Hiphopmäßig?

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„Sag mal, hast Du Lust mit mir in die Oper zu gehen?“
„Mmmh.“
„Heißt?“
„Was gibt’s denn?“
„Die Fledermaus.“
„Mmmh.“
„Heißt?“
„Worum gehts denn da?“
„Weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr so genau und ist, glaube ich, auch gar nicht so wichtig. Verdrehtes Zeug. Irgendwas mit Sex and Drugs and Rock´n Roll.“
„Echt? Klingt ja fast hiphopmäßig.“
„Ja, ist vielleicht gar nicht so weit davon weg. Vielleicht ein etwas anderes Publikum, aber wenn ich mir das genau überlege, auch nicht so ganz viel anders. Außerdem ists viel wienerischer, eher sowas wie: Erotik, an Schnapserl und Walzer“
„Mmmh.“
„Heißt?“
„Okay, warum eigentlich nicht.“

So in etwa hat es sich zugetragen, als ich meinen 19-jährigen Sohn gefragt habe, ob er mit mir in die Freundeskreis-Vorstellung gehen will und ich muss gestehen: wir hatten unseren Spaß!
Das goldgerahmte Bühnenbild ist voll cool. Erst recht, wenn man oben im Rang und damit auf Augenhöhe der Bildmitte sitzt.
Glitzer, Glamour, Übertreibungen, Kitsch, schräge Farb- und Materialkompositionen: nix passt zueinander und damit passt alles.
Die lebendige Musik nimmt einen mit, die Sängerinnen und Sänger singen fantastisch (Anke Krabbe als Rosalinde ist wunderbar!), Chor und Orchester sind einfach klasse!

Die beiden Akte vor der Pause geraten zwar ein bisschen lang aber danach wird’s mit dem super von Wolfgang Reinbacher gespielten Frosch wunderbar quatschig und amüsant und im Nu ist der ganze Spaß vorbei.

Unser Rezept für den Besuch: Allen Ernst zuhause lassen, auf Durchzug schalten und einfach nur die üppig bunten Bilder mit Wiener Musik genießen! Dann wird’s ein schöner lustvoller Abend.
Irgendwie hiphopmäßig eben.

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Benedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit. Wenn in einer Inszenierung alle komponenten gut zusammenkommen dann entsteht „ein großes Kunstwerk“ und in der Deutschen Oper am Rhein ist „immer was für einen dabei“. Besonders gefällt ihm die Vielseitigkeit von Oper und Ballett.

Vergnügliches und nachdenkliches Wiedererkennen

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Sassa von Roehl über die Premiere von „Die Fledermaus“

Auch ich nährte mich dem Genre Operette mit einer großen Portion Vorurteilen.
Hätte ich nicht die Ehre Opernscout sein zu dürfen, wäre mir bestimmt nicht eingefallen Karten für eine Aufführung der „Fledermaus“ zu besorgen.
Zu oberflächlich, zu kitschig und zu gestrig waren meine Erwartungen.

Doch es kam anders: gleich die ersten Töne klangen wohlig vertraut in meinen Ohren und nach kurzer Zeit sah ich mich als Fünfjährige vor dem für mich äußerst aufregenden Musikschrank meiner Oma sitzen, erwartungsvoll  die leicht quietschenden Schiebetüren öffnen und in den ordentlich nach Nummern einsortierten Schallplatten kramen.
Anneliese Rothenberger und Rudolf Schock hießen damals Omas Lieblingsinterpreten und oft legte sie die „Fledermaus“ auf. So ließ ich mich versöhnt ein in den knallbunten, ironischen Spaß einer modernen Inszenierung und fühlte mich in weiten Teilen gut und mit einem Augenzwinkern unterhalten.
Die Texte schrammten zwar vor allem im dritten Akt haarscharf an Kalauern und Plattitüden vorbei und trafen nicht immer meinen Geschmack, aber Bühnenbild und Musik entführten mich in die Welt der Illusion mit der Botschaft nicht alles so ernst zu nehmen.
Bei der Ausstattung und den Kostümen fiel mir vor allem die Liebe zum Detail positiv auf, wie zum Beispiel die roten Perücken, Glitzerstiefelchen und pink-silbernen Weltraumrucksäcke der Tänzerinnen.
Die verschieden großen Rahmen, in der die Handlung stattfand lösten den Gedanken aus, dass wir wohl alle eine eigene, kleinere oder größere Bühne brauchen, um uns bei unseren Mitmenschen sichtbar zu machen.

