Der ganze Abend ein Gesamtkunstwerk

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Mila Langbehn über die Premiere von „b.42“

Was für eine faszinierende Komposition diese drei Werke miteinander ergeben, ein zutiefst berührendes Gesamtkunstwerk!

Im Licht der blauen Stunde beginnt der Abend mit einer sinnlich-locker-lässig-eleganten Variante des klassischen Balletts. Der Tanz als Verbildlichung von Klang, zeigt sich hier ganz im Dienste der lyrischen Musik: in vielen Sprüngen, scheinbar von Schwerkraft befreit und in langen Armen, die weiche Wellen in den Raum zeichnen. Die Kostüme sind wie eine zweite Haut, hell pastellfarben, den Körper umschmeichelnd. Das weiche Licht auf den geschmeidig Tanzenden wird durch das strahlende Türkisblau der Kulisse gesteigert.

Danach wird es dunkel, aber farbenreicher: wesenhaft, fast animalisch bevölkern die Tanzenden die Bühne. Das kunstvoll gemalte Bühnenbild erinnert mich an Astwerk im Wind. In diesem stark die Phantasie anregenden Stück erscheinen die Tanzenden in ihren aufwendigen Kostümen teils wie Fische oder Vögel, teils wie rollende Findlinge oder Wellen. Die abstrakte Musik nehme ich kaum wahr, wie eine gelungene Filmmusik verschmilzt sie einfach mit dem Geschehen. Und das, obwohl drei Musiker äußerst präsent über dem Geschehen schweben.

Im letzten Stück befinden wir uns wiederum in einer sehr handfesten Welt der Körperkraft, menschlicher Leidenschaft und hartem Schwarz-Weiß. Sehr spannungsreich lösen sich die weißen Körper aus dem tiefen Schatten der Kulisse und verschwinden wieder darin. Die Grenzen zum Tanztheater werden überschritten, große Gesten knallen ins grelle Streiflicht. Hier erleben wir Muskelmacht und Kraft! Dieses Stück ist so wuchtig wie das erste zart ist, so laut wie das zweite leise ist.

Vieles gäbe es noch zu sagen über diesen sinnesbetörenden Abend mit Standing Ovations. Ein Detail nur zum Schluss: In der Dichte sinnlicher Eleganz und dramatischer Düsternis war dennoch Platz für Humor, für drollig-trollhaft Marschierende oder eine freche Primaballerina, die X-Beine macht. Perfekt!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Mila Langbehn
Landart-Künstlerin

Die selbstständige Landart-Künstlerin hat als Amateur-Tänzerin mit klassischer Ausbildung selbst öfter auf der Bühne gestanden. Heute beschäftigt sie sich mit Landschaftskunst. Kunstaustellungen. Beim Theatererlebnis fasziniert sie insbesondere das Zusammenspiel aus den verschiedenen Komponenten Musik, Kostüm, Bühnenbild und Gesang. Besuche im Theater sind für sie ein angenehmer Gegensatz zum alltäglichen Leben und aus den Vorstellungen zieht sie oft auch Inspiration und Vergleicht diese mit ihrer eigenen Arbeit.

Eine wundervolle Komposition

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Miriam Kasten über die Premiere von „b.42“

Als eingefleischter Ballett-Fan habe ich mich sehr auf „b.42“ gefreut. Choreographien von Balanchine haben mich schon als Kind begeistert und auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. Balanchine ist Ballett in Perfektion. Den Tänzern wird alles abverlangt. Es ist eine perfekte Mischung aus Leichtigkeit und Eleganz gepaart mit großen Gesten und Stärke. Durchweg sind die Tänzer hoch Konzentriert und strahlen dennoch sehr die Freude aus die sie bei diesem Stück haben. Das Bühnenbild ist lediglich eine blaue Wand und sonst nur die nackte Bühne. Es wird sich auf das wesentliche konzentriert was ich für perfekt halte. Die Kostüme sind ein transparenter Hauch von nichts damit die Körper perfekt zur Geltung kommen. Der Applaus und die Bravo rufe am Ende dieses Teils sprechen für sich.

Der zweite Teil des Abends von Remus Sucheana startet düster und still. Lediglich Umrisse von einigen wenigen Tänzern sind auf der Bühne zu erkennen. Es bleibt sehr lange still, ein mutiger Zug von Sucheana, eine schwere Aufgabe für das Publikum. Nur ganz langsam werden einige Lichtstreifen auf der Bühne hell und dazu startet eine Klangwelt der isländischen Komponistin Anna Thorvaldsdottir. Ebenso langsam steigert sich der Tanz von vorsichtigen Bewegungen bis hin zu einem Vulkanausbruch. Island ist allgegenwärtig, ebenso im Bühnenbild bei dem man an Schnee und schwarzes Vulkangestein denken muss. Eine wundervolle Komposition in der Musk und Tanz Eins werden.

