Susanne Freyling-Hein über b.31

Facettenreich

b.31 war ein fantastischer Ballettabend – der Ohrwurm aus SH-BOOM verfolgt mich immer noch.
Das erste Stück „Obelisco“ ist in 7 Abschnitte mit 7 unterschiedlichen Musikstücken gegliedert, somit entsteht für den Zuschauer eine klare Struktur.
Zu jedem Musikstück verändert sich der Tanz, dabei werden unglaublich viele Facetten gezeigt- von Plateau-Schuhen, über einen endlos-Spitzentanz bis zu einem pas des deux in Highheels – unisex.
Das zweite Stück „Adagio Hammerklavier“ ist ein klassisches Ballett, aber überhaupt nicht angestaubt und kitschig, sondern frisch und leicht mit einem bemerkenswert schlichten, dennoch wirkendem Bühnenbild.
Das dritte Stück „SH-BOOM“ wirkt am stärksten nach – auf den ersten Blick eine fast übertrieben gut gelaunte Tanz-Revue mit wirklich witzigen Szenen. Auf den zweiten Blick stellt sich die Frage, was sich hinter der überschäumenden Fassade verbirgt – somit erhält das Stück Tiefe und Spannung.
b.31 ist für mich das bisher stärkste und facettenreichste Ballett, was ich in Düsseldorf gesehen habe, daher kann ich einen Besuch nur weiterempfehlen!

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Susanne Freyling-Hein
Senior Retail Development Manager bei L’oréal
Obwohl Susanne Freyling-Hein seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, waren Oper und Ballett bis zu Beginn der letzten Spielzeit Neuland für sie. Begeistert hat sie vor allem Martin Schläpfers Ballett am Rhein. Sie schätzt den gemeinsamen Austausch, weil er den eigenen Eindrücken andere Sichtweisen gegenüber stellt. Und wenn Freunde oder Kollegen ihren Empfehlungen folgen, macht sie das durchaus ein bisschen stolz.

Jan van de Weyer über b.31

Entschleunigung

Der Abend beginnt mit einer atemberaubenden Wiederaufnahme von Martin Schläpfers „Obelisco“, das er 2007 für das Ballett Mainz kreierte. Tänzerisch und musikalisch ist es ein Stück voller  Diversität und Überraschungen. So reicht die Musik von Mozart, Scarlatti, Heuberger, Schubert, Sciarrino bis zu Marla Glenn und bringt auf wunderbare Weise die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Tänzer zum Ausdruck. Schläpfer zeichnet seinen einzigartigen Kosmos, sowohl aus einer beeindruckenden Physikalität, also auch mit einer Leichtigkeit, die er durch seine ungeheure Abstraktionsfähigkeit generiert. So besteht „Obelisco“ wie ein monumentales Relikt aus vergangenen Zeiten fest verwurzelt in der Erde, vertikal aufstrebend als Maß der Weltordnung. Doch genau dieses Moment wird gebrochen durch die zahlreichen fallenden Momente, die überzeugend durch die Tänzer des Ballett am Rhein verkörpert werden, und bricht auf diese Weise mit dem Monumentalem. Nachhaltig bewegend sowohl das grandiose Solo des jungen Amerikaners Marcus Pei, der durch seine technische Brillianz und Authentizität heraussticht, also auch die Leistung von Friedrich Pohl mit Yuko Kato auf schwarzen Lackstilettos.
Dicht gefolgt von Martin Schläpfer- Hans van Manen mit „Adagio Hammerklavier“ aus Beethovens Spätwerk, das seine Uraufführung 1973 in Amsterdam erlebte. Auf der Bühne begegnen sich drei Paare, wobei die Männer mit Ihren nackten Oberkörpern selbstbewusst und dominant wirken, zeigen sich die Frauen in Ihren zarten weißen Kleidern eher fragil und verletzlich. Die Kulisse beschreibt ein wehender Seidenvorhang im Hintergrund der Bühne. Von der Tanzsprache und Bewegungswelt sind es klassische Bewegungen und Gesten. Thematisch kreist es um Themen wie Partnerschaft, Kommunikation und unsere Sehnsüchte. Ein wunderbares Stück, das zur Entschleunigung in unserem schnelllebigem Zeitalter einlädt. Den Abschluss von diesem abwechslungsreichen Ballettabend gestalten die Spanierin Sol León aus Cordoba und der Brite Paul Lightfoot mit „SH- BOOM!“ nach der Musik von der Band „The Chords“ aus dem Jahr 1954.
So schallt es “Life could be a dream..“ in den Zuschauersaal und die Tänzer verkörpern auf eine leidenschaftliche und spielerische Weise die unterschiedlichen Kulturen und Momente, die auf der Bühne zu erleben sind. Überzeugend bei diesem Werk zum einen die schauspielerische Leistung der Tänzer, sowie die Idee der Wandlungsfähigkeit eines Stücks, da es sich seit 1994 kontinuierlich in einem Status des ‚work in progress‘ befindet.

