKhatuna Ehlen
Sozialarbeiterin

Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Trotzdem ist Khatuna Ehlen gespannt und aufgeregt. Ein einziger Opernbesuch in ihrer Heimat Georgien liegt vor ihrem Start als Opernscout. „Ich weiß noch nicht, was mich erwartet und ob es mir gefällt, aber ich bin ganz offen, neugierig und froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe.“

Uwe Schwäch über „Arabella“

ARABELLA_03_FOTO_Hans Joerg MichelGleich im ersten Aufzug hat mich die Musik von Richard Strauss in ihren Bann gezogen. Das gefühlvolle Duett der beiden Sopranstimmen Arabella und Zdenka „Aber der Richtige“ löst bei mir Gänsehaut aus. Zur Entfaltung der Musik mit ihrer Leitmotivtechnik trägt das puristisch gestaltete Bühnenbild im Besonderen bei. Es erlaubt eine Inszenierung der Figuren mit Licht und Schatten und schafft auch ohne den übertriebenen Einsatz von Requisiten erkennbare Metaphern zur heutigen Zeit.
Leider verliert sich diese Ruhe und Kraft im zweiten Aufzug. Wenngleich die Handlung der Oper durch den Auftritt des Chors an Fahrt gewinnt, verliert die musikalische Klarheit und Durchsetzungskraft. Auf der Bühne passiert viel, leider zu viel, so dass hier musikalisch wenig hängen bleibt. Über die Inszenierung des Fiakerballs lässt sich trefflich streiten, denn die Regisseurin vermittelt eine Persiflage auf unser bürgerliches Leben und erzeugt damit eine Kontroverse. Mir persönlich erscheint es musikalisch kontraproduktiv.
Versöhnlicher ist dann der dritte und letzte Aufzug, der die Irrungen und Wirrungen des Librettos von Hugo von Hofmannsthal auflöst und musikalisch wieder stärker hervorsticht.
Das Orchester begleitet die Solisten einfühlsam und setzt hörbar eingebungsvolle Akzente. Die Rollen der Zdenka und des Mandryka sind hervorragend besetzt und noch immer durchdringt mich die Sehnsucht und Leidenschaft von Arabellas’ wundervoller Stimme.

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsUwe Schwäch
Agentur-Chef und Lehrbeauftrager

Der Gesellschafter der Markenagentur Brand Lounge und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Weil ihn nicht nur das Kunsterlebnis, sondern auch der gemeinsame Austausch darüber bereichert, freut er sich jetzt auf den Dialog mit den Opernscouts.

Jan van de Weyer über „Arabella“

ARABELLA_02_FOTO_Hans Joerg MichelMit Arabella erleben wir vom „Magier der Töne“ Richard Strauss an der Deutschen Oper am Rhein eine intensive Aufführung mit zahlreichen Wendungen, voller Tragik aber auch ganz viel Humor. Die Regisseurin Tatjana Gürbaca lässt eine amüsante und zeitgemäße Inszenierung mit starken Charakteren, schrillen Kostümen und einem eindrucksvollem Bühnenbild entstehen. Es sind drei große weiße architektonische Schwungtüren, die sich über die Bühne bewegen und immer neue Wandlungsräume schaffen. Getragen von einer kraftvollen und harmonischen Musik, die ständig vorwärts drängt. So treffen wir auf Arabella, verkörpert durch die amerikanische Sopranistin Jacquelyn Wagner, eine moderne Frau voller Sensibilität und Innerlichkeit. Mit einer tief romantischen Idee von der wahren Liebe ist sie geworfen in ein morbides Milieu geprägt von materieller Oberflächlichkeit. Es geht um Identitäten in ihrem Alltagsleben, Menschen mit Ihren Wünschen und Sehnsüchten und auch ihren tiefen Abgründen. Im Rausch des traditionellen Wiener Fiakerballs steigern sich die Charaktere begleitet durch die Koloratursopranrolle von Elena Sancho Pereg als Fiakermilli in ihrer Grenzenlosigkeit zu einer ausufernden und burlesken Maskerade. In diesem tragisch-komischen Spiel des Lebens ist Arabella die einzige Person, die volle Kontrolle über ihr Schicksal behält. Aber findet Arabella die Freiheit in der Liebe?

Weitere Informationen zu „Arabella“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/arabella.1047781

OpernscoutsJan van de Weyer
Bildhauer

„Was Martin Schläpfer hier bewirkt, ist ein Traum“, sagt Jan van de Weyer, der als kleiner Junge selbst Ballett getanzt hat und heute mit einer Tänzerin der Compagnie liiert ist. Er studierte Philosophie und Kunstgeschichte, arbeitete viele Jahre als Physiotherapeut und ist heute als Bildhauer mit eigenem Atelier in Düsseldorf tätig. Nun freut er sich darauf, neben dem Ballett auch etwas tiefer in die Oper einzusteigen.