Den Abschluss macht Martin Schläpfers Reformationssymphonie. Von Beginn an eine sehr kraftvolle Choreographie. Die Tänzer allesamt in den gleichen schwarzen Trikots. Die Herren tanzen filigran, die Damen poltern schweren Schrittes in schwarzen Spitzenschuhen auf die Bühne. Die Geschlechterrolle ist getauscht und verschwimmt schließlich. Lediglich die unkoordinierte Darstellung des verzweifelten Luthers passt mir nicht ins Bild und lenkt mich vom restlichen Tanz ab. Auf der Bühne sucht man vergeblich ein Bühnenbild. Es gibt keins. Auch hier steht der Tanz absolut im Vordergrund.

Über den kompletten Abend bringen alle Tänzer eine tief beeindruckende Leistung. Scheinbar Minuten lang stehen sie unbewegt auf den Spitzen. Das Gesamtbild ist wunderschön und durch die hervorragende Leistung der Philharmoniker wird es zu einem echten Erlebnis. Von mir eine ganz klare Empfehlung.

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Myriam Kasten
Projektmanagerin Tourismus bei Duisburg Kontor GmbH

Die gelernte Fotografin hat die Liebe zu ihrer Heimatstadt zum Beruf gemacht: Als Projektmanagerin im Bereich Tourismus gibt sie ihre eigene Begeisterung für die Stadt an Besuchergruppen weiter. Für sie ist das Theater Duisburg einer der großen Anziehungspunkte der Stadt. Als großer Ballettfan hat sie Martin Schläpfers „Schwanensee“ in der Spielzeit 2018/19 positiv überrascht und die „Götterdämmerung“ in der Mercatorhalle vollkommen begeistert.

Alles nur eine Frage der Kommunikation…

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Benedikt Stahl über die Premiere von „I puritani“

Zwischen den Jahren. Irgendwo in Nordholland. Nach einem ausgiebigen Strandspaziergang bei dem der Blick bis zum Horizont und vielleicht auch ein wenig in das Dahinter die Stimmung prägt. Ein leckeres Abendessen mit einem guten Glas Wein.

„Hast Du eigentlich Deinen Operntext zu I Puritani schon geschrieben?“

„Nein, ehrlich gesagt noch nicht. Mit dem Weihnachtsfest und den vielen schönen und fröhlichen Begegnungen mit der Familie und Freunden gab es einfach noch keine Zeit dafür. Aber wo Du mich gerade fragst, was würdest Du denn so im Nachhinein sagen?“

„Na, ich würde zum Beispiel etwas über die sehr gute Musik schreiben. Die sehr schönen Arien und Duette. Adela Zaharia als Elvira, sie ist wunderbar! Bogdan Taloş als Sir Giorgio, der vom ersten Moment an so präsent ist. Günes Gürle als Lord Gualtiero Valton mit unglaublicher Tiefe. Der Chor und das Orchester, richtig stark!“

„Ja, das war wirklich eine beeindruckende Inszenierung und die Musik von Bellini zieht einen im Laufe des Abends immer mehr in ihren Bann, verzaubert geradezu!“

„Die Bühne fand ich auch toll! Die einfache Szene, das Licht, die Raumideen.“

„Nicht unbedingt ganz mein Höhepunkt und über die Plastikgewehre sehe ich mal lieber großzügig hinweg, das war überflüssiges Zeug. Das Schlichte aber und sowohl die düsteren Farben wie auch die Kostüme fand ich ganz stimmig.“

„Du hast Recht, die Musik war wirklich wunderschön. Die Handlung jedoch ziemlich verdreht, vor allem die Texte.“

„Allerdings, ziemlich verworrenes Zeug. Ähnlich abstrus wie die Wagnerschen Wortfantastereien. Als wir nach der Pause ganz vorne am Orchestergraben saßen, konnte man die Übertitelung ohnehin kaum noch lesen. Das war im Grunde auch vollkommen unnötig, die Dramatik der Klänge und die Bilder auf der Bühne sprechen für sich. Wenn man dann noch die Gelegenheit hat den Dirigenten Antonio Fogliano zu beobachten, mit welcher Hingabe und Inbrunst er das Stück leitet, dann ist jedes Wort überflüssig. Und was den Inhalt betrifft: Du würdest wahrscheinlich sagen, alles nur eine Frage der Kommunikation. Hätten die alle mal vernünftig miteinander geredet, hätte es mit Sicherheit kein solches Drama gegeben.“

