Rouven Kasten über „Turandot“

TURANDOT_06_FOTO_Hans_Joerg_MichelTurandot auf Speed

Es war mal wieder soweit, im Rahmen meiner Tätigkeit als Opernscout für die aktuelle Spielzeit der Deutschen Oper am Rhein, konnte ich mir die Premiere des Klassikers Turandot von Giacomo Puccini ansehen. Die Oper die seit Jahren von Ihrer Arie „Nessun Dorma“ durch die Kulturszene getragen wird. Ich war sehr gespannt! Die Premiere der Puccini-Oper im Theater der Stadt Duisburg stieß auf Zustimmung, aber auch auf Kritik.

Turandot die Geschichte einer chinesischen Prinzessin, die komische Fragen stellt um geheiratet zu werden. Wer es nicht schafft „Kopf ab“.

Als chinesische Prinzessin ist sie bekannt, die schöne und unnahbare Turandot, deren Legende vermutlich persischen Ursprungs ist. Drei Rätsel muss derjenige lösen, der, kopflos vom Anblick ihrer Schönheit, sie zur Frau begehrt. Wahrhaft kopflos endet der Wagemutige, wenn ihm die Lösung der Rätsel nicht glückt. Doch die Todesgefahr kann die jungen Freier nicht schrecken. Je grausamer die Prinzessin ihr Spiel mit ihnen treibt, umso stärker erstrahlt sie in einer Aura, die sie vor jeglicher Inbesitznahme durch einen Mann schützen soll. So wollen es alle Turandot-Märchen. Doch die Rätselprinzessin gehört nicht zur Gattung der männerfeindlichen Amazonen und Zauberinnen. Ihr Wesen ist archaischer Natur, rückbezogen auf den gewaltsamen Tod einer Urahnin, den sie im Glauben an die Wiedergeburt rächen will. Der Preis für diese selbst auferlegte Passion ist die Einsamkeit, unter der Turandot, ohne es zuzugeben, am meisten leidet.

Als nach der Aufführung der Vorhang fiel, gab es vom Publikum im ausverkauften Duisburger Stadttheater viel Beifall. Für die Rheinoper war die Premiere der berühmten Puccini-Oper Turandot, die in Kooperation mit dem National Kaohsiung Center for the Arts Weiwuying, Taiwan, produziert wurde, durchaus ein Erfolg. Allerdings hörte man auch vereinzelte Buhs. Die Opernscouts, die auf Einladung der Rheinoper und der Rheinischen Post, ebenfalls bei der Premiere dabei waren, spiegelten die unterschiedlichen Meinungen des Turandot-Premieren-Publikums wider.*

Turandot auf Speed?

Allerdings! Ich hab mich wirklich schwer getan diesmal. Die Szenerie hat mich verwirrt, es gab auf der Bühne obwohl simpel aufgebaut wie ein Scherenschnitt viel zu entdecken. Zuviel wie ich fand. Ein ständiges Gewusel rund um die statisch wie angewurzelt stehenden Hauptdarsteller. Dann plötzlich ein Mädchen im Nachthemd, danach eine Schulklasse mit verbundenen Augen. Dazu ständig moderne und völlig grundlose Videoanimationen. Was soll das, was haben die sich dabei gedacht? Die ganze Zeit war ich mit solchen Gedankengängen beschäftigt. Nach der Pause wusste ich, gleich kommt „die“ Arie. Die Arie die uns so bekannt vorkommt, die Arie welche wie keine andere uns an Oper erinnert. Die Arie die uns allen spätestens seit Paul Potts zum Heulen bringt. Tut Sie das? Ich hoffte. Sie tat es nicht! Wieder überschlug sich eine schlecht gemachte Video Animation farblich über den angestrengten Tenor. Sehr Schade. Na vielleicht hätte ich diesmal zur Vorbesprechung gehen sollen, aber ich will einfach nur ins Theater. Ich muss nicht immer alles verstehen.