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Jan van de Weyer
Bildhauer
„Was Martin Schläpfer hier bewirkt, ist ein Traum“, sagt Jan van de Weyer, der als kleiner Junge selbst Ballett getanzt hat und heute mit einer Tänzerin der Compagnie liiert ist. Er studierte Philosophie und Kunstgeschichte, arbeitete viele Jahre als Physiotherapeut und ist heute als Bildhauer mit eigenem Atelier in Düsseldorf tätig. Die Beschäftigung mit der Oper hat ihn in seiner ersten Spielzeit als Scout dazu inspiriert, Musiktheater in einem größeren Kontext zu betrachten – gern auch im Austausch mit Freunden und Bekannten.

Gisela Miller-Kipp über b.31

„Life could be a dream“ – mit diesem Ballett allemal

b.31 ist für mich eine der gelungensten, weil auch ausgewogensten Ballettvorstellungen der Deutschen Oper am Rhein – alle drei Stücke sind grundverschieden, aber einander ebenbürtig an tänzerischem Können, choreographischer Raffinesse und Musikalität. Die Musik wird durchgängig eingespielt, dabei schwankte und schepperte der Ton gelegentlich, die Soli aber klangen brillant. – Das erste Stück: „Obelisco“, von Martin Schläpfer 2007 für das ballettmainz geschrieben, ist hier neu einstudiert. Es präsentiert Bewegungsstudien in sieben musikalisch grundverschieden markierten Nummern. Zwei davon faszinierten mich besonders: eine Vorführung in Zeitlupe auf „il tempo con l’obelisco“ von Salvatore Sciarrino, die einen (zu)sehen lässt, wie Bewegung aus der Körpermitte heraus entsteht, grandios getanzt, allen voran von Marlúcia do Amaral. Absolut „spitzenmäßig“ tanzt sie auch in einem weiteren Stück, einem Solo, das Gangarten vorführt, dabei sieben Minuten ohne abzusetzen in Linien auf der Spitze – nicht zu fassen! –, ein Bravourakt, der symbolisch mit abgeknickten Füßen endet. Noch ein weiteres Solo beeindruckte mich sehr: eine Choreographie von Schuberts wehmütiger Sopranarie „Du bist die Ruh‘“, mit vollendeter Körperbeherrschung kongenial getanzt (Marcus Pei) und dazu wunderbar gesungen (von wem?). – Zur meisterlichen Vorführung tragen auch Bühne und Kostüme bei (Thomas Ziegler). Die Bühne ist ein Halbdunkel mit lang herabhängenden schlanken Stäben, die matt glänzen und gelegentlich blitzend funkeln wie der durchsichtig-dunkle Bühnenhintergrund, passend dazu dunkelfarbig glitzernde Trikots und Kleidchen; sehr schön. – Ach ja, was ich noch bemerkenswert fand: die Plateaustiefel in schwarzem Lack, auf denen im ersten Stück, und die überaus hohen High-Heels ebenfalls in schwarzem Lack, auf denen von Tänzerin und Tänzer (Yuko Kato, Friedrich Pohl) im letzten Stück getanzt wurde, dort langsam und kontrolliert-elegant auf „Komm mit mir ins Chambre separée“. Das hatte großen Charme, und im Übrigen waren große Könner auf der Bühne – keine Standunsicherheit nirgends.
Das zweite Stück, „Adagio Hammerklavier“, choreographiert von Hans van Manen, ist ein elegisch-schön getanzter und wunderbar innig-verhalten gespielter Beethoven – Christoph Eschenbach, wie ich später erfuhr –, Musik und Tanz harmonieren also aufs Beste, ein klassischer van Manen eben; und wiederum tragen Bühne und Kostüme (Jean-Paul Vroo) das Ihrige dazu bei. Im Bühnenhintergrund bauscht und wellt sich unendlich fließend ein riesiges Tuch, ein optisches Faszinosum für sich, dazu die Damen in weißem Voile, die Herren in weißen Leggings – freilich gemahnte mich deren gerippte Machart etwas unpassend an lange Unterhosen. – Gegen den überbordenden Einfallsreichtum von „Obelisco“ fand ich das „Adagio“ zuerst wenig spannend, was sich aber zusehends ins Gegenteil wandelte.
Das dritte Stück, „SH-BOOM“ von Sol León und Paul Lightfoot, ist getanztes Vaudeville-Cabaret der 1920iger Jahre, Slapsticks inklusive – temporeich im schnellen Wechsel der Bewegungsmuster und Musikstücke, komisch und derb, amüsant und schräg, ironisch und leicht bitter, dahinter also durchaus auch ein wenig Ernst – insgesamt ein großer Spaß. Der fängt schon vor dem Vorhang an mit einem mechanischen Grinsemann in Endlosschleife (Rubén Cabaleiro Campo) und setzt sich gleich auf der Bühne fort, als Boris Randzia sich im schwarz-weißen Wandelanzug herumspreizt, während er in allen Stimmungslagen von zärtlich-süß bis verächtlich-hasserfüllt sich steigernd zwei Personen beim Namen ruft – „Marscha“ und „George“ – himmlisch. Auch die Kostüme sind eine Nummer für sich: Sie huldigen dem Schwarz-Weiß-Kontrast so, dass die Damen in fließenden schwarzen Kleidern, die Herren hingegen in weißer Unterwäsche Marke Schießer-Feinripp nebst weißen Kniestrümpfen tanzen, nachdem ihnen Anzug und Hemd verloren gingen, ja einmal tanzt einer ganz nackig herum, aber so geschickt und auch so dezent beleuchtet, dass nichts Geschamiges zu sehen ist, bis er sich zuletzt in seitlicher Pose einmal kurz am Zippedäus zipfelt – fand ich zum Schmunzeln. – Getanzt wird energisch-flott und überaus präzis. Dabei sah ich einige überraschende – mir neue – Figuren aus der Akrobatik. Am Ganzen hatte ich meine helle Freude und zum Schluss regnete es gar Glückszettelchen ins Publikum: „life could be a dream“ stand darauf. Wohl wahr, wenn Aufführungen wie diese es verschönern.

