Rouven Kasten über „Madama Butterfly“

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Mitwarten, mitleiden

Madame Butterfly ist eine Geschichte die sehr bekannt ist. Die Geisha Cio-Cio-San, genannt Butterfly, wird dem in Nagasaki stationierten amerikanischen Leutnant Pinkerton als Braut offeriert. Dieser ist mit der japanischen Kultur nicht vertraut, die Hochzeit mit Cio-Cio-San ist Mittel zum Zweck, um mit ihr eine gemeinsame Nacht zu verbringen. Konsul Sharpless ahnt dies und warnt Pinkerton, dass die junge Frau sein Eheversprechen ernst nehmen könnte. Dennoch geht Pinkerton den Bund ein, kehrt jedoch nach nur einer gemeinsamen Nacht nach Amerika zu seiner Verlobten Kate zurück. Als er drei Jahre später mit seiner Frau nach Nagasaki kommt, erwartet ihn Butterfly mit einem Kind. Pinkerton weist sie zurück, möchte aber das Kind in die westliche Welt mitnehmen. Cio-Cio-San begreift, dass sie benutzt und entehrt wurde, und begeht Selbstmord.
Es ist völlig klar, dieses Ende wird tragisch werden, aber dennoch denkt man bis zum Schluss, dass es vielleicht doch noch klappt. Siegt vielleicht doch die Liebe? Ach nein, der Künstler hat es so gewollt. Und wir leiden mit! Mit Tränen in den Augenwinkeln leiden wir, wenn die toll besetze Liana Aleksanyan wartet. Die Passagen, in denen Giacomo Puccini sie warten lässt, lässt er auch das Publikum mitwarten und mitleiden. Ein Schuft möchte man sagen.
Der erste Akt ist ein Leid für den Hörer, hier hat Puccini sich ein wenig abgearbeitet, denn so fühlt er sich an. Keine Leichtigkeit, eher gewollt, aber das kann auch nur mein persönlicher Eindruck sein. Für mich ist und bleibt der erste Akt physisch anstrengend, er verlangt mir wirklich Kraft ab. Ein Glück, dass es in den 3 Stunden dann doch eine Pause gibt. Doch kurz nach der Pause wird das Publikum belohnt. Es folgt relativ zeitnah die Arie „Un bel dì vedremo“, das sicher herausragendste Stück der ganzen Oper. Butterfly wartet schon seit drei Jahren auf die Rückkehr ihres Ehemannes. Sie ist verarmt und gesellschaftlich verachtet. Sie gilt als geschieden, weil ihr Mann sie verstoßen hat, doch sie hält an ihrem Glauben fest, dass er zurückkommen wird. In der Arie malt sie sich aus, wie er zurückkommt und wie sie dann triumphieren wird. Untermalt wird das Ganze von Bühnentechnik die mit kleinen Stilmitteln, große Gesten darstellt. Schön!
Überhaupt ist die Bühne von Alfons Flores mit nur einem Umbau aber feinen Details ein echter Blickfang. Lediglich der leichte Bezug in die aktuelle politische Situation und der dazugehörige Kitsch war mir ein wenig zu viel gut, dass aus dem „America forever“ nicht noch ein „America first“ wurde. Das Theater stellt aber zurecht die Protagonisten in den Vordergrund und so überzeugen vor allem Liana Aleksanyan, Maria Kataeva und Eduardo Aladrén. Diese haben keine Mühe sich bis in die obersten Ränge zu singen. Das Orchester unter der Leitung des erst 29 Jahre alten Aziz Shokhakimov, der am Pult alles rausholt, ist eine Empfehlung an die Ohren. Egal ob mit viel Kraft, fast schon verstörend, oder ganz seicht, mit den Tönen kann er wirklich umgehen und er versteht es, das Orchester dort zu empfangen, wo er es hinführen möchte. Schon deswegen hat sich der Abend gelohnt.
FAZIT: Auch wenn Madame Butterfly und ich uns nicht sehr oft über den Weg laufen werden, den Abend in der Oper am Rhein habe ich letztendlich sehr genossen. Solche Stimmen und Klänge muss man einmal live erlebt haben und diese Oper gehört einfach zu denen, die man im Leben einmal live gesehen haben sollte. Daher mein Tipp: Hingehen!

