Nico Budden über „Otello“

Das Operngucken muss man lernen

Ich bin kein geübter Operngänger. Es war mein viertes Mal, als ich am letzten Donnerstag in Verdis „Otello“ saß. Und mittlerweile kann ich mit annähender Sicherheit behaupten: In einer Oper wird fast immer gesungen. Auch scheint es heutzutage üblich zu sein, das Stück im Original aufzuführen. So ist Mozart verständlich, doch bei Puccini oder Verdi bedarf es der Übertitel. Nun gut, trotz lobenswerter Synchronisation schauen viele moderne Filmproduktionen auch lieber im Original, so sollte einen das eigentlich nicht abschrecken. Doch irgendwie ist es schon komisch. Die sagen immer das gleiche, es ist unglaublich emotional und irgendwie kommt die Geschichte nicht voran. Operngucken muss man lernen. Irgendwann stellt man fest, der Text ist eigentlich zweitrangig, es ist ein Gesamtkunstwerk, im Zentrum steht die Musik. Eine Oper sei eben kein Schauspiel, so wird der Librettist Boito im Programmheft zitiert, Musik könne viel schneller und viel mehr als das Wort aussagen. Man versteht auf einer anderen Ebene. Darum ist es vielleicht gut, nicht ganz unbelesen ins Stück zu gehen: Ganz typisch für eine Geschichte Shakespeares haben wir es mit einem Spiel hinter den Kulissen zu tun. Will man sich vom Wort lösen, muss man wissen worum es geht. Neid, Rache, Eifersucht, Untreue und nicht zuletzt die Liebe spielen eine Rolle, am Ende steht der dramatische Tod.
Dunkel gehalten ist die Bühne, es gibt nur wenige Lichtblicke. Eine beklemmende Stimmung vermittelt sie, erst mit dem Tod Otellos öffnet sich das Bild. Die Kostüme sind schwarz, alles Denken scheint festzustehen.
Bei Wikipedia ist von einem Meisterwerk ist zu lesen, dem sich nur die ganz großen Häuser mit hochkarätiger Besetzung nähern. Ich fühlte mich, ehrlich gesagt, ein wenig überfordert. Wer bin ich, das Ganze zu bewerten? Bin ich überhaupt in der Lage, das Meisterstück vom Boulevardvergnügen zu unterscheiden? – Schluss. Applaus. Die Leute sind begeistert, die Sänger toll. Besonders gefallen hat mir da die Darstellerin der Desdemona, Jacquelyn Wagner, auch wenn ich noch nicht sagen kann, warum. Der operneigene Chor war beeindruckend. Düsseldorfs Otello ist düster, aber in sich stimmig. – Es wird gejubelt, die Dame neben mir schreit „Bravo!“. Ich stelle fest, eine Oper ist wirklich anders und ja, sie wiegt schwer. Doch ist sie auch unglaublich schön. Dazu muss man nicht einmal zwischen den (oberen) Zeilen lesen.

Niko Budden
Student
Für Theaterliebhaber Niko Budden bedeuten Ballett und Oper neue Seh- und Hörgewohnheiten, auf die der Student der Geschichte und Germanistik sich sehr gerne einlässt. Sein Engagement im Projekt  „Musiktheater im Labor“ der Jungen Oper bedeutete für ihn dabei den Einstieg in die Welt des Musiktheaters. Besonders auf die Ballettvorführungen ist Niko Budden gespannt, da er den Einstieg in die performative Kunst bisher immer über das Wort fand.