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Gisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik
„Die sinnliche Erfahrung von Oper und Ballett öffnet einen immer wieder neu“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Was sie sieht, vergleicht sie mit ihren persönlichen Kulturerlebnissen aus vielen Jahrzehnten und ist beglückt darüber, dass sich dabei immer wieder neue Sichtweisen erschließen. Sie engagiert sich in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und wird im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast auf ihre Erlebnisse als Opern- und Ballettscout angesprochen.

Khatuna Ehlen über b.31

Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburgb.31 Sh-Boom  ch.: Lightfoot/Leon

Ein inspirierender Abend

Alle drei Stücke waren hinreißend bis zum letzten Takt, der letzten Schrittfolge.
Überraschend war der Start – es ging unmittelbar los mit sieben unterschiedlichen, sich abwechselnden Musikstücken, schillernden Kostümen und einer belebenden frischen und auch poetischen Inszenierung.
Das zweite Stück glänzte in seinem Detail: drei Tanzpaare zu Beethovens Adagio Hammerklavier“ schwebten auf der Bühne in eher klassischem Stil – schwingend weißem Kleid die Tänzerinnen, die Tänzer mit stolzer nackter Brust. Die Details der Bewegung standen hier im Mittelpunkt des Tanzes.
Das dritte Stück begann mit einer witzigen Einlage, die an Slapstick erinnerte und setzte sich dann humorig und frech fort – ein Tanzgenuss der sofort den gesamten Opernraum einnahm zu großartige Rhythmen vergangener 1920 – 1940 Jahre – dem man sich nicht entziehen konnte.
Ein rund herum hervorragend inspirierender und nachhallender Abend.

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Khatuna Ehlen
Sozialarbeiterin
Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Nach ihrer ersten Spielzeit als Opernscout ist sie glücklich, weiter als Scout aktiv sein zu dürfen. Bisher sind die Aufführungen des Balletts am Rhein ihr klarer Favorit im Spielplan, so dass sie sich auch in der neuen Spielzeit auf mitreißende Choreographien freut.