„Das stimmt. Nur, was ist schon eine Oper ohne ein richtiges Drama?“

„In der Tat und ein wunderbarer Abend war es auch!“

In diesem Sinne, und passend zum Jahreswechsel, ein ganz großes Dankeschön an alle Beteiligten, insbesondere an Tanja Brill und ihre Mitarbeiter, die uns immer so nett betreuen, die Sänger, die Musiker, das Personal, die Opernleitung, allen, die dazu beitragen, dass so etwas möglich ist!

Von Herzen auch ein Dank an Judith, mit der ich schon so viele schöne Opernabende erleben durfte und deren Begleitung jede Aufführung einzigartig macht!

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Benedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit. Wenn in einer Inszenierung alle komponenten gut zusammenkommen dann entsteht „ein großes Kunstwerk“ und in der Deutschen Oper am Rhein ist „immer was für einen dabei“. Besonders gefällt ihm die Vielseitigkeit von Oper und Ballett.

Ein beeindruckender Abend

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Karolina Wais über die Premiere von „I puritani“

Der Anfang der Oper wird durch ein stilles Schauspiel vollzogen, so dass ich mich komplett in das Bühnenbild verlieren kann. Das Bühnenbild ist fantastisch. Die Wände sind erstmal holzvertäfelt und von einem Klinker umrahmt. In der Mitte ist eine runde Öffnung. Es ist unverkennbar, dass hier gleichzeitig die Kirche und das Parlament repräsentiert wird.

Im Laufe des Stücks wird ersichtlich wie sehr das Bühnenbild durch Lichtspiele wandelbar ist. Die Lichteffekte unterstreichen gekonnt die Stimmung, die gerade auf der Bühne herrscht. Je nachdem ob es Trauer, Verzweiflung oder Freude ist.

Im zweiten Akt wird die Holvertäfelung von den Wänden entfernt, die Atmosphäre, die dadurch entsteht, unterstreicht Elviras Wahnsinn perfekt.

Am besten gefällt mir aber der Augenblick, in dem das Bühnenbild zum Teil hochgefahren wird und ein Wald dahinter zum Vorschein kommt. Wirklich atemberaubend, besonders wenn man nicht darauf vorbereitet ist.

Die Kostüme der Puritaner sind in schlichtem Schwarz gehalten, das Schwarz wird aber durch ebenfalls schwarze Ledereinsätze gebrochen. Die Schlichtheit der Kostüme der Puritaner unterstreicht die pompösen, vorwiegend in lila gehaltenen Kostümen der Royalisten. Die Kostüme fügen sich perfekt in das Bühnenbild ein.

Ich freue mich Adela Zaharia, die Elvira spielt erlebt haben zu dürfen. Ihre Stimme, ihre Körpersprache zeugt von Perfektion. So sehr, dass ich ihren Wahnsinn spüren und nachvollziehen kann, den Wahnsinn von ihrem Geliebten von jetzt auf gleich verlassen worden zu sein.

Das Stück ist für meinen Begriff schauspielerisch und gesangstechnisch tadellos besetzt, von jedem einzelnen Sänger bis hin zu dem Chor.

Das Orchester umrahmt die Vorstellung zusätzlich akustisch hervorragend und macht es zu einem beeindruckenden Opernabend, der zu Recht mit Standing Ovations gehuldigt wird.

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Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich nun mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre erste Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett näher kennenzulernen.

Ein genussvoller Abend

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Stefanie Hüber über die Premiere von „I puritani“

Die Premiere von „I puritani“ einer Oper in 3 Akten von Vincenco Bellini hat mir einen sehr genussvollen Abend beschert.  Die Inszenierung von Rolando Villazón war meines Erachtens nach sehr ansprechend und auch das nicht dem Original entsprechende Ende war äußerst gelungen.

Obwohl die Handlung der Oper mit 2 Sätzen erzählt ist und keine spannenden Wendungen bietet ( und das bei einer Länge von 3 Stunden!) habe ich mich keinen Moment gelangweilt.
Die einzelnen Szenen gingen fliessend ineinander über und es waren häufig sehr viele Darsteller auf der Bühne, so dass für den Zuschauer wenig Verschnaufpause blieb.
Jedoch empfand ich diese Tatsache nicht als überfrachtend, sondern dies führte zu einer Dynamik, die die Aufführung aufgrund des schon erwähnten Handlungsmangels sonst leicht als langatmig hätte erscheinen lassen.
Dadurch gab es jedoch viel zu entdecken und zu bestaunen und auch die in die Handlung eingebauten Umbauten geschahen spielerisch und fliessend.