Ralf Kreiten über „Die lustigen Weiber von Windsor“

Ein entspannter, aber auch langer Opernabend

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Endlich mal wieder eine Oper, bei der ich nicht ständig darüber nachdenken musste „Was soll mir das ganze eigentlich sagen?“. Es gibt sicher Kritiker, die in der Geschichte der „Lustigen Weiber von Windsor“ eine verstaubte und langweilige Biedermeieroper sehen;  mir hat die komisch-fantastische Oper von Otto Nicolai aber doch sehr gefallen. Bereits bei der Ouvertüre spricht mich die sehr melodische Musik in Verbindung mit dem fantasie- und effektvollen Bühnenbild von Dieter Richter an. Nur die Darstellung der Hängung des Jägers Herne überrascht mich, da ich für diesen Abend kein düsteres Grusel-Spektakel sondern eine Opera buffa erwartet habe. Die kommt dann aber doch mit der Geschichte über den verarmten und verfressenen Sir John Falstaff,  der zwei Nachbarinnen, Frau Fluth und Frau Reich, den gleichen Liebesbrief schreibt. Die beiden nutzen dies nicht nur, um dem Dicken eine Lehre zu erteilen, sie führen auch den eifersüchtigen Ehemann von Frau Fluth vor, denn beide sind in ihren Ehen auch nur mäßig glücklich. Komplettiert wird die Geschichte mit der geplanten  Vermählung  von Tochter Anna Reich mit einem der beiden Favoriten der Eltern, Dr. Cajus, (Günes Gürle -herrlich komisch mit französischem Akzent) oder Junker Spärlich, dabei liebt Anna doch den armen Schlucker Fenton. Dietrich W. Hilsdorfs Inszenierung ist bildgewaltig und zeigt uns die Schwächen, gar Abgründe,  des biedermeierlichen Bürgertums sehr genau.  Aber es muss eben nicht das größte Stück sein, um einen großen Abend erleben zu dürfen. Biedermeier eben, im Bild, in den Kostümen und in einer verspielten, aber treffsicheren Inszenierung. Die musikalische Seite gelingt dazu noch außerordentlich gut. Dass Generalmusikdirektor Axel Kober von der Musik schwärmt, merkt man daran, wie er die Duisburger Philharmoniker sowohl bei den heiteren als auch bei den dunkleren Momenten der Oper gekonnt führt. Ein Glücksgriff ist Thorsten Grümbel mit seinem starken Bass, der zwar nicht die Figur des Fallstaff besitzt (und dafür in einen Fatsuit schlüpfen muss), dank dem der Zuschauer dem kauzigen Schürzenjäger trotz seiner vielen Fehler aber auch Sympathie abgewinnen kann. Ideal besetzt auch die beiden Weiber, Heidi Elisabeth Meier als Frau Fluth und Katarzyna Kunico als Frau Reich. Komödiantisches Spiel und, im Duett singend, wunderbar stimmlich zueinander passend. Auch die weiteren Sängerinnen  und Sänger haben zu dem sehr angenehmen Abend beigetragen; besonders hervorzuheben noch die hervorragende Anna Princeva als Jungfer Anna Reich und Tenor Jussi Myllis als Fenton. Der Chor hat berückend schöne Momente . Ein langer Opernabend bietet viel Zeit für viele schöne Erlebnisse und die hat man bei dieser Oper dann auch.  Deshalb sollte man, auch als Opernlaie, unbedingt hingehen.

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“

Opernscout Ralf Kreiten-1Ralf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld
Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

Heike Stehr über „Die lustigen Weiber von Windsor“

Unentschlossene Inszenierung

lustigeweiber_09_foto_hansjoergmichel„Komisch-fantastische Oper in drei Akten“ lautet der Untertitel der „Lustigen Weiber von Windsor“ und mein Opernlexikon kündigt mir eine Mischung der alten Traditionen der komischen italienischen Oper mit den zur Entstehungszeit des Werkes noch relativ jungen Traditionen der phantastischen Oper, wie sie seit der Romantik in Deutschland beliebt war, an. Hinzu kommen gesprochene Dialoge, die der Tradition des deutschen Singspiels entstammen. „Deutsche Schule muss da sein, das ist erste Bedingung, aber italienische Leichtigkeit muss dazu kommen“, so notiert der Komponist Otto Nicolai 1835 in seinem Tagebuch.
Ausgerüstet mit diesem Wissen geht‘s in die Deutsche Oper am Rhein Duisburg zur Vorstellung. Im 1. Akt landen die Zuschauer von Dietrich W. Hilsdorfs Inszenierung direkt in der Zeit des Biedermeier im Wohnzimmer der Frau Fluth. Ein stimmiges Bühnenbild und passende Kostüme komplettieren die Atmosphäre. Die Stimmen von Heidi Elisabeth Meier und Katarzyna Kuncio, die die Damen Fluth und Reich verkörpern, ziehen mich direkt in ihren Bann. Sekt trinkend freuen sie sich des Lebens und schmieden Pläne, wie sie sich an Falstaff rächen können, der ihnen Liebesbriefe im Copy-&-Paste-Verfahren schrieb. Besonders in den Duetten brillieren die beiden. So weit, so gut … denn dann ist der erste Pepp des Abends verflogen und die Längen beginnen.
Irgendwie unentschlossen fühlt sich die Inszenierung für mich an. Die unterschiedlichen Versatzstücke und Einfälle scheinen mir kein Ganzes zu ergeben.
Der Widerspruch zwischen dem düster-romantischen Caspar-David-Friedrich-Bild zu den fröhlichen Ouvertüre-Klängen am Beginn und dem Zucken des Erhängten im Hintergrund fasziniert mich noch und lässt mich hoffen. Aber als drei und eine Viertelstunde später die Bürger von Windsor in Ku-Klux-Klan-Kostümen auftreten und auch ein Horrorclown nicht fehlt ist meine Geduld irgendwie erschöpft. Ich kann mir ja denken, was der Künstler mir damit sagen will, aber die Kunst mich zu berühren erreicht er an diesem Abend nicht. Das bleibt an der Oberfläche und geht nicht tief. So stehen die lustigen Weiber fröhlich vereint mit ihren Ehemännern, mit denen sie aber doch so gar nicht glücklich sind, als der Vorhang fällt.
Und wenn der Schriftsteller Ludwig Pfau in seinem Gedicht „Herr Biedermeier“ 1847 schrieb: „Sein Wahlspruch: Weder kalt noch warm“ – dann scheint mir das leider auch für diese Inszenierung zuzutreffen, schade!