So ging ich leicht beschwingt nach Hause und verstand  zum ersten Mal, warum diese Operette mit dem berühmten zentralen Satz „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“ zu den Lieblingsstücken meiner unter härtesten Bedingungen aus dem Osten geflohenen Oma zählte: Ich erlebte sie als Kind stets als heitere Frau, die immer zu lustigen Späßen mit mir aufgelegt war.
Und für diese unverhoffte Erkenntnis bin ich richtig dankbar, diese Operette erlebt zu haben.

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Dr. Sassa von Roehl
Social Campaining / Dozentin an der Heinrich-Heine-Universität

Dr. Sassa von Roehl engagiert sich für Zivilcourage und berät Gemeinnützige Projekte im Bereich PR. Als kulturinteressierte besucht sie oft das Theater Duisburg. Sie ist großer Martin Schläpfer Fan, im Bereich Oper allerdings eher ein „interessierter Neuling“. Gespannt startet sie nun in ihre erste Spielzeit als Scout für Oper und Ballett in Düsseldorf.

Abgespaced

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Stefanie Hüber über die Premiere von „Die Fledermaus“

Auch ich bin mit Vorbehalten zu dieser Vorstellung gegangen, da Operettenmusik eigentlich so gar nicht meinem Geschmack entspricht.

Die Fledermaus hatte ich vor vielen Jahren schon mal gehört und gesehen.
Mag es daran gelegen haben oder auch einfach an der Bekanntheit der Melodien, ich glaube, ich kannte sie alle!!!
Obwohl ich auch diesmal die Musik als relativ nichtssagend empfand, so gab es doch ein paar ganz ansprechende Melodien.
Hübsch fand ich das Duett  des Ehepaars Eisenstein im 1. Akt und sehr gut gefiel mir auch die Arie „Brüderlein und Schwesterlein“, gesungen von Dr. Frank bzw. der dazu ausgeführte Zeitlupentanz.

Lavinia Dames Gesang (Adele) hörte ich anfangs mit gemischten Gefühlen zu, da sie im 1. Akt nach meinem Empfinden nicht immer sauber gesungen hat, doch später war ich ganz begeistert von ihrem hellen Sopran.
Die Inszenierung fand ich größtenteils sehr gelungen, super das spacige Bühnenbild im 2. Akt mit all seinem Glamour und Glitter.
Der 3. Akt war äußerst langatmig, so dass ich erleichtert war, als er endete.

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Stefanie Hüber
Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin arbeitet überwiegend mit psychisch kranken Menschen und nutzt Musik als Mittel der Therapie. Sie sang im Kammerchor und lernte als Kind Klavier und Blockflöte zu spielen.
Die Oper wurde ihr als Kind von ihren Eltern „vermiest“ aber sie fand einen neuen Zugang zu ihr durch ihre Tochter, die Musik studierte. Inzwischen ist die Oper ebenso wie Rockkonzerte ein spannendes und regelmäßiges Highlight in ihrem Leben.

Amüsant, voller Glanz und Glamour

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Karolina Wais über die Premiere von „Die Fledermaus“

Wenn man im Internet das Stichwort „Operette“ eintippt, erfährt man, dass es sich dabei um ein musikalisches Bühnenwerk mit gesprochenen Dialogen, heiterer Handlung und leichter, eingehender Musik handelt.
Die Musik „Der Fledermaus“ kennt jeder, denn es ist ein Walzer voller Leichtigkeit, der zum Tanzen regelrecht verlockt.

So entstehen schon ein paar Erwartungen an diesen Premierenabend. Als großer Theaterfan freue ich mich zudem sehr auf Wolfgang Reinbacher, der einen Teil der gesprochenen Dialoge übernimmt.

Diese Inszenierung „Der Fledermaus“ ist eine moderne, das erfährt der Zuschauer ziemlich schnell, als der Vorhang eine Szenerie an einer Straßenlaterne mit Prostituierten lüftet.
Der Ort des Geschehens wird sogar komplett nach Düsseldorf geholt und zwar dann in ein grell schreiendes und luxuriöses Wohnzimmer.

Die Opernsäger*innen meistern Sprechpartien hervorragend und glänzen mit schauspielerischer Leistung. Anke Krabbe (Rosalinde) und Lavinia Dames (Adele) begeistern mich auch gesanglich von Anfang an.