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Opernscouts Rouven Kasten

Rouven Kasten
Social Media Experte
Rouven Kasten ist in Duisburg aufgewachsen, mit Raider und Pink Floyd. Er bloggt, twittert, facebookt, schießt Fotos und jagt alles in die Wolke. Die Möglichkeit zur grenzenlosen Interaktion gefällt ihm. Nach einigen Agenturstationen und einer intensiven Zeit der Selbstständigkeit ergänzt er nun das Team der GLS Bank im Bereich digitale Kommunikation. Die Begeisterung für das Musikhören und -machen brachte ihn zur Oper und zum Ballett. Die Erfahrungsberichte als Opernscout schreibt er auch in seinen privaten Blog: http://www.gestalterhuette.de oder auf twitter und facebook, direkt aus dem Theater mit dem Hashtag #opernscout.

Ralf Kreiten über „Madama Butterfly“

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Tragödie unter dem Sternenbanner

Die Wirklichkeit ist hässlich. Oder traurig. Oder beides. Daran lässt Puccinis Musik keinen Zweifel, wenn er vor allem in seiner „Butterfly“ den Bogen mitreißend spannt zwischen romantischer Liebelei und extremer Traurigkeit.
In der Inszenierung von Joan Anton Rechi verweigert sich der Regisseur einer niedlichen Nippon-Atmosphäre der Geisha wider Willen, in die der vagabundierende Yankee-Offizier Pinkerton, der nichts weniger ist, als ein Gentleman, auf der Durchreise einbricht. Stattdessen finden Ehe-Coup und Hochzeitsnacht in der amerikanischen Botschaft unter dem alles dominierenden Sternenbanner statt.“ America forever“ statt-Japan Kitsch mit Reißpapier-Wänden.
Für Pinkerton ist es  ein amüsanter Zeitvertreib, für Butterfly ist es aber bedingungslose Liebe, selbst bis zur Aufgabe der alten Religion und Kultur und damit auch des Rückhalts durch ihre eigenen Leute. Das ist ihr Fehler.
Im ersten Akt läuft dann auch alles darauf hinaus, wie Butterfly´s Welt zusammenbricht; bildlich ideal umgesetzt durch das Zusammenbrechen der Säulen in der Botschaft unter ohrenbetäubenden Kriegslärm (Bühne: Alfons Flores). In den Trümmern wartet Cio-Cio- San zusammen mit dem unehelichen Kind; auch hier unter dem weitgehend intakten Sternenbanner, diesmal als Zeltplane für den eigenen Unterschlupf.
Spätestens jetzt schlägt eindrucksvoll die Stunde von Liana Aleksanyan als packende Sänger-Darstellerin. Sie verfügt nicht nur über den Schmelz und großen Atem, den Puccinis wunderbare Musik verlangt, sie hat auch die Durchschlagskraft und enorme Modulationsfähigkeit, mit der ihr, in Verbindung mit berührendem Spiel, ein beeindruckendes und packendes Bild der Protagonistin gelingt. Aber auch die weiteren Sängerinnen und Sänger überzeugen. Der Chor verursacht Gänsehaut, auch weil die Duisburger Philharmoniker unter Leitung des begabten jungen Musikalischen Leiters Aziz Shokhakimov Puccinis Komposition so fein und brillant spielen. Vielleicht manchmal etwas laut; aber wen stört das bei dieser packenden Tragödie.
Rechi lenkt den Blick immer wieder auf das Warten und die Selbsttäuschung der Butterfly. Ernüchternd das wunderschön gesungene „Blumenduett“ zwischen Butterfly und ihrer Gefährtin Suzuki (überzeugend: Maria Kataeva); das Schmücken mit Blumen macht die Trümmerlandschaft nicht schöner, lenkt vielleicht von den seelischen Schmerzen der Butterfly etwas ab. Bedrückend die minutenlange Szene in der die Verzweifelte auf den „Ehemann“ wartet.
Wenn der feige Pinkerton am Ende dieses Alptraums doch noch auftaucht, mit seiner „echten Amerikanerin“ und Ehefrau erkennt Butterfly die Täuschung und kehrt in ihre alte Welt zurück – durch Selbsttötung mit dem Dolch, den schon ihr Vater so gebrauchte.
Einhelliger Jubel für eine packende Inszenierung, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