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Heike Stehr
Erzieherin
Kunst spielt in Heike Stehrs Leben eine große Rolle: Neben ihrer Arbeit als Erzieherin in einer KiTa macht sie eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin und betreibt den Blog http://kunstlebendig.blogspot.de. Sie besucht besonders gerne Ausstellungen, Programmkinos, Theaterstücke, Konzerte und Ballett. Auf den Bereich Oper, der für sie weitgehend Neuland ist, ist sie aber sehr gespannt. Sie freut sich, als Opern- und Ballettscout Kunst erleben und ihre individuellen Eindrücke an andere weiter geben zu können.

Astrid Klooth über „Die lustigen Weiber von Windsor“

 Die Liebe in Zeiten des Biedermeier

lustigeweiber_12_foto_hansjoergmichelOtto Nicolais komisch-fantastische Oper in drei Akten, komponiert 1845/ 46, nimmt das Thema des gleichnamigen Lustspiels von Shakespeare auf, noch vor Verdis Oper „Falstaff“, die ebenfalls auf dem Shakespeareschen Drama beruht. Zwar ist Nicolai weniger bekannt als der italienische Nachfolger,  dennoch macht gerade die Umsetzung des Shakespeare-Stoffes in das Zeitalter des Biedermeier seinen ganz eigenen Reiz aus.
Die Handlung ist schnell erzählt:  Der verarmte, verfressene und dem Alkohol zugeneigte Falstaff schreibt den Damen Reich und Fluth jeweils einen identischen Liebesbrief. Als diese  davon Wind bekommen, beschließen sie, gekränkt in ihrer Eitelkeit und Ehre,  sich an Falstaff zu rächen.  Nach allerhand turbulenten Irrungen und Wirrungen wird im Verlauf Handlung nicht nur Falstaff von der Dorfgemeinschaft abgestraft, auch das holde Töchterlein der Familie Reich hält sich letztendlich ihre beiden unmöglichen Verehrer vom Hals und landet in den Armen ihres  geliebten, aber mittellosen Fenton.
Das eigentlich Interessante an dieser Oper ist, und das wird auch in der Inszenierung von Hilsdorf geschickt herausgearbeitet, ihre musikalische und inhaltliche  Doppelbödigkeit: So finden sich typische opera buffa Elemente, z. B. in der Darstellung der Verehrer Spärlich und Cajus sowie in den überzogenen Koloraturen, wenn Frau Fluth vorgibt, dem Werben von Falstaff anheimgefallen zu sein.
Andererseits ist Nicolai ein Kind des Vormärz und der Romantik: Inbrunst und mystische Naturverbundenheit der deutschen Romantik finden sich  entsprechend als ständige Reminiszenzen à la Caspar David Friedrich (Bäume, Mond, gotische Ruinen) im  Bühnenbild.
Das romantische Ideal der Liebesheirat, welches im 19. Jahrhundert im Bürgertum zunehmend favorisiert wird, wird verkörpert in den Figuren von Anna und Fenton. Allerdings wird schnell deutlich, dass im politisch entmachteten und um seine Existenz fürchtenden Bürgertum merkantile Interessen überwiegen, veranschaulicht durch die Ablehnung des ehrlich liebenden, aber mittellosen Fenton.
In der Inszenierung wird die repressive Atmosphäre des Vormärz, sowohl in sexueller als auch in politischer Hinsicht, geschickt und nicht allzu  aufdringlich aufgezeigt: So finden sich die gotischen Mensch-Natur Elemente verfremdet in holzvertäfeltem Biedermeier Interieur wieder. In einer Szene reißt die  junge Anna, die  unter dem Verheiratungsdruck ihrer Elternleidet, das Fenster, natürlich  auch in gotischer Ornamentik gehalten, weit auf, um nicht am biedermeierlichen Mief ersticken zu müssen.
Noch deutlicher wird die Inszenierung, als der Beichtstuhl im zweiten Akt zum Huren- und Freiertreffpunkt verkommt – ein wenig dezenter Hinweis auf die Scheinheiligkeit und Verderbtheit  des arrivierten Bürgertums.
Einzig Falstaff lässt sich nicht verbiegen, versteckt seine Lust und Gelüste nicht in höfischer Nachahmungsmanier und zieht sich so Spott und Hass des bigotten, moralisch und finanziell zutiefst verunsicherten Bürgertums zu: Er wird am Ende fast zum Opfer eines Lynch-Mobs, doch auch diese Szene wird doppelbödig aufgelöst zu einem heiteren, fast schon komischen Opernende.
Die Sänger waren allesamt mit großer Lust am Spiel dabei, musikalisch überzeugten mich besonders Thorsten Grümbel als Sir John Falstaff, Heidi Elisabeth Meier als Frau Fluth und Anna Princeva als Anna sowie Jussi Myllys als Fenton.

