Defilee des Tanzes – in sechs Gruppen zum Kennen- und Liebenlernen

Michael Langenberger über die Premiere „A First Date“

Poah – war das ein Einstand des neuen Ballettdirektors und Chefchoreographen Demis Volpi – großartig!

Mit einer um ca. 2/3 erneuerten, jungen und tänzerisch neugierigen Compagnie und unter strengen Regeln seinen schöpferischen Einstand zu geben, war sicherlich eine Herausforderung der Extraklasse für Demis Volpi. Doch konzeptionell geschickt geplant, um die individuelle Bandbreite der tänzerischen Qualitäten zu präsentieren, gab es dieses Jahr eine Premiere an drei aufeinanderfolgenden Abenden. Coronabedingt wurde das Ensemble in sechs Gruppen á 6-8 Tänzer*innen aufgeteilt, um sich im Fall einer Infektion eines Einzelnen, nicht gegenseitig anzustecken. Diese Gruppen durften sich weder in den Proben noch bei den Aufführungen begegnen. 

Je Abend stellten sich also zwei Gruppen tänzerisch vor. Um sich, wie gesagt, auf der Bühne nicht zu begegnen und die Bühne zwischen beiden Auftritten zu reinigen, wird in dieser Zeit das Publikum mit einem Film unterhalten, in dem einige Mitglieder der Compagnie über ihre Motive zu ihrem Engagement in Düsseldorf berichten. Zum Teil sehr junge Leute mit Tatendrang und Liebe zur Bewegung, tiefen Überzeugungen über den Wert und die Wichtigkeit der Körpersprache. Diese Einspielfilme geben dem Zuschauer einen berührenden und tiefen Einblick in die Seelen der Tänzer und deren Tanz. Danach fühlt man sich als Zuschauer ein bisschen an “Der kleine Prinz” von Antoine de Saint-Exupéry erinnert – “…Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar….”

Der Einsatz und die Hingabe, mit der sich die Akteure bewegen, bekommt dadurch eine andere, ganz neue Qualität. Man sieht die Akteure nicht einfach nur tanzen, sondern verbindet Ihre tänzerische Darbietung und den Enthusiasmus mit den Tiefen Ihrer Überzeugungen. Ein völlig neues Zuschauererlebnis.

Die große Leistung von Demis Volpi besteht meiner Meinung nach nicht nur in der Vielfalt und Verschiedenheit der Choreographien, sondern eben insbesondere auch darin, stets die beste Besetzung zu liefern. Überhaupt wird uns eine enorme Bandbreite geboten. Von klassischem Ballett über zeitgenössischen Tanz – was mich an Stücke von Martha Graham erinnert – bis hin zu Tanztheater.

Demis Volpi traut seinen Tänzern einiges zu, fordert sie heraus, führt sie an ihre Grenzen. Hier und da gehen schon mal Synchronitäten verloren oder ein*e Akteur*in verliebt sich in eine Bewegung, dass kurz der Anschluss zur Gruppe hakt. Doch es ist die Begeisterung, wieder auftreten zu dürfen, die da spürbar über die Ufer schwappt und nicht das Bedürfnis nach Selbstdarstellung.

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

Ausgezeichnete Stimmen, lebendig und mitreißend

Dagmar Ohlwein über die Premiere „Comedian Harmonists in Concert“

Abgesehen von der überaus großen Freude endlich wieder einer Theateraufführung beiwohnen zu dürfen, hat mir der Abend mit den Comedian Harmonists in Concert sehr gut gefallen.
Wie die Musik im nachkriegsbewegten Berlin der 20er Jahre die Menschen leicht, frech und unbeschwert unterhalten konnte, so empfand ich die Aufführung auch in der besonderen Atmosphäre unseres Theaters in der Corona-Edition, großartig, sehr gelungen und unterhaltsam.

Der lang anhaltende Applaus, den die Protagonisten überaus dankbar aufnahmen, bestätigte meinen persönlichen Eindruck.
Mit dem allseits bekannten Ohrwurm: „Wochenend und Sonnenschein“ traten die Künstler auf die Bühne. Eher nüchtern war das Bühnenbild.

Patrick Francis Chestnut, der musikalische Leiter für dieses Ensemblestück, am Piano als Erwin; mit dem zulässigen Abstand die fünf Sänger der Comedian Harmonists, gekleidet in der für die damalige Zeit üblichen Weise des Varietés mit elegantem Frack, Fliege, Lackschuhen. Es folgten, durch die Moderation von Dirk Weiler jeweils unterbrochen, weitere 14 launige Stücke aus dem Repertoire der Comedians. Die ausgezeichneten Stimmen von Cornel Frey als Ari, Luis Fernando Piedra als Erich, Florian Simson als Roman, Günes Gürle als Robert und Dimitri Vargin als Roman ließen die Stimmung, die beim Vortragen von „Ein Freund, ein guter Freund“ u.a. entsteht, sehr lebendig und mitreißend werden.

Pointenreich und humorvoll waren die kleinen tänzerischen Choreographien der fünf Sänger. Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass das Einstudieren mit Abstandsregeln eine große Herausforderung darstellt.
Ich kann die Aufführung sehr empfehlen. Sehr dazu beigetragen hat die durchaus passende, ausgezeichnete Moderation von Dirk Weiler. Durch seine Erläuterungen wie die Comedians zu dem Ruhm, der Anerkennung, die sie weltweit genossen, und letztlich der Entwicklungen, die zu ihrem Zerfall führten, wurde mir ihre Aktualität und Berühmtheit bis heute noch einmal deutlich gemacht. Die Leichtigkeit, das Humorvolle und die Harmonie der Lieder der Comedians trägt nach meinem Empfinden immer ein wenig Melancholie mit sich.

Dieser Premierenabend über 1 1/4h intensiven Eintauchens in die Musik der 20er Jahre verstand es, das dem Publikum nahe zu bringen.

Dagmar Ohlwein
Rentnerin

Die Physiotherapeutin im Ruhestand nimmt sich Zeit für Kultur. Als Jugendliche lebte sie „direkt um die Ecke“ des Theaters Duisburg und hatte so schon immer viel Kontakt zur Kunst. Sie ist sehr gespannt auf das zweite Jahr als Duisburger Opern- und Ballettscout und freut sich auf die Saison 2020/21.

„Es ist die Eifersucht. Die Gewalt der Liebe“

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Karolina Wais über die Premiere von „Alcina“

Es gibt ihn, es gibt tatsächlich diesen Augenblick in der Oper, der einen zu Tränen rühren kann. Ich habe ihn an diesem Abend erlebt.

Es ist der Moment am Ende des zweiten Aktes als sich die Bühne teilt.
Ein übergroßer Schatten Alcinas wird auf die Bühne projiziert. Alcina singt zerrissenen Herzens ihre jüngere und die ältere Version herbei.
Es wird mir bewusst, dass ich mich in Augenblicken voller Verzweiflung oft an meine Kindheit erinnere, um mich darauf zu besinnen, was mir in schwierigen Situationen Halt gegeben hat.
Gleichzeitig denke ich an mein zukünftiges, weiseres Ich, welches sich über die Vergänglichkeit dieser Augenblicke bewusst ist.

Dann legt sich die junge Alcina in der Embryonalstellung hin, die gegenwärtige Alcina tut es ihr nach. Sie verschmelzen förmlich in einer Umarmung. Der Körper erinnert die Psyche an die Zeit, zu welcher alle Bedürfnisse erfüllt sind, die Zeit im Bauch der Mutter.
Der Mensch ist hier geschützt, umarmt, gewogen, unbeschwert, geliebt…
So kann man sich über die Verzweiflung erheben.

Eigentlich wäre meine Rezension jetzt fertig, ich möchte aber noch erwähnen wie beeindruckend ich das Bühnenbild fand.
Es hat raffiniert, durch den perspektivischen Einsatz von mehreren Balkenelementen und Lichteffekten, eine Insel angedeutet. Ich hatte den Eindruck, hinter dem Bühnenbild fängt das Meer an.

Die Inszenierung tragen vier Frauen als Hauptrollen, sie sind hervorragend.
Maria Kataeva (Ruggiero) spielt authentisch ihre männliche Rolle.
Shira Patchornik, die Zweitbesetzung an diesem Abend singt/spielt voller Leichtigkeit und Anmut. Ich schaue und höre ihr gerne zu.
Jacquelyn Wagner (Alcina) und Wallis Giunta (Bradamante) können mithalten und sorgen für einen mich sehr berührenden Abend.
Vielen Dank dafür.

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Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich nun mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre erste Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett näher kennenzulernen.

Zauber der Klänge

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Benedikt Stahl über die Premiere von „Alcina“

In Erinnerung an die wunderbare Alcina-Premiere gehe ich nochmal der Frage nach, was mich daran am meisten beeindruckt hat und lande immer wieder vor allem bei der zauberhaften Musik.

Warum, so frage ich mich, ist das Zusammenspiel von Stimmen und Instrumenten, das Erzählerische, Herzergreifende, Warme, hier so einzigartig faszinierend.
Ein Gespräch mit meinem Bruder Marcus, der sich seit Jahrzehnten als Instrumentenbauer mit dem Zauber alter Klänge beschäftigt, liefert Erhellendes. Sofort kommt er ins Schwärmen und begründet dieses Phänomen unter anderem damit, dass die alten Instrumente der menschlichen Stimme so nah seien.
Ihre breit angelegten Klangfarben, so meint er, gingen mit ihrem Leuchten bis unter die Haut, ihre Transparenz sei deutlich höher und durchscheinender als bei neuen Instrumenten und je nachdem wer diese Musik singt oder spielt, wären die darin verborgenen Emotionen so unmittelbar zu spüren, dass einem mitunter der Atem weg bleibe.

Wie wahr! Das kann ich sehr gut nachempfinden und beschreibt meine Bewegtheit an diesem Abend (und danach) sehr zutreffend.
Vor allem die vier weiblichen Hauptpersonen Jaquelyn Wagner (Alcina), Maria Kataeva (Ruggiero), Shira Patchornik (Morgana) und Wallis Giunta (Bradamante) schaffen es mit ihren Arien und im Zusammenspiel mit dem grandiosen Orchester der neuen Düsseldorfer Hofmusik unter der Leitung von Axel Kober, tiefste Empfindungen zu berühren.
Das muss man gehört und erlebt haben!

Darüber hinaus gelingt der niederländischen Regisseurin Lotte de Beer eine Inszenierung, die das Programm der Düsseldorfer Oper wirklich bereichert.
Die Ideen für Bühne, Licht und Farben fallen für mich persönlich zwar ein bisschen zu üppig und ausladend aus, schaffen es aber dennoch sehr eindrücklich, die Erzählung stimmungsreich zu pointieren.
Das Spiel mit der sich stetig verändernden räumlichen Tiefe nimmt (trotz der etwas wackligen Bühnenkonstruktion) den Zuschauer tatsächlich mit auf eine Insel der Liebe, die dort all ihre Untiefen auszubreiten vermag und am Ende ist man doch irgendwie erleichtert, dass alles nur ein Spiel war. Oder?

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Benedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit. Wenn in einer Inszenierung alle komponenten gut zusammenkommen dann entsteht „ein großes Kunstwerk“ und in der Deutschen Oper am Rhein ist „immer was für einen dabei“. Besonders gefällt ihm die Vielseitigkeit von Oper und Ballett.