Die Party ist Schauplatz der Intrige und findet in einer glamourösen mit tausend Lichtern ausgekleideten Atmosphäre statt. Die Kostüme sind wunderbar glamourös. Das glitzernde, grüne Kleid von Rosalinde sticht hervor und lässt Anke Krabbe dank der Beleuchtung noch mehr erstrahlen.

Die knappen Outfits der Tänzerinnen passen meiner Meinung nach so gar nicht zu der Abendgarderobe der Gäste. Diese, fast in Bikinis um eine phallusartige Rakete tanzend, werten die festliche Stimmung auf der Bühne ab und hinterlassen einen billigen Nachgeschmack.
Ich denke an diesem Punkt wurde es schlichtweg verpasst, die Inszenierung tatsächlich in das heutige moderne Düsseldorf zu holen, es vielleicht sogar politisch werden zu lassen.  Zumindest hätte ich mir mehr Gleichberechtigung gewünscht: Warum treten nur halbnackte Tänzerinnen, aber keine Tänzer auf?“

Die, förmlich aus dem Rahmen gefallene, letzte Szene ist der große Auftritt von Herrn Frosch, gespielt von Wolfgang Reinbacher. Er ist nicht nur ein hervorragender Schauspieler, sondern auch ein hervorragender Komiker, trotz der meiner Meinung nach teilweise flachen Witzen.

Wer das Genre der Operette mag und einen bunten, heiteren Abend mit Witz und Humor erleben will, wird von der Inszenierung von Axel Köhler nicht enttäuscht.

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Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich nun mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre erste Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett näher kennenzulernen.

Amüsant und unterhaltsam

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Helma Kremer über die Premiere von „Die Fledermaus“

Wie meine geschätzten Kolleg/ -innen, die anderen Düsseldorfer Opern- und Ballettscouts, bin auch ich weit davon entfernt, ein Operetten-Fan zu sein.
Obwohl es viele Operetten-Arien gibt, die ich wunderschön finde: „Dein ist mein ganzes Herz“ aus dem „Land des Lächelns“ von Franz Léhar, „Komm in die Gondel“ aus „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss (Sohn) und allen voran „La Barcarolle“ aus „Les Contes d’Hoffmann“, eine Arie, die mir  – an besonders plümeranten Tagen – die Tränen in die Augen treibt.
Aber eigentlich ist „Les Contes d’Hoffmann“ eine Phantastische Oper. Das zählt dann wohl nicht… Wie auch immer, eine Operetten-Arie hier und da: Immer gerne – aber so eine ganze Operette am Stück, das wird hart, denke ich mir.

Zunächst bin ich angenehm überrascht. Das schillernde Bühnenbild im 1. Akt gefällt mir. Ziemlich overloaded, aber für einen Abend – oder eine Nacht – geht das schon. Erinnert mich ein wenig an die Zimmer des „Sir & Lady Astor“-Hotels, welches internationale Kulturjournalisten, die wir dort zuweilen, im Rahmen von Pressereisen zum Thema „Kunst in Düsseldorf“ unterbringen, sehr schätzen.

Auch die Besetzung finde ich großartig, besonders Lavinia Dames als Adele, deren Stimme und Gesang mir am besten von allen gefallen, und Anke Krabbe als Rosalinde.
Christoph Filler als Dr. Falk könnte der Sohn von Peter Alexander sein und ist das ideale Schlitzohr.
Nicht zu toppen ist Norbert Ernst als schmieriger Eisenstein.
Die Verpflanzung der Story in die Düsseldorfer Schicki-Micki-Szene ist etwas platt und passt auch einfach nicht zu den schönen Walzer-Klängen.
Die gefallen mir übrigens noch besser als erwartet und lassen auch bei mir Stimmung aufkommen. Vor allem habe ich sie alle irgendwann schon einmal gehört.

Was wiederum gut passt, ist der Bezug zum rheinischen Karneval, der im 2. Akt durch ein Bühnenbild mit noch mehr Glitzer, Flimmer und Bling Bling  im gleich doppelt barocken Bilderrahmen seine Vollendung findet.
Auch die „Kostüme“ halten mit: Die Tänzerinnen sind fast nackt und drängen sich um eine riesige Rakete, frivoler geht es nicht, eine Prise brasilianischer Karneval und Moulin Rouge inklusive.

