Max Ohagen über b.26

Fröhlichkeit, Trauer und Kampf: die Garanten für eine Gelungene Ballettpremiere

Ballett am Rhein Düsseldorf / Duisburgb.26 Dark Elegies  ch.: Antony Tudor„Bournonville Divertissement“: Beflügelt, zart und jugendlich kommen die Figuren bei August Bournonville geflogen, als pastellfarbene Leichtigkeit des ausklingenden Sommers. Die Tänzerinnen mit ihren Röcken, wie sich drehende Papierschirmchen auf Kugeln von prickelndem Champagner-Sorbet. Umgarnt von den Tänzern, die mich an wirbelnde Champagnerbubbles erinnern. Ein Ballettstück erfrischend und genussvoll für die Sinne.
„Dark Elegies“: Schmerzhaft, traurig und modern erwischt mich das Ballettstück von Antony Tudor. Das Ensemble wie verzweifelte, tanzende Blätter in einem aufkommenden Herbststurm.
Untermalt von den Liedern Gustav Mahlers für Bariton und Orchester. Ein Trommelwirbel der Gefühle, was unter die Haut geht.
„One“: Energiegeladen, stark und utopisch. Ich fühle mich wie in einem Science-Fiction-Film auf einem grauen Planeten. Ein Kämpfen und Ringen im Ballettstück von Terence Kohler nimmt mich fasziniert in den Bann. Jeder Mensch hat seine ganz eigene Art eine Leiter hochzusteigen, die Mauern zu überwinden. Jeder ist etwas ganz Besonderes in seiner Bewegung im Fluss der Zeit.
Ein erlebenswertes Gesamtwerk, geschaffen von allen Beteiligten eingeschlossen des Publikums. Es war grandios.

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Max Ohagen
Inhaber der Keramik-Werkstatt „Manufattura“

„Ich bin berauscht und fange an zu lieben.“ So fasst Max Ohagen seine erste Saison als Opern- und Ballettscout zusammen. Während die Kunden seiner „Manufattura“ „Keramik selbst bemalen“, erzählt der Architektur- und Kunstliebhaber ihnen von seinen aktuellen Opern- und Balletterlebnissen – jedenfalls dann, wenn er seinen Laden früh genug verlassen konnte, um pünktlich im Opernhaus zu sein. Offen und neugierig auf das Zusammenspiel von Musik, darstellender und visueller Kunst gibt er gern seine Eindrücke und Empfehlungen weiter.

Niko Budden über b.26

Ballett: Ein emotionales Erzählen

Ballett am Rhein Düsseldorf / Duisburgb.26 One   ch.: Terence Kohler

Vor der Premiere von b.26 am letzten Freitag habe ich noch keine abendfüllende Ballettveranstaltung besucht. Ich war mir nicht sicher, ob ich zu dieser anmutigen Kunst voller Körperspannung und Ästhetik mehr sagen könnte als „schön“ oder „langweilig“. Im Theater gibt es immer noch das Wort, Figuren und Charaktere als Zugang, bekannt aus dem Deutsch Leistungskurs. Da kann ich sagen, ich habe Hamlet nicht verstanden und im Notfall noch einmal googeln.

So zweifelte ich auch noch nach dem ersten Teil des dreiteiligen Ballettabends. Die Versatzstücke von „Bournonville Divertissement“ sind schön anzusehen, die Musik ist fröhlich und die Kleider bunt, doch angesprochen hat mich das Ballett des 19. Jahrhunderts nicht.  Zwar ist von brillanten Tanzsequenzen zu lesen, doch kann ich sie – noch nicht – entsprechend würdigen und vom Mittelmaß unterscheiden. Schön anzusehen war auch „Dark Elegies“, doch mehr noch, es wurde etwas erzählt. Daran konnte ich mich festhalten und das in Bewegung gegossene Innenleben dieser Menschen irgendwie verstehen. Das sture, klassische Ballett vom Anfang sieht man hier nicht mehr, viel offener sind die Bewegungen. Es ging um die Trauer einer Gruppe, der Tanz und die schlichte Kleidung in kräftigen Farben erinnerte an ein skandinavisches Volksfest. Am Ende kam es zu einer von Brahms begleiteten Dramatik beim letzten Teil „One“, fast alle Tänzer der Kompanie stehen auf der Bühne, die Choreographie beeindruckt. Bildgewaltig werden Mauern überbrückt. Wo man vorher größtenteils auf Bühnenbild verzichtete, stehen hier drehbare Quader, die in den Tanz mit eingebunden werden. Von einem Hänger abgesehen, mein Highlight des Abends.