 

 

Alte Musik 2.0

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Markus Wendel über die Premiere von „Alcina“

Es ist schon etwas Besonderes, wenn musikalische Stücke unglaublichen Alters zur Aufführung kommen.
Ich finde, es geht mit einem besonderen Zauber einher, wenn es dunkel wird im Theatersaal und Musik erklingt wie bereits vor fast dreihundert Jahren. Und so hatte ich in den ersten Minuten der vergangenen Premiere die Augen geschlossen. Um dies zu spüren, um dies als Fenster zu nutzen in eine längst vergangene Zeit.

Die Handlung ist völlig kompliziert. Auch unter Zuhilfenahme von Programmheft, Einführung und Übertiteln habe ich das verworrene Verwechslungs-Spiel nicht verstanden.

Szenisch bietet die Bühne mit ihrer extremen Perspektive einige spannende Möglichkeiten.
Das Bild wird im Verlauf erst fragmentiert und verschoben, am Ende dekonstruiert und aufgelöst. Wirklich gut ergänzt sich die ästhetisch-dunkle Lounge-Atmosphäre der Bühne mit dem Regiekonzept.
Durch Dopplungen von Personen und Handlungssträngen wird das Verwirrspiel in Bilder gerückt, die mich auch in den Tagen nach der Premiere noch beschäftigen. Bravo!

Eine große Überraschung für mich ist die Neue Düsseldorfer Hofmusik.
Alte Musik ist wirklich nicht meins, und bei einer Spielzeit von fast drei Stunden (und das ist schon gekürzt) echt fordernd. Aber an dieser Stelle verbinden sich zwei Dinge auf ganz wunderbare Weise.
Zum einen ist da die akzentuierte Instrumentierung. Bis zum Ende treten immer neue Variationen von Instrumenten in den Vordergrund und schaffen eine Vielzahl musikalischer Stimmungen.
Zum anderen verleiht Axel Kober der Musik eine Frische und Modernität, die den Staub der Jahrhunderte mit scheinbarer Leichtigkeit hinfort zu pusten vermag.

Gesanglich möchte ich kein Urteil abgeben, dafür habe ich bislang zu wenig alte Musik gehört.
Großartig finde ich in jedem Fall die israelische Sopranistin Shira Patchornik in der Rolle der Morgana.

Am Ende ist „Alcina“ wahrscheinlich das anstrengendste Stück, dass ich an der Deutschen Oper am Rhein gesehen habe.
Dennoch empfinde ich es als Bereicherung, und allen Freunden der alten Musik möchte ich es empfehlen.

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Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“. Überrascht war er davon, dass die Ballettinszenierungen 2018/19 ihn sogar mehr faszinierten als die Operninszenierungen.

Alcina – love is all you need

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Charlotte Kaup über „Alcina“

Alcina – love is all you need
So scheint es zumindest an diesem Abend in der Oper am Rhein. In der Barockoper von Georg Friedrich Händel dreht sich alles um Liebe, Eifersucht, Liebe, Hass, Liebe, Betrug und, achso – hatte ich Liebe erwähnt?

Der etwa dreistündige Opernabend sticht in vielerlei Hinsicht positiv hervor und verzaubert durch seine wunderbaren und historisch anmutenden Klänge der Neuen Düsseldorfer Hofmusik.
Zusätzlich zu bestaunen sind vier hervorragende Sängerinnen in den Hauptrollen, allen voran Jaquelyn Wagner, welche durch ihre Stimme und auch dank ihrer Präsenz eine imposante Alcina verkörpert und Wallis Giunta als Bradamante, die mit ihrem Schauspiel große Lebendigkeit auf die Bühne bringt.
Zentral ist außerdem ein raffiniertes Bühnenbild, welches die Handlung sehr klar untermalt und gleich in der Anfangsszene mit der Musik zu verschmelzen scheint. Üppig, floral und organisch beginnend, bis hin zu einer kühlen geometrischen Dekonstruktion.

In den zweieinhalb Stunden zwischen diesen spektakulären Endpunkten spielt sich jedoch eine für mich etwas quälend elongierte Handlung ab. Getrieben von vordergründiger Liebe, falschen Schwüren und dem wiederholten Missverständnis, bleibt das Stück im anscheinend zeitlosen Sumpf zwischenmenschlicher Seichtigkeit stecken.
Wenngleich in dieser Interpretation die Frauen in der dominanten Rolle auftreten, hängt deren Erfüllung scheinbar davon ab, geliebt zu werden und Macht auszuüben.
Am Ende wird der Narzissmus, die Machtgier zu Einsamkeit und Abhängigkeit.

Positiv zu erwähnen sind in jedem Fall die Statisten, welchen in der Gruppe eine durchaus tragende Rolle als stummes Gegengewicht zu Alcina bilden.
Mal in witzigen, mal bedrückenden Passagen erweitern sie das Stück um eine starke symbolische Bildsprache.

Thematisch sind die Grenzen des Stückes wohl vor fast 300 Jahren gesetzt worden.
Der Rest ist eine sehr sehenswerte, erfrischend andere und grandios inszenierte, gespielte und vertonte Oper.

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Charlotte Kaup
Ärztin in der Radiologie

Vor kurzem hat die junge Ärztin eine Stelle in Mönchen Gladbach angetreten. Vorher arbeitete sie einige Jahre als Ballettlehrerin beim Hochschulsport. Sie ist Regelmäßige Besucherin der Ballettinszenierungen der Deutschen Oper am Rhein und ist sehr begeistert von der Vielfalt des Repertoires.
Bezüglich der Oper ist sie ein Neuling, möchte dies aber gerne ändern und freut sich deshalb auf ihre Zeit als Scout und die Möglichkeit sich mit Opernliebhabern

Wer sich etwas wirklich Besonderes gönnen will…

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Michael Langenberger über die Premiere von „Alcina“

Premiere von “Alcina”. Ein großartiger, ein besonderer Abend. Besonders nicht nur weil es sich um eine Barockoper handelt, ein Genre, was nicht so oft auf dem Spielplan steht. Besonders auch wegen der vorzüglichen Besetzung aller Positionen vor, auf und hinter der Bühne.
Und großartig, weil Regisseurin Lotte de Beer, als Frau, am Ende eben auch eine denkbare Auflösung eines intriganten Machtspiels von Frauen an Männern anbietet, was man einem Mann wahrscheinlich so nicht hätte durchgehen lassen.
So schafft Lotte de Beer mit einer Oper aus dem Jahr 1735, ohne Stilbruch, eine Inszenierung, die Top modern in die heutige Zeit passt und dabei gleichzeitig sehr werktreu ist. G. F. Händel wäre begeistert gewesen! Ich war es auf jeden Fall.

Die Ouvertüre erklingt – kraftvoll, geradezu spritzig, vorgetragen von der “Neuen Düsseldorfer Hofmusik“ unter Generalmusikdirektor Axel Kober.
Klingt gar nicht alt, obwohl auf Original Barockinstrumenten gespielt. Mehr Klang, mehr Sicht auf die virtuosen Akteure für das Publikum, weil die Musiker aus einem erhöhten Orchestergraben heraus spielen. Die Musiker selbst haben so selbst auch mit Blickkontakt zur Bühne. Jeder Einsatz sitzt.
Überhaupt, das Klangvergnügen aller Sängerinnen und Sänger wirkt fragil. Im Zusammenspiel mit dem Orchester, ausbalanciert. Insgesamt eher ein Werk der leiseren Töne und trotzdem dynamisch.
Die Akteure auf der Bühne geben alles, mit ihren Stimmen und schauspielerischen Qualitäten. Mir fällt es schwer, da jemanden besonders hervorzuheben.

Einzig das Kostüm der Alcina hat man m.E. unvorteilhaft ausgesucht.
Mit bedeckten Schultern und Schuhen mit niedrigeren Absätzen, hätte Alcina noch besser ins Gesamtbild gepasst; eine unwesentliche Kleinigkeit sicherlich, doch vielleicht das “i”-Tüpfelchen.

Genial finde ich auch das Bühnenbild, aus äußerst wandlungsfähigen “Inseln” mit Pergola ähnlichen 3-D-Gestellen in Fluchtpunktperspektive, die der Bühne verschiedenste Impressionen und damit dem Schauspielerischen wertvolle Unterstützung liefert.
Im Zusammenspiel mit unglaublich wirkungsvollen Beleuchtungseffekten und zusätzlichen Bildprojektionen, entsteht ein wahrer Zauber für die Augen.

Besonders pfiffig ist, wie gesagt, Lotte de Beers Idee, durch wortlose Spielszenen der Statisten, eine psychologische Auflösung von Alcinas Irrweg dem Zuschauer als zusätzliche Handlung in der eigentlichen Story der Oper anzubieten.
Das tolle daran, dem Zuschauer erschließt sich diese eingeschlossene Handlung erst gegen Ende der Oper.

Ich fand es eine der insgesamt vollkommensten Operninszenierungen, die ich je gesehen habe.

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Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

Feierlich und befremdlich

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Sassa von Roehl über die Premiere von „Alcina“

Höre ich Georg Friedrich Händels Musik, erfasst mich ein feierliches, erhabenes Gefühl. So ging es mir auch schon bei den ersten Klängen von Händels 1735 in London uraufgeführten Oper Alcina.
Besonders die weichen Töne der historischen Instrumente der Neuen Düsseldorfer Hofmusik, dirigiert von Axel Kober lösten eine wunderbare Festlichkeit in mir aus.
Die sich langsam aus anfänglichen Lichtpunkten bildende üppige Blütenpracht stimmte mich auf die an Flora und Fauna reiche Zauber-Insel der Alcina ein. Umso mehr war ich enttäuscht, als sich der Vorhang hob und ich mich der profanen Welt einer Ferienclub-Atmosphäre gegenüber sah.
Die Bar am Pool eines Urlaubsressorts passte für mich so gar nicht zur romantischen Musik Händels und den herrlichen Stimmen der Sängerinnen. Ich hätte mit einer reduzierten Bühne gerne mehr Spielraum für meine Phantasie gehabt. Als die Drinks sogar noch zu Händels aufregenden Rhythmen „geshaked“ wurden, war mir die Diskrepanz zu krass.
Später, als das Reich Alcinas unterging und alles leer und öd wurde, konnte ich mich wieder mit dem Bühnenbild versöhnen und mit der verlassenen, desillusionierten Zauberin mit verlaufender Wimperntusche richtig mitleiden.
Auch die Darstellung der gealterten Alcina am Ende der Oper fand ich grandios, die der verzauberten Liebhaber einfallsreich

Neben der herrlichen Musik beeindruckten mich vor allem die vier Sängerinnen.
Allen voran die eingesprungene Shira Patchornik als Alcinas Schwester Morgana.
Die wunderbare Arie „verdi prati“,  gesungen von Maria Kataeva brachten mich an den Rand der Tränen. Sie ist für mich der Höhepunkt der gesamten Oper. Die klangliche Exzellenz und Vielfalt trugen mich ohne Weiteres über das für mich nicht immer stimmige Bühnenbild hinweg.
So ging ich erfüllt von einem denkwürdigen Musikerlebnis und dem professionellen und mitreißenden Können der Künstlerinnen nach Hause. Ich möchte dieses Erlebnis eines aufregenden Liebesreigens zum Valentinstag 2020 nicht missen und werde mich sicherlich immer sehr positiv daran erinnern.

