Khatuna Ehlen über „Don Carlo“

Beeindruckend und emotional herausfordernd zugleich

DonCarlo_05_FOTO_HansJoergMichelEine interessante Erfahrung. Nach der Premiere musste ich zunächst die Eindrücke auf mich wirken lassen. Ich war mir nicht ganz sicher, ob es mir gefallen oder mich emotional erschöpft hat. Vielleicht von beidem etwas…

Die Verzahnung von einem Bündel an nicht so leichten Themen wie Liebe, Freundschaft, Verrat, Täuschung, Rache und auch die Inszenierung der Vorherrschaft von Staat und Kirche waren sehr interessant und beeindruckend aber auch/oder deshalb – emotional herausfordernd.

Das Licht- und Schattenspiel (Flammen) fand ich je nach Handlung sehr gut eingesetzt. Allerdings wirkte die Bühnengestaltung (Königspalast) auf mich etwas abstrakt. Die Kostüme der Frauen waren in ihrer Farben und Opulenz einfach großartig und stellten einen schönen Kontrast zum etwas statisch wirkenden Königspalast dar.

Die großen Themen (Liebe, Freundschaft usw.), wie sie bis in die Gegenwart bedeutend sind, sind sehr authentisch rübergekommen. Hier hat mich von den Darstellern die Stimme und die darstellerische Leistung von Ramona Zaharia (Principessa die Eboli) besonders beeindruckt.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/don-carlo.1047756

OpernscoutsKhatuna Ehlen
Sozialarbeiterin

Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Trotzdem ist Khatuna Ehlen gespannt und aufgeregt. Ein einziger Opernbesuch in ihrer Heimat Georgien liegt vor ihrem Start als Opernscout. „Ich weiß noch nicht, was mich erwartet und ob es mir gefällt, aber ich bin ganz offen, neugierig und froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe.“

 

 

Claudia Graw über „Don Carlo“

Große Stimmen und ein sensationelles Bühnenbild

DonCarlo_03_FOTO_HansJoergMichelDieser Opernabend hat mich gepackt! Während mir das Drama Schillers zu meiner Schulzeit noch schwer zugänglich war, bin ich von dieser Inszenierung des „Don Carlo“ begeistert.

Große Stimmen -vor allem Gianluca Terranova in der Titelrolle- und wuchtige Musik ziehen mich von Anfang an in den Bann. Sie singen von unterdrückten und verbotenen Gefühlen, von großen Träumen und erleben das Dasein am spanischen Hof in Unfreiheit und Überwachung.

Das Bühnenbild finde ich sensationell. Es wirkt zunächst als seien schwere Wände aus Kupfer aufgestellt, doch je nach Ausleuchtung zeigen sie sich transparent und durchscheinend und machen den Zustand des Misstrauens am Schauplatz der Oper deutlich. Das Huschen des Großinquisitors und seiner Mönche durch die Fluchten und Gänge, die das Bühnenbild bieten, macht dieses Unbehagen noch deutlicher.
Es wird sogar zum brennenden Ofen für das menschenverachtende Autodafé und zeigt auf, wohin Machtstreben fernab von Mitgefühl und Menschlichkeit führen kann.

Ein grandioser Opernabend!

Weitere Informationen zu „Don Carlo“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/don-carlo.1047756

OpernscoutsClaudia Graw
Buchhalterin bei Electronic Partner

Für die berufstätige Mutter von zwei Kindern ist der Opern- und Ballettbesuch eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Die besondere Atmosphäre im Opernhaus, wenn sich der Saal verdunkelt und im Orchestergraben konzentrierte Stille auf das Stimmen der Instrumente folgt, kann sie voller Spannung und Freude genießen. „Grandiose Abende“ hat sie mit dem Ballett am Rhein erlebt. Auch wenn sich ihr nicht jeder Ballettabend unmittelbar erschlossen hat, öffnete ihr der Austausch mit den Scouts und die eigene Reflexion im Text die Tür zu einem nachhaltig faszinierenden Erlebnis.

Jan van de Weyer über „Don Carlo“

Tief bewegende Musik und ein beeindruckendes Bühnenbild

DonCarlo_04_FOTO_HansJoergMichelDer Zuschauer taucht in Verdis dramatischen und vielschichtigem Vierakter, inszeniert vom flämischen Regisseur Guy Joosten, in eine spannungsgeladene Welt des 16. Jahrhunderts.

In einem System der Pflichterfüllung, wo demokratische Gesellschaftsnormen, sowie freiheitliche Ideale als unchristlich gelten ist es Elisabetta di Valois, die den Grundstein für diese Oper bildet.
Aus Gründen der Staatsräson, um den französisch-spanischen Krieg zu beenden, entscheidet sie sich entgegen Ihrer jungen Liebe zu Don Carlo seinen übermächtigen Vater König Filippo zu heiraten. Dies bekundet sie mit einem stimmlosen „oui“.
Don Carlo-der Titelheld wunderbar verkörpert durch Gianluca Terranova zeichnet eine tragische Gestalt ab, die händeringend um seine Liebe zu Elisabetta kämpft, sowie verzweifelt versucht seine Position in jenem totalitärem System zu finden.

Ein beeindruckendes Bühnenbild aus mobilen Wänden bestehend aus goldenen teilweise transparenten Rautensystemen, eröffnet immer wieder neue Spielräume.
So zeigt sich beim Autodafé- der öffentlichen Ketzerverbrennung eine Feuerwand, die eine beeindruckende skulpturale Lichtinstallation bildet.

Zwei kraftvolle seriöse Bässe bilden die Basis für eine stimmgewaltige Auseinandersetzung des Königs Filippo und dem fanatischen Großinquisitor, wobei sich der König letztendlich der kirchlichen Macht unterwerfen muss. Hier gibt es keinen Raum für Gedankenfreiheit und neue Ideen. Eben diese Ideale kommen im besonderen in der Figur des Kosmopoliten Marquis Rodrigo di Posa charakterstark gesungen von Laimonas Pautienius zum tragen.
Ebenso herausstechend Prinzessin Eboli, ein feinstufiger Mezzosopran, verkörpert von Romana Zaharia. Die Musik bewegt tief und unterstreicht die Zerrissenheit und den inneren Kampf der Protagonisten.

Der Schluss vermittelt sowohl ein Gefühl der Vergänglichkeit alles Irdischem, also auch ein Gefühl von Ewigkeit.

Weitere Informationen zu „Don Carlo“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/don-carlo.1047756

OpernscoutsJan van de Weyer
Bildhauer

„Was Martin Schläpfer hier bewirkt, ist ein Traum“, sagt Jan van de Weyer, der als kleiner Junge selbst Ballett getanzt hat und heute mit einer Tänzerin der Compagnie liiert ist. Er studierte Philosophie und Kunstgeschichte, arbeitete viele Jahre als Physiotherapeut und ist heute als Bildhauer mit eigenem Atelier in Düsseldorf tätig. Nun freut er sich darauf, neben dem Ballett auch etwas tiefer in die Oper einzusteigen.