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“

Astrid Klooth
Oberstudienrätin im Hochschuldienst
Durch ihre Mitgliedschaften im Philharmonischen Chor und im Theaterring Duisburg ist Astrid Klooth Orchester und Theater seit vielen Jahren verbunden. Als Uni-Dozentin hat sie fast täglich mit jungen Menschen zu tun und hofft, durch ihre Beiträge ihr Interesse am Musiktheater noch mehr Menschen zugänglich machen zu können.

 

Stephanie Küthe über „Die lustigen Weiber von Windsor“

Ein Abend, der gute Laune macht

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Es ist ein komisch-fantastischer Abend, der den Zuschauer erwartet. Otto Nicolai spannt mit seiner heiteren Spieloper musikalisch den Bogen vom leichten Stil eines Rossini bis hin zur Jagd-Romantik eines „Freischütz“. Diesen Bogen greift Dietrich Hilsdorf in einer durchweg unterhaltsamen Inszenierung auf. Er nimmt uns mit in die Entstehungszeit seines Werkes und setzt die heitere Spieloper in pompöse romantische Schauplätze. Die Transformation in die Zeit des Biedermeier geht voll und ganz auf. Die lustigen Weiber genießen es in vollen Zügen, aus ihrem spießbürgerlichen Leben auszubrechen und sonnen sich selbstzufrieden und ausgelassen in ihren Späßen, wenn auch auf Kosten des dicken Sündenbocks Falstaff. Man versteckt sich hinter vermeintlicher Familienidylle und zeigt auf den Anderen, um die eigenen Laster zu verbergen. Die Wollust und Trinksucht, die man ihm vorwirft, wird vom gesamten Bürgertum selbst gelebt. Hier ist Hilsdorf in seinem Element, inszeniert selbst die großen Massenszenen bis ins kleinste Detail, mit dem unverfroren schamlosen Humor, den man von ihm kennt. Im ersten Teil steht der Alkohol im wahrsten Sinne des Wortes im Vordergrund, es wird fröhlich gebechert und großzügig nachgeschenkt, obwohl Frau Fluth am Anfang völlig selbstüberzeugt klarstellt „Ich trinke nie!“. Nicht nur der Spaß der Weiber über ihre intriganten Pläne steckt an, zu gerne möchte man mit ihnen darauf anstoßen. Der zweite Teil wird von Hilsdorf kurzerhand vom Gasthof in eine Kapelle mitsamt Beichtstuhl verlegt. Wer ihn kennt, weiß gleich zu Beginn der Szene, dass es hier alles andere als frömmelnd zugehen wird – eigentlich schade, hier hätte ich mir mehr erwartet als nur den Rückgriff auf alte Inszenierungsideen. Trotzdem überzeugt die Umsetzung. Das Trinkgelage, eine weitere Intrige gegen Falstaff und das Aufeinandertreffen der Jungfer Anna mit gleich dreien Ihrer Verehrer wirken in dem krassen Kontrast zur „heiligen“ Umgebung noch komischer. Hier zeigt Hilsdorf anschaulich und provokativ, wie es um die moralischen Werte des Bürgertums wirklich bestellt ist. Der dritte Teil ufert schließlich in dem kollektiven Verhöhnen des Sündenbocks Falstaff aus. Ort des Geschehens ist eine düstere Burgruine im Wald, die fantastisch zu dem Jagdthema in Nicolais Musik und der Ballade vom schauerlichen Jäger Herne passt, die hier zitiert wird. Die Art und Weise wie Falstaff in dieser Kulisse von einer eindrucksvollen Masse aus Chor, Solisten und Statisterie in gruseligen Kostümen attackiert wird, wirkt außerordentlich bedrohlich. Am Ende wird Falstaff zwar verschont, seine Aussage bleibt aber als Botschaft zum Nachdenken stehen: „Ich bin am Boden; die Ignoranz in Person setzt sich als Maßstab über mich.“ Bei aller oberflächlichen Unterhaltsamkeit dieser Spieloper eine starke Aussage, die durchaus Aktualität besitzt. Die musikalische Umsetzung beeindruckt von vorne bis hinten, Axel Kober verleiht dem Abend die gewünschte klangliche Spritzigkeit. Aus der Reihe der Solisten sticht vor allem Heidi Elisabeth Meier mit Ihrem brillanten Sopran heraus. Aber auch der in Wirklichkeit gertenschlanke Thorsten Grümbel füllt mit seiner Stimme den massigen Schaumstoffkörper des Falstaff beeindruckend überzeugend aus. Schauspielerisch und gesanglich herausragend ist auch mal wieder der Chor der Deutschen Oper am Rhein. Gewohnt zuverlässig zeigen sich auch die Duisburger Philharmoniker.

