Eifersucht, Neid und Missgunst

Otello

Dominik Mustereit über Verdis „Otello“

Der Vorhang öffnet sich und man sieht sich selbst einer Armada schwarz gekleideter Menschen gegenüber. Eine bedrückende Stimmung, die den Abend weiter bestimmen wird und die Handlung untermauert. Zwischenmenschliche Gefüge und Beziehungen werden aufgezeigt, in ganz besonderer Art und Weise. Die Beziehungen werden bestimmt durch ein Gift, das seine Wirkung erzielt und weiter steigert, je länger es wirkt. Eifersucht, Neid und Missgunst bestimmen das Geschehen. Wir sehen, wie nah sich Liebe und Eifersucht sein können, wie schnell ein Keil zwischen zwei sich liebende Menschen getrieben werden kann.
Eine Thematik, die auch heute Aktualität beweist.
Keine Farben – nur schwarz
Durch die Kontraste entsteht hier eine besonders bedrückende Atmosphäre, die unterstützend musikalisch untermauert wird. Die schwarze Bühne und die schwarze Kleidung der Darstellerinnen und Darsteller stellt die Mimik und Gestik viel stärker in den Vordergrund. Durch diese einheitliche Farbgebung wird die Leistung der Darstellerinnen und Darsteller deutlich hervorgehoben, denn die Kommunikation der Personen liegt im Vordergrund.

Ein spannender und äußerst kurzweiliger Abend, dessen Ende dramatisch in Szene gesetzt wurde und lange nicht vergessen sein wird.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

 

Dominik Mustereit
Gymnasiallehrer in Dinslaken

Dominik Mustereit unterrichtet Biologie und Evangelische Religion am Otto-Hahn-Gymnasium Dinslaken. Als Opernscout möchte er die Welt der Oper und des Balletts näher kennen lernen und „sprachfähig“ werden, das heißt durch die regelmäßigen Opern- und Ballettbesuche, das genaue  Betrachten, Besprechen und Beschreiben der Aufführungen die eigene Meinung zu bilden und auszudrücken.

Otello- Tragedy in the black box

Otello

Alexandra Schiess über die Premiere von Verdis „Otello“

Die Oper Guiseppe Verdis beschreibt das Drama um das Liebespaar Otello und Desdemona. Der Zuschauer wird Zeuge, wie die Liebe durch Selbstzweifel , Misstrauen, Verlustangst, Machtmissbrauch, und Intrige regelrecht zermalmt wird. Es mündet im Tod Beider.
Jeglichem traditionellem Bühnenbild entrückt, findet das Drama in einem komplett schwarzen Raum statt. Die Bühne verwandelt sich in einen Kubus. Schieferartige Platten, Quader und Stufen werden dem Moment angepasst ausgeleuchtet.
Das gesamte Kostümbild, der Chor, als auch die Solisten sind ebenfalls komplett schwarz gekleidet. So dass es optisch ermöglicht, Protagonisten ’verschwinden’ zu lassen , ohne von der Bühne zu gehen. Anderes kann durch die Lichtführung wiederum schnell hervorgehoben werden. Einzig das Taschentuch und Desdemona’s Hochzeitskleid erstrahlen in klarem Weiss. Weniger in der Idee der Unschuld, als der bildhafte Ursprung des zunehmenden Dramas.
Der Chor hat in dieser Oper eine ganz besonders starke Rolle. Voller Kraft verleiht er der Tragödie eine maximale Steigerung aller dargestellten Emotionen. Das Kostümbild ist nicht uniform. Jedes Kostüm ist einzigartig, wie es die Charaktere auch sind. Das Schwarz verbindet und wird zur großen, tragenden Einheit.
Desdemona steigert schien ihrer Rolle, mündend in einem wunderschönen Solopart ,dem Lied vom Weidenbaum’ (Brigitta Kele mit wunderschönstem Sopran).
Jago, sagenhaft gut in seiner Rolle Simon Neal, stellt die personifizierte Intrige dar. Ein Nihilist par excellance.
Otello, dargestellt von Gustavo Parat, wird vom gefeierten helfen zum Spielball seiner Selbstzweifel und Ängste. Mehr und mehr durch die Intrige Jagos in den Wahnsinn getrieben, weiß er nicht mehr wie er denken und handeln soll und wird zum Mörder seiner Frau-
Im letzten Akt bricht die schwarze ‚Bühnenbox‘ auseinander, große Fugen öffnen sich und bringen ‚Licht ins Dunkel‘ des Dramas- Jagos Intrige offenbart sich- Otello erkennt seinen Fehler, ihm bleibt kein anderer Ausweg, ausser sich selbst zu töten.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

 

Alexandra Schiess
Modedesignerin

Alexandra Schiess war Opernscout der ersten Stunde: Schon in der Spielzeit 2009/10 lernte sie das Projekt kennen und war sofort begeistert, Teil des Experiments zu sein. Mittlerweile ist sie Mutter von zwei Kindern und freut sich, ein zweites Mal – diesmal in Duisburg – dabei sein zu dürfen. Vor allem der Tanz fasziniert die Modedesignerin, die ihre Kollektionen sowohl in Deutschland als auch international, wie zum Beispiel in Paris, Rom und San Francisco vermarktet: Sie erstellte Kostümbilder für Ballettproduktionen in Dortmund und Hannover und pflegt eine enge Beziehung zum Ballett am Rhein. Der Oper begegnet sie mit Respekt und Freude und ist gespannt auf die neue Spielzeit.

Das erlösende Licht der Wahrheit

Otello

Michael Menge über die Premiere von Verdis „Otello“

Die dritte Premiere in dieser Spielzeit war „Otello“ von Giuseppe Verdi. Für mich eine sehr bewegende Inszenierung, wahrscheinlich, da es keine Palmen auf Zypern gab.
Otello ist ein einfach konstruiertes Drama von Shakespeare das von Liebe, Freundschaft und einer bitterbösen Intrige handelt. Die Inszenierung von Michael Thalheimer reduziert das Stück sehr präzise auf seine Grundaussagen und präsentiert diese dem Publikum durch sehr klare, verstörende und imposante Gesten, die einen emotional und mental fordern und bewegen.
Das Stück in einer schwarzen Box mit schwarzen Kostümen spielen zu lassen, war für mich am Anfang eine gute Idee, die mit der Erwartungshaltung des Publikums bricht. Im Verlauf der Oper offenbart diese gewählte Gestaltung der Bühne erst ihre Kraft, die mich unverhofft berührt hat. Das Bühnenbild entwickelt sich von einem Schauplatz des Sieges und des Ruhmes in der realen Welt zu der verwirrenden Gedanken Welt von Otello. Dieses konstruierte Gefängnis wird im Verlauf des vierten Aktes von den unterschiedlichen Protagonisten wie z. B. Jago, Desdemona und Cassio besucht. Für Otello selbst gibt es aber keine Möglichkeit zur Flucht und somit bleibt er immer wieder alleine zurück und verliert sich völlig in seiner falschen Wahrheit, die seine tiefsten Ängste widerspiegelt. Erst am Schluss gelingt es ihm, seine düstere und neurotische Gedankenwelt auf dramatische Weise zu durchbrechen und das erlösende Licht der Wahrheit zu erkennen.
Für mich eine sehr beeindruckende Inszenierung von Otello, die die Liebe und Verzweiflung zwischen Desdemona und Otello sehr eindrucksvoll darstellt.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Michael Menge
Selbstständiger Grafikdesigner

Michael Menge ist Inhaber der Design Agentur „Oppa Franz“ aus Duisburg. Im Dialog mit seinen Kunden schaut der freie Art Direktor und Designer genau hin: „Es geht uns um den ganzheitlichen Charakter eines Unternehmens. Denn interessante Persönlichkeiten sind nicht perfekt – und spannende Marken auch nicht.“ Genau hinschauen möchte er jetzt auch als Scout für Oper und Ballett in Duisburg. Er ist sehr neugierig auf das Projekt, da er bisher wenig Berührung mit Oper oder Ballett hatte und freut sich darauf, diese Art der Darstellung und des Ausdruckes besser verstehen zu lernen.

Geboren um zu lieben und zu sterben…

Otello

Jürgen Ingenhaag über Verdis „Otello“

William Shakespeares fünfaktige Tragödie „Othello oder der Mohr von Venedig“ wurde vom Meister der italienischen Oper Giuseppe Verdi und seinem Librettisten Arrigo Boito zum vieraktigen Musikdrama „Otello“ umgearbeitet. Es beginnt „Heavy-Metal“-mäßig mit Blitz und Donner in der berühmten Sturmszene.
Trotz des Siegs über die Türken bleibt der Oberbefehlshaber Otello ein Außenseiter.
Was es mit der schwarzen Gesichtsschminke auf sich hat oder warum das Bühnenbild so düster bleibt, wird im Programmheft nachvollziehbar vom Regisseur Michael Thalheimer erklärt. Und so werden wir Zeuge, wie der schwarzsehende Otello (Gustavo Porta) Opfer einer üblen Intrige wird. Sehr überzeugend gespielt fand ich den Schmutzbuckel Jago (Simon Neal). Sein Credo über das „gottlos Böse“ ist zweifellos einer der Höhepunkte des Abends. (Beinahe hätte das Autorenduo das Werk nach ihm benannt.)
Desdemona ist „geboren um zu lieben und zu sterben“. Hier gilt ein Lob an die Lichtinszenierung von Stefan Bolliger, denn Desdemona (Brigitta Kele) erstrahlt bei ihrem „Ave Maria“ in reiner weißer Unschuld, bevor sie vom grundlos eifersüchtigen Otello erdrosselt wird. Neid, Stolz, Eifersucht werden uns hier vorgeführt. Ja, das ist große (wenn auch düster-böse) Oper mit fantastischer Musik. Der italienische Maestro Antonino Fogliani leitet die exzellent aufspielenden Duisburger Philharmoniker. Sehens- und hörenswert!

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.Jürgen Ingenhaag
Vorstand Musikalische Gesellschaft Rheinberg

Der Staatlich geprüfte Techniker für Druck und Medien organisiert im Vorstand der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge‘‘. Mit Rock- und Popmusik ist er aufgewachsen – sie hat ihn geprägt und trotzdem nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden; einer, der sogar die Bayreuther Festspiele besucht. Im Theater Duisburg freut er sich nach „Rheingold“ und „Walküre“ in dieser Spielzeit auf die Fortsetzung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.

 

 

 

 

Sehens- und hörenswert!