Es ist das emotionale Erzählen, was bemerkenswert über den Körper funktioniert. Das moderne Ballett ist gar nicht so viel anders als gutes Theater, man ist emotional dabei und schaut talentierten Menschen zu, wie sie etwas erzählen. Oper und Ballett sind dort dem typischen Theater auch Welten voraus: Diese Menschen sind ganz unterschiedlicher Herkunft. Hier würde keiner hinterfragen, warum Hamlet jetzt ausgerechnet Asiate sein muss. Es wäre einfach so. Schön.

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Niko Budden
Student

Für Theaterliebhaber Niko Budden bedeuten Ballett und Oper neue Seh- und Hörgewohnheiten, auf die der Student der Geschichte und Germanistik sich sehr gerne einlässt. Sein Engagement im Projekt  „Musiktheater im Labor“ der Jungen Oper bedeutete für ihn dabei den Einstieg in die Welt des Musiktheaters. Besonders auf die Ballettvorführungen ist Niko Budden gespannt, da er den Einstieg in die performative Kunst bisher immer über das Wort fand.

 

Marion Hörsken über b.26

Unfassbar schön getanzt

Ballett am Rhein Düsseldorf / Duisburgb.26 Dark Elegies ch.: Antony TudorNach einigen Jahren der „Ballett-Abstinenz“ freute ich mich sehr auf den Ballettabend mit b.26, mein erster Besuch in der Deutschen Oper am Rhein.
Als erstes stand Bournonville Divertissement auf dem Programm. Das Stück beinhaltet den bekannten Pas de six und die Tarantella aus „Napoli“. Die Tänzerinnen – in wunderschönen pastellfarbenen Kleidern – tanzten die verspielten Tanzsequenzen aus dem 19. Jahrhundert. Ein leichter, fröhlicher Einstieg in den Ballettabend.
Mit gemischten Gefühlen erwartete ich den zweiten Teil mit dem Titel „Dark Elegies“. Antony Tudor ließ sich von der Musik von Gustav Mahler inspirieren, nämlich von dessen „Kindertotenliedern“. Die Bewohner eines Dorfes haben sich zusammengefunden, um den Tod ihrer Kinder zu beklagen. Der unfassbare Schmerz und die tiefe Trauer breitet sich vor den Augen des Publikums aus und ist so greifbar, dass man wirklich mit leidet. Bewegend, berührend, unfassbar schön getanzt. Der Bariton Dmitri Vargin sitzt am Bühnenrand auf einem Hocker, als ob er alles kommentieren würde. Rundum beeindruckend.
Der dritte Teil von b.26 ist das Stück „One“, des aus Australien stammenden Choreographen Terence Kohler auf die Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68 von Johannes Brahms. Als Metapher wählte Kohler die verschiedenen Stadien eines Sturms: von der sprichwörtlichen „Ruhe vor dem Sturm“ über das Toben im Inneren bis zu der Kraft eines Sturms, der vorüber zieht und von der plötzlichen Ruhe danach. „One“ ist ein großartiges Tanzerlebnis, teilweise sind rund 30 Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne – ganz stark.