Im 3. Akt ist dann leider meine Geduld zu Ende, und zwar lange vor Schluss.
Die Handlung spielt im Gefängnis: Das Bühnenbild gleicht als Schauplatz der Kulisse einer abgerockten Party, das wiederum gefällt mir.
Aber sie zieht sich wie Kaugummi, die Handlung. Ich werde wibbelig. Obwohl ich mich wirklich über Wolfgang Reinbacher als Frosch freue, weil ich ihn in früheren Jahren oft im Düsseldorfer Schauspielhaus bewundert habe.
Und flache Witze mag ich auch, in Maßen.

Fazit: Amüsant und unterhaltsam, und ja: irgendwie auch ein Feuerwerk für die Sinne – aber eine solche Art der Unterhaltung löst bei mir, spätestens nach zweieinhalb Stunden, ein Gefühl der Leere aus.
Meine letzte Operette? Nein: Gerade heute habe ich einen heißen Tipp bekommen. Ein echter Opern-Insider empfiehlt mir die Berliner Operette. Zum Beispiel „Der Vetter aus Dingsda“. Viel rustikaler, der Witz intelligenter.
Nun denn, einen Versuch werde ich noch wagen.

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Helma Kremer
Leiterin „Market Development“ bei der Düsseldorf Tourismus GmbH

Helma Kremer arbeitete nach ihrem Studium an der Heinrich-Heine-Universität zunächst an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Nach einem. Voluntariat im Bereich „Marketing/Presse“ beim Düsseldorfer Schauspielhaus übernahm sie 2006 den Bereich „Kulturmarketing“bei der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH. Durch ihre Großeltern kam sie bereits als Kind mit der Oper in Kontakt, ihre erste Aufführung im Opernhaus war „Hänsel und Gretel“. Dennoch interessiert sie sich eigentlich eher fürs Ballett, als für die Oper. Sie freut sich in ihrer ersten Spielzeit als Opern- und Ballettscout auf die regelmäßigen Theaterbesuche

Ein Kessel Buntes

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Michael Langenberger über die Premiere von „Die Fledermaus“

Die Operette “Die Fledermaus” steht auf dem Programm.
Zugang dazu findet man nicht alleine dadurch, dass man die Eingangstür der Oper durchschreitet, sondern sollte auch gleich seine Vorurteile zusammen mit dem Mantel an der Garderobe abgeben. Gar nicht so einfach.
Handelt es sich bei dem Stück von Johann Straus (Sohn), auf Anraten seiner Frau, doch um eine Arbeit, die von vornherein kommerziell angedacht ist. Die weitere Vermarktung durch Funk und Fernsehen in den 1960er/70er Jahren, mit den klischeebehafteten Unterhaltungsgrößen der damaligen Zeit, hinterliessen, zumindest bei mir, tiefe ablehnende Spuren.

Und nun sitze ich im Zuschauerraum der Oper. Die Ouvertüre begrüßt mich gleich mit bekannten Klängen. Der Vorhang hebt sich, um ein monströses Bühnenbild zwischen Traditionellem und Modernem freizugeben.
Es gibt viel zu sehen – und weiterhin bekannte Melodien zu hören. Adele, gespielt von Lavinia Dames, hebt, überrascht durch ein Telefonat auf Ihrem Handy, zu ihren ersten Tönen an. Ein netter Gag, finde ich.
Der Saal goutiert solche Regieeinfälle hier und da mit raunendem Lächeln.
Immer wieder ist den Machern für die Düsseldorfer Inszenierung etwas Unerwartetes und Amüsantes eingefallen, mit dem die Zuschauer überrascht werden. Es wird gesungen und gespielt, was das Zeug hergibt.
Unterhaltung pur, kurzweilig und amüsant obendrein.

Was diese Inszenierung für mich von den für mich klischeebildenden Vorlagen unterscheidet: Jeder Akteur ist wichtig, unterwirft sich der best möglichen Qualität seines Tuns.
Es geht nicht darum sich als einzelner Akteur hervorzutun, sondern fühlt sich dem Werk als Ganzes – ganz unkommerziell – nur dem Besten was man kann und hat verpflichtet. Ob Bühnenbild, Kostüme, Tanzeinlagen, Chorgesänge – egal, jeder unterwirft sich dem Stück und handelt nicht zum eigenen Ruhm.