Otello

Christiane Hain über die Premiere von Verdis „Otello“

Was wusste ich über diese Oper, bevor ich sie mir angeschaut habe?
Es ist eine, wenn nicht, die dunkelste Oper der Musikgeschichte, es basiert auf der Geschichte von Shakespeares Drama Othello, es ist einer der letzten Opern des weltbekannten Komponisten Verdi und die Inszenierung in Duisburg erfolgt durch den bekannten Schauspielregisseur Michael Thalheimer.
Ich war sehr gespannt, was mich erwartet und wie es mir gefällt.
Um es vorweg zu nehmen. Die Inszenierung und die Oper haben mich beeindruckt. Die ersten beiden Akten habe ich für den Einstieg in die Welt von Otello benötigt und in den beiden letzten Akten war ich mitten drin im Drama um Otello und Desdemona, gestützt durch die fantastische Musik von Verdi.
Das Bühnenbild besteht nur aus einem schwarzen Kubus in dem ein Fenster zeitweise vorhanden ist. Die Wände und die Bühne sind durch große Vierecke uneben. Alle Sänger sind in schwarz gekleidet und diese Kombination führt einen von Anfang an in die düstere Welt von Otello und seinem Konkurrent Jago, der in durch einen listigen Plan geschickt in den Wahnsinn und zur Tötung seiner geliebten Desdemona treibt.
Die Hauptcharaktere Otello – der Außenseiter und Machthungrige, Desdemona, die Perfekte und Jago, der Nihilist werden langsam in den 4 Akten kontinuierlich entwickelt.
Besonders gelungen finde ich die Inszenierung des Auftritts von Desdemona im 1. und 2. Akt. Sie erscheint immer in einem Fenster – präsentiert wie ein Standbild – leicht erhöht, so das alle handelnden Personen auf der Bühne zu ihr aufschauen. Alle Personen bewundern diese schöne liebenswerte Frau von Otello. Sie steht über allem. In den letzten beiden Akten kommt sie auch nur noch durch eine Tür auf die Bühne, was auch symbolisch ihren Fall unterstreicht. Desdemona erfährt eine tolle charakterliche Entwicklung – anfänglich nur eindimensional schön und kurz vor ihrer Tötung wird ihre Liebe, ihre Kraft deutlich. Wundervoll die Szene als sie das Lied vom Baum singt. Sie erkennt ihr Schicksal und wird immer stärker, obwohl sie den Grund der Abweisung und Otellos Zweifel an ihrer Liebe nicht kennt.
Fasziniert hat mich auch die Figur des Jago, der die Bösartigkeit so gut auf die Bühne bringt, dass man versucht ist ihn aufhalten zu wollen.
Der Auftritt des Chors der deutschen Oper am Rhein ist auch immer sehens- und hörenswert und verstärkt nochmal die musikalische Wucht in jeder Szene. Großartig.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Christiane Hain
Application Managerin

Christiane Hain arbeitet im IT-Bereich einer Bank in Köln. Sie ist in der Neckarstraße Duisburg aufgewachsen – in Sichtweise des Theaters, das ein fester Bestandteil im Familienleben war: Die Großmutter, die Eltern, die Schwester und sie selbst – alle waren regelmäßige Theaterbesucher. Mit einigem Abstand nähert sich die Duisburgerin jetzt wieder der Oper und dem Ballett und freut sich auf ihre neue Aufgabe als Opernscout.

Hervorragend inszenierte Oper, die unter die Haut geht…

Otello

Annette Hausmann über die Premiere von Verdis „Otello“

Der Vorhang hebt sich und unvermittelt und stürmisch werde ich durch die imposante Musik Verdis und den absolut brillanten Chor regelrecht in die Handlung der Shakespeare-Oper „Otello“ gezogen. Zeitgleich offenbart sich mir ein absolut schwarzes Bühnenbild in Form eines offenen Kubus, das trotz des anfänglich ruhmreichen und gefeierten Helden Otellos keine positive, sondern eine eher bedrückende, düstere und kalte Stimmung vermittelt. Alles ist schwarz wie die Nacht – selbst die Kostüme der Protagonisten, und Otellos schwarze Maske scheint in der Finsternis noch dunkler zu glänzen.
Im Verlauf der vier Akte des Opern-Dramas wird mir immer bewusster, auf welch‘ intelligente Art und Weise Michael Thalheimer „Otello“ inszeniert hat. Durch die Reduktion auf das Wesentliche, einschließlich der Requisiten (weißes Taschentuch, Brautkleid und Messer) und die bewusst eingesetzten Lichteffekte, wie z.B. das weiße Lichtkreuz zur Symbolisierung des Glaubens und der Hoffnung, gelingt es dem Zuschauer „wie von selbst“, sich in die Rolle der Protagonisten hineinzuversetzen.
Allen voran Otello, der durch seine Entwicklung vom liebenden Ehemann und scheinbar starken Helden hin zum gebrochenen, von Selbstzweifeln und Eifersucht geplagten und wahnsinnig werdenden Mörder genügend Potenzial für Emotionen unterschiedlicher Art bietet.
Ebenso wird man gleich zu Beginn in das Intrigenspiel Jagos, der von Simon Neal äußerst ausdrucksstark gesungen und gespielt wird, eingeweiht. In der Rolle des Nihilisten verkörpert er glaubwürdig das „lebendige Böse“, der es facettenreich versteht, die Schwächen Otellos für sein Vorhaben auszunutzen und ihn in den mörderischen Wahnsinn zu treiben. Als Gegenpol zu Jago gefiel mir Brigitta Kele mit ihrer exzellenten Sopranstimme als Desdemona besonders gut. Von der anfänglich eher naiv und zerbrechlich wirkenden Ehefrau entwickelt sich Desdemona zu einer selbstbewussten Frau, die im vierten Akt in zwei Arien, die „unter die Haut gehen“, von ihrem bevorstehenden Tod singt.
Otello ist eine empfehlenswerte und hervorragend inszenierte Oper, die mich noch länger gedanklich beschäftigen wird.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.


Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an GGS Hermann-Grothe-Straße in Duisburg-Bissingheim, einer Montessori-Grundschule, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Sie findet es spannend und freut sich darauf, sich als Scout für Oper und Ballett in dieser Saison wieder regelmäßig und intensiv mit Oper und Ballett auseinanderzusetzen.

Das Schwarze als Symbol

Otello

Isabel Fedrizzi über die Premiere von Verdis „Otello“

Dieser Otello in Duisburg ist in jeder Hinsicht „ein schwarzes Stück“: inhaltlich, dramaturgisch, bühnenbildlich und kostümtechnisch. Das Libretto beschreibt nun einmal diese düstere Tragödie: der erfolgreiche, aber krankhaft eifersüchtige Otello, der sich durch das abgrundtief böse und falsche Ränkespiel seines Hauptmanns Jago  manipulieren lässt und schlussendlich seine geliebte Ehefrau ermordet.

Die Wege, dieses Drama auf die Bühne zu bringen, sind vielfältig und Michael Thalheimer hat sich in DU für eine gänzlich schwarze Fassung entschieden – das Schwarze als Symbol: schwarze Gesichter für die Leere und das Kranke im  Kopf (nicht nur Otellos), die Bühne als schwarzer „Guckkasten“ – die gefühlte Hölle, in der Desdemona ihr Leben fristet, die Niedertracht und die nihilistische Weltanschauung Jagos, Otellos Innenleben mit schwarzer Seele,  vielleicht auch Symbol für Schuld und das Schuldigsein an sich? Die Interpretationen und Assoziationen sind zahlreich. Bei aller Symbolträchtigkeit, die auch ihren Reiz hat, weil man in jedes Detail etwas „hineindenkt“, empfinde ich diesen Otello dennoch als statisches Kammerspiel. Drei Stunden Oper, die sich von der ersten bis zur letzten Minute in einem schwarzen Kasten abspielt, Orts- und Szenenwechsel nicht einmal andeutet, schwarze Kostüme und ein schwarzer Chor, fast keine Requisiten (Die zwei monolithisch herausragenden  blütenweißen Requisiten „Taschentuch“ und „Brautkleid“ werden effektvoll eingesetzt) sind doch mühsam. Vor allem aber ist alles so statisch, so bewegungslos: es wird über weite Strecken gestanden und gesungen. Zwei überraschende Sprünge Jagos an zwei Szenenenden prägen daher schon deutlich die Erinnerung. Die sängerische Leistung war gut, besonders Desdemona und Jago haben stimmlich und auch schauspielerisch wunderbar ihre Rollen ausgefüllt. Otello schien stimmlich in der Höhe mehr als an seine Grenzen zu stoßen, sehr gut war der Chor, voluminös und kraftvoll. Auf diese Inszenierung muss man sich einlassen, bereit sein, die Musik ganz in den Vordergrund zu stellen, und alles andere mit viel eigener Phantasie zu füllen.

Fedrizzi_Isabel_FOTO_Tanja_BrillIsabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Als Scout für Oper und Ballett möchte sie ihre Zuschauererfahrungen erweitern und intensivieren.

Otello oder Minimalismus par excellence

Otello

Myriam Kasten über die Premiere von Verdis „Otello“

Es ist düster, es ist sehr düster. Man wird von der Finsternis fast erdrückt. Fast 3 Stunden völlige Finsternis und dann die strahlende Erlösung.

Ja Otello ist eine düstere Geschichte voller Eifersucht, Verzweiflung, Liebe, Unsicherheit und Wut. Doch diese Finsternis muss man erst einmal verarbeiten.

Das Publikum ist still, man kann fast eine Feder fallen hören. Alle sind so angespannt vom drohenden Ausgang des Dramas. Otello ist zerrissen, er führt einen Kampf mit sich selbst. Hat seine Desdemona ihn wirklich betrogen? Aber er liebt sie doch so sehr. Oder hat sie nicht? Sie ist zu Beginn ein so zartes, fragiles Wesen. Sie wird regelrecht wie eine Königin behandelt. Mit der Zeit jedoch steigt sie immer tiefer hinab in den Sumpf von Jago´s Verschwörung. Doch dadurch wird Sie immer stärker. Sie sieht der Tatsache ins Auge das sie diese Geschichte nicht überleben wird und trägt es mit Fassung. Michael Thalheimer lässt das Publikum mit leiden. Es ist nur eine Geschichte doch man spürt diese Zerrissenheit, diese Verzweiflung von Otello alleine durch das erdrückende, schwarze Bühnenbild. Und schließlich die Stärke und das Licht am Ende wenn Desdemona stirbt. Sie ist erlöst, genau wie Otello.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Myriam Kasten
Projektmanagerin Tourismus bei Duisburg Kontor GmbH

Die gelernte Fotografin hat die Liebe zu ihrer Heimatstadt zum Beruf gemacht: Als Projektmanagerin im Bereich Tourismus gibt sie ihre eigene Begeisterung für die Stadt an Besuchergruppen weiter. Für sie ist das Theater Duisburg einer der großen Anziehungspunkte der Stadt. Hier hat sie schon als Kind viel Zeit verbracht – häufig nahmen sie die Eltern ins Theater mit. Ballettunterricht und das eigene Tanzen verstärkten die  Begeisterung für Musik und Tanz, besonders für die Choreographien von Youri Vàmos.