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Dr. Sassa von Roehl
Social Campaining / Dozentin an der Heinrich-Heine-Universität

Dr. Sassa von Roehl engagiert sich für Zivilcourage und berät Gemeinnützige Projekte im Bereich PR. Als kulturinteressierte besucht sie oft das Theater Duisburg. Sie ist großer Martin Schläpfer Fan, im Bereich Oper allerdings eher ein „interessierter Neuling“. Gespannt startet sie nun in ihre erste Spielzeit als Scout für Oper und Ballett in Düsseldorf.

Schluss mit den Vorurteilen!!!

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Stefanie Hüber über die Premiere von „Alcina“

Richtig gefreut hatte ich mich auf „ Alcina“ nicht, da ich mir eine barocke Oper nicht wirklich spannend vorstellen konnte.
Barocke Musik empfinde ich als langweilig, und ehrlich gesagt, wusste ich ,bevor ich mich jetzt mit diesem Thema auseinandersetzte, gar nicht dass es soooo viele Barockopern gibt, allein von Händel um die 60!!!

Um so toller war dann der Abend:
Zunächst mal dieses Superorchester. Eine interessante Besetzung, die ich so nicht kannte und deren Instrumente mir nicht alle bekannt waren.
Da gab es noch die gute alte Blockflöte als Vorstufe zu der bis dahin noch nicht erfundenen Klarinette. Insgesamt empfand ich das komplette Instrumentenspiel von der Intonation und Dynamik her als nahezu perfekt.
Die Musik war für mich unerwartet dramatisch und dynamisch und unterstützte dadurch die Handlung, damit hätte ich, wie vorher schon zugegeben, nie gerechnet.
Es gab wunderbare Arien, von allen Sängern wunderschön vorgetragen, wobei mir persönlich Alcinas Gesang (Jacqueline Wagner) am besten gefiel.
Die Bühneninstallation war großartig, sie ließ ohne große Umbauten viele unterschiedliche Varianten zu, und auch Beleuchtung und Mobiliar passten perfekt dazu.
Zeitlich empfand ich die Inszenierung als eine Mischung aus den 20er und 50er Jahren. Ein bisschen Great Gatsby-Athmo (Alkohol,Sex und sinnlos die Zeit totschlagen) kombiniert mit dem Gesellschaftsbild der 50er.
Zwar war Alcina die männerfressende Amazone, doch die anderen Frauen auf der Insel waren doch eher sehr angepasst und trugen Petticoats und Frisuren aus jener Zeit, als Frauen vorrangig hübsches Beiwerk zu sein hatten.
Super gefallen hat mir die Szene von Bradamantes Verwandlung von Mann zu Frau, wie sie ihre Mütze auszieht und die lange rothaarige Mähne schüttelt, könnte man glatt zur Shampooreklame umfungieren!!!
Zu langweilig empfand ich die Darstellung von Alcina als alte Frau.
Nachdem ich endlich geschnallt hab, wer das sein soll, hätte ich mehr erwartet, vielleicht dass sie als offensichtlich verhärmter und vielleicht auch ausgemergelter dargestellt worden wäre.

Alles in allem war es ein berauschender Opernabend, und ich bin sicher ,dass ich durch diese positive Überraschung demnächst offener für neue Erlebnisse sein werde, Schluss mit den Vorurteilen!!!

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Stefanie Hüber
Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin arbeitet überwiegend mit psychisch kranken Menschen und nutzt Musik als Mittel der Therapie. Sie sang im Kammerchor und lernte als Kind Klavier und Blockflöte zu spielen.
Die Oper wurde ihr als Kind von ihren Eltern „vermiest“ aber sie fand einen neuen Zugang zu ihr durch ihre Tochter, die Musik studierte. Inzwischen ist die Oper ebenso wie Rockkonzerte ein spannendes und regelmäßiges Highlight in ihrem Leben.

Absolut sehenswert!

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Christiane Hain über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Charles Gounods Oper über Shakespeares Romeo et Juliette  ist eine sehens- und hörenswerte Oper,  die leider viel zu selten auf dem Spielplan steht.
Musikalisch wieder hervorragend von den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Marie Jacquot umgesetzt.
Erwähnenswert ist auch wieder einmal der Chor der deutschen Oper am Rhein, der in dieser Oper eine tragend Rolle spielen und singen durfte.

Der junge Regisseur Philipp Westerbarkei legt dieses Stück auf einen Marktplatz in Verona, ein sparsames Bühnenbild, ein schwarzer Kubus mit vielen Stühlen und einen Berg, der bei der Trauung von Romeo und Juliette eine wichtige Rolle spielt, aber schwierig zu bespielen ist.
Dagegen beeindruckend ist das Bühnenbild durch das Lichtspiel eines übergroßen Kreuzes um im letzten Akt die Kirche darzustellen.
Schön auch die Idee das Hochzeitskleid von Juliette aus der vermeintlichen Leiche von Tybalt zu ziehen und den toten Tybalt in der letzten Szene als dämonischer Geist auferstehen und agieren zu lassen. Ein genialer Einfall von Westerbarkei.
Schwierig ist dagegen die Rolle des jungen Liebespaares zu verstehen.
Das junge Mädchen trägt dasselbe silberne Glitzerkleid wie Juliette. So erkennt man den Bezug zu Romeo und Juliette, aber der Sinn erschließt sich mir nicht. Zumal die beiden in den letzten Szenen gar nicht mehr auftreten. Was ist also deren Rolle?

Insbesondere beeindrucken die schauspielerische Leistung der  Sänger, die intensive Ausprägung der Charaktere und das Halten der interaktive Spannung über das ganze Stück hinweg.
Westerbarkei versteht es eine Geschichte auf die Bühne zu bringen.
Sängerisch herausragend sind Sylvia Hamvasi als Juliette und Miriam Albano als Stephano, die so frisch spielt und singt. Eigentlich ist die Rolle für sie zu klein.

Was werden ich meinen Freunden über den Abend erzählen:  Absolut sehenswert!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Christiane Hain
Application Managerin

Christiane Hain arbeitet im IT-Bereich einer Bank in Düsseldorf. Sie ist in der Neckarstraße Duisburg aufgewachsen – in Sichtweise des Theaters, das ein fester Bestandteil im Familienleben war: Die Großmutter, die Eltern, die Schwester und sie selbst – alle waren regelmäßige Theaterbesucher. Ihre Tätigkeit als Opernscout führt dazu, dass sie wieder bewusster ins Theater geht und die Aufführungen als einen wichtigen Ausgleich zum Berufsleben betrachtet.

Das Epizentrum der Female Power

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Sandra Christmann über die Premiere von „Alcina“

Dass ausgerechnet barocke Musik, Georg Friedrich Händel, mir den bisher süßesten Abend meiner Opernscoutära beschert, war nicht absehbar, aber umso erfreulicher. Ein wunderbarer Abend.
Die Musik, neue Düsseldorfer Hofmusik – oh mein Gott – Künstler! Und der Herr Kober ist ein absoluter Rockstar!!! Das habe ich nicht erwartet.
Man kann sich in der Musik über Stunden verlieren, würde dort nicht fesselndes Drama den Ton angeben.

Denn:
Lotte de Beer (für mich): ein Ausnahmetalent.
Was ist da los, dass sie eine solch unfassbar präzise, grandiose Inszenierung so auf die Bühne bringt, dass wir Gäste mit ungebrochener Konzentration, Dauergänsehaut, Wohlgefühl, Freude und Respekt diesen Abend als Geschenk entgegennehmen.
Ladies Power  of the very finest.

Shira Patchornik als Morgana
Wallis Giunta als Bradamante
Jacquelyn Wagner als Alcina
Maria Kataeva als Ruggiero

Wallis Giunta. Betörend für alle Sinne. Würde sie nicht auch noch so wunderbar singen, reichte es aus ihrem Spiel nur zuzusehen und sie anzustarren.
Keine der Sängerinnen steht der anderen nach, jede für sich kann sich der ungeteilten Aufmerksamkeit sicher sein.  Gesanglich war es Champagner.
Sie und Maria Kataeva in Männerrollen überzeugen kraftvoll und spielerisch, so glaubhaft, dass die Männer dieser Inszenierung verblassen.

Meines Erachtens liegt die wirklich hohe Kunst dieser Inszenierung aus allen Disziplinen das Beste vereint zu haben.
Das Bühnenbild ist absolut fantastisch – excellente Lichtregie – die Kostüme auf den Punkt. Keine Längen! Dramaturgisch eine Meisterleistung.

Nicht alles hat sich mir in der Handlung erschlossen, was nicht an der Darstellung, sondern definitiv an mir lag. Aber die Liebeswirren, die Intriganz, das Begehren, die Ohnmacht, den Kampf, die Leidenschaft habe ich gefühlt.
Das alles auf Italienisch, der Sprache der Liebe. Sono grata.

PERFETTO! MUST SEE!

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Sandra Christmann
Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf und die Kunst. Sie engagiert sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben ihrer Arbeit engagiert sie sich für diverse Hilfsprojekte.
Sie liebt das Ballett und besuchte „just for fun“ manchmal die Oper, nun will sie „auch nach ihrer Zeit als Opernscout der Oper treu bleiben“.

Langweilige Barockoper? Musik- und Bühnengenuss!!

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Hubert Kolb über die Premiere von „Alcina“

Manchmal etwas anspruchsvoll und vermutlich langweilig, so hatte ich mir Opern von Händel vorgestellt. Immerhin hat er über fünfzig Opern komponiert, immer mit Blick auf kommerziellen Erfolg in London.
Welche Überraschung war dann der genussvolle Abend in der Oper am Rhein!

Drei Punkte waren hierfür verantwortlich:

  1. Als Klangkörper diente die Neue Düsseldorfer Hofmusik, welche auf alten oder nachgebauten Instrumenten im halb hochgehobenen Orchestergraben spielte. Dirigent GMD Axel Kober erreichte ein technisch und musikalisch hohes Niveau. Instrumentalmusik und Gesang waren eine bemerkenswerte Einheit, mit angenehmer Dynamik.
  2. Die Stimmen der vier weiblichen Hauptpersonen waren in der Klangfarbe gut auf einander abgestimmt, Gesang und Spiel auf der Bühne waren eindrucksvoll. Bemerkenswert war dabei die Leistung der aus Wiesbaden aus Krankheitsgründen eingesprungenen israelischen Sopranistin Shira Patchornik in der Rolle der Morgana.
    Passend zur Rolle der Inselherrscherin Alcina hatte Jacquelyn Wagner eine dominante Präsenz auf der Bühne.
    „Unsere“ Maria Kataeva spielte die Hosenrolle des Ruggiero perfekt.
    Wallis Giunta als Bradamante war ebenfalls überzeugend, mit enormer körperlicher Lebendigkeit.
    Die beiden Solisten für die „echten“ Männer waren nicht so gut gewählt.
    Und es gab so viele melancholisch-schöne Arien der Sängerinnen, mit barockgemäßer Wiederholung der unerwartet eingängigen Melodien.
    Dass an einigen Stellen gekürzt wurde, war dennoch gut.
  3. Die Inszenierung, die Bühne, die Kostüme, das Licht und die Personenregie waren eine gelungene Gesamtkomposition.
    Das Geschehen um die Zauberin Alcina, welche Männer zu ihrem Eigengenuss verhext und später durch deren Verwandlung in Tiere oder Steine loswird, wurde in die heutige Zeit transponiert, etwas „me too“ anders herum.
    Die Bühne wirkte wie ein Wellness-Resort auf einer Insel.
    Nach dem Bruch des Zaubers und dem Happy-End für Alcinas Opfer (aber nicht für sie selbst), verwandelte sich alles in eine kahle Umwelt.
    Der Paradiesgarten, die Kostüme und das schöne Licht waren nur Genuss-orientierte Zauberei.