Um das gesprochene Wort übergangslos mit den Gesängen zu verbinden, muss der Musikgraben weit mehr darauf achten, was auf der Bühne passiert, als das sonst in einer Oper erforderlich ist, wo einzelne Arien zumeist sauber getrennt von rezitierten Worten stehen.
Die übergangslosen Einsätze sind den Düsseldorfer Symphonikern unter Leitung von Benjamin Reiners vorzüglich gelungen.

Wer bis zur Pause noch nicht amüsiert war, nach der Pause wird ein ganzer Kessel Gags über das Publikum ausgeschüttet. Eine Mischung aus Wiener Leichtigkeit und Düsseldorfer Karneval, oft scharf auf der Grenze zum platten Klamauk – hier und da leider jenseits der Grenze…

Alles in allem war es ein bunter Abend leichter Unterhaltung und eingängigen Klängen. Ich meine, wer sich mal (wieder) eine Operette ansehen will bekommt hier etwas richtig Gutes geboten, fernab vom Streben nach Kommerz und Personenkult und einfach nur bester Qualität in allen Gewerken verpflichtet.
Ich bin froh, diese Inszenierung der Fledermaus gesehen zu haben, gehe zur Garderobe, hole meinen Mantel ab und weiss nicht so genau, ob ich meine eingangs abgegeben Vorurteile an der Garderobe liegen lassen soll.

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Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

Täubchen, holdes Täubchen mein

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Markus Wendel über die Premiere von „Die Fledermaus“

Der vergangenen Premiere von „Die Fledermaus“ bin ich ehrlicherweise mit gemischten Gefühlen entgegengetreten. Ich mag keine Operetten und ich mag auch keine klamaukigen Verwechslungskomödien.
Im Ergebnis, und das möchte ich vorwegnehmen, fühlte ich mich dennoch ganz wunderbar unterhalten.

Die „Fledermaus“ bedient in der Düsseldorfer Inszenierung alles, was Kitsch und Klischee so hergeben können: quietschbunte Farben, Glitzer, Federn und halbnackte Tänzerinnen. Alles mit großer Lebendigkeit.
Einige der Szenen könnten unverändert ihren Weg in Richtung Friedrichstadtpalast antreten. Die wahrscheinlich jedem bekannte Musik ist eingängig, und der hierdurch induzierte Bewegungsdrang bei vielen im Publikum nicht zu unterdrücken.

Ich bin von mir selbst überrascht, denn ich gehe wirklich mit dem Stück mit. Selbst die Verortung nach Düsseldorf und Anspielungen auf einen ehemaligen Oberbürgermeister stören mich nicht (bei der aktuellen Götterdämmerung ist das anders).
Auch der Humor, der sich anfühlt wie die alten Fernsehfilme mit Uschi Glas und Theo Lingen, ist aufgrund der schauspielerischen Leistungen überzeugend und kommt an. Erst als auf der Bühne mit Federn geschmückte rosa Astronautinnen auftreten, ist auch bei mir eine Grenze erreicht.

Lavinia Dames in der Rolle der Adele darf für ihren Gesang und ihre wahnsinnig gute schauspielerische Performance verdient den größten Applaus ernten.
Ebenso ist der überwiegend schauspielerische Part des „Frosch“, verkörpert von Wolfgang Reinbacher ein wahrhaftes Erlebnis.

Mein Ausflug in die Welt der Operette wird dennoch binnen der kommenden Jahrzehnte wahrscheinlich auf den vergangenen Abend begrenzt bleiben.
Nicht, weil es nicht gut war, sondern schlichtweg, weil es wirklich nicht meinen Musikgeschmack trifft.
In diesem Sinne: „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.“

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Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“. Überrascht war er davon, dass die Ballettinszenierungen 2018/19 ihn sogar mehr faszinierten als die Operninszenierungen.

Weltraumdschungelkönige

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Sandra Christmann über die Premiere von „Die Fledermaus“

Hatte das Johann Strauss im Sinn?

Ich bin für Blödsinnigkeit durchaus zu haben – diese hat Axel Köhler vollends ausgeschöpft.