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Opernscouts Ralf KreitenRalf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld
Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

Heike Stehr über „Madama Butterfly“

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Hoffen und warten

„Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu …“ und in diesem Falle passiert sie der ehrsamen Geisha Cio-Cio-San in Puccinis Oper „Madama Butterfly“. Sie liebt den amerikanischen Marineoffizier Pinkerton, nimmt sogar seinen Glauben an. Er sieht in ihr kaum mehr als eine unterhaltsame und exotische Affäre, ein Spielzeug, über das er nach Belieben verfügen kann. Und schon nimmt das Drama seinen Lauf.
Obwohl die Uraufführung 1904 in der Mailänder Scala zu einer großen Katastrophe wurde, war Puccini selbst von seinem Werk überzeugt „Meine Butterfly bleibt, was sie ist. Die empfindungsreichste Oper, die ich je geschrieben habe! Ich werde noch gewinnen…“ Die Besucher der Premiere der Inszenierung des Stückes an der Deutschen Oper am Rhein unter Joan Anton Rechi können dem aus vollem Herzen zustimmen. Diese Tragödie überzeugt durch lebensnahe Gefühle und ein gutes Gespür für die menschliche Natur, das besonders in Pucchinis berühmten Arien „Vogliatemi bene“, „Un bene piccolino“ und „Un bel dì, vedremo“ aufscheint. Liana Aleksanyan in der Titelrolle verkörpert eindrucksvoll das so schmerzhafte Leiden der in ihrer Liebe einsamen Cio-Cio-San. Mit ihrem Gesang und ihrem Spiel trägt sie das ganze Stück und hält es zusammen. Fast ebenso überzeugend stehen ihr Maria Kataeva als Suzuki und Eduardo Aladrén als Pinkerton zur Seite. Die Duisburger Philharmoniker unter Aziz Shokhakimov spielen glänzend auf und machen den Abend musikalisch zu einem einzigen Genuss. Das Orchesterzwischenspiel nach dem zweiten Akt empfand ich als ein ganz besonderes Highlight der insgesamt drei Stunden dauernden Aufführung.
Diesen jungen erst 28jährigen Aziz Shokhakhimov wünschte ich mir direkt öfter im Orchestergraben zu sehen. Der Film „Dirigenten – jede Bewegung zählt“ (D, 2016) sei jedem ans Herz gelegt, der etwas mehr über ihn, andere junge Dirigentenkollegen und das Geheimnis des Dirigats erfahren möchte.
Doch zurück zu „Madama Butterfly“. Auch im Bühnenbild spiegeln sich Cio-Cio-Sans große Hoffnung zu Beginn und ihr inneres Drama sowie ihr traumatisches Warten bis zum bitteren Ende ganz deutlich wider. Während unter den großen und hohen Säulen der amerikanischen Botschaft ein Ehebund geschlossen wird, den nur eine der beteiligten Personen wirklich ernst nimmt, verbringen wir die folgenden Akte in einer deprimierenden Trümmerlandschaft und hoffen trotzdem und wider besseres Wissens mit der kleinen Frau Schmetterling bis zum letzten Moment, hoffen, dass die amerikanischen Rotkehlchen vielleicht doch nur alle drei Jahre brüten…
Wie ich als Zuschauer so unvermeidlich und zwingend in dieses Hoffen und Warten eingeschlossen wurde, bleibt für mich das große Geheimnis dieses Abends. Gehen Sie hin & schauen Sie, ob Sie diesen Zauber auch erleben werden!