Fazit: Die Inszenierung von Lotte de Beer und die musikalische Interpretation durch Axel Kober gaben dieser Oper etwas schwungvoll Modernes. Dazu kam der Genuss herrlicher barocker Arien im großartigen Zusammenspiel mit dem Barockorchester. Langer Beifall, der in Standing Ovations mündete.

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Dr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.

Eine musikalisch-lyrische Zeitreise

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Annette Hausmann über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Mit dem ersten Auftakt der dramatischen Oper „Roméo et Juliette“, die Charles Gounod 1867 auf der Grundlage von Shakespeares gleichnamiger und weltbekannter Tragödie schuf, begebe ich mich auf eine musikalisch-lyrische Zeitreise quer durch Europa.
Als „Reiseführer“ hätte kein Geeigneterer als der Regisseur Philipp Westerbarkei ausgewählt werden können.
Tiefsinnig und mit der nötigen Portion Provokation ist ihm die Adaption seiner Operninszenierung in die heutige Zeit perfekt gelungen.

Der Vorhang hebt sich und gleich zu Beginn erwartet einen eine Bühnenkulisse, die wenig südländischen Flair „versprüht“ und nur mit viel Phantasie eine italienische Piazza erkennen lässt. Der Bühnenboden ist mit einer Folie überzogen, die Assoziationen von „Glanz und Gloria“, „Kälte und Glätte“ hervorruft und in der sich alle Bewegungshandlungen der Protagonisten widerspiegeln.
Am Ende der Bühne, auf der sich übereinander gestapelte Stühle befinden, ragt ein riesiger Felsen mit einer beleuchteten Madonna hervor.
Schnell wird dieser düster wirkende Bühnenraum durch die hervorragenden Stimmen und schauspielerischen Leistungen des Opernchors mit Leben und Volumen gefüllt.
In ihren bunten, glitzernden Kostümen verkörpern sie in Zeitlupe Macarena tanzend die vermeintlich lustige, ausgelassene Gesellschaft, die Capulet am Abend des Ferragostos anlässlich der bevorstehenden Hochzeit seiner Tochter Juliette mit Pâris zur Party eingeladen hat.
Inmitten dieses Treibens treffen Roméo und Juliette aufeinander und ihr Schicksal durch die gesellschaftliche Vergiftung nimmt schleichend seinen Lauf. Ausdrucksstark wird dies sinnbildlich durch die rauchende und Juliette kreisförmig umschließende Gesellschaft dargestellt.
Juliette, gesungen von Sylvia Hamvasi, strahlt nur äußerlich durch ihr silberfarbenes Glitzerkleid; innerlich sträubt sie sich gegen die gesellschaftlichen Zwänge.
In ihren anspruchsvollen Arien singt sie von ihrer ersehnten Freiheit und ihrem Wunsch, träumen und leben zu dürfen (-„Je veux vivre dans le rêve, qui m’enivre…“).
Sie bricht regelrecht aus ihrer Rolle aus, steigt auf immer höher aufeinander gestapelte Stühle und verleiht auf diese Weise ihrem Bestreben, „frei zu sein wie ein Vogel, der zum Himmel fliegt“, noch mehr Ausdruckskraft.
Für Roméo, solide dargestellt und gesungen von Gustavo de Gennaro, scheint Juliette von Anfang an unerreichbar zu sein.

Im Verlauf der Inszenierung wird das Bühnenbild (Tatjana Ivschina) und die Lichttechnik (Volker Weinhart) zunehmend beeindruckender.
Die quadratisch angeordnete Beleuchtung wird abgesenkt und erscheint wie ein abgegrenztes Lichtermeer oder gar Lichterlabyrinth, in dem Roméo und Juliette im unruhigen Schein der „süßen Nacht der Liebe“ ihre innige Verbundenheit besingen und gleichzeitig ihrer „Gedankenflut“ freien Lauf lassen. Einfach genial!
Gleichzeitig wird die Bühne zum Kirchenraum, in dem die Hochzeitszeremonie stattfindet, zu der ein gewaltiges Orgelpräludium erklingt und der Chor einen weiteren starken Auftritt hat, der „unter die Haut“ geht.
Parallel zum tragischen Ende der Oper hebt sich langsam ein Bühnenelement, unter dem „love is a losing game“ zu lesen ist. Anfänglich irritiert es mich, doch es entspricht genau Westerbarkeis Fazit von einer sich selbst und andere vergiftenden Gesellschaft, in der das „individuelle Glück“ und das „Andersdenken“ nicht akzeptiert wird, sodass nur der Freitod der einzige Ausweg zur ersehnten Freiheit ist.

Mit „Roméo et Juliette“ schafft Westerbarkei eine großartige, vielschichtige und sehenswerte Oper.
Dabei besitzt er den Mut, das Rädchen der traditionellen Operntragödie zeitgemäß weiterzudrehen, sodass die Geschichte von „Romeo und Julia“ weiterhin unsterblich bleibt.

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an einer Montessori-Grundschule in Duisburg-Bissingheim, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Der Austausch zwischen den Opernscouts schaffe „eine andere Wahrnehmung von Oper und Ballett“. In ihrer ersten Spielzeit begeistert sie ganz besonders  Martin Schläpfers Ballett „Schwanensee“: „Mit seiner Kraft und Ausdrucksstärke war es eine der genialsten Vorstellungen meines Lebens“.

Nicht nur für Shakespeare-Fans!

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Isabel Fedrizzi über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Die Liebesgeschichte von Romeo und Julia erzählt die wohl  berühmteste Tragödie der Literaturgeschichte… auch der französische Romantiker Charles Gounod hat sich des Sujets angenommen und das Libretto von Jules Barbier und Michel Carré als Grundlage für seine lyrische, dreistündige epische Oper gewählt.
Bei der Premiere in Duisburg war seine romantische Musik bei den hervorragenden Duisburger Philharmonikern in besten Händen – maßgeblich dafür verantwortlich war auch die neue erste Kapellmeisterin der Oper Marie Jacquot, unter deren wacher und engagierter musikalischer Leitung sich das Orchester in Bestform zeigte und den Facetten- und Farbenreichtum der Partitur wunderschön zum Klingen brachte.
Auch der Chor, der eine größere Rolle in der Oper spielte, glänzte mit epischen Chören und homogenem Ton.

Die Kulissen auf der Bühne, ein großer Felsen mit beleuchteter Madonnenfigur, erwiesen sich als wandelbar und einfallsreich. Mit wenigen aber effektiven Mitteln (Regen) und passenden Requisiten bot der Bühnenaufbau den Sängern einen ebenso passenden wie auch herausfordernden Hintergrund (auf Stuhlberge steigen, im Liegen und Bücken singen) für ihre dramatisch-tragische Geschichte.
Viel Atmosphäre schuf auch das oft fahle, schummrige Licht, das ebenso als Spiegelbild des „düsteren Innenlebens“ der Akteure wie auch als Nacht-Stimmung zu sehen sein konnte.
Die Regie der Oper führte Philipp Westerbarkei, ebenfalls an der Rheinoper mit La Bohème zu sehen.
Er taucht seine Love story in ein schrilles, zeitgenössisch geprägtes Licht: bunte Kostüme von Mini-Mode, leuchtfarbigen Anzügen  bis zu Glitzer- und Pailettenkleidern, Zigaretten rauchende Akteure sowie ein Macarena-tanzender Chor… assoziativ und mutig ist seine Herangehensweise in jedem Fall – passend oder stimmig erschien manches aber nicht.
Geteilter Meinung darf man vor allem über seine Quintessenz „LOVE IS A LOSING GAME“ sein, die am Ende der Oper als Leuchtschrift auf der Unterseite einer Wand erscheint, die ins Bühnenhaus hochgezogen wird… für mich kein schlüssiges Fazit der Aufführung.
Einen wesentlichen Bruch mit der Geschichte führt Philipp Westerbarkeit am Ende sowieso herbei: Juliette tötet sich nicht selbst, nachdem sie Roméos Sterben miterleben musste, sondern wird resigniert zu ihrer bevorstehenden „Zwangs-Hochzeit“ mit Paris getragen.
Hier gefiele mir eine Vorlagentreue besser… Die Sänger darf man loben: Sylvia Hamvasi als Juliette sang sich nach kleiner Anlaufphase gut in ihre Rolle hinein, überzeugte mit einer gut geführten Stimme bis in die Koloraturen hinein. Von ihrer lodernden Liebesglut zu Roméo konnte sie das Publikum allerdings weniger überzeugen.
Gustavo de Gennaro bot einen solide gesungenen und gespielten Roméo.
Vor allem aus musikalischer Sicht ein wirklich genussvoller Abend (denn Gounods üppiger romantischer und harmonieseliger Tonfall funktioniert im Ernstfall kurzzeitig auch mit geschlossenen Augen).
Trotz Meinungsverschiedenheiten über einzelne Regieideen ist diese Oper unbedingt lohnend – nicht nur für Shakespeare-Fans!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Isabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Nach den Premieren schätzt sie die Gespräche mit den anderen Scouts, die den eigenen Blickwinkel erweitern.

Kultverdächtig!

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Mila Langbehn über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Das Ende, das nehme ich gleich vorweg, das Ende finde ich richtig gut. Juliette will sich erdolchen, als ihr geliebter Roméo tot vor ihr liegt. Aber es kommt ganz anders: Ein starker Mann, Pâris, trägt sie von Roméo weg – zur Trauung!
Ich finde, das ist eine interessante Variante, die gute Denkanstöße gibt.

Leider ist der Rest der Inszenierung weniger erfreulich, denn leider wird an diesem Abend nicht nur Juliette zwangsvermählt.

Auf der einen Seite ist da die Oper von Charles Gounod.
Ich kannte Gounods Werke noch nicht und bin überrascht wie sehr er mich begeistert! Die neue Dirigentin, Marie Jacquot, hat diese Oper mit den Duisburger Philharmonikern großartig umgesetzt. Das ist Samt und Seide für die Ohren!
Ich bin hin und weg, wiege mich in Wohlklängen und genieße dank der Übersetzung in den Übertiteln feinste Lyrik der Extraklasse.
Die Stimmen der Solist*innen gefallen mir alle sehr.
Und der Chor! Gänsehaut pur.

Auf der anderen Seite ist da die Inszenierung von Westerbarkei.
Nun ja, für meine Ohren war’s wunderschön. Für meine Augen war’s schön, als der Schmerz nachließ.
Im Nachklang allerdings, da wurde mir klar: Das Stück ist schwer kultverdächtig!
Es enthält einfach alles, was ein echtes B-Movie ausmacht, das etwa 20 Jahre später Kult wird: billige Pappmaché-Kulissen (großer Felsen auf Rädern), Zaunpfähle, die nicht winken, sondern erschlagen (eine monströse Leuchtschrift), hölzerne Schauspielerei, einen Zombie (der Geist Tybalts), böse Beleuchtung in Liebesszenen (OP-Tisch-tauglich), übles Outfit (Julia in den ersten Akten), sinnlose Gewalt (zu den Morden musste noch eine Vergewaltigung mit rein), plumpe Kopien und peinliche Zitate … ja, und zwischendrin vereinzelt – quasi als das Salz in der Suppe – wirklich gute Szenen!