Der Rheinischen Post gegenüber sagte ich: Eine solche Begeisterung konnte Rouven Kasten überhaupt nicht teilen. Er fand die Inszenierung überladen. Alles sei „viel zu viel gewesen“ und sei oftmals rätselhaft geblieben. Die Computer-Animationen fand er „einfach schlecht“. Die gesamte Aufführung sei in sich nicht stimmig gewesen. Immer habe er sich gefragt: „Was hat sich das Regieteam dabei nur gedacht?“

Fazit: Das Ensemble der Duisburger Oper hat im punkto musikalischer Leistung alles gegeben, herausragend war aber die Stimme von Brigitta Kele die eine zauberhafte und sicher unterschätzte Liù abgab. Turandot selbst hatte obwohl stimmlich gut besetzt, dennoch mit Ihrer „Erscheinung“ zu kämpfen. Stimme braucht sicher Volumen aber eine chin. Prinzessin war sie optisch nicht. Zoran Todorovich hat einen soliden Kalaf gegeben, der aber in seinem leicht dahingesungenem Nessun Dorma nicht wirklich mitreißen konnte. Geschuldet war das ganze sicher der überladenen Inszenierung des Teams der Kooperation mit dem National Kaohsiung Center for the Arts (Weiwuying), Taiwan. Die z.t. schlechten Grafiken erinnerten mich an eine chin. Ausstellung im NRW Forum. Ich gehe davon aus das ein hiesiger Theaterkünstler solch schulklassenartige Projektionen nicht verwenden würde.

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Rouven Kasten-1Rouven Kasten
Social Media Experte

Rouven Kasten ist in Duisburg aufgewachsen, mit Raider und Pink Floyd. Er bloggt, twittert, facebookt, schießt Fotos und jagt alles in die Wolke. Die Möglichkeit zur grenzenlosen Interaktion gefällt ihm. Nach einigen Agenturstationen und einer intensiven Zeit der Selbstständigkeit ergänzt er nun das Team der GLS Bank im Bereich digitale Kommunikation. Die Begeisterung für das Musikhören und -machen brachte ihn zur Oper und zum Ballett. Die Erfahrungsberichte als Opernscout schreibt er auch in seinen privaten Blog: http://www.gestalterhuette.de oder auf twitter und facebook, direkt aus dem Theater mit dem Hashtag #opernscout.

Jessica Gerhold über „Turandot“

TURANDOT_02_FOTO_Hans_Joerg_MichelMit riesiger Neugierde ging ich in diese deutsch-taiwanesische Kooperation zu Puccinis letzter, unvollendeter Oper. Wie können uns wohl Künstler mit asiatischem Hintergrund helfen noch tiefer in dieses Märchen hinein zu tauchen? Die ersten Szenen der Oper ließ ich auch noch unkritisch über mich ergehen, war gespannt was mir geboten würde und wartete in den Bann des Stückes gezogen zu werden. Um es vorweg zu nehmen: Dies gelang bis zum Ende des Stückes nicht.

Woran das lag? Ich kann hier nur wenige Aspekte nennen. Insgesamt wollten die Inszenierenden wohl zu viel und setzten eine Häufung an symbolhaften Ideen höchstens mittelmäßig professionell um. Da ist zum einen das Ringen einen aktuellen Bezug zu China herzustellen: Die Regenschirmrevolution 2014 und am Ende eine Mega-Stadtnachtaufnahme (warum explodiert hier am Ende eine Bombe?). Zum anderen die nicht einmal mittelmäßigen Projektionen, die drehende Schwerter, asiatische Ranken und Kalligraphien zeigen, aber die auf jeder Schulaufführung professioneller  präsentiert würden. Hier bin ich von vorherigen Vorstellungen ein sehr viel höheres Niveau gewohnt. Des Weiteren wirkten die Akteure zeitweise ungewohnt statisch in ihrer Präsentation und nutzen den gegebenen Bühnenraum nicht aus, die schauspielerische Leistung wirkte selten authentisch, bzw. in den Bann ziehend. Noch nicht einmal die Arie „Nessun Dorma“ berührte mich emotional. Dabei sind die Stimmen einwandfrei gewesen und alle Künstler haben unglaubliche Kraftakte in dieser Oper gelassen und stimmlich einwandfrei präsentiert. Vielleicht waren die Künstler selber zu unsicher wie diese Inszenierung ankommen würde. Gute Stimmen ohne Relevanz. Jedoch, eine Einschränkung muss ich machen: Liù und der Chor fesselten mich bei jedem Einsatz sofort.