Uwe Schwäch über b.31

Träume und Sehnsüchte

In „Obelisco“ bringt Martin Schläpfer das Publikum mit Miniaturtänzen zum Schwelgen und Staunen. Gleich zu Anfang eröffnet ein Tanz im Freestyle den Reigen schnell wechselnder Tanzsequenzen, von denen es insgesamt sieben zu sehen gibt. Alle weisen heterogene Tanzcharaktere auf und werden von Musik verschiedener Stilrichtungen und Epochen begleitet – von Mozart bis Marla Glen. Das ist nicht nur vielseitig und spannend, es vereinnahmt den Zuschauer mit einzigartigen Feinheiten virtuoser Bewegungskunst. Eingerahmt in ein puristisches Bühnenbild, das als Kulisse lediglich schwach illuminierte Hängefäden zeigt, liegt der Fokus bei den herausragenden Protagonisten, die sich mit Leidenschaft ihrem Tanz hingeben. Bestechend sind auch die verschiedenen phantasievollen Kostüme, die keck aber niemals übertrieben wirken. Und wer schon immer mal einen Balletttänzer auf High Heels sehen wollte, der wird nicht nur davon begeistert sein.
Adagio Hammerklavier in einer besonders langsam gespielten Beethoven-Interpretation von Christoph Eschenbach glänzt mit stilvoller klassischer Moderne. Drei Tanzpaare bewegen sich in diesem Ballett von Hans van Manen mit ausgesprochener Eleganz, Anmut und Stolz. Die Frauen wirken zart und unschuldig, die Männer kraftvoll und fordernd. Ihr Tanz in der Gruppe lässt Zuschaueraugen strahlen, denn jeder Schritt und jede Bewegung sind von perfekter Synchronität geprägt. Jedes einzelne Paar tanzt einen Pas de deux und wir erleben unterschiedliche Charaktere, denen es jeweils gelingt, den Bewegungszauber in Träume zu verwandeln. Auch hier der Blick auf eine pur gestaltete Bühne mit einem wehenden bläulichen Tuch, vor dem sich die Tänzerinnen in knielangen Tüllkleidern und die Tänzer in engen Hosen und nacktem Oberkörper mit schwebender Leichtigkeit sehnsuchtsvoll bewegen.
„SH-Boom!“ von Sol León & Paul Lightfoot begeistert mit Wohlfühltanz auf einer musikalischen Zeitreise. Der Zuschauer erlebt episodische Tanzeinlagen mit Revue-Charakter, die von stimmungsvoller amerikanischer Musik der 20er bis 50er Jahre begleitet werden. Die oftmals dunkle Bühne wird von Lichtkegeln erhellt und macht Raum für ein ungemein charmantes und humorvolles Tanzstück. Die Tänzerinnen in schwarzen Kleidern und hochgesteckter Dutt Frisur, die Männer in weißer Feinripp-Unterwäsche mit Kniestrümpfen. Dieser Kontrast spiegelt sich oberflächlich auch im Tanz wieder: Die Frauen eher streng und überlegen, die Männer eher belustigend und komisch. Doch der Schein trügt: Dahinter verbirgt sich mehr und am Ende überlegt sich jeder Zuschauer selbst, inwieweit diese stereotype Fassade aufrechterhalten werden kann. Beste Unterhaltung und Spannung sind dabei garantiert.

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Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

Georg Hess über b.31

Herausragendes Ballett

Samstag Abend, 19.30 Uhr, Premiere von b.31 in der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Es wird dunkel, Stille tritt ein. Der Vorhang hebt sich und ich lasse mich von „Obelisco“, choreographiert von Martin Schläpfer, einfangen.
„Obelisco“ ist an diesem Abend die erste von drei Aufführungen, welche wiederum in sieben sehr unterschiedliche Teile angeordnet ist. So trifft ein impulsiver Popsong von Marla Glen auf klassische Musik von Schubert und Mozart und sogar auf einen langsamen Walzer. Auch die Stimmungen und Bewegungen der Tänzer wechseln über ungezwungen und angriffslustig zu ruhig und zeitlupenhaft bis zu aufreizend mit Travestieelementen. Der Wechsel der glitzernden (aber nie kitschigen) Kostüme sowie des Schuhwerks von Plateaustiefeletten über Ballettschuhe zu High Heels markieren die Übergänge. Es ist die Gesamtästhetik aus reduzierter Bühnen- und Lichtausstattung, den Kostümen und den Bewegungen der exzellenten Tänzer und Tänzerinnen, die mich begeistert.
Nach der Pause folgt „Adagio Hammerklavier“ der Choreographen-Ikone Hans van Manen. Zur Klaviermusik von Beethoven tanzen drei Paare vor einem großen und hellen, sich im Wind wellenartig bewegenden Tuch in weißen Kostümen das bereits vor über vierzig Jahren komponierte Werk dieses Altmeisters, welches voller kleiner Details ist. Ein melancholisches Stück absoluter Schönheit. Auch dieses eher klassische Stück spricht mich sehr an, wenngleich es meinen Geschmack weniger trifft als die junge und moderne Inszenierung von „Obelisco“.
Zum Abschluss wird Sh-Boom! des Choreographen-Duos Sol León und Paul Lightfoot dargeboten: ein in mehrere Sequenzen aufgeteiltes, revueähnliches Stück, welches humorvoll den Ernst des Lebens überzeichnet. Dadurch, dass diese Aufführung in weiten Teilen durch ein sehr hohes Tempo mit enorm anspruchsvollen Schrittfolgen geprägt ist, wirkt sie nie albern, vielmehr  lässt sie mich und das übrige Publikum mit fröhlicher Bewunderung und einem großen Applaus zurück.
Alle drei Stücke haben mich absolut überzeugt! Es war ein großartiger Ballettabend, den Martin Schläpfer als Chefchoreograph (wieder) zusammengestellt hat. Wer sich nur ansatzweise für Ballett interessiert, darf b.31 nicht verpassen.