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11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.Heike Stehr
Erzieherin
Kunst spielt in Heike Stehrs Leben eine große Rolle: Neben ihrer Arbeit als Erzieherin in einer KiTa macht sie eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin und betreibt den Blog http://kunstlebendig.blogspot.de. Sie besucht besonders gerne Ausstellungen, Programmkinos, Theaterstücke, Konzerte und Ballett. Auf den Bereich Oper, der für sie weitgehend Neuland ist, ist sie aber sehr gespannt. Sie freut sich, als Opern- und Ballettscout Kunst erleben und ihre individuellen Eindrücke an andere weiter geben zu können.

Martin Breil zu „Madama Butterfly“

madamabutterfly_foto_hansjoergmichel_altDie wohl traurigste Oper

„Nimm genug Taschentücher mit“ sagt man gern etwas scherzhaft, wenn man jemandem den Besuch einer besonders tragischen oder tränenreichen Oper empfiehlt, um den hohen Grad der Rührung zu beschreiben, den das Stück auslösen könnte. Bei „Madama Butterfly“ ist das anders. Hier mag der Zuschauer das mitgebrachte Päckchen Taschentücher nach dem letzten Vorhang eher vor Wut zerdrückt in den Mülleimer pfeffern, nicht weil die Inszenierung oder die Sänger schlecht gewesen wären, sondern weil sich in der Rückschau seit der Uraufführung von Giacomo Puccinis Oper 1904 offenbar immer noch nicht viel in unserer Gesellschaft zum Besseren verändert hat. Es geht in der Oper um Sextourismus, Kindesmissbrauch, Ehebruch, Ausbeutung, Kolonialismus und die vielen anderen Schmutzigkeiten, die sich unsere Gesellschaft unter dem Deckmäntelchen westlicher Werte noch heute in den Schwellenländern leistet. Cio-Cio-San, das 15-jährige japanische Mädchen steht dabei stellvertretend für alle Kinder, die auf Kosten unseres billigen Wohlstandes, seelisch gequält und ausgebeutet, ihrem Schicksal überlassen werden. Minutenlang schaut Cio-Cio-San hilflos den Zuschauer an und wartet auf eine Reaktion. Schweigend schaut sie in die Ränge und klagt an, was der Marineoffizier Pinkerton ihr angetan hat. Dazu ertönt die wunderbare Musik Giacomo Puccinis, die die Klarheit und Unschuld ihrer kindlichen Seele so wunderbar zum Ausdruck bringt, sodass der Betrachter nur noch hilflos, ohne Antwort und beschämt zu Boden schauen kann. Liana Aleksanyan singt die Rolle der Cio-Cio-San perfekt. Dirigent Aziz Shokhakimov bringt das Potenzial der Duisburger Philharmoniker zu seltener Strahlkraft. Musikalisch, wie auch schauspielerisch ist die Oper ein Hochgenuss. Den Atombombenabwurf von Nagasaki in Zusammenhang mit der Zerstörung von Cio-Cio-San‘s Seelenleben im Bühnenbild zum Ausdruck zu bringen ist Geschmackssache. Dass die Inszenierung mit dem rüpelhaften Yankee Pinkerton zeitnah mit dem Ausgang der Wahlen in den USA zur Aufführung kommt ist sicher ein reizvoller Zufall. Erinnerungen an „Aida“ werden nach der Vorstellung wieder wach. Nach dem „Graf von Luxemburg“ ein beeindruckendes Beispiel für das große Spektrum der Höhen und Tiefen des Lebens, die das Theater vor den Augen des Betrachters abrollt. Bravo!