Auch das Bühnenbild von Dieter Richter hat mir gefallen: Minimalistisch und doch nicht ZU cool,es unterstrich den puritanischen Gedanken ebenso wie die schlichten Kostüme, gestaltet von Susanne Hubrich.

Gesanglich überzeugte  die komplette Besetzung, doch vor allem die grandiose Besetzung der Elvira durch Adela Zaharia liess mich noch Tage später schwärmen, WAS FÜR EINE STIMME!!!

Sie besitzt auch viel schauspielerisches Talent und verkörperte dadurch die Rolle der, erst sehr mädchenhaften und später dem Wahnsinn verfallenden Elvira, großartig.

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Stefanie Hüber
Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin arbeitet überwiegend mit psychisch kranken Menschen und nutzt Musik als Mittel der Therapie. Sie sang im Kammerchor und lernte als Kind Klavier und Blockflöte zu spielen.
Die Oper wurde ihr als Kind von ihren Eltern „vermiest“ aber sie fand einen neuen Zugang zu ihr durch ihre Tochter, die Musik studierte. Inzwischen ist die Oper ebenso wie Rockkonzerte ein spannendes und regelmäßiges Highlight in ihrem Leben.

Belcanto als spannender Psycho-Krimi

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Helma Kremer über die Premiere von „I puritani“

Von Bellini hatte ich bereits die Norma gesehen. I Puritani kannte ich nicht und hatte entsprechend keine Vergleichsmöglichkeiten und auch keine Erwartungen. Lediglich, dass es eine der berühmtesten Belcanto-Opern ist, war mir bekannt. Und eigentlich ist Belcanto nicht unbedingt mein Lieblingsgenre.

Kurz vor der Aufführung höre ich mir die spannende Einführung von Chefdramaturgin Anna Melcher an. Sie beleuchtet aufschlussreiche Aspekte der Entstehungsgeschichte, insbesondere zum Libretto. Außerdem gibt sie, sehr subtil, wichtige Hinweise auf die psychologischen Besonderheiten der Inszenierung, auf die ich daher im Folgenden ein umso größeres Augenmerk legen werde.

Die Inszenierung, die ich dann in den folgenden dreieinhalb Stunden erleben darf, ist die beste Opern-Aufführung, die ich, seit meinem ersten Opern-Besuch, Humperdincks „Hänsel und Gretel“ vor über vierzig Jahren, in der Deutschen Oper am Rhein gesehen habe. Die Sänger und Sängerinnen sind überragend und überzeugen in gesanglicher Hinsicht ebenso wie mit schauspielerischen Fähigkeiten. Adela Zahira als Elvira übertrifft alle anderen. Auch Bühnenbild und Kostüme gefallen mir sehr gut (Gott sei Dank kein unnötiger Transfer ins Zeitgenössische).

Rolando Villazón und sein Team haben es geschafft, das als, zumindest in Teilen, missglückt und konstruiert geltende Libretto bzw. die brüchige Handlung als spannenden Psycho-Krimi zu inszenieren, der weder auf mich noch auf meine kompetente Begleitung (meine Schwester, die Musikerin in der Familie) an irgend einer Stelle bemüht oder peinlich wirkt. Die anderen Zuschauer und Zuschauerinnen scheinen ebenfalls enthusiastisch:  Derart begeistert habe ich das Düsseldorfer Opern-Premieren-Publikum noch nicht erlebt.

Die Handlung wird vorrangig aus dem Blickwinkel von Elvira geschildert. Ebendiese Fokussierung auf ihre Perspektive verleiht dieser typischen Frauenfigur des 17. Jahrhunderts, die – im Gegensatz zu den männlichen Figuren – zur Passivität verdammt ist, und nur abwarten kann, welche Entscheidungen die handelnden Männer um sie herum treffen, eine Präsenz, die beeindruckt.

Auch die Darstellung der Hauptfiguren als vielschichtige und facettenreiche Charaktere überzeugt. Auf Schwarz-Weiß-Malerei wird durchweg verzichtet. Elviras Wahnsinn kündigt sich bereits vor Arturos vermeintlichem Treuebruch an. Eine mögliche  – und nur angedeutete – Ursache ist  sexueller Missbrauch seit der Kindeit/Jugend. Diese Zeichnung der Figur scheint mir plausibler als die gängige Darstellung, die in Arturos Verrat den alleinigen Anlass für Elviras geistige Umnachtung sieht.