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Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Isabell Boyer über „Turandot“

Wie man einer Oper die Krone aufsetzt

Als ich am Donnerstag das Opernhaus betrat und mich mit hohen Erwartungen in den Saal setzte, hätte ich so gut wie alles erwartet, außer Bilder des Regenschirm-Protests von Hongkong. Für einen Moment war ich gefesselt von den Schwarz-Weiß-Aufnahmen, genoss den modernen Touch und das Unwetter, das daraufhin auftrat. Die Regenschirme, die die Sänger der Chöre mit sich trugen, unterstützten diese Atmosphäre ebenso wie die Polizei-Streitkräfte im Hintergrund mit ihren Schlagstöcken. Allerdings änderte sich dieses Bild sehr schnell, als die Antlitze der Masse sich unter den Schirmen offenbarten: Verzerrte Masken, zahlreiche, verschiedenste Kostüme und pechschwarzes, langes Haar.
Mir fiel es schwer, Moderne und Altertum in diesem Stück direkt zusammenzubringen; ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich den modernen Strang als erstrebenswerter gefunden hätte oder ob gerade die Mischung die Inszenierung interessant machte. Auf jeden Fall gefiel mir die optische Ausarbeitung des Stücks, die sowohl mit massiven Kulissen, als auch mit Projektionen auf Leinwänden arbeitete, um die Atmosphäre zu erschaffen, die für die Geschichte angemessen war.
Wie nun schon häufiger fühlte ich in „Turandot“ eher mit den Nebencharakteren, als den Protagonisten. Liù und ihr Meister erwärmten mein Herz schon zu Beginn, besonders durch ihre liebevolle Art zueinander, auch wenn Liùs Loyalität nicht nur Timur, sondern auch (gerade) Kalaf galt, wie sich auch im Finale noch einmal bestätigte. Kalafs Liebe zu Turandot, oder eher sein plötzlicher Sinneswechsel aufgrund ihrer Schönheit, erschien mir ein wenig zu schnell, aber ich konnte verstehen, dass dies der Geschichte nur zuträglich war.
Während die ersten beiden Akte für mich nicht den gewünschten „Wow“-Effekt hatten, riss mich der dritte Akt sofort mit. Nachdem Turandots Rätsel gelöst worden waren, stellte Kalaf seines und eröffnete mit „Nessun Dorma“ das letzte Drittel dieser Oper. Mit meinen Sitznachbarn fieberte ich dem Höhepunkt des Liedes entgegen und merkte, wie zufrieden und glücklich ich mit dem Fortlauf des Stücks war, sobald das Lied sein Ende gefunden hatte. Liùs Tod sorgte anschließend nicht nur bei mir für feuchte Augen. Timur und sie waren herzzerreißend und ich muss Brigitta Kele als Liù und Günes Gürle als Timur hierfür ein großes Kompliment aussprechen. Sie haben das Publikum mit ihrer Vorstellung bezaubert. Musikalisch und gesanglich war es – wie immer – hervorragend. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Oper und bin gespannt, ob das Kommende an den Zauber dieses Finales anknüpfen kann.

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Isabell Boyer
Studentin
Auf Isabell Boyer sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Die Opern- und Ballett-Erlebnisse in ihrer ersten Spielzeit als Opernscout inspirierten sie dazu, freier zu denken und ihren Horizont zu erweitern.