 

 

Kathrin Pilger über „Don Carlo“

Schicksalsschläge

Die Geschichte ist dramatisch: Mittels Vermählung der französischen Prinzessin Elisabetta di Valois mit dem spanischen Infanten Don Carlo soll der Frieden zwischen den beiden Ländern hergestellt werden. Bei einer Begegnung in Fontainebleau verlieben sich die beiden tatsächlich ineinander. Doch das Schicksal schlägt hart zu: Elisabetta darf nicht Carlo heiraten, sondern muss sich in eine Ehe mit dessen Vater Filippo II. zwingen lassen. Carlo ist verzweifelt und lässt sich von seinem Freund Rodrigo, Marquis di Posa, für den Freiheitskampf der von den Spaniern unterdrückten Flamen gewinnen. Carlo, der Elisabetta sehen möchte, gerät in die Intrige der Hofdame Prinzessin Eboli, die heimlich in ihn verliebt ist. Di Posa versucht Carlos zu helfen und auf den König einzuwirken. Am Ende sterben beide Freunde auf tragische Weise: Rodrigo wird Opfer der Inquisition, Carlo wird von seinem eigenen Vater getötet.
Die auf das Schillersche Drama zurückgehende Oper von Giuseppe Verdi, 1867 in Paris uraufgeführt, ist keine „leichte Kost“ und bedarf daher einer sorgfältigen Inszenierung. Das ist dem flämischen Regisseur Guy Joosten in eindringlicher, dabei zugleich unaufdringlicher Weise gelungen. Erwähnenswert ist zunächst das Bühnenbild von Alfons Flores. Metallisch glänzende, aus der Wand hervorkragende Rauten, die zwischen Gold, Bronze und Orange changieren und die Stimmung gut reflektieren. Mal ist es der Königshof als goldener Käfig der Elisabetta, ein anderes Mal das Feuer, in dem später die flandrischen Gesandten, denen man Eselskappen aufgesetzt hat, verbrennen. Dazu wunderbare Sängerinnen und Sänger, allen voran Bogdan Baciu als Rodrigo di Posa. Die irische Sopranistin Celine Byrne als Elisabeth von Valois und der italienische Tenor Gianluca Terranova in der Rolle des Don Carlo harmonieren als Paar perfekt. Großartige Stimmen, die einen starken Eindruck hinterlassen, wunderbare Melodien in einer der besten Verdi-Opern. Einen erheblichen Beitrag zum Erfolg liefern wie immer die Duisburger Philharmoniker, die am Premierenabend in besonders guter Form zu sein schienen. Alles in allem: Eine tolle Oper, ein großer Abend – absolut empfehlenswert!

Weitere Informationen zu „Don Carlo“

Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg
Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

Heike Stehr über „Don Carlo“

DonCarlo_09_FOTO_HansJoergMichel

Zwischen Sehnsucht und Pflicht

Ein Samstagabend im Juni in der Oper in Duisburg am Rhein, „Don Carlo“ stand auf dem Programm. Verdis düsterste Oper … hatte ich irgendwo gelesen, aber in der Inszenierung von Guy Joosten strahlte zunächst einmal das Bühnenbild, eine Adaption des Renaissancepalastes „dei Diamanti“ von Ferrara. Die Räume veränderten sich ständig, die Wände schwebten hinein oder heraus, sie wurden glänzend oder gaben Durchblicke frei, die Farben changierten, das Licht spielte mit … das war optisch sehr reizvoll vom Bühnenbildner Alfons Flores arrangiert. Die Kostüme verwirrten mich ein bisschen … zwischen historisch und modern war das ausgestattet, irgendwie unentschieden und ich erkannte darin kein Konzept außer „schön anzusehen“.
Dabei wollte Guiseppe Verdi, der keine andere seiner Opern so häufig verändert, gekürzt und neu gefasst hat wie diese, garantiert viel mehr. Der Stoff handelt von Freiheit und Freundschaft, von Liebe und Verzicht, von Verrat, Eifersucht und einer gestörten Beziehung zwischen Vater und Sohn auf der menschlichen und von Staat, Politik, Kirche und Inquisition auf der politischen Ebene. Die beiden Ebenen sind durch private und politische Intrigen durchaus spannend verknüpft und auch der Fakt, dass schon Verdi drei verschiedene Schlussfassungen lieferte zeigt, die Komplexität des Themas.

Die Musik stellte das absolute Highlight des Abends dar, ausdrucks- und stimmungsstark, die Personen fein charakterisierend, inhaltliche Zusammenhänge über die Melodien unterstützend, das Geschehen tragend. Die Duisburger Philharmoniker unter Lukas Beikircher gaben, sich selbst passend zurückhaltend, den Sängern genug Raum an den richtigen Stellen und spielten dennoch präsent und den verdischen Kosmos ausfüllend. Dazu kamen die starken Stimmen der Solisten, von denen mir Gianluca Terranova und Celine Byrne am meisten im Gedächtnis blieben. Besonders ihr Abschiedsduett ging mir musikalisch unter die Haut: „Wir sehen uns wieder in einer besseren Welt, schon schlägt für uns die erste Stunde der Ewigkeit …“
Der musikalisch überzeugende Abend ließ mich regietechnisch gesehen allerdings mit einigen Fragen zurück. Zum Glück waren wir in der Einführung und hörten dort, dass Guy Joosten den historisch belegten Fakt, dass der Infant von Spanien geistig eingeschränkt war, in die Person des Don Carlos einfließen lässt. So ließen sich die Brüche in Gianluca Terranovas Interpretation der Figur gedanklich integrieren, erzeugten andererseits aber auch den Zweifel in mir, ob dieser Carlos Flandern jemals würde retten können, und nahmen dem Stück damit von seiner politischen Dimension. „Der Fokus liegt auf der privaten Geschichte“ sagt der Regisseur im Interview und das fand ich schade. Denn wie sich bei Verdi Mächtige, Liebende und Freiheitsliebende einer allmächtigen und gefährlichen verführerischen religiösen Kraft, in diesem Falle der Inquisition, beugen müssen, das hat Potential und eine Aktualität, die mir in dieser Inszenierung zu wenig ausgelotet wurde. Das Autodafé empfand ich als aussageschwächste Szene. Religiöser Fanatismus und falsche Ideale, eine stets tödlich drohende geistliche Macht … da wäre mehr drin gewesen.
Andererseits haben mich die „private Geschichte“ und deren Umsetzung durchaus in ihren Bann gezogen. Die menschlichen Verstrickungen und Ränke, das Wanken zwischen den eigenen Wünschen und der Pflicht, zwischen dem Freiheitsideal und dem Taktieren, zwischen Sehnsucht nach Freundschaft und Herrschersein hat die Inszenierung mir durchaus glaubhaft und ergreifend vermittelt und mich damit gut und kurzweilig unterhalten.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.Heike Stehr
Erzieherin
Kunst spielt in Heike Stehrs Leben eine große Rolle: Neben ihrer Arbeit als Erzieherin in einer KiTa macht sie eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin und betreibt den Blog http://kunstlebendig.blogspot.de. Sie besucht besonders gerne Ausstellungen, Programmkinos, Theaterstücke, Konzerte und Ballett. Auf den Bereich Oper, der für sie weitgehend Neuland ist, ist sie aber sehr gespannt. Sie freut sich, als Opern- und Ballettscout Kunst erleben und ihre individuellen Eindrücke an andere weiter geben zu können.

Stephanie Küthe über „Don Carlo“

Was für ein grandioser Opernabend!

Regisseur Guy Joosten hat ein modernes, packendes Familiendrama inszeniert, wie es heute nicht besser geschrieben werden könnte. Dass bei ihm die private Tragödie im Mittelpunkt steht, zeigt schon das Bühnenbild: Ort der Inszenierung sind ausschließlich die vermeintlich privaten Schlafzimmer der Protagonisten, wo jedoch Hofstaat und Inquisition ein- und ausgehen. Und auch die prunkvollen goldenen Palastwände, die immer wieder transparent werden, bieten keine Privatsphäre – eindrucksvoll, wie Joosten das Scheitern von Elisabettas und Carlos Liebe an der Kontrolle des Staates und der Kirche auf allen Ebenen darstellt.
Dass die Geschichte so berührt und fesselt, liegt vor allem an der schauspielerischen Leistung der Darsteller, allen voran Gianluca Terranova in der Titelpartie. Aber auch musikalisch überzeugten an diesem Abend ausnahmslos Alle. Celine Byrne als Elisabeth zieht den Zuhörer vor allem mit ihren leisen Tönen ganz in ihren Bann und auch Bogdan Baciu beeindruckt als Posa, um nur zwei Sänger aus einer durchweg phantastischen Besetzung zu nennen. Auch Chor und Orchester brillierten in gewohnter Präzision, unter der musikalischen Gesamtleitung von Lukas Beikircher.
Am Ende gab es stehende Ovationen – zu Recht!

Weitere Informationen zu „Don Carlo“

Stephanie Küthe
Tätig im Eventmanagement eines Energiekonzerns
Seit ihrer Kindheit begeistert sich Stephanie Küthe für das Musiktheater, sang im Kinderchor der Bonner Oper und stand jahrelang in verschiedensten Produktionen selbst auf der Bühne. Die Diplom-Kauffrau und Musikwissenschaftlerin singt heute wieder mit Begeisterung im Chor und verpasst keine Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein. Als Scout freut sie Sich darauf, ihre Gedanken zu Inszenierungen in Worte zu fassen und andere mit ihrer Begeisterung anstecken zu können. Ganz besonders gespannt ist sie dabei auf den Austausch mit anderen Opern- und Ballettscouts.

Martin Breil über „Don Carlo“

Armer Don Carlo….

Das Schöne an der Oper ist, dass man dort Geschichten erlebt, die es sonst nirgendwo gibt.
Stellen Sie sich vor, ihr Sohn liebt ihre Frau, mit der Sie in dritter Ehe verheiratet sind. Oder, andersherum, die (Stief-) Mutter ist in ihren Sohn verliebt, obwohl Sie mit dessen Vater verheiratet ist. Oder, Sie als Sohn, müssten Ihren Vater ermorden, um Ihre „Mutter“ für sich zu erobern… Unglaublich !
Don Carlo, Sohn des spanischen Königs Philipp II., weiß nicht mehr ein noch aus. Er liebt Elisabetta, Prinzessin von Frankreich, die ihm versprochen wurde und nun mit seinem Vater verheiratet ist. Sein einziger Freund Rodrigo di Posa, ein von Carlos Vater unterdrückter Freiheitskämpfer, hält zu ihm.
Giuseppe Verdi hat nach der Vorlage von Friedrich Schiller mit „Don Carlo“ ein großartiges Drama über das Freiheits- und Unabhängigkeitsstreben sowohl politisch als auch aus Staatsräson unterdrückter Individuen geschaffen.
Am Anfang wirkt die Oper sehr statisch und wenig handlungsbetont. Aber Verdi versteht es, die Gefühle und Emotionen der verschiedenen Individuen mit ihren Ängsten und Nöten musikalisch derart treffend zum Ausdruck zu bringen, dass es für ihn keines großen Bühnenspektakels bedarf, um sein Publikum zu fesseln.
Das Bühnenbild besticht zunächst aufgrund seiner goldenen Wände, die sich, streng orthogonal angeordnet, im Laufe des Abends, von intimen Gemächern, zu einem Richtplatz und schließlich in ein Königsgrab verwandeln.
Die Soli, Duette, Terzette und Quartette sind so ausdrucksstark, dass es genügt, mit dem Bühnenbild Stimmungen optisch nur anzudeuten. Celine Byrne als Elisabetta beeindruckt mich dabei stimmlich am meisten. Das gesamte Ensemble und die Duisburger Philharmoniker beweisen an diesem Abend während der dreistündigen Vorstellung wieder einmal große Klasse.

Diese Inszenierung ist emotional noch stärker als „Aida“, das Bühnenbild schlichter, aber dadurch inspirierender, ich kann sie sehr empfehlen- aber Vorsicht, anspruchsvoll und anstrengend!