Aber musste man sich schließlich für dieses (für mich) wirklich nicht zum Stück passende Happy End entscheiden? Das konnte der mit Melone bekleidete Puccini auf der Bühne nicht für seine beste Oper im Sinn haben.

Insgesamt wäre hier weniger viel mehr gewesen.

Fazit: Ich freue mich wahnsinnig auf die nächste „Turandot“- Aufführung!

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Jessica Gerhold-1Jessica Gerhold
Gymnasiallehrerin

Jessica Gerhold ist gebürtige Duisburgerin und arbeitet als Gymnasiallehrerin. Von jeher hat sie sich für das Theater interessiert.  Bei ihrer Berufung zum Opernscout war sie eher skeptisch, ob sich ihre bisher eher distanzierte Haltung zu Oper und Ballett verändern würde. Nach ihrer ersten Spielzeit sind die Zweifel verflogen. Sie ist stolz auf das, was in ihrer Heimatstadt geleistet wird und hofft, dass sich zukünftig viel mehr Menschen von der Leistung der Künstler live faszinieren lassen.

Ralf Kreiten über „Turandot“

TURANDOT_14_FOTO_Hans_Joerg_MichelNessun dorma – ‚Keiner schlafe‘ – ist die Arie des Prinzen Kalaf (sehr gut dargestellt von Zoran Todorovich) zu Beginn des 3. Aktes der Oper Turandot von Giacomo Puccini. Beim begeisterten Premierenpublikum am vergangenen Samstag bedurfte es dieser Ermahnung nicht.

In der Oper, deren Handlung vor 3000 Jahren im chinesischen Reich spielt, löst der fremde Prinz Kalaf das Rätsel der Prinzessin Turandot und gewinnt sie damit als Gemahlin. Er stellt der Prinzessin jedoch in Aussicht, sie von ihrem Heiratsversprechen zu entbinden, wenn sie bis Sonnenaufgang seinen Namen herausfinden würde. Daraufhin befiehlt Turandot, dass niemand in Peking schlafen dürfe, alle sollten nach dem Namen des unbekannten Prinzen fahnden. Die Untertanen werden mit der Todesstrafe bedroht, falls sie den Namen nicht herausfinden sollten.

Boten verkünden: Questa notte nessun dorma in Pechino – ‚Diese Nacht soll niemand schlafen in Peking‘. Daraufhin wiederholt der Chor die Worte Nessun dorma. Auch Kalaf greift diese Worte zu Beginn der Arie auf und zeigt sich standhaft und gewiss, dass die Prinzessin das Geheimnis seines Namens nicht lösen wird.

Die Inszenierung des taiwanesischen Theatermachers und seines Teams ist spannend und durch die Videoinstallationen sehr abwechslungsreich; obwohl ich persönlich, gerade mit den moderneren Einspielungen, nicht so viel anfangen konnte. Aber die Idee, das Geschehen als Traum, besser als Alptraum einer jungen Frau darzustellen, kommt der Handlung zu gute und lässt viele Ungereimtheiten besser verstehen.

Musikalisch hat mich der Abend voll überzeugt. Chor, Extrachor und Kinderchor der DOR  sind stimmgewaltig und machen Gänsehaut; sie können sich aber auch ganz auf das Singen konzentrieren, da die Inszenierung doch eher statisch ist. Ergreifend ist Brigitta Kele in der Rolle der Liù; Linda Watson meistert die stimmlichen Anforderungen der Turandot ebenfalls sehr gut. Das traurige, ja oft grausame Geschehen wird durch die leicht komödiantischen Auftritte der drei Minister Ping –ausgezeichnet Bogdan Baciu -, Pang und Pong für den Zuschauer erträglich.