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.Stephanie Küthe
Event-Managerin
Seit ihrer Kindheit sei sie von der Oper fasziniert, sagt Stephanie Küthe, die keine Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein verpasst. Ihre Leidenschaft fürs Musiktheater führte sie bereits zu Jobs in der Dramaturgie, beim Bonner Opernmagazin und, nach einem Studium der Musikwissenschaften, in die Musicalbranche. Nun singt sie mit Begeisterung im Chor und freut sich darauf, als Opern- und Ballettscout noch tiefer in die Welt der Oper einzutauchen.

Sabine Josten über „Die lustigen Weiber von Windsor“

„Desperate Housewifes“ zu Gast bei „Sex and the City“

lustigeweiber_03_foto_hansjoergmichelPassend am 11.11.2016 zu Beginn der närrischen Jahreszeit hatte die Opernkomödie „Die lustigen Weiber von Windsor“ nach Shakespeares Lustspiel in der Fassung von Otto Nicolai Premiere auf der Bühne der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg.
Ich möchte hier nicht auf die komplette Handlung eingehen, da sich Interessierte sicherlich selbst auf den Besuch der Oper entsprechend vorbereiten und diese somit bekannt ist.
Aber kurz gesagt, die Komödie handelt von Eifersucht, Komplotte schmieden, Trinklaster, Trinkgelage, Liebe und Sex. Provokativ waren das Saufgelage und die Darstellung einer aus dem Beichtstuhl herauskommenden barbusigen Dame in einer Kapelle.
Zunächst war ich überrascht von der Hinrichtung in einem düsteren Wald zu Beginn, was so nicht zu einer Komödie gehört, jedoch zur Geschichte.
Als dann die Damen Fluth (Heidi Elisabeth Meier) und Reich (Katarzyna Kuncio) mit dem Gesang vor einer wunderschönen Kulisse begannen war man von Anfang an gefangen in der Geschichte. Die Stimmen der beiden Darstellerinnen harmonierten wundervoll miteinander.
Die Damen haben bekanntlich einen gleichlautenden Liebesbrief von Sir John Falstaff erhalten und schmiedeten daraufhin einen Denkzettel der besonderen Art. Falstaff, selbstverliebt und sich als unwiderstehlich haltend, wurde wunderbar gespielt von dem sehr schlanken Thorsten Grümbel. Er wurde dank der guten Arbeit der Maskenbildner und Kostümmitarbeiter zu einer Figur mit einem sichtlich dreifachen Gewicht.
Eingebettet war natürlich auch eine gefühlstriefende Liebesgeschichte von Anna Reich, die von den Eltern eigentlich mit einem wohlhabenden Mann vermählt werden sollte, die Liebe aber gesiegt hat und sie am Ende ihren Fenton heiratet. Anna Reich wurde gespielt von der stimmüberragenden Anna Princeva.
Die Redensart „jemanden die Hörner aufsetzen“ kommt am Ende auch eindrucksvoll zum Ausdruck.
Insgesamt bot sich eine sehr schöne kurzweilige Oper, wobei man von einer Komödie natürlich keinen Tiefgang erwarten kann. Die Besetzung wurde hervorragend gewählt. Die Arbeit der gesamten Mitarbeiterschaft des Theaters vom Bühnenbild über die Kostüme bis zur Maske war sehr gut.
Ich empfehle diese Oper Opernneulingen, die sich so an diesen Musikstil herantasten können. Aber auch für Liebhaber von Klassikern ist ein Besuch natürlich ein Muss. Man sollte aber berücksichtigen, dass trotz zweier Pausen man nach über drei Stunden doch sehr erschöpft ist.