Weitere Informationen zu „Don Carlo“

Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau
Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

Jessica Gerhold über „Don Carlo“

Inszenierungen vergleichen

Ein schweres Stück! Das bespickt ist mit allen erdenklichen Konflikten, die eine Oper groß werden lassen: Eine historische politische Figur, Kirche und Staatsoberhäupter im Machtkampf, verbotene Liebe und Leidenschaft, Familienverstrickungen, die Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung. Eigentlich wahnsinnig spannende Themen. Emotional wurde ich auch durch alle Akte immer tiefer in den Bann gezogen, es ergriff mich aber leider nicht vollends. Woran dies lag? Nun, das Bühnenbild war nicht der Grund! Wie fast immer, war ich „hin und weg“ von der genialen einfachen Idee, die den Zuschauer in die verschiedenen Schauplätze wie u.a. die königlichen Gemächer entführte. Es wirkte wie ein gewaltiger goldener Käfig dem man nicht entfliehen kann, mit durchlässigen Mauern die doch Ohren haben. Ein Kompliment an die Bühnenbildnerideen!
Auch die Stimmen waren im Zusammenspiel mit den Philharmonikern ergreifend. Alleine das Spiel von Gianluca Terranova als Don Carlo fand ich teilweise zu statisch. Am charismatischsten und herausstechendsten empfand ich persönlich Bogdan Baciu, hier in der Rolle von Di Posa. Alle Frauen waren stark besetzt und authentisch umgesetzt!
Schlussendlich lädt das Stück zu anregenden Diskussionen an und motivierte mich ungemein mir eine zukünftige „Don Carlo“- Aufführung zum Vergleich anzuschauen!

Weitere Informationen zu „Don Carlo“

Jessica Gerhold
Gymnasiallehrerin
Jessica Gerhold ist gebürtige Duisburgerin und arbeitet als Gymnasiallehrerin. Von jeher hat sie sich für das Theater interessiert.  Bei ihrer Berufung zum Opernscout war sie eher skeptisch, ob sich ihre bisher eher distanzierte Haltung zu Oper und Ballett verändern würde. Nach ihrer ersten Spielzeit sind die Zweifel verflogen. Sie ist stolz auf das, was in ihrer Heimatstadt geleistet wird und hofft, dass sich zukünftig viel mehr Menschen von der Leistung der Künstler live faszinieren lassen.

Christoph Grätz über „Don Carlo“

Trotz guter Zutaten, etwas fad

Eigentlich hat diese Oper alles was es braucht, persönliche Dramen, familiäre Konflikte, politische Verwicklungen und Intrigen, Liebe, Leidenschaft, Hass, Verrat, Verzweiflung und jede Menge Pathos und das auch noch mit großartiger Musik versehen. Und doch ist der Funke bei dieser Inszenierung von Verdis „Don Carlo“ bei mir nicht übergesprungen. Mich hat die herzzerreißende Geschichte des jugendlichen Infanten von Spanien, der seine Stiefmutter liebt, nicht wirklich berührt. Vielleicht lässt sich dieser Opernabend am besten mit einem Teller Pasta vergleichen, bei dem zwar alle Zutaten stimmen, und doch die Nudeln verkocht und die Gambas trockengebraten sind.
Ich hätte mir gewünscht, dass die Zerrissenheit der Charaktere, vor allem Don Carlos und Elisabettas packender rübergekommen wären. Die Dilemmata von politischen Interessen und Pflichterfüllung einerseits, Liebe, Leidenschaft und Verlangen andererseits, hätten dramatischer sein dürfen. Ich habe echte Spielfreude bei den Sängerinnen und Sängern vermisst. Da gab es Szenen, etwa wenn König Filippo II. seinen Sohn Don Carlos versucht zu bezwingen, die für meinen Geschmack zu sehr auf den gesanglichen Part konzentriert waren. Solche fast gewalttätigen Momente brauchen einfach vollen Körpereinsatz um glaubwürdig zu wirken.

Mir war die Inszenierung zu statisch. Der wirklich tolle Effekt des Bühnenbildes, das über die gesamten drei Akte fast gleich blieb – lediglich einige Elemente wurden über den Schnürboden heruntergelassen – nutzte sich trotz interessanter Lichteffekte über die drei Stunden doch ab. Auch bei den Kostümen hätte ich mir eine konsequentere Linie gewünscht. Die an Karneval erinnernden Eselsohren der flandrischen Gesandten, wirkten auf mich etwas albern.

Positiv war, wie gut die Stimmen der Sängerinnen und Sänger bei den mehrstimmigen Partien harmonierten. Die Stimmen waren alle gut; überragend fand ich aber keinen der Sänger, auch darstellerisch nicht. Am präsentesten vielleicht, war Liang Li als König Filippo II., der durch seinen kräftigen Bass die auch darstellerisch größte Präsenz erreichte, neben Sami Luttinen. Als Großinquisitor hat er diese Rolle mit der richtigen Gravität und emotionalen Kälte ausgefüllt. Besonders eindrucksvoll, das Duett mit König Philipp indem allzu deutlich wurde, wer zu dieser Zeit wirklich das Sagen hatte. Der Konflikt zwischen weltlicher und klerikaler Macht war eine zentrale politische Botschaft des Abends. Aber auch König Filippo war bei aller Härte seinem Volk – und vor allem seinen Sohn gegenüber – ein verletzlicher Mensch. Der für mich stärkste Moment des Abends war die Arie des Königs, in der er erkennt, dass Elisabetta ihn nicht liebt.

Don Carlo, in Liebe für deine Stiefmutter entbrannt, verschreibt sich aus Verzweiflung dem Freiheitskampf der Flamen. Er setzt seinem Verlangen, seiner Leidenschaft und Liebe zu Elisabetta die Erfüllung der fast heiligen Pflicht entgegen, die Befreiung des unterdrückten Volkes anzuführen. Was den beiden Liebenden am Ende bleibt, ist die Hoffnung auf eine Vereinigung im Jenseits. Welche Tragik, die ich in dieser Inszenierung aber nicht wirklich gefühlt habe.

Fazit: Für Verdi-Liebhaber lohnt der Abend schon musikalisch, die Inszenierung hat Schwächen.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“

Christoph Grätz
arbeitet für die Stabsstelle Kommunikation bei der Caritas
Wenn es sie nicht schon gäbe, bäte er Gott sie zu erfinden: die Musik. Als Sänger im philharmonischen Chor Duisburg, als ungeduldiger Akkordeonschüler und begeisterter Tangotänzer füllt Christoph Grätz seine Freizeit mit viel Musik. Als Öffentlichkeitsarbeiter für die Caritas darf er in seiner Arbeit zwar auch kreativ werden, aber fast nie musikalisch. Als Scout entdeckt er nun Oper und Ballett und freut sich, etwas davon mitteilen zu dürfen.

Nico Budden über „Otello“

Das Operngucken muss man lernen

Ich bin kein geübter Operngänger. Es war mein viertes Mal, als ich am letzten Donnerstag in Verdis „Otello“ saß. Und mittlerweile kann ich mit annähender Sicherheit behaupten: In einer Oper wird fast immer gesungen. Auch scheint es heutzutage üblich zu sein, das Stück im Original aufzuführen. So ist Mozart verständlich, doch bei Puccini oder Verdi bedarf es der Übertitel. Nun gut, trotz lobenswerter Synchronisation schauen viele moderne Filmproduktionen auch lieber im Original, so sollte einen das eigentlich nicht abschrecken. Doch irgendwie ist es schon komisch. Die sagen immer das gleiche, es ist unglaublich emotional und irgendwie kommt die Geschichte nicht voran. Operngucken muss man lernen. Irgendwann stellt man fest, der Text ist eigentlich zweitrangig, es ist ein Gesamtkunstwerk, im Zentrum steht die Musik. Eine Oper sei eben kein Schauspiel, so wird der Librettist Boito im Programmheft zitiert, Musik könne viel schneller und viel mehr als das Wort aussagen. Man versteht auf einer anderen Ebene. Darum ist es vielleicht gut, nicht ganz unbelesen ins Stück zu gehen: Ganz typisch für eine Geschichte Shakespeares haben wir es mit einem Spiel hinter den Kulissen zu tun. Will man sich vom Wort lösen, muss man wissen worum es geht. Neid, Rache, Eifersucht, Untreue und nicht zuletzt die Liebe spielen eine Rolle, am Ende steht der dramatische Tod.
Dunkel gehalten ist die Bühne, es gibt nur wenige Lichtblicke. Eine beklemmende Stimmung vermittelt sie, erst mit dem Tod Otellos öffnet sich das Bild. Die Kostüme sind schwarz, alles Denken scheint festzustehen.
Bei Wikipedia ist von einem Meisterwerk ist zu lesen, dem sich nur die ganz großen Häuser mit hochkarätiger Besetzung nähern. Ich fühlte mich, ehrlich gesagt, ein wenig überfordert. Wer bin ich, das Ganze zu bewerten? Bin ich überhaupt in der Lage, das Meisterstück vom Boulevardvergnügen zu unterscheiden? – Schluss. Applaus. Die Leute sind begeistert, die Sänger toll. Besonders gefallen hat mir da die Darstellerin der Desdemona, Jacquelyn Wagner, auch wenn ich noch nicht sagen kann, warum. Der operneigene Chor war beeindruckend. Düsseldorfs Otello ist düster, aber in sich stimmig. – Es wird gejubelt, die Dame neben mir schreit „Bravo!“. Ich stelle fest, eine Oper ist wirklich anders und ja, sie wiegt schwer. Doch ist sie auch unglaublich schön. Dazu muss man nicht einmal zwischen den (oberen) Zeilen lesen.

Niko Budden
Student
Für Theaterliebhaber Niko Budden bedeuten Ballett und Oper neue Seh- und Hörgewohnheiten, auf die der Student der Geschichte und Germanistik sich sehr gerne einlässt. Sein Engagement im Projekt  „Musiktheater im Labor“ der Jungen Oper bedeutete für ihn dabei den Einstieg in die Welt des Musiktheaters. Besonders auf die Ballettvorführungen ist Niko Budden gespannt, da er den Einstieg in die performative Kunst bisher immer über das Wort fand.

Maren Jackwerth über „Otello“

Ein Stück, das unter die Haut geht

otello_05_foto_hansjoergmichelUraufgeführt wurde sie 1887 in Mailand, eine Oper von Verdi in vier Akten sehr sinnig entstanden aus Shakespeares „The Tragedy of Othello, the Moor of Venice“. Serena Farnocchia und Alexander Krasnov brillierten als Desdemona und Jago. Gerade der Jago war extra aus Russland eingeflogen worden und überzeugte durch seinen besonderen gehässigen Auftritt. Ein wirklich äußerst beeindruckendes, sehenswertes Stück hat mich in seinen Bann gezogen. Bis hin zum Mord an Desdemona im 4. Akt konnten die Zuschauer diese irre Wandlung von Otello hin zum Wahnsinnigen erleben. Das Düstere wurde unterstrichen durch das stark reduzierte Bühnenbild und die komplett schwarzen Kostüme. Das Zusammenspiel von Licht, Schatten und der Dunkelheit, perfekt vom Lichtdesigner inszeniert, tragen dazu bei, diese schaurige Welt intensiv erlebbar zu machen. Die Reduziertheit spiegelt sich in allem, einzig das Taschentuch, das Brautkleid und das Messer als notwendige Requisiten hoben dieses auf. Der Zuschauer weiß von Anfang an um die Macht Jagos und erlebt wissend, wie Otello immer mehr zum Hasser mutiert. Dessen schwarzes Gesicht, einmal als Mohr, aber auch als Zeichen der bösen Macht unterstreicht dieses noch. Und dann wirkte natürlich auch noch die Musik Verdis. Der musikalische Leiter Axel Kober hat hier das Orchester prunkvoll in Szene gesetzt. Ein Stück, das wahrlich unter die Haut geht.