Dank Frank Philipp Schlössmann konnten wir doch noch einen Blick in das Wohnzimmer von Gianni Versace werfen – imponierend! Direkt gefolgt von dem „kleinen“ Gatsby Arrangement in der Big Bang Theorie Raketenstation. All das im goldenen Rahmen, wie wir ihn zu Großmutters Zeiten kennen, barock, prunkvoll und nur für Jagdszenen zu verwenden. Das Ganze mit  80er Jahre Lichtinstallationen einer Roller Blade Disco aus Wisconsin verhübscht.

Überraschend, voll ausgetobt, aber exzellent im Detail und somit eine der Disziplinen, die den Abend bereichert haben.

In gleicher Manier die Köstüme. Pornös:
Biene Maja im Weltraumglitzer-Suit, Lack, Plastik-Glamour, Leopardenprints, Negligees, Hotpants, bedruckte Männerslips, Table Dance Schürzen-Outfits – ein Fest.
Ein bunter Mix aus galaktischem Holiday on Ice Trash und Altweiber auf der Ratinger nach 20.00 Uhr.

Gesanglich war ganz klar Adele, gesungen von Lavinia Dames meine Favoritin – raumgreifend, durchdringend und auch schauspielerisch überzeugend. Bezaubernd.
Und natürlich hat Wolfgang Reinbacher den Frosch einverleibt und mit den ihm nun mal vorgegeben textlichen Plattheiten charmant performed.

Soweit: Und doch schmeckt die Inszenierung nach an einem großen Eintopf aus Klimbim, Ohnsorgtheater und Zirkusdirektorenauftritte mit einer Priese Peinlichkeit…
Es tat auch punktuell weh.

Wir haben durchaus viel gelacht, keine Frage, Sie kennen das, wenn es kippt, wenn es so plakativ grotesk schreit, dass man lachen muss.

Die Musik passte tatsächlich, der fröhliche Walzer  –  hätte aber durchaus im österreichischen Kontext bestehen bleiben können – die Inszenierung ins NRW Gefüge , dem Düsseldorfer Politklüngel und der Steigenbergerhäme zu setzen, erinnerte ein bisschen an die Frankenheimkiste der Götterdämmerung vor 1 Jahr. Und war nur angetriggert, somit nicht überzeugend.

Meine erste und letzte Operette?: Absolut Ja!

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Sandra Christmann
Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf und die Kunst. Sie engagiert sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben ihrer Arbeit engagiert sie sich für diverse Hilfsprojekte.
Sie liebt das Ballett und besuchte „just for fun“ manchmal die Oper, nun will sie „auch nach ihrer Zeit als Opernscout der Oper treu bleiben“.

Beschwingte Unterhaltung – aber banal und seicht

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Hubert Kolb über die Premiere von „Die Fledermaus“

Operette muss man mögen heißt es, ich mag sie nicht. Klischeehafte Charaktere, oberflächliche Texte die zu banal sind, um wirklich lustig zu sein, und billige Situationskomik. Immerhin kenne ich jetzt dieses früher sehr beliebte Werk.

Was hat mir gefallen? Eine Augenweide waren die von einem barocken Bilderrahmen eingefasste Bühne, die bunten Kostüme, die Personenregie und Choreographie. Da war Schwung drin. Regisseur Axel Köhler versuchte eine Auffrischung des Stückes durch viele aktuelle und lokale Bezüge, und durch eine ironische Überhöhung des Geschehens. Oft war das nicht überzeugend. Die Abfolge weithin bekannte „Wiener“ Melodien regte zunächst an, begann dann aber zu ermüden. Dirigent Benjamin Reiners vermied den schmalzigen Klang und brachte viel erfrischende Dynamik in die Musik. Die Singstimmen waren fast allesamt herrlich anzuhören und passten in der Klangfarbe gut zusammen. Adele (Lavinia Dames) erhielt mit Recht den stärksten Applaus, abgesehen vom Interpreten der Sprechrolle des Gefängniswärters Frosch, dem 81-jährigen Wolfgang Reinbacher vom D’Haus. Leider waren viele seiner Bemerkungen etwas seicht und von vordergründigem Humor. In dieser Phase ging der Schwung der Aufführung verloren, und man wartete auf ein Ende des letzten Aktes. Zum Schlussgeschehen viel dem Regisseur leider nichts Originelles oder wenigstens Belebendes ein.

Fazit: Der schwungvolle Beginn, die Bühne, Kostüme und fröhliche Musik regen an, dann aber geht Vieles in Klamauk, Banalität und spannungsarmer Handlung unter.

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Dr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.