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.Sabine Josten
Immobilienökonomin
Als engagierte Bürgerin setzt sich Sabine Josten für die Zukunft Duisburgs ein. Unter anderem ist sie Mitglied der Zeitzeugenbörse Duisburg e.V. und verfasst ab und an einen Artikel für den „Lokalkompass“. Sie stand fünf Jahre lang als Statistin bei der Deutschen Oper am Rhein auf der Bühne und ist nach wie vor begeistert vom Kulturgut Oper.  Gerne möchte sie auch andere Menschen dafür begeistern.

Jessica Gerhold über „Die lustigen Weiber von Windsor“

Harmloses Lustspiel als gelungener Spielzeitstart

lustigeweiber_04_foto_hansjoergmichelNach einer langen Sommerpause freute ich mich auf meine erste Opernpremiere in der neuen Spielsaison und wurde von Otto Nicolais komisch-fantastischer Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“,  adaptiert nach Shakespeares gleichnamiger Komödie, wunderbar begrüßt. Schon die erste Szene zog mich mit ihrem mystisch gestalteten Bühnenbild und der leicht untermalenden Musik in ihren Bann. Überhaupt möchte ich einmal feststellen, dass meine größte Erwartung eigentlich jedes Mal dem Bühnenbild gilt, da ich bis auf „Turandot“ noch nie enttäuscht wurde, sondern jedes Mal fasziniert, ob des Ideenreichtums oder der Umsetzung, bin. Bezogen auf das Stück fand ich es eine interessante Idee die Aufführung in die Zeit des Biedermeiers,  Nicolais Schaffenszeit, zu setzen. Leider muss ich aber sagen, dass, auch wenn ich die Inszenierung mit Interesse verfolgte, ich die musikalische Gestaltung für eine Shakespeare-Adaption viel zu harmlos und im wahrsten Sinne zu bieder, langweilig und ohne emotionale Spitzen empfand. Sie wurde meiner Meinung nach, nicht den derben Sprüchen, sexuellen Anspielungen und intelligenten Frauen und Wortwitzen des Originals gerecht. Aber Nicolai ist eben auch nur ein Kind seiner Zeit. In die heutige Zeit passt diese Inszenierung nicht mehr. Das Original bietet einfach so viel mehr Potential, das hier nicht ausgeschöpft wurde. Alle Künstler präsentierten ihre Rollen authentisch und mit wahnsinnig viel Energie. Mit besonderer Bewunderung verfolgte ich Frau Fluths Darstellung und starkem Gesang, sowie Sir John Falstaffs überzeugender fülliger Umsetzung. Schlussendlich empfehle ich die Oper aber dringend weiter, da ich sie trotz der langen Spielzeit als kurzweilig empfand, man viel über die Biedermeierzeit lernt, ein fantastisches Orchester, Bühnenbild und großartig sympathische Künstler auf der Bühne sieht. All diese Komponenten verhalfen mir, dass aus diesem harmlosen Lustspiel insgesamt ein gelungener Start in die neue Spielzeit wurde.

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Jessica Gerhold
Gymnasiallehrerin
Jessica Gerhold ist gebürtige Duisburgerin und arbeitet als Gymnasiallehrerin. Von jeher hat sie sich für das Theater interessiert.  Bei ihrer Berufung zum Opernscout war sie eher skeptisch, ob sich ihre bisher eher distanzierte Haltung zu Oper und Ballett verändern würde. Nach ihrer ersten Spielzeit sind die Zweifel verflogen. Sie ist stolz auf das, was in ihrer Heimatstadt geleistet wird und hofft, dass sich zukünftig viel mehr Menschen von der Leistung der Künstler live faszinieren lassen.