Diese unglaubliche Mischung, das muss ihm mal einer nachmachen, diesem Westerbarkei.
Das ist kultverdächtig!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Mila Langbehn
Landart-Künstlerin

Die selbstständige Landart-Künstlerin hat als Amateur-Tänzerin mit klassischer Ausbildung selbst öfter auf der Bühne gestanden. Heute beschäftigt sie sich mit Landschaftskunst. Kunstaustellungen. Beim Theatererlebnis fasziniert sie insbesondere das Zusammenspiel aus den verschiedenen Komponenten Musik, Kostüm, Bühnenbild und Gesang. Besuche im Theater sind für sie ein angenehmer Gegensatz zum alltäglichen Leben und aus den Vorstellungen zieht sie oft auch Inspiration und Vergleicht diese mit ihrer eigenen Arbeit.

Jugendlicher Leichtsinn und Übermut

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Jürgen Ingenhaag über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Shakespeares „Romeo und Julia“ als Musiktheater kenne ich nur als „Westside Story“ von Leonard Bernstein, deshalb freut es mich ganz besonders, an der Rheinoper Charles Gounods selten gespieltes Musikdrama „Roméo et Juliette“ erleben zu dürfen.
Philipp Westerbarkei inszeniert hier einen „Sommernachtsalbtraum“ mit der (nur aus dem Parkett heraus lesbaren) Schlusserkenntnis „love is a loosing game“.
Da lässt sich „too much love will kill you“ hinzufügen oder die große traurige Erkenntnis, dass es „keine Liebe mehr unter den Menschen gibt“.

Roméo verfällt der Liebe auf den ersten Blick, und ihn kümmert es auch nicht, als „Feigling“ bezeichnet zu werden solange er seiner „Flamme“ nah sein darf.
Juliette kommt Roméos Flirt sehr entgegen, will sie doch ihrer strengen Familie entfliehen und singt ihre Freiheits-Arie auf einem Berg aus Stühlen (wo man als Sicherheitsfreund kaum hinschauen mag).
Auch die Trauungszeremonie wird szenisch und optisch auf einem künstlichen Felsen in die Höhe getrieben, ehe das Paar zu Klippenspringern wird und den „Sprung ins kalte Wasser“ einer verbotenen Ehe wagt. Das ist doch mal eine gelungene Darstellung von jugendlichem Leichtsinn und Übermut!

Neben Roméo und Juliette brilliert der Chor als dritter „Hauptdarsteller“.
Der darf als Partygesellschaft tanzen und zanken, als lästige Nachbarn rauchen, saufen und Juliette Capulet bloßstellen.
Das ist großes Theater, und vor allem die Schluss-Szene des dritten Akts mit „Tag der Trauer…“ ist rührselig und mit dem einsetzenden Regen passend und beeindruckend inszeniert.
An dieser Stelle muss ich vor allem die Blechbläser der Duisburger Philharmoniker loben, die wohlklingend eine feierliche Atmosphäre erzeugen und wunderschöne Musik spielen.

Teilweise empfinde ich Szene und Text als nicht ganz stimmig (die Erscheinung des toten Tybalt im vierten Akt ist viel zu lang und lästig).
Gerne werde ich diese Oper ein weiteres Mal besuchen, um weitere Inszenierungsdetails zu entdecken und Gounods schöne Melodien zu genießen!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Jürgen Ingenhaag
Fachkraft für Arbeitssicherheit

Als Vorstandsmitglied der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg organisiert Jürgen Ingenhaag klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Als Opernscout versteht er sich als „Botschafter für das Theater Duisburg“. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge“. Seine Leidenschaft für Rock- und Popmusik hat ihn nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden.

Eine Fülle von Augen-und Ohrenreizen

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Dagmar Ohlwein über die Premiere von „Roméo et Juliette“

„Roméo et Juliette“ von Charles Gounod ist ein Meisterwerk der französischen Opernromantik.
Um Romantik und das Schwelgen in berührenden, leidenschaftlichen Gesangsszenen geht es Philipp Westerbarkai in dieser Inszenierung in erster Linie, meiner Einschätzung nach, nicht.
Wie schon in anderen Opernaufführungen gelingt es ihm „Roméo et Juliette“, diese dramatische Liebesgeschichte zunächst von William Shakespeare auf die Bühne gebracht, in hervorragender Weise so modern und zeitgemäß zu gestalten, dass dieser Opernabend einmal mehr spannend, nachdenkenswert und inspirierend für mich wurde.

Schon mit den Kostümen, die im Stil der 50er Jahre gestaltet sind, bietet sich dem Zuschauer ein buntes, aufregendes Bild auf einer nächtlichen Piazza von Verona.
Das Bühnenbild und der großartige Gesang des Chores der Deutschen Oper am Rhein lässt den Zuschauer eintauchen in eine heiße Sommernacht und in die Partygesellschaft der Familie Capulet.
Es ist Ferragosto, die Protagonisten, Juliette dargestellt von Sylvia Hamvasi und Gustavo de Gennaro als Roméo, der Sohn der verfeindeten Familie Montague, begegnen sich. Sowohl die Schauspielkunst als auch die gesangliche Leistung des Chores sind hervorragend.
Die Stimmen von Sylvia Hamvasi und auch Gustavo de Gennaro stechen für mich nicht besonders hervor.

Das Liebesdrama nimmt in bekannter Weise seinen Lauf.
Dabei wurde mein Blick mehr auf die einzelnen Darsteller gelenkt.
Da ist Juliette, die in meinen Augen um Freiheit, im weitesten Sinn Emanzipation kämpft.
Will Roméo vielleicht den Schmerz um eine verlorene Liebe mit einer neuen, der vermeintlich größten Liebe seines Lebens, Juliette, vergessen? Wie tief und innig die Liebe dieses weltberühmten Liebespaares während eines langen Lebens sich entwickelt hätte, bleibt für immer und ewig, typisch für solche Liebesdramen, offen.
Tybalt, der Cousin Juliettes, wird zum Mörder und durch Roméo zum Gemordeten.
Er bleibt auch als schon Getöteter präsent auf der Bühne. Sein durchgehender Auftritt als Gemordeter hat mich hin und wieder ein wenig irritiert .
Er, wie auch Mercutio, der ermordete Freund Roméos, und das berühmteste Liebespaar aller Zeiten sind Opfer einer hasserfüllten, blutigen Feindschaft zweier Familien.

Diese Tragödie hat Philipp Westerbarkei in großartiger Weise neu auf die Bühne gebracht. Applaus und große Anerkennung für die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema.
Anspielungen, Hinweise und Andeutungen zu Westerbarkais und vielleicht auch Gounods Gedanken zu dem Thema sind zahlreich in der Inszenierung zu finden: eine „instabile“ Stuhlkonstruktion auf der sich die Juliette häufig bewegt, die eventuell aufzeigen möchte, dass nichts im Leben stabil ist, wir uns immer auf unsicherem Grund bewegen.
„Je veux vivre“ singt sie in einer Arie, löst ihre bis dahin aufgesteckten Haare, entledigt sich ihrer Schuhe. Sie möchte raus aus ihren Familienzwängen, frei leben und entscheiden.

Ein Schauspiel/Ballettpaar, Maria Sauckel-Plock und Egor Reider, das in den Pausen zwischen dem 1. und 2., 2. und 3. Akt auftritt, soll vielleicht auf sehr subtile, feine Weise den Fokus auf die Befindlichkeiten zweier frisch verliebter Menschen richten. Eine Fülle von Augen-und Ohrenreizen.
Nicht unerwähnt möchte ich noch das phantastische Dirigat von Marie Jacquot lassen. Mein Fazit: Ein interessanter, belebender, erfrischender Opernabend.

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Dagmar Ohlwein
Rentnerin

Die Physiotherapeutin ist gerade im Ruhestand angekommen und widmet nun einen großen Teil ihrer Zeit der Kultur. Das heißt für sie regelmäßig diverse Kulturangebote warzunehmen. Als Jugendliche hat sie „direkt um die Ecke“ vom Theater Duisburg gelebt und so schon immer viel Kontakt zur Kunst gehabt. Sie ist sehr gespannt auf ihr erstes Jahr als Duisburger Opern- und Ballettscout und freut sich auf die Saison 2019/20.

Hiphopmäßig?

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„Sag mal, hast Du Lust mit mir in die Oper zu gehen?“
„Mmmh.“
„Heißt?“
„Was gibt’s denn?“
„Die Fledermaus.“
„Mmmh.“
„Heißt?“
„Worum gehts denn da?“
„Weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr so genau und ist, glaube ich, auch gar nicht so wichtig. Verdrehtes Zeug. Irgendwas mit Sex and Drugs and Rock´n Roll.“
„Echt? Klingt ja fast hiphopmäßig.“
„Ja, ist vielleicht gar nicht so weit davon weg. Vielleicht ein etwas anderes Publikum, aber wenn ich mir das genau überlege, auch nicht so ganz viel anders. Außerdem ists viel wienerischer, eher sowas wie: Erotik, an Schnapserl und Walzer“
„Mmmh.“
„Heißt?“
„Okay, warum eigentlich nicht.“

So in etwa hat es sich zugetragen, als ich meinen 19-jährigen Sohn gefragt habe, ob er mit mir in die Freundeskreis-Vorstellung gehen will und ich muss gestehen: wir hatten unseren Spaß!
Das goldgerahmte Bühnenbild ist voll cool. Erst recht, wenn man oben im Rang und damit auf Augenhöhe der Bildmitte sitzt.
Glitzer, Glamour, Übertreibungen, Kitsch, schräge Farb- und Materialkompositionen: nix passt zueinander und damit passt alles.
Die lebendige Musik nimmt einen mit, die Sängerinnen und Sänger singen fantastisch (Anke Krabbe als Rosalinde ist wunderbar!), Chor und Orchester sind einfach klasse!

Die beiden Akte vor der Pause geraten zwar ein bisschen lang aber danach wird’s mit dem super von Wolfgang Reinbacher gespielten Frosch wunderbar quatschig und amüsant und im Nu ist der ganze Spaß vorbei.

Unser Rezept für den Besuch: Allen Ernst zuhause lassen, auf Durchzug schalten und einfach nur die üppig bunten Bilder mit Wiener Musik genießen! Dann wird’s ein schöner lustvoller Abend.
Irgendwie hiphopmäßig eben.

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Benedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit. Wenn in einer Inszenierung alle komponenten gut zusammenkommen dann entsteht „ein großes Kunstwerk“ und in der Deutschen Oper am Rhein ist „immer was für einen dabei“. Besonders gefällt ihm die Vielseitigkeit von Oper und Ballett.

Vergnügliches und nachdenkliches Wiedererkennen

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Sassa von Roehl über die Premiere von „Die Fledermaus“

Auch ich nährte mich dem Genre Operette mit einer großen Portion Vorurteilen.
Hätte ich nicht die Ehre Opernscout sein zu dürfen, wäre mir bestimmt nicht eingefallen Karten für eine Aufführung der „Fledermaus“ zu besorgen.
Zu oberflächlich, zu kitschig und zu gestrig waren meine Erwartungen.