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Marion Hörsken
IHK Düsseldorf

Als Geschäftsführerin der Abteilung Industrie, Innovation und Umwelt bei der IHK Düsseldorf will Marion Hörsken dazu beitragen, dass Düsseldorf und die Region ein attraktiver Wirtschafts- und Industriestandort bleibt. Mit der „Langen Nacht der Industrie“ brachte sie – damals als Geschäftsführerin der Gesellschafts­initiative Zukunft durch Industrie e. V. – ein Leuchtturmprojekt in Sachen Industrieakzeptanz auf den Weg. Jetzt wird die Industrie- auch zur Kultur-Botschafterin und startet mit großem Ballett-Interesse und Neugier auf die Oper in unser Projekt.

Susanne Freyling-Hein über b.26

Ein facettenreicher Ballettabend

Am vergangenen Freitag konnten wir einen facettenreichen Ballett-Abend erleben, der in der b.-Reihe aber nicht mein Favorit ist.

Der Abend umspannt Ballett von Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute und zeigt das Facettenreichtum der Entwicklung.

,,Bournonville Divertissement“ zeigt vom ersten Augenblick an eine unbeschwerte, folkloristische Szene.
Die Tänzerinnen und Tänzer zeigen vor blauer Kulisse fröhlich und unbeschwert, was sie können und kokettieren gegenüber dem anderen Geschlecht.
Nach einer Zeit nehmen die Tänzer Tamburine hinzu, reichen diese von Hand zu Hand und steigern somit die Dynamik auf der Bühne, Paare finden sich.
Dieses erste Stück ist schön anzusehen und sicher großartig getanzt, bietet aber wenig Tiefe.

„Dark Elegies“ ist mein Höhepunkt in der Trilogie. Im Gegensatz zum ersten Stück ist die Stimmung düster, das Bühnenbild dunkel und wie wolkenverhangen.
Überraschend ist der auf der Bühne sitzende Bariton, der die „Kindertotenlieder“ nahezu regungslos, in sich versunken vorträgt.
Die Tänzer tragen Ihre Trauer, Ihr Entsetzen über Ihren Verlust und die Nicht-Entrinnbarkeit mit einer beeindruckenden, düsteren Ästhetik zur Schau.

„One“ weckt in mir die Hoffnung auf eine positivere und dynamische Wendung des Abends, fängt jedoch ebenfalls mit einem Schreckensbild an.
Die Tänzerin, die das Stück eröffnet, erzittert am ganzen Körper angesichts der Monolithblöcke, die die Bühne umrahmen und ihr eine beeindruckende Tiefe geben.
Das Stück überrascht mit tollen Bildern, insbesondere wenn die komplette Kompanie auf der Bühne ist, sowie beim beeindruckenden Solo von Yuko Kato.
Allerdings zieht sich das Stück in die Länge und ergibt für mich keinen richtigen Zusammenhang.

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Susanne Freyling-Hein
Senior Category Manager bei L’Oréal

Obwohl Susanne Freyling-Hein seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, waren Oper und Ballett bis zu Beginn der letzten Spielzeit Neuland für sie. Begeistert hat sie vor allem Martin Schläpfers Ballett am Rhein. Sie schätzt den gemeinsamen Austausch, weil er den eigenen Eindrücken andere Sichtweisen gegenüber stellt. Und wenn Freunde oder Kollegen ihren Empfehlungen folgen, macht sie das durchaus ein bisschen stolz.

Uwe Schwäch über b.26

Ein Abend künstlerischer Inspiration

Das Ballett „Bournonville Divertissement“ von August Bournonville ist ein Klassiker aus längst vergangener Zeit. In seiner Inszenierung im Rahmen von b.26 erfährt es eine wohltuende Balance aus traditioneller und moderner Prägung. Getanzt wird klassisch, also mit hoher Spitze, eleganten Drehungen und dynamischen Sprüngen. Tänzerinnen und Tänzer bewegen sich im Reigen, der Charakter ist leicht, stimmungsvoll und fröhlich. Auch das puristisch gestaltete himmelblaue Bühnenbild und die bonbonfarbenen wehenden Kleider der Tänzerinnen prägen dieses Bild. Kurzum ein Fest für das Auge.