Die Musik Puccinis, von den Philharmonikern unter Leitung von Axel Kober hervorragend gespielt, ist leicht, eingängig, hat mich berührt und Gänsehaut verursacht. Warum sollten Sie sich das entgehen lassen? Nessun dorma -‚Keiner schlafe‘ -, auch Sie werden diese Ermahnung nicht brauchen; das verspreche ich.#

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Ralf Kreiten-1Ralf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld

Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

Birgit Idelberger über „Turandot“

TURANDOT_13_FOTO_Hans_Joerg_MichelPremierenabend in Duisburg am Samstag im Advent. Ausverkauft und prall gefüllt das Foyer in der Erwartung einer Neuinszenierung der Oper Turandot von Giacomo Puccini.

Es ist die Alte, den vielen Märchen der Vorzeit angelehnte Geschichte von der kaltherzigen, schönen Prinzessin. Der seit ihrem Anblick unsterblich verliebte Prinz löst drei Rätsel und gewinnt ihre Liebe letztlich durch einen Kuss, der ihr Herz erweicht.

Die Spannung fiel sichtbar von den Künstlern ab, als der Beifall ertönte.

Wenn man sich auf das Dargebotene einließ, konnte man an diesem Abend nicht nur Musikalisches genießen.

Vollkommen neu und anders als gewohnt ist diese Inszenierung durch den Taiwanesischen Künstler Huan-Hsiung Li, der mit weiteren Taiwanesischen Mitarbeitern ( Video/ Media Design, Bühne, Kostüme, musikalische Leitung ) den Spagat zwischen diesem Märchen und dem Hier und Heute versucht.Er versteht und präsentiert das Werk als Parabel auf das China von heute, verkörpert von Turandot.

Videoinstallationen auf Leinwänden zeigen Bilder der modernen Großstadt, Regen, Farbeffekte. Eine gelungene Idee.

Alle Sänger boten eine gute Leistung, jedoch darf man die Sklavin Liu und die drei Minister Ping, Pang,Pong besonders positiv hervorheben. Lediglich Turandot klang zum Finale etwas zu laut und schrill, es passte aber insgesamt stimmlich zu der Figur der kaltherzigen Prinzessin.

Trotz aller öffentlichen Kritik war der Abend für mich ein Genuss durch die Verbindung verschiedener Stile, die die Aufführung erst interessant machten. Dies mag für manche verstörend gewirkt haben. Der Besuch im Foyer zur Einführung war dieses Mal besonders hilfreich für das spätere Verstehen.

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Birgit Idelberger-1Birgit Idelberger
Frauenärztin

Birgit Idelberger ist in Duisburg aufgewachsen und seit 10 Jahren als Frauenärztin in Duisburg-Walsum niedergelassen. Sie geht gern ins Kino und besucht Kunstausstellungen, doch Bezug zum Theater hatte sie kaum – zur Oper schon gar nicht. Das ist jetzt anders: Offen und neugierig ließ sie sich auf ihre erste Saison als Opernscout ein. Auch ohne Theatererfahrung empfindet sie die Opern- und Ballettabende als persönliche Bereicherung und positive Erfahrung. Sie hofft, dass viele Menschen durch die Kommentare der Scouts neugierig werden und den Weg ins Theater finden.

Julia Kulig über „Turandot“

TURANDOT_10_FOTO_Hans_Joerg_MichelPuccinis Oper Turandot dreht sich um das gern aufgegriffene Thema Liebe. Kalaf verliebt sich in die chinesische Prinzessin Turandot, die jedem bisherigen Werbenden durch das Stellen von Rätseln (die bei Nichtlösen mit dem Scharfrichter beantwortet werden) abwehren konnte. Turandot tritt hart auf, versucht auch Kalafs Werben zu entgehen. Als er jedoch die von ihr vorgegebenen Rätsel löst, zeigt sie weiterhin den Wunsch alleine zu bleiben, da sie die Aspiranten nicht prüfen sondern in eine tödliche Falle locken will. Kalaf stellt ihr im Gegenzug selbst ein Rätsel, gibt ihr hierdurch die Möglichkeit, der Heirat zu entgehen. Am Ende legt er sein Leben in Turandots Hände, um sie von seiner Liebe zu überzeugen.

Inszeniert ist das Stück von Huan-Hsiung Li – einem aus Taiwan stammenden Regisseur. Er setzt hierbei eine Vielzahl unterschiedlicher Symbolebenen ein: Bühnenbild, Videoprojektionen im Hintergrund, die Kleidung der Schauspieler, die Klänge. Als Zuschauer müssen wir zeitweise entscheiden, auf welche Ebene wir gerade achten wollen.