Weitere Infos zu „Otello“

Maren Jackwerth
Anwältin
Die in Düsseldorf ansässige Rechtsanwältin, Mediatorin und Stiftungsmanagerin betreibt eine Kanzlei an der Königsallee und entwickelt Kommunikationslösungen im Bereich Corporate Social Responsibility und Kunst. Um das soziale Engagement von Unternehmen mit dem der gemeinnützigen Organisationen zu verbinden, hat Maren Jackwerth das Rheinische Stifterforum gegründet. Bildungsförderung auch im kulturellen Bereich ist ein Schwerpunkt des Netzwerks.

 

 

Isabell Boyer über „Otello“

Die Faszination des Bösen

otello_07_foto_hansjoergmichel

Als ich am vergangenen Samstag Michael Thalheimers Neuinszenierung von „Otello“ besucht habe, drangen sich direkt von der ersten Minute an zahlreiche Fragen in meinen Kopf: Warum wurde hier der schwarze Hintergrund gewählt? Wozu diente zu Beginn der Einsatz der schwarzen Farbe? Und vor allem: Warum trug nur Otello die ganze Zeit die schwarze Farbe im Gesicht, die die anderen über die verschiedenen Szenen hinweg immer wieder ablegen durften? Neu in diesem Stück angekommen standen mir alle Wege der Interpretation offen. Mithilfe der wundervollen Musik und den herausragenden Darstellern konnte ich mich Stück für Stück immer besser in die Geschichte einfinden und begreifen, wie genial Shakespeares Werk und Verdis musikalische Umsetzung dessen wirklich ist. Zwar empfand ich die Farbe in Otellos Gesicht noch immer als störend (auch wenn diese die Finsternis in seinem Wesen darstellen sollte), da ich so die mit Sicherheit sehr deutliche Mimik des Darstellers kaum in vollem Maße erfassen konnte – trotz Brille – doch empfand ich die Beleuchtung und den Aufbau des Bühnenbilds als immer ergreifender und plausibler. Für mich entwickelte der Einsatz dessen völlig neue Ebenen, die ich so in der Oper noch nicht gesehen habe. Die Darsteller, die für mich an diesem Abend nicht nur die Räumlichkeiten für sich genutzt haben, sondern auch mit Stimme und Ausdruck brillierten, waren Serena Farnocchia und Alexander Krasnov, die für ihre leider erkrankten Kollegen einsprangen und in diesem Zuge Desdemona und Jago verkörperten. Besonders Krasnov zog mich von Anfang als Jago in seinen Bann und hatte mich sofort auf seiner Seite. Es war schon bald klar, wer hier die Fäden in der Hand hielt und nicht nur Otello, sondern auch Cassio, Roderigo, seine eigene Frau und Desdemona manipulierte. Es wird hier einerseits berechnend, andererseits tragisch und erschütternd, dargestellt, wie gefährlich Eifersucht, aber auch eine falsche Wortwahl, sein können, wenn man nicht weiß, wie man den entstandenen Schaden wieder reparieren kann. Alles in allem ein äußerst beeindruckendes, sehenswertes Stück, das ich wirklich jedem ans Herz legen kann.

Weitere Informationen zu „Otello“

Isabell Boyer
Studentin
Auf Isabell Boyer sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Die Opern- und Ballett-Erlebnisse in ihrer ersten Spielzeit als Opernscout inspirierten sie dazu, freier zu denken und ihren Horizont zu erweitern.

 

Marion Hörsken über „Otello“

Diese Inszenierung ging unter die Hautotello_08_foto_hansjoergmichel

Wie sich Otello vom gefeierten Helden, geachteten General der Republik Venedig und liebenden Ehemann zum von Eifersucht tobenden gewalttätigen Mörder aus Rache entwickelt, hätte Ian Storey sicherlich in noch beeindruckenderer Art und Weise gezeigt, wenn er gesundheitlich auf der Höhe gewesen wäre.  Bis hin zum Mord an Desdemona im 4. Akt konnten die Zuschauer diese Wandlung von Otello hin zum Wahnsinnigen erleben, für den ich nicht den Hauch von Mitleid empfand.
Das Bühnenbild ist schwarz, die Kostüme sind schwarz, das Zusammenspiel von Licht, Schatten, Dunkelheit tragen dazu bei, diese böse Welt erlebbar zu machen. Ganz vorne dabei Jago: intrigant, perfide, subtil hinterlistig –  für mich in Perfektion verkörpert von Boris Statsenko. Mit jeder Arie, jeder Bewegung, jeder Mimik löst er Angst, Bedrohung und Verachtung aus. Ich war erschüttert, wie weit er sein böses Spiel getrieben hat. Wirklich beängstigend, nichtsdestotrotz grandios.
Sehr berührt war ich von Jacquelyn Wagner in der Rolle der Desdemona. Stark, liebevoll zu ihrem Mann, dennoch nach und nach voller Vorahnung, dass ihr der Tod bevorsteht. Wundervoll traurig ihr Gebet vor der Nachtruhe und ihr wehmütiges „Weidenlied“ aus ihrer unbeschwerten Jugendzeit im vierten Akt kurz vor ihrem Tod. Otello, blind vor Eifersucht, glaubt nicht an ihre Unschuld und erwürgt sie, Desdemona hält ihr weißes Hochzeitskleid fest an ihrem Körper.
Diese Inszenierung von Otello ging unter die Haut und ließ mich sehr nachdenklich den Heimweg antreten.

Weitere Informationen zu „Otello“

Marion Hörsken
IHK Düsseldorf

Als Geschäftsführerin der Abteilung Industrie, Innovation und Umwelt bei der IHK Düsseldorf will Marion Hörsken dazu beitragen, dass Düsseldorf und die Region ein attraktiver Wirtschafts- und Industriestandort bleibt. Mit der „Langen Nacht der Industrie“ brachte sie – damals als Geschäftsführerin der Gesellschafts­initiative Zukunft durch Industrie e. V. – ein Leuchtturmprojekt in Sachen Industrieakzeptanz auf den Weg. Jetzt wird die Industrie- auch zur Kultur-Botschafterin und startet mit großem Ballett-Interesse und Neugier auf die Oper in unser Projekt.

 

Uwe Schwäch über „Otello“

Ein fesselndes Musikdrama

otello_12_foto_hansjoergmichelUnvermittelt – Verdi verzichtet bei dieser Oper auf eine Ouvertüre – eröffnet sich dem Zuschauer eine tiefschwarze Bühne, auf welcher der siegreiche Venezianer Otello nach Zypern zurückkehrt. Ohne den Einsatz von Requisiten beginnt ein dramaturgisch ausgereiftes Kammerspiel – Shakespeare lässt trefflich grüßen.
Auch die Musik weiß von Anfang an zu überzeugen. Der Chor mit „Flamme des Feuers“ nähert sich spannungs- und bewegungsreich dem Publikum und erzeugt einen ersten Gänsehauteffekt. Wenig später schwelgen wir in dem wunderbar vorgetragenen Liebesduett zwischen Otello und Desdemona – kraftvoll und zärtlich zugleich.
Vieles in dieser Inszenierung begeistert: Das einfallsreiche Spiel von Licht und Schatten, wie ein auf die Bühne Weiß projiziertes Kreuz als Symbol für den tief verankerten Glauben der Venezianer. Oder die Wandlung Otellos vom mächtigen Staats- und liebenden Ehemann zum rächenden Mörder, dessen Wahn im 4. Akt den Zuschauer durch ein bewegendes Schattenspiel ergreift.
Michael Thalheimer schafft eine psychologische Enge und Bedrängtheit, in der sich die Protogonisten in einer schwarzen, bösen Welt bewegen. Allen voran die Figur des Jago, der seinem Herrn intrigant zugewandt ist und das Böse beängstigend verkörpert. Boris Statsenko taucht so tief in diese Rolle ein, dass jede Arie, jeder Ton, jede Gestik und Mimik Angst und Erschütterung auslöst. Ebenso herausragend singt Jacquelyn Wagner die Rolle der Desdemona. Sie brilliert mit einem klaren und feinfühligen Sopran und ihre beiden Arien im 4. Akt kündigen voller Melancholie ihren nahenden Tod an. Die musikalische Dramatik der als Decrescendo verlaufenden Oper wird am deutlichsten in der Titelrolle erlebbar. Otello verfällt zunehmend seinem von Jago provozierten Wahn. Von ihm wie auch von den anderen Akteuren wird nicht nur eine gesangliche, sondern auch eine schauspielerische Höchstleistung abverlangt.
Höchstleistungen erbringen auch der Chor und das von Axel Kober geleitete Orchester. Der optisch herausragende Moment gelingt mit der Chorversammlung auf einer Treppe, die wie ein Bild meisterhaft in die schwarze Bühne integriert wird. Die Instrumentierung erfolgt pointiert von kraftvoll bis höchst einfühlsam. Wir hören und spüren diese Feinfühligkeit beispielsweise im letzten Akt, wenn Englischhorn und Bläser den strophischen Gesang der Desdemona begleiten und tiefe Kontrabässe im Anschluss ihr mörderisches Ende ankündigen.
Bei diesem Otello steht das Böse im Vordergrund. Was wir dabei sehen und hören ist gleichberechtigt. Ein fesselndes Musikdrama, das man so schnell nicht vergessen wird. Schon jetzt ein Highlight dieser noch jungen Opernsaison.

Weitere Informationen zu „Otello“

 Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

 

Roland Schüren über „Otello“

Ein Megadrama in Otellos Hirn

otello_14_foto_hansjoergmichel„Hirndrama“ ist das Schlagwort, das mir aus der Einführung eine halbe Stunde vor Aufführungsbeginn wohl immer in Erinnerung gerufen werden wird, wenn ich zukünftig an „Otello“ und damit an meinen ersten Opernbesuch seit 25 Jahren erinnert werde.
In Otellos Hirn spielt sich drei Stunden lang ein Megadrama ab. Und ich sitze quasi mittendrin, im schwarzen Kasten seiner inneren Schädeldecke. Kann mit allen durch die Oper erreichbaren Sinnen seine detaillierten Gedankengänge verfolgen. Der schwarze Kasten des Bühnenbildes mit den passend gekleideten und beleuchteten Kostümen der Darsteller ist ganz großes Kopfkino für mich. Und das auch noch alles vollkommen analog und richtig live im Klassik-Suround-Sound. Das ist ja so was von un-digital unglaublich. – Macht mich diese Otello-Inszenierung jetzt auf einen Schlag zum Opernfan?
Könnte sein. Ab Mitte des dritten Aktes ertappte ich mich erstmals dabei, „im Flow“ der Oper zu sein. Ich merke ab und an, wie sich Analogie-Gedanken an das echte Leben, an das Hier und Jetzt, in meine Überlegungen schleichen. Spätestens im vierten Akt hat mich Desdemona in ihrem langen Solo mit Hochzeitskleid dahinschmelzen lassen. Dabei merkte ich, dass ich gar nicht mehr den Übertiteln folgte, sondern vollkommen in dem Stück versunken war. Die debütierende Jacquelyn Wagner als Desdemona – hervorragend. Und Boris Statsenko als Jago? War der zuvor bei Jack Nicholson zum Mimiktraining? – Ein Hammerkerl! Diese beiden Darsteller haben mich wirklich stark beeindruckt.
Ich gehe mit Fragen aus der Vorführung. Denke darüber nach, wie man Eifersucht sinnvoll bekämpfen kann. Wie der Glaube dabei behilflich sein kann und wie man echte fiese Typen und ihre Machenschaften frühzeitig durchschauen und entmachten kann. – Und auch mal ganz kurz an Donald Trump. – Danke Otello!