Dabei ist die Leichtigkeit und Gefälligkeit zugleich die Schwäche des Stücks. Trotz des Bewegungsreichtums wird der Zuschauer nicht bewegt, es fehlt das durchdringende Momentum von Inspiration und Leidenschaft. Erst im zweiten Teil erfolgt eine stimmungsvollere Aktivierung durch den Einsatz von Tamburinen. Nun wirken auch die Tänzer gelöster und verbreiten mehr Esprit. Die folkloristisch angehauchte romantische Musik rundet den Ballettklassiker durch eine stimmungsvolle Instrumentierung der Streicher und Bläser harmonisch ab.

Wie nahe Fröhlichkeit und Tristesse beieinander liegen, zeigt das zweite Ballettstück des Abends. „Dark Elegies“ von Antony Tudor nutzt die musikalisch komponierte Theatralik von Gustav Mahlers „Kindertotenliedern“. Auch hier sehen wir eine Art Volkstanz, dieses Mal jedoch gezeichnet von filigraner Einfühlsamkeit und angstvoller Stille. Die Symbiose von Musik und Tanz wird durch den Bariton Dmitri Vargin intensiviert, der sich neben den Tänzern auf der Bühne befindet. Die Musik durchdringt den Zuschauer voller Sanftmut und die Instrumentierung besticht mit einem fokussierten Klangbild.

Der Tanz ist geprägt von überragender Intimität, er vermittelt Verlust, Trauer und Sehnsucht. Die Tänzerinnen und Tänzer brillieren mit ungesehener und technisch anspruchsvoller Bewegungsvielfalt. Eingebettet ist die Inszenierung in ein von Wolken gezeichnetes Bühnenbild, das mit dezenten Lichteinfällen die Dunkelheit und Traurigkeit des Stückes unterstreicht. Und auch die Kostüme fügen sich in diesen Duktus ein, so dass sich insgesamt ein sehr holistisch choreographiertes,  herausragendes Ballett vorgestellt hat.

Die Vielfältigkeit dieses Ballettabends komplettiert das dritte Stück „One“ von Terence Kohler. Gleich zu Beginn Tanz in Hülle und Fülle mit modernsten Elementen – ein Rausch der Sinne. Der Zuschauer erlebt Tanz im Strudel der Gefühle von stürmisch, virtuos und artistisch bis zu hingebungsvoll und bisweilen zärtlich.

Das mit grauen Säulen erschaffene Bühnenbild ziert archaische Opulenz, in der sich bisweilen fast die gesamte Kompanie des Ballettensembles zeigt. Auch hier begegnet der Zuschauer ungesehenen Bewegungsformen, die in unterschiedlichen Sequenzen höchst ausdrucksvoll getanzt werden. Besonders eindrucksvoll ist der Tanz von Mitgliedern der männlichen Kompanie, die voller Anmut und Leidenschaft in weiten Hosen und nackten Oberkörpern in Phantasiebilder eintauchen. Wie auch im ersten Stück erleidet „One“ einen Bruch – dieses Mal negativ – als die Tänzer nacheinander eine Leiter erklimmen und über eine Säulenwand verschwinden. Nur der wunderbar vom Orchester interpretierten Sinfonie Nr. 1 von Johannes Brahms ist es zu verdanken, dass der Zuschauer hier nicht aussteigt. Der Spannungsbogen geht an dieser Stelle verloren, auch wenn sich am Ende mit der Ankündigung filigraner Lichtstrahlen die Säulen öffnen und die Tänzer wieder zurückkehren.

Es bleibt die Erinnerung an einen weiteren von epochaler Vielfalt und großer künstlerischer Inspiration geprägten Ballettabend, den man nicht verpassen sollte.