Doch es kam anders: gleich die ersten Töne klangen wohlig vertraut in meinen Ohren und nach kurzer Zeit sah ich mich als Fünfjährige vor dem für mich äußerst aufregenden Musikschrank meiner Oma sitzen, erwartungsvoll  die leicht quietschenden Schiebetüren öffnen und in den ordentlich nach Nummern einsortierten Schallplatten kramen.
Anneliese Rothenberger und Rudolf Schock hießen damals Omas Lieblingsinterpreten und oft legte sie die „Fledermaus“ auf. So ließ ich mich versöhnt ein in den knallbunten, ironischen Spaß einer modernen Inszenierung und fühlte mich in weiten Teilen gut und mit einem Augenzwinkern unterhalten.
Die Texte schrammten zwar vor allem im dritten Akt haarscharf an Kalauern und Plattitüden vorbei und trafen nicht immer meinen Geschmack, aber Bühnenbild und Musik entführten mich in die Welt der Illusion mit der Botschaft nicht alles so ernst zu nehmen.
Bei der Ausstattung und den Kostümen fiel mir vor allem die Liebe zum Detail positiv auf, wie zum Beispiel die roten Perücken, Glitzerstiefelchen und pink-silbernen Weltraumrucksäcke der Tänzerinnen.
Die verschieden großen Rahmen, in der die Handlung stattfand lösten den Gedanken aus, dass wir wohl alle eine eigene, kleinere oder größere Bühne brauchen, um uns bei unseren Mitmenschen sichtbar zu machen.

So ging ich leicht beschwingt nach Hause und verstand  zum ersten Mal, warum diese Operette mit dem berühmten zentralen Satz „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“ zu den Lieblingsstücken meiner unter härtesten Bedingungen aus dem Osten geflohenen Oma zählte: Ich erlebte sie als Kind stets als heitere Frau, die immer zu lustigen Späßen mit mir aufgelegt war.
Und für diese unverhoffte Erkenntnis bin ich richtig dankbar, diese Operette erlebt zu haben.

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Dr. Sassa von Roehl
Social Campaining / Dozentin an der Heinrich-Heine-Universität

Dr. Sassa von Roehl engagiert sich für Zivilcourage und berät Gemeinnützige Projekte im Bereich PR. Als kulturinteressierte besucht sie oft das Theater Duisburg. Sie ist großer Martin Schläpfer Fan, im Bereich Oper allerdings eher ein „interessierter Neuling“. Gespannt startet sie nun in ihre erste Spielzeit als Scout für Oper und Ballett in Düsseldorf.

Abgespaced

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Stefanie Hüber über die Premiere von „Die Fledermaus“

Auch ich bin mit Vorbehalten zu dieser Vorstellung gegangen, da Operettenmusik eigentlich so gar nicht meinem Geschmack entspricht.

Die Fledermaus hatte ich vor vielen Jahren schon mal gehört und gesehen.
Mag es daran gelegen haben oder auch einfach an der Bekanntheit der Melodien, ich glaube, ich kannte sie alle!!!
Obwohl ich auch diesmal die Musik als relativ nichtssagend empfand, so gab es doch ein paar ganz ansprechende Melodien.
Hübsch fand ich das Duett  des Ehepaars Eisenstein im 1. Akt und sehr gut gefiel mir auch die Arie „Brüderlein und Schwesterlein“, gesungen von Dr. Frank bzw. der dazu ausgeführte Zeitlupentanz.

Lavinia Dames Gesang (Adele) hörte ich anfangs mit gemischten Gefühlen zu, da sie im 1. Akt nach meinem Empfinden nicht immer sauber gesungen hat, doch später war ich ganz begeistert von ihrem hellen Sopran.
Die Inszenierung fand ich größtenteils sehr gelungen, super das spacige Bühnenbild im 2. Akt mit all seinem Glamour und Glitter.
Der 3. Akt war äußerst langatmig, so dass ich erleichtert war, als er endete.

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Stefanie Hüber
Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin arbeitet überwiegend mit psychisch kranken Menschen und nutzt Musik als Mittel der Therapie. Sie sang im Kammerchor und lernte als Kind Klavier und Blockflöte zu spielen.
Die Oper wurde ihr als Kind von ihren Eltern „vermiest“ aber sie fand einen neuen Zugang zu ihr durch ihre Tochter, die Musik studierte. Inzwischen ist die Oper ebenso wie Rockkonzerte ein spannendes und regelmäßiges Highlight in ihrem Leben.

Amüsant, voller Glanz und Glamour

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Karolina Wais über die Premiere von „Die Fledermaus“

Wenn man im Internet das Stichwort „Operette“ eintippt, erfährt man, dass es sich dabei um ein musikalisches Bühnenwerk mit gesprochenen Dialogen, heiterer Handlung und leichter, eingehender Musik handelt.
Die Musik „Der Fledermaus“ kennt jeder, denn es ist ein Walzer voller Leichtigkeit, der zum Tanzen regelrecht verlockt.

So entstehen schon ein paar Erwartungen an diesen Premierenabend. Als großer Theaterfan freue ich mich zudem sehr auf Wolfgang Reinbacher, der einen Teil der gesprochenen Dialoge übernimmt.

Diese Inszenierung „Der Fledermaus“ ist eine moderne, das erfährt der Zuschauer ziemlich schnell, als der Vorhang eine Szenerie an einer Straßenlaterne mit Prostituierten lüftet.
Der Ort des Geschehens wird sogar komplett nach Düsseldorf geholt und zwar dann in ein grell schreiendes und luxuriöses Wohnzimmer.

Die Opernsäger*innen meistern Sprechpartien hervorragend und glänzen mit schauspielerischer Leistung. Anke Krabbe (Rosalinde) und Lavinia Dames (Adele) begeistern mich auch gesanglich von Anfang an.

Die Party ist Schauplatz der Intrige und findet in einer glamourösen mit tausend Lichtern ausgekleideten Atmosphäre statt. Die Kostüme sind wunderbar glamourös. Das glitzernde, grüne Kleid von Rosalinde sticht hervor und lässt Anke Krabbe dank der Beleuchtung noch mehr erstrahlen.

Die knappen Outfits der Tänzerinnen passen meiner Meinung nach so gar nicht zu der Abendgarderobe der Gäste. Diese, fast in Bikinis um eine phallusartige Rakete tanzend, werten die festliche Stimmung auf der Bühne ab und hinterlassen einen billigen Nachgeschmack.
Ich denke an diesem Punkt wurde es schlichtweg verpasst, die Inszenierung tatsächlich in das heutige moderne Düsseldorf zu holen, es vielleicht sogar politisch werden zu lassen.  Zumindest hätte ich mir mehr Gleichberechtigung gewünscht: Warum treten nur halbnackte Tänzerinnen, aber keine Tänzer auf?“

Die, förmlich aus dem Rahmen gefallene, letzte Szene ist der große Auftritt von Herrn Frosch, gespielt von Wolfgang Reinbacher. Er ist nicht nur ein hervorragender Schauspieler, sondern auch ein hervorragender Komiker, trotz der meiner Meinung nach teilweise flachen Witzen.

Wer das Genre der Operette mag und einen bunten, heiteren Abend mit Witz und Humor erleben will, wird von der Inszenierung von Axel Köhler nicht enttäuscht.

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Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich nun mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre erste Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett näher kennenzulernen.

Amüsant und unterhaltsam

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Helma Kremer über die Premiere von „Die Fledermaus“

Wie meine geschätzten Kolleg/ -innen, die anderen Düsseldorfer Opern- und Ballettscouts, bin auch ich weit davon entfernt, ein Operetten-Fan zu sein.
Obwohl es viele Operetten-Arien gibt, die ich wunderschön finde: „Dein ist mein ganzes Herz“ aus dem „Land des Lächelns“ von Franz Léhar, „Komm in die Gondel“ aus „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss (Sohn) und allen voran „La Barcarolle“ aus „Les Contes d’Hoffmann“, eine Arie, die mir  – an besonders plümeranten Tagen – die Tränen in die Augen treibt.
Aber eigentlich ist „Les Contes d’Hoffmann“ eine Phantastische Oper. Das zählt dann wohl nicht… Wie auch immer, eine Operetten-Arie hier und da: Immer gerne – aber so eine ganze Operette am Stück, das wird hart, denke ich mir.

Zunächst bin ich angenehm überrascht. Das schillernde Bühnenbild im 1. Akt gefällt mir. Ziemlich overloaded, aber für einen Abend – oder eine Nacht – geht das schon. Erinnert mich ein wenig an die Zimmer des „Sir & Lady Astor“-Hotels, welches internationale Kulturjournalisten, die wir dort zuweilen, im Rahmen von Pressereisen zum Thema „Kunst in Düsseldorf“ unterbringen, sehr schätzen.

Auch die Besetzung finde ich großartig, besonders Lavinia Dames als Adele, deren Stimme und Gesang mir am besten von allen gefallen, und Anke Krabbe als Rosalinde.
Christoph Filler als Dr. Falk könnte der Sohn von Peter Alexander sein und ist das ideale Schlitzohr.
Nicht zu toppen ist Norbert Ernst als schmieriger Eisenstein.
Die Verpflanzung der Story in die Düsseldorfer Schicki-Micki-Szene ist etwas platt und passt auch einfach nicht zu den schönen Walzer-Klängen.
Die gefallen mir übrigens noch besser als erwartet und lassen auch bei mir Stimmung aufkommen. Vor allem habe ich sie alle irgendwann schon einmal gehört.

Was wiederum gut passt, ist der Bezug zum rheinischen Karneval, der im 2. Akt durch ein Bühnenbild mit noch mehr Glitzer, Flimmer und Bling Bling  im gleich doppelt barocken Bilderrahmen seine Vollendung findet.
Auch die „Kostüme“ halten mit: Die Tänzerinnen sind fast nackt und drängen sich um eine riesige Rakete, frivoler geht es nicht, eine Prise brasilianischer Karneval und Moulin Rouge inklusive.

Im 3. Akt ist dann leider meine Geduld zu Ende, und zwar lange vor Schluss.
Die Handlung spielt im Gefängnis: Das Bühnenbild gleicht als Schauplatz der Kulisse einer abgerockten Party, das wiederum gefällt mir.
Aber sie zieht sich wie Kaugummi, die Handlung. Ich werde wibbelig. Obwohl ich mich wirklich über Wolfgang Reinbacher als Frosch freue, weil ich ihn in früheren Jahren oft im Düsseldorfer Schauspielhaus bewundert habe.
Und flache Witze mag ich auch, in Maßen.

Fazit: Amüsant und unterhaltsam, und ja: irgendwie auch ein Feuerwerk für die Sinne – aber eine solche Art der Unterhaltung löst bei mir, spätestens nach zweieinhalb Stunden, ein Gefühl der Leere aus.
Meine letzte Operette? Nein: Gerade heute habe ich einen heißen Tipp bekommen. Ein echter Opern-Insider empfiehlt mir die Berliner Operette. Zum Beispiel „Der Vetter aus Dingsda“. Viel rustikaler, der Witz intelligenter.
Nun denn, einen Versuch werde ich noch wagen.

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Helma Kremer
Leiterin „Market Development“ bei der Düsseldorf Tourismus GmbH

Helma Kremer arbeitete nach ihrem Studium an der Heinrich-Heine-Universität zunächst an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Nach einem. Voluntariat im Bereich „Marketing/Presse“ beim Düsseldorfer Schauspielhaus übernahm sie 2006 den Bereich „Kulturmarketing“bei der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH. Durch ihre Großeltern kam sie bereits als Kind mit der Oper in Kontakt, ihre erste Aufführung im Opernhaus war „Hänsel und Gretel“. Dennoch interessiert sie sich eigentlich eher fürs Ballett, als für die Oper. Sie freut sich in ihrer ersten Spielzeit als Opern- und Ballettscout auf die regelmäßigen Theaterbesuche

Kontrastreich – wunderbar – auf höchstem Niveau!