Weitere Informationen zu „Otello“

Roland Schüren
Inhaber der Bäckerei „Ihr Bäcker Schüren“
Bereits in vierter Generation führt Roland Schüren den Familienbetrieb „Ihr Bäcker Schüren“ mit Hauptsitz in Hilden. Mit seinem Anspruch an Qualität, Produktvielfalt und Nachhaltigkeit gilt er als einer der besten und innovativsten Handwerksbäcker in Düsseldorf und der Region. Ihm und seinen Bäckern macht es Spaß, alles selbst herzustellen – ohne Fertigmischungen und Massenproduktion, dafür mit viel Zeit und handwerklichem Können. Da gibt es doch Parallelen zu unseren Opern- und Ballettproduktionen …

Susanne Freyling-Hein über „Otello“

Eine packende Inszenierung über die zerstörerische Kraft der Eifersucht

Die düstere Geschichte über die leidenschaftliche und tragisch endende Liebe zwischen Otello und seiner Frau Desdemona, beginnt dramatisch mit einem bühnenfüllenden Chor, Blitz und Donner. Die Bühne ist schwarz, klaustrophobisch verengt und ohne Ausweg – genauso wie Otellos Innenleben. Diesem wird durch den zynischen Jago suggeriert, dass Desdemona ihn mit Cassio betrüge. Die Saat beginnt zu keimen und man kann das Kopfkino von Otello förmlich entstehen sehen. Als Zuschauer will ich ihm fast zurufen: durschaust Du das denn nicht und kennst Du kein Vertrauen? Genau wie seiner Frau Desdemona, die, fast auf autistische Weise, immer wieder für Cassio eintritt und somit den Verdacht in Otello erhärtet. Gleichzeitig bin ich voller Mitgefühl für die beiden leidenschaftlich Liebenden, die auf den grausamen Jago und seinen diabolischen Plan hereinfallen.
Alle Hauptdarsteller verkörpern ihre Rollen exzellent und begeistern mich gleichermaßen durch Ihren Gesang und ihr Schau- und Mienenspiel (Boris Statsenko).
Die Musik treibt die Handlung in Ihrer Dynamik immer weiter voran und trägt maßgeblich zum Spannungsbogen des Abends bei.
Eine dreistündige Oper, die wie im Flug vergeht und sicher noch lange nachwirkt.

Weitere Informationen zu „Otello“

Susanne Freyling-Hein
Senior Category Manager bei L’Oréal
Obwohl Susanne Freyling-Hein seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, waren Oper und Ballett bis zu Beginn der letzten Spielzeit Neuland für sie. Begeistert hat sie vor allem Martin Schläpfers Ballett am Rhein. Sie schätzt den gemeinsamen Austausch, weil er den eigenen Eindrücken andere Sichtweisen gegenüber stellt. Und wenn Freunde oder Kollegen ihren Empfehlungen folgen, macht sie das durchaus ein bisschen stolz.

Khatuna Ehlen über „Otello“

Eine traurig-düstere Geschichte

Eine sehr bewegende und traurig-düstere Geschichte, die sehr authentisch und mitreißend inszeniert worden ist.
Ich habe über „Otello“ natürlich viel gelesen und gehört und mich über die Ungerechtigkeit gegenüber Desdemona  immer aufs Neue aufgeregt, aber die Oper am vergangenen Samstag hat meine Erwartungen übertroffen. Ich habe bisher eher meine Liebe zu Ballett und Operette entdeckt- aber wenn Oper, dann bitte so düster und dramatisch wie „Otello“. Die Darstellung ganz in schwarz mit wenigen weißen Elementen und passenden Lichteffekten stellte die Dramatik der Geschichte so in den Vordergrund, dass eine Gänsehaut nicht vermeidbar war.
Besonders emotional geladen fand ich die Szene, in der Desdemona, das schreckliche Urteil ihres Mannes ahnend, mit einem schneeweißen Brautkleid singt. Sie und ihr Brautkleid werden so beleuchtet, dass sie wie ein Engel strahlt und mit ihrer Stimme die Emotionen der Zuschauer auf sich reißt.
Otello selbst – eine traurige Seele, erwürgt das einzige Unschuldige und Heilige, was er im Leben besessen hat, mit eigenen Händen und setzt somit seinem grausamen Leben auch ein Ende– absolut authentisch dargestellt von Herrn Todorovich.
Ebenso hervorragend die Darstellung des Jago durch Herrn Statsenko, der die Rolle so wahr und lebendig gespielt und gesungen hat, dass man fast geneigt war, eine Sympathie für das Böse zu entwickeln.

Weitere Informationen zu „Otello“ 

 Khatuna Ehlen
Sozialarbeiterin
Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Nach ihrer ersten Spielzeit als Opernscout ist sie glücklich, weiter als Scout aktiv sein zu dürfen. Bisher sind die Aufführungen des Balletts am Rhein ihr klarer Favorit im Spielplan, so dass sie sich auch in der neuen Spielzeit auf mitreißende Choreographien freut.

Max Ohagen über „Otello“

Blackout

Ein Mann dreht durch, weil er seinem Bauchgefühl nicht vertraut. Das passiert häufiger als man denkt – doch selten ist eine solche Geschichte musikalisch so faszinierend untermauert, wie in der  Oper „Otello“ von Giuseppe Verdi.
Solisten, Chor, Orchester, Bühne, Kostüme, Licht – eine schwarze Inszenierung für alle Sinne. Das Publikum überwiegend in schwarz, die vielleicht gewollte Statisterie in dieser Aufführung im lichtarmen „Guckkasten“ wo schwarz und ganz wenig weiß die Bildsprache dominiert. Das Bühnenbild lässt der Phantasie des Betrachters und Zuhörers unendlich viel Spielraum.
Zeitlos und immer aktuell ist der Kampf mit dem inneren und äußeren Dämon. Vertraue ich meiner Intuition oder lasse ich mich verführen? Optimistisch möchte ich diese wundervolle Opernpremiere ausklingen lassen. Das Lied ,,Each man kills the thing he loves“, was durchaus passend wäre, ist dann doch nur was für Pessimisten. Mehr davon!

Weitere Informationen zu „Otello“ 

Max Ohagen
Inhaber der Keramik-Werkstatt „Manufattura“
„Ich bin berauscht und fange an zu lieben.“ So fasst Max Ohagen seine erste Saison als Opern- und Ballettscout zusammen. Während die Kunden seiner „Manufattura“ „Keramik selbst bemalen“, erzählt der Architektur- und Kunstliebhaber ihnen von seinen aktuellen Opern- und Balletterlebnissen – jedenfalls dann, wenn er seinen Laden früh genug verlassen konnte, um pünktlich im Opernhaus zu sein. Offen und neugierig auf das Zusammenspiel von Musik, darstellender und visueller Kunst gibt er gern seine Eindrücke und Empfehlungen weiter.

Georg Hess über „Otello“

Absolute Besuchsempfehlung!

„Otello“, die  im Jahre 1887 in Mailand uraufgeführte Oper von Verdi in vier Akten nach Shakespeares „The Tragedy of Othello, the Moor of Venice“ stand am Samstag (8. Oktober 2016) als Premiere in Düsseldorf auf dem Programm.
Ein Opernklassiker mit einer für heutige Verhältnisse simplen und durchschaubaren Handlung: Siegreicher und gefeierter Befehlshaber (Otello) kommt (Ende des 15. Jahrhunderts) zurück zu seiner Frau (Desdemona) und wird Opfer eines Intriganten (Jago) der ihn glauben lässt, seine Frau halte ihm nicht die Treue. Am Ende wird die Ehefrau von dem vor Eifersucht dämonisierten Ehemann ermordet, welcher sich schließlich, nachdem die Hinterhältigkeiten offensichtlich werden, selbst tötet.
Die Bühne war (wie auch über den ganzen Abend hinweg) gänzlich in schwarz getaucht und auf sich selbst reduziert. Hervorragend wie der Lichtdesigner mit diesem Umstand umging und mit seinen Einsatzmöglichkeiten (auch des Schattenspiels) die jeweiligen Stimmungen verstärkte.
Fulminant der Beginn der Oper mit einer Seeschlacht, zu der auch der gesamte Chor auf der Bühne anwesend war. Alle Chorsänger(innen) trugen individuelle schwarze Kleidung, aber dennoch reihte sich jeder der Sänger so in das Rollenspiel ein, dass der Chor während des ganzen Stücks als Gesamtheit wahrgenommen wurde und nie die Oberhand über die eigentlichen Hauptdarsteller übernahm – sehr fein, ästhetisch und ausdrucksstark in allen Szenen, bei denen der Chor mitwirken durfte.
Auch die Hauptdarsteller trugen keine Farben, nur schwarz bestimmte ihre Kleidung, die Herren zumeist in Uniformen. Die Requisiten waren auf das Notwendigste (so Desdemonas Taschentuch, ihr Brautkleid oder das Messer, mit welchem sich Otello schließlich selbst tötete) beschränkt.
Bei so viel angenehmer Reduziertheit konzentrierte sich der Blick auf die Darsteller, die ihre Rollen alle mit einer solchen Leidenschaft verkörperten, dass man zeitweise den Eindruck hatte, dass die Szenerie sich soeben erstmalig und tatsächlich abspielte. Der Zuschauer wurde von Anfang an in das Intrigenspiel des Jago eingeweiht, so dass man schnell Otello als Opfer erkannte und mit ihm litt wie er nach und nach zerbrach. Der zunehmend zerissene Otello wurde hervorragend von Zoran Todorovich dargestellt, dessen Gesicht schwarz geschminkt war mit deutlich freigelassenen hellen Hautkonturen um Mund, Augen und Haaren, was wohl mehr auf die „Kopfeslast“ hinweisen sollte, die Otello aufgrund der Intrigen zu tragen hatte, statt auf seine Hautfarbe als Mohr. Dennoch war es nicht Otello, dessen Spiel mich am meisten beeindruckte, sondern Jago, dargestellt von Boris Statsenko. Seine giftige Rolle wurde von ihm derart überzeugend boshaft und beängstigend interpretiert, dass er für mich „der“ Darsteller des Abends war. Aber auch Desdemona (stilsicher, selbstbewusst und anmutig dargestellt von Jacquelyn Wagner) darf hier keinesfalls unerwähnt bleiben, die besonders im vierten Akt mitriss, während sie auf Otello wartete und den nahenden Tod besang.
Zwischen den Figuren passierte viel und man glaubte ihnen einfach, was sie sangen. Eine plumpe Intrige über ein verlorenes Taschentuch wurde von ihnen unter der Inszenierung von Michael Thalheimer in einen fesselnden Stoff verwandelt.
Und dann war da natürlich auch noch die Musik. Toll, wie Axel Kober als musikalischer Leiter die Düsseldorfer Symphoniker ins Spiel setzte. Ein Verdi mit viel Esprit, der weder die Darstellung der Protagonisten übertönte noch zu dezent wirkte.
Ich habe einen besonderen Opernabend erlebt. Die Inszenierung wird von mir absolut zum Besuch empfohlen!