Die Aufführung wird vom Publikum gefeiert! Verdienter, langanhaltender Applaus und nicht enden wollende „Bravo“-Rufe für Sängerinnen und Sänger, musikalische Leitung und Regie.

Irritiert bin ich in den folgenden Wochen von den Kritiker-Rezensionen, die die Inszenierung durchweg negativ(er) beurteilen und sich in ihrem Lob auf die musikalischen Leistungen beschränken. (Allerdings habe ich bisher nur Online-Rezensionen von männlichen Kritikern lesen können.)

Diese Inszenierung von Rolando Villazón in Düsseldorf darf man sich als Opern-Fan nicht entgehen lassen. Und wer noch kein Opern-Fan ist, wird es vielleicht nach dem Besuch dieser Aufführung.

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Helma Kremer
Leiterin „Market Development“ bei der Düsseldorf Tourismus GmbH

Helma Kremer arbeitete nach ihrem Studium an der Heinrich-Heine-Universität zunächst an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Nach einem. Voluntariat im Bereich „Marketing/Presse“ beim Düsseldorfer Schauspielhaus übernahm sie 2006 den Bereich „Kulturmarketing“bei der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH. Durch ihre Großeltern kam sie bereits als Kind mit der Oper in Kontakt, ihre erste Aufführung im Opernhaus war „Hänsel und Gretel“. Dennoch interessiert sie sich eigentlich eher fürs Ballett, als für die Oper. Sie freut sich in ihrer ersten Spielzeit als Opern- und Ballettscout auf die regelmäßigen Theaterbesuche

Ein intensives und bewegendes Erlebnis

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Sandra Christmann über die Premiere von „I puritani“

Bis auf  kurze Kostüm-Highlightmomente (Brautkleid Elviras und Kostüm der Königswitwe) sind eben diese das mit puritanischste an der Oper  – sonst eher nichts.

Doch natürlich der inhaltliche Rahmen, denn das gesamte Verlangen, die glühende Liebe, der Wahnsinn der Elvira sowie das Drama, die Tragik und die Spannung sind eingebettet in den historischen Kontext zur Zeiten der Puritaner.

Rolando Villazón hat die perfekte klassische Oper inszeniert und zu meiner großen Freude sie zu keinem Zeitpunkt mit irgendwelchen „modernen“ Stilfehlern versehen, sondern geradezu diszipliniert mit voller Qualität im Sinne einer großen Oper mit Belcanto, hervorragendem Orchester, großer schauspielerischer Qualität und allen Facetten des Liebesdramas kreiert. Großartiges Bühnenbild von Dieter Richter

Und die perfekte Besetzung:
Adela Zaharia – atemberaubend – das habe ich schon einmal geschrieben: sie hat eine so starke, ergreifende Bühnenpräsenz, die leider alle weiteren Protagonisten als Beiwerk erscheinen lässt.
Sie ist so unfassbar wandelbar als verirrte, verwirrte, liebeskranke, geistesauffällige Frau, fast ein Mädchen, zumindest als der grapschende Onkel Giorgio sich ihr so anbiedernd nähert.

Übrigens auch eine großartige Leistung, tolle Stimme von Bogdan Taloş!!!

Elvira fängt einen ein. Ich habe mit gelitten, hatte Sehnsucht, wünschte mir nichts mehr als Arturo zurück und war zutiefst bewegt, wenn sie in ihrem irren, verzweifelnden Wahnsinn, liebeskrank in wachen Momenten erneut in ihr Leid zurücksank.

So muss sich unerfüllte Liebe anfühlen.

Ich hatte eine Freundin als Begleitung mitgenommen, die vorher noch nie in der Oper gewesen ist und sie hatte definitiv keine Vorstellung was zu erwarten war.
Sie bedankt sich noch heute bei mir: „das war das Intensivste, was ich seit Langem erlebt habe, ich bin da in eine Welt geführt worden, die mich musikalisch und von der Inszenierung her in etwas Bewegendes hat eintauchen lassen, dass es meine Vorstellungskraft übertroffen hat“

(So in etwa waren ihre Worte und ich kann das voll und ganz nachvollziehen)

Sandra_Christmann

Sandra Christmann
Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf und die Kunst. Sie engagiert sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben ihrer Arbeit engagiert sie sich für diverse Hilfsprojekte.
Sie liebt das Ballett und besuchte „just for fun“ manchmal die Oper, nun will sie „auch nach ihrer Zeit als Opernscout der Oper treu bleiben“.