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Annette Hausmann über die Premiere von „b.42“

Im Vorfeld hatte ich mich bereits aufgrund der hervorragenden Ballettinszenierungen im vergangenen Jahr auf die Premiere „b.42“ gefreut…- und ich muss sagen: ich wurde in keinster Weise enttäuscht!

Square Dance
Wohl überlegt und passend gewählt beginnt der Ballettabend mit Balanchines neoklassischem Stück „Square Dance“.
Auf den ersten Blick ist es Ballett in seiner „Reinform“.
Sechs Tänzerpaare tanzen geordnet auf einer „requisitenlosen“ Bühne, deren Wand türkis beleuchtet ist. Bekleidet sind sie entsprechend ihrer traditionellen, geschlechterspezifischen Rollen mit körperbetonten Trikots in Form von Röcken bzw. Hosen.
Durch Balanchines bewusste Reduzierung auf das Wesentliche tritt die Handlung in den Hintergrund. Stattdessen wird ein Freiraum geschaffen für das rein Visuell-Auditive, für den Tanz und die wundervolle barocke Musik von Vivaldi und Corelli.
Erst dadurch nehme ich die im Verlauf der Inszenierung mit eingeflossenen Elemente des amerikanischen Volkstanzes „Square Dance“ wahr.
So schweben die Tänzer nicht nur mit einer scheinbar sinnlichen Leichtigkeit über die Bühne, sondern zeigen im nächsten Moment ausdrucksstark und mit einer unglaublichen Schnelligkeit Tanzschritte, Figuren und Formationen, die ich in dieser Kombination bislang noch in keiner Ballettaufführung zu sehen bekommen habe. Insbesondere die expressive Beinarbeit fasziniert mich und mein Blick wird magisch davon angezogen.
Die beiden Solotänze von Sonja Dvorak und Orazio Di Bella, die ebenfalls der ehemalige amerikanische Startänzer Bart Cook einstudiert hat, machen deutlich, wieviel an Disziplin, Präzision, Ausdauer und Kraft von den Tänzern abverlangt wird, um Ballettkunst auf höchstem Niveau präsentieren zu können.

Symphonic Poem
Stille… – Dunkelheit…
So beginnt Remus Şucheanăs Uraufführung „Symphonic Poem“, zu der er sich durch die Komposition „Metacosmos“ der isländischen Komponistin Anna Thorvaldsdottir hat inspirieren lassen.
Inmitten dieser angespannten Stille erwachen die ersten Tänzer und beginnen sich wie tanzende Schatten über weiche fließende Bewegungen aus ihrer Kauerstellung zu befreien.
Mit Einsetzen der „metacosmischen“ Klänge werden für den Zuschauer allmählich die außergewöhnlichen und bunten Kostüme sichtbar, die an Kobolde oder Fabelwesen erinnern. Anfänglich scheinen die Klänge die Körper dieser Wesen in Bewegung zu setzen, doch im Verlauf der sich entfaltenden Klangwelt werden sie mittels ihrer weichen, leisen und oftmals synchronen Bewegungen eins mit dieser Musik und den dargestellten Naturphänomenen.
Es ist ein Geben und Nehmen, ein Kommen und Gehen…

Şucheană ist es auf geniale Weise gelungen, seine Ballettinszenierung auf drei Ebenen (Orchestergraben, Bühne und über den Tänzern schwebende Schlagzeuger-Podeste) „spielen“ zu lassen, um so den Untergrund, die Erde und den Himmel darzustellen. Chapeau!

Reformationssymphonie
Mit Martin Schläpfers „Reformationssymphonie“ ist der Spannungsbogen des Ballettabends „b.42“ vollendet. Wieviel Tiefgründiges, Sinnliches und zugleich aufwühlend Nachdenkliches in einer Choreographie „stecken“ kann, die eine historische, lutherbezogene Geschichte vom Glauben und (Ver-)Zweifeln erzählt, hat Schläpfer wieder einmal bewiesen.

Gleich zu Beginn werde ich mit Gegensätzen und Kontrasten konfrontiert, die mich spüren lassen, dass ich keine Zeit zum Träumen habe, sondern gesellschaftskritisch mitdenken und konzentriert sein muss.
Wie aus dem dunklen Schein der Nacht treten die Tänzer tippelnd, dynamisch in einheitlichen, enganliegenden schwarzen Trikots auf die Bühne. Die traditionellen Geschlechterrollen verschwimmen… – Männer, die anmutig im Duett miteinander tanzen oder Frauen, die sich impulsiv und lautstark mit schwarzen Spitzenschuhen „Gehör“ verschaffen. Ausgelöst durch diese Art der Inszenierung und die dazu passende, ausdrucksstarke Musik von Mendelssohn-Bartholdy lassen mich die Gedanken vom Drang nach Freiheit, aber gleichzeitigem Gefangensein, von der Individualität und Gleichheit eines jeden Menschen und dem Wunsch nach Harmonie trotz immerwährender Kämpfe nicht los und beschäftigen mich noch nachhaltig.

„b.42“ ist absolut empfehlenswert: kontrastreich – wunderbar – auf höchstem Niveau!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an einer Montessori-Grundschule in Duisburg-Bissingheim, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Der Austausch zwischen den Opernscouts schaffe „eine andere Wahrnehmung von Oper und Ballett“. In ihrer ersten Spielzeit begeistert sie ganz besonders  Martin Schläpfers Ballett „Schwanensee“: „Mit seiner Kraft und Ausdrucksstärke war es eine der genialsten Vorstellungen meines Lebens“.

 

Einfach Grandios

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Stefan Pütz über die Premiere von “ I puritani“

Rolando Villazón hat diese klassische Oper im“ Belcanto“ mit einem hervorragenden Orchester, großer schauspielerischer Qualität und allen Facetten des Liebesdramas inszeniert.
Ein großartiges passendes Bühnenbild, starke Chöre, passende „puritanische“ Kostüme,  phantastische Musik und eine hervorragende Besetzung konnten mich absolut überzeugen.
Die Handlung des Stücks ist „mager“ und sehr überschaubar – kann aber vernachlässigt werden… Adela Zaharia spielte die verwirrte, liebeskranke, verstörte Elvira, die Wandlungen und  Veränderungen nicht verstehen kann und dem Wahnsinn verfällt. Der Onkel  (Bogdan Talos), aber auch der junge Geliebte (Tenor Ioan Hotea) konnten mich auch an mancher Stelle gesanglich überzeugen.
Adela Zaharia ist jedoch für mich unschlagbar und jeder Freund der klassischen Oper sollte sie sehen  und hören wollen! Villazón ließ sich einige interessante Dinge einfallen, die eine bereichernde Ergänzung zu der doch sehr überschaubaren Handlung darstellten

… ein wirklich grandioser Abend!!

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Stefan Pütz
Inhaber von „Buch in Bilk“

Den Namen Stefan Pütz verbindet man mit „Buch in Bilk“, einer Buchhandlung in Unterbilk. Bei Kulturveranstaltungen ist er gern mit einem Büchertisch präsent, denn direkter Kontakt zu Kunden und persönliche Beratung sind ihm wichtig. Wichtig ist ihm jetzt – nach langer Abstinenz – auch wieder die Begegnung mit Oper und Ballett. Wagner Inszenierungen findet er grundsätzlich nicht sonderlich unterhaltsam, vom Ring am Rhein war er allerdings hellauf begeistert. Die Wagner Inszenierungen der Deutschen Oper am Rhein sind „besser als anderswo“.

Ein Kessel Buntes

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Michael Langenberger über die Premiere von „Die Fledermaus“

Die Operette “Die Fledermaus” steht auf dem Programm.
Zugang dazu findet man nicht alleine dadurch, dass man die Eingangstür der Oper durchschreitet, sondern sollte auch gleich seine Vorurteile zusammen mit dem Mantel an der Garderobe abgeben. Gar nicht so einfach.
Handelt es sich bei dem Stück von Johann Straus (Sohn), auf Anraten seiner Frau, doch um eine Arbeit, die von vornherein kommerziell angedacht ist. Die weitere Vermarktung durch Funk und Fernsehen in den 1960er/70er Jahren, mit den klischeebehafteten Unterhaltungsgrößen der damaligen Zeit, hinterliessen, zumindest bei mir, tiefe ablehnende Spuren.

Und nun sitze ich im Zuschauerraum der Oper. Die Ouvertüre begrüßt mich gleich mit bekannten Klängen. Der Vorhang hebt sich, um ein monströses Bühnenbild zwischen Traditionellem und Modernem freizugeben.
Es gibt viel zu sehen – und weiterhin bekannte Melodien zu hören. Adele, gespielt von Lavinia Dames, hebt, überrascht durch ein Telefonat auf Ihrem Handy, zu ihren ersten Tönen an. Ein netter Gag, finde ich.
Der Saal goutiert solche Regieeinfälle hier und da mit raunendem Lächeln.
Immer wieder ist den Machern für die Düsseldorfer Inszenierung etwas Unerwartetes und Amüsantes eingefallen, mit dem die Zuschauer überrascht werden. Es wird gesungen und gespielt, was das Zeug hergibt.
Unterhaltung pur, kurzweilig und amüsant obendrein.

Was diese Inszenierung für mich von den für mich klischeebildenden Vorlagen unterscheidet: Jeder Akteur ist wichtig, unterwirft sich der best möglichen Qualität seines Tuns.
Es geht nicht darum sich als einzelner Akteur hervorzutun, sondern fühlt sich dem Werk als Ganzes – ganz unkommerziell – nur dem Besten was man kann und hat verpflichtet. Ob Bühnenbild, Kostüme, Tanzeinlagen, Chorgesänge – egal, jeder unterwirft sich dem Stück und handelt nicht zum eigenen Ruhm.

Um das gesprochene Wort übergangslos mit den Gesängen zu verbinden, muss der Musikgraben weit mehr darauf achten, was auf der Bühne passiert, als das sonst in einer Oper erforderlich ist, wo einzelne Arien zumeist sauber getrennt von rezitierten Worten stehen.
Die übergangslosen Einsätze sind den Düsseldorfer Symphonikern unter Leitung von Benjamin Reiners vorzüglich gelungen.

Wer bis zur Pause noch nicht amüsiert war, nach der Pause wird ein ganzer Kessel Gags über das Publikum ausgeschüttet. Eine Mischung aus Wiener Leichtigkeit und Düsseldorfer Karneval, oft scharf auf der Grenze zum platten Klamauk – hier und da leider jenseits der Grenze…

Alles in allem war es ein bunter Abend leichter Unterhaltung und eingängigen Klängen. Ich meine, wer sich mal (wieder) eine Operette ansehen will bekommt hier etwas richtig Gutes geboten, fernab vom Streben nach Kommerz und Personenkult und einfach nur bester Qualität in allen Gewerken verpflichtet.
Ich bin froh, diese Inszenierung der Fledermaus gesehen zu haben, gehe zur Garderobe, hole meinen Mantel ab und weiss nicht so genau, ob ich meine eingangs abgegeben Vorurteile an der Garderobe liegen lassen soll.