Besonders genossen habe ich an diesem Abend die Musik, immer wieder schloss ich die Augen, um den Klängen zu lauschen. Die Untermalungen des Orchesters, die eindringlichen Stimmen der Sängerinnen und Sänger und der Chor konnten mich nachwirkend begeistern. Auch die Gänsehaut bei einzelnen Arien werde ich nachhaltig in Erinnerung behalten.

Handlung, Chor, Sänger, Orchester, Bühnenbild, die Art der Inszenierung – vieles davon war für mich an diesem Abend besonders und hat mich diesen Abend sehr genießen lassen.

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Julia Kulig-2Julia Kulig
Musiktherapeutin

In ihrer Arbeit als Musiktherapeutin setzt sich Julia Kulig mit ihren Patienten therapeutisch und kreativ mit dem Medium Musik auseinander. Daher freut sie sich, seit der Spielzeit 2014/15 als Opernscout Ballett- und Opernstücke besuchen und den Blickwinkel in Richtung anderer musikalischer und tänzerischer Ausdrucksformen erweitern zu können. Sie schätzt den Austausch mit den anderen Scouts sehr und ist gespannt, was sie in der neuen Spielzeit erwartet.

Kathrin Pilger über „Turandot“

TURANDOT_09_FOTO_Hans_Joerg_MichelEin chinesisches Märchen in alten und neuen Gewändern, dazu Musik voller Pathos und Emotionen – dies alles erwartete die Besucher bei der Premiere am vergangenen Samstag im Theater in Duisburg! Giacomo Puccinis letztes großes, unvollendet gebliebenes Werk stand auf dem Programm der Deutschen Oper am Rhein: Turandot.

Die Handlung folgt einem klassischen Muster: Die durch den gewaltsamen Tod einer Vorfahrin im Herzen versteinerte Prinzessin Turandot gibt allen jungen Männern, die um sie werben, drei Rätsel auf. Können diese gelöst werden, so darf der Bewerber die Prinzessin heiraten, versagt der Aspirant, erwartet ihn ein gewaltsamer (auf der Bühne zelebrierter) Tod. Dieses Schicksal erleiden sämtliche Kandidaten, bis Kalaf, der totgeglaubte Sohn des alten Tatarenkönigs Timur, in das Geschehen eingreift. Er gibt auf die drei Fragen Turandots die richtigen Antworten, woraufhin die Prinzessin besiegt ist. Doch Kalaf will ihre wahre Liebe erlangen und gibt ihr die Gelegenheit, bis zum Morgengrauen seinen Namen zu erraten. Dann sei sie frei und er werde sterben. Doch auch durch Bestechung, Folter und einen durch die bösen Umstände verursachten Selbstmord lässt sich der Name nicht in Erfahrung bringen. Erst als Kalaf die Prinzessin leidenschaftlich küsst und ihr seinen Namen verrät, bricht das Eis und die Liebe besiegt die Hartherzigkeit Turandots.

Das in der taiwanesischen Inszenierung etwas bewegungsarm wirkende Spiel der prächtig kostümierten Akteure gewann durch die interessanten Lichtinstallationen an Dynamik. Gleich zu Beginn als tropfender Regen oder später in kalligraphischer Zeichensprache, die einen Bezug zu den Rätseln Turandots herstellen sollte, tanzten die pulsierenden Lichtstrahlen über die Bühne. Sogar ganze Filmsequenzen bildeten manchmal den Hintergrund. Das lockerte auch die recht statischen Massenszenen auf, die durch die Chöre (Erwachsene und Kinder) dargestellt wurden. Solisten wie Chöre waren stimmlich hervorragend; besonders hervorzuheben ist die Leistung der rumänischen Sopranistin Brigitta Kele, die der Figur der Sklavin Liù Persönlichkeit verlieh.

Großartig wie immer: die Duisburger Philharmoniker, die Puccinis eingängige Melodien in wunderbare Klangfarben umsetzten. Alles in allem war der Abend sehr gelungen, die Aufführung eindrucksvoll und damit absolut empfehlenswert.