Weitere Informationen zu „Otello“

Georg Hess
Notarfachreferent

Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Uwe Schwäch über „Don Carlo“

Ungewöhnlich modern und dennoch konventionell

DonCarlo_08_FOTO_HansJoergMichelEin Opernklassiker in neuem Gewand. So erscheint die in Gold getränkte Inszenierung von Don Carlo ungewöhnlich modern und dennoch konventionell. Modernität vermittelt sich weitgehend über das Bühnenbild, das sich auf der einen Seite farblich opulent und auf der anderen Seite puristisch, fast gegenstandslos zeigt. Demgegenüber steht eine stellenweise statische Führung der Protagonisten. Bewegungen und Interaktionen werden eher durch räumliche als durch zwischenmenschliche Akzente gesetzt. Das ist nicht neu und daher auch nicht spannungsgeladen.

Stimmlich ist die Oper bestens besetzt. Die männlichen Protagonisten Don Carlo (Tenor), Rodrigo di Posa (Bariton) und König Filippo (Bass) sind stimmlich versiert und der „Treueschwur“ von Don Carlo und Rodrigo am Ende des ersten Akts setzt ein musikalisches Highlight und leitet das mit hoher Wiedererkennbarkeit ausgestattete Leitmotiv der Oper ein. Die in Schwarz gekleidete Elisabetta singt in schwärmerischer Melancholie und macht ihre Traurigkeit deutlich spürbar. Der gut eingestellte Chor erfährt in dieser Verdi-Oper eine vergleichsweise geringe Bedeutung, dabei findet sich in den bunten, leuchtenden Kostümen des Hofstaats ein erkennbarer Widerspruch zu den dunklen Gewändern der Heiligen Inquisition. Dieser Kontrast symbolisiert eine gelungene Zustandsbeschreibung des spanischen Hofes zu jener Zeit und zeigt mit erhobenem Zeigefinger auf Konventionen und die Unterdrückung weltlicher Bedürfnisse.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/don-carlo.1047756

OpernscoutsUwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter

Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Weil ihn nicht nur das Kunsterlebnis, sondern auch der gemeinsame Austausch darüber bereichert, freut er sich jetzt auf den Dialog mit den Opernscouts.

Isabell Boyer über „Don Carlo“

Vom Tod für die Liebe, die Freiheit und die Gerechtigkeit

DonCarlo_07_FOTO_HansJoergMichelAm Samstag eröffnete sich für mich ein Spiel der besonderen Art: Eindrucksvoll schimmern metallische Muster hinter dem Vorhang hervor, der schließlich offenbart, was meisterlich geschaffen wurde. Abstrakt, aber edel, zeigt sich vor den Zuschauern ein Konstrukt – aus Gängen und Wänden, die sich zu immer neuen Räumlichkeiten verändern – in seiner simplen, grafischen Gestaltung. Manchmal halb transparent, manchmal für Blicke undurchdringlich, wird es genutzt, um unsere Augen zu führen und uns zu zeigen, was die Protagonisten sehen, erahnen oder voller Schrecken betrachten.

Schon zu Beginn, als das Leid des Prinzen geschildert wird, zeigt sich, versteckt hinter den funkelnden Mauern, der Anblick des königlichen Ehepaares, das sich im Ehebett eingefunden hat. Don Carlos ist hin und her gerissen, er wirkt verflucht, fast verrückt geworden durch die Liebe, die er für Elisabeth empfindet. Sein Freund Rodrigo, Marquis Posa, erfährt von seinen Qualen und versucht, ihm zur Seite zu stehen. Sehr eindrucksvoll vermitteln Gianluca Terranova und Laimonas Pautienius die innige Freundschaft der beiden Männer, die für dieselbe Sache kämpfen wollen, in einem unvergleichlichen Duett.

Allgemein ist die musikalische Umsetzung der Oper Verdis in dieser Aufführung hervorragend gelungen. Sowohl das Orchester, das unter der Leitung von Andriy Yurkevych glänzt, als auch der Chor und die Protagonisten, überzeugen mit ihrem Können und ihrer ausgezeichneten Dynamik. Sie zeigen ihre Vielseitigkeit und beeindrucken mit einem (in den meisten Fällen) sehr authentischen Ausdruck. Für die Ohren ist diese Oper also eine wahre Wohltat. Selbst die etwas längeren Aufbaupausen werden vom Orchester geschickt überbrückt und somit nicht allzu negativ vom Publikum aufgefasst. Das Kostüm, das Licht und die Kulissen sind geschickt gewählt, nicht zu altertümlich, nicht zu modern, sodass man sich diese Handlung sehr wohl in einem solchen Rahmen vorstellen kann.

Insgesamt hat mich Don Carlo besonders dann bewegt, wenn es um die verschiedenen Wege und Arten der Liebe ging. Von brüderlicher Liebe, bis hin zur absoluten Liebe zur Gerechtigkeit für die Menschen und zur Freiheit der Gedanken; von verlorener, verratener Liebe und einer Liebschaft, die verboten ist, deckt diese Oper alles ab. Man weiß in manchen Momenten nicht, ob man den Handelnden helfen möchte oder sie fortzerren möchte, ob man ihnen die Schmerzen ersparen soll, oder ob man es geschehen lassen sollte. Diese Oper wirft Fragen auf.

Gibt es noch heute eine Macht, die der Inquisition, die in Don Carlo eine so tragende, zerstörerische Rolle übernimmt, gleich kommt? Wer wäre ihr unterworfen? Und vor allem: Was bleibt am Ende übrig?

Der Zuschauer hat hier die Wahl, hinter die Kulissen zu blicken, zwischen den Zeilen zu lesen. Allein deswegen, um sich auf dieses Gedankenspiel einzulassen, empfehle ich dieses Stück.

Den Denkern und den Genießern ausgefeilter Musik lege ich Don Carlo ans Herz – das Ensemble wird Ihnen einen angenehmen Abend bescheren.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/don-carlo.1047756

OpernscoutsIsabell Boyer
Studentin

Auf unseren jüngsten Opernscout sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Als Opernscout berufen worden zu sein ist eine Ehre für sie. Sie ist sehr froh, dabei zu sein und hofft auf eine schöne Zeit.

 

Christina Irrgang über „Don Carlo“

Ehrlich und authentisch bis ins kleinste Detail

DonCarlo_10_FOTO_HansJoergMichelMein erster Gedanke: Diese Inszenierung ist vollkommen und schafft es, auf jeder der sie herausbildenden künstlerischen Ebenen zu begeistern! Bühne, Kostüme, Licht, dann Orchester, Sänger und Chor… drei einviertel Stunden verfliegen im Rausch von Darstellung und Gesang, wobei alle Beteiligten eine wirklich meisterhafte Leistung vollbracht haben. „Don Carlo“ in der Deutschen Oper am Rhein ist ehrlich und authentisch bis ins kleinste Detail, und so vehement, wie ich diese Oper am Premierenabend wahrgenommen habe, möchte ich sie dem interessierten Publikum empfehlen!

Alfons Flores errichtet aus einem einzigen grafischen Element durch dessen Wiederholung und architektonische Platzierung einen golden schimmernden Palast, der sich mobil an jeder neuen Situation auf der Bühne ausrichtet. Flores erzeugt dabei Räume wie auch Zwischenräume, werden seine Elemente durch die Lichtinszenierung von Manfred Voss in zweischneidigen und existenziellen Momenten zu transparenten Membranen. Voss wiederum setzt die Dramaturgie durch prismatische Lichtfacetten ein, steigert die Emotionen der Sängerinnen und Sänger und lässt sie wiederum verdunkeln. Da ist Olesya Golovneva als Elisabetta di Valois, die in ihrer sanften Sopranstimme ihr Schicksal zwischen ungewollter und ersehnter Existenz verkündet. Die Kostümbildnerin Eva Krämer hat nicht nur ihre, sondern insgesamt die Garderobe der Darsteller mit einem äußerst feinsinnigen Blick bemessen: wirken sie doch detailgetreu den Gemälden der flämischen Meister entsprungen, die Zeit, aus der die „Histoire de Dom Carlos, Fils de Philippe II. Roy d’Espagne“ des Abbé de St. Réal (1672) stammt, welche schließlich 1783 die historische Vorlage für Friedrich Schillers „Don Karlos“ bildete. Verschlossenheit und schwarze Strenge gegen seidenschillernde Opulenz: Krämers Vielfalt an Stoffen und Schnitten spiegelt oftmals die Charakteristik und Zerrissenheit der Seelen ihrer Trägerinnen und Träger wider, ob weltlich, kirchlich, königlich oder denunziert.

Guy Joostens Inszenierung des „Don Carlo“ greift an jeder Stelle ineinander, und so bildet das Visuelle und Akustische eine Emulsion aus Authentizität, die mit jedem Ton, jedem Laut und jedem Akt im musikalischen Fluss Giuseppe Verdis neu gesetzt und ausgefochten wird. Es ist ein Kampf mit und gegen Gott, dem Schicksal ergeben sowie ihm entrinnend. „Wenn Liebe zerbricht, tötet sie vor dem Tod“, erklingt es im Duett zwischen Elisabetta und Don Carlo im letzten Akt. Unterdrückte Liebe aus Staatsgründen und königlicher Rangfolge ist glücklicherweise kein Thema, das uns als Zuschauer unmittelbar betrifft. Aber das Hoffen auf eine bessere, auf eine andere Welt, wie es Elisabetta und Don Carlo – statt im Ehebett auf dem Grab liegend – als Ausweg ihrer unerfüllten Sehnsucht beschwören, trifft doch im Sinnbild des Jenseits als Zufluchtsort sehr pointiert ein zeitgenössisches Politikum. Wie real leben wir?

Diese Inszenierung der Oper „Don Carlo“ ist im Verlauf ihrer Darbietung und ihrer wahnsinnig guten Stimmen deshalb immer wieder so authentisch, weil sie so umsichtig ist: realistisch und absurd, überschwänglich und karg, laut und leise, provokant und zurückhaltend, jetztbezogen und außerzeitlich, hier und dort – und irgendwie absolut, in dem, was sie ist.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/don-carlo.1047756#

OpernscoutsChristina Irrgang
Freie Autorin

Christina Irrgang lebt und arbeitet als freie Autorin in Düsseldorf. Sie studierte Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, an der sie aktuell über den Fotografen Heinrich Hoffmann im Kontext politischer Bildstrategien promoviert. Parallel zum Schreiben verfolgt sie im künstlerischen Bereich ihr Musik-Projekt BAR, das sie 2013 mit Lucas Croon gegründet hat. In der Spielzeit 2015/16 ist sie zum zweiten Mal begeisterter Opern-und Ballett-Scout!