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Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

Täubchen, holdes Täubchen mein

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Markus Wendel über die Premiere von „Die Fledermaus“

Der vergangenen Premiere von „Die Fledermaus“ bin ich ehrlicherweise mit gemischten Gefühlen entgegengetreten. Ich mag keine Operetten und ich mag auch keine klamaukigen Verwechslungskomödien.
Im Ergebnis, und das möchte ich vorwegnehmen, fühlte ich mich dennoch ganz wunderbar unterhalten.

Die „Fledermaus“ bedient in der Düsseldorfer Inszenierung alles, was Kitsch und Klischee so hergeben können: quietschbunte Farben, Glitzer, Federn und halbnackte Tänzerinnen. Alles mit großer Lebendigkeit.
Einige der Szenen könnten unverändert ihren Weg in Richtung Friedrichstadtpalast antreten. Die wahrscheinlich jedem bekannte Musik ist eingängig, und der hierdurch induzierte Bewegungsdrang bei vielen im Publikum nicht zu unterdrücken.

Ich bin von mir selbst überrascht, denn ich gehe wirklich mit dem Stück mit. Selbst die Verortung nach Düsseldorf und Anspielungen auf einen ehemaligen Oberbürgermeister stören mich nicht (bei der aktuellen Götterdämmerung ist das anders).
Auch der Humor, der sich anfühlt wie die alten Fernsehfilme mit Uschi Glas und Theo Lingen, ist aufgrund der schauspielerischen Leistungen überzeugend und kommt an. Erst als auf der Bühne mit Federn geschmückte rosa Astronautinnen auftreten, ist auch bei mir eine Grenze erreicht.

Lavinia Dames in der Rolle der Adele darf für ihren Gesang und ihre wahnsinnig gute schauspielerische Performance verdient den größten Applaus ernten.
Ebenso ist der überwiegend schauspielerische Part des „Frosch“, verkörpert von Wolfgang Reinbacher ein wahrhaftes Erlebnis.

Mein Ausflug in die Welt der Operette wird dennoch binnen der kommenden Jahrzehnte wahrscheinlich auf den vergangenen Abend begrenzt bleiben.
Nicht, weil es nicht gut war, sondern schlichtweg, weil es wirklich nicht meinen Musikgeschmack trifft.
In diesem Sinne: „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.“

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Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“. Überrascht war er davon, dass die Ballettinszenierungen 2018/19 ihn sogar mehr faszinierten als die Operninszenierungen.

Ein sehr abwechslungsreicher Ballettabend

Cellokonzertch:Martin Schläpfer
Cellokonzert ch:Martin Schläpfer

Stefan Pütz über die Premiere von „b.41“

„Forgotten Land“ von Jiri Kiliáns mit der Sinfonia da Requiem von Benjamin Britten:
Ein phantastisches Bühnenbild, passende Kostüme, bei grandioser Musik:
Sechs Paare tanzen vor einer beeindruckenden, düsteren Meereslandschaft – ein toller Anfang!

Lamentation” und „Steps in the Street” von Martha Graham:
Nun folgt mit Martha Grahams Lamentation ein Stück strenger Konzentration, reduziert auf puristische Kostüme und wenige kraftvolle Gesten.
Auch das zweite Stück Grahams, Steps in the Street, besticht durch klare und drastische Formsprache.
Das Stück wirkt modern und mitreißend und regt zur Diskussion an.

Nach der zweiten Pause kam dann Schläpfers neuestes Werk,zur Musik des zweiten Cellokonzertes von Schostakowitsch:
Wieder einmal wird eine große Geschichte mit enormer Besetzung erzählt, die meines Erachtens nicht zu Ende erzählt wird.
Ein lebendiges Treibens, bunte Kostüme, sehr viele Aktionen und  viele parallel verlaufende Geschichten, aber kein wirklicher Erzählstrang …
Einen roten Faden konnte ich nicht erkennen aber das ist nicht immer wichtig …

Da dieses Stück einen starken Kontrapunkt zu den vorherigen „strengen“ Stücken bildete, war der Abend für mich ein großer Genuss …

Stefan_Pütz

Stefan Pütz
Inhaber von „Buch in Bilk“

Den Namen Stefan Pütz verbindet man mit „Buch in Bilk“, einer Buchhandlung in Unterbilk. Bei Kulturveranstaltungen ist er gern mit einem Büchertisch präsent, denn direkter Kontakt zu Kunden und persönliche Beratung sind ihm wichtig. Wichtig ist ihm jetzt – nach langer Abstinenz – auch wieder die Begegnung mit Oper und Ballett. Wagner Inszenierungen findet er grundsätzlich nicht sonderlich unterhaltsam, vom Ring am Rhein war er allerdings hellauf begeistert. Die Wagner Inszenierungen der Deutschen Oper am Rhein sind „besser als anderswo“.

Weltraumdschungelkönige

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Sandra Christmann über die Premiere von „Die Fledermaus“

Hatte das Johann Strauss im Sinn?

Ich bin für Blödsinnigkeit durchaus zu haben – diese hat Axel Köhler vollends ausgeschöpft.

Dank Frank Philipp Schlössmann konnten wir doch noch einen Blick in das Wohnzimmer von Gianni Versace werfen – imponierend! Direkt gefolgt von dem „kleinen“ Gatsby Arrangement in der Big Bang Theorie Raketenstation. All das im goldenen Rahmen, wie wir ihn zu Großmutters Zeiten kennen, barock, prunkvoll und nur für Jagdszenen zu verwenden. Das Ganze mit  80er Jahre Lichtinstallationen einer Roller Blade Disco aus Wisconsin verhübscht.

Überraschend, voll ausgetobt, aber exzellent im Detail und somit eine der Disziplinen, die den Abend bereichert haben.

In gleicher Manier die Köstüme. Pornös:
Biene Maja im Weltraumglitzer-Suit, Lack, Plastik-Glamour, Leopardenprints, Negligees, Hotpants, bedruckte Männerslips, Table Dance Schürzen-Outfits – ein Fest.
Ein bunter Mix aus galaktischem Holiday on Ice Trash und Altweiber auf der Ratinger nach 20.00 Uhr.

Gesanglich war ganz klar Adele, gesungen von Lavinia Dames meine Favoritin – raumgreifend, durchdringend und auch schauspielerisch überzeugend. Bezaubernd.
Und natürlich hat Wolfgang Reinbacher den Frosch einverleibt und mit den ihm nun mal vorgegeben textlichen Plattheiten charmant performed.

Soweit: Und doch schmeckt die Inszenierung nach an einem großen Eintopf aus Klimbim, Ohnsorgtheater und Zirkusdirektorenauftritte mit einer Priese Peinlichkeit…
Es tat auch punktuell weh.

Wir haben durchaus viel gelacht, keine Frage, Sie kennen das, wenn es kippt, wenn es so plakativ grotesk schreit, dass man lachen muss.

Die Musik passte tatsächlich, der fröhliche Walzer  –  hätte aber durchaus im österreichischen Kontext bestehen bleiben können – die Inszenierung ins NRW Gefüge , dem Düsseldorfer Politklüngel und der Steigenbergerhäme zu setzen, erinnerte ein bisschen an die Frankenheimkiste der Götterdämmerung vor 1 Jahr. Und war nur angetriggert, somit nicht überzeugend.

Meine erste und letzte Operette?: Absolut Ja!

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Sandra Christmann
Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf und die Kunst. Sie engagiert sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben ihrer Arbeit engagiert sie sich für diverse Hilfsprojekte.
Sie liebt das Ballett und besuchte „just for fun“ manchmal die Oper, nun will sie „auch nach ihrer Zeit als Opernscout der Oper treu bleiben“.

Ein grandioses Werk

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Stefan Pütz über die Premiere von „Samson et Dalila“

„Samson et Dalila“ – ein grandioses Werk von Camille Saint-Saëns

Schon der Beginn der aus dem Untergrund hochfahrende Chor der Bauarbeitersklaven, die mit ihren Stirnlampen das Publikum blenden ist beeindruckend. In dieser Aufführung sind alle Elemente der klassischen Oper enthalten: Kampf, Widerstand, Rache, Gier, Liebe, Eifersucht, Verzweiflung, Intrige, Mordlust, Verrat, Größenwahn und der unausweichliche Untergang.
Gesanglich und schauspielerisch ist Ramona Zaharia als Dalila dominant – eine „Wucht“. Sie ist in ihrer mit ihrer Stimme immer präsent und verführerisch. Der Höhepunkt ist ihre Arie, „Mon cœur s’ouvre à ta voix“ mit Samson.
Auch Michael Weinius als Samson überzeugt ebenso stimmlich, doch schauspielerisch „fehlt da ein wenig“.
Der Oberpriester Dagon, super gut gespielt und gesungen von Simon Neal gefiel mir auch sehr. Besonders die Chöre, Dalila und das große Orchester unter der Leitung von Marie Jacquot, konnten an diesem Abend gefallen.

Ein toller Abend!

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Stefan Pütz
Inhaber von „Buch in Bilk“

Den Namen Stefan Pütz verbindet man mit „Buch in Bilk“, einer Buchhandlung in Unterbilk. Bei Kulturveranstaltungen ist er gern mit einem Büchertisch präsent, denn direkter Kontakt zu Kunden und persönliche Beratung sind ihm wichtig. Wichtig ist ihm jetzt – nach langer Abstinenz – auch wieder die Begegnung mit Oper und Ballett. Wagner Inszenierungen findet er grundsätzlich nicht sonderlich unterhaltsam, vom Ring am Rhein war er allerdings hellauf begeistert. Die Wagner Inszenierungen der Deutschen Oper am Rhein sind „besser als anderswo“.

Beschwingte Unterhaltung – aber banal und seicht

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Hubert Kolb über die Premiere von „Die Fledermaus“

Operette muss man mögen heißt es, ich mag sie nicht. Klischeehafte Charaktere, oberflächliche Texte die zu banal sind, um wirklich lustig zu sein, und billige Situationskomik. Immerhin kenne ich jetzt dieses früher sehr beliebte Werk.

Was hat mir gefallen? Eine Augenweide waren die von einem barocken Bilderrahmen eingefasste Bühne, die bunten Kostüme, die Personenregie und Choreographie. Da war Schwung drin. Regisseur Axel Köhler versuchte eine Auffrischung des Stückes durch viele aktuelle und lokale Bezüge, und durch eine ironische Überhöhung des Geschehens. Oft war das nicht überzeugend. Die Abfolge weithin bekannte „Wiener“ Melodien regte zunächst an, begann dann aber zu ermüden. Dirigent Benjamin Reiners vermied den schmalzigen Klang und brachte viel erfrischende Dynamik in die Musik. Die Singstimmen waren fast allesamt herrlich anzuhören und passten in der Klangfarbe gut zusammen. Adele (Lavinia Dames) erhielt mit Recht den stärksten Applaus, abgesehen vom Interpreten der Sprechrolle des Gefängniswärters Frosch, dem 81-jährigen Wolfgang Reinbacher vom D’Haus. Leider waren viele seiner Bemerkungen etwas seicht und von vordergründigem Humor. In dieser Phase ging der Schwung der Aufführung verloren, und man wartete auf ein Ende des letzten Aktes. Zum Schlussgeschehen viel dem Regisseur leider nichts Originelles oder wenigstens Belebendes ein.

Fazit: Der schwungvolle Beginn, die Bühne, Kostüme und fröhliche Musik regen an, dann aber geht Vieles in Klamauk, Banalität und spannungsarmer Handlung unter.

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Dr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.