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Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter

Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

Khatuna Ehlen über b.26

Leichtigkeit, Trauer und Spannung

Ballett am Rhein Düsseldorf / Duisburgb.26 One   ch.: Terence KohlerLeicht, luftig, romantisch, nett anzuschauen ist das „Bournonville Divertissement“ von August Bournonville, aber man sollte hier keine Tiefgründigkeit oder Wirbel der Gefühle erwarten. Mit einer Leichtigkeit werden hier das Werben der Paare und klassische Geschlechterspielchen dargestellt. Beim Betrachten ging mir ein Gedanke nicht aus dem Kopf: völlig sorglose, glückliche „Dorfjugend“ sucht sich gegenseitig. Das Stück war mit der starken tänzerischen Leistung, mit den schönen Kostümen, Farben und mit der Musik gut abgestimmtem Tanz angenehm anzusehen. Man konnte sich wunderbar ablenken, sich von der dargebotenen Sorglosigkeit gut tragen lassen. Aber es blieb bis zum Schluss eine freundliche schöne Oberflächlichkeit.
Nach dem ich mir alle drei Stücke angesehen habe, konnte ich sagen – Dark Elegies“ von Antony Tudor  war der Höhepunkt des Abends. Eine sehr positive Überraschung war der Bariton, was man beim Ballett nicht unbedingt erwartet. Ein zu dem Tanz und Gesang wunderbar passendes Bühnenbild und Lichtspiel. Ein tiefgründiger Tanz, Melancholie pur, die Suche nach einer Erlösung aus der Trauer, nach sich selbst, nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft…
„One“ von Terence Kohler startete atemberaubend: absolut packende Licht- und Schatteneffekte, ein modernes Bühnenbild, körperbetonte Kostüme, ein Wahnsinnstanz (wie aus der Zukunft oder von einem anderen Planeten), Stärke und Schwäche, Kraft und Verletzlichkeit, Aktion ohne Ende. Aber leider baute die Spannung zum Schluss hin rapide ab, es kam eine lange „Leiter-Szene“, die zwar mit einer wunderschönen Musik begleitet wurde, aber tänzerisch passierte einfach nichts mehr. Ich blieb mit der aufgebauten Spannung emotional bei der Leiter stehen und hielt eine zerlegte Begeisterung in der Hand.

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Khatuna Ehlen
Sozialarbeiterin

Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Nach ihrer ersten Spielzeit als Opernscout ist sie glücklich, weiter als Scout aktiv sein zu dürfen. Bisher sind die Aufführungen des Balletts am Rhein ihr klarer Favorit im Spielplan, so dass sie sich auch in der neuen Spielzeit auf mitreißende Choreographien freut.

Georg Hess über b.26

Leichtigkeit und Trauer

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Leichtigkeit und Trauer an einem Abend! Geht das?

Am Freitag war es dann soweit – Premiere meiner „Spielzeit“ als Operscout und dies gleich mit einem aus drei sehr unterschiedlichen Teilen bestehenden Ballettarrangement.

Die Aufführung im Düsseldorfer Opernhaus war für mich der allererste Ballettbesuch. Daher war ich sehr gespannt, ob es die Aufführung schaffen würde, bei mir Begeisterung zu entfachen.

Der Vorhang öffnete sich um 19.30 Uhr und zum Vorschein kam ein ganz schlichtes Bühnenbild, bestehend ausschließlich aus einem hellblauen Hintergrund, ähnlich einem wolkenlosen Himmel, um den ersten Teil des Abends zu präsentieren.

Die Düsseldorfer Symphoniker begannen Ihr Spiel zur Einleitung des „Bournonville Divertissement“ und hinterließen sofort den ersten besonderen Moment bei mir. Klassische Orchestermusik zu erleben, ohne auch nur einen einzigen Musiker zu sehen, wirkt auf mich als seltenen Operngänger immer wieder faszinierend.

Nach und nach füllten insgesamt fünf Tänzerinnen und fünf Tänzer die Bühne und boten eine sehr fröhliche Darbietung eines Tanzfestes, wie es um 1850 stattgefunden haben könnte, mit einer Vielzahl von federnden Sprüngen und kleinen, unglaublich schnellen Schritten und Beinschlägen, wobei der Oberkörper stets in absoluter Eleganz gehalten wurde. Unterstützt wurde der Ausdruck der Bewegungen und der Frohsinn der Aufführung durch die unterschiedlich pastellfarbenen, aber dennoch sehr harmonisch zusammengestellten tutu-ähnlichen Kleider der Tänzerinnen und der zum Ende hin in das „Tanzspiel“ integrierten Schellenkränze und Bänder.  Durch die durchweg helle (aber nicht störend wirkende) Beleuchtung der Bühne wurde es mir als Betrachter bestens ermöglicht, die technischen Herausforderungen des Balletttanzes zu verfolgen (und zu bewundern).