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Kathrin Pilger-2Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg

Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

 

 

 

Christoph Grätz über „Turandot“

TURANDOT_15_FOTO_Hans_Joerg_MichelWenn jemand, der bisher nichts mit der Oper zu tun hatte, mehr als zu Tränen gerührt ist, kann der Abend so schlecht nicht gewesen sein. So geschehen bei der Arie der Liu im ersten Akt, gesungen von der rumänischen Sopranistin Brigitta Kele.

Für mich war diese Aufführung der Turandot aus zwei Gründen eine besondere: Es war der erste Einsatz einer kleinen Sängerin des Kinderchores der Deutschen Oper am Rhein, die mit ihrer Aufregung alle Beteiligten angesteckt hat. Und es war der allererste Opernbesuch für ihre Mutter, die bei dieser Premiere neben mir saß und eben jene war, die – wohl auch zur eigenen Überraschung – vollkommen ergriffen war. Zu Recht, denn die Stimme der Liu war die ergreifendste dieses Opernabends. Eine allerdings auch dankbare Rolle, gut gespielt und vor allem großartig gesungen.

Musikalisch war der Abend mehr als gelungen. Souverän steuerte Axel Kober das Ensemble durch die mit asiatischen Themen angereicherte italienische Oper. Ich fand alle Rollen gut besetzt. Dass die Titelpartie, mit Linda Watson prägnant verkörpert, nun wahrlich keine Sympathierolle ist, ist der Sängerin nicht anzukreiden. Zwar erklärt die eisenharte Prinzessin, deren Todesurteil so manchen hat über die Klinge springen lassen, warum sie so handelt. Nicht erklären kann die Oper aber, warum der kühne und sympathische Prinz Kalaf – sehr gut gesungen von Zoran Todorovich – sich ausgerechnet in diese grausame Frau verliebt. Zumal Turandot auch noch für den Tod der Sklavin Liu verantwortlich ist, die sich ihm zuliebe opfert. Erfrischend, weil komödiantisch und hervorragend gesungen, waren die Drei Minister Ping, Pang und Pong. Schade ist, dass der Kaiser von China, der hier auch den Komponisten Puccini darstellen sollte, eher wie Charlie Chaplin aussah. Dadurch wurde die hübsche Idee, dass Puccini, der das Werk ja nicht mehr vollenden konnte, als Zuschauer gespannt auf die Auflösung sieht, leider verschenkt.

Das Taiwanesische Team, das für die Inszenierung verantwortlich war, hat beim etwas naiv anmutenden Bühnenbild nicht mit Effekten gespart und für meinen Geschmack manchmal etwas übertrieben. Die Bezüge zum heutigen China fand ich gut und nicht überstrapaziert. Die Wirkung der Projektion auf Gazebahnen, die von der Decke heruntergelassen wurden, war zu Beginn sehr schön, nutzte sich aber im Verlauf der Aufführung etwas ab. Durch die vielen Effekte fiel kaum auf, dass die Inszenierung eher statisch war. Wer andere Regiearbeiten der Deutschen Oper am Rhein gesehen hat, weiß, welche „Action“ auf der Bühne möglich ist.

Es ist spannend mal eine Aufführung zu erleben, die so ganz anders ist, nicht Understatement sondern etwas knalliger und poppiger unter Einsatz vieler technischer Mittel. Ich habe den Abend sehr genossen und empfehle jedem, der noch eine Karte ergattern kann, reinzugehen.

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Christoph Grätz-1Christoph Grätz
Referent der Stabsstelle Kommunikation bei der Caritas

Wenn es sie nicht schon gäbe, bäte er Gott sie zu erfinden: die Musik. Als Sänger im philharmonischen Chor Duisburg, als ungeduldiger Akkordeonschüler und begeisterter Tangotänzer füllt Christoph Grätz seine Freizeit mit viel Musik (und umso weniger Sport). Bei der Arbeit als Öffentlichkeitsarbeiter für die Caritas darf er zwar auch kreativ werden, aber fast nie musikalisch. Oper und Ballett entdeckt er jetzt nach und nach als Opernscout. Wie schön, dass er etwas davon mitteilen kann.