Gisela Miller-Kipp über „Don Carlo“

Eine große Oper über eine politische und eine menschliche Tragödie

DonCarlo_01_FOTO_HansJoergMichelDon Carlos – hier „Don Carlo“ – ist klassischer Stoff und große Oper über eine politische und eine menschliche Tragödie – in der Deutschen Oper am Rhein jetzt mit solcher jugendlichen Leidenschaft aufgeführt, mit solchem Schwung dahinmusiziert, dass sich aller Moder von Klassik verflüchtigt, dass man bewegt wird bzw. sich bewegen lassen kann, auch wenn man die Geschichte zur Genüge kennt.

Tragende Partie dabei ist Gianluca Terranova als Carlos. Er singt und spielt über zweieinhalb Stunden lang Liebesleid und innere Zerrissenheit mit Inbrunst und großer Stimmkraft – dass er dabei gelegentlich pressen musste, was soll’s, das Orchester machte es ihm, wie allen Sängern, auch nicht unbedingt leicht, es überspielte sie ab und an, das ist nicht fein. – Musiziert wird also „italienisch“, das heißt mit Bravour und melodiösem Schwung, und der ist bei Verdi natürlich mitreißend. Stimmlich war der Attacke nur noch Ramona Zaharia als intrigante Prinzessin Eboli gewachsen; sie war auch bildschön anzusehen mit schwarzer Haarpracht und lachsroter Corsagenrobe, deren üppig fallenden Brokat sie energisch tänzelnd raffte – das erinnerte mich übrigens an die Brokatmalerei bei Zurbarán, die man jüngst im museum kunst palast bewundern konnte, vielleicht eine absichtliche Anspielung, wer weiß, die Inszenierung steckt voll schöner Verweise. Ramona Zaharia also gab beim Schlussapplaus die Prima Donna durchaus zu Recht.

Die anderen Hauptpartien fielen gegen diese beiden herausragenden Temperamentsleistungen ab, agierten konventionell und eher statuarisch, was beim Großinquisitor – mit voll tragendem Bass: Sami Luttinen – allerdings zur Rolle gehört. Olesya Golovneva als unglückliche Königin Elisabeth hielt mit ihrer Stimme hörbar Maß. Adrian Sâmpetrean (König Philipp II) sang einen gepflegten Bass, und Marquis Posa (eine historische Erfindung Schillers) einen kraftvollen Bariton – die leidenschaftliche Jugendliebe zwischen ihm und Don Carlos, von der die Musik erzählt, wird hier voll ausgespielt. Insofern überzeugte mich sehr, dass in dieser Inszenierung (Guy Joosten) ein junges Ensemble agiert – stimmliche Reife ist dabei nicht die entscheidende Größe.

Die Inszenierung rückt das private Schicksal nach vorn und hält sich in puncto Jugend an die Realgeschichte: Don Carlos und Elisabeth von Valois, die ihm versprochene Braut, sind in jenem Schicksalsjahr (1559/60), in dem Carlos Thronfolger wird und sein Vater, der König, sich Elisabeth selbst zuführt, tatsächlich erst 15 Jahre alt – beide verlieren sozusagen Knall auf Fall ihre Liebe, ihre Freiheit und ihre Jugend. Daran kann man seelisch Schaden nehmen, und genau das passiert hier. Don Carlos spielt von Anfang an mit Tick, besonders derangiert ist er in der Großen Versammlung vor dem Autodafé. Dort tritt er mit dem hohen weißen Spitzhut auf, der für Ketzer steht, mit dem wir heute aber unweigerlich den Ku-Klux-Klan assoziieren, trägt dazu einen weißen Überwurf mit Andreaskreuz – steht für den reuigen Sünder, gehört aber auch zum Templerorden, die Bildverweise sind mehrdeutig! – und benimmt sich bizarr. So weit so glaubwürdig herzzerreißend. Dass er aber minutenlang – also, bis er seine Arie zu Ende gesungen hat – seinem Vater und König mit einer Pistole vor der Nase herumfuchtelt, vor versammelten Granden!, ist lachhaft. Ebenso neben der Kapp‘ der Auftritt der Vertreter der stolzen flandrischen Stände in derselben Szene, nämlich mit Eselskappen (Ketzer!) und im Hasenhüpfgang! – vor solchen Komikern brauchten weder König noch Inquisition schweres Geschütz aufzufahren!

Als weitere eindrucksvoll berührende Szene mit unfreiwilliger Komik, leider, erinnere ich mich an die Abschiedsszene Don Carlos–Elisabeth – ein wunderschönes Duett, auch wunderschön gesungen, Gianluca Terranova darf zeigen, dass er Mezza-Voce kann. Beide versprechen sich ein Wiedersehen im Himmel, dies aber, wiederum symbolisch aufgeladen, am Grabe Karls des V., und zwar auch auf der Grabplatte, dort kniend, sitzend und liegend (!), ein wahrhaft schräger Regieeinfall – um bei derlei Posen Halt zu geben, war die Grabplatte aufgeschrägt. Der inneren Dramatik tat das durchaus Abbruch.

Zuletzt noch zum Bühnenbild (Alfons Flores), ich fand es in Ästhetik und Raumfunktion nahezu genial: Es besteht aus raumhohen Diamantfassaden in königlichem Gold. Sie gleissen in dem für diese Fassaden typischen geometrischen Licht- und Schattenspiel, wirken prächtig und mächtig und zugleich bedrohlich, sind bei szenischem Bedarf aber auch durchscheinend – so sieht man dahinter etwa die Vertreter der allmächtigen und hier tatsächlich allgegenwärtigen Religion stehen, ein glorioser Einfall – und lassen sich blitzschnell vom Schnürboden herunter zu unterschiedlich großen Räumen fügen. So senkt sich auch ein eckiger Turm aus vier Fassenteilen auf die Bühne: das Gefängnis der Ketzer, an dessen Mauern die Flammen lodern, das Gefängnis aber auch von Don Carlos, in dessen Inneren man ihn sitzen sieht, während außen vor den Mauern die mit seinem Schicksal befassten Protagonisten agieren.

Auf der Bühne als Hauptmöbel ein großes Doppelbett, in Purpur (Königfarbe!) und Karmesin (Kardinalsrot!) aufgedeckt. Es dient als Ort von Aufbahrung, Getändel, Liebeswahn und Verführung, und in der privaten Szene zwischen König und Königin ist es in zwei Einzelbetten auseinandergerückt – kurzum: Die Bühne setzt ästhetisch absolut überzeugend das auf ihr spielende Gefühls-, Seelen- und Herrschaftsdrama um. Schon sie allein lohnt den Besuch dieser Oper. – Am Premierenabend gab es viele Vorhänge, zum Schluss Standing Ovations für Sänger und Spiel, während ein Teil des Publikums bereits hinauseilte zur Garderobe – eine in Düsseldorf besonders ausgeprägte Unart.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/don-carlo.1047756

OpernscoutsGisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik

„Nichts nährt Seele, Sinne und Phantasie besser zum Ausgleich wissenschaftlicher Tätigkeit als die Oper!“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Ihre große Rezeptionserfahrung bringt sie nun in die Runde der Opernscouts ein. Seit ihrem Ruhestand ist sie besonders bürgerschaftlich engagiert, u.a. als Lese-Mentorin und in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit; kulturell  tummelt sie sich noch im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast.

Susanne Freyling über „Don Carlo“

Eine Oper für Fortgeschrittene?

DonCarlo_09_FOTO_HansJoergMichelDie zwei großen Namen Verdi und Schiller versprechen einen fulminanten Opernabend.

Dieser wurde es für mich leider nicht. Die im 16. Jahrhundert spielende Handlung und die Konflikte, die der Protagonist austrägt, sind kompliziert, aber wenig spannend und haben für mich keinen Link zur heutigen Zeit.

Sowohl Don Carlo, als auch die eigentlich interessante Figur des Rodrigo werden für mich nicht greifbar, bleiben farblos und polarisieren nicht.

Das Bühnenbild hingegen baut von Anfang an Spannung auf und obwohl es sich während des Stückes wenig verändert, wirkt es doch aufgrund der Beleuchtung und der davor oder dahinter stattfindenden Inszenierung immer wieder anders.

Diese Qualität zeigt sich ebenso im Gesang – besonders bleibt hier der „Treueschwur“ Don Carlos und Rodrigo im ersten Akt im Gedächtnis -, sowie der Leistung des Orchesters.

Das durchaus begeisterte Publikum zeigt einen anderen Wiederhall des Stückes – vielleicht war es nicht der richtige Tag, oder Don Carlo ist eine Oper für Fortgeschrittene.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/don-carlo.1047756

OpernscoutsSusanne Freyling
Senior Category Manager bei L’Oréal

Obwohl Susanne Freyling seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, ist die Oper eher „Neuland“ für sie. „Ein sehr bereicherndes!“, sagt die bei L‘Oréal arbeitende Diplom-Betriebswirtin. Am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ begeistert sie der Austausch mit den anderen Scouts und die Möglichkeit, ihre Eindrücke an Freunde, Kollegen und eine breitere Öffentlichkeit weiterzugeben.

 

Max Ohagen über „Don Carlo“

Oper muss ein bisschen weh tun

DonCarlo_11_FOTO_HansJoergMichelEine sensationelle, grandiose Don Carlos-Inszenierung habe ich am Premieren-Samstag in der Oper erlebt. Stimmig bis ins kleinste Detail: Fantastische Stimmen, charismatische Protagonisten, die wundervolle Musik von Verdi, ein umwerfendes Bühnenbild und traumhafte Kostüme. Selten habe ich etwas so großartiges erlebt. Mit der Handlung hatte ich dann doch so meine Schwierigkeiten. Dass das Glück dann doch nicht auf Erden zu finden sei, sondern nur im Tode im Paradies, tat mir gegen Ende ziemlich weh. Irgendwann fühlte ich mich beklemmt und eingeengt. Nicht zuletzt weil meine beiden Sitznachbarn ihre Ellbogen in meine Seiten pressten, woran die viel zu enge Bestuhlung ihren Teil dazu beiträgt. Doch Schluss mit dem Gejammer.

Die Hochachtung vor diesem einzigartigen Gesamtkunstwerk und der Genuss dieses Opernabends hat mich dann doch alles Leid vergessen lassen. Oper muss halt auch ein bisschen weh tun, denn Sie gibt auch viel.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/don-carlo.1047756

OpernscoutsMax Ohagen
Inhaber Manufattura

Während die Kunden seiner „Manufattura“ „Keramik selbst bemalen“, erzählt Max Ohagen ihnen von seinen aktuellen Opern- und Balletterlebnissen – jedenfalls dann, wenn er seinen Laden früh genug verlassen konnte, um pünktlich im Opernhaus zu sein. Offen und neugierig auf das Zusammenspiel von Musik, darstellender und visueller Kunst gibt er gern seine Eindrücke und Empfehlungen weiter.