Weitere Informationen zu „Madama Butterfly“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau
Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

Martin Breil über „Der Graf von Luxemburg“

 der_graf_von_luxemburg_11_foto_hans_joerg_michel„Denn doppelt schmeckt’s dem Bübchen …“ 

Nach der „Csárdásfürstin“ und der „Zirkusprinzessin“ präsentiert die Deutsche Oper am Rhein nun ihre neueste Operettenproduktion „Der Graf von Luxemburg“ in der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog.
Die Operette von Franz Lehár wurde 1909 uraufgeführt. Die Handlung ist einfach strukturiert und bietet den roten Faden für einen Reigen populärer Melodien aus ihrer Entstehungszeit. Die Texte sind ebenso zeitgemäß, wie verblüffend (dumm).
Der Betrachter kann also in der Pause nach Hause gehen oder er lässt sich von Herzogs rasanter Inszenierung, dem tollen Bühnenbild, tollen Sängerinnen und Sängern und den Duisburger Philharmonikern auf eine feucht fröhliche Zeitreise zum Beginn des 20. Jahrhunderts mitnehmen.
Die Inszenierung nimmt im Laufe des Abends richtig Fahrt auf, sodass es schwer wird ihre vielen liebevollen kleinen Details zu erfassen. Dabei bedient sich Herzog aller technischer Mittel, die das Opernhaus zu bieten hat.
„Wir bummeln durchs Leben, was schert uns das Ziel“ und so erlebt der zunehmend berauschte Zuschauer u.a. ein Leibwächtertrio von seltener Unbeholfenheit, bei dem es schon wehtut hinzuschauen oder einen „Hausdrachen“, der auch so aussieht und als Feuerzeug herhalten muss. Der Drache wird wunderbar verkörpert von Oliver Breite, der gleich noch fünf weitere Rollen übernimmt. Das Opernhaus gerät nach und nach aus den Fugen, sodass der Zuschauer nach drei Stunden und „happy end“ das Gefühl hat an einer Tortenschlacht teilgenommen zu haben.
Vielschichtig, zuckersüß und liebevoll verziert wie eine Sahnetorte, das Dessert hat dem Bübchen geschmeckt, ganz kalorienfrei.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau
Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

Kathrin Pilger über „Madama Butterfly“

madamabutterfly_05_foto_hansjoergmichelDiese Geschichte geht zu Herzen

Eine wahrhaftige „Tragedia“ war am vergangenen Samstag bei der Premiere von Giacomo Puccinis „Madama Butterfly“ im Theater Duisburg zu erleben:
Der in der japanischen Stadt Nagasaki stationierte amerikanische Marineoffizier Pinkerton geht eine Ehe mit der Geisha Cio-Cio-San („Butterfly“) ein. Die Ehe kann von dem Amerikaner jederzeit annulliert werden. Die Braut hingegen nimmt die Ehe ernst; sie liebt Pinkerton aufrichtig. Dieser reist nach der Zeremonie und der darauf folgenden Hochzeitsnacht in seine Heimat und lässt Butterfly in der ständigen Hoffnung auf seine Rückkehr allein mit ihrer Vertrauten Suzuki zurück. Als Pinkerton nach drei Jahren per Schiff nach Japan zurückkehrt, ist er in Begleitung seiner amerikanischen Ehefrau, die er zwischenzeitlich geheiratet hat. Er kommt nur, um das gemeinsame Kind mit Butterfly zu sich nach Amerika zu holen. Als diese den Zusammenhang realisiert, nimmt sie sich mit einem Dolch das Leben.
Die Geschichte geht zu Herzen. Allzu deutlich wird der kulturelle Gegensatz zwischen den Ländern und den Kontinenten. Dieser Eindruck wird durch das Bühnenbild besonders unterstrichen: Der erste Akt findet im amerikanischen Konsulat statt, somit sowohl die geschäftsmäßige Anbahnung der Ehe zwischen der Geisha und dem Offizier, als auch die Hochzeit, inklusive der Liebesnacht. Der zweite und dritte Akt spielen in einer Trümmerlandschaft. Nach dem Bombenangriff auf Nagasaki (eine moderne Interpretation des Stückes) lebt Butterfly mit Suzuki und ihrem Sohn inmitten der zerstörten Stadt; eine trostlose, beschädigte  Nationalflagge erinnert noch an die Präsenz der Amerikaner. Die deprimierende Atmosphäre auf der Bühne  passt zum Gemütszustand der Protagonistin, was den Zuschauer nicht unberührt lassen kann.
Die künstlerischen Leistungen des Premierenabends waren beeindruckend, allen voran die armenische Sopranistin Liana Aleksanyan , die aufgrund einer Erkrankung der eigentlich vorgesehenen Sängerin kurzfristig eingesprungen war, in der Titelrolle. Sehr klar und wunderbar mit den Stimmen der Sänger harmonierend musizierten die Duisburger Philharmoniker. Alles in allem war der Abend sehr gelungen, die Inszenierung des Stückes an der deutschen Oper am Rhein ist absolut empfehlenswert.