Für mich als „Neuling“ ein perfekter und leichter Einstieg in den spätsommerlichen Ballettabend.

Nach der ersten Pause begann „Dark Elegies“ des Choreographen Antony Tudor mit der Musik von Gustav Mahler, welches einen Trauerakt einer Gruppe von Dorfbewohnern über verstorbene Kinder in Szene setzt (aus Gedichten Gustav Mahlers inspiriert).  Die Bühne benötigte diesmal wieder keine Elemente, war aber mit einem Hintergrundbild ausgestattet, welches einem dunklen Wolkenhimmel ähnelte. In der auch durch Beleuchtung unterstützten Dämmerungsstimmung begannen den Trauertanz sechs zunächst im Halbkreis sitzende Frauen in schlichten, unaufdringlichen Kleidern, welche nach und nach durch weitere Tänzerinnen und auch einige Tänzer unterstützt wurden. Die strengen Darstellungen der Darbietungen zeigten sehr gefühlsbetont die Trauer der Dorfbewohner über den Verlust ihrer Kinder. Unterstützt wurde die ganze Handlung durch einen am Rand der Bühne sitzenden Bariton als Erzähler.

Durch dieses zweite Stück war die anfängliche Leichtigkeit des Abends verflogen und nun zunächst eher einer Stimmung von Trauer und Beklemmung  gewichen.

Nach der Pause erwartete ich mit Spannung zum Abschluss „One“ von dem Choreographen Terence Kohler mit der Musik von Johannes Brahms. Schon das Bühnenbild ließ erahnen, dass es sich nun um ein modernes und zeitgenössisches Stück handelte. Auf der wieder in Dämmerlicht eingetauchten Bühne befanden sich mehrere  verschiebbare pure Quaderelemente, die mir zunächst ein bedrückendes Gefühl vermittelten, und gegen die in der Spielfolge die sehr große Zahl von Tänzern und Tänzerinnen immer wieder versuchte in verschiedenster Art anzugehen oder diese zu überwinden. Die Kostüme waren dieses Mal eher knapp und enganliegend und Wolkenstrukturen nachgebildet. Mir fiel besonders die Geschmeidigkeit der Darsteller und Darstellerinnen auf, die sich schnell oder in Zeitlupe wanden oder auch gegenseitig trugen zu der insbesondere zum Schluss hin aufgeladenen Musik. Die Handlung des Stücks erschloss sich mir leider nicht in einer Weise, dass ich hierüber jetzt berichten könnte – dies mag aber auch an meiner (noch) laienhaften Betrachtungsweise des Balletttanzes liegen.

Mich (als „Ballettneuling“) hat dieser Abend begeistert, besonders wegen der starken Darbietungen der Tänzerinnen und Tänzer und zudem der Unterschiedlichkeit der drei aufgeführten Werke. Besonders die Aufeinanderfolge von Bournonville’s „Bournonville Divertissement“ und Tudor’s „Dark Elegies“ hat mir deutlich aufgezeigt, zu welcher Schaffung von Stimmungslagen Ballett in der Lage ist und war für mich daher (aber auch nur in dieser Spielreihenfolge) eine mögliche und gute Zusammensetzung.

Einen persönlichen Favoriten möchte ich aus den Stücken des Abends nicht herausbilden, zum Einen weil man der Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer nicht gerecht werden würde und zum Anderen auch wegen der geringen Vergleichbarkeit der Stücke.

Auf den nächsten Premierenabend (dann eine Oper) bin ich schon jetzt sehr gespannt…

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Georg Hess
Notarfachreferent

Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte er tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.