Weitere Informationen zu „Madama Butterfly“

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Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg
Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

Birgit Idelberger über „Madama Butterfly“

madamabutterfly_03_foto_hansjoergmichelSchwere Kost

„Madama Butterfly“ bedeutet Tragik, das weiß jeder. Die Geschichte ist kurz erzählt.
Die kindliche Protagonistin Madame Butterfly heiratet den amerikanischen Offizier Pinkerton, der sie jedoch nur für eine Nacht besitzen möchte. Danach reist er ab und lässt eine in blinder Liebe zu ihm entbrannte Frau zurück. Sie wird in dieser Nacht schwanger und zieht in den folgenden drei Jahren ihren Sohn groß, in der Hoffnung auf die Rückkehr des Vaters. Dieser kehrt schließlich mit seiner amerikanischen Ehefrau nach Japan zurück, will Butterfly jedoch nicht sehen. Als er erfährt, dass er Vater ihres Sohnes ist, entschließt er sich, das Kind mit nach Amerika zu nehmen. Erst in dieser Situation erkennt Butterfly die Wahrheit und bringt sich vor seinen Augen um.
Schwer verständlich die Handlung an sich, muss man doch in die Geschichte zurückkehren, um zu wissen, dass derlei Geschehnisse im 19. Jahrhundert gar nicht so selten waren. Eine solche historisch belegte Beziehung diente als Vorlage zu einer Novelle von John Luther Lang. Diese als Broadway-Stück aufgeführte Novelle inspirierte Puccini zu dieser Oper. Vielleicht aber auch sein eigenes Privatleben, das von vielen Liebschaften geprägt war. Auch er erlebte den Suizid einer  jugendlichen Geliebten.
Also insgesamt eine schwere Kost! Mit Verstand konnte man dem Handlungsverlauf nicht immer folgen, da gibt es zu viele Ungereimtheiten. Doch trotz allem geschah es, dass man in den Bann gezogen wurde von dem zum Teil unglaublichen Geschehen auf der Bühne. Man war emotional gefangen und litt mit der Hauptfigur bis zum tragischen Ende durch den Freitod.
Sicherlich hat Puccinis Musik selbst einen großen Anteil daran. Das größte Lob jedoch gehört diesem Abend der musikalischen Leitung von Aziz Shokhakimov, dem Philharmonischen Orchester und den Opernsängern, welche alle erstklassig besetzt waren. Die Harmonie dieser Künstler war die große Kunst, den Zuschauer mit auf die Reise zunehmen, die immerhin drei Stunden lang war. Ein großer Erfolg!

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11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Birgit Idelberger
Frauenärztin
Birgit Idelberger ist in Duisburg aufgewachsen und seit 10 Jahren als Frauenärztin in Duisburg-Walsum niedergelassen. Sie geht gern ins Kino und besucht Kunstausstellungen, doch Bezug zum Theater hatte sie kaum – zur Oper schon gar nicht. Das ist jetzt anders: Offen und neugierig ließ sie sich auf ihre erste Saison als Opernscout ein. Auch ohne Theatererfahrung empfindet sie die Opern- und Ballettabende als persönliche Bereicherung und positive Erfahrung. Sie hofft, dass viele Menschen durch die Kommentare der Scouts neugierig werden und den Weg ins Theater finden.